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Eben gerade im Konzert…

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Die Verständlichkeit des Textes und engste Verbindung mit der Musik ist bei jedem Werk egal ob Oper, Operette, Lied, geistliche  Musik  für die Gesamtwirkung enorm wichtig. Auch wir Sängerfreunde müssen feststellen, dass genaue Artikulation, korrekte Färbung der Vokale und das Klingen der Konsonanten sich gegenüber früher leider  verschlechtert hat. Die Sängerinnen und Sänger der Nachkriegsgeneration  legten auf diese unentbehrlichen  Gesangstugenden hörbar mehr wert. Zum Vergleich höre man sich  bitte  Elisabeth Schwarzkopf, Lisa Della Casa, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig, Edith Mathis, Maria Stader und bei den Männern Peter Anders, Dietrich Fischer-Dieskau, Nicolai Gedda, Josef Metternich, Hermann Prey, Heinrich  Schlusnus, Peter Schreier, Richard Tauber, Bernd Weikl, Fritz Wunderlich, Gottlob Frick und  Kurt Moll an. Die Reihe könnte weiter fortgesetzt werden.  Auffallend ist, dass besonders die Bassisten in Punkto Textverständlichkeit vorbildlich sind. 

Der während seiner jahrzehntelangen  Karriere weltweit tätige Bariton Oskar Hillebrandt  ist heute bei den Tiroler Festspielen erfolgreich als Sängercoach tätig. Über diese Tätigkeit führte ich (Hans der Sängerfreunde) im letzten Jahr ein umfangreiches Interview mit dem Sänger. Interessant in diesem Gespräch war, dass Hillebrandt  mehrfach betonte, er müsse bei seinen Coachees am meisten an der Textverständlichkeit und hier besonders gegen das Verschlucken der Konsonanten arbeiten. (Siehe bitte auch Sängerporträt Oskar Hillebrandt hier im Forum.)

Es wäre sicherlich interessant, im Anschluss die in mehreren Beiträgen aufgeworfene Frage der mangelnden Textverständlichkeit bei der heutigen Sängergeneration, einmal unter die Lupe zu nehmen und zu diskutieren

Herzlich grüßen die Sängerfreunde, die noch einen heißen Tipp geben können: Am Sonntag 9. Juli 23 gibt es bei den Tiroler Festspielen für Oskar Hillebrandt aus Anlass des 80. Geburtstags ein Jubiläumskonzert. Folgende berühmte Sängerinnen und Sänger werden durch Mitwirkung  im Konzert ihren Kollegen feiern. Ildiko Raimondi, Sopran, Renate Behle, Mezzosopran, Christian Franz, Heldentenor, Gerhard  Siegel, Tenor, Falk Struckmann, Bassbariton. Selbstverständlich singt das Geburtstagskind selbst, unter anderem erlebt man ihn mit dem Schlussmonolog des Hans Sachs in einer seiner Paraderollen. Welche Bedeutung Oskar Hillebrandt für die Festspiele Erl und die Opernwelt hat wird dadurch unterstrichen, dass der Präsident und Mäzen der Tiroler Festspiele, Hans Peter Haselsteiner, ohne den es diese liebgewordene Institution gar nicht geben würde, persönlich das Konzert moderieren wird.

 

Liebe alle,

heute gab es ein Konzert, das irgendwie unter einem schrägen Stern stand. Angekündigt waren Mozarts Requiem (heute ist orthodoxer Gründonnerstag) und Messiaens „L’ascension“ (das westliche Ostern ist ja gerade vorbei). Erst war das Konzert für die Milleniumskirche geplant, aber heute wurde es plötzlich in die Philharmonie verlegt. Die Karten für die Kirche konnten nicht wirklich in solche für die Philharmonie umgeschrieben werden. Als ich mit einer Einlaßkarte der Direktion dann auf der Empore der Philharmonie saß, dauerte es noch eine Viertelstunde länger, bis alle Gäste, die wohl erst in die Milleniumskirche gegangen waren, umdirigiert werden konnten. Trotzdem war es bei weitem nicht voll.

