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Troubadour-Forum für klassische Vokal- und Instrumentalmusik

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Die Nacht im Kunstlied

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Das bereits vorgestellte Nachtlied von Felix Mendelssohn erklingt hier mit der wunderschönen Stimme von Elisabeth Grümmer (1911-1986), am Klavier spielt Aribert Reimann:

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Vergangen ist der lichte Tag;
Von ferne kommt der Glocken Schlag.
So reist die Zeit die ganze Nacht,
Nimmt manchen mit, der’s nicht gedacht.

Wo ist nun hin die bunte Lust,
Des Freundes Trost und treue Brust,
Der Liebsten süßer Augenschein?
Will keiner mit mir munter sein?

Frisch auf denn, liebe Nachtigall,
Du Wasserfall mit hellem Schall!
Gott loben wollen wir vereint,
Bis dass der lichte Morgen scheint!

Joseph von Eichendorff ❤

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Und ich bin wieder einmal bei Franzs Schubert, und ich habe ein Lied gefunden, das sinnigerweise „Die Nacht“ heißt, wie schon einmal eines in diesem Thread, das laut Booklet aus einer Übersetzung einer Dichtung der mystischen nordischen Sagenwelt stammt, das der Schotte James Macpherson lt. eigenen Angaben übersetzt hat und sich mit dem Sagenhelden und Barden Fingal und seinem Sohn Ossian beschäftigt. Da sich der gesamte Umfang des Textes als hier zu umfangreich erweisen würde, sei nur erwähnt, dass er dem „Booklet“ der GA aller Schubertlieder von Naxos, Seite 156 ff. entnommen ist:

 

 

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Die Nacht D.534

Erster Barde.
 Die Nacht ist dumpfig, und finster. 
 An den Hügeln ruhn die Wolken.
 Kein Stern mit grünzitterndem Strahl;
 kein Mond schaut durch die Luft.
 Im Walde hör ich den Hauch;
 aber ich hör ihn weit in der Ferne.
 Der Strom des Thals erbraust;
 aber sein Brausen ist [störrisch]1 und trüb.
 Vom Baum beym Grabe der Todten,
 hört man [die lang]2 krächzende Eul.
 An der Ebne erblick ich eine dämmernde Bildung!
 es ist ein Geist! 
 er schwindet, er flieht.
 Durch diesen Weg wird eine Leiche getragen:
 ihren Pfad bezeichnet das Luftbild.
 [Der]3 fernere Dogge heult von der Hütte des Hügels.
 Der Hirsch liegt im Moose des Bergs:
 neben ihm ruht die Hindin.
 In seinem astigten Geweihe hört sie den Wind;
 fährt auf, [legt sich wieder zur Ruhe]4.

 [Der Rehbock liegt in der Kluft des Felsen.
 Des Auerhahns Kopf unter seinem Flügel.
 Kein Thier, kein Vogel streift umher,
 ausser die Eul, und der heulende Fuchs.
 Jene auf einem entblätterten Baum:
 dieser in einer Wolke des Hügels.]5

 [Düster,]6 keuchend, zitternd und traurig,
 verlohr der Wanderer den Weg.
 Er irrt durch Gebüsche, durch Dornen
 längs der sprudelnden Quelle. 
 Er fürchtet die Klippe und den Sumpf.
 Er fürchtet den Geist der Nacht.
 Der alte Baum ächzt zu dem Windstoß;
 der fallende Ast erschallt.
 Die verwelkte zusammen verworrene Klette,
 treibt der Wind über das Gras.
 Es ist der leichte Tritt eines Geists!
 er bebt in der Mitte der Nacht.

 Die Nacht ist düster, dunkel, und heulend;
 wolkigt, stürmisch und schwanger mit Geistern!
 Die Todten streifen umher!
 Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.

