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Beethoven, Klaviersonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Einführungstext zur Sonate  Nr. 7 D-dur op. 10 Nr.  3

Die Sonate ist die Dritte mit der Opuszahl 10 und ist wie die beiden anderen der Gräfin Anna-Margarete von Browne gewidmet. Sie entstand ebenfalls zwischen 1796 und 1798.

Sie hat 4 Sätze und gehört ebenfalls zu den Längeren:

  1. Satz: Presto, D-dur, 4/4-Takt alla breve, 344 Takte (m. Wh. der Exposition + 127 T. = 471 Takte);
  2. Satz: Largo e mesto, d-moll, 6/8-Takt, 87 Takte;
  3. Satz: Menuetto/Trio Allegro, D-dur/G-dur, 3/4 Takt, 86 Takte (m. Wh. + 54T. + Menuetto Da Capo + 54 T. = 194 Takte);
  4. Satz: Rondo Allegro D-dur, 4/4-Takt, 113 Takte

Gesamtlänge: 630 (865) Takte;

Die Sonate hat im Gegensatz zu den beiden f-moll-Sonaten op. 2 Nr. 1 und op. 57 sowie der A-dur-Sonate op. 2 Nr. 2  im Kopfsatz „konventionelle“ Wiederholungsvorschriften, d. h. im Kopfsatz wird nur die Exposition wiederholt.

Dafür hat sie ähnlich wie die Sonate Es-dur op. 7 eine ausladende Exposition, die ebenfalls Durchführungselemente beinhaltet, wie weiter unten noch vorgetragen wird. Demzufolge ist auch hier die Durchführung verkürzt. Am längsten ist jedoch die Reprise mit 143  Takten, der eine 17-taktige Kurzcoda folgt.

Die Sonate ist trotz des gewaltigen Kontrasts des zweiten Satzes ein sehr agiles, mitreißendes Stück Musik und durchaus virtuosen Elementen, jedoch auch in entspanntem Legato fließenden Abschnitten, wie ich im April live in einem Recital in Köln durch Grigory Sokolov erleben konnte und weshalb ich diese Sonate auch jetzt auf die Agenda gesetzt habe.

Zitat: Und warum wirkt die D-dur-Sonate op. 10 Nr. 3 so lebendig unverwechselbar? Vielleicht darum, weil der erste Satz keinerlei Differenz mehr erkennen lässt zwischen relativ neutralem, konventionellem Material und spezifisch Beethovenscher Gebärde. Prestoenergie und ein Einheit stiftendes Konstruktionsgeheimnis prägen den Kopfsatz. Das large e mesto ist große, schwarze Bekenntnismusik, ein manchmal melancholisch fahles, manchmal grell auffahrendes, zum Phantasietrauermarsch sich verdichtendes Stück, etwas Neues in der Geschichte der Sonate. Dem Menuett glückt es fast, die Largoverzweiflung in milde, flüchtig süße Empfindsamkeit zu transponieren. Menuett-Trio und das geistvoll mutwillig bunte Rondo setzen der expressiven Kraft der ersten beiden Sätze zarten, bizarr verspielten Esprit entgegen. Keine Apotheose“. Zitat Ende

Das Largo e mesto gehört m. E. zu einer zweiten Gruppe von langsamen Sätzen, die nach den beiden gigantischen Adagios aus der Hammerklaviersonate: Adagio sostenuto und der Arietta aus der Sonate Nr. 32 folgen.

Dazu zähle ich das Largo con gran espressione aus der Sonate Nr. 4, das Adagio aus der Sonate Nr. 3, das Adagio molto aus der Sonate Nr. 5, das Adagio con molto espressione aus der Sonate Nr. 11 sowie das Adagio grazioso aus der Sonate Nr. 16 und das Adagio aus der Sonate Nr. 17. Interessant ist, dass diese langsamen, ausladenden Sätze schon in dieser Häufung in den frühen Sonaten auftauchen.

Die einzelnen Sätze sind wie folgt unterteilt:

 

Erster Satz:

Exposition: Takt 1 bis 127 (127 Takte)

Durchführung: Takt 128 bis 183 (56 Takte)

Reprise: Takt 184 bis 326 (143 Takte)

Coda: Takt 327 bis 344 (17 Takte)

 

 

Zweiter Satz:

Takt 1 bis 8= dicht, dunkel; (8 Takte)

Takt 9 bis17= hell, transparent; (9 Takte)

Takt 18 bis 25= dicht, dunkel; (8 Takte)

Takt 26 bis 29= hell, transparent; (4 Takte)

Diesen ganzen ersten Abschnitt könnte man auch als expositionsartig bezeichnen.

Takt 30 bis 43= durchführungsartig; (14 Takte)

Takt 44 bis 64= reprisenförmig;  (21 Takte)

Takt 65 bis 87= Coda (23 Takte)

 

Dritter Satz:

Allegro I: Takt 1 bis 16;  (16 Takte)

Allegro II: Takt 17 bis 54; (38 Takte) Allegro I und II werden wiederholt.

Trio: Takt 55bis 86; (32 Takte)

Menuetto Da Capo: Takt 1 bis 51 (54 Takte)

 

Vierter Satz:

Allegro: 1. Motiv mit Schlusswendung, Takt 1 bis 8 (8 Takte)

Überleitung mit Thema ( Erster Zwischensatz):  Takt 9 bis 16 (8 Takte)

Zweiter Teil des Zwischensatzes: Takt 17 bis 32 (16 Takte)

Zweiter Zwischensatz: Takt 33 bis 45 (13 Takte)

Wiederholung Hauptthema: Takt 46 bis 55 (10 Takte)

Dritter Themaauftritt: Takt 56 bis 83 (28 Takte)

Vierter Themaauftritt: Takt 84 bis 99 (16 Takte)

Coda: Takt 100 bis 113 (14 Takte)

 

Wir sehen also, dass die 7. Sonate so gebaut ist, dass es gar nicht so einfach ist, sich dadurch zu wurschteln. Aber, wie heißt es doch so schön:

Mit Musik (und Noten) geht alles besser.

Wie sagt Jürgen Uhde doch am Ende des Schlusskapitels seiner Ausführungen so schön:

„…Somit kann op. 10 Nr. 3 als sehr bedeutendes Werk, als eine Art Chef d’oeuvre gelten“.

(Quellen: Jürgen Uhde, S. 191 bis 222, Joachim Kaiser, S. 140, Wikipedia)

Viel Spaß mit dieser prachtvollen Sonate!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 1

Von dieser Aufnahme kann ich im Moment kein YT-Video auffinden:

Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: 1958-59

Spielzeiten: 6:46-10:17-2:54-3:56 — 23:53 min.;

 

Auch Claudio Arraus Spiel ist schon in dieser ersten Stereoaufnahme von 1958/59 sehr klar und die Umsetzung der Partitur wie immer ein Gedicht. Er ist etwas schneller als Sokolov und dynamisch auch sehr überzeugend, auch wenn er im ersten Forte (Takt 11ff  mit Auftakt). Sein Crescendo am Ende des Hauptsatzes ab Takt 18 ist ebenfalls sehr überzeugend und endet in drei veritablen Fortissimo-Akkorden.

Auch das folgende „richtige“ achttaktige Thema mit seinen Erweiterungen trägt er in seinem natürlichen Spiel sehr fließend vor mit kräftigen Sforzandi am Ende und nach dem Decrescendo in der Gegenbewegung ab Takt 49 ein schönes Crescendo mit dem abschließenden Triller.

Das zweite Thema spielt er sehr alert, wobei ihm die raschen Wechsel zwischen Staccato und Legato ganz organisch von der Hand gehen. Auch Arrau betrachtet ja die Virtuosität nicht als Selbstzweck, sondern als willkommenes Mittel, um sein Ziel möglichst nahe an der Vollkommenheit zu erreichen. Den nächsten, durchführungsartigen Abschnitt vor der Schlussgruppe spielt er wieder dynamisch sehr kontrastreich zwischen den Piani und den Sforzandi, die er stark akzentuiert, und ab Takt 86 lässt er ein famoses Crescendo folgen.

Auch in der Schlussgruppe besticht seine Dynamik, in der er die beiden Blöcke; das Crescendo mit dem Fortissimo-Abschnitt und den folgenden reinen Legatoabschnitt im Pianissimo natürlich gegenüberstellt.  Natürlich wiederholt auch er die Exposition.

Zu Beginn der kurzen Durchführung, die trotz ihrer Kürze dynamisch eine weitere Steigerung bedeutet, stellt er im ersten Aufwärtsgang der Oktaven den Unterschied zur Exposition schon mit einem kraftvollen Fortissimo auf der Fermate heraus. Auch das folgende Wechselspiel zwischen Achteln und Vierteln in der oberen und unteren Oktave mit dem zumeist im ff-Modus befindliche Dynamiklevel spielt er grandios und beendet auch diesen Abschnitt mit einer machtvollen Fermate.

Auch in der Reprise hält er nicht nur das dynamische Niveau, sonder geht  hier und da noch darüber hinaus, wodurch auch die zahlreichen , sich teilweise blockförmig gegenüberstehenden dynamischen Kontraste noch zunehmen, z. B. Takt 294 bis 298 cresc-forte–ab Takt 299 mit Auftakt pp und ab Takt 318 mit Auftakt wieder dynamisch ansteigende Sforzandokette bis zur Kurzcoda, die noch einmal dynamisch das ganze Spektrum aufweist von pp bis ff, wobei auch er das machtvolle Schlusscrescendo hinreißend spielt.

Das Largo e mesto spielt Arrau schneller als Sokolov, aber in dem dicht/dunklen ersten Abschnitt dynamisch sehr sorgfältig und von der Stimmung her dunkel bis düster. Und welche musikalische Tiefe und von innen leuchtende Schönheit entfaltet er im ersten transparent/hellen Teil- grandios!

Im zweiten dichten Teil schiebt er die dynamische Grenze weit nach oben, Zwar spielt er die drei Fortissimo-Piani nicht ganz so markerschütternd wie Sokolov, aber beklemmend sind sie allemal.

Der kurze zweite helle Teil verbleibt stimmungsmäßig im Moll und Arrau betont dies auch.

Im nächsten durchführungsartigen Abschnitt spielt Arrau wieder sehr ausdrucksstark und  im Crescendo ab Takt 34 erreicht auch er markerschütternde Fortissimi, die herrlich mit den hohen Zweiunddreißigsteln kontrastieren. Sein Smorzando ist atemberaubend.

Die Reprise gestaltet er zu Beginn tieffinster, dynamisch sehr pointiert und, wie schon in der Exposition, die sechs Portatoachtel (Takt 48) im Pianissimo und den anschließenden verkürzten hellen Abschnitt, in dem das Thema nur in der hohen Oktave gespielt wird, ist atemberaubend gespielt. Auch im letzten dunklen Abschnitt der Reprise spielt Arrau wieder dynamisch äußerst hochstehend, und was an den drei ffp an letztem Sokolovschem „Wumm“ fehlt, gleicht er durch die grelle Tongebung wieder aus.

Die wundersame Coda spielt auch er rauschend berauschend, wobei der Höhepunkt zweifellos der Takt 71, wonach die Bewegung langsam zurück und noch ein Fortepiano und ein Forte auftauchen, sowie zwei Rinforzandi, und dann kommt das Ganze zum Stehen.

Das Menuetto spielt er im ersten Teil in natürlichem pastoralen Ton, nur unwesentlich schneller als Sokolov. Im zweiten Teil, der mehr als doppelt so lang ist, nimmt die Dynamik etwas zu aber Arrau versteht es, das pastorale Gesamtgebilde zu erhalten.

Im Trio mit den bis auf zwei Ausnahmen  in der Begleitung durchlaufenden Achteltriolen, die humorvoll mit den Forte-Intervallen kontrastieren, setzt Arrau dieses entspannte fröhliche Musizieren fort.. Er spielt dann natürlich auch das Menuetto Da Capo.

Im Rondo ist er temporal gleich mit  Sokolov. Nach dem ersten Motiv geht auch bei Arrau  die dynamisch äußerst kontrastreiche „Post ab“. Auch in dieser frühen Aufnahme breitet er die musikalische Struktur schon wie ein offenes Buch vor dem Hörer aus, so klar ist der Klang.

Im zweiten Zwischensatz ab Takt 33 entfesselt Arrau ein wahres Bassgewitter in der Begleitung.

Auch er beeindruckt am Ende des Zwischensatzes mit den vier Legatobögen in den Takten 41 bis 44 vom Fortissimo über das Decrescendo bis zum Pianissimo- wunderbar. Sehr schön, etwas geheimnisvoll, gestaltet er den großen Legatobogen über 50 bis 54.

Faszinierend spielt er die Unisonoakkorde von Takt 74 bis 79, die sich terrassenförmig höher schwingen. Auch den Übergang zum vierten Themenauftritt spielt Arrau dynamisch wieder mitreißend. Großartig ist der Aufschwung in Takt 92 bis 97 mit der abschließenden Zweiunddreißigstel-Bewegung in Takt 98.

Auch  das manchmal stockende Auf und Ab der Coda spielt er sicherlich so partiturgetreu, dass Beethoven seine helle Freude daran gehabt hätte.

Ebenfalls eine herausragende Aufnahme, in der sich Arrau naturgemäß keine Freiheiten dynamsicher Art erlaubt, aber auch  (oder gerade) das ist eine hohe Kunst, wenn man es so spielt wie Claudio Arrau.

Liebe Grüße

Willi😀

 

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: 9-1964

Spielzeiten: 6:46-10:26-2:58-4:10 — 24:20 min.;

In der 4 bis 5 Jahr später entstandenen zweiten Stereoaufnahme ist Claudio Arrau im Presto gleich schnell und im Largo etwas langsamer. Auch im Menuetto herrscht Übereinstimmung. Im Rondo wiederum ist er etwas langsamer.

Dynamisch ist sein Beginn im Hauptsatz durchaus vergleichbar mit seiner ersten Aufnahme, wobei er diesmal das erste Forte in Takt 11 mit Auftakt hier doch durchaus kraftvoll spielt. Auch die zweite Doppeloktav-Steigerung ab Takt 18 ist wieder grandios. Wie schon in der ersten Aufnahme  akzentuiert er die Fermaten (Takt 4 und 22) besonders stark. Der Klang ist klar und transparent, und Staccato und Legato laufen problemlos nebeneinander her und ineinander, was auch im zweiten Thema ab Takt 53 noch mal schön deutlich wird. Auch hier ist die „Durchführung“ in der Exposition rhythmisch fließend und dynamisch exzellent. Auch die Schlussgruppen mit den beiden dynamisch so unterschiedlichen Blöcken (Takt 94 bis 104 f-ff) und (Takt 105 bis 124) fügt er organisch aneinander.

