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Festspiele Erl, Sommer 2023

Hier werden Berichte zu verschiedenen Veranstaltungen der Erler Festspiele des Sommers 2023 eingestellt.

Liebe Grüße

Willi????

8. 7. 2023

Richard Wagner, Ring des Nibelungen: Siegfried

Rezension Siegfried Münchner Merkur vom 9. 8. 2023

Text: Markus Thiel

Foto: Xiomara Bender

Nahaufnahmen: Brigitte Fassbaenders „Siegfried“ in Erl

Simon Bailey und Peter Marsh

Göttervater auf Inspektionsreise: Der Wanderer alias Wotan (Simon Bailey, vorn) besucht Mime (Peter Marsh) in dessen Schmiede. Dort soll Siegfried später zu seinem Schwert kommen. © Xiomara Bender

Nominell sind es zwar Götter oder andere sagenhafte Wesen. Doch auch in ihrem „Siegfried“ lässt Regisseurin Brigitte Fassbaender manchmal überdrehte, aber immer liebenswerte Menschen aufeinandertreffen. Gerade war Premiere bei den Tiroler Festspielen in Erl.

Klunker hat er ihr wohl schon zur Genüge mitgebracht. Fürs erneute Rendezvous taugt daher eine Flasche Schampus: Wotan und Erda, das ist eine On-off-Beziehung. Wenn er nicht weiterweiß, landet er bei ihr unter der Satin-Bettdecke. Doch jetzt, wir ahnen es, hat die weissagende Göttin genug. Wobei Göttin: Auch in diesem „Siegfried“, im dritten Teil des Erler „Ring des Nibelungen“, sind ausschließlich Menschen unterwegs. Und zu verdanken ist das der weisen Menschenkennerin Brigitte Fassbaender, die im Inntal gerade ihre Regie-Laufbahn mit dem Wagner-Zyklus krönt.

2021 ging das dort los mit dem „Rheingold“, im vergangenen Jahr folgte „Die Walküre“, heuer sind „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ dran. Und für die kompletten Zyklen anno 2024 startete gerade der Vorverkauf. Ohnehin sind Ausstattungsexperimente im Passionsspielhaus zwecklos. Das sämig-warmblütig tönende Festspielorchester auf der Hinterbühne, getrennt durch einen Gazevorhang, kaum Maschinerie, dafür eine Spielfläche direkt vor dem Publikum: Da reichen dank Ausstatter Kaspar Glarner ein paar Stufen, Amboss, Schrank, ein Verschlag rechts (in dem der saufende Alberich haust) und ein Versenkungsmechanismus. Der transportiert am Ende die schlafende Brünnhilde nach oben und eine halbe Stunde zuvor zum Wotan-Date die schlummernde Erda. Dazu gibt es Videos von Bibi Abel, die mal die Vorhänge in Erdas Riesengemach wehen oder das Feuer am Walkürenfelsen leuchten lassen. Aus Improvisation wird Tugend.

Kleine Regie-Zeichen genügen, Augenzwinkerndes inklusive

Im Grunde bietet auch der „Siegfried“ von Opernlegende Brigitte Fassbaender größtmögliche Kontrastmittel: Während die Musik bauscht und rauscht, sich unter der sorgsamen Stabführung von Erik Nielsen ins Haus schmiegt, verfolgt man viereinhalb Stunden lang ausschließlich Intimes. Kleine Zeichen genügen, und schon ist alles klar, Augenzwinkerndes inklusive. Siegfried braucht kein Horn, er bläst auf den Fäusten. Um Brünnhilde zu erwecken, küsst er ihr nicht den Mund, sondern demutsvoll die Füße – ein sehr berührender Moment.

Was wir verfolgen, ist kein Politdrama im Großformat, sondern eine subtil erzählte Familiengeschichte. Doch die gleitet nie in Serienware à la „Denver Clan“, sondern lässt schon auch Pathos, den raumgreifenden Moment zu – für den es, die Fassbaender beweist es, keine Mega-Zeichen braucht. So außer sich alle Figuren oft sind, so wenig driften sie doch in die Karikatur oder ins Flachrelief. Die richtige Dosierung an Zeichen, Gesten und Gängen muss einfach stimmen. Was oft zum Idealfall führt: Eine ordnende Regie-Hand ist plötzlich nicht mehr spürbar, am stärksten in den Zweierbegegnungen. Wotan/ Wanderer ist kein heruntergerockter Gott, sondern ein Elder Statesman, der sich in Mimes Schmiede mit der berühmten Frageszene sein eigenes Schicksal vergegenwärtigt. Und Letzterer ist kein keifender Sagen-Zwerg, sondern ein gestrandeter, leicht überschnappender, liebenswerter Underdog.

