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KEISER, Reinhard: CROESUS

Reinhard Keiser (1674-1739):
DER HOCHMÜTIGE, GESTÜRZTE UND WIEDER ERHABENE CROESUS
Musikalisches Schauspiel in drei Akten

Libretto von Lucas von Bostel nach Nicolò Minatos Creso

Uraufführung 1711 in der Gänsemarkt-Oper in Hamburg;
Neufassung 1730 mit erweitertem Instrumentalsatz und mehreren Neukompositionen.

Personen der Handlung:
Croesus, König von Lydien (Bariton)
Cyrus, König von Persien (Bariton)
Elmira, medische Prinzessin (
Sopran)
Atis, Croesus stummer Sohn (Sopran)
Halimacus, Hofmeister des Atis (
Mezzosopran)
Orsanes, lydischer Fürst (Bariton)
Eliates, lydischer Fürst (
Tenor)
Clerida, eine lydische Prinzessin (Mezzosopran)
Solon, griechischer Weiser (Bass)
Elcius, Diener des Atis (Tenor)
Trigesta, Dienerin Elmiras (Sopran)
Ein Persischer Hauptmann (Bariton)
Nerillus, Page des Atis (Sopran)

Chor/Statisten: Königlicher Hofstaat, lydische, persische Krieger, Bauern und Bäuerinnen

Ort und Zeit: Lydien im Jahr 546 vor Christus.

Erster Akt.
Ein prächtiger Saal mit Thron. Fürsten und Staatsdiener knien vor König Croesus; einzig Solon steht allein abseits.

Der lydische König Croesus, dessen Reichtum sprichwörtlich bis in die Gegenwart wurde, lässt sich im Thronsaal seines Palastes vom Hofstaat feiern:

Croesus herrsche, Croesus lebe!
Dass der Glanz von seinem Glücke,

macht- und hoheitsvolle Blicke
um den ganzen Erdkreis gehe.

Nur der Weise Solon hat mit den unterwürfigen Belobigungen des Hofstaats ein Problem -und das äußert er gegenüber dem König mit der Warnung, dass alle irdischen Güter vergänglich seien. Dem Herrscher ist solche Warnung allerdings eher lästig, er will sich seine gute Laune nicht verderben lassen.

Croesus hat einen stummen Sohn namens Atis und der ist naturgemäß bei Äußerungen gehandicapt und auf die Zeichensprache angewiesen, kann sich aber dabei auf die Hilfe seines Pagen Nerillus verlassen, der die Zeichensprache zu „übersetzen“ in der Lage ist. Wichtig für das Publikum ist zu wissen, dass Atis trotz seine Handicaps eine Geliebte hat: die Prinzessin Elmira aus dem Königreich Medien liebt der Prinz und wird von ihr auch geliebt. Jene Elmira wurde vom Perserkönig Cyrus aus ihre Heimatland vertrieben und flüchtete an den Hof von Croesus.

Jetzt wird es mit der Übersicht schwierig: das Liebespaar Atis und Elmire hat nämlich einen bedeutenden Konkurrenten, nämlich den lydischen Fürsten Orsanes, der seine Augen auf die kapriziöse Prinzessin geworfen hat, ohne bei Elmire „landen“ zu können. Das ist jedoch, wie wir feststellen müssen, nicht alles, denn Orsanes hat es der lydischen Prinzessin Clerida angetan, den das wegen Prinzessin Elmire völlig kalt lässt. Und dann gibt es noch den lydischen Fürsten Eliates, der sich gerne mit jener Clerida verbinden würde, was die wegen ihrer Liebe zu Fürst Orsanes ablehnt.

Eine weitere Zwischenbemerkung sei noch gestattet: es gibt in dieser Oper auch eine „lustige Person“ und die heißt Elcius und ist der persönliche Diener von Prinz Atis. Elcius ist das ganze Liebesgedöns völlig schnuppe; er hält sich lieber an deftigem Essen und Trinken schadlos und singt manchmal seine Worte in einem niederdeutschen Slang:

Brill, Brill, Brill, Brill, Feder und Tinte,
Hechel und Mausfall,
Brill, Brill, Balsam, Sulphuris, Toback en Poudre,
Brill, Brill, Brill.
Hier wey iy nicht dat neye Leth,
Vam olden künstlicken Secret
Tho maken Gold ut Burenschweet?
usw.