Selbstverständlich wiederholt er auch die Exposition. Auch unbedingt erwähnenswert ist, seine überaus starke Behandlung der Begleitung.

In der grandiosen kurzen Durchführung klingen die ffp und ff-Akkorde wie dunkle Glockenschläge. Auch die großen Bassintervalle  sind sehr akzentuiert und die Durchführung endet wieder auf einer kraftvollen Fermate.

Auch die dynamisch eher noch gesteigerte Reprise spielt er sehr hochstehend und auch sehr kontrastreich. Auch rhythmisch ist sein Spiel hervorragend, wie wieder einmal in der langen Sforzandokette ab Takt 257 mit Auftakt sehr schön deutlich wird. Auch die sich gegenüberstehenden dynamischen Blöcke stellt er wieder vorbildlich gegenüber.

Auch die zwar kurze aber intensivst gesteigerte Coda spielt er sehr organisch und dynamisch herausragend.

Seine jetzige Lesart des Largo ist wieder im ersten dichten Teil erfüllt von dunklem Ernst und Trauer, dynamisch sehr exakt gespielt. Der gegenüberstehend erste lichte Abschnitt ist von erschütternder , erfüllender musikalischen Tiefe sowie dynamischem Kontrastreichtum.

Im  zweiten  dunklen Abschnitt steigert er den dramatischen Impetus weiter und in die drei ffp-Akkorde bringt er nun eine dynamische Steigerung, verbunden mit zunehmender Grellheit und Schärfe der Akkorde, hinein. Der kurze zweite transparente Abschnitt lichtet das Geschehen ein wenig, bleibt aber im Moll und leitet zum Durchführungsteil.

Diesen lässt er im ersten Teil  in der Begleitung wunderbar wie tiefe Glockenschläge erklingen  und vor der Zweiunddreißigstel-Passage in einer machtvollen Steigerung ausklingen. Diese lässt er, wie ich meine, etwas rascher laufen, auch im Smorzando, das er mit einem kräftigen dynamischen Kontrast beendet, indem er die Dreierfigur aus Takt 42 (pp) in Takt 43 mit einem f/ff gegenüberstellt und in den reprisenförmigen Teil überleitet.

In der Reprise steigert er die Dynamik weiter und spielt nach dem bewegten dunklen Teil eine sehr anrührende transparente Antwort, die sofort in der hohen Oktave stattfindet. Auch hier arbeitet er wieder wunderbare Kontraste heraus. Wiederum sind die drei ffp-Akkorde nicht ganz so explosiv wie bei Sokolov, aber äußerst scharf und grell.

Die Zweiunddreißigstel-Sextolen in der Coda, die in den zwischenzeitlichen Vierundsechzigsteln zu Septolen werden, entwickelt er wieder eine wunderbar dunklen Klang, der durch den Aufstieg in der Oktave langsam heller wird., bevor die Zweiunddreißigstel wieder nach unten wandern und er  im letzten Abschnitt diesen grandios gespielten Satz in mäßiger dynamischer Bewegung langsam zum Stillstand bringt.

Das Menuetto beginnt er in einem durchaus vernehmbaren Piano, fast mp, wieder im pastoralen heiteren und klaren, natürlichen Ton, im zweiten Abschnitt dynamisch wieder kräftig zunehmend, aber in der Stimmung gleich bleibend.

Das durchaus hochdynamische Trio ist in der Stimmung m. E. durchaus ähnlich dem dritten Satz aus der Sinfonie Nr. 6, im Gegensatz zu der Stimmung der dort vorausgegangenen Sätze. Auch hier ist alles dynamisch und rhythmisch wieder hervorragend. Dann folgt das Menuetto Da Capo.

Im Rondo ist er etwas langsamer als in der ersten Aufnahme und auch als Sokolov. Ansonsten lässt er es im ersten Zwischensatz ab Takt 9 auch agil sausen, bestes Legatospiel! Nach der Wiederholung des ersten Motivs geht es im zweiten Zwischensatz wieder in eine Richtung: nach vorne, auch hier wieder hervorzuheben: die vier hochtemporalen Legatotakte 41 bis 44. und im zweiten Themenauftritt der große Legatobogen 50 bis 54. Sehr souverän gestaltet er auch den dritten Themenauftritt ab Takt 56 über die treibenden Sechzehntel in die faszinierenden Achtelterzen, Sexten und Oktaven (Takt 74 bis 79 übergehen, die sich dann ab Takt 80 in auf- und ab führende Sechzehntelfiguren verwandeln, von Achteln mit großen Intervallsprüngen.

Der vierte Themenauftritt, wieder mit kleinen Varianten in den musikalischen Figuren, wird von Arrau wieder höchst kontrastreich vorgetragen, hin zur großen Steigerung zum Fortissimo vor der Coda- grandios!

Dann die Coda, ich weiß beim besten Willen nicht, welche besser ist, auch diese ist wieder grandios gespielt,  wie die ganze Sonate.

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 3

 

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: 20. 5. 1973

Spielzeiten: 6:54-11:12-2:56-3:44 — 24:46 min.;

 

Claudio Arrau nimmt in dieser Live-Aufnahme 1973 in Schwetzingen den Kopfsatz geringfügig schneller als Sokolov, aber etwas langsamer als in der Studioaufnahme von 1964. Dynamisch wie rhythmisch ist er wie immer sehr partiturgetreu. Sein klares und ausdrucksstarkes Spiel besticht auch hier.

Das zweite Thema spielt er sehr verhalten in schönem Piano. Wie aus dem „durchführenden“ Teil der Exposition hervorgeht, scheint diese Aufnahme nicht so hoch ausgesteuert zu sein wie die Studioaufnahmen. Aus dem Grund sind die beiden letzten dynamisch sich diametral gegenüberstehenden Blöcke nicht so kontrastreich wie in den Studioaufnahmen, wenngleich auch diese sehr fließend und ausdrucksstark vorgetragen sind. Natürlich wiederholt Arrau auch hier die Exposition.

Auch hier legt er in der kurzen Durchführung dynamisch noch etwas zu. Auch hier ist wieder zu erkennen, wie präzise sein Staccatospiel sich mit dem Legatospiel abwechselt.

Die Reprise spielt er auch dynamisch sehr hochstehend und kontrastreich. Es sei auch noch einmal bemerkt, wie genau er die strukturierenden Sforzandi setzt. Auch die beiden dynamischen Blöcke in der Schlussgruppe setzt er wieder schön gegenüber. Auch die Kurzcoda spielt er aus dem pp heraus in einer wunderbaren Steigerung zum Fortissimo als würdigen Abschluss dieses formidablen Satzes.

Im Largo e mesto nähert er sich temporal Sokolov an. Man bedenke, dass diese Aufnahme nur ein Jahr vor der Sokolovs entstand.

Den ersten dunklen Teil spielt er sehr erdenschwer und voller Trauer. Den ersten hellen Teil spielt er abermals grandios, voller musikalischer Tiefe.

Im zweiten dunklen Teil spielt er nicht mehr mit diesem dynamischen Impetus wie neun Jahre zuvor, möglicherweise ein Anzeichen von altersweiser dynamischer Zurückhaltung (ähnlich wie Brendel). Die emotionale Wirkung ist dennoch ungebrochen.

Der zweite helle Abschnitt, im Moll verbleibend, ist dynamisch und expressiv unter dem gleichen Blickwinkel zu betrachten.

Der durchführende Abschnitt in seinem Beginn in der tiefen Oktave ist sehr ausdrucksvoll und bedachtsam musiziert, und die absteigenden Zweiunddreißigstel sind bestrickend, auch das Smorzando.

Auch die Reprise findet auf diesem sehr hohen Niveau statt, und es sei noch einmal auf die sechs Portatonoten hingewiesen (hier in Takt 48), die er grandios spielt. Die hohe Oktave in dem verkürzten hellen Abschnitt spielt er atemberaubend, überleitend zum nächsten dunklen Abschnitt, der dem zweiten mit dem dynamischen Höhepunkt gleichzusetzen ist. Auch hier fällt auf, wie schon in den beiden ersten Aufnahmen, dass er den letzten dynamischen Impuls ersetzt durch ein grelles Klangbild.

Die Coda ist abermals grandios mit den zweiunddreißigstel-Quintolen und den Vierundsechzigstel-Septolen, die er wunderbar im Fluss hält, bis die Vorwärtsbewegung in Takt 7e mit den kurzen Zweiunddreißigstel-Figuren und in Takt 76 mit den Achteln langsam zum Erliegen kommt-grandios!

Im Menuetto ist er temporal gleich mit der früheren Aufnahme und dynamisch und rhythmisch ist es einfach grandios musiziert und ein weiteres Paradebeispiel dafür, wie man richtig staccato und legato spielt, gleichzeitig und abwechselnd.

Auch das Rondo, in dem er wieder etwas schneller ist als Sokolov, spielt er in den fragend-zögerlichen Teilen wie in den wunderbaren langen Bögen wunderbar heiter und fließend mit ganz natürlicher Tongebung.

Auch im etwas sperrigen zweiten Zwischensatz ab Takt 33 lässt er es wunderbar laufen und erhebt auch den Legatoabschnitt Takt 41 bis 44 zu einem Höhepunkt des Finales und er ganzen Sonate, ebenso den langen Bogen in Takt 50 bis 54.

Auch der dritte Themenauftritt, der ja dynamisch wiederum sehr bewegt ist, gerät zu einem weiteren Höhepunkt, beinahe unnachahmlich die Terzen, Sexten und Oktaven in dem durchführungsartigen Abschnitt ab Takt 74- rhythmisch wie dynamisch und in einem kühnen Übergang in den Sechzehnteln ab Takt 80 zum vierten Themenauftritt geleitet werden. Auch hier legt er wieder, wie das seit der ersten Aufnahme seine Art ist, großen Wert auf die abschließende Fermate.

Im abschließenden vierten Themenabschnitt, in dem die begleitenden Sechzehntel wieder in die untere Oktave wandern, lässt er die Achtel in der hohen Oktave stärker hervortreten und hält die Sechzehntel etwas zurück, auch eine durchaus akzeptable Lösung.

In dieser dritten Coda in der Reihenfolge seiner Aufnahme übt er auch hier dynamische Zurückhaltung, was den überraschenden humorigen Effekt noch erhöht.

Auch dies eine große Aufnahme, mit der Einsicht, dass auch ein weniger an Dynamik durchaus große Wirkungen erzielen kann und  das vor allen Dingen diese Sonate auch hergibt. Es wird sicherlich im weiteren Verlauf meiner Betrachtungen noch Dinge geben, die diese Sonate nicht verzeiht.

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 4

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: 27. Mai 1973, Brescia, live

Spielzeiten: 6:54-10:59-2:52-3:39 — 24:24 min.;

 

Heute komme ich nun zu meinem ersten Nachholer. Die Aufnahme kam erst an, als ich diese Sitzungsperiode schon zur Hälfte beendet hatte.

Claudio Arrau spielt diese Aufnahme genau eine Woche nach der Live-Aufnahme in Schwetzingen, leider im Gegensatz zu Schwetzingen hier noch in Mono,  und ist im Kopfsatz sozusagen deckungsgleich, ungefähr im Tempo mit Gilels. Auch hier nutzt er die Dynamik der Partitur voll aus, spielt kraftvolle Steigerungen, beherrscht Legato und Staccato aus dem effeff, wie halt ein Siebzigähriger so spielt.

Auch das Seitenthema spielt er ganz überlegen und stellt die rhythmischen Blöcke sehr schön nebeneinander. In der zweiten Hälfte spielt er eine sehr kraftvolle Steigerung und schließt in der Schlussgruppe  zwei kontrasteiche Dynamikblöcke an. Selbstverständlich wiederholt er auch hier die Exposition.

In der Durchführung entfacht er auch hier ein dynamisches Feuerwerk, namentlich in den aufwärts laufenden Staccatovierteln in der Begleitung und setzt diesen dynamischen Impetus im ersten Teil der Reprise im Crescendo der rechten Hand und in den Sforzandi in der Begleitung fort. Die Reprise setzt er dann gemäß der Exposition fort, wobei mir die Schlusssteigerung im Seitenthema hier noch einen Ticken energischer erscheint. Das Gleiche gilt für den ersten, den hohen Dynamikblock in der Schlussgruppe. Auch die Oktavenwechsel in der verlängerten Schlussgruppe laufen bei ihm bruchlos in die Sforzandokette und die schwungvolle Kurzcoda hinein.

Das Largo ist bei Arrau immer ein schwerlastendes Schicksalsstück, so auch hier. Dazu gehört auch, dass er die dynamische Akzente voller nimmt als mancher Andere. Temporal ist er hier einen Bruchteil schneller als in Schwetzingen, aber immer noch langsam.

In der ersten hellen Sequenz hebt er sich (und das Publikum) sanft aus der Erdenschwere hinaus in das Überirdische hinein- grandios!!

Unvermittelt fällt alles im zweiten dunklen Abschnitt in die Erdenerschwernis zurück, nicht unbedingt mit der letzten Wucht, aber in den ffp-Akkorden mit gnadenloser Schärfe.

Und der zweite helle Abschnitt klingt zwar tonal transparent, aber in der Stimmung immer noch tieftraurig. Das Unerbittliche zeigt sich auch besonders in der Schlüsselstelle im Takt 29 in den absteigende Sechzehnteln, die keinen Ausweg verheißen, sondern eher Ähnlichkeit haben mit dem Felsen des Sysiphos

In der Durchführung gleichen die durchlaufenden Achtel in der Begleitung, in den Takten 29 und 30 noch einfach, in Takt 31 als Sexten, nicht einem Schreiten, sondern eher einem unerbittlichen Klopfen. Auch die Takte 35 und 37 überzeugen hier eher als durch explosive Dynamik durch schwerlastende Stetigkeit und die abwärts führenden Zweiunddreißigstel gehen ebenso stetig in das Smorzando hinein- abermals grandios!!

Die Reprise beginnt auch sehr finster und dynamisch bewegt, aber dann geschieht das Wunder, als nach unentschiedenem Crescendo plötzlich die hohe Oktave ganz zart von innen heraus zu leuchten beginnt und ins Überirdische gleitet- eine unfassbare Stelle!

Doch unvermittelt führt uns Arrau wieder in die unerbittliche  irdische Tiefe hinein, aus der es scheinbar doch kein Entrinnen gibt, wie die grellen ffp-Akkorde signalisieren.

Hieran schließt Arrau eine grandiose Coda an, in der die Unerbittlichkeit scheinbar endlos hinausgetragen wird, bis hin in die letzten zwölf Takte, die in ihrer Tristesse gar nicht enden wollen- welch ein herausragender Satz!