So erotisch und vielsagend wie in Erl wurde die letzte Begegnung Wotan/Erda noch selten geschildert. Und im Final-Duett verfolgt man, wie sich Siegfried und Brünnhilde nur allmählich Berührungen gestatten – wofür die Fassbaender die breite Bühne vollumfänglich nutzt. Gefühlte Nähe, das führt sie handwerklich souverän vor, lässt sich gerade über meterweite Abstände am eindrücklichsten herstellen.

Fafner hat den spektakulärsten Auftritt

Sogar Vincent Wolfsteiner lässt sich hier aus der Reserve locken. In der Siegfried-Partie hat er sich’s sehr sicher und sehr gemütlich eingerichtet. Als Held mit Bärchencharme kommt er mühelos durch, wirkt aber oft wie ein Fremdkörper im ausziselierten Geschehen. Simon Bailey als Wotan/Wanderer verfügt über kein Heldenbariton-Geschütz, kann daher mit viel Finesse und Zwischentönen gestalten. Peter Marsh hütet sich als Mime vor der vokalen Grimasse und muss dank seines großen Tonumfangs nicht die Flucht nach vorn in die Deklamation antreten.

Craig Colclough gibt auch stimmlich den dumpfen Alberich-Penner. Christiane Libor hat sich die gefährlich gelagerte Brünnhilden-Rolle klug und mit viel Textreflexion zurechtgelegt. Zanda Švēde ist als Erda eine üppig timbrierte 30er-Jahre-Schönheit. Als Waldvogel bekommt die silbrig-spitze Anna Nekhames mit Chris Wang einen stummen Begleiter, beide scheinen einer Zirkustruppe entsprungen, um Siegfried zu umgarnen. Den spektakulärsten Auftritt gönnt Brigitte Fassbaender dem Riesen Fafner: eine Kampfmaschine mit Flammenwerfer, von Anthony Robin Schneider mit scharzem Bass gesungen.

Gut möglich, dass auch die „Götterdämmerung“ kein Weltenbrand-Spektakel wird, sondern zur persönlichen Katastrophe der Wagner-Wesen. Und vielleicht taucht sogar (und stückwidrig) Wotan wieder auf. Aus Mimes Schmiede hat er sich jedenfalls schon einen lebensspendenden Apfel geklaut. Offenbar aus dem Obstgarten von Göttin Freia – auch die „Ring“-Nerds bekommen bei Brigitte Fassbaender also ihre Gag-Leckerli.

https://www.merkur.de/kultur/siegfried-tiroler-festspiele-erl-brigitte-fassbaender-premiere-ring-des-nibelungen-zr-92391020.html

Liebe Grüße

Willi ????

 

9. 7. 2023

“Gar viel und schön ward hier von euch gesungen“

Festkonzert zum 80. Geburtstag von Oskar Hillebrandt

 

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.“ Dieses geflügelte Wort wird von der Leitung der Tiroler Festspiele offensichtlich nicht akzeptiert. Denn dort werden verdiente Künstler geehrt, indem diesen zu besonderen Anlässen spezielle Veranstaltungen gewidmet werden.

Im Rahmen der diesjährigen Sommer-Festspiele wurde für den weltweit renommierten Bariton Oskar Hillebrandt  aus Anlass seines 80. Geburtstages ein Jubiläumskonzert veranstaltet:

Vier Sänger, drei Ovationen, zwei Zugaben - OVB Heimatzeitungen

ovb-heimatzeitungen.de

Der Sänger ist den Tiroler Festspielen in ganz besonderem Maße verbunden. Zunächst als Mitwirkender in zahlreichen Produktionen bei den Festspielen und heute als geschätzter Sprachcoach. Wenn am Vorabend in der Premiere von Wagners „SIEGFRIED“ die hervorragende Wortverständlichkeit der Sängerinnen und Sänger einer der zahlreichen Pluspunkte dieser Aufführung war, dann ist das sicherlich zum großen Teil der Arbeit des Sprachcoachs Hillebrandt zu danken.

Auch das Festspielpublikum nahm diese Matinee vormittags um 11.00 Uhr ausgezeichnet an, denn der Saal im neuen Festspielhaus war bis auf wenige freie Randplätze voll besetzt. Fürwahr zu einem solchen Zeitpunkt keine Selbstverständlichkeit.

Man hatte aber auch alles getan, um dem Publikum besondere Schmankerln zu bieten. Dem Jubilar zuliebe wirkten noch drei weitere Opernstars und Publikumslieblinge, alles Freunde und Wegbegleiter von Oskar Hillebrandt, mit: Die Sopranistin Ildiko Raimondi, die bei den besonders fachkundigen, kritischen Wiener Opernfreunden seit langem zu den Publikumslieblingen zählt. Der an allen bedeutenden Musiktheatern weltweit geschätzte Bassbariton Falk Struckmann und der vielseitige in Opern und Operetten bewährte Tenor Gerhard Siegel.

