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Das gesamte Kantatenschaffen Johann Sebastian Bachs in der Chronologie von Helmuth Rilling

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Kantate BWV 153, „Schau, lieber Gott, wie meine Feind“

Schau, lieber Gott, wie meine Feind (BWV 153) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den Sonntag nach Neujahr 1724, den 2. Januar 1724.

Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig für den Sonntag nach Neujahr 1724. Die vorgeschriebenen Lesungen waren 1 Petr 4,12–19 LUT und Mt 2,13–23 LUT, die Flucht nach Ägypten. Der unbekannte Textdichter nahm den Kindermord in Betlehem zum Anlass, allgemein die Situation des Christen zu beleuchten, der von Feinden bedrängt wird.[1] Der Dichter ist möglicherweise derselbe, der auch unmittelbar zuvor die Weihnachts-Kantaten Darzu ist erschienen der Sohn Gottes und Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget verfasste, denn in allen diesen Werken kommen drei Choralstrophen vor. Die Kantate beginnt mit einem Choral, der ersten Strophe von David Denickes Schau, lieber Gott, wie meine Feind (1646). Satz 5 ist die fünfte Strophe von Paul Gerhardts Befiehl du deine Wege (1656) mit der Melodie von O Haupt voll Blut und Wunden.[2] Die Worte erwähnen die äußersten Feinde: „Und ob gleich alle Teufel“. Die Kantate endet mit den Strophen 16 bis 18 des Chorals Ach Gott, wie manches Herzeleid (1587), der Martin Moller zugeschrieben wurde. Bach benutzte diesen Choral später als Grundlage für seine Choralkantate Ach Gott, wie manches Herzeleid, BWV 3, sowie die erste Strophe 1727 für Ach Gott, wie manches Herzeleid, BWV 58.

Die Kantate beginnt mit einem vierstimmigen Choral, was für Bachs Kantaten ungewöhnlich ist, doch verständlich, wenn man bedenkt, dass dies nach BWV 40, BWV 64 und BWV 190 die vierte neue Kantate der Weihnachtszeit 1723 war und BWV 65 für Epiphanias noch folgte. Bach wollte vielleicht seinen Chor entlasten.[1]

Alle Rezitative sind secco, nur vom continuo begleitet, doch enden als Arioso. Bach bezeichnete Satz 3 als Arioso, doch ist er fast eine Arie. Das Bibel-Wort aus Jes 4,10 LUT, „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir“, ist dem Bass als der Vox Christi anvertraut, als ob Jesus es selbst spricht. Das Ritornell von acht Takte ist fast den ganzen Satz über in verschiedenen Tonarten gegenwärtig.

Nur zwei der neun Sätze sind Arien. Die erste, Satz 6, beschreibt die Feinde in schnellen Violinpassagen, scharfen punktierten Rhythmen und kühner Harmonik. John Eliot Gardiner vergleicht ihre Intensität mit der Arie des Petrus Ach, mein Sinn aus der Johannes-Passion.[1] Die zweite Arie, Satz 8, ist ein Menuett, das Bach wahrscheinlich aus seiner weltlichen Musik entwickelt hat, um ewige Freude zu beschreiben. Zweimal spielen die Instrumente einen Abschnitt und wiederholen ihn, während die Singstimme hineingewoben wird. Im zweiten vokalen Abschnitt werden die Worte „Daselbsten verwechselt mein Jesus das Leiden mit seliger Wonne, mit ewigen Freuden“ durch ein neues Thema dargestellt, das Allegro bezeichnet ist. Danach wiederholen die Instrumente ihren zweiten Abschnitt als Nachspiel.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schau,_lieber_Gott,_wie_meine_Feind

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im September 1978 auf, wobei Ann Murray, Alt, Adalbert Kraus, Tenor und Walter Heldwein die Stammbesetzung vervollständigten. Dies kann man bei Youtube durch Anklicken  der folgenden Zahlenkombination nachhören: 00:18:44 – 00:33:42 :

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Kantate BWV 154, „Mein liebster Jesus ist verloren“

Mein liebster Jesus ist verloren (BWV 154) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1724 in Leipzig für den ersten Sonntag nach Epiphanias.

Bach führte die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig am Sonntag nach dem Epiphaniasfest (Erscheinung des Herrn), dem 9. Januar 1724, auf. Der Musikwissenschaftler Alfred Dürr vermutet, dass sie bereits in Weimar geschrieben wurde,[1] während John Eliot Gardiner diese Sicht für die Sätze 1, 4 und 7 unterstützt.[2] Die vorgeschriebenen Lesungen waren Röm 12,1–6 LUT und Lk 2,41–52 LUT, der zwölfjährige Jesus im Tempel. Der unbekannte Textdichter nimmt die Suche der Eltern nach ihrem verlorenen Sohn zum Anlass, in den beiden ersten Sätzen die Situation eines Christen darzustellen, der seinen Jesus verloren hat und ihn vergeblich sucht. Der dritte Satz ist ein Choral; die zweite Strophe von Martin Jahns Jesu, meiner Seelen Wonne, in der Jesus gebeten wird zurückzukehren. Satz vier wiederholt die Bitte in einer persönlichen Arie. Die Antwort wird von der Vox Christi (Stimme Christi) gegeben mit den Worten des Evangeliums „Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ Die Freude des Wiederfindens drückt eine Paraphrase von Hld 2,8 LUT aus: „Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.“ Die Kantate endet mit der sechsten Strophe von Christian Keimanns Choral Meinen Jesum lass ich nicht.

In den drei Arien stellt Bach extreme Affekte dar: verzweifelte Trauer, Sehnsucht und Entzücken. Der ersten Arie unterlegt er eine ostinate Baßfigur, vergleichbar mit dem Chor Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen. Erst die Violine, dann der Tenor tragen eine ausdrucksvolle Melodie vor, die beide mehrfach wiederholen. Der kontrastierende Mittelteil wird von Streicher-Tremoli in kühnen Harmonien grundiert. Die zweite Arie wird von zwei Oboe d’amore und Unisono-Streichern begleitet, ohne Continuo. Ähnlich wie in der Sopran-Arie Aus Liebe will mein Heiland sterben aus Bachs Matthäus-Passion beschreibt das Fehlen des Fundaments Zerbrechlichkeit und Unschuld. Die Freude des Findens spiegelt sich in einem Duett von Alt und Tenor in homophonen Terz- und Sext-Parallelen. Es ist dreiteilig, wobei der dritte Teil kein da capo des ersten ist, sondern in schnellem 3/8-Takt schließt.

Der erste Choral (Nr. 3) ist ein vierstimmiger Satz der Melodie zu Werde munter, mein Gemüte von Johann Schop (1642), die als Bearbeitung für die Kantate Herz und Mund und Tat und Leben mit der Textzeile Jesus bleibet meine Freude weltberühmt wurde und die Bach als Nr. 40 in seiner Matthäus-Passion parodierte. Der Schlusschoral ist ein vierstimmiger Satz von Andreas Hammerschmidts Melodie zu Meinen Jesum laß ich nicht (1658), die Bach ebenfalls in den Kanten BWV 70, 157, vor allem aber in der gleichnamigen Choralkantate BWV 124 bearbeitete.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_liebster_Jesus_ist_verloren
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im September 1978 an bekanntem Orte auf, wobei ihm neben seinen Stammformationen Ann Murray, Alt, Aldo Baldin, Tenor und Walter Heldwein, Bass, zur Verfügung standen. Dies kann man unter den Zeitzahlen 00:33:44 – 00:49:31 nachhören:

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Kantate BWV 155, „Mein Gott, wie lang, ach lange“

Mein Gott, wie lang, ach lange? (BWV 155) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1716 in Weimar für den 2. Sonntag nach Epiphanias und führte sie am 19. Januar 1716 erstmals auf.

Bach schrieb die Kantate als Konzertmeister am Hof von Johann Ernst von Sachsen-Weimar für den 2. Sonntag nach Epiphanias und führte sie am 19. Januar 1716 in der Schlosskirche erstmals auf. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Röm 12,6–16 LUT und Joh 2,1–11 LUT, die Hochzeit zu Kana. Der Kantatentext wurde vom Hofdichter Salomon Franck verfasst und 1715 in Evangelisches Andachts-Opffer veröffentlicht. Er vertiefte einen Gedanken des Evangeliums: Jesus ist noch verborgen, doch die Seele darf darauf vertrauen, dass er zur rechten Zeit erscheinen wird. Franck erwähnt das Wort Wein und spielt damit auf das Wunder in Kana an, zum Beispiel „Der Tränen Maß wird stets voll eingeschenket, der Freuden Wein gebricht“. Der Schlusschoral ist die zwölfte Strophe von Paul SperatusEs ist das Heil uns kommen her.

Das Rezitativ spricht von sehnsüchtiger Erwartung über einem bebenden Orgelpunkt von mehr als elf Takten. Nur bei den Worten „der Freuden Wein gebricht“ gerät der Bass in Bewegung, auch wenn das Fehlen der Freude erwähnt wird, um auf „Mir sinkt fast alle Zuversicht“ wieder zurück zu sinken. Im folgenden Duett begleitet ein virtuoses Fagott in weitgespannten Figurationen die überwiegend parallel geführten Singstimmen. Satz 3 bringt tröstende Worte, die Bach dem Bass als der Vox Christi anvertraut. Auf die Worte „Damit sein Gnadenlicht dir desto lieblicher erscheine“ entwickelt sich ein Arioso. In der letzten Arie illustrieren lebhafte punktierte Rhythmen in den Streichern und später der Singstimme „Wirf, mein Herze, wirf dich noch in des Höchsten Liebesarme“. Der Choral auf die Melodie eines Osterchorals aus dem 15. Jahrhundert beschließt in vierstimmigem Satz die Kantate.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Gott,_wie_lang,_ach_lange%3F
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate schon im Februar 1971 auf, wobei folgende Solistinnen und Solistinnen mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttart einstimmten:
Ingeborg Reichelt, Sopran, Norma Lerer, Alt, Friedrich Melzer, Tenor und Hans-Friedrich Kunz, Bass. Dies kann man durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachhören: 00:49:33 – 01:02:34 :

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Kantate BWV 156, „Ich steh mit einem Fuß im Grabe“

Ich steh mit einem Fuß im Grabe (BWV 156) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte das Werk in Leipzig für den 3. Sonntag nach Epiphanias und führte es erstmals am 23. Januar 1729 auf.[1] Die Kantate ist bekannt für ihre einleitende Sinfonia mit Solo-Oboe.

