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Die Nacht im Kunstlied

Seite 1 von 2Nächste

Ich möchte gerne das Thema von Wolfgang „der Mond im Kunstlied“ fortsetzen und was liegt näher als „die Nacht im Kunstlied“.

Ich beginne mit einem Lied von Richard Strauss, gesungen von der Sopranistin Linda Joan Berg, Sopran – Lémuel Grave, Piano

Die Nacht

 Aus dem Walde tritt die Nacht,
Aus den Bäumen schleicht sie leise,
Schaut sich um im weitem Kreise,
Nun gib acht.


Alle Lichter dieser Welt,
Alle Blumen, alle Farben
Löscht sie aus und stiehlt die Garben

Weg vom Feld.
Alles nimmt sie, was nur hold,
Nimmt das Silber weg des Stromes,
Nimmt vom Kupferdach des Domes Weg das Gold.

Ausgeplündert steht der Strauch,
Rücke näher, Seel an Seele;
O die Nacht, mir bangt,
sie stehle Dich mir auch.

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musika

Das nächste Lied, das mir einfällt:

Die Landstreicher: Sei gepriesen, du lauschige Nacht · Hermann Prey · Carl Michael Ziehrer

Wenn im Lenz die jungen Rosen
Mit den Abendlüften kosen,
Zaubert euch der Blüten Flor
Euren Liebesfrühling vor.
Wie im Traum drückt Liebchens Arm
Dich ans Herz, das liebeswarm.
Ferner Wachtelschlag erklingt,
Und das kleine Heimchen singt
Sanft und leis‘ zipp, zipp, zipp, zipp,
Hab‘ dich lieb, so innig lieb.

Ach…

Sei gepriesen du lauschige Nacht,
Hast zwei Herzen so glücklich gemacht.
Und die Rosen im folgenden Jahr
Sind ein Paar am Altar.
Auch der Klapperstorch blieb nicht lang aus,
Brachte klappernd den Segen ins Haus,
Und entschwand auch der liebliche Mai,
In der Jugend erblüht er neu.

Zweimal fünfundzwanzig Jahre,
Und der Lenz grüsst am Altare
Abermals das treue Paar,
Aber jetzt im Silberhaar.
Statt der Myrthe schmückt die Holde
Jetzt ein Kranz aus purem Golde.
Ferner Wachtelschlag erklingt,
Und das Heimchen wieder singt
Sanft und leis‘ zipp, zipp,. zipp, zipp,
Hab‘ dich immer noch so lieb.

Ach…

Sei gepriesen du lauschige Nacht
Hast zwei Herzen einst glücklich gemacht,
Und die Jugend in prangender Schar
Bringt dem Paar Rosen dar,
Und der Klapperstorch klappert dazu:
Euch, ihr Alten, euch lass ich in Ruh‘
Euch entschwand zwar der liebliche Mai,
Doch der Jugend erblüht er neu!

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musika

Ich denke, dass auch dieses Thema recht ergiebig sein wird. Zur „Nacht“ fällt mir zunächst auf Anhieb diese Hymne ein, die Friedrich Silcher nach Motiven der Apassionata von Ludwig van Beethoven für mehrstimmigen Chor gesetzt hat. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das in diesen Rahmen passt. Es wird meist in Weihnachtskonzerten verwendet, obwohl es dem Sinn nach meines Erachtens nicht unbedingt mit Weihnachten zu tun hat, sondern sich an die gewöhnliche Nacht richtet. Der Text stammt von Friedrich Matthisson:

Heil’ge Nacht, o gieße du
Himmelsfrieden in dies Herz!
Bring dem armen Pilger Ruh,
Holde Labung seinem Schmerz!

Hell schon erglüh’n die Sterne,
Grüßen aus blauer Ferne:
Möchte zu euch so gerne
Flieh’n himmelwärts!

Harfentöne, lind und süß,
Weh’n mir zarte Lüfte her,
Aus des Himmels Paradies,
Aus der Liebe Wonnemeer.

Glüht nur, ihr goldnen Sterne,
Winkend aus blauer Ferne:
Möchte zu euch so gerne
Flieh’n himmelwärts!

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Liebe Grüße
Gerhard

Hallo

Gäbe es eine Kategorie „Nachtlieder“ – dieses Lied stünde ganz oben: „Um Mitternacht“.
Gustav Mahler hat dieses Gedicht von Friedrich Rückert vertont. Es zählt zu seinen 5 Rückert Liedern Op. 44, einer Sammlung fünf eigenständiger Stücke.
Die Interpreten sind der Bassist Günther Groissböck und der Liedpianist Gerold Huber.
 