Für die Begleitung wurden zwei Klaviere mit den versierten Pianisten Emanuele Lippi und Paolo Trolan aufgeboten. Die sorgten mit einer temporeichen, temperamentvollen Darbietung von Ravels „LA VALSE“ in einer Bearbeitung für zwei Klaviere für Schwung und eine Einführung nach Maß und im weiteren Verlauf des Programms für perfekte Sängerbegleitung.

Danach gleich mit lebhaftem Auftrittsapplaus und ersten Bravos empfangen, betrat die Hauptperson Oskar Hillebrandt die Bühne. Mit der ganzen Erfahrung seiner langen Karriere gestaltete der Sänger die gefühlvolle Arie des Sancho aus „DON QUICHOTTE“ von Jules Massenet. In diesem Stück konnte Hillebrandt vor allem mit vorbildlichem Legato, wunderschönen Tönen in der Mittellage, gefühlvollem  Ausdruck und seiner bekannt vorbildlichen Artikulation und Sprache überzeugen. Verstärkter Applaus und vermehrte Bravos.

Besonders gespannt war man auf den Moderator des Abends, denn der Präsident der Tiroler Festspiele, Hans Peter Haselsteiner, hatte persönlich als Einspringer diese Aufgabe übernommen. Wie würde er sich in dem ungewohnten Terrain bewähren? Selbstverständlich verfügt er über Charisma und Autorität der Führungskraft und ist gewohnt, vor großen Gruppen zu sprechen. Nun kommt das Unerwartete: Haselsteiner führte völlig locker, gelöst, humorig, angereichert mit Anekdoten und heiteren Erlebnissen, durch das Programm. Darüber hinaus war er fachlich gut vorbereitet. Die rasch entstehende, familiäre Atmosphäre war in erster Linie seiner charmant liebenswürdigen Moderation zu danken. Chapeau! Man ist versucht,  als Resümee zu formulieren: Haselsteiner ein Held in jedem Fach.

 Die Sonne ging auf, als strahlend Ildiko Raimondi die Bühne betrat. In zwei Liedern „Morgen“, von Richard Strauss und in den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner stellte Ildiko Raimondi ihr ganzes Können als Liedersängerin nachdrücklich unter Beweis. Mit hoher Gesangskultur und differenzierter Ausdruckskraft gelang es ihr, den ganzen Kosmos der Gefühle erlebbar zu machen. Schon von den ersten Tönen an offenbarte sich, was für diese überaus gewinnende Sopranistin typisch, ja fast ein Markenzeichen ist – Seele und Herz, die in ihrem Vortrag permanent mitschwingen. Diese Tugenden kamen in dem virtuos gesungenen Kaiserwalzer „Heute macht die Welt Sonntag für mich“ von Nico Dostal noch mehr zum Tragen. Bis hinauf in die höchsten Höhen wurden selbst die Spitzentöne glockenhell und strahlend gemeistert. Eine beeindruckende Leistung, die vom Publikum und den Gesangskollegen bejubelt wurde.

Falk Stuckmann ist eine der Sängerpersönlichkeiten, die schon beim ersten Auftritt Größe und Autorität ausstrahlen. Eine Aura, die alle seine Beiträge auszeichnete. Struckmann entwickelte sich vom international renommierten Heldenbariton immer mehr ins seriöse Bassfach. Bereits die Arie des Fiesco „Leb‘ wohl auf ewig Palast der Väter“, aus Verdis „SIMONE BOCCANEGRA“, ein Bravourstück aller großen Bassisten, beeindruckte in der ergreifenden Klage um die Tochter. Der Fluch auf den elenden Verführer schuf sogar Gänsehaut-Feeling. Selbst die tiefen Lagen klangen voll und rund. Ein Eindruck, der sich bei Hagens Wacht aus Wagners „GÖTTERDÄMMERUNG“ noch verstärkte. Selbstverständlich ist Struckmann kein schwarzer Bass, wie ihn die Wagner-Kenner von Greindl, Salminen oder gar Frick im Ohr haben. Struckmann erzielt seine enorme Wirkung in der Rolle des Hagen durch seine außergewöhnliche Fähigkeit zur Dramatik. Grandios sein Ausbruch „Mir aber bringt er den Ring“! Dieser sängerische und dramatische Höhepunkt ist erinnerungswürdig und bleibt haften.

Sein vielseitiges Können konnte der Tenor Gerhard Siegel bereits in der Arie des Mister X aus Kalmans Operette „DIE ZIRKUSPRINZESSIN“ unter Beweis stellen. Mit leichter, heiterer Tongebung und schönstem tenoralen Schmelz ließ er die Märchenaugen strahlen. Auffallend waren bei ihm auch die harmonischen Bewegungen. Er agierte so harmonisch, dass selbst im Konzertsaal Bühnenwirkung erzielt werden konnte. Eine ganz andere Herausforderung war dann die Arie des Siegmund „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus Wagners „WALKÜRE“. Hier waren die Qualitäten eines jugendlichen Heldentenors gefragt. Diese Anforderungen meisterte Siegel mit seiner hellen, beweglichen Tenorstimme ebenfalls mühelos.  Wunderschön der fast schwebende Ausklang der Arie.

