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CALDARA; Antonio: DEMOFOONTE

Antonio Caldara (1670 -1736)
DEMOFOONTE

Drama für Musik in drei Akten
Libretto: Pietro Metastasio
Uraufführung: 1733 am Hoftheater in Wien
Originalsprache Italienisch

Personen der Handlung
Demofoonte König von Thrakien (Tenor)
Timante, sein vermeintlicher Sohn und Kronprinz (Contra-Alt)
Cherinto, sein (vermeintlich zweiter) Sohn (Sopran)
Matusio, bedeutender Mann im Königreich (Bass)
Dircea, seine vermeintliche Tochter, heimliche Gattin Timantes (Sopran)
Creusa, phrygische Prinzessin, dem Kronprinzen zugedacht (Sopran)
Adrastro, Hauptmann der königlichen Leibwache (Tenor)
Olinto, kleiner Sohn Dirceas und Timantes (stumme Rolle)
Thrakische Adlige, Wachen. phrygische Damen, Ritter, Seeleute, Rebellen, Priester des Apollo

Ort und Zeit der Handlung: Burg des Demofoonte, mythische Zeit

Erster Akt

In den hängenden Gärten des Königspalastes
Gott Apollo fordert jährlich die Opferung einer Jungfrau, die durch das Los bestimmt wird. Matusio trifft seine Tochter Dircea. Sie sprechen darüber, dass der König Demofoonte deren Name ebenfalls unter die Lose genommen, während er seine eigene Tochter verschont habe. Dircea meint, dass der König das dürfe, aber Matusio steht auf dem Standpunkt, dass dies zwar für menschliche, aber nicht für göttliche Gesetze gelte. Er ist also entschlossen, beim König dafür einzutreten, dass seine Tochter ebenfalls nicht in die Verlosung käme. Er geht, obwohl Dircea fürchtet, dass er sich den Zorn des König zuziehen werde.
Timante, der Sohn des Königs, begegnet Dircea, mit der er heimlich verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat. Er ist aus dem Krieg zurückgerufen worden, aber er weiß nicht warum. Er erkundigt sich nach seinem Sohn und will zu ihm, doch sie sagt, sie habe ihn an einen verborgenen Ort gebracht und es sei gefährlich, dorthin zu gehen. Weiterhin erzählt sie, dass der Tag der Jungfrauenopferung gekommen sei und ihr Name unter den Losen sei. Sie habe zwar keine Angst vor dem Tod, aber vor der Beleidigung des Himmels, da sie ja keine Jungfrau mehr sei. Da verspricht Timante, dass er vor seinem Vater für sie eintreten werde, denn er habe schon soviel für den König getan, es sei nun recht und billig, dass dieser auch etwas für ihn tue. Im Vertrauen auf ihn geht sie.
Nun erscheint Demofoonte mit Gefolge. Er erklärt Timante, dass er dessen Erfolge ehre, aber nun sei Zeit dass er zur Ruhe komme und heirate. Timante glaubt, dass seine Ehe entdeckt wurde und will zu seiner Frau eilen, aber der König hält ihn zurück. Er habe bereits seinen jüngeren Bruder Cherinto, geschickt, Creusa abzuholen, deren Schiff in Kürze eintreffen werde. Timante ist entsetzt. Demofoonte erklärt, sie sei die einzige nicht bürgerliche Frau, die er für ihn hätte finden können. Eine Einrede nimmt der König nicht an, er werde das Gesetz erfüllen. Der Hauptmann Adrasto meldet, dass das Schiff eingetroffen sei. Timante will noch – stotternd – dem König eine Erklärung geben, doch dieser will zum Tempel eilen. Die Hochzeit sei beschlossen, basta.
Timante, allein geblieben, fragt sich, womit Dircea die Götter erzürnt habe, und fleht diese an, sie zu verteidigen