Der große, auch stimmungsmäßige Kontrast, ereignet sich auch hier im Menuetto, das Arrau durchaus als diesseitigen beseligenden Gesang spielt, im zweiten Teil dynamisch noch hochstehender, im Trio noch diesseitiger. Dann folgt das Menuetto Da Capo.

Im Rondo ist Arrau, wie auch schon in Schwetzingen, recht schnell. Da klingen die ersten beiden Fragefiguren in Takt 1 und 2 fast schon wie Hufescharren. Aber auch die schnelle Gangart beherrscht er, auch wenn sie bei ihm nicht so oft vorkommt. Dynamisch ist dieser Satz ebenfalls äußerst kontrastreich musiziert.

Auch der zweite, hochvirtuose Zwischensatz, kommt bei ihm ganz natürlich daher, Virtuosität nur als Mittel zum Zweck, hier wie im Übergang mit hervorragenden Legatotakten (41 bis 44, 50 bis 54).

Im dritten Themenauftritt spielt er wiederum glänzende Unisonoterzen, -sexten und -oktaven sowie die anschließenden Intervallsprünge. Auch der vierte Themenauftritt kommt grandios rüber, wobei er, wie auch Richterim Taktwechsel 90/91 die oberen Achtel geschickt mit den unteren Sechzehnteln verknüpft. Er schließt auch diese Einspielung mit einer adäquat gespielten Coda ab.

Ebenfalls eine herausragende Aufnahme!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 5

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: Mai 1984 (Santiago, live, DVD)

Spielzeiten: 6:59-8:56-2:43-3:28 — 22:06 min.;

 

Claudio Arrau spielt dieses Konzert in Santiago di Chile mit 81 Jahren. Von seiner Technik und Dynamik scheint er noch nichts verlernt zu haben. Über das Tempo kann ich erst am Satzende etwas sagen, weil ich die Satzzeiten genau ablesen muss. Sie sind bei DVD’s oft sehr ungenau.

Wie schon in den ersten drei gehörten Aufnahmen stellt er auch hier wieder die -fermate als Abschluss des ersten Teils des Hauptthemas sehr stark her aus. Auch die erste Steigerung  im zweiten Teilsatz ab Takt 18 führt er bis zu einem veritablen Fortissimo. In der Verlängerung des „richtigen“ Themas, das in Takt 23 beginnt, erreicht er dieses in Takt 45 nicht ganz, aber meiner Erinnerung nach hat er diese Stelle immer etwas moderater gespielt.

Das zweite Thema ab Takt 53 spielt lyrisch und wechselt dabei gekonnt die Legato- und Staccato-Abschnitte ab. Am Ende dieses Abschnittes, der auch den kurzen durchführungsartigen Einschub enthält, steigert er das letzte Crescendo doch, wie ich finde, grandios zum satten Fortissimo hin.

Die Schlussgruppe ist auch großartig mit den beiden  dynamisch entgegengesetzten Blöcken.

Die Durchführung spielt er auch hier dynamisch sehr kontrastreich, wobei er aber auch an einigen Stellen nicht immer das Fortissimo erreicht.

In der Reprise hingegen erreicht er die Fortissimi in Takt 225 und 231 durchaus. und am Ende des zweiten Themas nach der Sforzandokette spielt er wieder eine sehr beeindruckende Fortissimo-Steigerung mit vollstem Live-Risiko. Temporal ist er nur wenige Sekunden langsamer als 11 Jahre zuvor und ganze drei Sekunden schneller als Sokolov 10 Jahre zuvor (für Sokolov 2015 hatte ich allerdings 9 Minuten notiert!!).

Das Largo scheint mir interessanterweise  flotter als 11 Jahre zuvor, aber dynamisch getreu der Partitur, zumindest im ersten dunklen Teil. Den zweiten Teil spielt er mitreißend ausdrucksvoll und zum Niederknien schön. Im zweiten dunklen Teil spielt er wie schon in seinen bisherigen Aufnahmen die ffp-Akkorde nicht bis zum Anschlag, so dass man nicht, wie bei Sokolov, blitzartig aufrecht sitzt.

Auch im sich anschließenden kurzen lichten Teil spielt er das ff in den Zweiunddreißigsteln nicht. Vielleich hielt er es in seiner Altersweisheit für zu extrovertiert.

Den Durchführungsabschnitt spielt er sehr bedachtsam und mit wunderbarer dunkler Tongebung. Hier steigert er ab Takt 34 wesentlich mehr und die anschließenden Zweiunddreißigstel-Läufe spielt er grandios, einschließlich des Smorzando und abschließenden Decrescendo.

Die Reprise spielt er sehr aufmerksam in ihrem dynamisch geänderten und abwechslungsreichem Beginn. Die sechs Portato-Noten spielt er, wie schon zu Beginn, beinahe unnachahmlich und schließt eine atemberaubende hohe Oktave im lichten Abschnitt an. Im nachfolgenden dunklen Abschnitt spielt er die ffp-Akkorde wiederum nicht ff, aber wiederum sehr grell.

Die Coda spielt er atemberaubend. Am Ende zeigt mein DCD-Zählwerk kaum glaubliche 8:56 min. an. So schnell war es mir gar nicht vorgekommen. Im Beiblatt waren 10:12 min angegeben.

Das Menuetto spielt Arrau zügig  in eher lyrischem, pastoralen Ton, und er spielt auch das ff in Takt 31 nicht, bestenfalls hier ein mf. Aber das stört mich nicht wirklich. Vor eindreiviertel Jahren sah das noch anders aus. Das Trio spielt er dynamisch etwas hochstehender, wenngleich er am Ende auch wiederum das ff nicht erreicht. Er wiederholt natürlich auch das Menuetto Da Capo.

Auch das Rondo spielt Arrau mit viel Schwung und auch dynamisch wieder hochstehender als das Menuetto. Auch das Wechselspiel zwischen stockendem und fließenden Fortgang gelingt immer noch hervorragend. Den zweiten Zwischensatz ab Takt 33 spielt er sehr dynamisch und auch die 4 Legato-Sechzehnteltakte sind grandios gespielt, ebenso wie der lange Bogen von Takt 50 bis 54. Auch der dritte Themenauftritt ist bestrickend, wie nach den fragenden Auftakt-Abschnitten, dann in  Takt 64 „die Post abgeht“ und flugs auf die wunderbare Sequenz der Unisonoterzen, -sexten und -oktaven zustreben, die er ebenfalls herausragend spielt. Auch der intervallreiche Übergang zum vierten Themenauftritt besticht. Hier in diesem Live-Auftritt kann ich auch die Begleitsechzehntel im vierten Themenauftritt besser vernehmen, weil er sie hier stärker hervorhebt als 11 Jahre zuvor.- herrlich auch der Abwärtsgang in den Zweiunddreißigsteln vor der Coda, die er abschließend auch grandios spielt. Wie sich herausstellt,  ist auch das Schlussrondo auch wieder am schnellsten von allen bisher gehörten Aufnahmen.

Auch dies ist m. E. eine große Aufnahme, bei der man den einen oder anderen Verspieler bei dieser riskanten Spielweise sicherlich verzeihen kann. Dynamisch ist in der Tat noch etwas Luft nach oben. Aber ich habe ja noch zwei Aufnahmen von Arrau zu besprechen.

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 6

Hier ist momentan leider die weiße Heritage-Box, aus der die Aufnahme stammt, bei Amazon wohl nicht gelistet:

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Dies ist das Box-Cover, zu sehen bei Google.

Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claudio Arrau, Klavier

AD: Oktober 1985

Spielzeiten: 7:14-11:16-3:06-4:08 — 25:44 min.;

 

Claudio Arrau ist in dieser seiner letzten Aufnahme der Sonate Nr. 7 auch im Presto etwas langsamer geworden, sogar ein wenig langsamer als Sokolov. Nichtsdestoweniger geht er nach wie vor mit ordentlicher dynamischer Verve zu werke. Wiederum betont er auch die Fermaten als Schnittstellen in besonderer Weise.

Auch spielt er das (richtige) Thema ab Takt er als rhythmischen, aber auch als stimmungsmäßigen Kontrast zum Hauptthema. Auch meine ich, dass er jetzt, sozusagen „im Alter“, auch das Fortissimo in Takt 45 erreicht.

Sehr schön spielt er auch wieder das zweiten Thema ab Takt 53 mit den gegensätzlich Rhythmen, wie er es deutlicher kaum machen könnte. Auch der durchführungsartige Abschnitt  ab Takt 71 bis zum Beginn der Schlussgruppe spielt er rhythmisch und dynamisch sehr kontrastreich und endet in einer veritablen Fortissimo-Steigerung. In der Schlussgruppe selbst stellt er die beiden Dynamikblöcke  organisch gegenüber. Selbstverständlich wiederholt er die Exposition.

Beim zweiten Hören fällt mir zusätzlich auf, wie deutlich er die Begleitung spielt und aus ihr eben mehr als eine Begleitung macht.

Auch die kurze Durchführung ist in ihrem Vorwärtsdrang in den Achteln und den ihnen gegenüberstehenden Vierteln in der Begleitung sehr kontrastreich gespielt. Vor allem gefallen mir wieder die großen Intervalle in der Begleitung, die zwischen Forte und Fortissimo changieren.

In der Reprise legt er auch dieses Mal dynamisch noch zu, sehr schön auch wieder das zweite Thema ab Takt 233, genau 180 Takte nach seinem ersten Erscheinen in der Exposition, wiederum ein Indiz dafür, dass Beethovens musikalische Architektur seiner Sonatensätze immer auch eine mathematische Komponente hat. Sehr überzeugend gestaltet Arrau auch hier die große ff-Steigerung zur Schlussgruppe hin, die am Ende, zur Kurzcoda hin, wieder gekennzeichnet ist von den herrlichen <oktavwechseln, hier ab Takt 306. In der Kurzcoda spielt er wieder eine mitreißende Schlusssteigerung.

Das Largo e mesto ist hier eklatant langsamer als in dem 1984er-Video aus Santiago (über 2 Minuten). Ich muss sagen, es gefällt mir besser, weil er des hier mit einer lastenden tristen Schwere spielt und schon im ersten dunklen Abschnitt jede dynamische Regung aufgreift und stark akzentuiert. Den kontrastierenden zweiten, hellen Abschnitt spielt er schlichtweg grandios,  wiederum dynamisch durchaus bewegt.

Auch der zweite dunkle Abschnitt gefällt mir dynamisch sehr gut, auch wenn die drei ffp-Akkorde wieder nicht mit jenem slawischen Wumm kommen, wie wir sie von den russischen Pianisten kennen. Aber er erreicht ins einem Ausdruck ungeahnte Tiefen. Auch der zweite helle Teil überzeugt, wenngleich der Kontrast sich weniger auf das Tongeschlechts als vielmehr auf die lichte Struktur bezieht.

Auch den durchführenden Teil spielt Arrau grandios, wobei er hier die Besonderheit des Kontrastes, hier rhythmischer Natur sehr deutlich herausarbeitet und die schreitenden Achtel den schwerelosen Zweiunddreißigstel besonders gelungen gegenüberstellt. Auch das Smorzando ist vom Feinsten.

Im reprisenförmigen Teil ist die Dynamik , wie auch schon im ersten Satz, noch höher stehend, was vor alle, den ersten dunklen Abschnitt betrifft. Fantastisch spielt er wieder die 6 Portatonoten.

Den genialen Übergang  zum hellen Teil ab dem Fortepiano in Takt 52 auf der Eins spielt er mit erschütternder Klarheit und musikalischer Tiefe.

Den dynamisch herausragenden zweiten dunklen Abschnitt spiel er dynamisch genau so wie in seinen ersten vier Aufnahmen, aber durch das langsamere, gleichwohl spannungsgeladene Tempo noch überzeugender.

Ebenfalls grandios spielt er die Coda. Die Altersweisheit führt in zu noch tieferen Einsichten, wobei seine Technik um keinen Jota nachgelassen hat, und diesen Bogen vom Schnellen zum Langsamen, quasi Morendo spannt er wie kaum ein Zweiter- überragend!!

Claudio Arrau spielt den ersten Teil des Menuetto wirklich sehr „dolce“, etwas langsamer als in seinen bisherigen Aufnahmen, sehr entspannt und fließend- wunderbar! Im zweiten Teil bleibt dieser ungeheuer friedliche, pastorale Charakter vollkommen erhalten. Auch die Sforzandi sind „friedlich“ und wiegen sich mit im Dreiertakt. Auch das Trio ist nicht wirklich ein scharfer Kontrakt. Es ist nur herrlich. Natürlich schließt Claudio Arrau diesen wunderbaren Satz mit dem Menuetto Da Capo ab.

dieses Menuetto gefällt mir von allen Menuettos, die Arrau gespielt hat, am besten.

Auch das Rondo beginnt in völlig entspanntem Modus. Auch die ist langsamer als alle seine Vorgänger, und vor allem, er spielt das mit 82 Jahren so souverän, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, im Alter immer besser zu werden. Schlechter ist er jedenfalls auf keinen Fall. Aber das habe ich ja auch bei Alfred Brendel in vielen Jahren der Besuche seiner Konzerte live erlebt, dass seine Interpretationen eine ganz andere Qualität gewannen (er wurde von der Kritik vielleicht in zu verallgemeinernden Weise als der „Philosoph am Klavier“ bezeichnet). Wenn nur die Dynamik eine Rolle spielte, dann wäre es ja mit den Pianisten wie mit den Sportlern. Gott sei Dank ist es nicht so.

Arrau beweist aber spätestens ab Takt 9 in den begleitenden Sechzehnteln, dass er pianistisch noch keinerlei Defizite zu beklagen hat. Das beweist er auch im weiteren Verlauf, da ja die Sechzehntel nahezu durchlaufen, oder im Zwischensatz, der ja pianistisch ziemlich heikel ist, aber ihm nicht das Geringste ausmacht. Auch die vier Takte 41 bis 44 mit Sechzehnteln allüberall sind vom Feinsten, oder auch die Takte 50 bis 54, die Beethoven unter einen Bogen gestellt hat, der sich aber über mehrere  Oktaven erstreckt. Auch die dynamischen Ausschläge beachtet er nach wie vor sehr gewissenhaft und gekonnt.