Am Ende werden sie gefeiert: (von links) Festspielpräsident Dr. Hans Peter Haselsteiner, Falk Struckmann, Gerhard Siegel, Oskar Hillebrandt und Ildikó Raimondi.

Am Ende werden sie gefeiert: (von links) Festspielpräsident Dr. Hans Peter Haselsteiner, Falk Struckmann, Gerhard Siegel, Oskar Hillebrandt und Ildikó Raimondi. ©  Rainer W. Janka

Drei herausragende Opernstars gratulierten aus Verehrung und Freundschaft Oskar Hillebrandt zu seinem achtzigsten Geburtstag. Wie würde der wesentlich Ältere im Kreis dieser Sängergrößen bestehen können?  Oskar Hillebrandt bestand nicht nur, er glänzte. Durch diesen Glanz und die freudige Stimmung wurde dieses Jubiläumskonzert zu einer Sternstunde der Gesangskunst.

Selbstverständlich hat der erfahrene Kenner und Könner aus dem umfassenden Repertoire von nahezu 200 Opern, die er in den 65 Jahren seiner internationalen Karriere weltweit sang, Stücke ausgewählt, in denen er auch im reifen Sängeralter brillieren konnte.

Geschickt stellte er mit  der Loewe- Ballade „Odins Meeresritt“, dem Einzug der Gäste „Gar viel und schön“ aus „TANNHÄUSER“ ein Programm zusammen, indem er  sein sängerisches Können unter Beweis stellen konnte: Die in allen Lagen hervorragend ansprechende Stimme, die perfekte Technik, die Tonschönheit, das makellose Legato, die Fähigkeit des differenzierenden Ausdrucks und die geradezu legendäre Kunst der sprachlichen Gestaltung der Artikulation und der Verständlichkeit des Textes. Eine Rolle, in der all das Gesagte geradezu exemplarisch demonstriert wird,  ist der Hans Sachs in Wagners „MEISTERSINGERN“. Als der Schusterpoet wird Oskar Hillebrandt auch am nachdrücklichsten in Erinnerung bleiben. Deshalb war der vollendet zelebrierte Flieder-Monolog trotz all der anderen fabelhaften Gesangsleistungen der Höhepunkt dieses denkwürdigen Jubiläumskonzerts. Der nicht endende Jubel, die Bravorufe und die Standing Ovations waren der sichtbarste Beweis:

AUCH DIR LIEBER OSKAR IST UND BLEIBT DER SCHNABEL HOLD GEWACHSEN

Hans A. Hey

 

Liebe Grüße

Willi????

 

 

 

 

 

 

13. 7. 2023

Camerata Salzburg – Orchesterkonzert

Bericht über das Konzert der Camerata Salzburg am 13. 7. 2023 um 19:00 Uhr bei den Sommerfestspielen in Erl/Tirol

Ltg, Gregory Ahss, Konzertmeister

Solist: Fazil Say, Klavier

In der Nachbereitung des Konzertes bemerkte ich, dass ich mit der Camerata Salzburg, die 1952 von Bernhard Paumgartner als Camerata Academica gegründet wurde und sich zunächst hauptsächlich den Werken Mozarts gewidmet hatte und in der Schüler und Lehrer des Mozarteums gemeinsam musizierten, ein Orchester in meiner Sammlung hatte, das dort nennenswert vertreten war, u. a. mit der Gesamtaufnahme der Mozart-Klavierkonzerte mit Geza Anda und Sir Andras Schiff, letztere unter der Leitung von Sandor Vegh, der einer der Nachfolger von Bernhard Paumgartner war und sicherlich das Orchester mit am meisten geprägt hat. Unter Vegh kann ich hier weiter unten auch ein Hörbeispiel präsentieren, das ein Werk aus dem gestrigen Programm beinhaltet.

Das erste Werk des gestrigen Abends war die dramatische Ouvertüre Coriolan c-moll op. 62 zum gleichnamigen Schauspiel von Heinrich Joseph von Collin.

In diesem Werk zeigte die Camerata, die nicht übermäßig stark besetzt war, sogleich, welche Dynamik ihr gleichsam innewohnte und wie perfekt ihre Instrumentengruppen aufeinander abgestimmt waren, aber auch, wie transparent ihr Klang war. Sie spielte in der amerikanischen Orchesteraufstellung, wodurch insbesondere die Celli und Kontrabässe besser zur Geltung kamen, als dies gemeinhin bei der deutschen Orchesteraufstellung der Fall ist.Gleichfalls ist der agile Konzertmeister Gregory Abyss

Konzertmeister Ahss – von Abbado zum Luzerner Sinfonieorchester

hervorzuheben, der das Orchester souverän als Sologeiger leitete.