Ich steh mit einem Fuß im Grabe war Bachs vierte und letzte Kantate für den dritten Sonntag nach Epiphanias. Die vorgeschriebenen Schriftlesungen für diesen Sonntag wurden aus dem Römerbrief (Regeln für das Leben, Römer 12,17–21 EU) und aus dem Evangelium nach Matthäus (Heilung eines Aussätzigen, Mt 8,1–13 EU) entnommen.[2]

Der Librettist war Christian Friedrich Henrici (genannt Picander). Er brachte zwei Strophen aus älteren Chorälen ein: Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt von Johann Hermann Schein (1628) und Herr, wie du willt, so schicks mit mir von Kaspar Bienemann (1582).[1]

Die Sinfonia in F-Dur ist mit Oboe, Streichinstrumenten und Generalbass besetzt. Sie stammt wahrscheinlich aus einem früheren Oboenkonzert und wurde später in Bachs Cembalokonzert BWV 1056 als mittlerer Satz adaptiert.[1] Im Vergleich zu der späteren Version für Cembalo und Orchester ist die Melodie klar, unkompliziert und harmonisch auf die Vorbereitung des zweiten Satzes ausgelegt.[4]

Der zweite Satz kombiniert eine Tenor-Arie mit einigen Sequenzen und einen Sopran-Choral mit obligaten Streichinstrumenten. Ungewöhnlich ist der Beginn mit einer synkopierten Generalbass-Linie unter Unisono-Streichinstrumenten.[1][5] Der Satz enthält und harmonische Kontraste.[4]

Beide Bass-Rezitative sind als Secco-Rezitativ in Moll-Tonart verfasst. Der erste und der dritte Satz der Kantate sind durch eine abrupt unterbrochene Melodielinie und ein abschließendes Arioso gekennzeichnet. Der zweite und der fünfte Satz sind vergleichsweise „heller in Stimmung und Geist“.[4] Es nimmt die Melodie der Choralfassung vorweg.[6]

Die Altarie wird von Oboe und Violine in Terz und Sexten begleitet. Der Satz enthält mehrere Beispiele für Wortmalerei.[1] Formal handelt es sich bei dem Satz um eine veränderte Da-capo-Arie.[4]

Der letzte Satz ist eine vierteilige Fassung des Chors in C-Dur.[1] Die Phrasenlängen werden variiert, was einen Eindruck der „Zeitlosigkeit“ im Angesicht des Todes vermittelt.[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_steh_mit_einem_Fu%C3%9F_im_Grabe
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahme diese Kantate im März und April 1973 auf. Hierbei wirkten der Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart und das Bach Collegium Stuttgart mit sowie Hildegard Laurich, Alt, Kurt Equiluz, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass. Dies kann man durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination in Youtube nachhören: 00:00:00: – 00:17:10 :

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Kantate BWV 157, „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn (BWV 157)[1] ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte das Werk in Leipzig 1726/27, es wurde am 6. Februar 1727 in Pomßen erstmals aufgeführt.[2]

Das Werk scheint für eine Trauerfeier für Johann Christoph von Ponickau (1652–1726), einen sächsischen Kammerherrn, in Auftrag gegeben worden zu sein.[3] Christian Friedrich Henrici (auch als Picander bekannt) wirkte wie so oft auch hierbei als Bachs Librettist.[4] Die erste bekannte Aufführung fand am 6. Februar 1727 bei einem Gedenkgottesdienst für Ponickau in der Kirche seines Heimatdorfes Pomßen (20 km von Leipzig entfernt) statt. Die Veranstaltung ist recht gut dokumentiert, da die dort gehaltene Gedenkpredigt mit Informationen über die Aufführung der Musik abgedruckt wurde, die eine zweite, heute verlorene Bach-Kantate enthielt (Kantate BWV Anh. 209). Nicht bekannt ist, ob Bach anwesend war, obwohl einige Autoren dies annehmen.

Die Kantate scheint für die Aufführung im Rahmen der Leipziger Kirchenmusik angepasst worden zu sein, und zwar speziell für das Fest Mariä Reinigung, das am 2. Februar gefeiert wird.[2] Die Existenz von mehr als einer Version ist aus den frühesten erhaltenen Manuskripten nach Bachs Tod ersichtlich, die von Christian Friedrich Penzel kopiert wurden. Die erste erhaltene Partitur stammt aus dem Jahr 1755, weiterhin gibt es Teile aus den 1760er-Jahren.[3]

Die vorgeschriebenen Schriftlesungen für den Festtag stammten aus dem Buch Maleachi, „Der Herr wird in seinen Tempel kommen“ (Maleachi 3,1–4 EU), und aus dem Evangelium nach Lukas: Die Reinigung Marias und der Darstellung Jesu im Tempel, einschließlich des Canticums Nunc dimittis (Lukas 2,22–32 EU).[4][2] Die im Lobgesang des Simeon (Prophet) ausgesprochene Sehnsucht, „in Frieden dahinzufahren“, wurde oft als Bild für den Tod eines Christen verwendet. Henrici fügte im ersten Satz ein Zitat aus Gen 32,26–32 EU und im fünften Satz die letzte Strophe des Kirchenliedes „Meinen Jesus lass ich nicht“ von Christian Keimann hinzu.[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_lasse_dich_nicht,_du_segnest_mich_denn
Weiteres kann man ebenda lesen.

Diese Kantate nahm Helmuth Rilling im Oktober 1982 und Juli 1983 auf, wobei ihm wieder seine beiden Stammformationen sowie Adalbert Kraus, Tenor und Philippe Huttenlocher, Bass, zur Seite standen. Dies kann in Youtube durch Anklicken der Zahlenkombi 00:17:13 – 00:36:10 nachhören:

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Kantate BWV 158, „Der Friede sei mit dir“

Der Friede sei mit dir (BWV 158) ist die kürzeste Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach und enthält Musiknoten für einen Basssolisten. Es blieb als Kantate für den dritten Tag von Ostern erhalten, könnte jedoch ein Fragment eines Werkes sein, das ursprünglich für die Darstellung des Herrn geschrieben wurde. Angesichts dieses Hintergrunds und der Tatsache, dass es von Christian Friedrich Penzel, einem der letzten Schüler Bachs, kopiert wurde, gibt es eine große Vielfalt vorgeschlagener Kompositionsdaten. Es könnte auf Bachs Weimarer Zeit zurückgehen,[1] obwohl ein spätes Datum wie 1735 vorgeschlagen wurde.[2]

Die einzige vorhandene Quelle der Kantate ist ein Exemplar von Christian Friedrich Penzel, das auf der Titelseite als „Reinigung“ bezeichnet wird, es bezieht sich auf das evangelische Fest der Mariä Reinigung, das am 2. Februar gefeiert wurde, es kann sich jedoch auch auf den Osterdienstag beziehen.

Bach komponierte mehrere Kantaten für die Reinigung Mariä und die Texte beziehen sich auf Simeons Canticum (Bibel) Nunc dimittis, einen Teil der vorgeschriebenen Schriftlesungen.[3]

Aufgrund der Verweise auf die Nunc dimittis in Der Friede sei mit dir und der alternativen Titelblattbezeichnung wird allgemein angenommen, dass zumindest die beiden zentralen Sätze ursprünglich Teil einer längeren Kantate für die Reinigung Mariä waren, mit einem anderen einleitenden Rezitativ, in dem den Jüngern nicht das Osterfest Christi vor Augen geführt wird. Die Arie, die für die Flöte besser geeignet zu sein scheint als die in Penzels Abschrift angegebene Violino, wird zur Untermauerung der Hypothese angeführt, dass sie ursprünglich für einen anderen Anlass geschrieben wurde.[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Friede_sei_mit_dir

In dieser Aufnahme, die im Juli 1983 entstand, singt Philippe Huttenlocher, begleitet von Günther Passin, Oboe, Wolf-Dieter Streicher, Violine, Helmut Veihelmann, Cello und Harro Bertz, Kontrabass sowie Hans-Joachim Erhard, Orgel. Nachhören kann man dies durch Anklicken der folgenden Spielzeiten: 00:36:12 – 00:46:20 :

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Kantate BWV 159 „Sehet, wir geh hinauf gen Jerusalem“

Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem (BWV 159) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den Sonntag Estomihi und führte sie wahrscheinlich erstmals am 27. Februar 1729 auf.

Bach schrieb die Kantate in Leipzig für den Sonntag Estomihi, den Sonntag vor Aschermittwoch. Es war damit in Leipzig der letzte Sonntag vor Karfreitag, an dem eine Kantate aufgeführt wurde, da in Leipzig während der Passionszeit tempus clausum eingehalten wurde. Das Datum der ersten Aufführung ist nicht belegt, doch der Textdichter Christian Friedrich Henrici (genannt Picander), der auch die Matthäus-Passion verfasst hatte, veröffentlichte diese Kantate in seinem Jahrgang 1728. Daher ist anzunehmen, dass sie am 27. Februar 1729 erstmals aufgeführt wurde. Bach hatte zwei Kantaten für den Sonntag Estomihi des Jahres 1723 komponiert, als Probestücke für seine Bewerbung um das Amt des Thomaskantors: Du wahrer Gott und Davids Sohn (BWV 23) und Jesus nahm zu sich die Zwölfe (BWV 22).[1]

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Kor 13,1–13 LUT und Lk 18,31–43 LUT, die Heilung eines Blinden und damit verbunden die Ankündigung des Leidens in Jerusalem. Während Bach in den früheren Kantaten auch auf die Heilung eingeht, konzentriert sich dieses Werk auf den Weg zur Passion. Der Dichter hebt in Satz 1 deren Ungeheuerlichkeit hervor, betrachtet sie in Satz 2 als vorbildlich, in Satz 3 als Grund zum Abschied von weltlicher Freude, schließlich als Grund zum Dank. In Satz 2 ergänzen sich Rezitativ und die 6. Strophe von Paul Gerhardts Choral O Haupt voll Blut und Wunden, von dem in der Matthäus-Passion diese und vier weitere Strophen erscheinen. Satz 4 beginnt mit den Worten Es ist vollbracht (Joh 19,30 LUT), einem der Sieben Letzten Worte. Es deutet sich bereits an in der Ankündigung des Sonntagsevangeliums: „und es wird alles vollendet werden, was geschrieben wurde“ Lk 18,31 LUT.[1] Bachs Johannes-Passion enthält eine Alt-Arie auf diese Worte, eine Zusammenfassung der Passion unmittelbar nach dem Tod Jesu.[2] Der Schlusschoral ist die 33. Strophe von Paul Stockmanns Jesu Leiden, Pein und Tod (1633).

Kurz darauf, am Karfreitag 1729 wurde die Matthäus-Passion aufgeführt. Deshalb wird die BWV 159 auch gelegentlich das „Vororatorium zur Matthäus-Passion“ genannt.

Satz 1 ist ein Dialog zwischen Jesus und der Seele. Die Seele wird vom Alt gesungen, nicht vom Sopran wie in vielen anderen solchen Dialogen, Jesus vom Bass als der Vox Christi (Stimme Christi). Bach erzielt dramatische Kontrastwirkung, indem er die Jesus-Worte als Arioso setzt, das nur vom continuo, die erregten Antworten der Seele hingegen von Streichern als recitativo accompagnato begleiten lässt. Diese Behandlung ist umgekehrt zur Matthäus-Passion, wo die Jesus-Worte von einem Streichquartett intensiviert werden. In Satz 2 wird die ausdrucksvolle Linie der Altstimme ergänzt durch die Choralstrophe Ich will hier bei dir stehen im Sopran. Den Höhepunkt der Kantate bildet Satz 4, in dem die Vox Christi die Vollendung der Passion bedenkt. Die Anfangsworte Es ist vollbracht werden gesungen auf ein Motiv, das die Oboe vorstellte, gestützt von einem „harmoniefüllenden Streichersatz“ (Alfred Dürr).[3] Im Mittelteil wird der Abschnitt „Nun will ich eilen“ durch Läufe in der Stimme, Oboe und Violine veranschaulicht.[4] Ein quasi da capo nimmt das Anfangsmotiv wieder auf, diesmal auf die Worte „Welt, gute Nacht“. Der Schlusschoral ist schlicht vierstimmig gesetzt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sehet!_Wir_gehn_hinauf_gen_Jerusalem

Diese Kantate nahme Helmuth Rilling im Juni und Juli 1983 auf, hier wieder mit seinen Stammformationen sowie Julia Hamari, Alt, Aldo Baldin, Tenor und Philippe Huttenlocher, Bass.
Dies kann man durch Anklicken der Zahlenkombination 00:46:22 – 01:02:42  nachhören:

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Willi😀

 

BWV 161, „Komm, du süße Todesstunde“

Vorbemerkung: die eigentlich erwartete Kantate BWV 160 „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ erscheint hier nicht, weil sie in Wirklichkeit von Georg Philipp Telemann stammt:

„Die Kantate stammt von G. P. Telemann (TVWV 1:877); früheste Zuschreibung (1725) an Telemann (D-Gs: 8º Cod. Ms. philos. 84e: Telemann 10); s. Dürr BJ 1951/52, B. Reipsch 2005; NBA I/41 KB.Zuschreibung „di J. S. Bach“ in verschollener Abschrift von H. N. Gerber, zit. nach BG 32, S. XXV.“
https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalWork_work_00000194

Komm, du süße Todesstunde, BWV 161, ist eine Kantate von Johann Sebastian Bach.