Das Mozart’sche Requiem wurde dann ein ganz klein wenig routiniert abgespult. Die Solisten haben in dem Stück ja nicht ganz so viel zu tun – in den kurzen Solopassagen schlugen sie sich tapfer, aber nicht überragend. Der Chor arbeitete hart, sang einigermaßen deutlich und dem Dirigenten Radu Popa gegenüber sehr folgsam. Am besten gelang noch das Lacrimosa, für mich ohnehin das eindrucksvollste Teilstück des Mozart’schen Requiems: in noblem Duktus, mit trostreicher Färbung, sehr konzentriert.

Kaum war der letzte Ton vom „Communio“ gespielt, applaudierte ein Fan heftig drauf los. Das war störend.

Ganz anders dann in dem vierteiligen instrumentalen Stück von Messiaen. Das kannte keiner (ich auch nicht), also hörte man andächtig zu und wartete nach dem geigenintensiven letzten Stück „Prière du Christ montant vers son Père“ anständig 10 Sekunden, bevor der etwas unentschiedene Applaus einsetzte. Man wußte offensichtlich nicht, was man von diesem Stück halten sollte. Mit gefiel es nicht sehr; ich eilte nach Hause. 

Als ich beim Aufbruch von zuhause den Klavierauszug des Requiems aus dem Regal gezogen hatte, war mir daraus eine Karte entgegen gefallen. Auf ihr stand: 

“Die Botschafterin der Vereinigten Staaten Pamela Hyde Smith gibt sich die Ehre, Sie zum Konzert „In Memoriam“, gewidmet den Opfern der Ereignisse am 11. September 2001, einzuladen. Im Programm: „Requiem“ von Mozart. 11. September 2002, 18.00 Uhr, Orgelsaal, Chisinau.“

Ich hatte den Auszug tatsächlich seit 21 Jahren und 5 Umzügen nicht in die Hand genommen. 

Grüße!

Honoria Lucasta

Einer, der für mich besten Chöre und das „Tal der Tränen“, mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, am Pult Claudio Abbado

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Dann darf ich vielleicht noch ein Lacrimosa anfügen, das mich seit Jahrzehnten am meisten beeindruckt hat, wie überhaupt das ganze Requiem, das Nikolaus Harnoncourt an Allerheiligen 1981 in Wien aufgeführt hat mit dem Wiener Staatsopernchor und seinem Concentus muscius und das ich vor vielen Jahren zur häuslichen Unterstützung in der Vorbereitung einer Aufführung mit meinem zweiten Chor verwendet habe, weil es mich schon 1981 bei der Fernsehübertragung so überzeugt hatte.
Besonders das Crascendo auf der Phrase „qua resurget ex favilla judicandus homo reus“ hat Harnoncourt so markerschütternd  hinbekommen, weil auch vom Chor so meisterlich umgesetzt, wie kaum ein anderer:

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Liebe Grüße

Willi😀

Ich darf vielleicht noch einen Link setzen zum Oratorien- und Messen-Forum, wo ich im Januar vergangenen Jahres das Requiem Mozarts vorgestellt habe, u. a. mit den Aufnahmen Harnoncourts und Böhms:

https://troubadour-forum.de/foren/thema/wolfgang-amadeus-mozart-requiem-d-moll-kv-626/

Lieber Willi,

der Ausschnitt ist wirklich bemerkenswert. Und nicht nur wegen des in der Tat mutigen Crescendos auf „quae resurget…“. Selbst in diesen noch nicht einmal drei Minuten teilt sich eine überragende -und mutige!- Gesangs- und Gestaltungskultur mit, die wir heute kaum mehr irgendwo erfahren dürfen – Harnoncourt eben. 

Liebe musika,

dieser Ausschnitt eines Auftritts des schon recht betagten Claudio Abbado ist sicher mindestens 25 Jahre jünger als der von Willi eingesetzte. Er hat weniger Ecken als die Version von Harnoncourt, aber stimmlich ist er fast wohlklingender als die ältere Version. Schön und trostreich aber auch diese Aufnahme.

Grüße!

