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Troubadour-Forum für klassische Vokal- und Instrumentalmusik

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Ein musikalischer Schatz wurde aufgetan!

Johann Michael Haydn, jüngerer Bruder des großen Joseph Haydn, war zu seiner Zeit ein berühmter Komponist und Lehrer einiger später berühmter Komponisten. Und seine Musik wurde von den Zeitgenossen bewundert, so beispielsweise von dem jungen Wolfgang Amadé Mozart. Dessen Vater Leopold hatte bezüglich der Person Michael Haydn aber keine gute Meinung, er nannte ihn immer wieder Säufer und Faulpelz. Ich muss aber gerechterweise hinzufügen, dass auch Leopold Mozart die geistliche Musik Haydns mit dem Attribut wertvoll bezeichnete.

Ich habe seine Musik in der bei Brilliant erschienenen Box kennengelernt und muss sagen, dass ich sie gerne höre (Sinfonien und Kammermusik, Geistliches und ein Singspiel), finde sie auch leicht zu fassen, konnte aber nicht dem häufigen Argument zustimmen, dass Michael Haydns Musik mit der seines Bruders Joseph konkurrieren kann. Lange Zeit lagen für mich Welten zwischen den Kompositionen der Brüder und Joseph lag dabei weit vorne.

Die Bevorzugung von Joseph Haydn hat nun einen Knacks bekommen, soll heißen, dass mir die Anschaffung von Michael Haydns Oratorium Kaiser Constantin I. Feldzug und Sieg die Ohren für die Musik von Michael Haydn etwas mehr geöffnet hat. Das Thema dieses Oratoriums ist der Sieg unter dem Zeichen des Kreuzes von Kaiser Konstantin über seinen Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke in Rom im Jahre 312. Ich gebe zu, dass ich persönlich von dieser „Legende“ nicht überzeugt bin, halte sie auch für eine bewusste Zeichnung der ersten Christen in Rom. Dagegen steht jedoch das Edikt von Mailand aus dem Jahr 313, das den Bürgern des Römischen Reiches Religionsfreiheit gewährte. Das soll aber nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Der Text von Haydns Oratorium stammt von Johann Heinrich Drümel (1707-1770), einem Salzburger Juristen, Theologen und Universitätsprofessor. Ein wichtiger Teil dieses Textes nimmt sich der großen Christenverfolgungen vor Konstantins Herrschaft (besonders unter Diokletian) an. Nun muss man wissen, dass die Handelnden in diesem Werk allesamt allegorische Figuren, wie Glaube, Theologie, Kleinmütigkeit, Philosophie, Glaube und Tapferkeit sind, und vom Komponisten Sopranen zugewiesen wurden (was nicht unbedingt der Klarheit dient, denn die Unterscheidung der Sängerinnen ist nicht immer einfach), und genau das wäre ein Kritikgrund an diesem Oratorium. Was der Salzburger Haydn jedoch seinen Interpretinnen in die Noten schreibt, ist schon bewundernswert, erfordert enorme stimmliche Virtuosität, die den hier eingesetzten Sängerinnen aber auch gelingt.

Emöke Barath (Theologie)
Klara Kolonits (Kleinmütigkeit)
Theodora Raftis (Philosophie)
Chantal Santon Jeffery (Glaube)
Katalin Szutrely (Tapferkeit)
Péter Bárány (Countertenor, nur im Schlusschor)
Purcell Chor
Orfeo Barock-Orchester Budapest
György Vashegyi

Ein Stilmittel Haydns ist der Einsatz von Blechblas-Instrumenten bei der Begleitung von Solo-Arien (die im übrigen auch in seinen Sinfonien vorkommen). Hier, im Oratorium gibt es drei solche Arien, die mir ganz besonders gut gefallen und die Michael Haydn für mich einige Stufen höher rutschen ließen. Da ist, gleich zu Beginn des Werkes die Arie der Tapferkeit

Jubilieret, triumphieret,
gesegnete Christen, erhebet den Sieg.

Der Trompeter der damaligen Hofmusiker des Fürsterzbischofs muss ein wahrer Virtuose gewesen sein, denn schwere Intervallsprünge, herausfordernde Läufe bei schnellem Tempo lassen den Hörer nicht nur aufhorchen, sondern man möchte am liebsten dem Solisten (natürlich nach dem Stück) aus Bewunderung die Hand drücken.

Das ging mir bei der Arie des Glaubens
O du zentnerschwere Last,
o du Qual in meinem Herzen,
o ihr Stiche voller Schmerzen,
o du Brust voll Angst und Fraß
übrigens genauso, hier ist allerdings der Hornist der Virtuose, der sein Instrument mit der Inbrunst eines in die Musik verliebten Virtuosen handhabt. Auf die Spitze getrieben wird die musikalische Virtuosität in der Arie der Kleinmütigkeit im zweiten Teil

Stille, Stille, Gottes Wille
ist uns heilsam, ewig gut

die Haydn für Horn- und Posaunensoli in der Begleitung von Streichern, Flöten, Hörnern mit Continuogruppe komponiert hat. Ich kann mich an keine ähnliche Stelle in irgendeinem Oratorium erinnern, wo so eine Instrumentierung zu finden ist: Horn und Posaune als Soli bei der Begleitung einer Arie. Und dann noch in einer fantastischen Ausführung, bei der die Läufe in den Soloinstrumenten wie mühelos hervorgezaubert werden. Chapeau!

György Vashegyi, Dirigent dieses Oratoriums, hat im Booklet ausgeführt, dass in den 1760er Jahren das italienische Oratorium eine Wandel durchgemacht hat. Die an sich üblichen ABA-Arien wurden durch jene im Sonatenhauptsatzform mit Dal-Segno-Endung ersetzt, was Michael Haydn hier auch nutzt, wobei er aber an der durchaus konventionellen Besetzung des Instrumentalensembles festhielt.

Eine eindeutige Empfehlung gebe ich hier den Liebhabern von Oratorien für diese Aufnahme.

Gestaltung Agentur kuh vadis