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GIORDANO, Umberto: SIBERIA

Umberto Giordano (1867 – 1948)
SIBERIA

Oper in drei Akten
Libretto von Luigi Illica
Uraufführung: 1903 am Teatro alla Scala Mailand
Originalsprache: Italienisch

Personen der Handlung
Stephana, eine Hetäre (Sopran)
Nikona, ihre Dienerin (Mezzosopran)
Ivan; ihr Butler (Tenor)
Prinz Alexei, ein Liebhaber Stefanias (Tenor)
Vassili, Leutnant (Tenor)
Gleby, ein Kuppler (Bariton)
Ein Kommissar (Bass)
Miskinsky, ein Bankier (Bariton)
Walinoff, junger Aristokrat (Bariton)
Ein Kapitän (Bass)
Ein Unteroffizier Tenor)
Der Gouverneur (Bass)
Ein Inspektor (Bass)
Ein Kosak (Tenor)
Ein Invalide (Bariton)
Ein Mädchen (Sopran)
Adlige, Offiziere, Soldaten, Wachen, Männer und Frauen

Ort und Zeit der Handlung: Russland, erste Hälfte des 19.Jahrhunderts

Erster Akt: La donna

Ein Herrenhaus in Sankt Petersburg, das Prinz Alexei seiner Geliebten Stephana geschenkt hat
Hier warten am Morgen Nikona, ihre Dienerin, Ivan, der Butler, und Zofen auf ihre Herrin Stephana, die ausgegangen ist und länger als sonst ausbleibt. Während draußen die Lieder der Bauern erklingen, läuft Nikona zwischen Sessel und Terrasse hin und her und auch Ivan geht vergeblich schauen.
Plötzlich klingelt es an der Haustür. Es ist Gleby, der Stephana an den Fürsten verkuppelt hat. Nikona verschwindet schnell in Stephanas Zimmer und schließt ab, ehe Gleby eintritt und nach der Dame fragt. Er hat ein großes Geschäft mit ihr vor. Nikona kommt leise aus Stephanas Zimmer und gibt ihm ein Zeichen, dass er still sein solle, Stephana schlafe noch und es gehe ihr nicht gut. Er will in das Zimmer dringen, aber Nikona hat abgeschlossen und stellt sich ihm in den Weg. Er stößt sie beiseite, schließt auf und dringt in das Zimmer, findet aber niemand, was seine Wut steigert. Er packt Nikona und zwingt sie, zuzugeben, dass ihre Herrin ausgegangen ist. Da kündigt Ivan den Prinzen an.
Nikona glaubt nun, die nicht anwesende Stephana sei verloren. Aber Gleby will sie retten und führt Nikona in Stephanas Zimmer. Während der Prinz mit Offizieren Adeligen und dem Bankier Miskinsky eintritt, deutet er durch eine Geste an, leise zu sein. Nikona erscheint hinter den Vorhängen und gibt an, dass Stephana schlafe. Der Prinz wundert sich, aber Walinoff, ein junger Adliger, plädiert dafür, dass man den Schlaf der Dame nicht stören solle. Gleby schlägt vor, ihr ein Ständchen zu bringen und als Begleitung gegen die Schwerter zu klopfen, die ein leichtes Klingeln erzeugen. Gleby macht den Vorsänger und die anderen stimmen mit ein. Dann hat Gleby die Idee, eine Runde Karten zu spielen, wozu alle auf Aufforderung des Prinzen in einen anderen Saal abgehen.
Endlich erscheint Stephana durch den Dienstboteneingang. Nikona berichtet ihr, dass Gleby von ihrem Geliebten etwas weiß und fürchtet, dass er es dem Prinzen mitteilen könnte. Doch Stephana hat keine Angst davor, sie hat lediglich Angst, dass ihr Geliebter etwas von ihrem Vorleben erfährt Als Gleby kommt, bittet sie Nikona, sie allein zu lassen. Gleby horcht sie noch ein wenig aus.
Als er den Prinz kommen hört, verschwindet er. Der Prinz gesteht ihr seine Liebe. Er erzählt ihr, dass seine Mutter ihm eine Ehefrau suchen will, er aber bei ihr bleiben möchte und schenkt ihr ein kostbares Armband. Sie gehen hinaus.
Nikona erscheint wieder. Ivan kündigt den jungen Leutnant Vassili an. Dieser, der auf den Weg in den Krieg ist, will von seiner Patentante Nikona Abschied nehmen. In dem Gespräch erzählt er ihr auch,dass er eine Geliebte, eine arme Stickerin – wie er meint – habe.
Als er gerade wieder gehen will, tritt seine geliebte Stephana ein. Sie wundert sich, Vassili hier zu treffen und glaubt, dass er gewußt habe, wer sie in Wirklichkeit sei, und nun hierher gekommen sei, um sich zu überzeugen. Doch er betont, dass er nichts wußte. Stephana bittet, ihn, ihr zu verzeihen und zu gehen. Aber er betont dass er sie weiterhin liebe.
In diesem Augenblick tritt der Prinz ein. Auf seine Frage bekennt sie, dass sie Vassili liebe. Der Prinz zieht seinen Säbel und stürzt sich auf diesen. Doch Vassili wehrt sich mit seinem Säbel und verletzt den Prinzen, so dass dieser kampfunfähig wird. Nikona hat durch ihr Geschrei die Gäste herbei gerufen. Die Gefolgschaft des Prinzen nimmt Vassili gefangen.