Honoria Lucasta

 

Das ist verständlich, liebe Honoria, denn das Requiem im Luzern, aus dem der o. a. Ausschnitt ist, fand sicherlich nicht sehr lange vor Abbados Tod statt, der ja Anfang 2014 gestorben ist, und das Lacrimosa ist wohl im August 2012 in Youtube eingestellt worden, und bei einem anderen Ausschnitt aus dem Requiem, dem “Rex tremendae“, das Abbado 1999 mit den Berliner Philharmonikern und dem Schwedischen Rundfunkchor 1999 im Salzburger Dom zum 10jährigen Todestag Herbert von Karajans dirigierte, waren die beiden (Abbado und Harnoncourt) in punkto dramatischer Gestaltung garnicht so weit auseinander, wie die beiden folgenden Ausschnitte belegen mögen. Leider habe ich diesmal von Harnoncourts 1981er Aufnahme keine bewegten Bilder finden können und stelle seine Lesart als Zweites ein:

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Harnoncourts Anliegen war es m. E. beinahe noch mehr, die dramatischen Züge der Musik Mozarts (nicht nur im Requiem) hervorzuheben, wozu m. E. der erste Teil des Rex tremendae ein beredtes Zeugnis ablegt, und dennoch wird auch in seiner Interpretation die enorme Spannweite der mozartschen Musik zwischen dramatischen (Rex tremendae) und lyrischen Zügen (salva me) vortrefflich hörbar, wie selbstverständlich auch in Abbados Version mit dem ebenfalls großartigen Schwedischen Rundfunkchor. Ich werde mir morgen mal die spätere Aufnahme Harnoncourts anhören, die dreiundzwanzig Jahre später entstand als die erste und schaun, ob und wenn ja, wie sich das geändert hat.

Liebe Grüße

Willi😀

Liebe alle,

an diesem Wochenende feiert das hiesige Nikolaus-Lenau-Lyzeum seinen 150. Geburtstag – der war zwar schon vor drei Jahren, konnte aber pandemiebedingt erst jetzt begangen werden. Es gab gestern einen Festakt in der Oper und heute eine Dankmesse im neu renovierten Dom. Domkapellmeister Prof. Dr. Walter Kindl fuhr auf, was das Repertoire hergab: Krönungsmesse von Mozart, Laudate Dominum, Ave verum corpus, alles da. Es sangen die üblichen Solisten, der Chor (in dem im übrigen, wie in Temeswar üblich, Sänger aller Glaubensrichtungen von katholisch bis Zeugen Jehovas singen) brillierte, die neu instandgesetzte Wegenstein-Orgel brauste, der Professor wurde am Schluß frenetisch bejubelt. 

Es war tatsächlich ein absolutes Geschenk, heute sozusagen aus dem Lauf heraus -und bevor wir in der nächsten Woche ganz anderen Anforderungen begegnen müssen-  musikalisch so außerordentlich gelungene 90 Minuten erleben zu dürfen, von der ansonsten auch sehr schön und andachtsvoll gestalteten Messe einmal abgesehen.

Morgen dann Kontrastprogramm: „Turandot“ in der Oper. Ich werde berichten.

Grüße!

Honoria Lucasta

 

Danke für die Berichterstattung, liebe Honoria Lucasta. Ohne Berichte wie den vorstehenden würden wir über Musikereignisse aus Rumänien wenig erfahren.

Dies bestätigen Dir mit nochmaligem  Dank Ingrid und Hans die Sängerfreunde

Liebe alle,

nachdem der Sommer sich zwar heiß, aber musikalisch fast ein wenig unentschlossen dahinschleppte, kündigen sich hier in der Kulturhauptstadt Europas 2023 große Dinge an. Nach einer langen Vorbereitungszeit werden Donnerstag und Freitag Schönbergs Gurre-Lieder endlich zur Aufführung kommen, im Rosenpark unter freiem Himmel. Anderswo haben die 350 Musiker keinen Platz; die erhofften zahlreichen Zuschauer ohnehin nicht. Also hoffen wir auf gutes Wetter. Oder wenigstens trockenes…

Da es sich um ein deutsch-rumänisches Gemeinschaftsprojekt handelt, ist gefühlt jeder, der hier in der Stadt Noten lesen kann, in der letzten Woche nach Gera gereist, um in Gemeinschaft mit den deutschen Musikpartnern dieses anspruchsvolle Werk schon einmal dort aufzuführen. Ein kleiner Werbeclip sei noch einmal eingefügt:

https://www.youtube.com/watch?v=-5WEgCTrWag

Also, wer immer Gelegenheit hat und als Speerspitze der Avantgarde auch einmal modernerer Musik die Ehre geben möchte, verfüge sich nach Gera.

