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Der Mond im Kunstlied

Seite 1 von 3Nächste

Hallo

Es ist schon erschreckend. Nachdem ich Lust hatte, mich mit Liedern zu beschäftigen, die sich um den Mond drehen, entschloss ich mich, diesen Thread zu eröffnen. Zu Beginn wollte ich einige Sätze über die Bedeutung des Mondes für die deutsche Romantik schreiben. Als ich anfing, mir ein paar Stichworte zu besorgen, hatte ich die Idee, die künstliche Intelligenz zu befragen. Hier das Ergebnis:

In der deutschen Romantik spielte der Mond eine zentrale Rolle und wurde oft als faszinierendes und symbolträchtiges Element betrachtet. Die Romantiker empfanden eine starke Affinität zum Mond und interpretierten seine Erscheinung auf vielfältige Weise:

  1. Symbol der Sehnsucht: Der Mond wurde als Symbol der unerfüllten Sehnsucht betrachtet, da er weit entfernt am Himmel stand und unerreichbar schien, was das romantische Streben nach Unendlichkeit und Transzendenz widerspiegelte.

  2. Verbindung zur Natur: In der Naturverbundenheit der Romantik wurde der Mond als Teil der natürlichen Ordnung betrachtet. Seine Verbindung zu den Gezeiten und dem Zyklus der Natur unterstrich die Harmonie zwischen Mensch und Umwelt.

  3. Quelle der Inspiration: Die romantischen Dichter fanden im Mond eine inspirierende Kraft für ihre lyrischen Werke. Seine mysteriöse Schönheit und geheimnisvolle Aura dienen als Quelle der Kreativität.

  4. Spiegel der Seele: Der Mond wurde oft mit menschlichen Emotionen in Verbindung gebracht und galt als Spiegel der menschlichen Seele. Seine wechselnden Phasen wurden als Metapher für das Auf und Ab der Gefühle betrachtet.

  5. Mystische Bedeutung: Die Romantiker waren von der Mystik des Mondes fasziniert und sahen in ihm ein Tor zu einer verborgenen Welt voller Geheimnisse und Mythen.

  6. Gegensatz zur Rationalität: In Zeiten der Aufklärung und Vernunft verkörperte der Mond für die Romantiker das Irrationale und Unbegreifliche, das der rationalen Welt entgegenstand.

  7. Überwältigendes Gefühl der Ehrfurcht: Die Romantiker empfanden eine tiefe Ehrfurcht vor der Größe des Mondes und seiner Position im Universum, was sie mit einem Gefühl der Demut erfüllte.

  8. Schönheit und Melancholie: Die romantische Literatur beschrieb den Mond oft in Verbindung mit einer melancholischen Stimmung, die zugleich eine ästhetische Schönheit offenbarte.

  9. Nacht und Traumwelten: Der Mond war eng mit der Nacht und den Traumwelten verbunden. Die Dunkelheit der Nacht ermöglichte es den Romantikern, in imaginäre Sphären einzutauchen.

  10. Motiv in Kunst und Musik: Die Mondsymbolik fand ihren Platz in der romantischen Kunst und Musik, wo er in Gemälden, Gedichten und Liedern häufig als zentrales Thema erschien.

Insgesamt verkörperte der Mond in der deutschen Romantik eine facettenreiche Bedeutung, die von romantischer Sehnsucht über Naturverbundenheit bis hin zu mystischen Elementen reichte und so einen wichtigen Teil der romantischen Weltanschauung ausmachte.

Lasst uns doch Lieder zusammen tragen, die sich mit dem Mond beschäftigen.

Den Anfang mache ich mit Franz Schuberts „Der Mond D 193“ in der Interpretation von Tilman Lichdi und seiner Schwägerin Anette Fischer-Lichdi:

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Gruß und gute Nacht

Wolfgang

 

 
 

Eichendorff hat hier den Mond namentlich zwar nur im Titel erwähnt, beschreibt jedoch eindrucksvoll seine Wirkung ????

Mondnacht

Es war, als hätt‘ der Himmel,
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Rolf Martinsson (*1956, Schweden): Mondnacht

https://youtu.be/nodHJTKL1I8

Und hier noch eine interessante Wirkung in einem lustigen Comic ????

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Franz Schubert:  Am Fenster, Op. 105 No. 3, D. 878 · Dietrich Fischer-Dieskau · Hartmut Höll

„Am Fenster“, op.105,3, D 878

Ihr lieben Mauern, hold und traut,
die ihr mich kühl umschließt,
und silberglänzend niederschaut,
wenn droben Vollmond ist.
Ihr saht mich einst so traurig da,
mein Haupt auf schlaffer Hand, –
als ich in mir allein mich sah,
und keiner mich verstand.