Grandios auch die fast durchführungsartigen Züge des Abschnitts mit den Unisonoterzen, -sexten und -oktaven. Im vierten Themenauftritt hebt noch einmal ein gesteigerte Dynamik an, bevor es in die zauberhafte, humorvolle, grandiose Coda an, die er am Schluss auch noch grandios spielt.

meines Erachtens seine beste Aufnahme!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 7

 

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Vladimir Ashkenazy, Klavier

AD: 1979

Spielzeiten: 6:51-9:48-2:48-3:41 — 23:08 min.;

Vladimir Ashkenazy spielt den Kopfsatz etwas schneller als Sokolov, etwa so wie Arrau 1973 in Schwetzingen. Dynamisch spielt er, zumindest in der Exposition, ähnlich wie Arrau in seiner letzten Aufnahme, erreicht durchaus in der Steigerung ab Takt 18 das Fortissimo und spielt auch die beiden Steigerungen in der Themenfortsetzung aus.  Im zweiten Thema spielt er sehr schön die rhythmischen Kontraste, auch die Überleitung zum „durchführenden Teil“ der Exposition zur Schlussgruppe hin. In ihm akzentuiert er sehr schön die Sforzandi und endet in einem kraftvollen Fortissimo. Auch die beiden Dynamikblöcke in der Schlussgruppe kontrastiert er sehr sorgfältig. Dann wiederholt auch er die Exposition. Bleibt noch festzuhalten, dass auch er die Fermaten ähnlich wie Arrau herausstellt. Ebenso nimmt er sich auch der Oktavengänge in der Begleitung an.

In der sehr bewegten Durchführung erhöht er die dynamische Schlagzahl, vielleicht noch etwas mehr als Arrau. Dia Achtelintervalle lässt er sehr schön laufen.

In der Reprise mit ihren leicht veränderten musikalischen Formen und ihrem eher noch erhöhten dynamischen Impetus bleibt er bei seinem dynamisch hoch stehenden Spiel und seiner rhythmischen Exaktheit. Am Ende des zweiten Themas spielt er ab Takt 267 wieder eine großartige Steigerung und schließt die aufmerksame Gegenüberstellung der Dynamikblöcke mit dem Crescendo im zweiten, leiseren Teil an, der nach den Oktavwechseln ab Takt 306 und der sich anschließenden Sforzandokette die kurze Coda mit ihrer mitreißenden Schlusssteigerung folgt, von Ashkenazy grandios gespielt.

 

Das Largo spielt Vladimir Ashkenazy deutlich schneller als Sokolov und immer noch etwas schneller als Arrau 1973. Schon im ersten dunklen Teil setzt er deutlich die dynamischen Akzente.

Den folgenden ersten hellen Teil spielt er betörend schön und zeigt, dass auch er ein Meister des lyrischen Ausdrucks ist.

 Im zweiten dunklen Teil ist doch etwas von der russischen Pianistenschule zu verspüren. Das spielt er noch etwas zupackender als Arrau und gleichzeitig mit deutlicher Schärfe. Auch der kurze helle zweite Abschnitt fügt sich nahtlos in sein ausdrucksmäßiges Vorgehen ein.

Im durchführenden Teil greift er auch beherzt zu, und auch die absteigenden Zweiunddreißigstel einschließlich des Smorzando spielt er großartig.

In der Reprise ist im dunklen ersten Teil auch eine Zunahme der dynamischen Bewegung zu vernehmen, und auch er spielt die 6 Portato-Noten grandios, anschließend lässt er die Steigerung organisch in die hohe Oktav des lichten Abschnitts laufen, den er ebenfalls atemberaubend spielt. Mit dem zweiten dunklen Abschnitt beendet er die Reprise nun wieder ähnlich wie Arrau, die ffp-Akkorde haben nicht die letzte dynamische Stärke, aber eineungeheure Schärfe und grelle Färbung.

Die Coda spielt er etwas schneller als Arrau, etwa wie Sokolov, mit einer großartigen Steigerung im ersten Teil und einer sehr schönen temporalen Zurücknahme im zweiten Teil ab Takt 72 und im dritten Teil eine weitere temporale und am Schluss auch dynamische Zurücknahme bis zum „Ersterben“ und völligen Stillstand- grandios!!

Das Menuetto spielt Vladimir Ashkenazy etwas schneller als Arrau und Sokolov in den verglichenen Aufnahmen. Dennoch spielt er es sehr entspannt und in einem  zarten, pastoralen Ton, und auch im zweiten Teil des Menuetto bleibt er trotz der stärkeren dynamischen Bewegung in diesem entspannten heiteren Rahmen. Auch das nachfolgende Trio bleibt indem fließenden Vorwärtsgang und hat nicht den  teilweise hüpfenden Charakter. Ashkenazy beweist hier wiederum, dass er des fließenden, lyrischen Legatospiels mehr als mächtig ist.

Das Rondo spielt Ashkenazy etwas schneller als Arrau und Sokolov, was sich vor allem in den von ihm hervorragend wiedergegebenen Sechzehnteln ab Takt 9 niederschlägt.

Im ersten Zwischensatz zeigt er auch wieder seine sorgfältige Behandlung der dynamischen Akzente, die im Seitensatz etliche wunderbare Kontraste offenbaren. Auch im zweiten Zwischensatz, der hochvirtuos ist, glänzt er mit einer völligen Beherrschung desmusikalischen Geschehens, das er in diesem Abschnitt mit einem wunderbaren Legatoschluss in den Takten 41 bis 44 abschließt. Auch das wiederholte Hauptthema, das in dem langen Bogen Takt 50 bis 54 weiter ausgeführt wird, spielt er exzellent und leitet damit zum dritten Themenauftritt über. Hier dreht er genauso auf  wie zu Beginn. Das ist alles entspannte, heitere, ausgelassene. Musik. und führt zu diesem wunderbaren durchführungsähnlichen Abschnitt ab Takt 74 mit der unvergleichlichen Sequenz der Unisono-Terzen, -Sexten und -Oktaven. Ich kenne keinen anderen Komponisten, der in diesem Alter so etwas Überragendes komponiert hat. Und Ashkenazy spielt das auch überragend, auch den wiederum hochvirtuosen Übergang zum vierten Themenauftritt, der nach weiterer dynamischer Bewegung über die absteigenden Sechzehntel zu der zauberhaften und höchst originellen Coda führt. Auch diese spielt er herausragend.

Eine große Aufnahme!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 8

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10, Nr. 3

Wilhelm Backhaus, Klavier

AD: Oktober 1963

Spielzeiten: 4.:53-6:31-2:34-3:56 — 17:54 min.;

Wilhelm Backhaus spielt den Kopfsatz in einem Tempo. dass etwa auf die früheren Aufnahmen von  Arrau hinausläuft. Genau kann ich es nicht sagen, weil er, wie eigentlich immer, die Exposition nicht wiederholt. Ich werde es am Ende der Exposition nachholen.

Es ist eigentlich schade, dass Backhaus uns immer wieder die Wiederholung der Exposition vorenthält oder im dritten Satz ähnlich verfährt, weil er das soch sehr gut spielt. Auch hier ist er dynamisch durchaus überzeugend, etwa auf der Linie Arraus, d. h. in der dynamischen Spitze nicht ganz bis zum Äußersten zu gehen. Jedenfalls ist rhythmisch, im Zusammenspiel von Staccato und Legato alles im Lot, wovon auch das zweite Thema zeugt.

Sehr gut gefällt mir auch im „durchführenden Teil“ der Exposition die Steigerung in der Sforzandokette, allerdings hätte ich mir am Ende noch etwas mehr Durchschlagskraft gewünscht, wie es Sokolov und Arrau, aber auch Ashkenazy an dieser Stelle unter Beweis gestellt haben.

Die Schlussgruppe spielt er wiederum sehr überzeugend, wobei in dieser Interpretation auch einmal gesagt werden muss, wie gut mir seine kristallklare Basslinie gefällt, die bei der 52jährigen Aufnahme sehr viel Struktur offenbart.

Die kurze Durchführung spielt er einfach grandios. Schon zu Beginn bringt er durchschlagende Fortissimi und Fortissimopiani, und er lässt es fließen, fließen, fließen. Dies ist eine feurige, dynamisch ungeheuer kontrastreiche Durchführung.

Auch in der Reprise überzeugen mich die Bässe wieder ungemein, über denen die hohe Oktave ganz wunderbar schwebt.  Die beiden dynamischen Blöcke stellt er ebenfalls schön gegenüber, ebenfalls gelingen die Oktavenwechsel hervorragend und er schließt eine großartige Sforzandokette an, die in die herrliche Kurzcoda führt. Mit ihr schließt er eine äußerst überzeugende Interpretation des Kopfsatzes ab, die ich nicht erwartet hatte, aber über die ich mich umso mehr freue.

Leider folgt der Wermutstropfen auf dem Fuße, denn das Largo ist wieder einmal viel zu schnell. Es ist über fünf Minuten schneller als das grandiose Largo von Sokolov und fast 6 1/2 Minuten schneller, mitin also doppelt so schnell wie der sehr überzeugende Tempoextremist Michael Korstick. Bei diesem „Largo“, das hier bestenfalls zwischen Andante und Adagio anzusiedeln ist, stellt sich keine überzeugende Verbindung zum Hörer her. Auch scheinen mir die bei Sokolov, Arrau und Ashkenazy so ätherischen sechs Portatonoten viel zu laut, beinahe grobschlächtig. So gerät auch das Tempo in der ersten hellen Sequenz viel zu schnell und wird die musikalische Tiefe viel zu seicht. und wenn dann im zweiten dunklen Teil, der dynamischen Spitze des ganzen Satzes, der später noch wiederholt wird, das Tempo, wie hier beibehalten wird, dann verpufft, wie hier die Wirkung der ffp-Akkorde, vollig. Das klappt nur in Verbindung mit dem richtigen Tempo. Wie viel intensiver spielte das doch der 81jährige Arrau 1984 in Santiago trotz  der verhältnismäßig flotten Gangart von 9 Minuten, weil er niemals den Eindruck von Hast und Eile aufkommen ließ und der Musik die lastende Schwere zukommen ließ. Dies ist ein schwerer Satz, kein leichter, und ich meine es so, wie ich es geschrieben habe. Auch im durchführenden Teil wird es viel zu schnell. Das gleitet dann auch selbstverständlich über das Smorzando hinweg, das man als Schnittstelle gar nicht wahrnimmt.

Auch in der Reprise habe ich wiederum den Eindruck, dass er innerhalb des Themas noch schneller wird. Was treibt ihn denn? Auch in der Reprise kommen mir die Portatonoten wieder zu massiv. In dem hohen Tempo klingt dann auch die hohe Oktave im lichten Thema ab Takt 52 zu beiläufig.

Am schlimmsten wirkt sich das in der Coda aus, die ja mit Zweiunddreißigstel-Quintolen beginnt. und wo man zwischen Takt 65 und 71 keinen temporalen Unterschied zwischen Zweiunddreißigsteln und Vierundsechzigsteln wahrnimmt. die anderen bisher gehörten Pianisten haben das viel präziser gespielt. In den Zweiunddreißigsteln ab Takt 72 wirkt das m. E. regelrecht lieblos. Und am Schluss kann man auch von keinem Morendo sprechen.

Das Menuetto Allegro gehört dafür wieder zu den Aktivposten, zwar auch weder ziemlich rasch, aber dynamisch und rhythmisch durchaus in Ordnung.

Im Rondo ist Backhaus  etwa im Bereich seiner bisher besprochenen Kollegen. Dynamisch und rhythmisch hat dieser Satz durchaus etwas. Er spielt das temporal durchaus im Limit. Auch die dynamischen Kontraste treten deutlich hervor.  Auch den zweiten Zwischensatz mit den vier wunderbaren Legatotakten 41 bis 44 spielt er sehr eindrucksvoll, einschließlich des großen Bogens von takt 50 bis 54.

Auch im dritten Themenauftritt ab Takt 56 weiß er weder in den Temporückungen zu überzeugen. Sehr schön spielt er auch die Unisono-Akkorde ab Takt 74 und die hochvirtuose Überleitung zum vierten Themenauftritt, den er auch sehr überzeugend gestaltet.  Auch seine Coda ist großartig. Schade, dass es nicht die gesamte Sonate ist.

 

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 9

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Paul Badura-Skoda, Klavier

AD: April 1970

Spielzeiten: 7:03-8:21-2:43-3:47 — 21:54 min.

Paul Badura-Skoda ist im Kopfsatz etwas langsamer als Ashkenazy, etwa auf gleicher Höhe mit Sokolov. Dynamisch spielt er schon in den einleitenden Doppeloktaven an der oberen Grenze und erreicht in der Wiederholung des zweiten Thementeils mühelos das Forte und am Ende des Hauptsatzes das Fortissimo. Auch am Ende der Themenerweiterung spielt er zu Beginn des Taktes 45 ein echtes Fortissimo und beendet auch die letzte Steigerung vor dem Seitenthema mit einem ordentlichen Forte.

Das Seitenthema spielt er sehr ausdrucksvoll, nun aber leiser als die Pianopassage zu Beginn des Satzes und schön fließend zwischen den Pausen von Takt 65 in der zweiten Hälfte und Takt 66 von der Eins bis zur Drei. Auch den sogenannten „durchführenden Teil“ in der zweiten Hälfte des Seitensatzes spielt er schön fließend mit gut akzentuierten Sforzandi und einer bravourösen Schlusssteigerung.

Auch in der Schlussgruppe lässt er es schön fließen und gestaltet einen ordentlichen Kontrast zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Dynamik-Blöcken. Auch er wiederholt natürlich die Exposition.

Auch Badura-Skoda spielt insgesamt sehr klar und natürlich und legt auch viel Ausdruck in die Begleitung.

In der Durchführung erfüllt er mühelos die dynamischen Vorgaben der Partitur und lässt die Achtel in der oberen Oktav mit den unterschiedlichen Intervallen schön durchlaufen.

In der Reprise trägt er im Hauptsatz der zugenommen dynamischen Bewegung Rechnung und lässt wiederum das „richtige“ Thema ab Takt 204 entspannt voranlaufen und steigert in der Folge die Themenerweiterungen kräftig. Im Seitenthema mit seiner Sforzandokette und seiner Schlusssteigerung lässt er wie in der Exposition nicht nach und spielt eine fabelhafte Schlussgruppe, in der diesmal im pp-Block noch eine zusätzliche Erhebung und Senkung ist.

Auch in der Kurzcoda mit der fabelhaften Schlusssteigerung weiß er zu überzeugen.

Das Largo gefällt mir nicht so gut wie der Kopfsatz, weil auch er recht rasch ist, über drei Minuten schneller als Sokolov und immer noch eineinhalb Minuten schneller als Ashkenazy, wenn gleich eineinhalb Minuten langsamer als Backhaus. Zudem spielt er im ersten dunklen Abschnitt in Takt 5 die sechs Portatonoten entgegen der Partitur nicht leiser, sondern lauter.

Das schnelle Tempo fällt natürlich im ersten hellen Teil noch stärker ins Gewicht, weil er fast nur aus Sechzehnteln besteht. Im zweiten dunklen Teil wird den Forte- und Fortissimo-Akkorden durch das höhere Tempo Einiges von ihrem dramatischen Gewicht genommen, zumal er sie nicht mit dem letzten dynamischen Einsatz spielt. Auch der zweite helle Teil hat nicht dies stille Trauer wie in den Interpretationen Arraus, Sokolovs oder Ashkenazys.