 

Um Mitternacht

Um Mitternacht
Hab‘ ich gewacht
Und aufgeblickt zum Himmel;
Kein Stern vom Sterngewimmel
Hat mir gelacht
Um Mitternacht.

Um Mitternacht
Hab‘ ich gedacht,
Hinaus in dunklen Schränken.
Es hat kein Lichtgedanken
Mir Trost gebracht
Um Mitternacht.

Um Mitternacht
Nahm ich in acht
Die Schläge meines Herzens;
Ein einziger Puls des Schmerzes
War angefacht
Um Mitternacht.

Um Mitternacht
Kämpft‘ ich die Schlacht,
O Menschheit, dein Leiden;
Nicht konnt‘ ich sie entscheiden
Mit meiner Macht
Um Mitternacht.

Ähm Mitternacht
Hab‘ ich die Macht
in deine Hand gegeben!
Herr! über Tod und Leben
Du hältst die Wacht
Um Mitternacht!

 
Gruß Wolfgang

Die Nachthelle von Franz Schubert mit Daniel Behle und dem RIAS Chamber Chorus

Die Nacht ist heiter und ist rein
Im allerhellsten Glanz.
Die Häuser schau’n verwundert drein,
Steh’n übersilbert ganz.
 
In mir ist’s hell so wunderbar,
So voll und übervoll,
Und waltet drinnen frei und klar
Ganz ohne Leid und Groll.
 
Ich fass’ in meinem Herzenshaus
Nicht all’ das reiche Licht,
Es will hinaus, es muss hinaus,
Die letzte Schranke bricht.
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Schubert: Bertas Lied in der Nacht, D 653 (Text: Grillparzer) Christa Ludwig, begleitet von Irwin Gage.

Nacht umhüllt
Mit wehendem Flügel
Täler und Hügel
Ladend zur Ruh‘.
Und dem Schlummer
Dem lieblichen Kinde,
Leise und linde
Flüstert sie zu:
„Weißt du ein Auge,
Wachend im Kummer,
Lieblicher Schlummer,
Drücke mir’s zu!“
Fühlst du sein Nahen?
Ahnest du Ruh?
Alles deckt der Schlummer,
Schlumm’re du, schlumm’re auch du.

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hier zum Vergleich dasselbe Lied, gesungen von Gundula Janowitz.

Es ist Geschmacksache, welche Interpretin besser gefällt. Obwohl Christa Ludwig eigentlich zu meinen Favoriten zähle, muss ich gestehen, dass mir Gundula Janowitz hier besser gefällt. Ihre helle Glockenstimme klingt freundlicher, gestochen scharf in allen Tönen, gut verständlich.

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Hallo!

Nachdem ich im „Mond-Thread“ „La Lune“ von Charles Koechlin aus seinen 7 Rondelles eingestellt habe, folgt hier aus demselben Opus „La nuit“.

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Gruß Wolfgang

MIt den Liedern, in denen der Mond vorkommt geht gewöhnlich auch die Nacht einher. Von Schubert sind hier schon zwei Werke genannt. Aber das vielleicht bekannteste, „Der Lindenbaum“ aus der „Winterreise“ (Text Wilhelm Müller) muss wohl noch genannt werden:

Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

 

Liebe Grüße
Gerhard

Lieber Gerhard,

da dein Hörbeispiel inzwischen aus dem Verkehr gezogen wurde, habe ich als Ersatz ein Beispiel aus einem Konzert von zwei der größten Schubertianer eingestellt, Dietrich Fischer-Dieskau, der von Alfred Brendel begleitet wird:

 

Liebe Grüße

Willi😀

Die Nacht eignet sich natürlich auch für Balladen. Es ist unglaublich, was in einer Nacht alles passieren kann, Benjamin Appl weiß euch ein Lied davon zu singen! Er wird begleitet von James Baillieu am Klavier:
Heinrich Heine
Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.
Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert’s, da lärmt des Königs Tross.
Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.
Die Knechte saßen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.
Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.
Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.
Und blindlings reisst der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
Und er brüstet sich frech und lästert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.
Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.
Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.
Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und ruft laut mit schäumendem Mund:
“Jehova! dir künd ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!“

