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EYSLER, Edmund: DIE GOLDENE MEISTERIN

Edmund Eysler (1874-1949)
DIE GOLDENE MEISTERIN
Operette in drei Akten
Text von Julius Brammer und Alfred Grünwald.

Uraufgeführt am 13. September 1927 im Theater an der Wien.

Personen:
Margarete, reiche Witwe eines Goldschmieds, Sopran
Christian, Goldschmiedegeselle bei Margarete, Tenor
Portschunkula, Margaretes Haushälterin, Mezzosopran
Graf Jaromir auf Greifenstein, Tenor
Ritter Fridolin von Gumpendorf, Tenor
Bruder Ignatius, singender Schauspieler
Friedl, Lehrjunge, Soubrette
Der Altgeselle, Baß
Kontessa Giulietta, Sprechrolle
Bruder Severinus, Sprechrolle
Bruder Peregrinus, Sprechrolle
Chor, Ballett und Statisterie: Bürgerliches Volk, Gesellschaft, Lehrjungen, Gesellen, Troubadoure, Pagen, Mägde, Soldaten, Gäste, Musikanten, Küfer, Schankburschen.

Die Handlung ereignet sich im Wien der 60er Jahre des 16. Jahrhunderts.

1. Akt
Das Goldschmiedegeschäft der Frau Margarete in Wien.
Frau Margarete ist eine weithin bekannte Goldschmiedemeisterin, die allerdings schon früh ihren Mann verloren hat. Der große Erfolg ihrer Werkstatt hat ihr zum respektvollen Namen „Goldene Meisterin“ verholfen. Sie steht zwar mit beiden Beinen im realen Leben, hat aber eine Schwäche für alles Adlige. Am Tage vor dem hier zu berichtenden Geschehen hat sie inkognito an einem Ball des Adels teilgenommen und dabei einen sehr charmanten Tänzer kennengelernt, der sie immer nur „Prinzessin“ nannte. Dieser wunderschöne Ballabend und der hübsche Tänzer gehen ihr einfach nicht aus dem Kopf.

Meisterin Margarete rafft sich auf und beschließt, jetzt in ihrer Werkstatt doch mal nach dem Rechten zu sehen. Sie hat nämlich einen Auftrag von der Komtesse Giulietta bekommen, die sich einen kunstvoll gearbeiteten goldenen Teller wünscht. Den soll der neue Geselle Christian anfertigen. Der ist seit ein paar Wochen Geselle in ihrem weit über Wien hinaus bekannten Goldschmiedeladen. Die Komtesse aber hat festgestellt, dass dieser Christian ihr von Rom her bekannt ist; dort wirkte er zunächst nämlich als Bildhauer und schulte auf Goldschmied um, als die Geschäfte nachließen. Danach kehrte er jedoch in sein geliebtes Wien zurück.

Die Meisterin hat zwar ihre Freude an Christian, erfährt aber gerade zufällig aus seinem Gespräch mit der Komtesse, dass er der Tänzer vom Vortage war. Innerlich empört, möchte sie Christian sofort entlassen, muss sich aber im selben Augenblick eingestehen, dass er wegen des Auftrags der Komtesse nicht entbehrlich ist. Außerdem war es ja wirklich schön auf dem Ball und es wäre doch ganz nett, mit ihm noch einmal über das Ballgeschehen zu plaudern. Dass sich Christian in sie verliebt hat, ihr diese Liebe aus Scham aber nicht gestanden hat, weiß sie natürlich nicht.

Jetzt wird es schon wieder Abend, und in wenigen Augenblicken soll der Meisterin ihr Hausball beginnen. Da erscheint Ritter Fridolin von Gumpendorf und stellt ihr den Grafen Jaromir von Greifenstein, seinen Kumpel, vor. Der ist zwar aus verarmten Adel und hofft sich durch eine reiche Heirat finanziell zu retten. Allerdings kennt Geselle Christian diesen Jaromir bereits aus der Zeit, als er noch in seiner Heimatstadt Nürnberg lebte. Er warnt seine Meisterin vor dem Tunichtgut, der schon vier uneheliche Kinder habe, wird aber von der Meisterin zurückgewiesen. Was versteht schon dieser Geselle von Adligen, mag sie im Hinterkopf haben. Als Bewunderin alles Adligen freut sich über den Besuch des Grafen von Greifenstein und fühlt sich von dessen Werben sehr geschmeichelt.

