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Jean-Philippe Rameau: LES BORÉADES

Jean-Philippe Rameau (1683-1764):
LES BORÉADES
(Die Boréaden)
Tragedie lyrique in fünf Akten
Libretto von Louis de Cahusac (zugeschrieben)
Originalsprache: Französisch.

Uraufführung am 14. April 1975 (konzertant) in der Queen Elizabeth Hall, London,
szenische Erstaufführung am 21. Juli 1982 im Théâtre de l’Archevêché, Aix en Provence.

Personen der Handlung:
Alphise, Königin von Baktrien (Sopran)
Sémire, ihre Vertraute (Sopran)
Polymnie (Polyhymnia), Muse des Gesangs und der Pantomime (Sopran)
Eine Nymphe (Sopran)
Abaris, Liebhaber der Alphise (Haut-contre)
Calisis (Kalais), Bewerber um Alphise, aus dem Geschlecht Borées (Haute-contre)
Borée (Boreas), Gott der Nordwinde (Bass)
Borilée, Bewerber um die Hand Alphises, aus dem Geschlecht Borées (Bariton)
Adamas, Oberpriester Apollons (Bariton)
Apollon, Gott des Lichts (Bariton)
L’Amour (Amor), der Liebesgott (Sopran)
Orytie (Orithie) (Tanzrolle)
Chor: Les Plaisirs (die Vergnügungen), die Grazien, Gefolge L’Amours, Priester Apollons, Gefolge Borées, Volk, die Jahreszeiten, die Musen, Zephire, Genien, der Stunden und der Künste, unterirdische Winde
Ballett: Gefolge Oryties

Erster Akt
Ein Wald in Baktrien.

Szene 1.
Die baktrische Königin Alphise hat sich mit ihrer Hofgesellschaft auf die Jagd begeben, obwohl sie dem Treiben nur wenig Gefallen abringen kann – im Gegensatz zu den Höflingen. Aber die Langeweile macht’s möglich. Alphises Vertraute Sémire hat sie, wieder einmal, gedrängt, sich einen Ehemann zu erwählen. Momentan sind zwei Prinzen, Calisis und Borilée, die als Nachfahren des Windgottes Borée gelten und deshalb hochgeachtet sind, die einzigen Bewerber um die Königin. Die Hochachtung, die den beiden Prinzen entgegengebracht wird, hängt mit einem alten Gesetz zusammen: danach dürfen nur solche Nachfahren über Baktrien herrschen. Alphise ist jedoch schon verliebt, und zwar einen fremden Mann mit dem Namen Abaris, der allerdings auch eine ungeklärte Abstammung besitzt. Nur der Oberpriester Adamas glaubt, dass Abaris königlicher Herkunft ist. Sémire warnt Alphise vor dem möglichen Zorn des Gottes Borées.

Szene 2. Szenenwechsel in den Königspalast von Baktrien.
Zurück von der Jagd macht Prinz Borilée der Königin schön formulierte Komplimente, um sich wegen einer Heirat bei Alphise in Erinnerung zu bringen.
Szene 3.
Auch Calisis begibt sich zu ihr, um seinen Anspruch anzumelden. Doch die so Bedrängte bittet beide Prinzen um Geduld und sagt, dass sie erst den Rat Apollons abwarten will.
Szene 4.
Im Auftrag von Prinz Calisis tritt eine Schaustellergruppe im Palast auf. Einige der Schauspieler sind bereits als Plaisirs (Vergnügen) und Grazien kostümiert. Für sie schrieb Rameau ein Divertissement, eine Tanzfolge, ohne die keine Oper in Frankreich aufgeführt werden kann. Sémire, Calisis und der Chor behaupten, das Vergnügen halte Kümmernisse von der Ehe fern. Alphise hingegen warnt, dass ein plötzlich auftretendes Unwetter jederzeit die trügerische Ruhe der Liebe stören könnte.

Zweiter Akt.
Vorhalle des Apollotempels; im Hintergrund desselben der Altar.

Szene 1.
Abaris, der seine Kindheit im Dienst Apollons verbrachte, fleht den Gott um Hilfe an, da er in Alphise verliebt ist und darunter leidet.
Szene 2.
Der Oberpriester Adamas betrachtet den Betenden mitfühlend. Er weiß, dass der Gott ein Gebot erlassen hat, dass Abaris erst dann von seiner Herkunft erfahren dürfe, wenn er seine Tugenden unter Beweis gestellt habe. Als Abaris Adamas von seiner Liebe zur Königin erzählt, rät der ihm, den Weg zum Ruhm zu suchen.
Szene 3.
Adamas befiehlt in dieser Szene den anderen Tempelpriestern, Abaris genauso zu gehorchen wie ihm selbst, solange es noch keinen neuen König gibt.