Und wer es am 28. und /oder 29. September hierher nach Temeswar schafft und sich bei  mir meldet, den geleite ich persönlich in’s Konzert….

Grüße!

Honoria Lucasta

Liebe alle,

nun ist es geschafft. Nach mehreren Jahren der planerischen Vorbereitung für alle Beteiligten haben wir am Donnerstag und Freitag letzter Woche Schönbergs Gurre-Lieder in Temeswar erlebt. Bei 350 Beteiligten auf der Bühne fällt die Suche nach einem Saal auch in Deutschland schwer; hier in der Perle des Banat war dieses Konzert überhaupt nur unter freiem Himmel möglich, im Rosenpark, wo sonst auch Opern gespielt werden und Klassikpopgrößen wie David Garrett auftreten. 

Das Wetter spielte mit: seit Beginn der vergangenen Woche war es trocken und warm, und an beiden Abenden erschien auch der Vollmond wie bestellt. Der Park war gut, wenn auch nicht voll besetzt. Sobald die Dunkelheit einsetzte, wurde es kalt – wir hatten vorgesorgt und für die von uns geladenen Gäste Sitzkissen (für die Plastikstühle) und Wolldecken mitgebracht. Man konnte es gerade so aushalten.

Die „Gurre-Lieder“ sind musikalisch höchst anspruchsvoll, für den Zuhörer sperrig, dramaturgisch eine ziemliche Katastrophe und trotzdem faszinierend. Dirigent Gabriel Bebeselea spürte den Details der Partitur mit Akribie und großem Respekt bis in die Facetten nach. Etwas rauschhafter hätte die Aufführung an manchen Stellen geraten dürfen; Ansätze gab es, aber diese verloren sich manchmal etwas unter dem freien Himmel. In einem großen Saal wäre vieles akustisch plastischer hervorgetreten. Die kombinierten Philharmoniker aus Gera/Altenburg und Temeswar spielten aber trotzdem beseelt, präzise und mit großer Hingabe – es war schon ein Erlebnis, jede Stimme vielfachst besetzt zu hören (4 Harfen, 9 Kontrabässe, Blech zählte jeweils nach Dutzenden…).

Für die Gurrelieder braucht man 5 Gesangssolisten und einen Sprecher. Dabei hat der Sänger des Waldemar am meisten zu tun – gut die Hälfte der Solostücke fallen ihm zu. Roy Cornelius Smith sang präzise, wortverständlich und mit gutem Gefühl für den -sehr schrägen- Text. Ich sprach nach dem Konzert mit ihm und war erstaunt zu hören, daß dies seine ersten Gurrelieder waren; sonst singt er Otello, Don José und das übliche Tenorrepertoire. Sehr gute, eindrucksvolle Leistung.

Die andere größere Rolle ist die der Tove: Michaela Kaune meisterte die Partie mit fein schwebender Stimme und auch in großen Höhen souverän. Zur Pause ist Tove tot und nach dem von Ruxandra Donose eindrucksvoll stimmgewaltig gesungenen Einschub „Tauben von Gurre“ gibt es nur noch Soli für Männerstimmen: Cosmin Ifrim als Klaus, Alejandro Larraga Schleske als Bauer haben jeweils einen länglichen, thematisch etwas schwer zuzuordnenden Sologesang. Beide sangen engagiert und gut textverständlich. Zum Schluß rezitierte Johannes Schwärsky in der Rolle des Sprechers ein atmosphärisch dichtes, Naturphänomenen nachsinnendes Stück Prosa mit dem Titel „Herr Gänsefuß, Frau Gänsekraut“. Hm.