Jetzt brach ein ander Licht heran:
Die Trauerzeit ist um:
Und manche ziehn mit mir die Bahn
durch’s Lebensheiligtum.
Sie raubt der Zufall ewig nie
aus meinem treuen Sinn:
In tiefster Seele trag‘ ich sie, –
da reicht kein Zufall hin.

Du Mauer wähnst mich trüb‘ wie einst
das ist die stille Freud‘;
Wenn du vom Mondlicht widerscheinst,
wird mir die Brust so weit.
An jedem Fenster wähn‘ ich dann
ein Freundeshaupt, gesenkt,
das auch so schaut zum Himmel an,

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Der hinter den Wolken schleichende Mond beschwört hier eine den Wanderer verwirrende Traumwelt herauf. Ebenfalls von Eichendorff.

Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal,
Erwacht die Nachtigall,
Dann wieder alles grau und stille.
.
O wunderbarer Nachtgesang,
Von fernem Land der Ströme Gang,
Leis schauern in den dunklen Bäumen –
Wirrst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.
.
Richard Dünser: Nachts

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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Hallo

Paul Verlaines „Clair de lune“ wurde vielfach vertont. So beispielsweise von Gabriel Fauré.

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CLAIR DE LUNE 

Votre âme est un paysage choisi
Que vont charmants masques et bergamasques,
Jouant du luth et dansant, et quasi
Tristes sous leurs déguisements fantasques!

Tout en chantant sur le mode mineur
L′amour vainqueur et la vie opportune.
Ils n’ont pas l′air de croire à leur bonheur,
Et leur chanson se mêle au clair de lune,

Au calme clair de lune triste et beau,
Qui fait rêver, les oiseaux dans les arbres,
Et sangloter d’extase les jets d’eau,
Les grands jets d′eau sveltes parmi les marbres
 
Gruß Wolfgang

Schubert: Rosamunde, D.797 – Romance: „Der Vollmond strahlt auf Bergeshöh’n

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Romanze „Der Vollmond strahlt“

Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn –
Wie hab ich dich vermisst!
Du süsses Herz! es ist so schön,
Wenn treu die Treue küsst.

Was frommt des Maien holde Zier?
Du warst mein Frühlingsstrahl!
Licht meiner Nacht, o lächle mir
Im Tode noch einmal!

Sie trat hinein beim Vollmondschein,
Sie blickte himmelwärts:
„Im Leben fern, im Tode dein!“
Und sanft brach Herz an Herz.

Vielleicht ist der folgende Text, mit der Überschrift „Abendlied“, nach dem Gedicht von Matthias Claudius,  als Volkslied allen bekannt, es ist aber über 70 mal vertont worden, unter anderem von Franz Schubert unter der Werknummer D.499:

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
Die gold’nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön:
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil uns’re Augen sie nicht seh’n.

Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott lass‘ dein Heil uns schauen,
Auf nichts Vergänglich’s trauen,
Nicht Eitelkeit uns freu’n!
Lass‘ uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Woll’st endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und wenn du uns genommen,
Lass‘ uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon‘ uns, Gott! mit Strafen
Und lass‘ uns ruhig schlafen!
Und uns’ren kranken Nachbarn auch!

Fietrich Fischer-Dieskau singt in dieser Aufnahme allerdings nur die Strophen 1 bis 3:

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Liebe Grüße

Willi????

 

Das von Wolfgang vorgestellte Gedicht „Clair de lune“ von Paul Verlaine finde ich eindrucksvoll und habe versucht, es in die Sprache von Goethe zu übersetzen:

Deine Seele ist eine reizende Landschaft,
wo bezaubernde Schauspieler
Laute spielend tanzen und dennoch
traurig sind in ihren wunderlichen Verkleidungen.

Beim Singen im Moll-Modus
erobern sie die Liebe und das schöne Leben,
doch sie scheinen nicht an ihr Glück zu glauben,
sondern verflechten weinend ihre Lieder mit dem Mondlicht.

Im ruhigen Mondlicht, traurig-schön,
träumen die Vögel hoch in den Bäumen.
Wasserstrahlen schluchzen mit Gefühlsaufwallungen
im schlanken Brunnen inmitten von Marmorstatuetten.