Im durchführenden Teil ist positiv zu vermerken, dass er es richtig krachen lässt und auch ein vorzügliches Smorzando spielt.

In der Reprise spielt er die sechs Portatotöne schön verhalten. Auch den kurzen hellen abschnitt spielt er sehr schön. Auch im Zeiten dunklen abschnitt kommen diesmal die ffp-Akkorde kräftiger und schärfer.

Die Coda hat nun natürlich besonders unter dem schnellen Tempo zu leiden, da sie nur aus Zweiunddreißigsteln besteht und ich den Unterschied zwischen den längeren und kürzeren Noten in Takt 69 und 70 nicht mehr feststellen kann, wie schon bei Backhaus. Bei allen anderen Aufnahmen war er klar zu vernehmen. Auch die Verlangsamung wirkt nicht so stark wie in einem langsameren Tempo.

Im Menuetto ist er etwas schneller als Ashkenazy und nochmal einen Tick schneller als Sokolov. Aber das Tempo ist hier nicht zu schnell. Und der lyrische heitere und friedliche Charakter ist hier sehr schön eingefangen. Und, um das an dieser Stelle nochmal zu sagen, das Zusammenspiel und Wechselspiel von Staccato und Legato ist ja nie ein Problem gewesen. Im Trio ist sein Ausdruck noch etwas extrovertierter, von vernehmbarer Freude geprägt. Selbstverständlich spielt auch er das Menuetto Da Capo.

Im Rondo liegt Badura-Skoda temporal zwischen Sokolov und Ashkenazy. Die anfänglichen fragenden Aufwärtsgänge spielt er sehr schön, die Varietät im ersten Zwischensatz sehr kräftig. Dann lässt er die Bögen sehr flüssig laufen. Auch der zweite, hochvirtuose Zwischensatz mit den tollen vier Legatotakten zum Schluss (Takt 41 bis 44) geht ihm leicht von der Hand. Sehr schön auch die zweiten Themenwiederholung mit dem großen Bogen zwischen Takt 50 und 54, dem sich unmittelbar der dritte anschließt, den er genauso souverän spielt wie den bisherigen Satz, auch die wunderbaren Unisono-Terzen, -Sexten und -Oktaven und die anschließende hochvirtuose Überleitung.

Der letzte Themenauftritt vor der Coda, wieder mit variierten musikalischen Figuren, bleibt auf dem hohen interpretatorischen Niveau, einschließlich der grandios gespielten Coda.

Ein Interpretation, die m. E. doch noch auf anderem Niveau steht wie die von Wilhelm Backhaus, weil das m. E. zu schnelle Tempo im Largo nicht die Auswirkungen auf das Gesamtniveau hat, denn die anderen drei Sätze waren grandios.

 

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 10

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Daniel Barenboim, Klavier

AD: 1966-69

Spielzeiten: 7:10-12:01-2:53-3.56 — 26:00 min.

Daniel Barenboim Spielt den Kopfsatz etwas langsamer als Sokolov und somit bis jetzt am langsamsten. Dynamisch beachtet er sehr genau die Vorgaben der Partitur und endet den Hauptsatz mit einer veritablen Fortissimo-Steigerung. Das „richtige“ Thema ab Takt 23 schließt er flüssig an  und kommt auch hier in Takt 45 im Fortissimo an. Nach einer weiteren Steigerung kommt er zum Seitenthema mit den rhythmischen Gegensätzen, die er schön ausführt. Den durchführenden Teil mit der langen Steigerung spielt er sehr akzentuiert und endet auch hier mit einer bravourösen Steigerung. Dann schließt er die Schlussgruppe an, wo auch er die dynamischen Blöcke schön gegenüber stellt. Auch er wiederholt die Exposition.

Auch die Durchführung spielt Barenboim dynamisch sehr hochstehend  und legt auch hier viel Wert auf kraftvolle Bässe in den aufsteigenden Staccati zwischen Takt 149 und 175. Die kurze Durchführung beendet er mit einer massiven Fermate.

In der veränderten Reprise spielt er zu Beginn ein mitreißendes Crescendo mit glockenartige Sforzandi. Mit dem „richtigen“ Thema ab Takt 205 mit Auftakt setzt er einen großen dynamischen und rhythmischen Kontrast. Auch kontrastiert er wieder sehr wirkungsvoll rhythmisch im Seitenthema ab Takt 233 zwischen  den Legatobögen und den Staccati, auch in der Oktavierung.

Auch die Wiederholung der massiven Sforzandi und Fortissimi vor der Schlussgruppe kommt wiederum in beeindruckender Manier. Auch die um eine Sforzandokette verlängerte Schlussgruppe spielt er rhythmisch und dynamisch hervorragend und lässt eine begeisternde Kurzcoda folgen.

Das Largo e mesto spielt er noch langsamer als Sokolov, und die Wirkung ist faszinierend. Sie geht schon ins quälend Triste im ersten dunklen Abschnitt.

Auch der erste helle Abschnitt bleibt trotz der Auflösung in Takt 15 in einer traurigen Grundstimmung, einem „traurigen Dur“. Das habe ich noch nirgends so stark empfunden wie hier im Spiel  Barenboims.

Im zweiten dunklen Abschnitt legt Barenboim noch an Dynamik zu und kommt in den drei ffp Sokolov am nächsten. Auch im zweiten kurzen hellen Abschnitt kommt mir die im >Moll verbleibende Stimmung trauriger vor als bei manchem anderen.

Die lastende Schwere will auch und gerade im durchführenden Teil nicht weichen und scheint im ersten Crescendo in der Art seines Mahlerschen „Streng wie ein Kondukt“ noch zuzunehmen, und durch die Zweiunddreißigstel-Abwärtsbewegungen kommt noch ein gewaltiger Kontrast hinzu. Auch sein Smorzando ist grandios.

In der Reprise nimmt die düstere Stimmung schlagartig wieder zu und selbst die sechs Portatotakte in Takt 48  ihrer quälenden Langsamkeit tragen dazu bei. Der verkürzte helle Abschnitt ab Takt 53 mit Auftakt erstrahlt in „schmerzender“ Schönheit.

 Im nächsten dunklen Abschnitt, dem zweiten entsprechend, verlegt Barenboim m. E. die dynamischen Höhepunkte etwas nach vorne, z. B. in den fünf teilweise siebenstimmigen Forteakkorden Takt 58 und 59 auf der eins, die er ff spielt und die massiven ff-Figuren in Takt 61. Natürlich spielt er auch wieder die drei ffp-Akkorde, aber diese leichte Verlagerung hat auch ihren Reiz.

Dieses langsame Tempo kommt auch der Coda zu Gute, in der man endlich die Struktur wieder klar erkennt, vor allem in den Takten 69 und 70, wo man die Vierundsechzigstel wieder klar von den Zweiunddreißigsteln unterscheiden kann. und auch der Takt 71 wieder richtig atmen kann. Und so kommt formal der temporale pyramidenförmige Aufbau dieser Coda wieder zum Vorschein.

Faszinierend auch die letzten zwölf Takte ganz langsam ins musikalische Nirwana hinüberdämmern- grandios!!

Kaum ein Kontrast könnte größer sein wie der stimmungsmäßige zwischen diesem Largo und diesem Menuetto. Das ist wirklich ein leuchtender beseligender Morgen nach einer quälend langen, traurigen und schmerzensreichen stockdunklen Nacht. Hellste Lyrik vom Feinsten! Und im Trio gar greift Barenboim „hinein ins volle Menschenleben“. Selbstverständlich spielt er auch das Menuetto Da Capo.

Im Rondo ist Barenboim im Tempo etwa gleich mit Sokolov. Auch er arbeitet den temporalen Kontrast zwischen dem ersten fragenden Motiv und der etwas schnelleren Schlusswendung und dem rasanten ersten Zwischensatz wunderbar heraus. Grandios gestaltet er auch den hochvirtuosen zweiten Zwischensatz ab Takt 33 mit den wunderbaren vier abschließenden Legatotakten 41 bis 44.

Meisterlich ist auch der überleitende Boden Takt 50 bis 54.

Und im dritten Themenauftritt führt er uns die bestrickenden 6 Takte mit den Unisono-Terzen, -Sexten und -Oktaven in seltener Klarheit vor, die in musikalisch wildbewegte Figuren in der oberen und unteren Oktave zum vierten Themenauftritt überleiten, wieder in einer massiven Fermate endend und von Barenboim meisterlich gespielt.

Auch der vierte Themenauftritt, in dem die Sechzehntel wieder in die tiefe Oktav wandern, ist von ihm sehr klar und natürlich gestaltet, so dass ganz viel vom Sechzehntelwirbel zu vernehmen ist.

Letztlich schließt er mit einer grandios gespielten Coda ab.

Eine herausragende Aufnahme!

 

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 11

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Alfred Brendel, Klavier

AD: Dezember 1962

Spielzeiten: 6:48-10:06-2:49-3:40 — 23:17 min.;

Alfred Brendel spielt in seiner ersten Aufnahme von 1962 das Presto geringfügig schneller als Sokolov und Barenboim. Ich habe den Eindruck, dass er im ersten Doppeloktaven-Aufwärtsgang schon vor dem Sforzando crescendiert, ein Umstand, der mir bisher noch nicht begegnet ist. Beim zweiten verlängerten Aufwärtsgang ab Takt 18 ist das allerdings so vorgesehen, und er endet dort auch in einem kernigen Fortissimo. Staccato und Legato harmonieren gut miteinander, und in der Fortsetzung des „richtigen“ Themas spielt er auch dynamisch höchst kontrastreich.

Auch das Seitenthema mit den zunächst gegenüberstehenden Legato- und Staccatoblöcken spielt er ausgezeichnet, ebenso den „durchführenden“ Abschnitt vor der Schlussgruppe, den er auch in einer veritablen ff-Steigerung auslaufen lässt. In dieser stellt er auch die beiden unterschiedlichen dynamischen Blöcke sehr schön gegenüber. Er wiederholt natürlich auch selbstverständlich die Exposition.

Die Durchführung spielt er dynamisch sehr hochstehend, wobei er kein Fortissimo auslässt. Die Bassläufe sind gut zu vernehmen.

In der Reprise fällt mir auch das vorzeitige Crescendieren am Beginn wieder auf. Sehr positiv ist durchgehend seine starke Betonung der Sforzandi festzustellen. Auch das Seitenthema spielt er wieder souverän im Zusammenwirken von Legato und Staccato sowie die großartige lange Sforzandokette ab Takt 256 und die crescendierende Abwärtsbewegung der Bass-Oktaven bis hin zum Fortissimo. Auch die Schlussgruppe ist wieder als sehr gelungen zu bezeichnen, die er in einer begeisternden Sforzandokette in die ebenfalls mitreißend gespielte Kurzcoda führt.

Alfred Brendel spielt das Largo etwas langsamer als Ashkenazy und wesentlich langsamer  als Badura Skoda und erst recht als Backhaus, aber schneller als Barenboim, Arrau und Sokolov. Er schafft auch ein dunkles tristes Bild und beachtet von Anfang an die dynamischen Akzente. Sehr schön sind auch seine 6 Portatonoten.

Im ersten hellen Abschnitt entwirft er eine etwas zurückhaltende klangliche Färbung und spielt nach dem Auflösungszeichen eine zu Herzen gehende hohe Oktav und deren Oktavierung. Im zweiten dunklen Abschnitt legt er natürlich dynamisch ordentlich zu und erreicht in den Spitzen durchaus das Fortissimo, auch wenn er nicht ganz an Sokolov heranreicht. Im nächsten hellen, verkürzten Abschnitt bleibt auch er im verhaltenen Moll. Nicht jeder spielt wie er im Takt 28 ein sattes Fortissimo.

Im durchführenden Teil spielt er auch im dunklen Schreitrhythmus und schwingt sich im Crescendo wiederum zu einem markigen Fortissimo auf, dass sich mit den Zweiunddreißigsteln im Piano abwechselt. Den langen Abstieg lässt er in ein beeindruckendes Smorzando münden.

Die am Beginn dynamisch etwas bewegtere Reprise hält er im sehr dunklen traurigen Klang, und sehr schön gestaltet er auch das schon im dunklen Abschnitt sich auflösende dichte musikalische Geschehen, das direkt in die berückende hohe Oktave führt. Der düstere Kontrast folgt auf dem Fuße, und auch hier steigert er wieder machtvoll, wobei die ffp-Akkorde ähnlich wie bei Arrau sehr grell klingen.

In der Coda spielt er die Zweiunddreißigstel anfangs sehr leise, so dass ihre Struktur nur zu erahnen ist, aber er wird sukzessive lauter, und man kann bei ihm in den Takten 69 und 70 die Vierundsechzigstel gut von den Zweiunddreißigsteln unterscheiden. Der Zweiunddreißigstelabstieg in der zweiten Hälfte ist auch sehr ausdrucksvoll und letztlich kommt der atemberauben gespielte letzte Abschnitt langsam und leise zum Erliegen.

Im Menuetto tut er sogleich einen großen Kontrast zum Ende des Largo auf, indem er mit einem körperhaften Piano beginnt, sogar leicht dynamisch bewegt und einen ganz klaren Klang anschlägt. Diese dynamische Bewegung steigert sich im zweiten Teil des Menuettos noch. Auch hier greift er beherzt zu und lässt diesen Abschnitt dann ganz entspannt auslaufen.

Im Trio spielt er dann dynamisch sehr hochstehend, erreicht mühelos die in der Partitur vorgegebenen Fortissimi. Dann schließt er das Menuetto Da Capo an.

Im Rondo nützt Brendel auch wieder die ganze dynamische Spannweite aus, die ihm zu Gebote steht und lässt es im ersten Zwischensatz hurtig fließen. Sehr schön gestaltet er die Legatobögen im zweiten Teil.

Auch der hochvirtuose zweite Zwischensatz bereitet ihm keinerlei Problem, es ist sicherlich auch ein Höhepunkt in diesem Satz mit den wunderbaren abschließenden vier Legato-Takten und dem wiederholten Hauptthema mit dem großen Bogen in Takt 50 bis 54.

Im dritten Themenauftritt treibt er das musikalische Geschehen munter voran. Herrlich auch seine Lesart der Unisonoterzen, -Sexten und -Oktaven. Der vierte Themenauftritt bringt weitere dynamische Bewegung.

Auch die originelle Coda spielt Brendel sehr kontrastreich  und wunderbar in den Legatobögen.