Zweiter Akt: L’amante

Grenzstation zwischen Russland und Sibirien
Bauern und Händler kommen an und überreichen dem Hauptmann ihre Handelslizenzen. Sie alle beklagen ihr Elend, in dem sie leben müssen. Sie fragen auch, ob die Kolonne der Strafgefangenen noch nicht eingetroffen sei. Ein Kosak bringt die Post und berichtet, dass die Sträflingskolonne unterwegs sei. Ein Mädchen ist mit ihrem kleinen Bruder gekommen. Sie wollen ihren Vater ein letztes Mal sehen, der zur Minenarbeit verurteilt ist. Sie will dem Kosaken ein paar Münzen dafür geben, dass er ihr Auskunft über die Kolonne erteilt hat. Er aber weist es zurück, sie solle es ihrem Vater aufbewahren.
Erschöpft treffen die Sträflinge ein, unter ihnen auch Vassili. Als der Hauptmann zum Essen ruft, verteilen sie sich. Dann fordert er den Arzt auf, die Untersuchungen vorzunehmen. Dazu muss ein Schmied die jeweiligen Gefangenen mit Amboss und Hammer von den Fesseln befreien.
Ein Inspektor bringt die geöffeneten Briefe. Der Hauptmann ruft die Nummern der Sträflinge auf und übergibt ihnen ihre Briefe. Einem jungen Mann erklärt er, dass der Brief von seiner Mutter stamme, er ihn ihm aber nicht übergeben dürfe, weil er ein verbotenes Wort enthalte. Der junge Mann sackt wie tot zusammen.
Dann hört man das Geläut einer Troika. Es ist Stephana, die Vassili nachgereist ist. Dem Hauptmann übergibt sie ein Schreiben und rennt auf Vassili zu. Sie erklärt ihm, dass sie alle ihre Habe den Armen gegeben habe und nun mit ihm weiterreisen werde. Er versucht sie vor den Strapazen des Weges zu warnen. Aber diese schrecken sie nicht,wenn sie nur bei ihm sein kann. Als der Hauptmann das Zeichen zum Abmarsch gibt, schließen sich beide Arm in Arm der Kolonne an