Die beiden Themen, die nach der explosiven Einleitung folgen, führen schon das ganze Coriolan-Drama im Kleinen vor, das sinistre Hauptthema, das dem zerrissenen Titelhelden Coriolan gewidmet ist, und das lyrische Seitenthema, das das  Flehen der Frauen nach Frieden darstellt. Meisterhaft schließlich, wie Beethoven das Ende des Dramas darstellt, immer langsamer und immer leiser werdend, den unausweichlichen Selbstmord Coriolans eindrucksvoll darstellend, was vom Orchester adäquat wiedergegeben wird.

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Nach einer kurzen Umbaupause folgte das Klavierkonzert Nr. 3 c-moll op. 37 von Ludwig van Beethoven, das Fazil Say vortrug. Die Älteren unter uns werden sich gewiss daran erinnern, wie wenig Claudio Arrau oder Wilhelm Kempff oder Wilhelm Backhaus ihre innere Stimmung nach außen trugen und wie anders das doch Fazil Say oder Lang Lang machten. Jedenfalls scheint Fazil Say in dieser Hinsicht etwas ruhiger geworden zu sein, was sich wohltuend auf den Konzertgenuss des Hörers ausgewirkt haben mag.

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Pianistisch hat sich das m. E. fortgesetzt, was schon vor einigen Jahren festzustellen war, als er die Klaviersonaten Beethovens in Gesamtaufnahme vorlegte. Nun werde ich ja demnächst die Gelegenheit haben, über seine Aufnahmen im Troubadour-Forum zu berichten.

In diesem Konzert nun zeigte Fazil Say schon im Kopfsatz (Allegro con brio) eindrucksvoll, dass er sich pianistisch hintern niemandem seiner Kolleginnen und Kollegen zu verstecken braucht. Kraftvoll stieg er nach der Orchestereinleitung in den Dialog mit dem Orchester im Hauptthema ein und auch das lyrische Seitenthema erfreute das Herz des Zuhörers auf das Vortrefflichste.
Die Kadenz, die Fazil Say am Ende der Reprise spielte, war mir nicht bekannt, jedenfalls war es wohl nicht die Kadenz, die Beethoven selbst dazu komponiert hatte, wenn ich das richtig erinnere.

Im zweiten Satz (Largo) setzte sich das äußerst positive (innere) Bild von Pianist und Orchester fort, die sich auch als Meister des langsamen Satzes und des lyrischen Ausdrucks sowie der leisen Töne erwiesen, denn: vergessen wir nicht, bei dem 3. Klavierkonzert Beethovens haben wir es schon mit einem der Höhepunkte des gesamten Klavierkonzert-  Kosmos zu tun, der in der Wiedergabe nach adäquater Spitzenleistung verlangt. Das war hier gegeben und setzte sich auch im abschließenden

Dritten Satz, Rondo, Allegro fort, wo der mitreißende Schwung des Kopfsatzes wieder aufgenommen wurde und Orchester und Solist das eminent hohe Niveau des Konzertes mühelos durchhielten, und indem Fazil Say m. E. die kurze Kadenz des Komponisten spielte, die auch, wie ich finde, in den fulminanten Schwung der Coda bestens hineinpasste und vom Publikum verdientermaßen mit jubelndem Beifall belohnt wurde.
Fazil Say bedankte sich hierfür mit zwei ausgedehnten Zugaben, deren erste aus einem Duett bestand, in dem er mit der rechten Hand die Klaviertasten spielte und mit der linken Hand die Klaviersaiten.

Auch dies wurde mit großem Jubel beantwortet.

Nach der Pause wurde das Konzert, das auch eine im Vorjahr begonnene und am Vorabend dieses Konzertes fortgesetzte Reihe beendete, die späten Sinfonien Joseph Haydns zu präsentieren.
Gestern nun war sein sinfonisches Opus ultimum an der Reihe, die Sinfonie Nr. 104, D-Dur (Hob. I:104), die Haydn ein weiteres Mal in seiner überaus großen Reihe sinfonischer Meisterwerke als Meister des Sonatensatzschemas präsentierte, obwohl dieses offiziell erst Anfang des 19. Jahrhunderts entworfen wurde.

Was später in Wien nur noch folgte, waren die letzten seiner großen Messen, in denen er sich fürwahr als einer der größten Komponisten aller Zeiten erweisen sollte.

