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GLUCK, Christoph Willibald: PARIS UND HELENA

Christoph Willibald Gluck ( 1714 – 1787 )
PARIDE ED ELENA
(PARIS UND HELENA)

Dramma per musica in fünf Akten
Libretto von Ranieri de‘ Calzabigi
Uraufführung: 1770 am Burgtheater in Wien
Originalsprache: Italienisch

Personen der Handlung
Paris, Sohn des Königs Priamos von Troja (Sopran)
Helena, Königin von Sparta (Sopran)
Amor (unter dem Namen Erasto), Vertrauter Helenas (Sopran)
Pallas Athene, Göttin (Sopran)
Ein Trojaner (Sopran)
Trojaner, Spartaner

Ort und Zeit der Handlung: Sparta in mythologischer Zeit

Erster Akt

Ein Strand mit einem Pavillon, in dem eine Statue der Aphrodite1) steht. Im Hintergrund Sparta
Paris mit Gefolge bringen der Göttin Aphrodite ein Opfer dar und bitten um Erfolg für Paris. Ein Trojaner kündigt einen einen Boten aus Sparta an. Paris bittet, diesem entgegen zu gehen und ihn herzuführen.
Amor hat sich unter dem Namen Erasto das Vertrauen der Königin Helena erworben. Er kommt und fragt im Namen seiner Herrin Helena, woher Paris komme und was ihn hierher führe. Paris erzählt, dass er der Sohn des Königs von Troja sei. Einst sei er von Jupiter erwählt worden um im Streit der Göttinnen Aphrodite, Athene und Juno zu entscheiden, wer die schönste sei. Er habe Aphrodite gewählt. Nun sei er hierher gekommen, um den Vergleich zu ziehen zwischen den Göttinen und Helena, der Königin von Sparta, deren Schönheit berühmt sei. Amor begrüßt ihn, da er nicht den Krieg, sondern die Liebe bringe. Er, der weiß, dass Paris mehr will als nur Helenas Schönheit mit der der Göttinen zu vergleichen, und gibt zu, dass er sich hierher begeben und das Vertrauen Helenas errungen habe, um Paris zu helfen. Paris, der noch nicht weiß, wer Erasto ist, bittet darum, ihn nicht zu verraten. Dann geht er mit den Trojanern fort.
Als Amor allein ist, verrät er uns, dass er der getarnte Gott sei. Die von ihm gewählte Göttin beschütze Paris. Dieser werde Helena erringen und mit nach Troja nehmen,aber er dürfe nicht unvorsichtig sein und sich entlarven. Er werde ihm mit seinem Rat beistehen.

Zweiter Akt

Saal im königlichen Palst von Sparta
Helena möchte den Sohn des Priamos sehen. Amor beschreibt ihn als wunderschönen Jüngling, den er gerne als ihren Ehemann gesehen hätte.
Paris tritt mit Gefolge ein, das Geschenke bringt. Beide sind beim Anblick des anderen verwirrt von dessen Schönheit.
Paris beginnt mit überbordenden Schmeicheleien Helenas Schönheit zu preisen, die den der Göttinnen überstrahle, worüber Amor und Helena sich wundern. Sie aber scheut den Vergleich mit den Göttinnen, doch seine Geschenke nimmt sie an und lädt ihn zum Bleiben ein. Als sie fortgehen will, versucht er sie mit weiteren Schmeicheleien aufzuhalten. Doch sie geht nicht darauf ein und verlässt mit ihrem Gefolge den Raum.
Paris ist verstört. Er beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Aber er vertraut darauf, was Aphrodite ihm versprochen hat. Dann geht auch er mit seinem Gefolge.

Dritter Akt

Innenhof des Königspalasts in Sparta
Helena erklärt Paris, dass zu seinen Ehren athletische Spiele aufgeführt werden sollen und er als Richter an ihrer Seite sitzen soll. Paris nutzt die Gelegenheit sofort wieder für Komplimente an die Königin. Als er neben ihr Platz genommen hat, treten die Athleten auf. Es folgen tänzerische Darbietungen. Helena kündigt an, dass Paris als Richter wirkt, der dann die Kronen unter dem Gesang des Chores an die Sieger verteilt. Darauf fordert Helena Paris auf, trojanische Lieder zu singen und dieser lässt sich seine Zither bringen. Er nutzt die Gelegenheit, in seinen Liedern seine Liebe zu erklären. Auch Amor unterstützt ihn in seinem Vorhaben. Helena geht das zu weit. Sie stoppt ihn und will gehen, indem sie erklärt, dass ein weiteres Verbleiben unter ihrer Würde stehe. Amor und Paris versuchen, sie aufzuhalten. Als sie dennoch entschlossen aufsteht, fällt Paris in Ohnmacht. Helena schickt Amor, Hilfe zu holen. Aber sie ist verwirrt und sich ihrer Gefühle unsicher. Sie wartet ungeduldig auf Amors Rückkehr, auf dessen Hilfe sie hofft. Endlich entschließt sie sich, zu gehen, aber da springt Paris auf und wirft sich ihr zu Füßen. Helena wird ihrer Gefühle immer unsicherer und bleibt, während Paris weiterhin um ihre Liebe bettelt. Sie äußert sich schließlich, dass sein Werben vergeblich sei, fordert ihn auf, ihre Gegenwart zu meiden und verschwindet. Paris spielt mit dem Gedanken, sich zu töten. Die Athleten marschieren ab.

