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HÄNDEL, Georg Friedrich: MESSIAS

Georg Friedrich Händel (1685-1759) und Arvo Pärt (*1935)
MESSIAS –                                                         BERLINER MESSE
Ballett in drei Teilen

Choreographie von John Neumeier

Uraufführung am 28. November 1999 in der Hamburger Staatsoper durch das dortige
Ballett-Ensemble.

Rollen:
18 Tänzerinnen, 18 Tänzer.

Die Bühne stellt eine schräge Fläche dar, die mit weißen Streifen (wie eine Fahrbahn-Markierung) gekennzeichnet ist. Oben ist ein riesiger Spiegel angebracht. Die Tanzfläche ist mit Steinen umrahmt und im Hintergrund steht ein entlaubter Baum.

Erster Teil: Exil.
Die schräge Fläche rollen ein Paar im hautfarbenen Trikot herunter, streben aber immer wieder nach oben – was an Sisyphus denken lässt. Irgendwann sind sie die Bewegungen leid, beginnen einen Tanz und gehen so ab. Ihnen folgen, die Bühne bis an die Rampe querend, zwei Frauen, denen sich ein Mann mit heftigen Armbewegungen nähert. Dazu gesellt sich das restliche Ensemble mit ziemlich ausgelassenen Aktionen in stets wechselnden Formationen. Ein getanztes Männer-Duett stellt eine Art Zweikampf dar, den eine hinkende Frau interessiert beobachtet. Ein weiterer Mann tritt auf die Hinkende zu und duettmäßig führen sie Hebungen und Bewegungen aus.

Das restliche Ensemble kommt erneut tanzend auf die Bühne, beginnt plötzlich zu krabbeln und erhebt sich dann synchron und lachend. Ein Männerduett führt schnell zu gemischtgeschlechtlichen Duetten findet. Zwischen die Tanzenden geht ein Einzeltänzer umher, langsame Bewegungen ausführend, die plötzlich schneller werden, dann wieder abflachen, als ein weiterer Mann den Fuß eines auf einem Stuhl Sitzenden ergreift, ihn wieder loslässt, worauf sich der Sitzende erhebt, eine gestrauchelte Frau vom Boden aufhilft, um sie dann hin und her zu tragen. Ein Mann tritt hinzu, der dem die Frau tragenden Kollegen Wasser auf den Kopf tröpfelt, womit er sofort als der Messias gekennzeichnet ist. Die beiden tanzen daraufhin ein Duett mit Hebungen, worauf andere Männer hinzu gelaufen kommen, unter deren Armen tauchen, um dann auf den Boden zu fallen. Der als Messias gekennzeichnet Mann hebt einen Stein auf, trägt ihn in die Bühnenmitte und umtanzt ihn. Das Ensemble schließt sich dem Tanz in verschiedenen Formationen an, dann kommen Tänzer in weißen Umhängen und schreiten über die Bühne. Eine Frau entwindet für sich einen Mann in den weißen Umhängen.

Das Ensemble kommt zusammen, um eine Reihe zu bilden, deren Tänzer der Messias nacheinander umarmt, um danach mit einzelnen Frauen zu interagieren. Dem folgen dann ausgelassene Tänze in Paar- und Gruppen-Formationen, die sich schließlich zu einem Doppelkreis formen. Dem einzeln an der Rampe stehendem Messias jubeln alle zu…

Zweiter Teil: Opfer.
Elf Tänzer, darunter Frauen in blauen Kleidern und die Männer in blauen Hosen, hocken an der Bühnenrampe; hinzu kommt ein zwölfter Tänzer, der sich in Mimik und Bewegungs-Profilen den anderen anpasst. Hinter ihnen bewegt sich auf der Schräge schleppend der Messias, nur mit einer Unterhosen bekleidet. Nacheinander erheben sich die Tänzer an der Rampe, begeben sich zur linken Seite und beobachten den Messias. Der geht auf der Schräge in die Knie, kauert sich nieder; währenddessen formieren sich die übrigen Tänzer des Ensembles zu Paaren, wobei die Männer und Frauen gleichermaßen Kreuze vor sich tragen, die geneigt gehalten werden. Die Frau, die am Beginn (der ersten Teils) von der Schräge rollte, begibt sich zum Messias, um ihn zu umarmen. Dadurch entsteht ein Aufruhr im Ensemble, die zu mehr oder weniger harten Angriffen auf den Messias führen. Man sieht in den Händen jedes Mitglieds des Tanzensembles einen Stein, die in die Höhe gehalten werden, was wie eine Art von beginnender Steinigung wirkt – was an Stephanus denken lässt, doch der Messias, hat sich ein weißes Hemd übergezogen und legt sich in Kreuzespose auf die Schräge, womit der zweite Teil endet.

Dritter Teil: Wiedergeburt.
Eine Tänzerin in hellem Kleid liegt auf der Schräge, beginnt dort ein langes Solo zu tanzen, wobei sie oft in die Höhe blickt.

Plötzlich tritt der Messias in einem weißen Anzug auf, begegnet der Frau, die unmittelbar darauf nach oben auf die Schräge läuft, von wo sie der Messias abholt und mit ihr bis an die Rampe geht.

Das Gesamt-Ensemble tritt nun paarweise auf die Szene; die Tänzer legen sich auf die Schräge und rutschen dann hinunter, wo sich alle am Fuß der Schräge versammeln.

Der Messias beginnt ein Solo, das in eine fröhliche Tanz-Aktion des Paar-Ensembles mündet. Eine kleine Gruppe in hellen Umhängen, unter ihnen auch der Messias, lösen sich aus der Menge und begeben sich in die Mitte. Eine Frau tritt aus der Gruppe hervor und legt ihren Arm auf die Schulter des Messias, der sich daraufhin zu ihr umdreht – womit der dritte Teil beendet wird.

Anmerkungen.
Händels Messias ist, anders als in Bachs Passionen, nicht der leidgeprüfte Gottessohn, sondern der um seine Mission für die sündigen Menschen wissende Erlöser. Es wird in dem Oratorium von Händel auch nicht nur die Passionsgeschichte erzählt, sondern es wird auch über seine Geburt in Bethlehem und seine Auferstehung (im dritten Teil) mit den entsprechenden Reflexionen berichtet.

John Neumeier hat nicht die Geschichte Christi erzählt, sondern zeigt in seinem Ballett eine freie Assoziation der Leidensgeschichte. Den Schluss bildet auch nicht etwa der berühmte Halleluja-Chor (der bei Händel den zweiten Teil beschließt), sondern das Agnus Dei aus Arvo Pärts Berliner Messe, aus der im übrigen auch das Veni Sancte Spiritus stammt, das Neumeiers Messias-Ballett eröffnet.

Ungeachtet aller negativen Kritik war Messias ein Publikumserfolg.

Gestaltung Agentur kuh vadis