Zweyter Barde.
 Es erhebt sich der Wind. Der Regen stürzt.
 Der Geist des Bergs winselt.
 Wälder entsinken der Höhe. Fenster schmettern.
 Der wachsende Bergstrom erbraust.
 Der Wandrer versucht die Furt.
 Horch dieses Winseln! er stirbt:
 der Sturm treibt vom Hügel das Roß,
 die Ziege, die blöckende Kuhe.
 Sie beben neben dem modernden Damm,
 wie der Sturm heranrauscht.

 Der Weidmann springt aus dem Schlaf,
 in seiner einsamen Hütte;
 er weckt das sterbende Feuer.
 Seine nassen Doggen rauchen um ihn.
 Er stopft die Risse mit Heyde.
 Laut brausen zwey Bergströme,
 die neben seinem Lager sich treffen.

 Traurig an der Seite des Hügels
 sizt der wandernde Schäfer.
 Ueber ihm erschallt der Baum.
 Der Strom brüllt vom Felsen herab.
 Er erwartet den steigenden Mond,
 ihn zu seiner Behausung zu leiten.

 Geister besteigen den Sturm diese Nacht.
 Süß rauscht ihre Stimme, zwischen den Stößen des Winds.
 Ihre Lieder sind von andern Welten.

 Der Regen ist vorbey. Der trockne Sturm erbraust.
 Ströme brüllen, und Fenster schmettern.
 Kalte Tropfen fallen vom Dache.
 Ich seh den sternigten Himmel.
 Aber der Regen sammlet sich wieder.
 Der West ist dunkel und düster.
 Die Nacht ist stürmisch und gräßlich;
 Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.

Dritter Barde.
 Der Wind saust zwischen den Hügeln;
 und pfeift durch das Gras des Felsen.
 Von ihren Stellen stürzen die Fichten.
 Die Rasenhütte zerreißt.
 die Wolken fliegen über den Himmel zertrennt,
 und zeigen die flammenden Sterne.
 Das Luftbild, ein Zeichen des Tods!
 fliegt funkelnd durch das Dunkel.
 Es ruht an dem Hügel. Ich sehe die verwelkten Farren,
 den dunkelgipfligten Felsen, die zerfallene Eiche.
 Wer ist jener, unter einem Baum,
 in seinem Leichentuch neben dem Strom?

 Die Wellen taumeln dunkel in der See,
 und peitschen ihre felsigten Seiten;
 der Kahn ist in der Anfuhr, bis an dem Rande erfüllt;
 die Ruder liegen an der wallenden Flute.
 Ein Mädchen sizt traurig beym Felsen,
 und schaut auf den wälzenden Strom.
 Ihr Geliebter versprach ihr zu kommen.
 Sie sah einen Kahn an der See,
 da er noch leicht die Wellen durchpflügte.
 Ist dies sein gebrochener Nachen am Ufer?
 Ist dieses sein Aechzen im Winde?

 Horch! der Hagel rasselt umher.
 Der flockigte Schnee steigt herab.
 Die Gipfel der Hügel sind weiß.
 Die stürmischen Winde vergehn.
 Die Nacht ist unstät und kalt.
 Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.

Vierter Barde.
 Die Nacht ist ruhig und schön;
 sie ist blau, sternigt, und still.
 Die Winde sind mit den Wolken vergangen.
 Sie sinken hinter den Hügel.
 Am Gebirg schreitet der Mond.
 Die Bäume gleissen: Ströme glänzen am Felsen.
 Schimmernd wälzt sich die ruhige See;
 schimmernd der Strom des Thals.

 Ich seh umgeworfene Bäume;
 die Garben des Getraids an der Ebne.
 Der wachsame Landmann baut sie wieder auf,
 und pfeift im entfernten Felde.