Szene 4.
Die von einem Traum beunruhigte Alphise kommt in den Tempel, um die Hilfe der Götter zu erflehen.
Szene 5.
Alphise berichtet, dass ihr Borée, der Gott der Winde, inmitten unzähliger Blitze auf einer düsteren Wolke erschienen sei und gedroht habe, ihr Reich zu verwüsten. Bestürzt bietet Abaris sich selbst als Ersatzopfer an und ruft Apollon und L’Amour um Hilfe an. Da Alphise auf ihn aufmerksam wird, fasst Abaris sich ein Herz und gesteht ihr seine Liebe. Seine Befürchtung, sie dadurch beleidigt zu haben, zerstreut die Königin, indem sie Abaris zu erkennen gibt, dass sie seine Gefühle erwidert.
Szene 6.
Borilée, Calisis, Alphises Gefolge und Apollon-Priester treffen ein, um gemeinsam zum Ruhm Apollons ein Schauspiel zur Aufführung zu bringen, das den Raub der Orytie (oder auch Oreithyia) von Borée zum Thema hat – ein erneutes Divertissement. Danach erscheint der Liebesgott L’Amour persönlich in grellem Licht und reicht Alphise einen magischen Pfeil, der sein Einverständnis mit ihrer Liebe zu Abaris symbolisiert. Dennoch weist er darauf hin, dass ein Nachfahre Borées die Königskrone erhalten werde.

Dritter Akt.
Idyllische ländliche Gegend.

Szene 1.
Alphise will die von ihrem Traum ausgelösten Angstgefühle durch die Hoffnung auf Erfüllung ihrer Liebe verdrängen.
Szene 2.
Abaris befürchtet, dass Alphise dem Druck des Volkes nachgeben und ihn verlassen könnte. Sie versichert ihm, dass sie nur ihn liebe.
Szene 3.
Irgendjemand im Palast hat als Lautsprecher fungiert und die Liebe der Königin zu Abaris verraten. Calisis, Borilée und das Volk, das die Neuigkeit natürlich dann auch erfahren hat, feiern die bevorstehende Hochzeit mit Tänzen und einem Lobpreis auf die eheliche Liebe.
Szene 4.
Adamas gibt jetzt aber den Spielverderber und drängt die Königin, eine Entscheidung zu treffen und den künftigen König zu benennen. Das müsste Alphise in Schwierigkeiten stürzen, doch sie reagiert völlig unerwartet, erklärt nämlich ihren Rücktritt als Königin und . Ausdrücklich überlässt sie die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin dem Volk.
Sie überreicht dem überglücklichen Abaris den Zauberpfeil des Liebesgottes. Das Volk aber zeigt Verständnis für ihre Entscheidung.
Calisis und Borilée hingegen bekommen Aufwind und bekräftigen ihren Anspruch auf den Thron Baktriens. Sie rufen den Windgott Borée um Rache an und es kommt ein großer Gewittersturms. Nordwinde ergreifen die zurückgetretene Königin und tragen sie zum Entsetzen des Volkes mit sich fort.

Vierter Akt.
Verwüstete Landschaft.

Szene 1.
Während das Volk hinter der Bühne das schreckliche Geschehen beklagt und die Götter um Hilfe anruft, zeigt sich Borilée zutiefst befriedigt über die Rache Borées.
Szene 2.
Der Gewittersturm hat große Verwüstungen in Land angerichtet. Abaris betrauert die Verwüstungen und das Schicksal Alphises.
Szene 3.
Adamas fordert Abaris auf, den zornigen Gott zu besänftigen und seine Liebe zu Alphise aufzugeben. Nach einem kurzen Moment des Zögerns greift Abaris zu seinem Pfeil, um sich damit zu durchbohren. Adamas weist ihn jedoch darauf hin, dass der Pfeil ihm durch seine Zauberkraft einen Weg zu seinen Feinden weisen könne, um diese zu überwinden. Er lässt Abaris mit dieser Aufgabe zurück. Abaris bittet den Lichtgott Apollon um Hilfe.

Szene 4.
Die Muse des Gesangs Polymnie (auch Polyhymnia) und die Jahreszeiten treten in einer Gavotte pour les heures, der Gavotte für die Stunden, auf und verkünden Abaris, dass ihn die Zephire, die leichten Windgottheiten, durch die Lüfte und über die Meere bis zum Wohnsitz des Donners tragen werden.

Fünfter Akt.
Das Reich des Windgottes Borée.