Vierter Akt

Helenas Privaträume
Helena hat einen Brief von Paris erhalten, in dem er berichtet, dass Aphrodite sie ihm vesprochen habe, und er weiterhin um ihre Liebe werbe . Sie hält das für eine Unverschämtheit und will das Schreiben wegwerfen. Doch dann besinnt sie sich anders und entschließt sich, ihm zu antworten, um ihn zu beschämen. Sie erklärt, sie habe ihre Hand einem anderen versprochen und verachte seine Zuneigung. Er solle sich eine andere suchen und abreisen.
Amor tritt ein und Helena übergibt ihm den Brief, den er Paris überbringen solle. Amor versucht zunächst mit Ausreden, sich diesem Befehl zu entziehen. In dem Augenblick, als er den Brief übernimmt, tritt Paris ein. Er will eine letzte Anstrengung unternehmen, Helenas Liebe zu erringen. Amor übergibt ihm den Brief. Amor glaubt, dass Paris seine List vergeblich anwende und geht.
Paris macht Helena bittere Vorwürfe und nennt sie eine Tyrannin, die ihren zärtlichsten Liebhaber verachte, beleidige und ihn am liebsten tot sehen möchte. Dann zieht er einen Dolch und bietet Helena an, ihn damit zu töten. Sie schwankt in ihren Gefühlen zwischen erwachender Liebe zu Paris und der Pflicht gegenüber dem Mann, den ihr Vater für sie bestimmt hat und dem sie Treue geschworen hat. Er versucht mit allen Mitteln, sie zu betören und sie hat Mühe, standhaft zu bleiben und ihm beizubringen, sie zu verlassen und zu vergessen, bis er schließlich mit den Worten geht, das er sie nie im Leben vergessen könne.
Als Helena allein ist, denkt sie darüber nach, wie schwer es ihr fällt, sich von Paris loszusagen. Aber sie nimmt sich vor, es zu schaffen.

Fünfter Akt

Liebliche Gegend
Amor erklärt, dass Helena sich vor ihm verstecke, Paris sie meide und sich auf die Abreise vorbereite. Es wird also Zeit, dass er handelt. Als sie erscheint, täuscht er Taurigkeit über die Abreise ses Prinzen vor, der bereits die Segel gesetzt hat. Er fühle sich von Aphrodite betrogen und habe sich schon von ihm verabschiedet. Helena fühlt sich jetzt von ihm hintergangen, da sie an alle die Liebesbezeugungen, die er vorbrachte, nicht mehr glaubt. Sie will mit Amor gehen und seine Schiffe zerstören lassen Paris möge dabei umkommen.
Da kommt Paris hinzu und Amor gibt ihm zu verstehen, dass Helena ihn liebe. Helena will nun den vermeintlichen Erasto fortschicken. Da gibt er seine wahre Identität zu erkennen und geht. Helena staunt über das Wunder. Paris aber dankt Aphrodite und erklärt Helena erneut seine Liebe. Plötzlich ertönt ein Donnerschlag und man sieht Pallas Athene auf einer Wolke drohend heranschweben.
Athene droht mit ihrer Rache dafür, dass er sie nicht gewählt habe. Er solle ruhig abreisen. Aber die ganze Macht Spartas und Athens werde sich zusammentun. Es werde Krieg geben und Troja werde zerstört werden. Athenas Gefolge unterstützt sie im Chor. Dann verschwindet sie wieder. Helena und Paris erkennen, dass sie – wie ihnen das Orakel verkündet hat – die Ursache für Krieg und Zerstörung sind. Aber ihre gegenseitige Liebe ist inzwischen so stark, dass sie nicht mehr voneinander lassen können. Amor erscheint noch einmal, erklärt, dass er ihnen gegen den Zorn Athenes beistehen werde und legt ihre Hände ineinander.

Szenenwechsel: Am Meeresgestade
Tanzend treten trojanische Seeleute und Diener auf. Dann kommen auch Amor, Helena und Paris. Ein Chor lockt sie aufs Meer. Helena und Paris schwören sich noch einmal ihre Liebe und Treue. Tanz und Gesang setzen erneut ein, dann eilen alle an Bord.

1) Aphrodite entspricht der römischen Göttin Venus.-Manche Texte nennen sie daher auch Venus. Sie tritt aber in der Oper nicht auf

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
Die Oper gehört in die Reihe von Glucks „Orfeo ed Euridice“ und „Alceste“, wird aber seltener als die beiden vorgenannten aufgeführt. Nach der Uraufführung und weiteren Aufführungen in Wien wurde sie 1777 in Neapel gegeben. Belegt sind Aufführungen in Prag (1901) und Hamburg (1905), hier in einer gekürzten, zweiaktigen Fassung. Belegt sind auch Aufführungen in Manhattan(1954) und Stockholm (1987). In neuerer Zeit gab es Aufführungen in London (2003), Toronto(2014) und Boston (2019)
Auf CD gibt es verschiedene Aufnahmen, z.B

Eine Video-Aufzeichnung auf DVD habe ich nicht gefunden.
Anhören kann man sie auch auf youtube als Gesamtaufnahme oder in Einzelteilen.
Dieser Inhaltsangabe liegt das italienische Libretto zugrunde.

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