 Ruhig, still und schön ist die Nacht!
 Wer kömmt von den Gräbern der Todten?
 Diese Bildung mit schneeweissem Gewand;
 mit weissen Armen, mit dunkelbraunen Locken!
 Es ist die Tochter vom Gebieter des Volks:
 jene, die kürzlich erlag!
 komm, laß uns dich schauen, o Mädchen!
 du warst die Freude der Helden!
 Der Windstoß treibt die Bildung hinweg;
 weiß ohne Gestalt, steigt sie den Hügel hinauf.

 Den blauen Nebel treiben die Lüfte,
 langsam über das engere Thal.
 Er besteigt den Hügel, 
 und vereinigt sein Haupt mit dem Himmel.
 Die Nacht ist still, ruhig, blau,
 sternigt und Mondhell.
 Empfangt mich nicht meine Freunde,
 denn die Nacht ist lieblich und reizend.

Fünfter Barde.
 Die Nacht ist still aber gräßlich.
 Im Westen hüllt eine Wolke den Mond.
 Langsam schreitet jener weißlichte Strahl,
 längs dem beschatteten Hügel.
 Man hört die entfernte Welle.
 Der Bergstrom rauscht an dem Felsen.
 Der Hahn kräht aus der Hütte.
 Mehr als die Hälfte der Nacht ist vorbey.
 Die Hausfrau greift um sich im Dunkeln,
 und erweckt das erloschene Feuer.
 Der Jäger glaubt, es tage,
 und ruft seine springenden Doggen.
 Er besteigt den Hügel, und pfeift, im Gehen, voran.
 Ein Windstoß entfernt die Wolken.
 Er sieht den sternigten Pflug des Nords.
 Noch viel von der Nacht ist vorhanden.
 Er nickt beym moosigten Felsen.

 Horch! der Wirbelwind braust in dem Wald!
 ein leises Getümmel im Thal!
 Es ist der Todten mächtiges Heer,
 das von der Luft zurückkehrt.

 Der Mond ruht hinter dem Hügel.
 Noch beleuchtet der Strahl den luftigen Felsen.
 Weit dehnen sich die Schatten der Bäume.
 Nun ist es düster überall.
 Die Nacht ist gräßlich, schweigend und dunkel.
 Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.

Der Gebieter.
 Laß Wolken an Hügeln ruhn:
 Geister fliegen und Wandrer beben.
 Laß die Winde der Wälder sich heben,
 brausende Stürme herabsteigen.
 Ströme brüllen, Fenster [schmettern]7,
 grünbeflügelte Dämpfe fliegen;
 [der bleiche]8 Mond sich hinter seinen Hügeln erheben,
 oder sein Haupt in Wolken einhüllen;
 die Nacht gilt mir gleich; die Luft sey blau,
 stürmisch, oder dunkel.
 Die Nacht [flieht]9 vorm Strahl,
 wenn er am Hügel sich giest.
 Der junge Tag kehrt von seinen Wolken,
 aber wir kehren [nicht mehr]10 zurück.

 Wo sind [unsere]11 Führer der Vorwelt;
 wo sind [unsere]11 weit berühmten Gebieter?
 Schweigend sind die Felder ihrer Schlachten.
 Kaum sind ihre moosigten Gräber noch übrig.
 Man wird auch unser vergessen.
 Dies erhabene Gebäu wird zerfallen.
 Unsere Söhne werden die Trümmer, im [Graß]12 nicht erblicken.
 Sie werden die Greisen befragen,
 "Wo standen die Mauern unsrer Väter?"

 Ertönet das Lied, und schlaget die Harfen;
 sendet die frölichen Muscheln herum.
 Stellt hundert Kerzen in die Höhe.
 Jünglinge, Mädchen beginnet den Tanz.
 Nah sey ein [graulockigter]13 Barde,
 mir [Thaten]14 der Vorwelt zu singen;
 von Königen berühmt in unserm Land,
 von Gebietern, die wir nicht mehr sehn.
 Laß die Nacht also [vergehn]15,
 bis der Morgen in unsern Hallen erscheine.
 Dann seyen nicht ferne, der Bogen,
 die Doggen, die Jünglinge der Jagd.
 Wir werden [den]16 Hügel mit dem Morgen besteigen,
 und die Hirsche erwecken.