Sie wurde in Weimar vermutlich für den 6. Oktober 1715 (16. Sonntag nach Trinitatis) sowie für Mariä Lichtmess komponiert. Eine erneute Aufführung fand vermutlich am 16. September 1725[1] in Leipzig statt.

Der Text wurde von Salomon Franck (Sätze 1–5) und Christoph Knoll verfasst (6. Satz = 4. Strophe des Liedes Herzlich tut mich verlangen).

Das Choralthema basiert auf einer Melodie, die ursprünglich von Hans Leo Haßler komponiert wurde als weltliches Liebeslied Mein G’müt ist mir verwirret, gedruckt im Jahre 1601.[2][3] Das Lied O Haupt voll Blut und Wunden verwendet dieselbe Melodie. Es ist auch eine von mehreren Melodien, auf die der Text Befiehl du deine Wege von Paul Gerhardt gesungen wird (vgl. Matthäus-Passion, Choral Nr. 53).

Die Schlusstakte des Altrezitativs Der Schluß ist schon gemacht („so schlage doch“) nehmen die Tenorarie Ach, schlage doch bald, selge Stunde aus BWV 95, Christus, der ist mein Leben, die Bach erst 1723 in Leipzig komponierte, vorweg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Komm,_du_s%C3%BC%C3%9Fe_Todesstunde
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate zusammen mit der folgenden im Dezember 1975 auf, wozu ihm diesmal nebem dem Bach-Collergium wieder einmal die Frankfurter Kantorei zur Verfügung stand sowie Hildegard Laurich, Alt und Adalbert Kraus Tenor. Dies kann durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachgehört werden: 00:00:00 – 00:20:32 :

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Kantate BWV 162, „Ach! ich sehe, itzt, da ich zur Hochzeit gehe“

Ach! ich sehe, itzt, da ich zur Hochzeit gehe (BWV 162) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Weimar für den 20. Sonntag nach Trinitatis.

Bach schrieb die Kantate für den 20. Sonntag nach Trinitatis als Konzertmeister am Hof von Johann Ernst von Sachsen-Weimar in Weimar, wo sie in der Schlosskirche erstmals aufgeführt wurde, am 3. November 1715 (nach Alfred Dürr) oder am 25. Oktober 1716 (nach Christoph Wolff und anderen[1]).

Die vorgeschriebenen Lesungen waren Eph 5,15–21 LUT und Mt 22,1–14 LUT, das Gleichnis von der königlichen Hochzeit. Der Text der Kantate stammt vom Hofdichter Salomon Franck und wurde 1715 veröffentlicht in Evangelisches Andachts-Opffer. Er bezieht sich auf das Evangelium und betont, wie wichtig es ist, der liebenden Einladung Gottes zu folgen. Francks Sprache ist reich an Kontrasten, wie Seelengift und Himmelsbrot, und biblischen Bildern wie Der Himmel ist sein Thron nach Jes 66,1 LUT. Der Schlusschoral ist die siebte Strophe von Alle Menschen müssen sterben[2] von Johann Rosenmüller (1652).

Bach führte die Kantate in Leipzig erneut auf, am 10. Oktober 1723 in einer revidierten Fassung, diesmal mit einem corno da tirarsi, einem Zughorn. Bachs Partitur ist nicht erhalten, auch scheinen einzelne Stimmen zu fehlen.

Die Kantate beginnt mit einer Bass-Arie, begleitet von drei Instrumenten in polyphonem Satz, zwei Violinen und Viola, die später in Leipzig von der Zugtrompete verstärkt wurde. Das charakteristische Motiv auf die Anfangsworte durchzieht den Satz. Der Sopran-Arie scheint nach Dürr eine obligate Begleitung zu fehlen. Für das Projekt Bach Cantata Pilgrimage des Monteverdi Choir rekonstruierte Robert Levin eine Fassung für Flöte und Oboe d’amore.[3] Das Duett wird ebenfalls nur vom continuo begleitet, erscheint jedoch in dieser Form vollständig. Die Melodie des Schlusschorals ist anderswo selten, erscheint jedoch in Weimar nicht nur in diesem Werk, sondern auch in einer Choralbearbeitung von Johann Gottfried Walther.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ach!_ich_sehe,_itzt,_da_ich_zur_Hochzeit_gehe
Weiteres kann man ebenda lesen.

Diese Aufnahme wurde ebenfalls im Dezember 1975 getätigt. Auch hier war neben dem Bach-Collegium die Frankfurter Kantorei am Start sowie Arleen Auger, Sopran, Alyce Rogers, Alt, Kurt Equiluz, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass. Dies kann in der folgenden Zahlenkombination nachgehört werden: 00:20:34 – 00:37:08 :

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Kantate BWV 163, „Nur jedem das Seine“

Nur jedem das Seine (BWV 163) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Weimar für den 23. Sonntag nach Trinitatis.

Am 2. März 1714 wurde Johann Sebastian Bach zum Konzertmeister des Weimarer Hoforchesters ernannt. Damit war die Pflicht verbunden, „monatlich neüe Stücke auff[zu]führen“, insbesondere Kantaten für die Hofgottesdienste in der Schlosskirche.[1][2]

Bach komponierte die Kantate 1715 für den 23. Sonntag nach Trinitatis. Das Werk war Teil von Bachs 1714 begonnenem Zyklus von monatlichen geistlichen Kantaten für den Weimarer Hof und das erste Stück, das nach einer mehrmonatigen Trauerzeit um Prinz Johann Ernst aufgeführt wurde. Der Text entstammt Salomon Francks Jahrgang Evangelisches Andachts-Opfer von 1715 und nimmt Bezug auf das Matthäus-Evangelium (Matthäus 22,14–22 EU). Auf die Fangfrage der Pharisäer, ob es rechtens sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen, antwortete Jesus: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Franck, der auch für das Münzkabinett am Weimarer Hof verantwortlich war, begann mit einer Paraphrase dieser Antwort und verwendete mehrere Anspielungen auf Geld und Gold.[3][4] Im Libretto werden die irdischen Autoritäten nicht als weise Obrigkeit gepriesen, sondern als unabänderliches Übel dargestellt, mit dem es in einer Welt der Auskunftspflichten und Rechnungslegungen zu leben gilt.[5]

Franck nahm als sechsten und letzten Satz dieser Kantate eine Strophe aus einer Hymne von Johann Heermann auf, nach dem gedruckten Libretto die letzte Strophe von Wo soll ich fliehen hin (1630).[3] Da nur der Generalbass erhalten geblieben ist, ergaben neuere Forschungen, dass Bach möglicherweise stattdessen eine Strophe aus Heermanns Meinen Jesum laß ich nicht mit einer Melodie nutzte, die er schon instrumental in Satz 5 verwendete und die zur Generalbassstimme passte.[4]

Bach dirigierte die Uraufführung am 24. November 1715.[6] Über eine spätere Aufführung in Leipzig ist nichts bekannt, aber der Bachforscher Christoph Wolff schreibt: „Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es [wiederbelebt] wurde.“[7]

Helmuth Rilling nachm diese Kantate wieder mit seinen Stammformationen im September 1976 und Januar/April 1977 auf, wobei er folgendes Solistenquartett hinzuzog:
Arleen Auger, Sopran, Helen Watts, Alt, Adalbert Kraus, Tenor und Niklaus Tüller, Bass. Dies kann in Youtube durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachgehört werden: 00:37:11 – 00:54:01 :

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Kantate BWV 164, „Ihr, die hr euch von Christo nennet“

Ihr, die ihr euch von Christo nennet, BWV 164, ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, geschrieben 1725 in Leipzig für den 13. Sonntag nach Trinitatis, den 26. August 1725.

Bach schrieb die Kantate in seinem dritten Jahr in Leipzig für den 13. Sonntag nach Trinitatis, den 26. August 1725. Er vertonte einen Kantatentext, den Salomon Franck bereits in Weimar 1715 in Evangelisches Andachts-Opffer veröffentlicht hatte.[1] Ähnlich war er zuvor in Tue Rechnung! Donnerwort, BWV 168, verfahren.[2]

Die vorgeschriebenen Lesungen sind Gal 3,15–22 LUT und Lk 10,23–37 LUT, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Die Nächstenliebe ist in dieser Kantate das vorherrschende Thema, während in den Texten der beiden Vorjahre, Du sollt Gott, deinen Herren, lieben und Allein zu dir, Herr Jesu Christ, die Gleichwertigkeit von Gottes- und Nächstenliebe betont wurde. Der Schlusschoral ist die fünfte und letzte Strophe von Herr Christ, der einig Gotts Sohn von Elisabeth Creutziger (1524).[2]

Die Musik für die vier Vokalsolisten ist im Wesentlichen Kammermusik. Die Form der drei Arien weicht von der üblichen Da-capo-Arie ab. In der Tenor-Arie entwickeln Singstimme und Streicher das gleiche thematische Material in der Form A –B – A‘ – B‘. In der Alt-Arie, begleitet von Seufzermotiven der Flöten, wird nicht der erste, sondern abgewandelt der zweite Teil wiederholt, A – B – B‘. Im Duett formt Bach ein Quartett von Singstimmen, unisono spielenden hohen Instrumenten und Continuo. Der Text wird in drei Abschnitten vorgetragen und in einem vierten zusammengefasst, der den ersten wieder aufgreift. Der Schlusschoral ist ein schlichter vierstimmiger Satz.[2]

Helmuth Rilling nahm auch diese Kantate mit seiner Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart sowie mit folgenden Sängerinnen und Sängern im November 1981 und Oktober 1982  auf:
Edith Wiens, Sopran, Julia Hamari, Alt, Lutz-Michael Harder, , Tenor und Walter Heldwein, Bass. Dies kann durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachgehört werden: 00:54:04 – 01:11:56 :

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Vorbemerkung:
In den letzten beiden Beiträgen habe ich den Link zu Wikipedia vergessen, was ich hiermit nachhole:

Beitrag Nr. 160: https://de.wikipedia.org/wiki/Nur_jedem_das_Seine

Beitrag Nr. 161:https://de.wikipedia.org/wiki/Ihr,_die_ihr_euch_von_Christo_nennet

Kantate BWV 165, „O heilges Geist- und Wasserbad“

O heilges Geist- und Wasserbad (BWV 165) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er schrieb sie in Weimar für Trinitatis und führte sie am 16. Juni 1715 zum ersten Mal auf.

Bach war in Weimar Hoforganist von Johann Ernst von Sachsen-Weimar und wurde am 2. März 1714 zum Konzertmeister ernannt. Damit ging die Aufgabe einher, monatlich eine Kirchenkantate in der Schlosskirche aufzuführen. Er komponierte die Kantate für Trinitatis. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag nach Pfingsten waren Röm 11,33–36 LUT, „Welch eine Tiefe des Reichtums der Weisheit und Erkenntnis Gottes“, und Joh 3,1–15 LUT, das Treffen Jesu und Nikodemus.