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward’s heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.
Und sieh! und sieh! an weisser Wand
Das kam’s hervor, wie Menschenhand;
Und schrieb, und schrieb an weisser Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und totenblass.
Die Knechtschar saß kalt durchgraut,
Und saß gar still, gab keinen Laut.
Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.
[König Belsazar wurde von den Medern und Persern umgebracht, als diese Babylon in jener Nacht des Jahres 539 v. Chr. völlig überraschend einnahmen, nachdem sie einen wichtigen Teil des Verteidigungssystems der Stadt umgangen hatten, nämlich den wasserreichen Strom Euphrat, der unter der Führung des Cyrus umgeleitet worden war. Diese Geschichte belegt, dass Jehova „Zeiten und Zeitabschnitte“ ändern kann, „indem er Könige absetzt und Könige einsetzt“, und dass er sich nicht verspotten lässt.]
Robert Schumann: Belsazar, Op. 57
https://youtu.be/libjPVM3BcQ

Sabine Devieilhe und Alexandre Tharaud bringen ihre gewohnte Klarheit, Finesse und Einsicht in die folgende populäre französische „mélodie“, welche die geheimnisvolle und verklärende Nacht besingt:

Fauré: „Après un rêve“

Dans un sommeil que charmait ton image
Je rêvais le bonheur, ardent mirage,
Tes yeux étaient plus doux, ta voix pure et sonore,
Tu rayonnais comme un ciel éclairé par l’aurore ;

Tu m’appelais et je quittais la terre
Pour m’enfuir avec toi vers la lumière,
Les cieux pour nous entr’ouvraient leurs nues,
Splendeurs inconnues, lueurs divines entrevues.

Hélas ! Hélas ! triste réveil des songes
Je t’appelle, ô nuit, rends-moi tes mensonges,
Reviens, reviens radieuse,
Reviens ô nuit mystérieuse !
—————————————————-
In meinem Schlaf, der dein Bild veredelte,
träumte ich vom Glück in lebhafter Illusion,
Deine Augen waren sanfter, deine Stimme rein und klangvoll,
Du glänztest wie ein von der Morgendämmerung erleuchteter Himmel;

Du hast mich gerufen und ich habe die Erde verlassen
um mit dir zum Licht zu fliehen,
Der Himmel öffnete leicht seine Wolken für uns,
Unbekannte Pracht, Schimmer göttlichen Lichts.

Ach! Ach! trauriges Erwachen aus Träumen
Ich rufe dich an, o Nacht, gib mir deine Phantasiebilder zurück,
Kehre strahlend wieder,
Kehre wieder, o geheimnisvolle Nacht!

https://youtu.be/Crwzlon979I

Eichendorff:
Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob’s Gedanken oder Träume? –

Schließ‘ ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

Walter Braunfels (1882-1954): Die Nacht

https://youtu.be/AY4ZUsZfd0g

Und noch einmal Franz Schubert: „Der Einsame“, Text von Carl Lappe

Wann meine Grillen schwirren,
Bei Nacht, am spät erwärmten Herd,
Dann sitz' ich, mit vergnügtem Sinn,
Vertraulich zu der Flamme hin,
So leicht, so unbeschwert.

Ein trautes, stilles Stündchen 
Bleibt man noch gern am Feuer wach.
Man schürt, wann sich die Lohe senkt,
Die Funken auf, und sinnt und denkt:
Nun abermal ein Tag!

Was Liebes oder Leides
Sein Lauf für uns daher gebracht,
Es geht noch einmal durch den Sinn;
Allein das Böse wirft man hin.
Es störe nicht die Nacht.

Zu einem frohen Traume
Bereitet man gemach sich zu.
Wann sorgenlos ein holdes Bild
Mit sanfter Lust die Seele füllt,
Ergiebt man sich der Ruh.

O wie ich mir gefalle
In meiner stillen Ländlichkeit!
Was in dem Schwarm der lauten Welt
Das irre Herz gefesselt hält,
Giebt nicht Zufriedenheit.

Zirpt immer, liebe Heimchen,
In meiner Klause eng und klein.
Ich duld' euch gern: ihr stört mich nicht.
Wann euer Lied das Schweigen bricht,
Bin ich nicht ganz allein.

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Das folgende Gedicht von Eichendorff beschreibt, wie wir durch Glauben, Liebe und Hoffnung die Herausforderungen des Lebens meistern können, gleich einem Schiff, das in der Nacht auf offener See durch die Leitung eines Piloten den sicheren Hafen erreichen wird. Die Nacht ist also hier als Sinnbild für die Unruhen und Unsicherheiten des Lebens gemeint.

Der Pilot

Glaube stehet still erhoben
Überm nächt´gen Wellenklang,
Lieset in den Sternen droben
Fromm des Schiffleins sichern Gang.