Liebe Grüße

Willi😀

Dutilleux, Henri, 1916 – 2013, „San Francisco Night“ für Sopran und Klavier (1963)
Dawn Upshaw, Sopran
Jérôme Ducros, Klavier

Je crois qu’il n’a jamais fait plus noir que ce soir
la sirène pleure au bord du monde en ruines
mais la merveille vaut le prix du désespoir
Aussi profil perdu d’amour je te dessine

en aveugle et j’attends nocturne de l’enfance
que l’enchanteur ranime un oiseau mort de froid
sans avoir révélé le secret de la chance
Amour amour toujours dans mon rêve à l’étroit

Paul Gilson (1904 – 1963) 💖

Ich glaube, es war nie dunkler als heute Nacht,
wo die Sirene am Rande der zerstörten Welt heult,
doch das Wunder ist den Preis der Verzweiflung wert.
So, verlorenes Profil der Liebe, zeichne ich dich,

blind und warte auf die Nacht der Kindheit,
in der der Zauberer einen vor Kälte gestorbenen Vogel wiederbelebt,
ohne das Geheimnis des Glücks gelüftet zu haben.
Liebe, Liebe, immer in meinem engen Traum.

Paul Gilson (1904 – 1963) 💖

Wolfgang Kaercher hat auf diesen Beitrag reagiert.
Wolfgang Kaercher
"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Mein Lieblingsquartett aus der Oper Martha von F.v. Flotow. Mitternacht mit Lady Harriet – Anneliese Rothenberger, Nancy – Hetty Plumacher, Lyonel – Fritz Wunderlich, Plumkett – Gottlob Frick.

 

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musika

André hat auf diesen Beitrag reagiert.
André

Liebe musika,

Das ist zwar im Grunde genommen kein Kunstlied, aber ein wunderschönes Stück! 👍👍👍

Vielen Dank und alles Liebe
André

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Ah ok, habe ich nicht drauf geachtet, sorry.

musika

Richard Strauss (1864 – 1949), „Die Nacht“, op. 10 Nr. 3 (1882) · Jonas Kaufmann · Helmut Deutsch

Aus dem Walde tritt die Nacht,
Aus den Bäumen schleicht sie leise,
Schaut sich um in weitem Kreise,
Nun gib Acht!

Alle Lichter dieser Welt,
Alle Blumen, alle Farben
Löscht sie aus und stiehlt die Garben
Weg vom Feld.

Alles nimmt sie, was nur hold,
Nimmt das Silber weg des Stroms
Nimmt vom Kupferdach des Doms
Weg das Gold.

Ausgeplündert steht der Strauch:
Rücke näher, Seel‘ an Seele,
O die Nacht, mir bangt, sie stehle
Dich mir auch.

Hermann von Gilm 💖

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Max Bruch, Um Mitternacht, Op. 59 Nr. 1, Thomas Kohl, Hiroaki Masuda (19.2.1952 – 25.7.2025)

Gelassen stieg die Nacht an’s Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Wage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, in’s Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtet’s nicht, sie ist es müd‘;
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flücht’gen Stunden gleichgeschwung’nes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Eduard Mörike 💖

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Das folgende Gedicht ist eine dramatische Anrufung der Nacht, die als dunkles Auge personifiziert wird, und als Rückzugsort und Spiegel der Seele beschrieben wird:

Bitte von Nikolaus Lenau

 
Weil' auf mir, du dunkles Auge,
 
Übe deine Ganze Macht,
 
Ernste, milde, träumerische,
 
Unergründliche süße Nacht.
 
 
Nimm mit deinem Zauberdunkel
 
Diese Welt von hinnen hier,
 
Dass du über meinem Leben
 
Einsam schwebest für und für.

 

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier
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