Ebenfalls eine großartige Aufnahme!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 12

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Alfred Brendel, Klavier

AD: Februar 1972

Spielzeiten: 6:50-10:38-2:46-4:08 — 24:22 min;

Alfred Brendel spielt den Kopfsatz in etwa dem gleichen Tempo wie 1962, etwas schneller als Paul Badura Skoda und Grigory Sokolov. Hier ist das vorzeitige Crescendieren in Takt 2 und 3 nicht mehr festzustellen. So hat auch die Fermate wieder das Gewicht, das ihr zukommt. Auch in der zweiten Steigerung am Ende des Hauptsatzes steigert er wieder großartig bis zu seinem satten Fortissimo. Das „richtige“ Thema spielt er in flottem flüssigen Duktus, wobei er Staccato und Legato vortrefflich miteinander vereint. In der Themenfortsetzung gestaltet er auch die dynamischen Kontraste entsprechend der Partitur.

Auch das Seitenthema mit dem durchführenden Binnenteil spielt er großartig, mit einer wundervollen Steigerung aus dem pp ab Takt 72, von zwei kurzen p-Impulsen unterbrochen hin zu dem Fortissimo vor der Schlussgruppe. In dieser arbeitet er die Unterschiede zwischen den beiden dynamischen Blöcken besonders sorgfältig heraus. selbstverständlich wiederholt er die Exposition.

Lobend auch hier zu erwähnen, dass er auch die Begleitung sehr transparent und gleichberechtigt herausstellt. Nachtragen möchte ich auch die überragende Gestaltung des Crescendos in der langen Sforzandokette Takt 72 bis 92.

In der kurzen Durchführung hält er den dynamischen Vorwärtsdrang unverändert hoch, gestaltet das Ganze als ein mitreißendes lebensfrohes Bravourstück, ohne das virtuose als Selbstzweck zu betrachten, sondern das ergibt sich so.

Auch die Reprise, die sich in dieser Sonate als weitere Steigerung gegenüber Exposition und Durchführung entpuppt, bleibt er am oberen dynamischen Limit und behält den beinahe überbordenden Rhythmus bei- grandios.

Auch der Seitensatz ist hier wieder mitreißend musiziert, wiederum mit einer großartigen Fortissimo-Steigerung. Das gleiche gilt für die nachfolgende, verlängerte Schlussgruppe, die in die Kurzcoda übergeht, auch die grandios gespielt!

Im Largo geht er allmählich näher an Sokolov und Barenboim heran, im Ausdruck war er ja sowieso schon oben mit dabei. Interessanterweise spielt er die sechs Portato-Noten (Takt 5) als Decrescendo.

Vom Ausdruck her dringt er m. E. noch tiefer in den schmerzlichen Trauerkosmos dieses Satzes ein, und das ist eben m. E. untrennbar mit dem richtigen (langsamen) Tempo verbunden. Ich muss auch Zeit haben, in die musikalische Tief einzudringen. (Es gibt ein Plattencover bei der DGG einer CD mit Emil Gilels und den Sonaten Nr. 21, 23 und 26, die eine bizarre Eislandschaft, ein Bild von Caspar David Friedrich „Das Eismeer“, das auch für diesen Satz gut passen würde).

Im zweiten dunklen Abschnitt kommt Brendel in dieser Einspielung m. E. den Eruptionen von Grigory Sokolov bisher am nächsten.

Der zweite helle (lichte) Abschnitt verbleibt in Brendels Interpretation im traurigen Bereich, und auch in der  Durchführung am Anfang in den tiefen und ganz tiefen Oktaven lässt uns Brendel nicht im Geringsten aus dieser Fessel heraus, sondern in diesem schweren Schritt scheint es kein Entrinnen zu geben, auch wenn die absteigenden Zweiunddreißigstel einen möglichen Ausweg verheißen, wieder stampft das tiefschwarze Fortissimo dazwischen. Auch wenn die Zweiunddreißigstel allein ihre Bahn ziehen, werden sie doch immer noch von den taktweise sich annähernden  bohrenden tiefen Terzen begleitet. Das Smorzando gestalte Brendel, wie ich meine, besonders traurig, „ersterbend“.

Auch in der Reprise hält Brendel diese Stimmung aufrecht, wenngleich nach dem Fortepiano Takt 52 auf der Eins alles umgekehrt erscheint. Auch das spielt Brendel grandios.

Ebenso beeindruckt mich der nächste dunkle Abschnitt mit dem dynamischen Höhepunkt mit den drei ffp-Akkorden, wieder sehr kraftvoll und grell gespielt.

Die Coda spielt Brendel mindestens so mitreißend wie in seiner ersten Aufnahme, wobei ich meine, dass er die Zweiunddreißigstel zu Beginn deutlicher spielt als ins einer ersten Aufnahme und die gesamte Steigerung ab Takt 66 bis zum Spitzentakt 71 grandios gespielt ist.

Auch der Abstieg über die Zweiunddreißigstel ab Takt 72 spielt er in atemberaubender Manier bis hin zum letzten Achtelabschnitt, den er ganz herausragend spielt. Er spannt die Nerven der Zuhörer bis zum Äußersten, wie es nur ein ganz großer Meister in diesem Tempo tun kann.

Welch ein Gegensatz: dieses heiter, entspannte, sanfte Menuetto. selbst das Sforzando in Takt 17 passt sich diesem sanften Fortgang an.

Selbst das Trio passt sich dieser Stimmung an, ist heiter, fröhlich, aber bei weitem dynamisch nicht so ausufernd wie zehn Jahre zuvor. Da ist  er wohl inzwischen zu anderen Einsichten gelangt.

Er schließt dann das entzückende Menuetto Da Capo an.

Das Rondo beginnt er in der gleichen Stimmung bei naturgemäß gesteigerter Dynamik, und im Sechzehntelabschnitt ab Takt 9 schlägt er auch hier ein flottes Tempo ein. Im ersten Zwischensatz nutzt er wieder die ganze dynamische Spannweite der Partitur aus. Im zweiten Zwischensatz ab Takt 33 umschifft er souverän die Klippen des hochvirtuosen Klaviersatzes und endet in einem wunderbaren Legatoabschnitt (Takt 41 bis 44). Die überleitende Wiederholung des Hauptthemas mit dem herrlichen Bogen Takt 50 bis 54 schließt er adäquat an.

Den dritten Themenauftritt mit leicht geänderten musikalischen Figuren, der dem ersten Zwischensatz entspricht. lässt er in den Achteloktaven, begleitet von den Sechzehnteln, alert fließen.

Der Unisonoabschnitt ab Takt 74 ist ganz große pianistische Kunst, wie ich meine, auch wenn das mancher Brendel gar nicht zugetraut hätte. DA fließt einfach mal so eine dynamische Bewegung mitten in den pp-Abschnitt ein- grandios! Auch der hochvirtuose Übergang Takt 80 bis 83, der auf der unvermeidlichen Fermate endet, ist souverän musiziert.

Der vierte Themenauftritt, wenn man so will, die zweite Hälfte der Reprise, in dem er wiederum die Begleitung sehr schön hervortreten lässt, zeigt noch einmal, wie viel Wert er auf die Funktion der Sforzandi legt, wie er in seinem Buch „Über Musik“ wiederholt ausgeführt hat. Sie sind, mehr noch als die Fermaten, ein rhythmisches Mittel der Wahl, dass zudem die Struktur der Beethovenschen Musik wunderbar hervortreten lässt.

Die Coda bestätigt  m. E. den herausragenden Rang dieser Einspielung. Das freut mich um so mehr, das hier festzustellen, weil gemeinhin seine mittlere Gesamteinspielung nicht so sehr auf den Schild gehoben wurde.

 

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 13

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Alfred Brendel, Klavier

AD: März 1995

Spielzeiten: 6:58-10:28-2:53-4:03 — 24:22 min.

Alfred Brendel ist in seiner dritten Einspielung im Kopfsatz ungefähr zeitgleich mit seiner zweiten und etwas schneller als Badura-Skoda. Dynamisch sehe ich einen geringen Unterschied in der ersten Fermate, die er nicht so herausstellt, aber das ist zu vernachlässigen. Auch rhythmisch ist alles im Lot.

Das Gleiche gilt für das Seitenthema, in dem er wiederum eine schöne Sforzandokette spielt einschließlich der Schlusssteigerung.

In der Schlussgruppe ist mir zum ersten Mal die zweifache Oktavierung des Themenabschnitts nach unten aufgefallen, vielleicht weil er ihn besonders deutlich gespielt hat? Ansonsten sind die dynamischen Blöcke genügend kontrastiert. Alfred Brendel wiederholt natürlich auch hier die Exposition.

Die Durchführung hat dagegen genau so viel Saft und Kraft wie in den ersten beiden Einspielungen.

Das Gleiche gilt auch für die Reprise, vielleicht dass die Schlusssteigerung des Seitenthemas noch ein Ideechen kraftvoller ist als in der Exposition, ansonsten kann ich mich hier kürzer fassen.

Auch die Kurzcoda ist wieder sehr eindrucksvoll.

Im Largo ist Alfred Brendel wieder etwas schneller als 23 Jahre zuvor, aber das haben wir ja auch schon bei anderen Sonaten festgestellt. Die Musik ist wieder ganz tief empfunden und temporal immer noch genau richtig. Auch dynamisch spürt er jeder Bewegung in der Partitur nach. Im ersten hellen Abschnitt ist seine Musik wieder schmerzlich schön. Im zweiten dunklen Abschnitt geht er wieder nahe an das Fortissimo heran.

 Im zweiten hellen Abschnitt, der ja in der traurigen Stimmung verbleibt und nur vom Satz ehr lichter ist, scheint mir seine Empfindung noch tiefer zu gehen als in den ersten beiden Aufnahmen.

Auch im Durchführungsteil strebt er nicht mehr nach der letzten hohen Dynamik, wie es ja ins einem „Spätstil“ bekannt wurde, was aber für die musikalische Tiefe seiner Vorträge keine Bewandtnis hatte.

Auch sein Smorzando ist au0ßerordentlich.

Sein Pianissimospiel wird in der Reprise noch intensiver, wie mir scheint. Auch der verkürzte helle Abschnitt in der Reprise ist von fesselnder schmerzlich-schöner Tiefe. Am Ende der Reprise spielt er noch einmal den hochdynamischen zweiten dunklen Abschnitt mit drei grellscharen ffp-Akkorden.

Auch in der Coda nimmt die Klarheit weiter zu, und die Zweiunddreißigstel-Quintolen und später die Vierundsechzigstel-Septolen sind sauber voneinander zu unterscheiden. Auch die zweite Hälfte, in der sich das Tempo wieder verlangsamt, ist in ihrer Tieftraurigkeit mitreißend und gipfelt im letzten Abschnitt in dem dynamisch zunächst noch bewegten aber dann temporal und dynamisch ersterbenden Schluss. – Grandios!

Im Menuetto stellt er unter Beweis, dass er sich im Herbst sein Karriere dem Ziel eines jeden großen Musikers, der Vollendung seines Vortrags, weiter annähert. Das ist so voll der ausgeglichenen pastoralen Heiterkeit und verhaltener Freude, wie es nur ein Interpret erreichen kann, der weiß, dass es richtig ist, was er da tut. Eine möglichst große Spannweite ist nicht mehr wichtig, sondern die möglichst vollkommene melodische Linie. Im Trio steigert er zwar etwas, ohne aber die melodische Linie zu verlassen. Er schließ noch einmal das wunderbare Menuetto an.

Im Rondo setzt er dieses höchst kontrastreiche Spiel in Bezug auf den fast übermächtigen zweiten Satz fort, so um die Summe der beiden letzten Sätze als Gegengewicht zu den ersten beiden Sätzen in der Bedeutung, wie auch als Gegengewicht der Stimmung zum Largo zu schaffen. Natürlich ist das Rondo auch ein virtuoser Satz, was vor allem im zweiten Zwischensatz zum Ausdruck kommt, womit  Brendel aber auch in dieser Aufnahme m. E. keinerlei Schwierigkeiten hat.

Auch den dritten Themenauftritt meistert er mit Bravour  und führt den schon oft erwähnten Abschnitt mit den Unsiono-Intervallen sehr ausdrucksstark aus. Auch im vierten Themenauftritt, der reprisenförmigen Charakter hat, sind Ausdruck, Rhythmus und Dynamik in einer wunderbaren Synthese vereint. Es bleibt zusätzlich zu vermerken, dass die Begleitung in der zweiten Hälfte des vierten Themenauftritts sehr klar hervortritt.

Die typisch Beethovensche Coda ist ein würdiger Abschnitt in dieser abermals herausragenden Interpretation Brendels, sozusagen sein letztes Wort zu dieser großen Sonate, die in der Summe genauso lange dauert wie ihre Vorgängerin 23 Jahre zuvor.

Liebe Grüße

Willi😀

 

Nr. 14

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Rudolf Buchbinder, Klavier,

AD: 1982

Spielzeiten: 6:54-8:27-2:47-4:06 — 22:14 min.;

Rudolf Buchbinder spielt die Sätze in ähnlichem Tempo wie in seiner knapp 30 Jahre später entstandenen zweiten Gesamtaufnahme und  zunächst den Kopfsatz  rascher als z. B. John Lill, aber etwas langsamer als Pollini und Korstick. Seine Dynamikwahl ist durchaus nicht zurückhaltend, aber auch nicht zu laut, wie sich in den Steigerungen des Hauptsatzes zeigen wird, so z. B. in den Oktavläufen der Wiederholung des zweiten Thementeils in Takt 18 bis 22, wo er gerade so am Fortissimo kratzt. Insgesamt scheinen die dynamischen Kontraste aber überzeugend.

Das zweite Thema spielt er alert und rhythmisch akzentuiert mit den raschen Wechseln von Staccati und Legatobögen, und die Steigerungen zum Seitenthema geraten nun doch sehr kraftvoll. Das Seitenthema samt Oktavierung in die hohe Oktave spielt er dynamisch wie rhythmisch sehr eindrucksvoll und den durchführenden Abschnitt vor der Schlussgruppe (Takt 71 bis 93 spielt er mit großem Vorwärtsdrang und einer eindrucksvollen Schlusssteigerung, in der das Thema klar vernehmbar von der oberen in die Bariton- und dann in die Basslage wandert, und die  geprägt ist  von großer Klarheit und souveränem Spiel, auch in den dynamischen Kontrasten und in den codaähnlichen rätselhaften letzten 20 Takten im Pianissimo. Er wiederholt hier natürlich die Exposition.

Die eigentliche Durchführung, nur halb so lang wie die Exposition, spielt er mit großem temporalen und dynamischen Impetus, wobei die wechselnden Intervallachtel in der hohen Oktave hurtig fließen und von den Staccati im Bass großartig kontrastiert werden und in der Sforzandofermate in Takt 183 auslaufen.