Der Kantatentext wurde vom Hofdichter Salomon Franck verfasst und 1715 in der Sammlung Evangelisches Andachts-Opffer veröffentlicht. Der Dichter hält sich eng an das Evangelium und leitet den Anfang von der Bemerkung Jesu ab: „Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen“. In Satz 2, einem Rezitativ, führt der Text aus, dass die erwähnte Geburt in der Taufe erfolgt, einem Akt der Gnade Gottes: „Er wird im Geist- und Wasserbade ein Kind der Seligkeit und Gnade“. Satz 3, eine Arie, betrachtet, dass der Bund im Laufe des Lebens immer wieder erneuert werden muss, da der Mensch ihn bricht (Satz 4). Die letzte Arie ist ein Gebet um die Einsicht, dass der Tod Jesu das Heil brachte: „meines Todes Tod“.[1] Der Schlusschoral ist die fünfte Strophe von Ludwig Heimbolds Nun lasst uns Gott dem Herren, die Gottes Wort, Taufe und Abendmahl anspricht.[2]

Bach führte die Kantate wahrscheinlich am 16. Juni 1715 erstmals auf. Eine weitere Aufführung, mit kleinen Änderungen, erfolgte in seinem ersten Amtsjahr in Leipzig, vermutlich um am Sonntag Trinitatis mit ihr den ersten Kantatenzyklus abzuschließen. Die Partitur dieser Aufführung ist erhalten.[1]

In der ersten Arie ist das Ritornell eine Fuge, während in den fünf Vokal-Teilen Sopran und Violine I das thematische Material in Imitation behandeln. Diese fünf Teile sind symmetrisch angelegt: A B C B‘ A‘. Das Thema von B ist die Umkehrung von A, das von C ist von Takt 2 des Ritornells abgeleitet. Alfred Dürr sieht die Form in Verbindung zum Thema des Evangeliums, der Geburt aus Wasser und Geist. Das erste Rezitativ ist secco, doch nähern sich hervorgehobene Textabschnitte dem Arioso. Die zweite Arie, nur vom Continuo begleitet, wird von einem ausdrucksvollen Motiv beherrscht, das einige Sextsprünge aufwärts aufweist. Es wird instrumental vorgestellt und von der Singstimme in vier Abschnitten übernommen. Das zweite Rezitativ wird von den Streichern begleitet und intensiviert den Text durch etliche Melismen, die Bezeichnung adagio auf die Worte „hochheiliges Gotteslamm“ und durch Melodien in der Begleitung. Die letzte Arie, in der die Schlange erwähnt wird, stellt deren Windungen musikalisch dar.[4] Die Kantate wird beschlossen mit einem schlichten vierstimmigen Choralsatz.[5]
https://de.wikipedia.org/wiki/O_heilges_Geist-_und_Wasserbad

Bei der Aufnahme dieser Kantate pausierte die Gächinger Kantorei wieder und die Frankfurter Kantorei war dafür am Zuge. Neben dem Bach-Collegium Stuttgart  waren noch folgende Solistinnen und Solisten mit von der Partie:
Arleen Auger, Sopran, Alyce Rogers, Alt, Kurt Equiluz, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass. Dies kann durch Anklicken der folgenden Zahlkombination bei Youtube nachgehört werden: 00:00:00 – 00:12:58 :

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Kantate BWV 166, „Wo gehst du hin“

Wo gehest du hin? (BWV 166) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den vierten Sonntag nach Ostern, Cantate, und führte sie am 7. Mai 1724 erstmals auf.

Bach schrieb die Kantate in Leipzig für den Sonntag Cantate, den vierten Sonntag nach Ostern. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Petr 2,11–20 LUT und Joh 16,16–23 LUT aus den Abschiedsreden Jesu. Der unbekannte Dichter benutzte die Frage aus dem Evangelium für den ersten Satz der Kantate, den Bach dem Bass als der Vox Christi zuwies. Als dritten Satz setzte er die dritte Strophe des Chorals Herr Jesu Christ, ich weiß gar wohl (1582) von Bartholomäus Ringwaldt ein, als Schlusschoral Aemilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadts Wer weiß, wie nahe mir mein Ende (1688).
https://de.wikipedia.org/wiki/Wo_gehest_du_hin%3F

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im September 1978 auf, und daran beteiligt waren die Gächinger und die Stuttgarter sowie Helen Watts, Alt, Aldon Baldin, Tenor und Wolfgng Schöne Bass. Diese Aufnahme kann bei Youtube unter Anklicken der folgenden Zeitzahlen nachgheört werden: 00:13:01 – 00:29:41 :

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Kantate BWV 167, „Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe“

Ihr Menschen, rühmet Gottes Liebe (BWV 167) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für das Fest Johannes des Täufers und führte sie am 24. Juni 1723 zum ersten Mal auf.
(Anm.: Ich möchte auf den Hinweis nicht verzichten, dass hier endlich mal eine Kantate an dem Tag uraufgeführt wurde, an dem nicht nur der Widmungsträger Namenstag hatte, sondern auch der Komponist, auch wenn er ihn möglichweise als evangelischer Christ garnicht gefeiert hat).

Bach komponierte die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig, kurz nachdem er seinen Dienst als Thomaskantor aufgenommen hatte, für Johannis, das Fest Johannes des Täufers am 24. Juni 1723,[1] das in die Woche nach dem 4. Sonntag nach Trinitatis fiel. Bach hatte am 1. Sonntag nach Trinitatis sein Amt mit einer Kantate in 14 Sätzen angetreten, Die Elenden sollen essen, und damit seinen ersten Kantatenzyklus begonnen. Im Vergleich ist das Werk für das Fest des Heiligen in fünf Sätzen weniger anspruchsvoll.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Jes 40,1–5 LUT und Lk 1,57–80 LUT, die Geburt des Täufers und der Lobgesang des Zacharias, seines Vaters. Der unbekannte Dichter übernahm einige Sätze fast wörtlich aus dem Evangelium, zum Beispiel den Beginn des Lobgesangs als „Gelobet sei der Herr Gott Israel“. Die Dichtung verfolgt den Gedanken, dass Jesus, „des Weibes Samen“, die Sünden tilgen wird, die durch das Bild der Schlange veranschaulicht werden. Das letzte Rezitativ fordert alle auf, dafür wie Zacharias Lob zu singen. Das geschieht im Schlusschoral, der fünften Strophe von Johann Gramanns Nun lob, mein Seel, den Herren (1549).[2]
Anders als in den zuvor für Leipzig komponierten Kantaten beginnt Bach diese Kantate nicht mit einem Eingangschor, sondern mit einer Arie. Möglicherweise ging er damit vom Lobgesang des einzelnen aus. Die Arie ist nur von Streichern begleitet, teils Violine solo, teils im dichten Satz aller Streicher. Das folgende Rezitativ, das auf Johannes und Jesus auf dem Weg zur Erlösung verweist, endet in einem Arioso zu den Schlusszeilen „mit Gnad und Liebe zu erfreun und sie zum Himmelreich in wahrer Buß zu leiten“. Dieses Arioso wird von einer ostinato-Bewegung im continuo getragen, die Alberti-Bässen ähnelt.[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ihr_Menschen,_r%C3%BChmet_Gottes_Liebe
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahme diese Kantate im Januar und Februar 1974 auf und setzte hier wieder einmal den Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart neben seinem Bach-Collegium Stuttgart ein sowie die folgenden Solistinnen und Solisten:
Kathrin Graf, Sopran, Helen Gadow, Adalbert Kraus, Tenor und Niklas Tüller, Bass, Due kann hier nachgehört werden: 00:29:43 -00:47:41 :

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Ab heute geht es mit den Kantaten weiter:

BWV 168, „Tue Rcchnung! Donnerwort“

Tue Rechnung! Donnerwort (BWV 168) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte die Kantate 1725 in Leipzig für den 9. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 29. Juli 1725 erstmals auf.

Bach komponierte die Kantate 1725 in Leipzig für den 9. Sonntag nach Trinitatis als die erste Kantate in seinem dritten Kantatenzyklus. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Kor 10,6–13 LUT, die Warnung vor falschen Propheten, und Lk 16,1–9 LUT, das Gleichnis vom ungerechten Diener.

Der Text wurde von Salomon Franck bereits 1715 in Weimar in Evangelisches Andachts-Opffer veröffentlicht. Bach konnte ihn damals wegen der Trauer um Johann Ernst III. nicht vertonen.[1] Der Text ist eng an das Evangelium angelehnt, beginnend mit der Umdichtung von Vers 2 in der eröffnenden Arie. Franck benutzt ausdrücklich monetäre Begriffe für die Schuld, wie „Kapital und Interessen“. Die Kantate endet mit der achten Strophe von Bartholomäus Ringwaldts Choral Herr Jesu Christ, du höchstes Gut (1588).[2] Bach hatte den Choral bereits im Vorjahr für den 11. Sonntag nach Trinitatis als Choralkantate behandelt, Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, BWV 113.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tue_Rechnung!_Donnerwort

Helmuth Rilling spielte dies Kantate bereits im Juni und Juli 1970 ein, wobei ihm die Frankfurter Kantorei und das Bach Collegium Stuttgart sowie folgende Sängerinnen und Sänger zur Seite standen:
Nancy Burns, Sopran, Verena Gohl, Alt, Theo Altmeyer, Tenor und Siegmund Nimsgern, Bass. Dies kann man in der Youtube-GA durch Anklicken der folgenden Zeitzahlen nachhören: 00:47:43 – 01:04.12 :

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Kantate BWV 169 „Gott soll allein mein Herze haben“

Gott soll allein mein Herze haben (BWV 169) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1726 in Leipzig für den 18. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 20. Oktober 1726 erstmals auf.

Bach komponierte die Kantate 1726 in seinem vierten Amtsjahr in Leipzig für den 18. Sonntag nach Trinitatis. Sie wird seinem 3. Kantatenzyklus zugerechnet. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Kor 1,4–8 LUT, wo Paulus für die Wirkung des Evangeliums dankt, und Mt 22,34–46 LUT, das Doppelgebot der Liebe.

Christoph Birkmann (1703–1771) als Dichter[1] konzentrierte sich auf die Liebe zu Gott in den Sätzen 2 bis 5, behandelte die Liebe zum Nächsten in Satz 6 und wählte als Schlusschoral die dritte Strophe von Martin Luthers Nun bitten wir den Heiligen Geist.

Er verband das erste Rezitativ mit der folgenden Arie, indem er zwei Gedankengänge mit je einer Zeile des Arientextes begann und mit der bedeutsamen ersten Zeile „Gott soll allein mein Herze haben“ abschloss, als Rückbezug auf dieses „Motto“ der Kantate. Das zweite Rezitativ ist eine Paraphrase von 2 Kön 2,1 LUT, der Himmelfahrt des Elias. Die zweite Arie spricht von dem Gegensatz zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zu weltlichen Dingen und bezieht sich damit auf 1 Joh 2,15–16 LUT.

