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FALL, Leo: DIE ROSE VON STAMBUL

Leo Fall (1873-1925)
DIE ROSE VON STAMBUL
Operette in drei Akten
Text von Alfred Grünwald und Julius Brammer.

Uraufführung am 2. Dezember 1916 im Theater an der Wien.

Personen:
Exzellenz Kamek Pascha (Bariton)
Kondja Gül, seine Tochter (Sopran)
Achmed Bey (Tenor)
Midili Hanum (Sopran)
Müller senior aus Hamburg (Bass)
Fridolin Müller, sein Sohn (Tenor)
Güzela (Sopran)
Fatme (Sopran)
Emine (Sopran)
Durlane (Sopran)
Zobeide (Sopran)
Bülbül (Mezzosopran)
Djamileh (Alt)
Desiré, Kondjas Gesellschafterin (Sprechrolle)
Lydia Cooks, Midilis Gesellschafterin (Sprechrolle)
Black, amerikanischer Journalist (Sprechrolle)
Haushofmeister Sadi (Sprechrolle)
Chor: Gesellschaft, Hotelgäste, Hotelpersonal.

Der ersten beiden Akte spielen in Konstantinopel, der dritte in der Hotelhalle einer Stadt in der Schweiz, 1914.

1. Akt
Der Harem im Palast des Kamek Pascha.
Zu den Hauptpersonen des Geschehens muss zunächst erklärt werden, dass Achmed Bey der Sprössling eines hohen osmanischen Politikers ist; er sieht sich als aufgeklärten, westlich orientierten jungen Türken, der die heimische Gesellschaftsordnung reformieren will. Seine reformerischen Ambitionen zielen auch auf die Veränderung des mittelalterlich-rückständigen Frauenbildes. Allerdings geht sein Mut nicht soweit, die progressiven Ideen unter seinem richtigen Namen, sondern, mit Rücksicht auf die exponierte Stellung seines Vaters, doch lieber unter dem Pseudonym André Léry und in französischer Sprache zu veröffentlichen.

Kamek Pascha, in dessen Palast nun die Handlung einsetzt, ist das genaue Gegenteil von Achmed Bey: Er denkt und handelt ganz traditionell, hält sich einen Harem und überhaupt nichts von Frauenrechten. Insofern kann es auch nicht verwundern, dass er kurz nach der Geburt seiner Tochter Kondja mit dem Vater von Achmed Bey vereinbart hat, dass dessen Sprössling zu gegebener Zeit mit seiner Tochter vermählt werden soll. Damit kennen wir nun auch die weibliche Hauptperson, die, das muss man auch wissen, zu den begeisterten Leserinnen von Lérys Büchern gehört. So hat sie auch dessen neuestes Buch regelrecht verschlungen und diskutiert mit ihren Freundinnen über ein Leben ohne Harem, ohne Schleier und Kopftuch, wie es die Frauen im westlichen Ausland vorleben.

Was niemand aus ihrer Umgebung weiß, das Publikum aber erfährt und für den weiteren Verlauf der Handlung von Bedeutung ist: Mit Léry hat Kondja einen Schriftwechsel begonnen, aus dem im Laufe der Zeit Liebesbriefe wurden – und in den glühenden Antworten nennt sie den Autor Léry voller Poesie nur noch „Rose von Stambul“. Allerdings bringt Léry nicht den Mut auf, seiner Schreibpartnerin seine wahre Identität zu offenbaren, mit der Folge von Verwicklungen, die das Geschehen hier entscheidend bestimmen.

Was nun die Heiratsabsprache zwischen Kamek Pascha und Achmeds Vater betrifft, wird sie nun aktuell, denn Kondjas Vater kommt mit jenem Bräutigam auf die Szene. Und das bringt die Braut völlig aus dem Gleichgewicht, hatte sie doch diese Vereinbarung völlig verdrängt. Weil nach überkommener Tradition sich Braut und Bräutigam vor der Heirat nicht sehen dürfen, muss Achmed hinter einem Paravent ausharren. Im Gegensatz zu Kondja weiß er natürlich genau, wen er heiraten soll, und trotz der Eheanbahnung durch die Väter ist seine Liebe zu der „Rose“ Kondja sogar echt. In dem merkwürdigen Gespräch, Achmed hinter dem Paravent, sie mit ihrem Vater davor, nimmt sie zwar einen gewissen Charme des Zukünftigen zur Kenntnis, lehnt ihn aber trotzdem als Ehemann ab. Was ist schon Achmeds (zugegeben) weltgewandte Art gegen die herzige Brief-Poesie ihres André? Aber als gehorsame wie auch liebende Tochter muss sie ihres Vaters Entscheidung akzeptieren. Aber sie nimmt sich vor, die angelesenen Reformideen von André Léry in ihrer Ehe auch umzusetzen.