Für die Handlung ist jeder Beitrag des Elcius völlig ohne Bedeutung, tragen aber ohne Zweifel zur Auflockerung der dramatischen Ereignisse bei werden von daher auch gerne gehört.

Szenenwechsel: Großes Feldlager mit den prächtigen Zelten der Könige.

Handlungsmäßig wird es nun ernst: der Perserkönig Cyrus hat mit der Einnahme von Medien nicht genug, er hat es auch auf Lydien abgesehen. Das bedeutet für Croesus und seinen Sohn Atis, sich aufs Pferd zu schwingen und vor einem Heer sich der Bedrohung durch Cyrus zu stellen. Der lydische Fürst Eliates wird vor dem Feldzug von Croesus zum Statthalter Lydiens ernannt, was Fürst Orsanes, der sich ebenfalls Hoffnung auf das Amt gemacht hatte, Rache schwören lässt.

Der Kriegszug verläuft allerdings für die Lydier schlecht, denn sie werden von den Persern unter Cyrus geschlagen. Croesus wäre dabei fast zu Tode gekommen, da ein persischer Soldat die Majestät für einen ganz gewöhnlichen Soldaten hielt und mit seinem Schwert ausholte, um ihn zu töten. Kronprinz Atis, der den Angriff auf seinen Vater mitbekommen hat, bekam vor lauter Schreck seine Sprache wieder und konnte dadurch dem persischen Krieger Einhalt gebieten. Das hatte zur Folge, dass Croesus gefangen genommen und zum Sieger der kriegerischen Auseinandersetzung, König Cyrus, gebracht wurde.

Zweiter Akt.
Landschaft mit Bauern-Hütten; Bauern, Bäuerinnen und Kinder auf der Szene. Zwei Bauern spielen auf Schalmei und Sackpfeife.

Von Halimacus, einem seiner Vertrauten, erfährt Atis, dass Fürst Orsanes einen Aufstand und eine Machtübernahme in Lydien plant. Beiden ist sofort klar, dass der Fürst die Herrscherfamilie vertreiben will. Atis beginnt deshalb sofort mit Gegenmaßnahmen: er lässt sich zunächst in den Bauernjungen Ermin verkleiden und unters Volk streuen, dass er von Halimacus gefangen genommen und an den lydischen Hof gebracht wurde, wo er als ein Diener der Prinzessin Elmira fungieren soll.

Szenenwechsel: Palast in Sardes.

In der lydischen Hauptstadt Sardes bewaffnen sich die Einwohner und stellen sich unter der Führung von Fürst Eliates gegen die heranrückenden Perser auf. Unabhängig von den kriegerischen Ereignissen hat sich die Prinzessin Elmira mit ihrem neuen Diener Ermin auseinander gesetzt: sie stellt nämlich eine frappierende Ähnlichkeit mit ihrem geliebten Prinz Atis fest, muss aber andererseits zugeben, dass das nicht sein kann, denn Ermin kann sprechen, was Atis nicht kann. Das Problem ist für Ermin, dass er im Umgang mit der Prinzessin seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat. Und das führt zu Spannungen mit der Prinzessin.

Fürst Orsanes hat übrigens auch ein Auge auf den neuen Diener im Palast geworfen. Er glaubt, in ihm einen willfährigen Adlatus gefunden zu haben und stiftet den vermeintlichen Bauernjungen an, den erwarteten Prinzen Atis im Schlaf zu töten, um dann dessen Rolle im Palast übernehmen zu können. Dann, so denkt Orsanes, ist der Weg für ihn auf den Thron Lydiens frei und Prinzessin Elmira kann die Seine werden.

Atis’ Diener Elcius hat sich inzwischen umorientiert und ist zu einem fliegenden Händler mutiert, der in Sardes seine Waren feil bietet.

Szenenwechsel: Königszelt der Perser im Feldlager.