Szenenwechsel: Ein geschmückter Seehafen
Cherinto steigt mit Creusa aus einem Schiff. Creusa fragt ihn, warum er auf einmal so traurig sei, obwohl er sich doch in Phrygien anders gezeigt habe. Um ihren Zorn nicht zu erregen, redet er zunächst die Wahrheit herum. Auf ihre Aufforderung hin gesteht er ihr schließlich seine Liebe. Hätte sein Vater doch einen anderen als ihn nach Phrygien geschickt. Dort habe er sich sofort in sie verliebt und ihr das zu erklären versucht, indem er ihr die Zuneigung seines Bruders vorspiegelte, die eigentlich die seine war. Sie will das nicht hören und fordert ihn auf, nie wieder vor ihr zu erscheinen, falls er von Liebe rede. Als er gehen will, erscheint Timante. Er spricht von einer großen Gefahr für sie und ihn: Da er sie trotz ihrer Schönheit und ihrer Verdienste wegen eines unüberwindlichen Hindernisses zurückweisen müsse, sei es besser, dass sie erkläre, dass sie ihn nicht mag, um eine offizielle Zurückweisung durch ihn zu vermeiden. Er hält Cherinto auf, da dieser Creusa zum Palast begleiten müsse.. Dann geht er ab.
Da fordert Creusa Cherinto auf, seinen Bruder zu töten, damit ihre Ehre gerettet werde. Als er zögert, nennt sie ihn wütend einen Feigling. Dann geht auch sie.
Cherinto fragt sich, was wohl vorgefallen sei und ist entsetzt über diese Forderung. Dennoch steigert ihr Auftreten und ihre Wut seine Liebe.
Als er gegangen ist, begegnet Dircea erneut Matusio. Er erklärt, dass er sich den einsamsten Ort der Welt suchen wolle. Da sie meint, ihr Vater habe ihre Ehe entdeckt, beginnt sie zu weinen. Da will Matusio ein Schiff suchen gehen, das sie beide weit weg von hier bringt.
Danach findet Timante seine verzweifelte Gattin. Sie eröffnet ihm, dass ihr Vater sie hier wegbringen will. Timante versucht sie zu trösten, er bleibe an ihrer Seite.
Matusio kehrt zurück und mahnt zur Eile. Timante tritt ihm entgegen und will ihn hindern, Dircea mit sich zu nehmen. Matusio will sein Recht an seiner – wie er sagt jungfräulichen – Tochter verteidigen. Da erkennt Dircea, dass sie sich geirrt hat und ihr Vater doch nichts weiß. Gleichzeitig verkündet Matusio, dass Dircea vom König ohne Ziehung des Loses zum Opfer bestimmt worden sei, weil er sich für diese eingesetzt habe und dabei vergessen habe, dass er ja ein Bürgerlicher sei. Timante versucht, ihn zu trösten. Dies sei nur ein Unfall gewesen. Wenn sein Vater zur Besinnung käme, werde er seine Tat korrigieren.
In diesem Augenblick tritt Adrasto, der Hauptmann der königlichen Leibwache auf, um Dircea zu verhaften. Gegenüber Timante rechtfertigt er sich dsamit, dass es ein Befehl des Königs und jede Klage Dirceas vergeblich sei. Sie muss sich in die Hände der Wachen begeben und geht mit ihnen und Adrasto ab.
Matusio ist verzweifelt, aber Timante bittet ihn, den Wachen nachzugehen, um zu erfahren, wohin sie Dircea bringen. Er selbst werde zu seinem Vater gehen, und wenn dieser seine Einstellung nicht ändere, einen Weg finden, Dircea zu retten.