2. Akt
/
m Hofraum des Hauses der Meisterin.
Margaretes Haushälterin Portschunkula hat sich vom Adelswahn ihrer Herrin anstecken lassen und seit der Ritter von Gumpendorf beim Hausball der Meisterin im Alkoholrausch einen Heiratsantrag gemacht hat, ist sie ganz aus dem Häuschen. An das Eheversprechen will sich der Herr Ritter, wieder nüchtern geworden, jedoch partout nicht mehr erinnern. Vielmehr geht sein Sinnen und Trachten danach, seinen Kumpel Jaromir von Greifenstein mit Meisterin Margarete zu vermählen.

Und die vernimmt jetzt mit großer Freude, dass der Herr Graf um ihre Hand anzuhalten gedenkt. Dadurch ist ihr Geselle Christian natürlich um den Platz an ihrer Seite völlig aus dem Rennen! Christian aber denkt nicht daran, einfach aufzugeben und will der geliebten Chefin beweisen, dass Jaromir ein Lump ist und eine Ehe mit ihm nur Ärger für Margarete bedeutet. Er hat daher an den Posthalter Paradeiser in Nürnberg geschrieben, den er als Großvater der Braut Greifensteins kennt und die der werte Herr einfach hat sitzen lassen. In dem bewussten Schreiben bat Christian den „sehr geehrten Herrn Posthalter“, doch bitte umgehend nach Wien zu kommen und seine Meisterin über den windigen Herrn Grafen aufzuklären.

Tatsächlich hat sich der Posthalter auf die Reise gemacht, aber bis er in Wien eintrifft, das weiß Christian natürlich, wird Margarete bereits das traurige Opfer eines widerlichen Betruges geworden sein. Deshalb sieht Christian nur die Möglichkeit, als Posthalter Paradeiser aufzutreten, um seine geliebte Margarete vor großem Unglück zu bewahren.

Gerade als Margarete dem Grafen ihr Jawort geben will, tritt Christian als „Posthalter Paradeiser“ hervor und berichtet den erstaunten Trauzeugen von der verlassenen Braut und den vier unehelichen Kindern des Greifenstein in Nürnberg. Der Graf sieht sich betrogen, sucht aber schnell das Weite. Nun gesteht Christian seiner Herrin, sich in sie verliebt zu haben. Margarete aber fühlt sich das zweite Mal von ihm hereingelegt und brüllt ihn verärgert an. Im selben Augenblick erkennt sie ihren Fehler, weil sie merkt, dass ihr Geselle sie vor einem Betrüger beschützt hat. Ihre Absicht, sich jetzt mit Christian zu versöhnen, gelingt jedoch nicht, denn der will sich jetzt nicht mehr mit der „Goldenen Meisterin“ versöhnen, sondern unbedingt aus Wien fortziehen. Er verlässt schnell den Ball.

3. Akt
Wirtshausgarten des Stiftskellers Klosterneuburg bei Wien.
Die Gesellen und Lehrbuben feiern hier fröhlich den soeben freigesprochenen Gesellen Friedel mit „Fasslrutsch’n“. Weil aber der allseits beliebte Christian fort ist, sind sie doch ein wenig verdrossen. Sie wünschen sich, endlich wieder einen richtigen Meister in der Werkstatt zu haben. Und der Christian wäre so ein Kandidat gewesen. Der ist aber noch nicht abgereist, sondern kommt in einer Kutsche vorgefahren, um hier noch einmal Halt zu machen, bevor er Wien endgültig den Rücken kehrt.

Nach Christian kommen auch Margarete mit Portschunkula und die beiden hungrigen Ritter. Wie sich schnell herausstellt, hat der Massenandrang durchaus seinen Grund: Über den Augustinermönch Ignatius vom Stift Klosterneuburg geht nämlich das Gerücht, er könne jungen Leuten mit Liebeskummer aus ihren schweren Nöten helfen. Insofern hat der fromme Mann immer wieder Besuch von Verliebten mit Problemen, die auf seinem magischen „Bonifatius-Stuhl“ Platz nehmen. Wer sich auf diesen Stuhl setzt, muss einfach die Wahrheit sagen – Lügen habe da sehr kurze Beine, heißt es.

So setzen sich Margarete und Christian auf den berühmten Stuhl und gestehen sich ihre große Liebe zueinander. Ende gut, alles gut. Dem Paar wird nun nichts mehr im Wege stehen, und in der Werkstatt gibt es schon bald neben einer Meisterin auch wieder einen Meister.

Auch Haushälterin Portschunkula und Ritter Fridolin von Gumpendorf nehmen auf dem Stuhl Platz und sprechen die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. So kann Ignatius den Ritter überzeugen, das Heiratsversprechen, wenn auch im Alkoholrausch gegeben, auch einzuhalten dem Höchsten wohlgefällig ist. Dass Portschunkula, wie er so nebenbei erfährt, sich im Laufe ihres Lebens ein kleines Vermögen zusammengespart hat, erhöht seine Heiratsfreude beträchtlich.