In der Gefangenschaft wird König Croesus von seinem persischen Kollegen Cyrus zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Hinweise von Croesus auf seinen königlichen Status schiebt der Perserkönig verächtlich beiseite. Der zweite Akt endet also nicht hoffnungsvoll…

Dritter Akt.
Die Szene ist im Palast zu Sardes.

Fürst Orsanes hat seine Zukunftspläne fest im Blick, was nichts anderes als Gier nach Macht bedeutet. Dabei spielt der Bauernjunge Ermin eine wichtige Rolle spielt: der lässt den Fürsten in dem Glauben, den Prinzen, wie abgesprochen, getötet zu haben. Orsanes treibt, vorläufig allerdings nur in seinen Gedanken, seine Pläne zur Machtübernahme in Lydien weiter voran. Der Handlungsstrang wird jetzt etwas undurchsichtig, denn Ermin legt die Bauernjunge-Rolle ab und tritt wieder als der stumme Kronprinz Atis auf. Während das im Hofstaat Freude auslöst und man dem beliebten Kronprinzen zujubelt und Prinzessin Elmira froh ist, ihren Geliebten wieder bei sich zu haben, glaubt Orsanes, dass es Ermin, der Bauernjungen ist, der, gemäß seinem Plan, Prinz Atis spielt. Auf Orsanes Nachfrage bestätigt ihm Ermin alias Atis das auch und er erwähnt noch einmal explizit, dass die Leiche von Atis bereits im Meer liege. Andererseits gefällt Ermin/Atis seine Rolle und er macht Prinzessin Elmira offen den Hof. Das ruft ihren Protest hervor, denn sie beabsichtigt nicht, ihren adligen Prinzen gegen einen Bauernjungen einzutauschen, sei die Ähnlichkeit auch noch so groß.

Szenenwechsel: Vor dem Zelt des Königs Cyrus.

Lydiens König Croesus soll, trotz vieler Einsprüche der lydischen Abgesandten, exekutiert werden. Auch das großzügige Angebot der Lydier, die Hälfte des Vermögens von König Croesus den Persern zu übereignen, weisen die Sieger zurück. Selbst die Bitten von Atis, dem Kronprinzen und Sohn von Croesus, werden abgelehnt. Ein Angebot von Atis, der sich als alternatives Opfer zur Verfügung stellt, lässt kurzzeitig Hoffnung für Croesus aufkommen, bringt aber keine Änderung in der Haltung von Cyrus.

Da erinnert sich Croesus an die Worte des Weisen Solon

Daß des Reichthums stoltze Pracht
Keinen Menschen glücklich macht
Eh sein Ende ist gekommen

und spricht sie laut aus. Das aber hört der Perserkönig und ist plötzlich anderen Sinnes: Er begnadigt Croesus und schließt mit dem „Kollegen“ Frieden. Jetzt, am Ende der Oper, gibt Croesus seinem Sohn und der Prinzessin Elmira seine Segen. Diese Handlung inspiriert Fürst Eliates und Prinzessin Clerida sich zueinander zu bekennen und Atis begnadigt den Verräter Fürst Orsanes. Das „musikalische Schauspiel“ endet mit einem Jubelchor:

Alle: Glückliche Stunden! Erfreulicher Tag!
Atis: Da ich mich mit Dir vereinigen mag.
Eliates: Trauriges Weinen und Schmerzen
Clerida: kehrt sich in Lachen und Scherzen.
Halimacus, Orsanes, Eliates: Lydien spüret in Leiden und Freuden
Was das Verhängnis des Himmels vermag!
Elmira, Atis, Croesus: Glückliche Stunden! Erfreulicher Tag!
Alle: Glückliche Stunden! Erfreulicher Tag!

Quelle für die obige Handlungsbeschreibung ist folgende bei harmonia mundi france erschienene Aufnahme der Oper in der Zweitfassung von 1730 (die erste Version ist nur unvollständig überliefert). Die Produktion ist eine Kooperation zwischen dem Label und der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

© Manfred Rückert

Gestaltung Agentur kuh vadis