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François-André Danican Philidor

Eine wirklich spaßige und unterhaltsame Komödie haben uns, den Opernliebhabern, Ryan Brown und die Opera Lafayette mit Philidors Einakter Les Femmes Vengées vorgelegt. François-André Danican Philidor ist heute ein kaum noch bekannter Name, allenfalls eine lexikalische Größe. Selbst Opernliebhaber wissen mit diesem Komponisten nicht viel anzufangen, dabei war er vor 250 Jahren eine ausgesprochene Größe im Musikgeschäft. Mit Gretry (heute auch so ein No-Name-Künstler) war er einer der führenden Komponisten der Opera-Comique und hatte – mindestens – drei große Opernerfolge vorzuweisen: Le sorcier von 1764, Tom Jones (1765) und Ernelinde (1767). Von den Genannten ist Tom Jones, basierend auf Fieldings berühmtem Roman mit dem gleichen Titel, sein Meisterwerk schlechthin.

Und: neben Philidors musikalischen Aktivitäten war er beispielsweise einer der größten Schachspieler seiner Zeit und schrieb ein für mindestens ein Jahrhundert gültiges Standard-Schachhandbuch. Die Philidor-Verteidigung ist auf dem Gebiet der Schach-Eröffnung ein Begriff. Auch eine Verteidigungsmethode im Turmendspiel trägt seinen Namen. Philidors Büste hat man seinerzeit an der Opera in Paris angebracht, dem Palais Garnier.

Die Musik zu Les Femmes Vengées (Vorgetäuschte Untreue) wurde fast ein Jahrzehnt nach den drei oben erwähnten Erfolgen komponiert. Das Libretto stammt von Michel-Jean Sedaine (1719–1797) und hat Ähnlichkeiten mit Da Pontes und Mozarts Così fan tutte. Die Pariser Uraufführung von Les Femmes Vengées fand am 20. März 1775 statt und als W.A.Mozart drei Jahre später in Paris war, wurde Les Femmes Vengées immer noch gespielt. Es ist durchaus möglich, dass Mozart die Oper gesehen hat. Dass er aber, wie oft behauptet wird, bei der Entstehung seiner und da Pontes Così von Philidors Einakter beeinflusst wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Dass jedoch da Ponte bei der Abfassung seines Librettos an Philidor/Sedaine gedacht haben könnte, will mir eher einleuchten.

Tatsache ist jedenfalls, dass eine Ähnlichkeit beim solistischen Personal besteht und das Philidors comique als ein dritter Akt für die Così fungieren könnte, wobei in diesem Fall die Così-Paare bereits mehrere Jahre verheiratet wären, woraus sich dann die Verwicklungen. ergeben, die zu den amüsanten Darstellungen dieses Einakters führen. Der musikalische Stil ist noch nicht einmal ein großer Bruch. Das mögen sich auch Ryan Brown und seine Truppe gedacht haben, als sie 2014 beide Opern in Paris an einem Abend präsentierten. Dabei wurde die Così in französischer Übersetzung gesungen, die Rezitative wurde gesprochen und es gab Striche in Mozarts Oper, während die Musik zu Les Femmes Vengées komplett aufgeführt wurde, aber der gesprochene Dialog gekürzt wurde.

Die Naxos-CD enthält die komplette Musik von Les Femmes Vengées, die Dialoge wurden nicht eingespielt. Das Libretto ist allerdings auf der Naxos-Seite als Download vorhanden.

Die melodiöse Ouvertüre lädt uns zu einer guten Stunde vergnüglichem Gesang ein und auf sie folgen mehrere eingängige Arien und Ensembles. Die Interpreten, die für mich allesamt fremd waren, sind mit hörbarem Spaß bei der vergnüglichen Sache und das Orchester der Opera Lafayette steht den Solisten in keiner Weise nach.

Wer der englischen oder auch französischen Sprache mächtig ist, kann auf der Naxos-Web-Seite das Libretto finden, während das recht dünne „Booklet“ zumindest eine (ebenfalls) englischsprachige Inhaltsangabe enthält.


Les Femmes Vengées Opéra-comique in einem Akt (1775)
Madame Riss, Claire Debono (Sopran)
Madame la Présidente, Pascale Beaudin (Sopran)
Madame Lek, Blandine Staskiewicz (Mezzosopran)
Monsieur Riss, Jeffrey Thompson (Tenor)
Monsieur le Président, Antonio Figueroa (Bariton)
Monsieur Lek, Alex Dobson (Bariton)
Opera Lafayette / Ryan Brown
Aufnahme in der Dekelbourn Hall, The Clarice, University of Maryland, USA, 19-20 Januar 2014

Gestaltung Agentur kuh vadis