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Troubadour-Forum für klassische Vokal- und Instrumentalmusik

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Bach, Johann Sebastian, Messe h-moll BWV 232

Johann Sebastian Bach: Messe h-moll BWV 232 auf 2 CDs

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Messe h-moll BWV 232

2 CDs
Künstler:
Barbara Schlick, Catherine Patriasz, Charles Brett, Howard Crook, Peter Kooy, Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe
Label: Erato 24.4.2009

Rezension:
E.​ Bezold in HiFiVision 9/89:“Geschmeidigkeit erhält in dieser Interpretation den Vortritt vor scharfen Kontrasten .​ Somit entsteht eine überzeugende Balance zwischen dem kleinbesetzten Vokalensemble und den historischen Instrumenten.​ Interpretation und Klangqualität: gut bis sehr gut.​“

Disk 1 von 2 (CD)

Messe H-Moll Bwv 232

  1. Kyrie eleison
  2. Christe eleison
  3. Kyrie eleison
  4. Gloria in excelsis Deo – Et in terra pax
  5. Laudamus te
  6. Gratias agimus tibi
  7. Domine Deus
  8. Qui tollis peccata mundi
  9. Qui sedes ad dexteram
  10. Quoniam tu solus Sanctus
  11. Cum Sancto Spiritu

Disk 2 von 2 (CD)

  1. Credo in unum Deum (Symbolum nicenum)
  2. Patrem omnipotentem
  3. Et in unum Dominum
  4. Et incarnatus est
  5. Crucifuxus
  6. Et resurrexit
  7. Et in Spiritum Sanctum
  8. Confiteor – Et expecto
  9. Sanctus
  10. Osanna in excelsis
  11. Benedictus
  12. Osanna in excelsis
  13. Agnus Dei
  14. Dona nobis pacem
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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Zu den Bach-Werken, die bei mir einen hohen Stellenwert genießen, gehört die h-Moll-Messe. Kennengelernt habe ich sie vor fast 7 Jahrzehnten in einer Aufnahme Herbert von Karajans, der das Philharmonia-Orchester London bei den Arien dirigierte, während der übrige Orchester- und Chorpart dem Chor der Gesellschaft der Wiener Musikfreunde und den Wiener Philharmonikern anvertraut war. Seine Solisten waren damals Elisabeth Schwarzkopf, Marga Höffgen, Nicolai Gedda und Heinz Rehfuss.

Diese Aufnahme kann ich aus heutiger Sicht nicht mehr ertragen, weshalb ich sie, wenn sie auch noch immer im Plattenregal steht, auch nicht mehr höre. Trotzdem fällt es mir schwer, mich von dieser Aufnahme zu trennen. Karajans Deutung war damals durchaus „en vogue“, eine andere Zeit eben. Offensichtlich spielt hier bei mir die Nostalgie eine gewichtige Rolle (mein Cover hat allerdings eine gänzlich andere Gestaltung):

 

H-Moll Messe

Der nächste Dirigent, der sich mit dem Werk beschäftigt hat und dessen Interpretation mir auch eine ganze Zeit lang zusagte war Helmuth Rilling mit seinen Gächingern und dem Bach-Ensemble aus Stuttgart. Seine Solisten in dieser Aufnahme des Labels Intercord waren Ulrike Sonntag, Marjana Lipovsek, Howard Crook und Andreas Schmidt. Diese Aufnahme war nicht nur wegen der Altistin und dem Bass, sondern auch wegen der genaueren Informationen wie Tonart und Besetzung innerhalb des Textes der Messe von Bedeutung für mich und etliche Jahre lang galt mir Rillings Auffassung der Interpretation als gültiger Maßstab. Wobei der Sopran und der Tenor nicht so „mein Fall“ waren.

 

Das änderte sich, als ich Harry Christophers und seine „Sixteen“-Interpretation hörte – die habe ich mir sofort gekauft und Rilling verschenkt. Christophers Aufnahme und damit sein Interpretationsansatz ist ein Ereignis, wie ich überhaupt englische Chöre präferiere. Bei „The Sixteen“ wurde Bachs kompositorische Meisterschaft erstmals durch ein wunderbar-schlankes Ensemble-Team deutlich hörbar. Seine Solisten sagten mir erst einmal nichts, ich fand allerdings, dass sie sich sehr gut dem Ensemble-Team anpassten.