Zweiter Akt

Königliche Gemächer
Demofoonte will Creusa alle Bitten erfüllen, nur nicht die Bitte um Dircea, denn ihr Vater, der sich ihm widersetzt habe, soll den Tod seiner Tochter miterleben. Sie aber bittet darum, sofort nach Phrygien zurückkehren zu dürfen, sie sei zu jung für Timante. Demofoonte ist erstaunt, sieht sich beleidigt, will sie aber nicht mit Gewalt festhalten. Er führt ihre Weigerung auf das raue Wesen Timantes zurück, da man in Phrygien wohl feinere Sitten habe, und versucht noch einmal mit schönen Worten, sie zu halten. Er verspricht ihr, noch heute Timante zurecht zu weisen. Sie lässt sich überreden, abzuwarten und geht.
Timante erscheint und bittet sogleich um Gnade für Dircea. Doch der König entgegnet, dass er bereits entschieden habe und den Befehlt nur widerrufen könne, wenn er sich geirrt habe. Aber ein König könne sich nicht irren. Timantes weitere Versuche sind erfolglos. Der König will jetzt nur noch wissen, was er Creusa angetan habe. Timante erklärt, dass er eine starke Abneigung gegen sie habe, die er nicht überwinden könne. Er komme lediglich, um für Dircea zu bitten. Doch Demofoonte schöpft Verdacht. Aber er will seinen Sohn nicht an eine Bürgerliche vermählen. Liebe sei Sache des einfachen Volkes, aber der Stand Timantes verlange eine Ehe zum Wohle des Volkes. Er wolle keine Ausreden mehr hören. Timante droht, wenn Dircea sterbe, werde er auch fortgehen und verschwindet.
Demofoonte, der sich jetzt auch von seinem Sohn beleidigt fühlt, kann dessen rebellisches Verhalten nicht verstehen. Da wohl Dircea die Ursache für sein Verhalten ist, darf sie nicht leben. Er geht, um die sofortige Opferung zu befehlen.

Szenenwechsel: Säulengänge
Timante kommt mit Matusio. Er bittet ihn, sofort zu fliehen und ein schnelles Schiff zu besorgen. Am Hafen solle er dann warten, bis er mit Dircea käme. Er werde versuchen, den Wachen zu entkommen. Matusio eilt davon.
Timante sieht zwar das Abenteuer der Flucht vor sich, aber er will gerne auf den Reichtum seines Vaters, der für ihm nichts bedeutet, verzichten. Da kommt Dircea, schon für die Opferung angekleidet, mit Priestern und Wachen. Timante zieht sein Schwert, aber Dircea hält ihn zurück, gegen die Vielzahl käme er nicht an. Nun will er Freunde finden, um den Palast und den Tempel zu stürmen und läuft davon.
Creusa taucht auf. Dircea bittet sie um Hilfe, nicht für sich, sondern für Timante. Sie möge ihm ihre Zärtlichkeit zukommen lassen. Danach lässt sie sich von den Priestern und Wachen in den Tempel geleiten.
Creusa ist tief berührt von Dirceas Schönheit und Zärtlichkeit, dass sie Verständnis für Timante zeigt. Cherinto kommt hinzu und fragt, ob sie an ihrer Forderung festhalte, dass er seinen Bruder töte. Sie verneint, denn nun will sie ihn retten. Er ist von ihrem Edelmut begeistert: Wer könnte eine solche Frau nicht lieben? Sie will aber nicht mehr verraten, doch in ihm wächst neue Hoffnung.
Als er fortgegangen ist, bekennt sie, dass sie Cherinto liebt. Aber sie möchte nicht auf den Thron verzichten und eine Bürgerliche werden.

Szenenwechsel: Vorhof des Apollotempels
Hier herrscht Chaos. Die Opfergegenstände sind umgeworfen. Wachen und Priester fliehen vor Timantes Freunden. Dircea sieht vom Tempel herab und mahnt Timante, Gnade walten zu lassen. Er ruft sie zu kommen, sie sei in Sicherheit. Sie zögert einen Augenblick aus Sorgen um ihren Sohn Olinto. Aber schon sieht sie die Wachen zurückkommen. Alle Wege sind versperrt und Timantes Freunde verschwunden. Er zieht sein Schwert und will ihnen einen Weg zur Flucht zu schlagen.
Da tauchen von allen Seiten Wachen auf. Auch Demofoonte ist mit gezogenem Schwert dabei. Timante stellt sich vor seine Ehefrau, um sie zu verteidigen. Demofoonte befiehlt, dem Rebellen nicht aufzuhalten, wirft seine Waffe zu Boden und hält ihm die Brust hin, damit er zustoßen solle. Doch Timante fällt ihm zu Füßen: Er bitte um jede Art von Strafe, nur nicht um eine solche. Demofoonte ist fast gerührt, aber da er Timante als Verräter ansieht, befiehlt er, ihn in Ketten zu legen. Timante begibt sich freiwillig in die Hände der Wachen, fleht aber darum, die Opferung Dirceas hinauszuzögern, denn ihre Opferung wäre eine Gotteslästerung. Er offenbart jetzt, dass Dircea keine Jungfrau mehr sei und bekennt, dass sie seine Ehefrau und Mutter seines Kindes sei. Demofoonte ist außer sich. Wie kann ein Sohn, in den er seine Hoffnungen gesetzt hat, so etwas tun. Er befiehlt, die Opferzeremonie abzubrechen und beide in getrennten Gefängnissen unterzubringen, Dann geht er.
Dircea und Timante nehmen voneinander Abschied. Beide machen sich Sorgen um die Zukunft ihres Sohnes. Dircea rät, allen Mut zum Abschied aufzubringen, und doch fällt es beiden schwer, Stärke zu zeigen. Schließlich geben sie sich in die Hände der Wachen, die mit ihnen auf getrennten Wegen abgehen.

