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Johann Georg Conradi (1645-1699)

Ich möchte hier einen Komponisten vorstellen, den, so vermute ich mal, kaum ein Liebhaber der Musik auf seinem Schirm hat, ja, dessen Name kaum bekannt ist. Ich nehme von meiner Behauptung mal den Herrn (oder die Frau) Wikipedia aus, der (oder die) kennt ihn nämlich. Ich muss vorab zugeben, dass er aufgrund der Lebzeiten, die im Spätbarock liegen, noch weniger Musikfreunde für sich einnehmen kann, weil diese Musik nicht jedem Musikfreund „liegt“. Ich meine den Herrn Johann Georg Conradi (1645 in Oettingen geboren, 1699 dort auch gestorben). Es ist nur wenig an Musik von ihm bis in unsere Zeit gekommen, aber ich habe mir vor einigen Jahren die eine Oper von ihm zugelegt, die, wie ich finde, durchaus ihre Meriten hat. Das Werk hat den zeitbedingt langen Titel Die schöne und getreue Ariadne oder wie man heute kurz und bündig diese Oper nennt Ariadne.

Zunächst will ich in das Leben des ziemlich unbekannten Komponisten etwas Licht bringen:

Johann Georg Conradi (*1645 in Oettingen, Grafschaft Oettingen; †22. Mai 1699 in Oettingen, Fürstentum Oettingen) war der Sohn eines Oettinger Organisten,  wurde von seinem Vater musikalisch vorgebildet und erhielt seine spätere musikalische Weiterbildung vermutlich in Stuttgart.1671 wurde er in Oettingen Musikdirektor, verließ aber nach einem Jahrzehnt Oettingen um 1683 Hofkapellmeister in Ansbach zu werden. In diesen Jahren schuf Conradi einige dutzend Kompositionen.

1687 verließ Conradi Ansbach wieder, da nach Erhebung der Grafschaft Oettingen zum Fürstentum Oettingen der nachfolgende Regent auf die Dienste Johann Georg Conradis verzichtete. Conradi übersiedelte in das unweit gelegene Römhild im fränkisch geprägten Süden Thüringens, wo er als Kapellmeister eine kleine Hofkapelle aufbaute.

1690 ging er dann als Kapellmeister an die Hamburger Oper am Gänsemarkt. Unter Conradis Leitung wurden an der Oper am Gänsemarkt auch italienische und französische Opern inszeniert, neben eigenen und zeitgenössischen Werken anderer Komponisten. In seinen Hamburger Jahren komponierte Conradi neun Opern, jedoch hat sich, soweit bekannt, neben sämtlichen Libretti nur die Musik der Oper Die schöne und getreue Ariadne bis heute erhalten. Die Ariadne wurde im 21. Jahrhundert neu inszeniert und auf Tonträger eingespielt.

Trotz großen Erfolges verließ Conradi wegen wirtschaftlicher Probleme die Hansestadt im Jahre 1694. Er kehrte wieder nach Oettingen zurück und bekleidete dort bis zu seinem Tode die Position des Kapellmeisters am Fürstenhofe von Albrecht Ernst II. Die Position des Kapellmeisters blieb in der Familie Conradi und ging nach dem Tod von Johann Georg Conradi auf seinen Sohn über.

Conradi: Ariadne

Von dieser Barockoper und der hier vorgestellten Aufnahme vom Boston-Musik-Festival kann ich nur beste Hörerfahrungen einbringen. Ich kann den Freunden der Barock-Oper dieses Produkt von cpo auch nur wärmstens empfehlen. Johann Georg Conradi ist in seiner Musiksprache natürlich ein Kind seiner Zeit. Ob er an Lully geschult ist, wie mal ein Rezensent schrieb, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist aber, dass ihm für die wohl allseits bekannte Geschichte von Ariadne, Perseus und dem Minotaurus eine abwechslungsreiche Musik eingefallen ist, die sehr viel Hörvergnügen bereitet. Dass hier erstklassige Solisten den naturgemäß umfangreichen Text von Postel interpretieren, die im Übrigen in der Klangwelt und Interpretation des barocken Musiktheaters zu Hause sind muss nicht gesondert betont werden. Und dass sich alle auf hohem Level bewegen gebe ich gerne zu, möchte jedoch einen den beteiligten Sänger besonders hervorheben, nämlich den aus Berlin stammenden Tenor Jan Kobow. Ihm hat man die Rolle des Pamphilius anvertraut, und die füllt er mit großem Geschick und hörbarem Spaß an der, wie ich finde, Hans-Wurst-Rolle genüsslich aus.

Wie man sieht, hat mir Wikipedia geholfen, den Herrn Conradi vorzustellen, wofür ich Wikipedia dankbar bin

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