In der Introduktion eröffnete Haydn mit ähnlich wuchtigem Forte, wie wir es schon vor der Pause von Beethoven gehört hatten und was als Indiz dafür gelten darf, dass Haydn, der ja Beethoven auch zwischen 1792 und 1794  in Kompositionslehre unterrichtete, als wichtiger Ideengeber für diesen gegolten hat.

Und inwieweit Haydns letztes sinfonisches Werk in das 19. Jahrhundert hineingewirkt haben mag, könnte man an dem Fortissimoausbruch kurz vor der Hälfte des so pastoral begonnenen zweiten Satzes (Andante) ersehen. Der wird den Zuhörern damals sicherlich ähnlich verstörend in den Ohren geklungen haben wie der einleitenden Septimakkord in Beethovens 1. Sinfonie C-dur op. 21 im Jahre 1800.

Der dritte  (Menuetto. Allegro) und der vierte Satz (Finale.Spiritoso) sind rasche, virtuose Stücke, die vom Orchester dankbar aufgenommen wurden und auch äußerst virtuos gespielt wurden.

Als Beleg für die Virtuosität des Salzburger Orchesters mag ein weiteres Mal eine Aufnahme des langjährigen Leiters Sandor Vegh (1978-1997) gelten, der vor 28 Jahren Haydns zweitletzte Sinfonie in Budapest aufführte, hier den Kopfsatz:

 https://www.youtube.com/watch?v=DgObS475-1k

Liebe Grüße

Willi????

Es ist wieder eine ausgezeichnete Idee von Musika und Willi, unseren beiden Administratoren, einen Themenbereich Erl einzurichten. Willi und ich besuchten die Festspiele und haben Eindrücke bereits in eingestellten Besprechungen im Forum geschildert.

Besonders interessant waren für uns die beiden Wagner-Premieren „Siegfried“ und „Götterdämmerung“, mit denen der Fassbaender- Ring beschlossen wurde. Hier hatten Willi und ich übereinstimmend den Eindruck, das von den uns bekannten aktuellen „Ring-Inszenierungen“ in Erl-am meisten das geboten wird, was die Mehrheit hier im Troubadour-Forum erwartet: Unverfälschten Wagner. Frau Fassbaender inszeniert dem Geist und Inhalt der Dramen konsequent genau Musik und Libretto entsprechend.  Selbstverständlich macht auch die erfahrene Künstlerin einige Zugeständnisse an den Zeitgeist. So sind die Darsteller weitgehend in Alltagskleidung. Die Gibichungen-Halle ist ein bürgerliches Wohnzimmer mit einem Billard Tisch und reich gefülltem Getränkeregal. Das in dieser Atmosphäre das Nachtgespräch Alberich/Hagen kaum Wirkung entfalten konnte war zu erwarten.  Dass Hagen seinen Speer aus einem Billardstock schnitzt und Hagen Siegfried mit einem Taschenmesser  von hinten ersticht sind Beispiele für Verbesserungsmöglichkeiten, wenn nächstes Jahr der Ring in zwei Zyklen geschlossen in einer Woche geboten wird.

Phantastisch gelungen ist Frau Fassbender, der in der „Götterdämmerung“ so schwierig zu inszenierende Schluss. Mit Stelen, die den Wald imitieren,  wird der tote Siegfried in einer Grube bedeckt. Brünnhilde  legte sich während des Schlussgesangs zu Siegfried und die beiden im Tod vereinigten Liebenden verglühen in der wabernden Lohe. Selten erlebte ich einen beeindruckenderen Schluss der Götterdämmerung. Ich wiederhole mich bewusst: Bei den Tiroler Festspielen in Erl bietet Frau Fassbaender Wagner pur. Da auch Musik und die überwiegend jungen Sänger voll überzeugten gelangen beispielhafte Aufführungen der riesigen Werke. Vollste Anerkennung.

Ingrid und Hans die Sängerfreunde sind auch mit Abstand noch voll begeistert von diesen Erlebnissen.

16. 7. 2023

Richard Wagner,  Ring des Nibelungen: Die Götterdämmerung

Rezension Götterdämmerung, Münchner Merkur vom 17. 7. 2023

Test: Markus Thiel

Foto: Xiomara Bender

Auf Tuchfühlung mit Wagner: Brigitte Fassbaenders „Götterdämmerung“ in Erl

Christiane Libor

Weltenbrand im Passionsspielhaus: Finalszene der Götterdämmerung mit Christiane Libor als Brünnhilde. © Xiomara Bender

Wagners „Ring des Nibelungen“ naturbelassen, pur und analog: Auch in ihrer Erler „Götterdämmerung“ konzentriert sich Brigitte Fassbaender auf das Wesentlichste – auf den singenden Menschen.