2. Akt
In Achmeds Palast, einige Zeit später.
Eine Verlobungsfeier, die hier zu erwarten gewesen wäre, wird übergangen, das Geschehen direkt mit der von den Vätern der Brautleute arrangierten Hochzeit im Palast von Achmed Bey fortgesetzt. Und da geschieht ebenso erstaunliches wie aufregendes:

Unter den Hochzeitsgästen ist nämlich auch ein Kaufmannssohn aus Hamburg, Fridolin Müller mit Namen, der reichlich Gelegenheit hatte, sich in Kondjas Freundin Midili zu verlieben. Dieser Fridolin ist in gewisser Weise in der gleichen Situation wie Kondja, denn Müller Senior will den Junior auch zwangsverheiraten – er handelt jedoch aus purem Geschäftsinteresse: Fridolin soll eine reiche Frau heiraten, einen Enkel zeugen, um seinen Kompagnon aus dem Geschäft zu katapultieren. Die Frage, was Fridolin will, ist durchaus berechtigt, die Antwort nicht wirklich überraschend: Junior will den Senior natürlich sowohl familiär als auch geschäftlich beerben, Heirat sogar inbegriffen, aber Liebe muss schon im Spiel sein. Und die schon erwähnte Midili ist für Fridolin die Richtige, womit er bei ihr sogar auf lebhafte Zustimmung stößt und damit alle Unklarheiten beseitigt.

Dieses Hintergrundwissen im Kopf, beweist Fridolin nicht nur großes Organisationstalent, sondern auch Mut: Er hat sich in Frauenkleidern unter die weiblichen Hochzeitsgäste gemischt, die nämlich von den Männern separiert feiern, konnte dabei Midili sogar schon entschleiert sehen und bringt es schließlich fertig, mit seiner Angebeteten aus dem Palast zu entkommen, und in ein schweizerisches Hotel zu entwischen.

Als die pompöse wie für westliche Augen auch merkwürdige Hochzeitsfeier zu Ende ist, die Gäste den Palast verlassen haben, möchte Kondja, nun mit ihrem Mann Achmed allein, eine Vereinbarung treffen: Sie wünscht sich eine Ehe nach westlichem Vorbild, Probezeit inbegriffen, in der erst einmal geprüft werden soll, ob man überhaupt zusammen passt! Außerdem möchte Kondja, Lérys Ansichten für sich in die Tat umsetzen wollend, auch immer noch „Nein“ sagen dürfen. Dagegen kann Achmed natürlich nichts einwenden und insofern ist er in einer schlechten Position – zumal er die Wahrheit immer noch nicht sagt.

In der Zweisamkeit mit Achmed gerät Kondja in eine Zwickmühle, denn sie hat, erstmals in ihrem Leben, ein Glas Champagner getrunken, und mit ihrem Mann sogar einen Walzer getanzt. Und diese Situation lässt sie fast schwach werden, während Achmed sich durch ihre fröhliche Sektlaune angeregt fühlt, sein Ehegattenrecht einzufordern. Das aber geht Kondja entschieden zu weit; es gelingt ihr, sich in ihr Zimmer zu flüchten und sich dort einzuschließen. Achmed bleibt nichts anderes übrig, als vor der Tür um Einlass zu bitten und zu betteln, doch Kondja ruft ihm zu, sie habe ihn nur aus Tradition und Gehorsam zum Vater geheiratet, Empfindungen für ihn habe sie nicht, denn ihre ganze Liebe gehöre dem Schriftsteller André Léry. Und mit dem, so sagt sie, werde sie sich im Ausland treffen. Jetzt hält es der Ausgesperrte doch für angezeigt, mit der Wahrheit herauszurücken – aber sein Geständnis, er selber sei jener André Léry, will Kondja partout nicht glauben. Bleibt Achmed nur, seiner belustigten Resignation Ausdruck zu geben:
Sie geht zu ihm und liebt nur mich.
Doch es ist einerlei:
Meine Frau geht mit mir selber durch,
und ich bin nicht dabei.