UND DANN KOMMT DAS CHORFINALE.

Die kombinierten Chöre der Opernhäuser beider Städte, die Chöre beider Philharmonien und der Chor des Ion-Vidu-Musikgymnasiums zählen zusammen 200 Stimmen. Die Männerstimmen hatten im 2. Teil des Konzerts schon zwei Einschübe zu singen, die mich sprachlos machten: ein musikalischer Gewaltritt in 16 (i.W. sechzehn) Stimmen geteilt, wie entfesselt gesungen von den enthusiastischen Herren und präzise und beeindruckend souverän dirigiert von Maestro Bebeselea. Im Finale steigert sich das Ganze dann zu einem veritablen Rausch, vielstimmig, dutzendfach geteilt, fast schmerzhaft gespreizt in der Auslotung aller Möglichkeiten klanglicher Wirkungen. 5 Minuten. Mehr würde man auch fast nicht anhören können. Delirium.

Großer Applaus. Und ein Gefühl der Erleichterung, dieses Unternehmen zu einem sehr guten Ende gebracht zu haben. Es waren zwei Abende, die auch mir einen anderen Zugang zu Schönberg haben weisen können. Jedenfalls zu dem frühen Schönberg; später, unter dem Eindruck zweier Kriege war auch seine Formensprache reduzierter, fast lakonischer. 

Einen Eindruck des Chorfinales bekommt man hier: https://www.youtube.com/watch?v=Si7xHNiZgl4

Grüße!

Honoria Lucasta

 

Erich Ruthner und Attila haben auf diesen Beitrag reagiert.
Erich RuthnerAttila

Liebe Honoria Lucasta, liebe Troubadours,

ich komme auf den vorangegangenen Beitrag zurück. Die Gurrelieder waren als Gemeinschaftsproduktion Gera/Timisoara entstanden aufgrund der seit DDR-Zeiten bestehenden Partnerschaft beider Städte.  Auf dieser Basis wurde bereits Mahlers 3. gemeinsam in beiden Städten gespielt, da die orchestrale Kapazität eines Orchesters nicht ausreichte. Und dabei entstand auch der Gedanke, Schönbergs Meisterwerk als wohl größte Herausforderung (sowohl personell als auch organisatorisch) aus Anlaß der Wahl von Timisoara als europäische Kulturhauptstadt gemeinsam auf die Bühne zu bringen. In Gera fanden am 22.09. und 23.09.2023 zwei Konzerte statt, ich war am 22.09.2023 dabei. Beide Vorstellungen waren ausverkauft. Unser wunderschöner Konzertsaal im Theater war für diese Massen akustisch und personell zu klein. Es wurde ausgewichen auf das Kultur- und Kongreßzentrum in Gera, welches bis zu 1700 Zuschauer besuchen können. Aber für die Gurrelieder mußten Teile der beiden Seitenränge für die Chöre genutzt und die Bühne für das Riesenorchester verlängert werden, sodaß ca. 1200 Besucher Platz fanden. 

Ich hatte die Gurrelieder vorwiegend aus TV-Aufführengen z.B. aus München in Erinnerung und auch youtube genutzt, mich auf dieses Ereignis vorzubereiten.

Es war die erste Aufführung dieses Werkes in Thüringen überhaupt, und die Besucher kamen aus ganz Mitteldeutschland, auch bayrisch habe ich gehört. In der Presse wurde das Ganze als Jahrhundertereignis angekündigt. Umso enttäuschter war ich, daß sich die überaus begeisterte Rezension auf wenige Spalten beschränkte und nicht einmal Platz für die namentlich Nennung der Solisten gefunden wurde. Die Rezension war zu Recht überaus begeisternd. Die Aufführung hat infolge der Geschlossenheit des Raumes  und trotz der trockenen Akustik die ganze Wucht der Musik auf die begeisterten Zuschauer übertragen können. Dabei ist besonders der 1. Teil zart und voller inniger Liebestöne von Waldemar für seine Tove, während der 3. Teil, das gewaltige Chorfinale „Sehet die Sonne“ selbst Mahlersche Dimensionen überschreitet und höchstens durch dessen 8. Sinfonie erreicht wird. Da die Heimatpresse keinen Platz fand, möchte ich nur kurz auf die Qualität der engagierten Sänger eingehen.

