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BEETHOVEN, Ludwig van: DIE GESCHÖPFE DES PROMETHEUS

Ludwig van Beethoven (1770-1827):
DIE GESCHÖPFE DES PROMETHEUS
Allegorisches Ballett in zwei Akten

Libretto und Choreographie Salvatore Viganó

Uraufführung am 28. März 1801 am Wiener Hoftheater

Personen der Handlung:
Prometheus, Titan
Geschöpf, weiblich
Geschöpf, männlich
Apollo, Gott der Dichtkunst und der Musik
Musen: Terpsichore, Thalia, Melpomene, Euterpe, Amphion
Orpheus, ein thrakischer Sänger
Bacchus, Gott der Reben
Pan, Flötenspieler
und weitere.

Das Geschehen spielt im antiken Griechenland zu grauer Vorzeit.

Vorbemerkung.
Auf dem Theaterzettel, der für die Besucher der Uraufführung im Jahre 1801 herausgegeben wurde, hieß es, dass ein erhabener Geist, der die Menschen einst im Zustand der Unwissenheit vorfand, ihnen die Sittsamkeit nahebrachte und sie durch die Kunst zu einem verfeinerten Leben verhalf. Solch ein Statement war die Grundlage, in das Ballett zwei Statuen zu stellen, die zum Leben erweckt werden sollten. Später sollte sie außerdem durch die Macht der Harmonie für die Leidenschaften, die menschliches Leben bereithält, empfänglich gemacht werden.

Der italienische Choreograph und Tänzer Salvatore Viganó (1769-1821) war der Anreger, der Ideengeber, zu diesem Ballett. Fast dreißig Aufführungen in den Jahren 1801/1802 belegen die Beliebtheit des Werkes, obwohl man seinerzeit fand, dass Beethovens Musik nicht zwingend für ein Ballett geeignet sei, weil ihr das tänzerische Element weitgehend fehle. Joseph Haydn fand dagegen freundlichere und beschwichtigendere Worte.

Das originale Textbuch von Viganó ist verschollen, aber man kann heute, wie man auch schon damals die Handlung mit Hilfe der Schilderung des Choreographen rekonstruieren konnte.

Zusammenfassung der beiden Akte.
Im Vorspiel schildert der Komponist mit den entsprechenden Instrumenten den heftigen Zorn des Himmels nicht nur äußerst geräuschvoll, sondern auch effektiv.

Prometheus, aus dem Geschlecht der Titanen in der griechischen Mythologie, kommt aus dem Wald gelaufen und eilt zu seinen beiden Tonstatuen, denen er eiligst mit einer himmlischen Flamme das Leben einhaucht. Danach legt er sich müde und irgendwie enttäuscht auf einen Felsen.

Einschlafen kann er jedoch nicht. Man darf annehmen, dass es der harte Stein ist, der ihm den Schlaf raubt – übrigens trotz seiner Gewohnheit, mit dem Kopf auf einem Stein zu schlafen. Plötzlich bemerkt Prometheus, dass die Statuen anfangen, sich ganz gemächlich zu bewegen. Das sieht der Titan mit großer Freude, befürchtet aber, dass er den zum Leben erweckten keine Gefühle, die einen Menschen ausmachen, mitgeben konnte. Seine Worte verstehen sie nicht und seinen Streicheleinheiten drehen sie ihren Rücken zu. Der Versuch des Prometheus, durch Drohungen Wirkung zu erzeugen, geht ins Leere. Er stellt auf eine ihn unbefriedigende Weise fest, dass ihm da etwas misslungen ist, dass er außerdem nur Unzulängliches geschaffen hat und dass ihm wohl nicht anderes übrig bleibt, als die beiden Tonfiguren zu zerstören. Da ist allerdings die innere Stimme, die ihm jedoch abrät. Dann kommt dem Prometheus plötzlich eine Idee: er nimmt die Geschöpfe an seine Hand und führt sie mit sich fort.