Dritter Akt: L’eroina

Lager der Zwangsarbeiter in Sibirien
Während sich die Frauen unterhalten und die Männer in der Mine arbeiten, fragt ein Invalide nach alten Lumpen. Die Frauen verweisen ihn an die Hütte, in der Stephana und Vassili wohnen. Stephana bringt ihm einen Korb voll Lumpen. Dabei flüstert der Invalide ihr zu, dass ein Mann sie sprechen wolle. Sie lehnt ab und gibt ihm ein paar Münzen, damit er es dem Manne ausrichte. Während er fortgeht, lästern die Frauen weiter über das Liebespaar.
Vassili kommt heim. Sie bedauert ihn wegen seiner täglichen Qualen, doch er gibt an, glücklich zu sein, wenn er nach der Arbeit in ihre Arme zurückkehrt. Ein Inspektor ruft erneut zur Arbeit, teilt die Arbeiter zu den einzelnen Tätigkeiten ein und die Kolonne marschiert ab.
Der Inspektor befiehlt den Frauen Ruhe. Nach einem kurzen Erscheinen des Gouverneurs, der nach Neuigkeiten fragt, gehen
alle ab und die Frauen in die Hütten. Stephana kommt, um am Fluß Wasser zu holen, und begegnet Gleby, der inzwischen ebenfalls verurteilt wurde und im selben Lager gelandet ist. Er hält sie auf und erklärt ihr, dass er einen Fluchtweg kenne. Er möchte mit ihr fliehen. Sie weist ihn zurück. Er macht ihr Versprechungen, erinnert sie an die alten Zeiten und will sie mit sich ziehen. Da ertönt aus der Tiefe das traurige Lied der Gefangenen, was sie innerlich weiter stärkt. Sie fordert ihn auf, zu verschwinden. Er geht.
Der Gouverneur taucht noch einmal auf. Er befieht, die Arbeiter zurückzuführen. Heute sei Karfreitag und Ruhetag. Dann verabschiedet er sich.
Die Sträflinge kehren zurück.Vassili setzt sich auf die Treppe seiner Hütte. Auch Stephana kommt hinzu. Da nähert sich Gleby noch einmal provokativ.Sie tut, als ob sie ihn nicht kenne. Doch Gleby stellt sich vor: Obwohl Haare und Bart geschoren seien, sei er immer noch Gleby. Er lädt sich selbst zur Osterfeier bei ihnen dem Paar ein und will ihnen angeblich ein Freund sein. Die anwesenden Sträflinge und Frauen lachen höhnisch über Vassilis Abweisungen und das Gebaren der drei Personen. Da tritt Gleby in die Mitte der Anwesenden und erzählt nun so laut, das Vassili es hören kann, wie er Stephana schon als Kind gekannt und sie später wegen ihrer Schönheit an die feine Gesellschaft verkuppelt habe. Aber dann habe sie dieser barbarische Beamte ruiniert. Vassili will sich auf ihn werfen, aber Stephana hält ihn zurück.
Der Inspektor löst die Gesellschaft auf. Gleby tritt mit den übrigen Verurteilten in den Hintergrund. Nun fragt Vassili Stephana nch ihrem Verhältnis zu dem Mann, der sie belästige. Er stellt sich ihre Vergangenheit vor, ist zunächt verzweifelt und wünscht sich den Tod. Doch dann bittet er um ihre Vergebung.
Inzwischen hört man Gleby zur Begleitung der Ketten eine Mattinata vortragen, die er früher vor ihrem Schlafzimmer gesungen habe. Da stürzt Stephana auf ihn zu, reißt ihn aus der Menge und erklärt allen, dass dieser ihr erster Liebhaber war, der sie dann verkuppelt habe. Dann zeigt sie auf Vassili, der ihr als Einziger Liebe gezeigt habe. Sie reißt Gleby die Mütze vom Kopf, so dass man das Henkerszeichen sieht und nennt ihn einen Wucherer und Fälscher. Die Verurteilten bewundern ihre Tapferkeit. Gleby versucht, sich durch höhnisches Lächeln aus der Angelegenheit zu ziehen.
Plötzlich hört man Glockengeläute. Der Gouverneuer erscheint erneut und verkündet: “Christus ist auferstanden”. Die Stimmung wechselt in ein unbestimmtes Gefühl der Freude. Gleby lässt hinter der Bühne ein Balalaika-Orchester aufspielen. Die Verurteilten ziehen sich langsam zurück. Nur Stephana und Vassili bleiben vor ihrer Hütte. Stephana zeigt auf eine Grube, durch die sich nach Aussage Glebys der Fluchtweg befinden solle. Sie wollen die Flucht versuchen. Währendessen hat sieht man Gleby am Fenster lauschen. Als sich die beiden auf die Grube zubewegen, verschwindet er. Er lässt einen Alarmschrei los und kommt zusammen mit dem Gouverneur, dem Inspektor, Soldaten und einigen Sträflingen hinaus und deutet auf die Grube.
Nachdem die beiden die Grube betreten haben, hört man einen Schuss, ein Stöhnen und einen Aufschrei. Der Inspektor und Soldaten zerren Vassili gefesselt und Stephana blutend heraus. Der Gouverneur befiehlt, Vassili loszulassen. Ehe Stephana in seinen Armen stirbt, haucht sie ihm noch ein paar tröstende Worte zu. Der Inspektor meldet das Anrücken einer neuen Strafkolonne und geht mit dem Gouverneur zur Tagesordnung über, während Soldaten den weinenden Vassili in seine Hütte einsperren. Ein Soldat deckt die Leiche Stephanas mit einer Decke zu, auf die er die Sträflingsnummer schreibt.

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
Das Thema geläuterter Prostituierter kennen wir aus Opern wie der “Traviata” von Verdi oder “Manon Lescaut”von Puccini. Giordano setzt es in anderen Version fort. Die Oper wurde bei der Uraufführung in der Mailänder Scala nur kühl aufgenommen, erzielte aber später an anderen Aufführungsorten in Italien und anderen Ländern einige Erfolge. 1927 überarbeitete Giordano das italienische Libretto, das auch die Grundlage dieser Inhaltsangabe bildet. Zuletzt wurde das 2022 bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt.
Bild- und Tonaufzeichungen gibt es auf CD, DVD und Blue-ray. z.B.

Siberia Giordano: Sibirien

Auch auf youtube findet man eine Gesamtaufnahme und Ausschnitte.

 

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