Das Sagenwesen hat normalerweise nur zehn Minuten zu singen. Doch hier ist es viel häufiger präsent: Mal taucht Alberich rechts oben auf der Bühnenbrücke auf, betrachtet mit diabolischer Miene das Geschehen. Später nähert er sich stückwidrig den Rheintöchtern, erwürgt sogar strafend seinen Sohn Hagen – um am Ende, wenn Menschen, Götter und Welt brennend zugrunde gehen, ins Publikum zu starren. Den „Ring des Nibelungen“ versteht Brigitte Fassbaender also sehr wörtlich und sehr pessimistisch. Nach dem letzten Aufrauschen samt Versiegen der Musik kann (und muss?) alles wieder von vorn losgehen. Die Sache rundet sich auf dunkle Weise: Das Böse kriegt man nicht tot, die Gier aufs Gold bleibt, keiner hat etwas aus der 15-stündigen Geschichte gelernt.

Diese „Götterdämmerung“ bei den Tiroler Festspielen ist also eine sehr heutige Angelegenheit geworden. Und was das nun abgeschlossene Giga- Projekt der Fassbaender heraushebt über die „Ring“-Krämpfe andernorts: Die inszenierende Opernlegende lässt sich nie unter Aktualisierungsdruck setzen. Gerade weil es im Passionsspielhaus eine nur rudimentäre Technik gibt und eingeschränkte szenische Möglichkeiten, gerade weil im Falle dieses Wagner-Werks eigentlich schon alles erzählt und gezeigt wurde, konzentriert sie sich auf das Wesentlichste überhaupt: auf den singenden, denkenden, handelnden, reagierenden und an diesem Abend sehr oft verzweifelten Menschen.

Der zweite Akt wird zum Kammerspiel-Thriller

Sehr hautnah erlebt man dies bei Brigitte Fassbaender – nicht nur, weil die Spielfläche vor dem Orchester liegt und Tuchfühlung mit den ersten Parkettreihen möglich ist. Die Auseinandersetzung Brünnhilde/Waltraute, später das allmähliche Begreifen Brünnhildes, welchem Verrat sie ausgesetzt ist, sogar anfangs die gern längliche, hier augenzwinkernde, kaffeeklatschende Nornen-Szene, all dies verfolgen selbst „Ring“-Kenner gebannt. So sehr die Fassbaender das Personal der „Götterdämmerung“ herunterholt von den Kothurnen, es aufs Menschsein dimmt, so wenig driftet dies ins Kleinklein. Am eindrücklichsten im zweiten Akt. Der ist zwar mikroskopisch beobachteter, detailreich ziselierter Kammerspiel-Thriller, lässt aber trotzdem – ohne Pathos-Überdosis – den raumgreifenden Rache-Moment zu.

Wie in vielen anderen Inszenierungen leben auch die Gibichungen von Brigitte Fassbaender und Ausstatter Kaspar Glarner im Schicki-Haus. Dafür reichen nur wenige Bühnen-Elemente. Man spielt Billard, bedient sich gelegentlich an der Bar. Doch der Wodka zwischendurch (Brünnhilde braucht einen mindestens dreifachen) ist nicht wie sonst modernistische Soap-Opera-Zutat, sondern völlig natürlich entwickelt. Und sogar für „Ring“-Nerds gibt es einen Mini-Gag, als eine Choristin Gunther einen langen Blick zuwirft: Ob sich für ihn, der sich mit Verrat und vergeblich um Brünnhilde bemüht, da eine Alternative auftut?

Nur das Dirigat hängt gelegentlich durch

Was in dieser Premiere gelegentlich durchhängt, ist allein die Musik. Dirigent Erik Nielsen hat sich womöglich zu sehr in den Klangsamt des Festspielorchesters verliebt. Bedächtig wird vieles ausgebreitet, man registriert Details und Verläufe, in Extremfällen aber auch Stillstand, der’s dem Singpersonal schwer macht. Vincent Wolfsteiner, als tapsiges, zu groß gewordenes Siegfried-Baby von begrenzter darstellerischer Kraft, ficht das nicht an. Wo andere Kollegen verhungern, spielt er seine Tenorkondition aus und bleibt bis zum Todesgesang präsent. Christiane Libor ist vokal eine herbe, manchmal etwas unstete Brünnhilde. Und doch ist man fasziniert von einer Charakterkünstlerin, die bei jeder Silbe genau weiß, was sie singt – und wie sie es passend machen kann für ihren Sopran.

Überhaupt wuchert Erl mit bemerkenswerten Besetzungen. Den nie überzeichneten Hagen von Robert Pomakov mit seiner großporigen, geschickt nuancierten Bass-Stimme. Auch die fein justierte Gutrune von Irina Simmes, Craig Colclough als effektvolles Alberich-Ekel oder die großartige Zanda Švēde als Waltraute. Die Trios von Nornen und Rheintöchtern könnten problemlos an internationale A-Häuser exportiert werden, allen voran Marvic Monreal als erste Norn. Einzig Manuel Walser ist als Gunther zu lyrisch besetzt. Und ganz erstaunlich der Festspielchor: Bis hin zu Bayreuth geraten Hagens Mannen schon mal ins vokale Schlingern, in Erl wird die heikle Szene auf den Punkt gesungen – obgleich das Orchester auf der Hinterbühne sitzt.