Das Motiv inspirierte außerdem den dritten Satz der Suite bergamasque für Klavier von Claude Debussy. Hier ist er, instrumentiert von André Caplet:

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gunhild hat auf diesen Beitrag reagiert.
gunhild
"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Vom Mond (Luna) ist auch die Rede in einem Wiegenlied, das häufig Mozart zugeschrieben wird, aber von Bernhard Flies komponiert wurde. Der Text stammt von Friedrich Wilhelm Gotter. Der Originaltext lautet lediglich:
Schlafe mein Prinzchen. es ruhn
Schäfchen und Vögelchen nun, 
Gärten und Wiesen verstummt, 
auch nicht ein Bienchen mehr summt.
Luna mit silbernem Schein
Gucket zum Fenster herein.
Schlafe beim silbernen Schein, 
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein

In Folgenden singt Rita Streich eine um weitere Strophen ergänzte Fassung

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Ich bin zwar kein Prinzchen (oder nicht mehr), aber jetzt mache ich mich auch bettreif. Vielleicht singt mir meine Frau ja das Schlafliedchen.

Liebe Grüße
Gerhard

gunhild hat auf diesen Beitrag reagiert.
gunhild

Hallo

 

Ich möchte nicht versäumen, die Namensgeberin dieses Threads vorzustellen. Unsere anderthalbjährige Havaneserhündin Luna.

Gruß Wolfgang

Hochgeladene Dateien:
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Ach wie schön, Frl. Luna am Steuer, hübsches Mädel.

Ich hätte ein schönes Beispiel, allerdings aus einer Operette, passt hier leider nicht hin. Titel „Frau Luna“, oder aus „Eine Nacht in Venedig“ (obwohl es eigentlich ja auch ein Lied ist)

Oder auch aus Rusalka…. 🙁

musika

Hallo Erika

Ganz so eng wollen wir es nicht sehen. Lediglich für Opernarien würde ich das Thema nicht gerne öffnen, da dort der Fundus so groß wäre, dass er möglicherweise das Lied überlagern würde.

Stelle es also gerne ein.

Gruß Wolfgang

Hallo

Ich stelle derweil „O, wenn des Mondes Strahlen“ aus Arnold Schönbergs Gurreliedern ein. Hier mit Melanie Diener und dem legendären Michael Gielen der das SWR-Symphonieorchester leitet.

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Gruß Wolfgang

Gut, dann habe ich hier zwei Beispiele, ein Kunstlied und mit dem fast gleichen Text ein Lied aus der Operette „eine Nacht in Venedig“, das der Herzog der schönen Barbara singt.

Hugo Wolf, italienisches Liederbuch No.7

Der Mond hat eine schwere Klag‘ erhoben
Und vor dem Herrn die Sache kund gemacht:
Er wolle nicht mehr stehn am Himmel droben,
Du habest ihn um seinen Glanz gebracht.
Als er zuletzt das Sternenheer gezählt,
Da hab‘ es an der vollen Zahl gefehlt;
Zwei von den schönsten habest du entwendet:
Die beiden Augen dort, die mich verblendet.

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Das Lied aus der Operette von J. Strauss, eine Nacht in Venedig, mit fast identischem Text:

Der Mond hat schwere Klag‘ erhoben
Und vor Gericht es kund gemacht:
Er will nicht länger stehn da oben,
du hast ihn um den Glanz gebracht.
Als er die Sterne jüngst gezählt,
hat’s an der vollen Zahl gefehlt.
Denn zwei von den schönsten nahmst du fort,
es sind die beiden Augen dort.

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musika

 

 

 

Noch ein Lied aus der Operette Frau Luna, von Paul Lincke

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musika

Und noch ein Lied in dem der Mond mitspielt: Schuberts Ständchen aus Schwanengesang, hier mit Dietrich Fischer-Dieskau, Text von Ludwig Rellstab:
Leise flehen meine Lieder 
durch die Nacht zu dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm zu mir!

Flüsternd schlanke Wipfel rauschen
in des Mondes Licht,
des Verräters feindlich Lauschen
fürchte, Holde, nicht.

Hörst die Nachtigallen schlagen?
Ach! sie flehen dich.
mit der töne süßem Klagen
flehen sie für mich.

Sie verstehn des Busens Sehnen, 
kennen Liebesschmerz, 
rühren mit den Silbertönen
jedes weiche Herz.

Lass auch dir die Brust bewegen,
Liebchen, höre mich,
Bebend harr ich dir entgegen!
Komm, beglücke mich!