Liebe schwellet sanft die Segel,
Dämmernd zwischen Tag und Nacht
Schweifen Paradieses Vögel,
Ob der Morgen bald erwacht?

Morgen will sich nun entzünden,
Und nun wird´s auf einmal kund:
Hoffnung wird die Heimat finden
Und den festen Ankergrund.

Walter Braunfels (1882-1954): Der Pilot

https://youtu.be/TVUS1CpDFrk

Ich bin an der Schwelle zum Barock fündig geworden mit dem folgenden Lied:

Jetzund kömpt die Nacht herbey

Johann Nauwach (1595 – 1630)
Text: Martin Opitz (1597 – 1639)

Hier singt es Andreas Scholl:

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Jetzund kömpt die Nacht herbey
Vieh und Menschen werden frey,
Die gewünschte Ruh geht an;
Meine Sorge kömpt heran.

Schöne glänzt der Mondenschein;
Und die güldnen Sternelein;
Froh ist alles weit und breit,
Ich nur bin in Trawrigkeit.

Zweene mangeln überall
An der schönen Sternen Zahl;
Diese Sternen die ich meyn´
Ist der Liebsten Augenschein.

Nach dem Monden frag´ ich nicht,
Tunckel ist der Sternen Liecht;
Weil sich von mir weggewendt
Asteris, mein Firmament.

Wann sich aber neigt zu mir
Dieser meiner Sonnen Ziehr,
Acht´ ich es das beste seyn,
Das kein Stern noch Monde schein.

 

Liebe Grüße

Willi????

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Oft werden Hoffnung und Trost in der Nacht gefunden!

Eichendorff: Nachtlied
Vergangen ist der lichte Tag;
Von ferne kommt der Glocken Schlag.
So reist die Zeit die ganze Nacht,
Nimmt manchen mit, der’s nicht gedacht.

Wo ist nun hin die bunte Lust,
Des Freundes Trost und treue Brust,
Der Liebsten süßer Augenschein?
Will keiner, keiner mit mir munter sein?

Frisch auf denn, liebe Nachtigall,
Du Wasserfall mit hellem Schall!
Gott loben wollen wir vereint,
Bis dass der lichte Morgen scheint!
Gott loben wollen wir vereint,
Bis dass der lichte Morgen scheint!

Felix Mendelssohn: Nachtlied
https://youtu.be/_OiXZvoKa74

Gerhard Wischniewski und musika haben auf diesen Beitrag reagiert.
Gerhard Wischniewskimusika

Lied der Seele

Dieser ewige Brunnen ist verborgen,
Ich weiß genau, wo er liegt,
obwohl es Nacht ist.

Ich kenne seinen Ursprung nicht, da er keinen hat,
Aber ich weiß, dass jeder Ursprung daraus kommt,
Auch wenn es Nacht ist.

Ich weiß, dass es nichts Schöneres geben kann
Und Himmel und Erde trinken daraus,
Auch wenn es Nacht ist.

Ich weiß, dass die Ströme so voll sind
dass sie die Hölle, den Himmel und die Menschen bewässern
Auch wenn es Nacht ist.

Der Strom, der aus dieser Quelle strömt
Ich weiß, wie fähig er ist und wie stark,
Auch wenn es Nacht ist

Diesen lebendige Brunnen, den ich begehre
Ich sehe ihn in diesem Brot des Lebens
Auch wenn es Nacht ist.

(Juan de Yepes Alvarez, 1542-1591, Cantar del alma)
Frederic Mompou (1893-1987): Cantar del alma
https://youtu.be/8nkZ78ApyUk

Wolfgang Kaercher hat auf diesen Beitrag reagiert.
Wolfgang Kaercher

Eichendorff: Nachtwanderer

Ich wandre durch die stille Nacht,
da schleicht der Mond so heimlich sacht
oft aus der dunkeln Wolkenhülle.
Und hin und her im Tal,
erwacht die Nachtigall
dann wieder alles grau, alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang,
von fern im Land der Ströme Gang
leis Schauern in den dunkeln Bäumen,
irrst die Gedanken mir,
mein wirres Singen hier,
ist wie ein Rufen nur aus Träumen,
mein Singen ist ein Rufen, ein Rufen nur aus Träumen.

Fanny Hensel: Nachtwanderer
https://youtu.be/mGjqsaMuhk8

PS: Das Gedicht hatte ich bereits in Der Mond im Kunstlied geteilt, in einer Vertonung von Richard Dünser. Viele Mond-Lieder passen natürlich auch zum Thema Nacht.