Die Reprise mit ihren teilweise geänderten musikalischen Figuren spielt er auf dem gleichen sehr hohen Niveau wie Exposition und Durchführung. Sie stellt, wie schon mehrfach betont, den längsten Teil des Satzes dar. sehr eindrucksvoll ist auch die Steigerung mit der Sforzandokette Takt 268 bis 272 mit den vierstimmigen Ganzen-Oktaven in der oberen Oktave, kontrastiert von den Staccato-Viertel-Oktaven in der Bassoktave, die dann ab Takt 275 mit Auftakt in die obere Oktave wechseln.

Auch die dynamisch und in der Ausdehnung geänderten pp-Takte am Ende der Schlussgruppe spielt er sehr ausdrucksvoll und führt in die kurze, sehr expressiv gespielte grandiose Coda über!

Im Ganzen gefällt mir dies frühe Lesart des Kopfsatzes noch erheblich besser als die späte aus 2011.

Das Largo e mesto ist etwa gleichschnell wie das spätere, und es muss naturgemäß einem Interpreten schwer fallen, in einem rascheren Tempo die gleiche musikalische Tiefe zu erreichen wie in einem, das dem Largo als sehr langsamem Tempo entspricht, so auch hier, wo Buchbinder dreieinhalb Minuten schneller ist als z. B. der grandiose Sokolov.

Das fällt, wie ich schon früher bemerkte, in den „dunklen, musikalisch dichten“ Abschnitten nicht so auf wie in den lichten und auch schnelleren, transparenten Abschnitten. Im zweiten dunklen Abschnitt sind die Fortissimi und Fortissimopiani sehr eindrucksvoll und grell geschärft, nur eben im Tempo eines Sokolov wäre das Ganze noch durchdringender, apokalyptischer. Der zweite helle Abschnitt macht einen etwas ruhigeren Eindruck und ist von daher auch eindrucksvoller als der erste.

In der Durchführung besteht, wie auch hier, die Gefahr, dass die kontrastierenden Zweiunddreißigstel-Piano-Abschnitte zu rasch geraten und den Boden des Largos verlassen. DAs ist auch beim Smorzando in Takt 41/42 der Fall.

In der Reprise stehen den dunklen Teilen, die recht eindrucksvoll geraten, die hellen, schnelleren noch enger gegenüber, wobei mir die „überirdischen“ Takte 52 bis 54 dennoch sehr gut gefallen. Ganz problematisch wird es in der Coda. Wenn das Tempo zuvor zu hoch war, wird der Unterschied dort noch gravierender, da dieser ständige Anstieg in der Tonhöhe in den 32-Quintolen schon sehr schnell gespielt wird, obwohl man die beiden Vierundsechzigstel-Septolen in Takt 69 und 70 dank Buchbinders präzisem Spiel sehr gut unterscheiden kann, und in Takt 71 ist es natürlich in den ausschließlichen Vierundsechzigstel-Septolen zu schnell und wird ab Takt 72 bis 76 in den Zweiunddreißigstel-Triolen nicht wirklich langsam genug, um einem Largo zu entsprechen.

Erst die letzten zwölf Takte sind naturgemäß wieder langsamer und auch großartig gespielt, nur eben kein Largo.

Im Menuetto Allegro ist Buchbinder langsamer als in seiner späten Aufnahm und langsamer als

Korstick und Pollini, aber schneller als Lill und Sokolov.

Das „dolce“ spielt er grandios, wobei der Bogen auch durch die eingeflochtenen Staccati nicht unterbrochen wird. Auch im zweiten Teil braucht er sich vor seinen Kollegen nicht zu verstecken. Die lyrische Grundstimmung bleibt auch dank klug gestalteter dynamischer Kontraste vollends erhalten.

Auch das Trio spielt er in seiner mehr diesseitigen Klanggebung ganz großartig. Dann spielt er  das Menuetto da Capo.

Wenn das Largo zu diesem Menuetto hätte passen sollen, hätte es auch über 10 Minuten liegen sollen.

Auch das finale Rondo gefällt  mir in seiner temporalen Ausgestaltung ganz vorzüglich. Auch dynamisch und rhythmisch ist alles im Lot. Auch im zweiten Teil des Zwischensatzes (Takt 17 bis 32 singt er die Bögen schön aus und kontrastiert sie mit kecken Achtelsynkopen in der Begleitung.

Nach der Wiederholung des Hauptthemas (Takt 25 mit Auftakt bis 32 spielt er den zweiten Zwischensatz mit großartig vorgetragenen Staccato-Achteln in der oberen Oktave, denen er flüssige Nonlegato-Sechzehntel in der Begleitung gegenüberstellt. Wunderbar auch die letzten vier Takte41 bis 44 mit den vier Bögen und dem atemberaubenden Decrescendo.

Nach der Kurzversion des Hauptthemas mit dem großen Bogen über Takt 50 bis 55 kommt er zum dritten Themenauftritt, der ab Takt 74 fast durchführungsartige Züge annimmt, und wo er die herrlichen Terzen in der hohen Oktave, die sich in der Folge zu Sexten und im Takt 79 in der zweiten Hälfte in Oktaven weiten, mitreißend gestaltet, auch den Übergang zum vierten Themenauftritt, der in einer kraftvollen Sforzando-Fermate ausläuft.

Auch der vierte Themenauftritt ist wieder mit leichten Veränderungen der musikalischen Figuren verbunden, vor allem auch mit einer Intensivierung des Rhythmus durch die lange Sforzandokette ab Takt 92 bis 97 einhergeht und in der Sechzehntel-Abwärtsbewegung ausläuft. Auch hier setzt er am Ende  eine sanfte Dreiachtel-Fermate.

Und die schon so oft beschriebenen wundersame Coda spielt Buchbinder grandios.

Anders als in seiner späten Aufnahme halte ich hier das Menuett für wesentlich besser musiziert, temporal wie dynamisch und rhythmisch, und den Kopfsatz und das Finale auch für besser, sodass hier mein Gesamteindruck trotz des „Non-Largos“ durchaus positiv ist.

Liebe Grüße

Willi😀

 

Nr. 15

 

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Rudolf Buchbinder, Klavier

AD: 02. 01. 2011

Spielzeiten: 6:53-8:38-2:32-4:05 — 22:08 min.;

 

Rudolf Buchbinder spielt den Kopfsatz etwa im gleichen Tempo wie Alfred Brendel 1995 und Vladimir Ashkenazy, etwas schneller als Grigory Sokolov. Dynamisch geht er auch nicht so auf das Letzte wie Sokolov. Rhythmisch und in den dynamischen Verläufen ist das alles in Ordnung. Im Seitenthema wechselt4 er auch schön zwischen staccato und Legato hin und her, aber die lange Steigerung mit der Sforzandokette spielt er nicht so akzentuiert wie Alfred Brendel. Auch das abschließende Crescendo hat m. E. nicht das satte Fortissimo wie Brendel. Auch in der Schlussgruppe ist von den beiden gegenüberstehenden Dynamikblöcken der hochstehende Takt 93 bis 104) nicht so ausgeprägt wie bei seinen Kollegen. Er wiederholt natürlich auch die Exposition. In der Wiederholung spielt er m. E. den Seitensatz mit der Schlusssteigerung etwas energischer.

In der Durchführung ist die Behandlung der Dynamik dann durchaus auf der Höhe der Partiturvorgaben. Auch in der Reprise spielt er sehr dynamisch, speziell die Sforzandi hebt er dann kraftvoll hervor, auch im Seitensatz, den er mit einer kraftvollen Steigerung abschließt. In den beiden Dynamikblöcken könnte jedoch der Kontrast wieder größer sein, vor allem vom lauteren Block aus gesehen. Das Crescendo im leiseren Block ist fast kräftiger.

Die Kurzcoda spielt er mit enormem Vorwärtsdrang und dynamischer Entfaltung.

Buchbinders Lesart des Largos gehört auch zu den Schnellen, und etwa im Vergleich zu den Schweren, schmerzhaft-traurigen Interpretationen Brendels wirkt die Buchbindersche „leichtgewichtiger“. Hier herrscht keine lastende Schwere vor, was ich aber keinesfalls für einen Vorteil halte.

Heikel wird es dann gleich in der ersten hellen Sequenz ab Takt 9, wenn in beiden Oktaven sechzehntel oder gar noch schnellere Noten stehen, dann kann von Largo eigentlich keine Rede mehr sein, auch wenn das lyrisch ganz wunderbar klingt und man nicht auf die Satzüberschrift blickt.

Im zweiten dunklen Abschnitt spielt  er die ffp-Akkorde schön scharf, aber auf Grund des Tempos fehlt auch ihnen die „Schicksalsschwere“, wie ich meine. Man  höre dagegen doch neben Brendel doch die Schwere von Ashkenazy und Barenboim, vor allem aber Sokolov (der das am 27. April in Köln noch einmal getoppt hat, nachzulesen im entsprechenden Thread „Gestern im Konzert“). Auch im zweiten hellen Abschnitt ist auffällig, dass sich kaum etwas regt beim Hörer.

Auch im durchführenden Teil wird die zugegebenermaßen prachtvolle dynamische Handhabung des massiven Fortissimo durch das Tempo seiner Wirkung etwas beraubt, zumal gleich darauf die Zweiunddreißigstel für zusätzliches Tempo sorgen. Wer so schnell, wenn auch massiv, voranschreitet, der ist nicht durch das Schicksal so zu Boden gedrückt, dass ihm nur noch tief Trauer bleibt, sondern, der ist böse, begehrt auf und wehrt sich. Kein depressiver Melancholiker wehrt sich. Davon abgesehen, ist das Smorzando  gutgespielt, aber im Decrescendo Takt 43 wird schon wieder Tempo aufgebaut, was dort völlig fehl am Platze ist.

Es kommt auch, z. B. in der nachfolgenden Reprise, beim Hörer (mir) keine Beklemmung auf, das musikalische Geschehen zieht an mir vorbei, wobei die hohe Oktave ab Takt 52 wunderbar gespielt ist. Auch würden die nachfolgenden ffp-Akkorde im letzten dunklen Abschnitt weitaus eindringlicher wirken und mehr Gewicht haben mit geringerem Tempo. Und noch einmal, bei diesem Tempo kann man die Zweiunddreißigstel und Vierundsechzigstel in Takt 69 und 70 nicht mehr unterscheiden.

 Und b Takt 71 wirkt das Ganze nachgerade gehetzt.

Auch der letzte Abschnitt ist zu schnell. Auch nimmt er hier die dynamischen Akzente in den Takten 84 und 85 nicht mehr wahr.

Natürlich muss er dann auch das Menuetto schnell spielen, aber das hier ist schon fast ein Allegro vivace. Hier spüren ich keine heitere Gelassenheit wie in den anderen Aufnahmen, sonder eher eine Ausgelassenheit. Dem passt sich das Trio an. Natürlich wiederholt er das Menuetto Da Capo. So viel Zeit muss sein.

Im Rondo scheint, wie im Kopfsatz, dagegen temporal alles im Lot zu sein. Auch dynamisch und rhythmisch ist das durchaus in Ordnung. Auch der hochvirtuose zweite Zwischensatz bereitet ihm keinerlei Probleme. Sehr schön betont er auch den langen Bogen Takt 50 bis 54. Auch der zentrale dritte Themenauftritt ist ganz vorzüglich musiziert mit diesem herrlichen Unsisono-Abschnitt der Terzen, Sexten und Oktaven. Auch der vierte Themenauftritt geht leicht von der Hand, ebenso wie die Coda.

Diese Aufnahme „zerfällt“ in zwei Teile, die m. E. durchaus temporal und auch dynamisch ordentlich musiziert, und die beiden Binnensätze, die m. E. temporal nicht „state of the art“ sind.

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 16

Von Aldo Ciccolini ist derzeit auf Youtube kein Video der 7. Klaviersonate gelistet.

Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Aldo Ciccolini, Klavier

AD: 1996

Spielzeiten: 5:08-9:30-3:00-4:21 — 21:59 min.;

Aldo Ciccolini spielt, was aus der Spielzeit nicht hervorgeht, den Kopfsatz etwa in dem Tempo  wie etliche seiner Kollegen. Er wiederholt die Exposition leider nicht, nun der Zweite nach Backhaus. Mit Wiederholung wäre er etwa bei 6:55 min. herausgekommen. Dynamisch bewegt er sich im Rahmen der Partiturangaben, da. h. er spielt auch im Crescendo am Ende des Hauptsatzes ein ordentliches Fortissimo. Auch rhythmisch ist sein Spiel durchaus in Ordnung. Im durchführungsartigen Teil der Exposition stuft er die lange Crescendo-Sforzandoreihe ab Takt 72 fein ab. In der Schlussgruppe hätte ich mir ab Takt 101 etwas mehr Dynamik gewünscht. Dennoch ist der Kontrast zwischen den beiden Dynamikblöcken noch ausreichend.

In der Durchführung legt Ciccolini auch dynamisch zu und erreicht hier mühelos die Fortissimi.

Die Reprise beginnt er mit kraftvollen Sforzandi in der tiefen Oktave und strebt auch im „richtigen Thema die Fortissimi an und erreicht diese.

Im Seitenthema demonstriert er wieder sein flüssige Zusammenspiel von legato und Staccato. Er endet dies auch mit einer veritablen Fortissimo-Steigerung. Die umfangreichere Schlussgruppe gestaltet er dynamisch etwa so sie in der Exposition. Nach einer schönen Sforzandokette spielt er die Kurzcoda in einer furiosen Steigerung zu Ende.

Im Largo ist Ciccolini nur wenig schneller als Ashkenazy, aber wesentlich langsamer als Buchbinder. Er beginnt aus dem pp heraus und gestalte so am Anfang stille Trauer. Die 6 Portatonoten sind hauchzart. In seiner dynamischen Abtönung tut er hier und da sogar etwas zu viel des Guten, so erscheint mir das erste Crescendo in Takt 7 etwas zu zart, und das zweite klingt eher wie ein Decrescendo. Und im ersten hellen Abschnitt scheint von innen leuchtende, still schmerzenden Schönheit auf- grandios!

Auch im zweiten dunklen Abschnitt, dem eigentlichen dynamischen Höhepunkt, gestaltet er anders als alle anderen, lediglich die drei ffp-Akkorde stellt er kraftvoll heraus. Das allzu Laute ist seine Sache wohl nicht, jedenfalls nicht in diesem Largo, aber das ist durchaus eine sinnvolle Alternative., ebenso in der verkürzten zweiten hellen Sequenz und dem durchführenden Teil. Auch hier lässt er es bei einem Forte bewenden. Lediglich den Takt 37 hebt er etwa auf Fortissimo an. Auch sein Smorzando ist sehr eindrucksvoll.

Im ersten Teil der Reprise klingt diese verhaltene Dynamik im Zusammenhang mit der hohen Oktave am Takt 53 mit Auftakt atemberaubend schön. Auch in dem dunklen abschnitt, der dem zweiten entspricht, konzentriert er sich wieder ganz auf die drei ffp-Akkorde und stellt sie durch Schärfe und grelle Färbung heraus.