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Liebe Grüße
Gerhard

 

Ein gewisser Herr Morgenstern möchte den Mond kaufen ????
.
Der Mond steht da
wie ein alter van Dyck:
ein rundes, gutmütiges
Holländergesicht
mit einer mächtigen,
mühlsteinartigen,
crêmefarbenen
Halskrause.
Ich möcht ihn
wohl kaufen,
den alten van Dyck!
Aber ich fürchte,
er ist im Privatbesitz
des Herrn Zebaoth.
Ich müsste den Ablass
wieder in Schwang bringen!
Vielleicht ließ er ihn
dafür mir ab . . .
Hm.
Hm.
.
Erich Zeisl: Der Mond steht da

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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Schubert hat in einer Reihe von Liedern den Mond miteingebunden, hier z.B. „Nachtstück“ zum Text von Johann Mayrhofer: 

Wenn über Berge sich der Nebel breitet,
und Luna mit Gewölken kämpft,
so nimmt der Alte seine Harfe und schreitet,
und singt waldeinwärts und gedämpft:
Du heilge Nacht!
Bald ists vollbracht.

Bald schlaf ich ihn, den langen Schlummer,
der mich erlöst von allem Kummer.

Die grünen Bäume rauschen dann:
Schlaf süß, du guter, alter Mann;
die Gräser lispeln wankend fort:
Wir decken deinen Ruheort;

und mancher liebe Vogel ruft:
„o lasst ihn ruhn in Rasengruft!“
Der Alte horcht, der Alte schweigt,
der Tod hat sich zu ihm geneigt.

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Liebe Grüße
Gerhard

Vielen Dank an alle, die hier eifrig Lieder einstellen!

Wir bleiben bei Franz Schubert. Ich stelle eine sehr alte Aufnahme von „Der Wanderer an den Mond“ ein. Gesungen von dem Ravensburger Karl Erb. 

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Der Wanderer an den Mond
Johann Gabriel Seidl

Ich auf der Erde, am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wohl sein?

Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Bergauf, bergab, Wald ein, Wald aus,
Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.

Du aber wanderst auf und ab
Aus Ostens Wieg‘ in Westens Grab,
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.

Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland:
O glücklich, wer, wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht!

 
Gruß Wolfgang

Das folgende Lied geht einem ähnlichen Gedanken nach wie „Der Wanderer an den Mond“: über den Mond winkt uns die Heimat bis weit in die Fremde:

In fremdem Lande lag ich.
Weißen Glanz malte der Mond
vor meine Lagerstätte.

Ich hob das Haupt, ich meinte erst,
es sei der Reif der Frühe,
was ich schimmern sah,
dann aber wußte ich:
der Mond, der Mond,
und neigte das Gesicht zur Erde hin.
Und meine Heimat winkte mir von fern.

Von Hans Bethge (1876-1946), erschienen in „Die chinesische Flöte“, nach einem chinesischen Text von Li-Tai-Po (701 – 762)

Krzysztof Penderecki: In der Fremde

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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Hallo

Hier eine erste Übersicht der bislang vorgestellten Stücke:

Dünser Doch atmet kalt mein Abend schon
Fauré Claire de lune
Flies Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein
Lincke Schlösser, die im Monde liegen
Martinsson Mondnacht
Penderecki In der Fremde
Schönberg O, wenn es Mondes Strahlen
Schubert Abendlied
Schubert Am Fenster
Schubert An den Mond
Schubert Der Vollmond strahlt auf Bergeshöh´n
Schubert Der Wanderer an den Mond
Schubert Leise flehen meine Lieder (Ständchen)
schubert Nachtstück
Srauss, Johann II Der Mond hat eine schwere Klag´ erhoben
Wolf Der Mond hat eine schwere Klag´ erhoben
Zeisl Der Mond ist da

 

Gruß Wolfgang

Weiter mit Schubert. Das folgende Lied „Nacht und Träume“, in dem auch das Mondlicht mitspielt, würde auch in das neue, von Musika begonnene Thema „Nacht“ passen. Auch hier ist von „Heilige Nacht“ die Rede, aber das Lied hat mit Weihnachten wohl wenig zu tun. Text von Matthäus von Collin:

Heilge Nacht, du sinkest nieder; 
nieder wallen auch die Träume, 
wie dein Mondlicht durch die Räume, 
durch der Menschen stille Brust.
Die belauschen sie mit Lust;
rufen, wenn der Tag erwacht:
Kehre wieder, heilge Nacht!
Holde Träume, kehret wieder!

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Liebe Grüße
Gerhard

Hallo

Erich Wolfgang Korngold hat mehr Interessantes hinterlassen als „Die tote Stadt“ und seine Filmmusiken. Hier aus „Lieder des Abschieds Opus 14“ das Lied „Mond, also gehst Du wieder auf“.