Roy Cornelius Smith ist ein amerikanischer Tenor, der bereits weltweit besonders als Heldentenor unterwegs ist, so an der Metropolitan Opera, in Chicago und Montreal, an der Deutschen Oper Berlin, den Salzburger Festspielen, Kopenhagen, Oslo, Malmö, Hannover, Leipzig uva. Michaela Kaune begann ihre Weltkarriere an der Deutschen Oper Berlin, u.a. als Feldmarschallin, Arabella und Eva (diese Rolle sang sie auch 2008/2009) in Bayreuth, sie sang in Brüssel, Hamburg, Dresden, München und auch in Salzburg. Jetzt ist sie Professorin für Gesang in Hamburg. Die Rumänin Ruxandra Donose war an der Met, in Coventgarden, an der Opera Bastille, in Salzburg uva zu erleben, jetzt ist sie Gesangsprofessorin in Linz. Cosmin Ifrim war acht Jahre an der Staatsoper Wien verpflichtet, sang auch in Berlin an der Staatsoper und in dieser Saison den Alfred in London und Athen sowie den Pedrillo in München. Und schließlich hat auch der in Gera verpflichtete Alejandro Larraga Schleske die außerordentlich schwere und ich finde auch undankbare Aufgabe des Bauern meisterhaft gestaltet.

In Gera gab sich eine Gesangselite die Ehre, die nicht alltäglich ist. Zum Gesamteindruck kann ich mich Honoria Lucasta nur anschließen. Es war ein unvergeßlicher Abend. Schade, daß dieses „Jahrhundertereignis“ für Thüringen der Nachwelt nicht erhalten bleibt. Soweit ich weiß, ist ein Tonträger nicht vorgesehen.

Herzlichst Sir Morosus

Sir, 

liebe alle,

das finde ich nun ziemlich genial: daß tatsächlich ein kundiger Thebaner das künstlerische Gegenstück zu unserer Temeswarer Aufführung in Gera besucht und darüber eindrucksvoll geschrieben hat. Herzlichen Dank, Sir Morosus!

Ich denke, daß das Erlebnis im Saal zu Gera intensiver war als im hiesigen Park, wo der Lärm der zeitgleich feiernden West-Universität gegenüber leider nicht zu überhören war, jedenfalls am 2. Abend. Aber ein eindrückliches Erlebnis war es allemal.

Grüße!

Honoria Lucasta

Einen geradezu spektakulären Erfolg hatte das Heilbronner Sinfonie Orchester am 12. November bei der Aufführung von  Beethovens 9. Sinfonie aus Anlass seines 75 jährigen Jubiläums. Bereits die ersten drei instrumentalen Sätze wurden abwechslungsreich, mit hoher Variabilität, die Höhepunkte markant betonend realisiert.

Zum besonderen Erlebnis wurde jedoch der grandiose Schlusssatz durch den ausgezeichnet vorbereiteten Philharmonischen Chor Heilbronn. Nach  Schätzung waren  es zwischen 8o und 100 Chormitglieder, die auf der Bühne standen .  Für den durchweg ausgewogenen Klang war sicherlich mitentscheidend, dass die Frauenstimmen kein hörbares Übergewicht gegenüber den Männerstimmen hatten. Stimmlich wurden alle Probleme, auch die extremen Höhen bei den Frauenstimmen, gemeistert. Lobend zu erwähnen ist auch die ausgezeichnete Wortdeutlichkeit aller Mitwirkenden.  Eine glückliche Hand hatte man auch mit der Auswahl der vier Solisten. Bereits der Bass Stephan Klemm zelebrierte mit vorbildlicher stimmlicher Präsenz  und großem Volumen mühelos  sein an Koloraturen reiches Rezitativ. Der Tenor Kammersänger Clemens Bieber ist durch seine wiederholten Auftritte in Heilbronn dem Publikum bestens vertraut . Er präsentierte den Tenorpart auf dem von ihm gewohnten Niveau mit hohem Nachdruck und Eindringlichkeit. Die Sopranistin Mirella Hagen und der Mezzo Josipa Bainac glänzten mit ihren jugendlichen Stimmen besonders  in den Duetten in vollendeter Harmonie.