Hallo

Für mich ein ganz besonderes Stück: Johannes Brahms – „In stiller Nacht“

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In stiller Nacht, zur ersten Wacht,
ein Stimm' begann zu klagen,
der nächt'ge Wind hat süß und lind
zu mir den Klang getragen.
Von herbem Leid und Traurigkeit
Ist mir das Herz zerflossen,
die Blümelein, mit Tränen im Zügel
hab' ich sie alle' begossen.

Der schöne [Mond wird untergahn] 1 ,
für Leid nicht mehr mag scheinen,
die Sterne lan ihr Glitzern stahn,
mit mir sie wollen weinen.
Kein Vogelsang noch Freudenklang
Mann höret in den Lüften,
die wilden Tier‘ trauern auch mit mir
in Steinen und in Klüften.

Gruß Wolfgang
uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Hier ist das Video, das Wolfgang im vorherigen Beitrag wohl meinte: https://youtu.be/X0tweTmUTsE
——————————————————————————————————

„An die Nacht“ aus Richard Strauss Op. 68, Sechs Lieder nach Gedichten von Clemens Brentano, wird im nun folgenden Video aufgeführt von der großen MET-Koloratursopranistin Rita Shane (1936-2014). Sie war auch die Erste, die alle sechs Lieder des Zyklus aufgenommen hat, und das recht hervorragend!

https://youtu.be/kkp23Xlt2cI

Heilige Nacht! Heilige Nacht!
Sterngeschlossner Himmelsfrieden!
Alles, was das Licht geschieden,
Ist verbunden,
Alle Wunden
Bluten süß im Abendrot.

Bjelbogs Speer, Bjelbogs Speer
Sinkt ins Herz der trunknen Erde,
Die mit seliger Gebärde
Eine Rose
In dem Schoße
Dunkler Lüfte niedertaucht.

Heilige Nacht! züchtige Braut, züchtige Braut!
Deine süße Schmach verhülle,
Wenn des Hochzeitsbechers Fülle
Sich ergießet;
Also fließet
In die brünstige Nacht der Tag!

Heilige Nacht! züchtige Braut! Heilige Nacht, heilige Nacht!

Eichendorff:

Nacht (Teil 4)

Hörst du die Gründe rufen
Im Traume halb verwacht?
O, von des Schlosses Stufen
Steig nieder in die Nacht! —

Die Nachtigallen schlagen,
Der Garten rauschet sacht,
Es will dir Wunder sagen,
Die wunderbare Nacht.

Othmar Schoeck: Nacht
https://youtu.be/6mEatpYeADk

Eichendorff:
Nachtstücke

1. Wir ziehen treulich auf die Wacht,
Wie bald kommt nicht die ew’ge Nacht
Und löschet aus der Länder Pracht,
Du schöne Welt, nimm dich in acht!
———————–
2. Die Vöglein, die so fröhlich sangen,
Der Blumen bunte Pracht,
’s ist alles unter nun gegangen,
Nur das Verlangen
Der Liebe wacht.
———————–
3. Vor dem Schloß in den Bäumen es rauschend weht,
Unter den Fenstern ein Spielmann geht,
Mit irren Tönen verlockend den Sinn –
Der Spielmann aber ich selber bin.

Vorüber jag ich an manchem Schloß,
Die Locken zerwühlet, verwildert das Roß,
Du frommes Kindlein im stillen Haus,
Schau nicht nach mir zum Fenster hinaus.

Von Lüsten und Reue zerrissen die Brust,
Wie rasend in verzweifelter Lust,
Brech ich im Fluge mir Blumen zum Strauß,
Wird doch kein fröhlicher Kranz nicht daraus!

Wird aus dem Schrei doch nimmer Gesang,
Herz, o mein Herz, bist ein irrer Klang,
Den der Sturm in alle Lüfte verweht –
Lebt wohl, und fragt nicht, wohin es geht!
———————–
4. Hörst du die Gründe rufen
In Träumen halb verwacht?
O, von des Schlosses Stufen
Steig nieder in die Nacht! —

Die Nachtigallen schlagen,
Der Garten rauschet sacht,
Es will dir Wunder sagen,
Die wunderbare Nacht.
———————–
5. Hier steh ich wie auf treuer Wacht,
Vergangen ist die dunkle Nacht,
Wie blitzt nun auf der Länder Pracht!
Du schöne Welt, nimm dich in acht!

