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Ein Oratorium in Twitter (X)-Manie!

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Nach dem erst kürzlich erfolgten Kauf des Oratorium San Giovanni Crisostomo von Alessandro Stradella, kann ich einen weiteren Kauf eines Werkes von ihm vermelden, nämlich Santa Pelagia. Und wieder ist das Ensemble Mare Nostrum unter der Leitung von Andrea de Carlo das Entdecker-Team. Und wieder sind nur vier Solisten gefordert, nämlich Roberta Mameli (Sopran) als Santa Pelagia, Raffaele Pe als die Allegorie Religion (Contralto), dann noch Luca Cervoni in der Rolle des Nonno (Großvater, Tenor) und der Allegorie Mondo des Sergio Foresti (Welt, Bariton).

Santa Pelagia ist auch ein religiöses Oratorium, von dem ich mit der Hilfe des www einige nähere Informationen geben kann, denn auch hier ist Mare Nostrum mit seinen Protagonisten im Booklet nur mit Italienisch, Englisch und Französisch präsent, Sprachen also, die ich nicht beherrsche:

Pelagia, eine entzückende junge Tänzerin am Kaiserlichen Hof von Antiochia in Syrien, ist das Objekt der Rivalität zwischen dem bösen Engel Mondo (die Welt), der Pelagia dazu drängt ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, bevor das Alter ihre Schönheit vernichtet, und dem Bischof Nonno von Edessa, der sie mithilfe des guten Engels Religione dazu animiert, ihr Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Pelagia unterliegt dem Schmeicheln des bösen Engels, doch als Mondo gerade seinen Sieg feiern will, zieht sich Pelagia unerwartet in eine einsame Höhle in der Wildnis zurück, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt, um Gott zu dienen.

Was mir schon bei San Giovanni Crisostomo aufgefallen ist, was ich aber dort nicht erwähnt habe, kommt auch hier wieder zum Tragen: die Rezitative und Arien sind sehr kurz gehalten. So sind es bei San Giovanni Crisostomo 42 Tracknummern, die auf einer CD untergebracht wurden und hier, bei Santa Pelagia, 54 Tracknummern auf einer Scheibe. Ein Hörer schreibt dazu in einer Rezension, es seien „Arien, wie eine Twitter-Nachricht“, was man heute gedanklich natürlich in „X-Nachricht“ übersetzen muss. Als ein Beispiel nenne ich hier die Arie der Welt „E follia pugnat con gli astri“, die nur 27 Sekunden Gesang lang ist.

Ein „bereinigtes“ Original

Für diese Ausführung hat sich Andrea De Carlo nach einem ausgiebigen Quellenstudium entschieden und die später der Partitur hinzugefügten Streicherstimmen als nicht original geoutet und auf ihren Einsatz verzichtet.

Roberta Mameli ist geradezu eine Idealbesetzung der Pelagia. Sie verkörpert die Wandlung von der Tänzerin am Hof in Syrien zur geläuterten christlichen Einsiedlerin eindringlich und mit einer solchen lntensität aber auch Leichtigkeit, dass man sich im 17. Jahrhundert und in der Gegenwart zugleich fühlt.

Das Oratorium ist weniger eine Lebensbeschreibung der Tänzerin Pelagia als eine Darstellung der inneren Konflikte der Protagonistin. Für Roberta Mameli machen diese Seelenqualen, das Zweifeln an sich selbst und die Darstellung der Möglichkeit, sein Leben zu verändern, den Reiz dieser allegorischen, moralischen Geschichte aus.

Plötzlich ein Lamm Gottes

Im 2. Teil des Oratoriums scheint die lebensfrohe Tänzerin, für Stradella eine Sympathie-Trägerin, zunächst dem Schmeicheln des bösen Engels zu unterliegen, und Mondo macht sich daran, seinen Sieg zu feiern. Doch da passiert die überraschende Wende und Pelagia zieht sich unerwartet in eine Höhle am Ölberg zurück, um für den Rest ihres Lebens Gott zu dienen, ein etwas zwiespältiger Gewinn, aber Anlass für einen Jubelchor, das einzige in Stradellas Oratorium. Hier auch dabei, der Altist Raffaele Pe als Religion.

Als sich Pelagia aus dem luxuriösen Leben am Hof in die Wildnis zurückzieht, interpretiert Stradella diese überraschende Wende am Schluss nicht mit einem entsprechenden musikalischen Showdown, im Gegenteil: Pelagia bleibt bis zum Schluss eine starke, jetzt geläuterte Frau und besingt Gott als ihren Monarchen.

Stradella selbst hatte wegen seiner Frauengeschichten einige Abenteuer zu bestehen, er verstarb schließlich durch einen Meuchelmord im Alter von 42 Jahren und es wurde nie geklärt, ob es ein Auftragsmord eines eifersüchtigen Ehemannes oder aus Missgunst war. Die Italiener jedenfalls betrachten Stradella als ihren Vater des Barock. Diese Einspielung zeigt einmal mehr, wie viel es in Stradellas Werk noch zu entdecken gibt – was ein Vergnügen sein könnte, wenn es so präsentiert wird wie hier.

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André

Santa Pelagia, Ensemble Mare Nostrum:

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