Anne Sofie von Otter, Sopran, Bengt Forsberg, Klavier.
Mond, also gehst du wieder auf
überm dunklen Tal der ungeweinten Tränen?
Lehr, so lehr mich's doch, mich nicht nach ihr zu sehnen
blass zu machen Blutes Lauf,
stirbt Leid nicht zu erleiden
aus zweier Menschen Scheiden.

Sieh, im Nebel hüllst du dich.
Doch verfinstern kannst du nicht den Glanz der Bilder,
die mir weher jede Nacht erweckt und wilder.
Ach! Ich fühle mich am tiefsten:
das Herz, das sich trennen muss,
Wird ohne Ende brennen.
 

Und noch einmal Schubert: „Die Mainacht“. Text von Ludwig Hölty:

Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt
und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,
und die Nachtigall flötet,
wandl ich traurig von Busch zu Busch.

Selig preis ich dann, flötende Nachtigall, dich
weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
ihrem singenden Gatten
tausend trauliche Küsse gibt.

Überhüllet von Laub girret ein Taubenpaar
sein Entzückenmir vor, aber ich wende mich, 
suche dunklere Schatten,
und die einsame Träne rinnt.

Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenrot
durch die Seele mir strahlt, find ich auf Erden dich?
Und die einsame Träne
bebt mir heißer die Wange herab.

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Liebe Grüße
Gerhard

Und noch ein Lied auf einen Text von Morgenstern:

https://www.youtube.com/watch?v=24RQ5I5AfCIhttps://www.gedichte-lyrik-online.de/der-mond.html

https://www.gedichte-lyrik-online.de/der-mond.html

 

 

Liebe Amina, liebe Freunde

ich kann garnicht sagen, wie oft ich das Gedicht vom Mond von Christian Morgenstern im Leben schon rezitiert habe und vielen erklärt habe, die das deutsche z (links offner Halbbogen mit Unterschleife) nicht mehr kennen (ich habe es als Kind noch gelernt), und an dem ich selbst immer die Mondphasen erkenne. Dass es auch vertont wurde, wußte ich aber nicht und auch der Komponist Paul Graener sagt mir bisher wenig. Die Galgenlieder von Morgenstern habe ich als dickes Bändchen und einige davon kenne ich (ähnlich wie den „Mond“) noch auswendig, u.a. auch „Die unmögliche Tatsache“, die ich schon häufig vorgetragen habe. In dem Bändchen ist dann auch das „a“ und das „z“ in der deutschen Schreibweise gedruckt, die ich hier leider nicht wiedergeben kann.
Ich weiß nicht, ob nur ich es empfinde, dass der Sänger (anscheinend Nachwuchssänger) etwas undeutlich singt. Daher füge ich hier ergänzend den Text ein: 

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen

ein a formierend und ein z
dass keiner groß zu denken hätt‘. 

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.

Liebe Grüße
Gerhard

 

 

Lieber Gerhard, 

Ich habe doch auch den Text verlinkt. 

Es grüßt Amina

Hallo

Hier die Wikipedia-Definition der Gedichtform „Rondelle“:

Das Rondel (von französisch rond „rund“) ist eine ursprünglich französische Gedichtform mit 13 oder 14 Versen und nur zwei Reimen.

Wie auch die verwandten Formen des Rondeau und des Roundel leitet sich die Form ab von mittelalterlichen Tanzliedern und bezeichnete zunächst keine feste Form, sondern allgemein ein Lied mit nur zwei Reimen und eventuellen Wiederholungen von Versen oder Versteilen (Refrain, französisch rentrement)…

Die heute spezifisch als Rondel bezeichnete Form geht auf Théodore de Banville zurück…

Charles Koechlin vertonte 7 seiner Rondelles in seinem Opus 8.

Hier daraus „La Lune“.

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Gruß Wolfgang

André hat auf diesen Beitrag reagiert.
André

Liebe Amina,

entschuldige, das habe ich übersehen. weil ich dies Gedicht neben anderen von Morgenstern auswendig kenne.

Eine schönen Sonntag wünschen wir dir
Erika und Gerhard

Kommen wir nun zu Mendelssohn-Bartholdy und seinem Lied „Auf Flügeln des Gesanges“ nach Heinrich Heine:

Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiß ich den schönsten Ort;

Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein,
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor,
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazelln,
Und in der Ferne rauschen
Des heilgen Stromes Welln.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Pamenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken,
Und träumen seligen Traum.

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Liebe Grüße
Gerhard

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