Bachs einzige andere erhaltene Kantate für diesen Sonntag ist die Choralkantate Herr Christ, der einge Gottessohn, BWV 96 aus dem Jahr 1724.[2] Wie drei andere Kantaten, Geist und Seele wird verwirret, Widerstehe doch der Sünde und Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust, ist „Gott soll allein mein Herze haben“ nur für Altsolo geschrieben, doch im Gegensatz zu den anderen enthält sie einen vierstimmigen Schlusschoral. Drei dieser Kantaten, die alle innerhalb weniger Monate komponiert wurden, benutzen die Orgel als obligates Instrument, vielleicht weil Bach die Verbindung der Altstimme mit bestimmten Orgelregistern mochte.[2] Vielleicht standen auch zufällig sowohl ein versierter Altist als auch ein fähiger Organist zur Verfügung.

Es ist nicht bekannt, ob Bach gezielt nach Texten für eine Solostimme suchte oder ob ihm von einem Geistlichen Texte vorgeschrieben wurden, die individuelle Frömmigkeit betonten und daher die Besetzung durch eine einzige Stimme nahelegten.[3
Wie in einigen anderen Werken benutzte Bach in dieser Kantate auch Musik, die er zuvor komponiert hatte. Der erste Satz (Sinfonia) und Satz 5 gehen auf ein verlorenes Solo-Konzert zurück, das er, vielleicht für Oboe oder Flöte, wahrscheinlich während seiner Zeit in Köthen (1717–23) komponiert hatte. Dieses Konzert diente ihm später als Grundlage für sein Cembalokonzert BWV 1053, komponiert um 1739. Nach John Eliot Gardiner könnte die Musik auch als Orgelkonzert für die 1725 neue Silbermann-Orgel in der Sophienkirche Dresden gedient haben.[3] Bach benutzte den ersten Satz des Konzerts, in Da-capo-Form, als eine ausgedehnte instrumentale Einleitung. Dabei wies er den Solopart der Orgel zu, das Tutti den Streichern und drei Oboen, deren Stimmen er für die Kantate hinzufügte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gott_soll_allein_mein_Herze_haben

Helmuth Rilling spielte diese Kantate im Juni 1983 ein, wobei ihm die Gächinger Kantorei und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn sowie als Solistin Carolyn Watkinson, Alt, zur Verfügung standen. Dies kann bei Youtube durch Anklicken folgender Zahlenkombination nachgehört werden: 00:00:00: – 00:23:32 :

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Kantate BWV 170, „Vergnügte Ruh! beliebte Seelenlust“

Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust (BWV 170) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach – eine Solokantate für Alt.

Bach komponierte die Kantate für den 6. Sonntag nach Trinitatis in Leipzig. Sie wurde am 28. Juli 1726 zusammen mit der Kantate Ich will meinen Geist in euch geben von Johann Sebastian Bachs Vetter Johann Ludwig Bach im Hauptgottesdienst uraufgeführt, so dass eine Kantate vor und eine nach der Predigt erklang. Welche Kantate die Stelle vor der Predigt erhielt, ist nicht überliefert – vermutlich das Werk Johann Ludwig Bachs, da nur dessen Text sich deutlich auf das Sonntagsevangelium bezieht.

Mit „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ beginnt der Textdichter Lehms ein Loblied auf den „wahren Seelenfrieden“ und auf die „Stille und Ruhe des Herzens“. Doch der erste Satz ist nur ein sanftes Vorspiel. Im folgenden Rezitativ, das einen Bezug zum Sonntagsevangelium herstellt (Mt 5,20–22 LUT), wettert der Autor dann über die Schar der Sünder. Im Text der zweiten Arie beklagt er den Irrweg des menschlichen Herzens. In der letzten Zeile dieser Arie heißt es wie schon zu Beginn: „Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen“. Damit kehrt Lehms wieder zum Anfang zurück. Das nächste Rezitativ setzt das Klagen fort, bis es sich schließlich auf Gottes Vorschrift besinnt, auch den Feind wie einen Freund zu lieben. Die abschließende Arie vollendet den Gedanken und kehrt zu der „vergnügten Ruh“ des Beginns zurück.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergn%C3%BCgte_Ruh,_beliebte_Seelenlust

Helmuth Rilling spielte diese weitere Solokantate für die Altstimme mit dem Bach Colegium Stuttgart und mit der Altistin Julia Hamari im Oktober 1982 ein. Dies kann man durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachhören:
00:23:35 – 00:46:45 :

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Kantate BWV 171,  „Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm“

Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm[1] (BWV 171) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach, die er frühestens zu Neujahr 1729 in Leipzig zum ersten Mal aufführte.

Bach komponierte diese Kantate etliche Jahre nach den Kantatenzyklen, die er zu Beginn seiner Amtszeit als Thomaskantor 1723 in Leipzig schrieb. Der Text von Christian Friedrich Henrici, der unter dem Namen Picander veröffentlichte, erschien 1728 in einer Textsammlung für alle Anlässe des Kirchenjahrs. Der Festtag feierte auch die Beschneidung und die Darstellung des Herrn. Picander konzentrierte sich auf die Namensgebung und begann mit einem Vers aus dem Buch der Psalmen, in dem der Name Gottes erwähnt wird. Als Schlusschoral verwendete er die zweite Strophe aus Johann Hermanns Kirchenlied „Jesu, nun sei gepreiset“.

Bach gliederte die Kantate in sechs Sätze, eine eröffnende Chorfuge, wechselnde Arien und Rezitative und einen Schlusschor. Er schrieb das Werk für vier Vokalsolisten, einen vierstimmigen Chor und ein festliches Barockorchester aus drei Trompeten und Pauken, zwei Oboen, Streichinstrumenten und dem Generalbass. Oboen und Streichinstrumente spielen in den Chorabschnitten mit den Stimmen als Motette, während die Trompeten einen neuen Stil spielen. Die Kantate ist Teil von Bachs Picander-Zyklus.

Bach hatte seine Amtszeit als Thomaskantor in Leipzig 1723 angetreten. In seinem ersten Jahr komponierte er dort einen ersten Kantatenzyklus für fast alle Anlässe des Kirchenjahrs, sein Kantatenzyklus im zweiten Jahr umfassten hauptsächlich Choralkantaten, die auf lutherischen Kirchenliedern beruhten. Im dritten Jahr begann Bach einen dritten Zyklus, schrieb die Werke jedoch unregelmäßiger. Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm stammt aus einem späteren unvollständigen Zyklus, den der Bach-Forscher Christoph Wolff den Picander-Zyklus nennt, da Texte des Librettisten Picander, mit dem Bach bereits für die Matthäus-Passion zusammengearbeitet hatte, verwendet wurden. Picander schrieb im Vorwort zur Sammlung von Kantatentexten für 1729, dass „ein Mangel an poetischer Eleganz durch die Süße des unvergleichlichen Kapellmeisters Bach kompensiert würde“.[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Gott,_wie_dein_Name,_so_ist_auch_dein_Ruhm
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Juni und September 1983 auf, wobei neben der Gächinger Kantorei auch das Württembergische Kammerorchester Heilbronn sowie folgende Solistinnen und Solisten mitwirkten: Arleen Auger, Sopran, Julia Hamari, Alt, Aldo Baldin, Tenor und Walter Heldwein, Bass. Dies kann man bei Youtube unter Anklicken der folgenden Zahlen nachhören: 00:46:48 – 01:02:28 :

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Kantate BWV 172, „Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“

Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten! (BWV 172) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1714 in Weimar für Pfingsten und führte sie dort in der Schlosskapelle am 20. Mai 1714 zum ersten Mal auf.

Bach war in Weimar Hoforganist von Johann Ernst von Sachsen-Weimar und wurde am 2. März 1714 zum Konzertmeister ernannt. Damit ging die Aufgabe einher, monatlich eine geistliche Kantate in der Schlosskirche aufzuführen. Erschallet, ihr Lieder ist die dritte Kantate dieser Reihe, komponiert nach Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen. Die Dichtung wird Salomon Franck zugeschrieben, obwohl das Werk nicht in seinen gedruckten Werken zu finden ist. Doch mehrere Stilmerkmale – das Bibelwort als Rezitativ im zweiten Satz statt als Eingangschor, Arienfolgen ohne verbindendes Rezitativ, Dialoge im Duett – finden sich sämtlich in dieser Kantate. Das Uraufführungsmaterial ist erhalten und belegt, dass die Kantate in Leipzig 1724 wieder aufgeführt wurde. Bach revidierte sie dort ein weiteres Mal 1731. Eine Stimme für obligate Orgel anstelle von Oboe und Cello im fünften Satz existiert für eine noch spätere Aufführung. Alfred Dürr folgert: „Alle diese Änderungen zeigen, wie sehr Bach sich gerade um dieses Werk bemüht hat, das er […] besonders geliebt zu haben scheint.“

Der Eingangschor ist ein festlicher Konzertsatz, dessen Worte und Musik möglicherweise auf einer früheren verlorenen Glückwunschkantate basieren. Eine Ausgabe von Francks Werken enthält eine Kantate zu Neujahr Erschallet nun wieder, glückwünschende Lieder, die als Modell gedient haben mag. Der Satz ist in Da-capo-Form. Der erste Teil wird von Trompetenfanfaren eröffnet, die mit Koloraturen der Streicher abwechseln. Die Singstimmen setzen homophon ein und wiederholen sowohl die Fanfarenmotive als auch die Streicherfiguren. Der Höhepunkt wird erreicht in langgehaltenen Akkorden auf der ersten Silbe von „seligste Zeiten“, während die Instrumente die Fanfaren fortsetzen. Im Mittelteil pausieren die Trompeten, die Stimmen drücken in polyphoner Imitation den Gedanken aus „Gott will sich die Seelen zum Tempel bereiten“. In einer ersten Folge von der tiefsten zur höchsten Stimme setzt die nächste Stimme nach drei oder vier Takten ein, in einer zweiten Folge von den höchsten zu den tiefsten Stimme erfolgen die Einsätze noch dichter bereits nach einem oder zwei Takten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erschallet,_ihr_Lieder,_erklinget,_ihr_Saiten!
Weiteres kann man ebenda lesen.

Bei der Aufnahme dieser Kantate im März und April 1975 waren wieder die Frankfurter Kantorei und das Bach-Collegium Stuttgart sowie Eva Csapò, Sopran, Doris Soffel, Alt, Adalbert Kraus, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass an der Seite Helmuth Rillings, wie man in der Youtube-Sammlung durch Anklicken der Zeitangaben 00:00:00 – 00:16:37  nachhören kann:

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Kantate BWV 173, „Erhöhtes Fleisch und Blut“

Erhöhtes Fleisch und Blut (BWV 173) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den 2. Pfingsttag und führte sie wahrscheinlich am 29. Mai 1724 zum ersten Mal auf. Ihre Musik beruht vollständig auf der Köthener Glückwunschkantate Durchlauchtster Leopold, BWV 173a.

Bach komponierte die Kantate wahrscheinlich in seinem ersten Jahr in Leipzig für den 2. Pfingsttag und führte sie am 29. Mai 1724 zum ersten Mal auf. Er gestaltete sie aus sechs (von acht) Sätzen der Glückwunschkantate Durchlauchtster Leopold, BWV 173a, die er in Köthen komponiert hatte. Die Musik der Fassung von 1724 ist nicht erhalten, wohl aber eine Fassung von 1727.[1] Womöglich war die Fassung von 1724 ihrem Vorbild noch ähnlicher als die spätere. Der unbekannte Textdichter schrieb Parodien der sechs Sätze, darunter zwei Rezitative in den Sätzen 1 und 5. Bach benutzte die Sätze 6 und 7 des Vorbilds nicht in dieser Kantate, setzte jedoch Satz 7 ein Jahr später in Er rufet seinen Schafen mit Namen, BWV 175, ein.[2][3]

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Festtag waren Apg 10,16–21 LUT und Joh 3,16–21 LUT, das Treffen von Jesus und Nikodemus. In der Dichtung überwiegt ein allgemeines Lob auf die Güte Gottes. Die erste Strophe von Satz 4 ist eine Paraphrase auf den Anfang des Evangeliums, „Also hat Gott die Welt geliebt“, den Bach ein Jahr später für den Eingangschor seiner Kantate zum selben Anlass, Also hat Gott die Welt geliebt, BWV 68, einsetzte.