Auch Graf Jaromir von Greifenstein gesteht seine nicht gerade gräflichen Vergehen ein, will wieder nach Nürnberg zurück zu seiner Braut und den vier Kindern. Da ihm der inzwischen eingetroffene „echte“ Großvater Paradeiser mitteilt, dass seine Zukünftige eine nicht unbeträchtliche Erbschaft gemacht hat, ist für ihn natürlich sehr erfreulich. Deshalb liebt er seine Braut nun wieder „von ganzem Herzen“. Die Zuschauer dürften wohl berechtigte Zweifel an dieser Herzensliebe haben.

Die bekanntesten Stücke aus dieser Operette sind:
Du liebe gold’ne Meisterin;
Gräfin sein;
Lustig ist das G‘sellenleben;
In Grinzig is a Gasserl (Refrain: „So ein’n Wein gibt’s nur einmal auf der Welt“);
Aber du, du mein Herz, was sagst du;
So tanzt man nur in Wien.

Anmerkungen:
Edmund Samuel Eysler (eigentlich: Eisler) wurde am 12. März 1874 als Kaufmannssohn in Wien geboren und starb dort am 4. Oktober 1949 an den Folgen eines Bühnensturzes. Er sollte zwar Ingenieur werden, wurde jedoch durch die Bekanntschaft mit Leo Fall zum Musikstudium angeregt. Bei Robert Fuchs studierte er Kompositionslehre, nahm Klavier- und Dirigierunterricht und schloss seine Ausbildung mit Auszeichnung ab.

Zunächst konnte sich der junge Komponist nur mit der Erteilung von Klavierunterricht finanziell über Wasser halten, heiratete aber trotzdem 1898 Poldi Allnoch. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor. 1901 erhielt er endlich eine Stelle als Kapellmeister. Er schrieb zunächst Kammermusik und Klavierstücke, hatte aber schon bald die Bühne im Blick: es entstand die Oper „Fest auf Solhaug“ (nach Henrik Ibsen) und das Ballett „Schlaraffenland“, die es jedoch nicht auf die Bühne schafften.

Es war ein wohlgesinnter Verwandter, der Eysler mit dem Librettisten Ignaz Schnitzer, der schon am „Zigeunerbaron“ mitgewirkt hatte, zusammenbrachte. Auf diese Weise kam es zu dem Auftrag, Schnitzers Text zur Oper „Der Hexenspiegel“ zu vertonen, die dann an der Wiener Hofoper uraufgeführt werden sollte. Dazu kam es allerdings nicht, weil nämlich Gustav Mahler, damals Direktor des berühmten Hauses, das Werk für die Hofoper als nicht geeignet ablehnte. So war abermals eine Eysler-Oper für die Schublade komponiert worden.

Hier kommt der Verleger Josef Weinberger ins Spiel: der rät Eysler, aus dieser Musik eine Operette zu formen und es entstand „Bruder Straubinger“, die bei der Premiere am 20. Februar 1903 (mit Alexander Girardi in der Titelrolle) sofort einschlug. Eysler hatte seine wahre Bestimmung gefunden, denn es entstanden mehrere Operetten, leider nicht mit dem erwarteten Erfolg. Dann aber, am 14. Oktober 1910, ein großer Durchbruch mit „Der unsterbliche Lump“, denn dadurch wurde Eysler zum Hauskomponisten des Wiener Bürgertheaters. Nach einigen damals sehr erfolgreichen, aber heute vergessenen Operetten („Der lachende Ehemann“ erlebte von 1913 bis 1921 unglaubliche 1793 Aufführungen) entstand jenes Werk, das mit dem Namen Edmund Eysler untrennbar verbunden ist: „Die goldene Meisterin“. Der Komponist hat hier eine walzerselige Operette vorgelegt, die auf damals aktuelle musikalische Bezüge völlig verzichtet – und vielleicht gerade deshalb so erfolgreich war.

Ein ganz besonderer Verehrer dieser Operette, als Kuriosum erwähnt, war Adolf Hitler. Für den Diktator muss eine Welt zusammengebrochen sein, als er erfuhr, dass seine Lieblingsoperette von einem Juden komponiert wurde. Wie wir wissen, hat er sich aber einfach neu orientiert und fand dann „Die lustige Witwe“ besser. Diese Lehár-Operette hat zwar jüdische Textautoren, aber immerhin einen Arier als Komponisten. Für Eysler wurde es jetzt zwar schwierig, aber er lehnte es als „Bürger ehrenhalber der Stadt Wien“ ab, zu emigrieren, kam bei Freunden und entfernten Verwandten unter – und man muss feststellen, dass es für ihn „noch einmal gut“ ausgegangen ist.

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