Alois Seidlmeier gelang es auch in diesem Konzert trotz begrenzter Probenzeit,  seine musikalische Konzeption durch sein  durchweg intensives Dirigat, mit klarer Zeichengebung und der besonderen Fähigkeit alle Mitwirkenden durch sein sympathisches, mitreißendes Charisma spontan zu begeistern und  zu Höchstleistungen zu motivieren. Heilbronn kann sich glücklich schätzen, mit Alois Seidlmeier einen Dirigenten von diesem Format als ständigen künstlerischen Leiter für das Heilbronner Sinfonie Orchester gewonnen zu haben.

In diesem Jubiläumskonzert gelang es,   im wahrsten Sinne des  Wortes  „Freude schöner Götterfunken“ zu entfachen. Der ekstatische Jubel  wurde vom Publikum mit kaum endendem Beifall, Bravorufen und  Standing Ovations anerkannt.

Für die Mitglieder und Leser unseres Troubadour-Forums ist noch interessant, dass unser aktives Mitglied Wolfgang Kärcher mit seinem Sohn im Chor mitgesungen hat.. 

Vielleicht ist Wolfgang bereit, die vorstehenden Betrachtungen mit seinen Eindrücken  als Mitwirkender abzurunden. Das wäre eine ideale Ergänzung zu diesem Konzertbericht  von Hans dem Sängerfreund.

 

Erich Ruthner und uhrand haben auf diesen Beitrag reagiert.
Erich Ruthneruhrand

Hallo

Üblicherweise hat man als Sänger nach einer derartigen Veranstaltung immer irgendwelche Passagen, mit denen man persönlich nicht zufrieden war (meist ohne dass das Publikum davon etwas gemerkt hat). Hier war es tatsächlich anders. Jede und jeder im Chor war erfüllt von der Aufführung. Der Chor war stets präsent und von Alois Seidlmeier gut „geführt“. Ich habe ebenso wie alle anderen die Ode als absolute Freude empfunden.

Gruß Wolfgang

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Liebe alle,

gestern abend zur Halbzeit einer terminlich wieder mal übervollen Phase ein Konzert mit dem hiesigen Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Cristian Macelaru, der sonst noch das WDR-Sinfonieorchester leitet und auch das Orchestre National de France. Da er aus Temeswar gebürtig ist und öfters die Familie und musikalische Freunde besucht, kommen wir hier ab und wann mal in den Genuß seines Dirigats.

So auch gestern in einem sehr schönen Konzert, das mit Samuel Barbers Adagio für Streichorchester op. 11 begann – das spielt man hier öfters, es ist ein netter Anfang zum seelischen Herunterkommen und tut niemandem weh. 

Im Anschluß trat ein Wunderkind auf: der 16-jährige Colin Pütz aus Bergisch Gladbach spielte Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 KV 467. Pütz ist von Macelaru mitentdeckt und gefördert worden. Man merkte, daß der Maestro den jungen Mann väterlich instruiert und begleitet – das Zusammenspiel funktionierte einwandfrei, man hörte gut aufeinander und musizierte sehr engagiert. Technisch ist Pütz schon auf einem sehr hohen Niveau, und man hörte, daß ihm die Sache Spaß machte. Am schönsten war natürlich der 2. Satz, fast vornehm respektvoll gespielt. Aber man merkt dort, und noch mehr im 3. Satz, daß zu einer überragenden Konzertleistung auch Reife und Persönlichkeit und der Mut zum Temperament gehören – da muß Pütz sich noch entwickeln. Es war aber eine sehr schöne Leistung, das Publikum (viele mütterliche ältere Damen mit einem sichtbaren Penchant für den noch recht kindlich wirkenden Wunderknaben…) jubelte, es gab eine Zugabe, die ich nicht kannte, und alles ging zufrieden in die Pause.