Bach wies den ersten Satz dem Tenor zu, statt Sopran in der Glückwunschkantate. Er änderte die Singstimme erheblich, schrieb jedoch keine neue Stimme, sondern trug die neue Fassung in die Stimme der weltlichen Vorlage ein. Die zweite Arie, Satz 3, wird vom Alt statt Bass gesungen. Satz 4 ist ein Duett, das drei Strophen in zunehmend reicherer Variation behandelt, die erste Strophe ist für Bass und Streicher in G-Dur, die zweite für Sopran eine Quinte höher in D-Dur mit zusätzlichen Flöten, die letzte für beide Stimmen, erneut eine Quinte höher in A-Dur und in lebhafterer Bewegung. Der Aufbau dieses Duetts ist in Bachs Kantatenschaffen einzigartig, die Steigerung auf mehreren Ebenen drückt die Erhöhung des Herrschers aus.[4] In der Barockzeit war es möglich, die Erhöhung des weltlichen Herrschers ohne Veränderung auf die Erhöhung Gottes zu übertragen.

Im letzten Satz erweiterte Bach ein Duett teilweise zur homophonen Vierstimmigkeit.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erh%C3%B6htes_Fleisch_und_Blut

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im September 1976 wiederum mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart auf, wobei folgende Solistinnen und Solisten mit von der Partie waren:
Judith Beckmann Sopran, Helen Watts, Alt, Adalbert Kraus, Tenor und Niklaus Tüller, Bass. Dies kann man durch Anklicken der Zeitzahlen bei Youtube nachhören: 00:16:40 – 00:32:23 nachhören:

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Kantate BWV 174, „Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte“

Ich liebe den Höchsten von ganzem Gemüte (BWV 174) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er schrieb sie in Leipzig für Pfingstmontag und führte sie am 6. Juni 1729 zum ersten Mal auf.

Bach komponierte die Kantate für Pfingstmontag. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Festtag waren Apg 10,16–21 LUT, die Predigt von Petrus für Cornelius, und Joh 3,16–21 LUT, „Also hat Gott die Welt geliebt …“ aus dem Treffen Jesu und Nikodemus. Der Kantatentext wurde von Picander verfasst und in seinem Jahrgang von Kantatentexten 1728 veröffentlicht. Neun seiner Texte aus diesem Jahrgang sind in Bachs Vertonung erhalten. Falls Bach mehr komponiert hat, gingen sie verloren.[1] In der ersten Arie betrachtet der Dichter den Beginn des Evangeliums und folgert, dass der Christ Gott Dank schuldet als Antwort auf seine Liebe. Im folgenden Rezitativ wird der Beginn des Satzes aus dem Evangelium kommentiert und zitiert. Die letzte Arie fordert die Gemeinde auf, das Heil zu ergreifen, das durch Gottes Liebe angeboten wird. Der Schlusschoral antwortet darauf mit der ersten Strophe von Martin Schallings Herzlich lieb hab ich dich, o Herr.[2]

Für die einleitende Sinfonia fügte Bach zu den neun Streicher-Solostimmen seines 3. Brandenburgischen Konzerts fünf Bläserstimmen hinzu. Er konnte so viele Spieler einsetzen, weil er begonnen hatte, das von Telemann gegründete Collegium musicum zu leiten, eine Bürgervereinigung von Musikinteressierten, deren Mitglieder auch bei Kirchenmusik mitwirkten.[1][3] Bach führte die Kantate am 6. Juni 1729 erstmals auf, er notierte das Jahr in der Partitur.[1]

Die Kantate beginnt mit einer gewichtigen Sinfonia, die Bach aus dem ersten Satz seines 3. Brandenburgischen Konzerts entwickelte, das er vermutlich bereits in Weimar komponiert hatte.[3] Er erweiterte den dichten Satz von neun solistischen Streichern um zwei Stimmen für Corno da caccia, zwei für Oboe, verdoppelt von Violinen, und eine für Taille, verdoppelt von Viola.[1]

In der ersten Arie führen zwei obligate Oboen Themen ein, die die Stimme aufnimmt. Das Rezitativ wird von den Streichern begleitet und erinnert an die Besetzung des Brandenburgischen Konzerts.[4] In der zweiten Aria sind die Violinen mit der Viola zu einem kraftvollen obligaten Part zusammengefasst.[3] Die Kantate wird beschlossen mit einem vierstimmigen Satz der bekannten Melodie, die Bach benutzte, um seine Johannes-Passion mit der dritten Strophe des Chorals zu beenden, „Ach Herr, laß dein lieb Engelein“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_liebe_den_H%C3%B6chsten_von_ganzem_Gem%C3%BCte

Helmuth Rilling nachm diese Kantate im Januar und April 1977 mit der Gächinger Kantorei und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn auf, wobie Julia Hamari, Alt, Aldo Baldin, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass, mitwirkten. Dies kann bei Youtube durch Anklicken der Zeitzahlenkombi 00:32:25 – 00:54:36 nachhören:

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Kantate BWV 175, „Er rufet seinen Schafen mit Namen“

Er rufet seinen Schafen mit Namen (BWV 175) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den 3. Pfingsttag und führte sie am 22. Mai 1725 zum ersten Mal auf.

Bach komponierte die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für den 3. Pfingsttag und führte sie am 22. Mai 1725 zum ersten Mal auf. In seinem zweiten Leipziger Amtsjahr hatte Bach vom ersten Sonntag nach Trinitatis bis Palmsonntag für seinen zweiten Kantatenzyklus konsequent Choralkantaten komponiert, war jedoch zu Ostern wieder zu Kantaten auf freierer Textgrundlage übergegangen. Dazu gehörten neun Kantaten auf Texte der Dichterin Christiana Mariana von Ziegler, darunter auch die Kantate zum 3. Pfingsttag, die Bach später seinem dritten Kantatenzyklus zuordnete.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Festtag waren Apg 8,14–17 LUT und Joh 10,1–10 LUT, das Treffen Jesu mit Nikodemus. Die Kantate behandelt zwei Themen, in den Sätzen 1 bis 4 den Guten Hirten und die Schafe, die seine Stimme hören, in den Sätzen 5 bis 7 diejenigen, die ihn nicht hören. Die Dichterin benutzt für sie die Formulierung „verblendete Vernunft“ und spricht damit die Tendenz der beginnenden Aufklärung an.[1] Die Kantate endet mit der neunten Strophe von Johann Rists O Gottes Geist, mein Trost und Ruh.

Das einleitende Bibelzitat wird vom Tenor gesungen, der Stimme des Evangelisten. Drei Blockflöten, Instrumente der Hirtenmusik, begleiten dieses Rezitativ „Er rufet seinen Schafen mit Namen und führet sie hinaus“.[1][2] Die Blockflöten geben auch der ersten Arie im 12/8-Takt charakteristische Farbe. Das folgende kurze Rezitativ fragt in dramatischer Erregung voller Dissonanzen, wie ein verlorenes Schaf nach seinem Hirten: „Wo find ich dich? Ach, wo bist du verborgen?“. Um die Erleichterung seiner ausgemalten Ankunft zu beschreiben, transponiert Bach den siebten Satz seiner Glückwunschkantate Durchlauchtster Leopold, eine ausgedehnte da capoBourrée mit obligaten Violoncello und Fagott unisono, um eine kleine Terz für ein fünfsaitiges Violoncello piccolo. Das Versmaß der Dichtung ist nicht darauf zugeschnitten, als ob Bach die Absicht der Parodie nicht mit der Dichterin abgestimmt hätte.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Er_rufet_seinen_Schafen_mit_Namen
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Mai und November 1981 au. Hier standen ihm wieder seine Stammformationen, die Gächinger Kantorei und das Bach-Cllegium, beide aus Stuttgart, zur Seite wie auch die solistischen Kräfte Carolyn Watkinson, Alt, Peter Schreier, Tenor und Philippe Huttenlocher, Bass. Dies kann man durch Anklicken der Zeitangaben 00:54:40 – 01:10:16 nachhören:

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Kantate BWV 176, „Es ist ein trotzig und verzagt Ding“

Es ist ein trotzig und verzagt Ding (BWV 176) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den Sonntag Trinitatis und führte sie am 27. Mai 1725 zum ersten Mal auf. Damit beendete er das zweite Jahr regelmäßiger Kantatenkompositionen für die Liturgie in Leipzig.

Bach schrieb die Kantate für Trinitatis. Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren Röm 11,33–36 LUT und Joh 3,1–15 LUT, das Treffen von Jesus und Nikodemus.[1] In seinem zweiten Leipziger Amtsjahr hatte Bach vom ersten Sonntag nach Trinitatis bis Palmsonntag für seinen zweiten Kantatenzyklus konsequent Choralkantaten komponiert, war jedoch zu Ostern wieder zu Kantaten auf freierer Textgrundlage übergegangen. Dazu gehörten neun Kantaten auf Texte der Dichterin Christiana Mariana von Ziegler, darunter diese letzte Kantate ihrer Zusammenarbeit. Bach ordnete sie später seinem dritten Kantatenzyklus zu.[1]

Die Dichterin entnahm den Ausgangspunkt ihrer Ideen der Beobachtung aus dem Evangelium, dass Nikodemus aus Furcht in der Nacht zu Jesus kam. Sie begann ihren Text mit der Paraphrase eines Satzes von Jeremia (Jer 17,9 LUT), der das Herz des Menschen von Widersprüchen geprägt schildert, und übertrug dies auf die Lage des Christen im Allgemeinen.[1] Sie fuhr fort mit dem Gedanken des Nikodemus, dass niemand handeln könnte wie Jesus, wenn Gott nicht mit ihm wäre. Als Schlusschoral wählte sie die achte Strophe von Paul Gerhardts Kirchenlied „Was alle Weisheit in der Welt“ (1653),[2] das auf die Melodie von „Christ unser Herr zum Jordan kam“ gesungen wird.[3]

Bach führte die Kantate am 27. Mai 1725 erstmals auf. Sie war die letzte Kantate seines zweiten Amtsjahres in Leipzig.[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Es_ist_ein_trotzig_und_verzagt_Ding
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling zeichnete diese Kantate mit seinen angestammten Ensembles im Dezember 1980 auf. Dabei waren folgende Solistinnen und Solisten beteiligt:
Inga Nielsen, Sopran, Carolyn Watkinson, Alt und Walter Heldwein Bass:

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 Kantate BWV 177, „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“

Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ (BWV 177)[1] ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, die er in Leipzig für den vierten Sonntag nach Trinitatis komponierte und zum ersten Mal am 6. Juli 1732 aufführte. Der Kantatentext setzt sich aus den fünf Strophen einer Hymne von Johannes Agricola zusammen.

Bach komponierte die Kantate in Leipzig erst 1732, um seinen zweiten jährlichen Kantatenzyklus von 1724/25 abzuschließen, dem eine Kantate für den vierten Sonntag nach Trinitatis fehlte, da dieser Sonntag 1725 das Mariä Heimsuchung im Jahr 1725 gewesen war und Bach dafür die Kantate Meine Seel erhebt den Herren, BWV 10 geschrieben hatte.