 

Eine ebenfalls sehr ansprechende Aufnahme hat John Eliot Gardiner mit seinem Monteverdi-Chor und den English Baroque Soloists vorgelegt. Überrascht hat mich diese Einspielung wegen der überbordenden Anzahl der Solisten (weshalb ich sie hier mal nenne): Nancy Argenta, Lynne Dawson, Jane Fairfield, Jean Knibbs, Patrizia Kwella (alles Soprane), Carol Hall, Mary Nichols (Mezzosoprane), Michael Chance, Patrick Collin, Ashley Stafford (Countertenöre), Wynford Evans, Howard Milner, Andrew Murgatroyd (Tenöre), Richard Lloyd Morgan, Stephen Varcoe (Bässe). Als ich das las, habe ich sofort angenommen (und das hat eine Rezension dieser Aufnahme auch bestätigt), dass einige Sänger und Sängerinnen aus dem Monteverdi-Chor als Solisten herangezogen wurden. Wenn ich an Joshua Rifkin denke, dann hätte bei ihm die genannte Solisten-Equipe die h-Moll-Messe allein gesungen, was wiederum nicht meinen Geschmack treffen würde, weshlab, gäbe es eine solche Aufnahme, sie auch nicht in meine Sammlung käme. Die Gardiner-Einspielung wurde seinerzeit von den professionellen Musikkritikern als eine der „herausragendsten Interpretationen der neueren Zeit“ gelobt. Und für mich kann ich das nur bestätigen, denn Gardiner schafft es, trotz des ziemlich umfangreichen Gesangsaufgebots eine durchlässige und musikalisch auch stimmige Interpretation vorzulegen.

 

Messe H-Moll BWV 232

Jetzt habe ich, ebenfalls durch Musikrezensenten, erfahren, dass eine neue Aufnahme, erstmals aus Tschechien, erschienen ist. Und die hat mich interessiert, denn der Spiritus rector dieser Aufnahme ist Vaclav Luks, den ich als Interpret barocker Musik sehr schätze. Luks hat diese Einspielung mit seinem Ensemble 1704 vorgelegt und diese Formation ist mir durch verschiedene CDs mit frühbarocker und barocker Musik, darunter eine maßstabsetzende DVD mit Glucks Orfeo (mit Bejun Meta), bekannt geworden. Neben der Musik Bachs und Händels liegt das Interesse von Luks und seinem Ensemble 1704 besonders an den Kompositionen seines Landsmanns (und Zeitgenossen Bachs) Jan Dismas Zelenka. Dieser tschechische Komponist ist auch zumindest wegen einer Komposition der Namensgeber des Ensembles, denn 1704 wurde in Prag Zelenkas Jesuitenspiel „Via Laureata“ uraufgeführt.

 

Cover

Wenn ich auch Luks’ Solisten nicht kenne, so kann ich nach dem Hören dieser h-Moll-Messe die Leistung aller – Solisten, Chor und Instrumentalisten – nur bewundern. Ich denke mir jedoch, dass der Dirigent eines solchen Werkes nicht nur die Partitur studieren, sondern auch die Besetzung einer spektakulär-komplexen Komposition wie der h-Moll-Messe zusammenstellen muss. Wenn ich auch festgestellt habe, dass mir die Solisten nicht bekannt waren (von Hana Blažikova mal abgesehen, die ich zumindest dem Namen nach kenne), so muss ich sagen, dass die Mezzosopranistin Sophie Harmsen ihren Part mit einer wohltönenden Stimme versieht. Eric Stoklassa, der Tenor, kennt seinen Rolle in der Partitur und versieht sie mit technisch versiertem Können. Die schon genannte Sopranistin Hana Blažikova steht der Mezzosopranistin und dem Tenor in nichts nach, wirkt auf mich perfekt im Genre der „Alten Musik“ zu Hause. Interessant ist, dass für die Mezzo- (oder Alt-) Partie auch noch zusätzlich ein Countertenor – Terry White – bei drei solistischen Sätzen eingesetzt wurde. Der Grund ist mir nicht bekannt, hätte doch Sophie Harmsen dessen Part auch ohne Probleme auch übernehmen können. Die gleiche Lage ergibt sich auch beim Einsatz der beiden Bässe Tomáš Král und Marián Krejčik; Král singt das Et in Spiritum Sanctum im Credo, Krejčik das Quoniam tu solus Sanctus im Gloria. Ich vermag aber nicht zu erkennen, warum hier zwei Bässe eingesetzt wurden. Das Solisten-Ensemble übernimmt, es sollte erwähnt werden, manchmal auch den Beginn eines Chorsatzes, was mich an Andre Parrott erinnert, der das, wie ich mich an eine Rezension seiner Aufnahme der h-Moll-Messe erinnere, vorexerziert hat.

Keine Kritik also? Ganz einfach ist es nicht für mich, wenn ich auf das Continuo-Instrument verweise, dass nämlich penetrant statisch laut spielt und damit entscheidend den Hörer nervt und – beispielsweise – im Benedictus das Flauto traverso in tiefen Lagen zudeckt. Dieser Instrumentalist ist, weil er Luks Ansatz zerstört, der Minuspunkt dieser Aufnahme. Doch den positiven Eindruck dieser Aufnahme kann dieser Punkt für mich nicht schmälern – weshalb ich auf jeden Fall eine Empfehlung für Luks und sein Ensemble 1704 ausspreche.

Gestaltung Agentur kuh vadis