Dritter Akt

Innenhof des Gefängnisses, in dem Timante eingesperrt ist
Adrasto überbringt Timante den Vorschlag von Dircea, dass er eine andere heiraten möge. Sie wolle, dass er gerettet werde. Aber Timante will den Ratschlag nicht hören. Wer ihm rate, sich zu retten, sei sein Feind. Adrasto geht.
Cherinto besucht seinen Bruder. Er bringt ihm die Botschaft, dass der Zorn Demofoontes verflogen sei und er ihm, seiner Frau und dem Kind die Freiheit geben wolle. Dem zweifelnden Timante erzählt er, mit wie viel Lobpreisungen für Timante Creusa sich für ihn eingesetzt und des Königs Meinung geändert habe. Daraufhin sei er, Cherinto, zu Dircea geeilt und habe sie und das Kind dem König vorgeführt, was ihn endlich zur Vernunft gebracht habe. Er habe sogar seine vor ihm kniende Schwiegertochter vom Boden aufgehoben und das Kind an seine Brust gedrückt. Timante ist hoch erfreut und will sofort mit Cherinto zu seinem Vater gehen. Doch Cherinto hält ihn zurück. Der König möchte es ihm selbst sagen und solle nicht erfahren, dass er ihm zuvorgekommen sei. Dann gesteht er ihm, dass er selbst Creusa liebe, aber nicht erwarte, dass sie ihn annehme, denn er sei ja nicht der Thronfolger. Da tritt Timante seine Thronfolgerechte an ihn ab. Cherinto versucht noch zu widersprechen, aber Timante sagt, wer etwas weitergebe, gewinne selbst viel mehr.
Nach seinem Abgang erscheint Matusio. Timante erzählt ihm von seinem Glück. Doch Matusio enthüllt ihm ein Geheimnis, dass ihn erneut verstört. Er habe ein Schriftstück gefunden, das beweise, dass Dircea nicht seine Tochter, sondern Timantes Schwester sei. Dieses Schriftstück habe ihm seine Frau, als sie starb, versiegelt übergeben. Er dürfe es nur öffnen, wenn Dircea in höchster Gefahr sei. Da inzwischen viele Jahre vergangen sind, habe er es vergessen und jetzt erst wiedergefunden, als er sich zur Flucht rüstete. Seine Frau wäre eine Freundin der Königin gewesen. Er gibt ihm das Schriftstück, in dem Timante die Schrift seiner Mutter erkennt. Sie schwört darauf, dass der König Dirceas Vater ist. Warum die Vaterschaft geändert wurde, gehe aus einem anderen Schriftstück hervor, das im Tempel des Apollo zu finden sei. Matusio, der bisher auch nichts von der heimlichen Ehe weiß, wundert sich darüber, das Timante über die Botschaft nicht glücklich ist. Er geht.
Timante ist verzweifelt. Nun hat er seine Schwester geheiratet und das gilt als Schande. Wäre sie ihm doch nie begegnet. Er plant, zu fliehen und nie wieder vor den Augen der anderen zu erscheinen.
Nacheinander kommen von verschiedenen Seiten Creusa, Demofoonte, Adrasto mit Dircea und Olinto, um Timante die freudige Botschaft von der Vergebung zu bringen. Alle wundern sich über sein Verhalten. Er will niemand mehr sehen, sogar Circea und das Kind wegschicken. Er fürchtet nur, nur, dass das arme Kind später einmal erfahren wird, dass es in Schande geboren wurde. Ohne den Grund seiner Verzweiflung zu nennen, entfernt er sich.
Demofoonte, der das nicht versteht, schickt Adrasto hinterher, ihm zu folgen und zu ergründen, in welcher Gefahr Timante schwebt. Dann geht auch er.
Creusa, rät der völlig erstarrten Dircea, ihrem Ehegatten hinterher zu laufen und zu versuchen, den Grund herauszufinden. Dircea weiß nicht, was sie tun soll und geht.
Die phrygische Prinzessin begreift nicht, dass sie soviel Unglück bereits am ersten Tag ihrer Anwesenheit erlebt hat. Aber sie hat die Hoffnung, dass das Schicksal nun einen solchen Höhepunkt erreicht hat, dass sich etwas ändern muss.