Danach gab es Mozarts Requiem. Es sang der Philharmonische Chor, Solisten waren aus dem Ausland engagiert. Solisten sind ja in diesem Requiem nicht von allerentscheidenster Bedeutung – die gestern eingesetzten machten ihre Sache sehr ordentlich, nicht mehr. Ausgesprochen gut gefiel mir der Chor. Man merkt Chören in orthodoxer Umgebung und mit auch im Gottesdienst eingesetzten Sängern das intensive Training des wortverständlichen Singens an. Das macht den Eindruck noch einmal größer, vor allem im „Lacrimosa“, überirdisch schön ausgeführt. Zum Schluß großer Jubel auch hierfür, und Macelaru gönnte dem Publikum noch ein Zuckerl in Form des „Ave Verum“ – ein schöner Abend.

Grüße!

Honoria Lucasta

P.S. Im Publikum saß Maestro Gabriel Bebeselea, der für einige Workshops nach Temeswar gekommen war und kollegial das Konzert genoß. Wir hoffen, daß solch eine Dichte von Spitzenmusikern auch zu realisieren sein wird, wenn das Kulturhauptstadtjahr zu Ende sein wird…

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Ich darf vielleicht ergänzend eine Aufnahme von Colin Pütz hinzufügen, in der er Beethovens Klaviersonate Nr. 23 f-moll op. 57 spielt. Die Aufnahme entstand wohl vor 7 Monaten, am 29. 4. 2023, und diese Sonate überhaupt aufzunehmen, bedeutet schon so etwas wie ein Ritterschlag, und wenn es dann so klingt, darf es sicherlich keine zwei Meinungen darüber geben, welche Zukunft dieser junge Mann hat, wenn er denn verantwortungsvoll geführt wird:

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Liebe Grüße

Willi😀

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand
Zitat von Willi am 30. November 2023, 21:03 Uhr

und wenn es dann so klingt, darf es sicherlich keine zwei Meinungen darüber geben, welche Zukunft dieser junge Mann hat, wenn er denn verantwortungsvoll geführt wird

 

Dem kann ich nur zustimmen 👍👍👍

 

Willi hat auf diesen Beitrag reagiert.
Willi

Weil ich noch nicht in den Schlaf kam, bin ich noch einmal zum Computer zurückgekehrt und habe noch eine neuere Aufnahme von Colin Pütz mit der Appassionata gefunden. Diese fand knapp vier Monate später beim Rheingau-Musikfestival statt, und dort hat er im langsamen Satz noch etwas mehr Ruhe walten lassen als im April, womit er m. E. dem Kern dieses  Andantes noch etwas näher gekommen sein dürfte, was mit einer weiteren künstlerischen Reifung einher gegangen sein dürfte:

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Das Andante beginnt hier bei 10:15 min., in der April-Aufnahme schon bei 9:55 min., was darauf hindeutet,  dass er den Kopfsatz im späteren Konzert auch etwas langsamer genommen haben dürfte.

Liebe Grüße

Willi😀

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Danke Willi,

weil ich auch noch nicht schlafen konnte, habe ich mich ebenfalls wieder an den Computer gesetzt und die neuere Appassionata-Version von Colin Pütz angehört, die du hier freundlicherweise eingestellt hast. Der junge Pianist erscheint darin sicher musikalisch reifer, dennoch gefällt mir die jugendliche Frische der April-Version fast noch besser, was aber zum Teil auch der Tontechnik angerechnet werden könnte, da sie sein Spiel deutlicher wiedergibt als in dem meiner Ansicht nach leider etwas verschwommenen Klang der späteren Aufnahme. Je mehr man außerdem das Andante quasi als Adagio interpretiert, umso schwieriger wird dadurch auch die Phrasierung, so habe ich das Gefühl.

Liebe Grüße
André

Da wir gerade bei Colin Pütz sind, stelle ich mal sein neuestes Video ein:
Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate No. 8, a-minor, KV 310

  1. Allegro maestoso
  2. Andante cantabile con espressione
  3. Presto

Colin Pütz, Klavier
Leoninum Bonn, 19.11.2023

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