3. Akt
Im Hotel „Zu den drei Flitterwochen“ in der Schweiz, kurze Zeit später.
Fridolin und Midili haben in der Schweiz geheiratet und verleben fröhliche Flitterwochen. Als Fridolin sich eines Morgens in die Hotelhalle begibt, fällt er aus allen Wolken: Er steht seinem Vater gegenüber (weiß der Himmel, wer ihn über den Aufenthaltsort seines Sohnes informiert hat), der ihn für die von ihm fest eingeplante Zwangsheirat „rekrutieren“ will. Fridolin fängt sich schnell wieder und nutzt seine Chance mit einem festen Versprechen: In wenigen Monaten wird er Opa sein, wird ihn ein strammer Enkel anlachen. Der Senior horcht auf, grinst und ist sofort mit dem Junior versöhnt; die Frage, woher Fridolin weiß, dass der Nachwuchs ein Junge sein wird, will da gar nicht erst aufkommen.

Was aber ist aus Achmed und Kondja geworden? Nun, Kondja hat ihre Ankündigung wahr gemacht und ist tatsächlich einen Tag nach der Hochzeit in die Schweiz abgereist – weil ihr Achmed nämlich verraten hat, dass sich André Léry gerade dort aufhalte. Natürlich wird dem Publikum klar, dass Achmed einen Plan verfolgt. Und gerade im Hotel angekommen, erkundigt sich Kondja sofort an der Rezeption nach dem Schriftsteller, muss aber zu ihrem Entsetzen hören, dass Léry eine ganze Suite für sich und „seine Gattin“ gebucht hat. Das zieht ihr, so glaubt sie zumindest, den Boden unter den Füßen weg: André Léry ist bereits verheiratet? Waren alle Liebesschwüre nur Makulatur? Hat sie für ein Liebesphantom den (ohne Zweifel) sympathischen und freundlichen Achmed aufgegeben?

Just in diesem Augenblick (welch ein Timing!) kommt Achmed hinzu, gibt zunächst den Ahnungslosen, wird dann jedoch, als ihm Kondjas betrübtes Gesicht bewusst wird, offen und deutlich: Es ist so, wie er es ihr schon am Hochzeitsabend im Palast offenbarte – er ist André Léry und hat unter diesem Pseudonym seine reformerischen Ideen unter das Volk gebracht! Nun ist Kondja endlich überzeugt und eilt, ohne die gewünschte „Probezeit“ abzuwarten, mit Achmed schnurstracks in die herrschaftliche Suite. Dass nun Champagner getrunken, Walzer getanzt und schließlich auch der Ehevertrag freudig erfüllt wird, muss sicher nicht besonders betonen werden.

Bekannte Melodien in dieser Operette sind
Duett Kondja und Achmed: „Ein Walzer muss es sein“;
Achmeds Walzer: „O Rose von Stambul, nur du allein, sollst meine Scheherezade sein“;
Schlafgemach-Duett Kondja/Achmed: „Das ist das Glück nach der Mode“;
Lied Achmeds: „Zwei Augen, die wollen mir nicht aus dem Sinn“;
Achmeds Loblied: „Ihr stillen süßen Frau’n, Euch Ihr Frauen, gilt meine Serenade“.

Anmerkungen:
Als am 2. Dezember 1916 Leo Falls Operette die hier vorgestellte Operette im Theater an der Wien Premiere hatte, wird sich das Publikum möglicherweise gewundert haben: Sicherlich hatte es, dem Sujet entsprechend, ein exotisches Bühnenbild erwartet, etwa in Richtung der „Entführung aus dem Serail“, fand letztlich aber nur Vertrautes vor, nämlich einen kleinen und eleganten Damensalon – wäre da nicht der Panorama-Blick auf Istanbul bzw. Konstantinopel, getrübt durch ein großes, vergittertes Fenster im Bühnenhintergrund, gewesen. Also doch ein Harem, wenn auch verbrämt?

Egal: Das Publikum erlebte, ohne es zu ahnen, die Uraufführung eines der ganz großen Operettenerfolge des letzten Jahrhunderts. Dafür hatte Theaterdirektor Wilhelm Karczag mit Betty Fischer, Louise Kartousch, Ernst Tautenhayn und Hubert Marischka ein Ensemble aufgeboten, das den Erfolg mitten im ersten Weltkrieg sogar ins neutrale Ausland tragen durfte. Später, als Fritzi Massary in Berlin in einer umgearbeiteten Version der der „Rose von Stambul“ große Erfolge als Kondja Gül feierte, jubelte Oscar Bie sogar im „Börsen-Courier“ „Hier ist Höhe des Theaters!“

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