Die vorgeschriebenen Schriftlesungen für diesen Sonntag stammten aus dem Brief des Paulus an die Römer: „Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.“ (Römer 8,18–23 EU) und aus der Feldrede im Evangelium nach Lukas: Die Ermahnung, „barmherzig zu sein“, „nicht zu richten“ (Lukas 6,36–42 EU).

Der Kantatentext setzt sich aus den unveränderten fünf Strophen einer Hymne von Johannes Agricola (um 1530) zusammen, die eine Haupthymne für den Sonntag ist, die auch in Bachs Kantate Barmherziges Herze der ewigen Liebe, BWV 185, in Weimar geschrieben, verwendet wird. In Gelobet sei der Herr, mein Gott, BWV 129, das auch zur Vervollständigung des zweiten jährlichen Zyklus von Chorkantaten komponiert wurde, verwendete Bach auch die unveränderten Worte des Chors, die sich von den ursprünglich für den Zyklus komponierten Kantaten unterschieden.[2]

Ähnlich wie bei den meisten Choralkantaten handelt es sich beim Eröffnungschor um eine Choralfantasie, in der der Chor zeilenweise vorkommt und der Cantus firmus von der Sopranistin gesungen wird. Den meisten Zeilen gehen Notierungen der anderen Stimmen voraus, die unabhängig von der Choralmelodie Motive imitieren. In der sechsten Zeile wird das Imitationsmotiv aus dem Choral übernommen. In den beiden letzten Zeilen acht und neun treten die unteren Stimmen zusammen mit der Sopranistin ein. Die Vokalstruktur ist eingebettet in ein Konzert aus Solovioline und zwei Oboen, die den Cantus firmus als Colla parte mit Sopran, Streichinstrumenten und dem Generalbass spielen.[2]

Die drei Arien für die folgenden Strophen zeigen eine zunehmende instrumentelle Komplexität. Vers 2 wird nur von Generalbass begleitet, Vers 3 von Oboe da caccia, Vers 4 von der seltenen Kombination von Violine und Fagott. Der Musikwissenschaftler Julian Mincham beobachtet dies als eine „Reise von Unsicherheit und Zweifel zu Wärme und Akzeptanz und schließlich zu Freude und Jubel“.[3]

Im finalen Choral setzt Bach Verzierungen für die Ausdruckskraft ein.[3]
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im August 1980 und Mai 1981 auf, wobei ihm neben der Gächinger Kantorei und dem Bach Collegium Stuttgart folgende Silistinnen und Solisten zur Verfügung standen:
Arleen Auger, Sopran, Julia Hamari, Alt und Peter Schreier, Tenor:

Nachhören kann man das nach der Kantate BWV 176 (00:00-00:13:00) durch Anklicken derfolgenden Zahlenkombination
00:13:03 – 00:39:22 :

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Kantate BWV 178, „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält“

Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (BWV 178) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er schrieb die Choralkantate in Leipzig für den 8. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 30. Juli 1724 zum ersten Mal auf. Die achte Kantate seines zweiten Kantatenzyklus basiert auf dem Lied Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (1524) von Justus Jonas, einer Umdichtung von Psalm 124.[1]

Bach komponierte die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für den 8. Sonntag nach Trinitatis als achte Kantate in seinem 2. Jahreszyklus, den er am ersten Sonntag nach Trinitatis mit O Ewigkeit, du Donnerwort BWV 20, begonnen hatte.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren als Epistel Röm 8,12–17 LUT, „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“, und als Evangelium Mt 7,15–23 LUT, ein Abschnitt aus der Bergpredigt, die Warnung vor falschen Propheten. Dem Werk liegt das gleichnamige Lied in acht Strophen von Justus Jonas zugrunde.

Der Mitarbeiter Luthers dichtete Psalm 124 um, das Lied wurde 1524 im Erfurter Enchiridion veröffentlicht.[2] Das Thema des Psalms, die Not angesichts tobender Feinde, passt zum Evangelium. Verglichen mit anderen Choralkantaten des Zyklus wurden mit sechs von acht Strophen ungewöhnlich viele im Originaltext belassen. Allerdings ergänzte ein unbekannter Dichter die 2. und die 5. Strophe durch Rezitative. Die 3. und die 6. Strophe dichtete er zu Arien um. Dabei ging er in der letzten Arie über den Satz „Vernunft kann das nicht fassen“ des Reformators hinaus und formulierte einen Einwand gegen den Rationalismus, indem er der „taumelnden Vernunft“ gebot zu schweigen.[3]

Bach führte die Kantate erstmals am 30. Juli 1724 auf. Johann Nikolaus Forkel lieh sich das Manuskript von Bachs Choralkantaten von dessen Sohn Friedemann aus und kopierte daraus zwei der Kantaten, neben dieser Kantate auch Es ist das Heil uns kommen her, BWV 9.[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Wo_Gott_der_Herr_nicht_bei_uns_h%C3%A4lt,_BWV_178
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Februar 1972 und im Februar 1982 auf mit dem Stammchor und -orchester sowie Gabriele Schreckenbach, Alt, Kurt Equiluz, Tenor, Aldo Baldin, dito (Nr.5) und Wolfgang Schöne Bass. Dies kann mand durch Anklicken der Zahlenkombination 00:39:24 – 01:02:00 nachhören:

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Kantate BWV 179, „Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“

Siehe zu, daß deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, BWV 179, ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, geschrieben 1723 in Leipzig für den elften Sonntag nach Trinitatis, den 8. August 1723.

Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig, das er am ersten Sonntag nach Trinitatis begonnen hatte, für den elften Sonntag nach Trinitatis, den 8. August 1723. Alfred Dürr vermutet, dass im selben Gottesdienst auch Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199, komponiert für denselben Anlass in Weimar, aufgeführt wurde.[1] Die vorgeschriebenen Lesungen sind 1 Kor 15,1–10 LUT und Lk 18,9–14 LUT, das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Der unbekannte Kantatendichter hielt sich eng an die Lesung und zeigte Gelehrsamkeit durch Anspielungen auf viele Bibelstellen. Der Eingangschor vertont Sir 1,29 LUT. Der Schlusschoral ist die erste Strophe von Ich armer Mensch, ich armer Sünder von Christian Tietze (1663).[1]

Im Eingangschor verdoppeln die Instrumente in motettischer Weise die Stimmen. Die Worte sind in strenger Gegenfuge gesetzt, auf jeden Themeneinsatz folgt einer in der Umkehrung. Die Folge wird beschlossen mit einem Quintkanon auf ein neues Thema, das die Worte und diene Gott nicht mit einem falschen Herzen chromatisch ausdeutet. Es folgt ein zweiter Fugenabschnitt mit Engführungen.

Ein Secco-Rezitativ bereitet die erste Arie vor. Die beiden Oboen und die erste Violine begleiten den Tenor in synkopischen Motiven, die die Singstimme im ersten Teil selbst aufnimmt. Es ist keine Da-capo-Arie, nur das Eingangs-Ritornell wird zum Schluss wiederholt. Die letzten Worte des zweiten Rezitativs enden wie ein Arioso, um hervorzuheben: So kannst du Gnad und Hilfe finden!. Die Sopran-Arie ist ein Gebet, Liebster Gott, erbarme dich, begleitet von den beiden Oboen da caccia in flehender Gebärde.

Der Schlusschoral wird auf die Melodie von Wer nur den lieben Gott läßt walten gesungen, die Bach auch in seiner gleichnamigen Choralkantate, BWV 93 verwendete.[1]

Bach benutzte die Musik des Eingangschors später für das Kyrie seiner Missa G-Dur BWV 236. Die beiden Arien verwendete er für Quoniam, ebenfalls in der Missa G-Dur, und Qui tollis im Gloria seiner Missa A-Dur BWV 234.[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Siehe_zu,_da%C3%9F_deine_Gottesfurcht_nicht_Heuchelei_sei
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Febrauer 1974 auf, wobei ihm neben seinen Stammformationen folgende Sängerin und folgende Sänger zur Seite standen:
Arleen Auger, Sopran, Kurt Equiluz, Tenor und Wolfgang Schöne, Bass. Dies kann  in der Youtube-GA durch Anklicken der folgenden Zahlhenkombination nachgehört werden: 00:00:00 – 00: 16:46

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Kantate BWV 180, „Schmücke dich, o liebe Seele“

Schmücke dich, o liebe Seele (BWV 180), ist eine Choralkantate von Johann Sebastian Bach.

Die Kantate wurde für den 20. Sonntag nach Trinitatis komponiert und am 22. Oktober 1724 in Leipzig zum ersten Male aufgeführt. Sie basiert auf dem gleichnamigen Kirchenlied von Johann Franck aus dem Jahre 1649, dessen 1., 4. und 9. Strophe wörtlich beibehalten sind. Ein unbekannter Dichter formulierte die anderen Strophen zu Arien und Rezitativen um. Die Kantate fordert insbesondere im zweiten Satz einen versierten Flötensolisten. Die zeitliche Nähe der Entstehung weiterer anspruchsvoller Flötenpartien lässt vermuten, dass Bach im Herbst 1724 einen herausragenden Solisten zur Verfügung hatte. Es wird vermutet, dass dies der damals bekannte französische Flötist Pierre-Gabriel Buffardin gewesen sein könnte, der im Orchester in Dresden angestellt war und sich möglicherweise für einige Wochen in Leipzig aufhielt.

Die wörtlich verwendeten Strophen des Franck’schen Abendmahlsliedes sowie die nah bei der Vorlage bleibenden Umdichtungen handeln von der Sehnsucht des Gläubigen nach der Vereinigung mit Christus im Sakrament, vom Erschrecken des Sünders vor dessen Heiligkeit und von der Freude und Dankbarkeit nach dem Empfang von Christi Leib und Blut. In immer neuen mystischen Bildern wird die lutherische Abendmahlslehre entfaltet.

Die Grundstimmung des Werkes ist ausgesprochen heiter und freudig. Dies wird durch die Verwendung tanzähnlicher Formen verstärkt, wie etwa im Eingangschor mit seinem bewegten 12/8-Takt. Auffallend ist bei diesem in Art einer Sinfonia angelegten ersten Satz, dass er bedeutenden Raum für das Orchesterspiel bietet und die Flöten und Oboen imitatorisch in Gruppen dialogisieren lässt. Dabei agiert die von den Orchesterinstrumenten gespielte Melodie von der durch den Sopran vorgetragenen Liedmelodie völlig unabhängig. Der auffordernde Charakter der folgenden Tenorarie wird von einer virtuosen Querflöte umspielt. Auch die Sopranarie des 5. Satzes trägt zur heiter-tänzerischen Grundstimmung dieser weniger bekannten Kantate bei.

Das Original-Manuskript der Kantate befindet sich im Besitz der Internationalen Bachakademie Stuttgart.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schm%C3%BCcke_dich,_o_liebe_Seele,_BWV_180
Weiteres kann man ebenda lesen.

Diese Kantate nahm Helmuth Rilling im Februar und Oktober 1979 auf. Dabei standen ihm wiederum die Gächinger Kantorei und das Bach Collegium Stuttgart und folgende Solistinnen und Solisten zur Verfügung:
Arleen Auger, Sopran, Darolyn Watkinson, Alt, Adalbert Kraus, Tenor und Walter Heldwein, Bass: Man kann diese Kantate auf Youtube anhören durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination: 00:16:49 – 00:40:01 :

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Kantate BWV 181, „Leichtgesinnte Flattergeister“

Leichtgesinnte Flattergeister (BWV 181) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den Sonntag Sexagesimae und führte sie am 13. Februar 1724 erstmals auf.

Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Amtsjahr in Leipzig für den Sonntag Sexagesimae, den zweiten Sonntag vor Aschermittwoch. Er hatte für den Anlass bereits für den Hof in Eisenach die Kantate Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt komponiert. Es scheint wahrscheinlich, dass 1724 beide Werke im Gottesdienst aufgeführt wurden, eins vor, eins nach der Predigt.[1] Die vorgeschriebenen Lesungen waren 2 Kor 11,19 LUT2 Kor 12,9 LUT, „Gott ist in den Schwachen mächtig“, und Lk 8,4–15 LUT, das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. Der Kantatentext eines unbekannten Dichters lehnt sich eng an das Evangelium an. Die Hindernisse für das Aufgehen der Saat, Felsen und Dornen, werden durch weitere Bibelstellen ergänzt, zum Beispiel einen Hinweis auf Mose, der Wasser aus dem Felsen schlägt, (Ex 17,6 LUT) und auf den Fels vor dem Grab Jesu.(Mt 28,2 LUT). Die Kantate wird nicht durch einen Choral abgeschlossen, sondern durch einen Chorsatz, ein Gebet darum, dass das Wort Gottes in uns auf fruchtbaren Boden fallen möge.[2]

Bach führte die Kantate am 13. Februar 1724 erstmals auf. Er führte sie mindestens ein weiteres Mal zwischen 1743 und 1746 auf. Dann erst fügte er zwei Holzbläserstimmen hinzu.[3]
Die Kantate ist besetzt mit vier Vokalsolisten, Sopran, Alt, Tenor, Bass, vierstimmigem Chor, Trompete, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. In einer späteren Fassung ergänzte Bach Stimmen für Flauto traverso und Oboe.

Die Kantate besteht aus fünf Sätzen, zweimal einer Folge von Arie und Rezitativ, beschlossen durch einen Chorsatz. Eine solche Abfolge, die auf einen krönenden Chor zusteuert, ist typisch für weltliche Kantaten. Sehr wahrscheinlich beruht der Chor auf einem weltlichen Vorbild aus der Köthener Zeit,[3] möglicherweise sind auch andere Sätze Parodien von unbekannter weltlicher Musik.[3] Die Stimmen für Flöte und Oboe fügte Bach erst bei einer späteren Aufführung hinzu.[1] Ein charakteristisches Motiv in staccato-Sprüngen beherrscht den ersten Satz. Es wird von den Instrumenten vorgestellt und dann von der Stimme übernommen. Es illustriert die Flattergeister, sowohl die Vögel, von denen das Evangelium spricht, als auch die leichtfertigen Menschen. Der zweite Teil erwähnt Belial, dessen böses Eingreifen in der Literatur oft erwähnt wird, zum Beispiel in Miltons Paradise Lost.[1] Beide Teile der Arie werden wiederholt, bereits nach vier Takten einer vermeintlichen Reprise beginnt eine abgewandelte Wiederholung des zweiten Teils. Das folgende Rezitativ betont den Text „Es werden Felsenherzen … ihr eigen Heil verscherzen“ als Arioso. Das Bild des zerbrechenden Felsens wird durch eine unregelmäßig abwärts führende Passage im continuo dargestellt. Der Tenor-Arie fehlt wahrscheinlich die Stimme für eine obligate Violine.[2] Der letzte Satz, den die Trompete dominiert, strahlt nach Alfred Dürr „fröhliche Unkompliziertheit“ aus. Sein Mittelteil ist ein Duett von Sopran und Alt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Leichtgesinnte_Flattergeister
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling spielte diese Kantate im Januar und Februar 1974 und im Febraur 1982 mit seinem Stammpersonal und foldenden Solistinnen und Solisten ein:
Arleen Auger, Sopran, Gabriele Schnaut Sopran (Nr. 2), Gabriele Schreckenbach, Alt, Kurt Equiluz, Tenor und Niklaus Tüller, Bass. Dies kann in Youtube durch Anklicken der folgenden Zahlenkombi nachgehört werden: 00:40:03 – 00:53:47 :

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Kantate BWV 182, „Himmelskönig, sei willkommen“

Himmelskönig, sei willkommen (BWV 182) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach.

Mit der Ernennung Bachs zum Konzertmeister am Hof von Weimar war für ihn die Verpflichtung verbunden, pro Monat eine neue Kantate zu komponieren. Die Kantate „Himmelskönig sei willkommen“ gilt nach heutigem Wissensstand als die erste seiner Kantaten in dieser neuen Rolle; sie wurde am Palmsonntag, 25. März 1714, in der Weimarer Schlosskapelle uraufgeführt. Über seine Rolle bei der Aufführung mag man unterschiedlicher Auffassung sein:

„Es war darum nur angemessen, wenn er sich bei der Aufführung seiner ersten Kantate unter neuen Bedingungen gleichzeitig als Komponist, Konzertmeister und Soloviolinist präsentierte. Die führende Rolle der konzertierenden Geige im ersten Satz […] ist vom allerersten Takt an unverkennbar; das gleiche gilt für die erste Arie (Nr. 4)“

Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. 2. Auflage. 2007, ISBN 978-3- 596-16739-5, S. 172 f.

„Wenn Bach jedoch in seiner ersten Komposition als Konzertmeister […] eine seiner repräsentativsten Blockflötenpartien überhaupt vorsah und eine solche in den Weimarer Kantaten nicht wiederkehrt, ist durchaus zu erwägen, ob sich der neue Ensembleleiter damit selbst vorgestellt haben könnte.“

Siegbert Rampe (Hrsg.): Bachs Orchester- und Kammermusik, Teilband I, 2013, ISBN 978-3-89007-797-0, S. 79

Als Textdichter wird aufgrund des Stils Salomon Franck angenommen, der zu dieser Zeit hauptsächlich für den Weimarer Hof tätig war, wenn es auch hierfür keinen eindeutigen Beleg gibt.

Gemäß der Bestimmung zum Palmsonntag thematisiert die Kantate Jesu Einzug in Jerusalem und den Beginn der Karwoche. Der gläubige Christ wird aufgefordert, als Dank für das von Jesus gebrachte Opfer dem Gottessohn sein Herz zu widmen und auch im Leiden zu Jesus zu stehen.

Das Werk markiert den Beginn des Übergangs des Komponisten vom traditionellen Choralkonzert als Kantatentypus des 17. Jahrhunderts zu den modernen, hauptsächlich von italienischen Einflüssen geprägten Kantatenformen. Auf den alten Stil weist die schlichte Besetzung mit Blockflöte und kleinem Ensemble hin, sowie die untergeordnete Rolle des Rezitativs, das in diesem Werk nur einmal und sehr kurz in Form eines Bibelwortes vorkommt. Dem neuen Stil entspricht die von den Italienern inspirierte Führung der Solovioline und die ausgeprägte Rolle der drei aufeinanderfolgenden kontemplativen Arien in Da-capo-Form. Insgesamt gelingt es dem noch jungen Bach, in eindrücklicher Weise mit unterschiedlichsten musikalischen Mitteln den Sinn des Textes – auch einzelner Wörter – darzustellen. Er bedient sich dabei der hauptsächlich aus der italienischen Oper stammenden musikalischen Formeln für typische Affekte. Beispielhaft hierfür sind die im Schlusschorus vorkommenden Mollharmonien auf das Wort „Leiden“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsk%C3%B6nig,_sei_willkommen
Weiteres kann man ebenda lesen.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Januar 1975 mit der Gächinger Kantoreiund dem Bach-Collegium Stuttart sowie Doris Soffel, Alt, Aldo Baldin, Tenor und Philippe Huttenlocher, Bass auf, und dies kann durch Anklicken der Zahlenkombination
00:00:00 – 00:29:19 : bei Youtube nachgehört werden:

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Kantate BWV 183 „Sie werden euch in den Bann tun“

Sie werden euch in den Bann tun (BWV 183) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für Exaudi, den Sonntag nach Himmelfahrt, und führte sie am 13. Mai 1725 erstmals auf.

Mit demselben Bibelwort beginnt eine weitere Kantate Bachs zum gleichen Anlass aus dem Jahr 1724, die als BWV 44 geführt wird.

Bach schrieb die Kantate in seinem zweiten Jahr in Leipzig für den Sonntag Exaudi und führte sie am 13. Mai 1725 erstmals auf. In seinem zweiten Jahr in Leipzig hatte Bach vom ersten Sonntag nach Trinitatis bis zum Palmsonntag in seinem zweiten Kantatenzyklus konsequent Choralkantaten komponiert, war jedoch zu Ostern wieder zu Kantaten auf freierer Textgrundlage übergegangen. Dazu gehörten neun Kantaten auf Texte der Dichterin Christiana Mariana von Ziegler, auch die Kantate für Exaudi. Später ordnete Bach sie wie die meisten der neun seinem dritten Kantatenzyklus zu.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Festtag waren 1 Petr 4,8–11 LUT und Joh 15,26 LUT bis Joh 16,4 LUT aus den Abschiedsreden Jesu, die Verheißung des Heiligen Geistes als Beistand und die Ankündigung von Verfolgung. Die Dichterin beginnt die Kantate mit demselben Bibelzitat aus Joh 16,2 LUT, das bereits ein Jahr zuvor im Text eines unbekannten Dichters für die Kantate BWV 44 aus gleichem Anlass verwendet wurde. Sie betont die Furchtlosigkeit, die einem Menschen möglich ist, der sich auf „Jesu Schutzarm“ verlässt. In den Sätzen 2 und 3 verweist sie auf den angekündigten Beistand. Der Schlusschoral ist die fünfte Strophe von Paul Gerhardts Zeuch ein zu deinen Toren.

Bach weist das Jesus-Wort des Anfangs, „Sie werden euch in den Bann tun, es kömmt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst daran“ (Joh 16,2 LUT nach der Ausgabe letzter Hand), dem Bass als der Vox Christi (Stimme Christi) zu, während er die beiden Sätze des Verses ein Jahr zuvor als zweiteiligen Satz gestaltet hatte, als ein Duett, dem ein erregter Chorsatz gegenübergestellt war. In dieser Kantate setzt er das Bibelzitat als ein Rezitativ von nur fünf Takten. Es wird bedeutungsvoll von zwei Oboi da caccia und zwei Oboi d’amore über einem Orgelpunkt des continuo begleitet. In der ersten Arie, die die Furcht vor den Schrecken des Todes verneint, spielt ein Violoncello piccolo unablässige Läufe. Satz 3 ist erneut ein recitativo accompagnato, dessen Begleitung Bach noch komplexer gestaltet hat: Die Streicher halten Akkorde lange, während die Oboen abwechselnd ein Motiv aus vier Noten wiederholen, das vom Alt auf die Worte „Ich bin bereit“ gesungen wird. Die zweite Arie wird von den Streichern und den Oboi da caccia unisono begleitet, dadurch erhalten beide Arien eine Färbung durch Instrumente im tiefen Register. Die Kantate wird beschlossen durch einen vierstimmigen Satz auf die Melodie Helft mir Gotts Güte preisen.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Sie_werden_euch_in_den_Bann_tun,_BWV_183
Weiteres kann ebenda gelesen werden.

Helmuth Rilling nahm diese Kantate im Dezember 1980 sowie im März und November 1982 auf, wobei ihm neben seinen Stammformationen Arlee Auger, Sopran, Julia Hamari, Alt, Peter Schreier, Tenor und Walter Heldwein, Bass, zur Verfügung standen. Dies kannin Youtube durch Anklicken der folgenden Zahlenkombination nachgehört werden: 00:29:20-00:43:50 :

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