Szenenwechsel: Ein prächtiger Saal im Königspalast, geschmückt für Creusas Hochzeit
Cherinto hat seinen Bruder gefunden und führt ihn in den Saal. Den Verzweifelten versucht er zu trösten: Er sei zwar unglücklich aber, weil er von den Verhältnissen nichts wusste, sei seine Sünde gering. Aber Timante fühlt sich deswegen schuldig, weil er noch lebe. Und wie kann er nun das Band der wahren Liebe zu Ehefrau und Kind so schnell zerreißen. Er bittet seinen Bruder, ihn sterben zu lassen.
Adrasto kommt und bringt die Nachricht, dass der König Timante suche. Er habe ihn vorhin mit Matusio den Tempel verlassen sehen und beide wären sehr fröhlich gewesen. Dann erscheinen auch Matusio, Dircea und das Kind. Sie bitten ihn, zu bleiben.
Schließlich tritt Demofoonte mit Gefolge auf. Er verkündet Timante, dass er nicht sein Sohn sei. Er sei Matusios Sohn. Die Königin habe Matusios Frau (ihre Freundin) um Timante gebeten und dieser ihre Tochter Dircea überlassen, weil sie glaubte, mit diesem Tausch dem Königreich einen Erben zu schenken. Später, als Cherinto geboren wurde, habe sie erkannt, dass sie ihrem eigenen Sohn das Königreich gestohlen habe. Das habe sie in dem zweiten Schriftstück gestanden, das in Apollotempel hinterlegt war. Er gibt dem noch Zweifelnden das Schriftstück.
Creusa , die vernommen hat, das Cherinto der Kronprinz sei, kommt fragend herein. Demofoonte erklärt ihr, dass dieser jetzt ihr Gemahl sei, und sie erhebt keinen Einwand. Timante darf nun ohne schlechtes Gewissen Dircea umarmen. Er bittet Demofoonte um Vergebung für die heimliche Heirat. Dieser aber bittet, solange er lebe ihn weiterhin „Vater“ zu nennen, der er es ihm auch künftig sein möchte. Zum Schluss stellen alle fest, dass die Freude größer sei, wenn sie aus Schmerz geboren werde.

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
Der Stoff, den Metastasio in ein Libretto fasste, basiert auf einer antiken Sage. Metastasio ändert diese jedoch insofern ab, als er auf den grausamen Mord des Königs durch Matusio, dessen Tochter der König geopfert hatte, verzichtete. Caldara war 1733 der Erste, der die Handlung nach dem Libretto Metastasios vertonte. Der Stoff wurde sehr beliebt, dass es in der Folge (bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunders) etwa 70 weitere Vertonungen, u.a. von Gluck, Galuppi, Hasse, Cherubini, Paisiello und anderen, teilweise weniger bekannten, meist italienischen Komponisten nach diesem Libretto oder Bearbeitungen davon – teilweise unter anderen Titeln – entstanden.
Der vorstehenden Inhaltsangabe liegt das italienische Libretto zur Oper von Caldera zugrunde.
Auf youtube kann man einige Ausschnitte daraus hören.

Gestaltung Agentur kuh vadis