Der Bariton Barry McDaniel singt Aribert Reimanns Zyklus „Nachtstück I“ mit dem Komponisten am Klavier.
https://youtu.be/jWJRI58usDE

Hallo

NIkolai Medtner hat Goethes „Wandrers Nachtlied“ vertont.

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Der du von dem Himmel bist,
Alle Freud und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest;
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all die Qual und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

Gruß Wolfgang

 

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Hallo 

Als Moderator ist man ja auch ein bisschen Dienstleister. Ich habe die bisherigen Nennungen mal zusammengefasst:

Gruß Wolfgang

Brahms In stiller Nacht
Braunfels Der Pilot
Braunfels Die Nacht
Fauré Après un rêve
Hensel Nachtwanderer
Koechlin La nuit
Mahler Um Mitternacht
Medtner Wandrers Nachtlied
Mendelssohn Nachtlied
Mompou Cantar del alma
Nauwach Jetzund kömpt die Nacht herbey
Reimann Nachtstück I
Schoeck Nacht
Schubert Der Einsame
Schubert Der Lindenbaum
Schubert Die Nachthelle
Schubert Lied in der Nacht
Schumann Belsazar
Silcher Heilige Nacht, o giesse Du
Strauss, Richard An die Nacht
Strauss, Richard Die Nacht
Zierer Sei gepriesen Du lauschige Nacht

Hallo

Hier ein Lied von Clara Schumann: „Die gute Nacht, die ich dir sage“, nach einem Text von Friedrich Rückert.

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Die gute Nacht, die ich dir sage,
Freund, hörst du!
Ein Engel, der die Botschaft trage
Geht ab und zu.

Er bringt sie dir und hat mich wieder
Den Gruß gebracht:
Dir sagen auch des Freundes Lieder
Nun gute Nacht.

Gruß Wolfgang

Ich habe noch von Schubert „Die Sommernacht“ D.289, nach einem Gedicht von Friedrich Gottlieb Klopstock, hier gesungen von Mathias Goerne, der von Alecander Schmalcz begleitet wird:

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Die Sommernacht

Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab
In die Wälder sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düften von der Linde
In den Kühlungen wehn,

So umschatten mich Gedanken an das Grab
Meiner Geliebten! Und ich seh im Walde
Nur es dämmern, und es weht mir
Von der Blüte nicht her.

Ich genoss einst, o ihr Toten, es mit euch!
Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung,
Wie verschönt warst von dem Monde
Du, o schöne Natur!

Liebe Grüße

Willi????

Franz Schubert, aus dem Zyklus die schöne Müllerin mit Christoph Prégardien „Des Baches Wiegenlied“

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In „Nuit d’étoiles“ lässt Debussy die erste Strophe des Gedichts von Théodore de Banville ❤ geschickt als Refrain wiederkehren:

Nuit d’étoiles, sous tes voiles,
sous ta brise et tes parfums,
Triste lyre qui soupire,
je rêve aux amours défunts.
————–
Sternennacht, unter deinem Schleier,
mit deinem Duft und deiner Brise,
traurig klagende Leier,
träum‘ ich von erloschener Liebe.

Text: https://www.lieder.net/lieder/get_text.html?TextId=122442

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Othmar Schoeck: Gesang zu zweien in der Nacht, aus Das holde Bescheiden, Op. 11: Nr. 3

Lynne Dawson, Ian Bostridge, Julius Drake

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Sie
Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift,
Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft!
Da noch der freche Tag verstummt,
Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge,
Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge
Der reingestimmten Lüfte summt.

Er
Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen,
Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift,
Indes, mit ungewissem Licht gestreift,
Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.

Sie:
Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal,
Durchsichtiger und heller aufzuwehen;
Dazwischen hört man weiche Töne gehen
Von selgen Feen, die im blauen Saal
Zum Sphärenklang,
Und fleißig mit Gesang,
Silberne Spindeln hin und wieder drehen.

Er
O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt
Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet,
Und luftig schwirrender Musik bedienet
Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt,
Womit du Stund um Stunde missest,
Dich lieblich in dir selbst vergissest.
Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!

Eduard Mörike ❤

Hallo

SWR2 widmet sich in seiner Musikstunde in dieser Woche Mo-Fr jeweils von 9-10 Uhr dem Thema „Die Nacht – Traumtheater und Klanglabor“.

Hat zwar nicht direkt mit Liedern zu tun, aber mit unserem Thema „Nacht“.

Gruß Wolfgang

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E-Mail: info@troubadour-forum.de

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