Apollo und seine Musen haben ihren Wohnsitz auf dem Parnass; der Besucher, der da völlig unerwartet um die Ecke kommt, findet die Szene strahlend hell erleuchtet – im Gegensatz zu seiner eigenen Behausung. Der unerwartete Besucher ist Prometheus mit seinen beiden Geschöpfen, die er hier vorzustellen gedenkt.

Wie sich später herausstellt, geht es dem Halbgott auch darum, seinen Figuren Unterricht in Kunst und Wissenschaft beizubringen. Sollte, was das Publikum natürlich nicht weiß, der gute Apollo Zeit und Muße aufbringen wollen, die noch mehr oder weniger in einem Zustand der Unwissenheit sich befindenden Geschöpfe entsprechenden Unterricht zu erteilen, dann würden, so kann es sich Prometheus vorstellen, seine „Unfertigen“ noch zu richtigen Menschenkindern werden. Was nicht unbedingt zu erwarten war, trifft jetzt ein: Gott Apollo ist in guter Laune, will auch Zeit und Muße aufwenden und das Ansinnen jenes seltenen Besuchers Prometheus erfüllen. Und Apollos Begleiterinnen, die Musen, sind auch dabei: Euterpe, die Muse der Musik beginnt mit ihrer ausdrucksvollen Gesangskunst, von dem Kythara spielenden Apollo und dem Lyra zupfenden Amphion unterstützt. Das, was auch nicht klar war, wird Wirklichkeit: in die Musik stimmen Arion und Orpheus ein und es wird ein fast vollkommener Gesang.

Das Experiment, wie es sich Prometheus ausgedacht hatte, funktioniert, seine beiden Geschöpfe geben Zeichen von Vernunft und Überlegung von sich. Als ein weiteres Zeichen von allgemeiner Bildung geben sie zu, dass ihnen die Schönheiten der Natur gut gefallen. Sie erkunden sodann die Umgebung und bleiben vor Prometheus stehen. Sie erkennen ihn ihm den Schöpfer, dem sie Dankbarkeit und Liebe schulden, sie fallen vor ihm nieder und umarmen ihn sogar.

Es ist Zeit, dass wir Terpsichore, die Muse der Tanzkunst mit den Grazien, kennenlernen, die zusammen mit Bacchus und den Bacchanten einen heroischen Tanz aufführen. Die beiden Geschöpfe des Prometheus tanzen tatsächlich mit. Da es aber nicht immer nur Freude und Tanz geben kann, tritt nun Melpomene, die Muse des Trauerspiels, auf und spielt den erstaunten Geschöpfen des Prometheus eine tragische Szene vor, indem sie mit dem Dolch zu erkennen gibt, wie der Tod die Tage des Menschen beschließt. Sie stürzt mit dem Dolch auf Prometheus zu und tut so, als ob sie ihn töten will. Fassungslos und voll tiefer Trauer werfen sich die Geschöpfe des Prometheus über den Scheintoten. Pan lindert deren Trauer mit einer lieblichen Pastorale. Bacchus erscheint erneut mit seinem Gefolge, die einen ausgedehnten Solotanz hinlegen. Auch Thalia, die Muse des Lustspiels meldet sich zu Wort und erklärt den beiden Geschöpfen, dass alles nur Spaß war und tanzt mit den beiden einen Pas de trois. Pan an der Spitze seiner Faune ruft den Titanen wieder ins Leben zurück. Alle freuen sich und die mitwirkenden Götter, Musen und Faune vereinen sich ausgelassen zum großen Finale.

Wer Beethovens/Viganós Ballett (noch) nicht kennt, kann hier fündig werden: Nikilaus Harnoncourt dirigiert das Chamber Orchestra of Europe

The Creatures of Prometheus, Op. 43: Overture – YouTube

Gestaltung Agentur kuh vadis