Szene 1.
Borée befiehlt den ihm untergebenen Winden, ihre Verwüstungen in Baktrien fortzusetzen. Im Regelfall gehorchen sie auch, aber aus nicht erklärlichen Gründen fürchten sie sich vor der Macht des sich nähernden Abaris.
Szene 2.
Alphise erklärt Borée, den Prinzen Borilée und Calisis, dass sie eher in den Tod gehen wolle oder auch in die Sklaverei, als ihrem Werben nachzugeben.
Szene 3.
Windgott Borée will Alphise Qualen aussetzen und hat sich überlegt, sie in die Höhle der Winde bringen zu lassen.
Szene 4.
Da erscheint Abaris auf der Szene und bezwingt die Gegner, indem er sie mit seinem Pfeil berührt. Apollon steigt vom Himmel herab.
Szene 5.
Der Lichtgott hat eine wichtige Botschaft an seinen Kollegen Borée: Abaris entstammt dem Hause des Windgottes, denn seine Mutter war eine Nachfahrin Borées. offenbart den Anwesenden die Herkunft Abaris’: Seine Mutter stammte ebenfalls aus dem Hause Borées. Der traut ob dieser Neuigkeiten seinen Ohren nicht, muss sich aber eingestehen, dass ihm nun nichts anderes übrigbleibt, als Abaris’ Anspruch auf Alphise und den Thron Baktriens als rechtmäßig einzugestehen.
Abaris erlöst die Prinzen, indem er sie mit dem Pfeil berührt. Auf einen Befehl Apollons verwandelt sich das düstere Reich Borées zu neuer Schönheit, und das glückliche Paar besingt seine Liebe. Die Oper endet mit einem letzten Divertissement.

Anmerkungen.
Les Boréades ist Rameaus letztes Bühnenwerk. Es entstand 1763, ein Jahr vor seinem Tod und viele Jahre nach seiner vorangegangenen Tragédie lyrique Zoroastre von 1749. Das Libretto wurde posthum in zwei unabhängigen Quellen des 18. Jahrhunderts dem bereits 1759 verstorbenen Louis de Cahusac zugeschrieben, enthält aber einige für diesen unübliche Merkmale. Beispielsweise werden die historischen Quellen hier mit einer großen Freiheit verwendet. Die für Cahusac typischen Freimaurer-Symbole existieren zwar in Form einer Initiationsreise, eines magischen Talismans und mehrerer Apollon-Symbole, werden aber im Vergleich zu seinem Libretto für Zoroastre nur spärlich eingesetzt. Für die hier verwendeten simile-Arien finden sich keine anderen Beispiele in Cahusacs Werk. Graham Sadler mutmaßte, dass sich der Text in Cahusacs Nachlass befunden haben könnte, aber nachträglich verändert wurde. Der Musikwissenschaftler Herbert Schneider wies hingegen darauf hin, dass die „maßgeblichen Autoren“ Cahusacs Autorschaft nicht mehr bezweifeln. Der Einfluss der Freimaurer-Symbolik trete deutlich zutage.

Die erste Aufführung sollte im privaten Rahmen des französischen Königshofs in Schloss Choisy stattfinden. Proben dazu gab es am 25. April 1763 (entgegen älteren Vermutungen nicht 1764) in Paris und am 27. April in Versailles. Zu den Mitwirkenden gehörten die damaligen Opernstars Sophie Arnould und Pierre de de Jélyotte. Die Proben wurden jedoch nach einem Monat abgesetzt. Stattdessen wurde im Juni 1763 die tragische Oper Ismène et Isménias, ou La fête de Jupiter des Komponisten Benjamin de Laborde aufgeführt. Die Ursachen könnten einerseits die (vermuteten) ideellen Gehalte des Librettos – die revolutionären Ideen der Gleichheit und einer sich selbst verwirklichenden Frau gewesen sein, andererseits auch schlicht Geldmangel, Intrigen (wie die Musikwissenschaftlerin Sylvie Bouissou vermutet, denn Benjamin de Laborde galt als Liebhaber der Madame de Pompadur, die hohen technischen Anforderungen an die Sänger und das Orchester oder auch der Brand des Theaters der Académie Royale im selben Monat.

Vermutlich gab es in den 1770er Jahren eine konzertante Aufführung in Lille. Dann ruhte die Lyrische Tragödie über 100 Jahre in einer Schublade. Aber 1896 präsentierten Louis Diémer und die Société des Instruments Anciens in Paris größere Ausschnitte Werks mit einer reduzierten Instrumentalbegleitung für Cembalo, Viola d’amore, Viola da Gamba und Fidel.

1964 sendete der französische Rundfunk Auszüge der Oper, die jedoch wenig Beachtung fanden. Die konzertante Uraufführung fand erst am 14. April 1975 in der Queen Elizabeth Hall in London unter der Leitung von John Eliot Gardiner statt, der das Werk selbst einrichtete. Die szenische Uraufführung gab es am 21. Juli 1982 im Théâtre de l’Archevêché beim Festival d’Aix-en-Provence. Gardiner dirigierte wieder seine English Baroque Soloists und den Monteverdi Choir. Die Sänger waren Jennifer Smith (Alphise), Anne-Marie Rodde (Sémire), Lucinda Houghton (Polymnie), Martine Marsh (Nymphe), Philip Langridge (Abaris), John Aler (Calisis), Jean-Philippe Lafont (Borée), Gilles Cachemaille (Borilée), François Le Roux (Adamas), Stephen Varcoe (Apollon) und Elizabeth Priday (L’Amour). Eine Studioaufnahme mit derselben Besetzung wurde auf CD herausgegeben. (Aus Wikipedia.)

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