Fast am stärksten forciert er in der langen Steigerung der Coda, aber äußerst kleinschrittig, auch hier ist das Klangbild klar, sind die Zweiunddreißigstel und Vierundsechzigstel gut zu unterscheiden.

Im Ganzen kann man sagen, dass dieses Largo eher mit der feinen Nadel gestrickt ist, was auch im dynamischen Abschwung wunderbar zum Ausdruck kommt. Wunderbar intim auch der letzte quasi-morendo-Abschnitt, in dem er ebenfalls nur moderat steigert und so zu einem ätherischen Stillstand kommt.

Das Menuetto spielt er entspannt, mit stiller Freude, dynamisch ebenfalls zurückhaltend. Lediglich im Trio wird der Klang etwas erdiger, aber nicht übermäßig. Er schließt dann das entzückende M3nuetto Da Capo an.

Das Rondo spielt er, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, von allen bisher Besprochenen am langsamsten, aber durchaus noch allegro. Es fließt locker, er buchstabiert nicht (wie Gould zuweilen).

Auch im Zwischensatz  lässt er wes wunderbar in den Legatobögen fließen.  Im zweiten Zwischensatz spielt er die hochvirtuosen Passagen ganz selbstlos und folgt immer seinem selbstgewählten dynamischen Weg, schließt diesen Abschnitt mit vier wunderbaren Legatotakten ab, leitet dann mi einer  kurzen Themenwiederholung und dem großen Bogen Takt 50 bis 54 zum dritten Themenauftritt über, den er ebenso souverän spielt wie seine Vorgänger, wobei, das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, stets ein so klares Spiel vorträgt, dass die Begleitung stets wunderbar zu vernehmen ist, was gerade in diesen schnellen Passagen mit den vorwärts triebenden Sechzehnteln sehr von Vorteil ist. Sehr schön sind auch seine Unisono-Akkorde Takt 74 bis 79 und die anschließenden intervallreichen Takte bis zum vierten Themenauftritt. Als stärkste Steigerung des ganzen Satzes erscheint mir in der Tat die letzte Sforzandokette ab Takt 92, mit der er einen wirklich großen Kontrast schafft zur Coda, die er dann dynamisch  wieder ganz niedrig hält.

Eine im Ganzen großartige Aufnahme, in der mir, neben einigen kleinen Irritationen, nur die Wiederholung der Exposition fehlt. Ansonsten hat er hier seinen eigenen Weg in der dynamischen Ausgestaltung erfolgreich beschritten.

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 17

 

Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Annie Fischer, Klavier

AD: 1977-78

Spielzeiten: 6:54-9:58-2:36-3:50 — 23:18 min.;

Annie Fischer greift im Kopfsatz beherzt zu und crescendiert ähnlich wie Alfred Brendel 15 Jahre vor ihr schon die Aufwärtsoktaven ab Takt 2. Das anschließende Sforzando würde ich zwischen f und ff ansiedeln. im Crescendo ab Takt 18 ist ihr Spiel dann korrekt und sehr kraftvoll. Auch im „richtigen“ Thema ab Takt 23 und seiner Erweiterung spielt sie dynamisch sehr hochstehend.

Im Seitenthema wechselt sie auch sehr schön die Legato- und Staccato-Abschnitte  ab. Im sogenannten „durchführenden Teil bis zur Schlussgruppe spielt sie dynamisch sehr hochstehend und spielt schon eine atemberaubend aggressive Sforzandokette ab Takt 75 auf der Vier und endet mit einer donnernden Fortissimo-Steigerung. Das klingt schon sehr nach russischer  Klavierschule. Vielleicht war das ja auch Swjatoslaw Richter zu verdanken, der sie laut Wikipedia sehr bewunderte.

Auch in der Schlussgruppe „rieselt der Putz von der Decke“, denn sie ist beim Crescendo ab Takt 99 schon beim Fortissimo, dass sie erst in 1901 zu erreichen braucht und hält dies auch bis zum Takt 104 durch, auch mit machtvoller tiefer Oktave. So ist die Gegenüberstellung von hoch- und niedrigdynamischem Block bei ihr natürlich sehr kontrastvoll.

Annie Fischer wiederholt natürlich auch die Exposition. In ihr kann sie in Punkto Dynamik mühelos zu Grigory Sokolov aufschließen.

Auch die dynamisch hochstehende kurze Durchführung spielt sie äußerst kraftvoll und mit großem Vorwärtsdrang, desgleichen den Hauptsatz in der Reprise. Dadurch stellt sie einen großen Kontrast zum „richtigen“ Thema her, dass sie mit sehr schön fließenden lyrischen Ausdruck spielt. Sehr schön auch ihre Wiederholung des Seitenthemas. Hier in der verlängerten Sforzandokette fällt die Dynamik in diesem legato-dominierten Abschnitt naturgemäß auch nicht so heftig aus. Dafür ist die Schlusssteigerung wieder im veritablen ff/fff. Imposant ist auch wieder der Kontrast zwischen den beiden Dynamikblöcken und die Sforzandokette am Schluss der Reprise. Die Kurzcoda bestätigt noch einmal ihre hochdynamische Spielfreude, die sie mit höchster Konzentration und Überzeugungskraft umsetzte- grandios!

Äußerst eindrucksvoll ist auch die schon dynamisch sehr bewegte einleitende dunkle, dichte Sequenz des Largo e mesto, tieftraurig, fast erschreckend- nahe an dem, was Sokolov im April 2015 in Köln veranstaltete. Wiederum hat Sokolov ja auch die hier von mir besprochene Aufnahme drei Jahre vor Annie Fischer aufgenommen. Vielleicht hat sie sie ja gehört und sich davon inspirieren lassen.

Den ersten hellen Abschnitt spielt sie dagegen ganz anders, als ich es erwartet hatte, obwohl bis zum Auflösungszeichen in  im Bass in Takt 12 und im Diskant in Takt 15 in moll, klingt das für mich sehr trostreich, und das Crescendo mit der Fortespitze in Takt 15/16 scheint mir sogar strahlend auf.

Die zweite dunkle Episode hat es wirklich in sich. Schon das erste Forte in Takt 19 spielt sie fortissimo,  und in den drei ffp-Akkorden ist sie wiederum nahe an Sokolov- wieder grandios! Den zweiten hellen Abschnitt hält sie stimmungsmäßig in der Trauer.

Auch der Durchführungsteil bleibt im dunklen schreitenden Marschrhythmus, dynamisch äußerst kontrastreich. Ihr Smorzando ist einfach atemberaubend.

In der aus zwei dunklen Abschnitten mit einem kurzen hellen Abschnitt in der Mitte bestehenden Reprise herrscht wieder das Tieftraurige, schwer Lastende vor. Allein innerhalb des ersten Teils zaubert sie durch die sechs Portatonoten einen großen dynamischen Kontrast. Nach dem schwer Lastenden wirkt der kurze helle Abschnitt in Dur wie ein strahlender Sonnenaufgang- auch ein gewaltiger stimmungsmäßiger Kontrast.

Den nächsten, höhepunktmäßigen dunklen Abschnitt spielt sie wieder genauso mitreißend wie im expositionellen Teil des Satzes mit heftigen äußerst grellen ffp-Akkorden.

In der Coda steigert sie die von vornherein sehr klar und deutlich gespielten Zweiunddreißigstel-Quintolen unaufhaltsam bis zu dem Vierundsechzigstel-Takt 71 und spielt das mit ungeheurem dramatischen Impetus.

Genauso zielgerichtet geht sie ab Takt 72 zurück dynamisch und temporal bis hin zu dem letzten Abschnitt, den sie trotz der ihm noch innewohnenden dynamischen Bewegung letztlich doch im Morendo enden lässt-  wiederum ein grandios musizierter Satz!

Das Menuetto gehört zwar zu der schnelleren Sorte, macht aber nicht den Eindruck von Hast und Eile. Im Gegenteil, ich finde, sie musiziert das entspannt und in einer klaren, aber dennoch nicht extrovertierten Weise. Im zweiten Teil des Menuetto erhöht sie naturgemäß die dynamische Spitze stark nach oben und schafft im Vergleich zur zweiten Hälfte dieses Abschnitts einen starken Kontrast.

Im Trio verstärkt sie die Dynamik nochmals deutlich und spielt hier die entsprechenden Stellen durchaus fortissimo. Sie schließt dann das lichte Menuetto Da Capo an.

Auch das Rondo hält sie in dem auf die ganze Sonate bezogenen hohen dynamischen Level. Das macht sich auch stark in der Sechzehntelbegleitung ab Takt 9 bemerkbar. Den ersten Zwischensatz spielt sie sehr behände. Hier spielt sie in den Legatobögen die Sforzandi und das Fortissimo voll aus.

Im zweiten Zwischensatz verbindet sie die hochvirtuosen musikalischen Figuren mit dynamischen Impetus und erreicht so in den vier Legatotakten 41 bis 44 ein starkes Decrescendo, Sehr schön auch die Überleitung mit der kurzen Themenwiederholung und dem großen Legatobogen Takt 50 bis 54 mit wiederum großen dynamischen Gegensätzen.

 Sehr aufwühlend gestaltet sie den dritten Themenauftritt mit den wunderbaren Unisonoterzen, -Sexten und -Oktaven.

Diese Spielweise behält sie natürlich auch im vierten Themenauftritt bei., der in einen hoch virtuos , im Tempo nochmals erhöhte mitreißende Coda mündet.

Eine große Aufnahme!

Liebe Grüße

Willi😀

Nr. 18

 

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Beethoven, Sonate Nr. 7 D-dur op. 10 Nr. 3

Claude Frank, Klavier

AD: 1971

Spielzeiten:6:39-12:27-2:42-4:10 — 25:58 min.;

 

Claude Frank spielt den Kopfsatz etwas schneller als Sokolov,  Badura-Skoda  und auch als Annie Fischer. Sein Vortrag ist von Anfang an hochdynamisch. Das „richtige“ Thema ab Takt 23 schnurrt hurtig dahin und endet in einer kraftvollen Steigerung.

Im Seitenthema stellt auch er die Legato- und Staccato-Blöcke schön gegenüber. Im durchführenden Abschnitt spielt er eine grandiose Sforzandokette, die in einer mitreißenden Fortissimosteigerung endet. In der Schlussgruppe gestaltet er den Kontrast zwischen dem hochdynamischen und dem pp-Block besonders groß. Natürlich wiederholt auch er die Exposition.

Claude Frank gestaltet die Durchführung besonders hochdynamisch, befindet sich fast dauernd im Fortissimo, baut einen enormen Vorwärtsdrang auf und feuert am Ende die Sforzandi fast wie Gewehrkugeln ab- äußerst mitreißend!

In der Reprise hält er das hohe dynamische Niveau, spielt ein großartiges erstes Crescendo ab Takt 194 mit Auftakt mit wiederum machtvollen Sforzandi. Wieder eilt alert das Seitenthema an uns vorbei, wieder mit diesem schon aus der Exposition bekannten durchführenden Abschnitt mit der unglaublichem Sforzandokette und der abschließenden Fortissimosteigerung, die bei Frank gut und gerne noch eine halbe Dynamikstufe lauter klingt. Auch die Dynamikblöcke sind wieder äußerst beeindruckend, als Übergang nochmals seine hochdynamische Sforzandokette und in der Kurzcoda die dazu passende Schlusssteigeerung.

Claude Frank spielt das bisher langsamste Largo. Nur Michael Korstick wird ihn später darin noch übertreffen. Das klingt so schwer lastend und quälend langsam, dass man wohl von einer schmerzvollen Trauer sprechen kann. Auch im ersten hellen Abschnitt mit den herrlichen Tönen in der Dur-Sequenz kann man sich m. E. von diesem Eindruck nicht ganz freimachen. In einem derart langsamen Tempo den Spannungsfaden nicht abreißen zu lassen, das zeugt schon von hoher Klavierkunst.

Im zweiten dunklen Abschnitt, dem dynamischen Höhepunkt des Satzes, stellt sich Frank m. E. mit seiner eminenten dynamischen Wucht gleichberechtigt neben Sokolov. Die Fortissimo-Piani klingen beinahe wie Sprengsätze- grandios! Auch der dann folgende helle Abschnitt verbleibt stimmungsmäßig „auf der dunklen Seite“.

Auch die Durchführung ist machtvoll und im ersten Teil sehr dunkel gespielt, und erst im zweiten Teil setzten sich die hellen Zweiunddreißigstel durch.

Das Smorzando ist atemberaubend, auch das anschließende Decrescendo.

Die anschließende Reprise gestaltet er dynamisch natürlich wesentlich höher, wieder mit grandios abgetönten 6 Portatonoten und nach dieser kurzen durchdringenden Steigerung spielt er eine überirdische hohe Oktav- herausragend!!

Dann spielt er wieder in unglaublicher Manier den dynamischen Höhepunkt des Satzes.

Eb4esno unglaublich klingt die Coda, so klar die Zweiunddreißigstel-Quintolen und die Vierundsechzigstel-Septolen- es macht schon großen Sinn, das Stück in dem Tempo zu spielen. Auch die temporalen Kontraste kommen so viel besser heraus. Auch die Verlangsamung ab Takt 72 ist so unglaublich plastisch und der letzte Abschnitt wächst sich zu einem wahrhaftigen Morendo aus.

Claude Frank spielt das Menuetto in einem klaren, heitern Klang, völlig entspannt und dennoch in einem sehr großen temporalen Kontrast zu seinem Largo. Auch dynamisch bleibt er bei seinem Gesamtkonzept, und das lautet: die dynamischen Vorschriften der Partitur voll auszureizen. Im Trio kann man seine Triolen in der Begleitung nur bewundern. Selbstverständlich schließt er das Menuetto Da Capo an.

Auch im Rondo spielt er dynamisch sehr hochstehend. Temporal ist er hier bei Aldo Ciccolini. Im ersten Zwischensatz besticht weiter sein klares Legatospiel und seine dynamische Ausgestaltung.

Den zweiten Zwischensatz spielt er virtuos, aber ganz natürlich und endet mit einem wunderbaren Legatoabschnitt (Takt 41 bis 44).

Nach der Themenüberleitung mit dem langen dynamischen Legatobogen spielt er im dritten Themenauftritt die Achtel und Sechzehntel im Wechsel wunderbar aus und in der zweiten Hälfte die Unisono-Intervalle sehr beeindruckend und am Schluss souverän die großen Intervallsprünge (Takt 81 bis 83).

Im vierten Themenauftritt legt er noch einmal dynamisch zu und endet mit einer großartig gespielten Coda.

Eine herausragende Interpretation!

Liebe Grüße

Willi😀

Gestaltung Agentur kuh vadis