2024 wird der Erler „Ring“ zweimal komplett gezeigt. Brigitte Fassbaender will dafür nochmals anreisen, nacharbeiten, manches vielleicht verändern – zumal es auch Umbesetzungen gibt. Ob die Tetralogie danach, wenn Tenor Jonas Kaufmann die Intendanz vom hinausgekegelten Bernd Loebe übernommen hat, weiterläuft, ist noch offen. Die Publikumsnachfrage ist jedenfalls groß. Und vielleicht ist diese Tiroler Produktion noch aus anderen Gründen notwendig, als Gegenbeispiel. Weil sie beweist, wie der „Ring“ auch gezeigt werden kann: pur, naturbelassen, analog – und damit allen Moden enthoben.

https://www.merkur.de/kultur/goetterdaemmerung-tiroler-festspiele-erl-brigitte-fassbaender-premiere-zr-92406638.html

 

Liebe Grüße

Willi????

Gedanken zum Siegfried vom 8. 7. 2023 in Erl, meinem ersten Live-Erlebnis einer Oper aus dem „Ring des Nibelungen“

Ich war gespannt auf die Umsetzung der Geschichte durch Brigitte Fassbaender:

Fassbaender: Meine Faszination für Richard Strauss | Musik, Literatur ...

 

die ich seit ihrer Mitwirkung in der Oper „Hänsel und Gretel“ unter der Stabführung von Sir Georg Solti in der Aufnahme aus Wien 1981 kenne, in der sie den Hänsel singt.

Aus dem Vorjahr hatte ich schon Positives aus Erl im Wiener Merker gelesen. Dies setzte sich auch hier fort.

Als erstes fiel mir positiv auf, dass das Orchester hinter einem Gaze-Vorhang auf der Bühne, leicht oberhalb der im Bühnenvordergrund agierenden Sängerinnen und Sänger, platziert war und die Musik des Klangmagiers und Musikdramatikers Wagner sich in seinen vielschichtigen Strukturen mir (in der fünften Reihe) und sicherlich auch den meisten anderen Besucherinnen und Besuchern, ähnlich wie in einem Sinfoniekonzert, viel besser erschließen konnte. Desgleichen konnten sich die durchweg exzellent verständlichen Sängerinnen und Sänger im Konzert mit dem Orchester besser durchsetzen. Hier zahlte sich auch die hervorragende Arbeit des Sprachcoachs Oskar Hillebrandt, der an anderer Stelle in diesem Thread schon gewürdigt wurde, aus.

Auch die gelegentlichen moderaten modernisierenden Anklänge Brigitte Fassbaenders an die Moderne störten mich nicht, da im Focus stets die Erzählung der Geschichte stand und der Faden des Vorgangs nie fallengelassen wurde.

Faszinierend war auch, wie sie die Sänger agieren ließ und dabei Größe in der Beschränkung zeigte, wie z. B. Siegfried mit seinen Händen ein Horn erklingen ließ, wobei wir bei der Titelfigur wären.

Dieser Siegfried (Vincent Wolfsteiner) scherte sich keinen Deut um seinen kaum zu verhüllenden Bauch und agierte munter drauflos, dass es eine Freude war, und mit seiner gesanglichen Leistung brauchte er sich m. E. vor keinem anderen heutigen Siegfried zu verstecken.

Auch die anderen Figuren waren gut besetzt und stimmlich durchaus konkurrenzfähig, vom vor allem darstellerisch überzeugenden Simon Bailey als Wanderer, über Mime und Alberich bis hin zur überwältigenden Christiane Libor als Brünnhilde. Sie hat mich mit ihrer Stimme und ihrer darstellerischen Kraft geradezu erschüttert. Ich kannte sie ja schon von verschiedenen Konzerten, aber noch nicht aus einer Oper.

Auf einem ebenfalls sehr hohen Niveau sah ich das Orchester unter der umsichtigen Leitung von Erik Nielsen (* 1977 in Iowa, USA), der seine Musiker zu einer Glanzleistung führte, die mich zu dem Gedanken verleitete, dass es sich vor den zuletzt in Opern gehörten Orchester der Berliner Staatsoper, der Oper Leipzig und der Düsseldorfer Rheinoper nicht zu verstecken brauchte.

Es war ein, wenn auch anstrengender, so doch zutiefst befriedigender und beglückender Einstieg in den Kosmos des Rings des Nibelungen, auch wenn ich das Rheingold und die Walküre noch nie in der Oper gehört habe.

Liebe Grüße

Willi????

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