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Lehrer einer ganzen Organistengeneration: Girolamo Frescobaldi

Girolamo Alessandro Frescobaldi, getauft im September 1583 in Ferrara und gestorben am 1. März 1643 in Rom, war ein zu Lebzeiten berühmter Komponist, Oragnist und Cembalist des Frühbarock. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in der Basilika Santi Apostoli in Rom. Er galt (und gilt heute noch) als einer der bedeutendsten Musiker für Tasteninstrumente, wogegen sein Ruhm als Autor weltlicher und geistlicher Vokalmusik etwas geringer eingestuft wird.

 

Frescobaldis genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Auch sein Taufeintrag in der Kathedrale von Ferrara ist nicht eindeutig zu entziffern und wurde von verschiedenen Forschern auf den 9., den 13. oder den 15. September gelegt. Er war der Sohn von Filippo und dessen Frau Lucrezia Fescobaldi. Er hatte außerdem eine Schwester namens Giulia und zwei aus der zweiten Ehe seines Vaters stammende jüngere Halbgeschwister, darunter Cesare, der ebenfalls Musiker wurde.

Der junge Girolamo wuchs in der gebildeten und musikalischen Atmosphäre von Ferrara und des dort ansässigen Hofes der Este auf. Er wurde von Luzzasco Luzzaschi (1545-1607), einem Schüler von Cipriano de Rore, unterrichtet und erregte die Bewohner von Ferrara schon mit 17 Jahren durch sein Orgelspiel. 1597 wurde er Nachfolger von Ercole Pasquini an der Accademia della morte von Ferrara.

Es wird vermutet, dass er 1599 im Gefolge des Kardinals Guido Bentivoglio nach Rom ging. Eine nicht ganz sichere Quelle behauptet, dass Frescobaldi 1603-1604 als Organist und Sänger in der römischen Congregazione di Santa Cecilia nachgewiesen sei. Gesichert ist dagegen, dass er von Januar bis Mai 1607 als Organist an der Kirche Santa Maria in Trastevere tätig war. Im Juni 1607 reiste er jedoch gemeinsam mit Kardinal Bentivoglio, den man inzwischen zum Apostolischen Nuntius in den den Spanischen Niederlanden ernannt hatte, nach Brüssel, wo er sich ein knappes Jahr aufhielt, und eventuell nordeuropäische Musiker wie Peter Philips und Pieter Cornet kennengelernt haben könnte, die allerdings keinen direkten musikalischen Einfluss auf ihn ausübten.

Noch während seiner Abwesenheit von Rom wurde Frescobaldi einhellig im Juli 1608, vermutlich durch die Fürsprache des Kardinals Bentivoglio und des Francesco Borghese, zum Organisten der Capella Giulia, wiederum als Nachfolger Ercole Pasquinis. Er trat sein Amt nach seiner Rückkehr zu Allerheiligen desselben Jahres an. Er wirkte aber auch daneben noch als Musiker für hochrangige Persönlichkeiten wie Kardinal Pietro Aldobrandini (etwa ab 1611), dem er 1615 sein Primo libro dei ricercari e canzoni widmete.

Am 18. Februar 1613 heiratete er Orsola del Pino in der Sakristei der Kirche Santa Maria in Via. Das Paar hatte bereits einen unehelich geborenen Sohn Francesco (*29. Mai 1612) und bekam in den folgenden Jahren mehrere Kinder: so die am 22. Juli 1613 geborene Maddalena, die Söhne Domenico (* 8. November 1614) und Stefano (*?) und als Nesthäkchen Caterina (* 21. September 1619).

Nachdem er bereits in Rom für den musikliebenden Kardinal Ferdinando Gonzaga (vor allem auf dem Cembalo) musiziert hatte, bot der Kardinal Frescobaldi eine Anstellung als Hofmusiker in Mantua an, wohin sich der Komponist im Februar 1615 begab; aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen kehrte er nach nur zwei Monaten nach Rom zurück, wo er seinen früheren Posten an San Pietro ohne Probleme wieder aufnehmen konnte. Außerdem widmete er sein im selben Jahr zum ersten Mal erschienenes und später mehrmals mit einigen Änderungen und Zusätzen wiederveröffentlichtes Primo libre die toccate e partite d’intavolature di cembalo dem Kardinal Gonzaga, der das Projekt finanziell unterstützt hatte.

Zeitweise nahm er zusätzliche Aufgaben in anderen Kirchen Roms wahr, so war er 1620-1621 und 1626 Organist an der Spitalskirche Santo Spirito in Sassia, und spielte in den 1620er und 1630er Jahren gelegentlich in San Luigi de’ Franceso jeweils am 25. August, dem Namenstag des Kirchenpatrons, des Heiligen Ludwig.

Von 1628 bis 1633 war Frescobaldi Hoforganist des Großfürsten der Toskana, Ferdinando II. de Medici in Florenz. Dabei ist man über seine genauen Aufgaben am Medici-Hof nicht unterrichtet, es heißt, er habe die Orgel sowohl in Santa Croce als auch in San Lorenzo gespielt, was sich aber dokumentarisch nicht belegen lässt. Sehr wahrscheinlich spielte er in den Hofkonzerten das Cembalo.

1634 übernahm er wiederum die Stelle als Organist am Petersdom. Während dieser Zeit wohnte er mit seiner Familie in der Salita di Magnanapoli. In Rom verkehrte er weiterhin in gesellschaftlich hohen Kreisen, insbesondere mit der Familie Barberini, aus welcher der damalige Papst, Urban VIII., stammte. So hatte er eine Stelle als außerordentlicher Musiker beim Kardinal Francesco Barberini, unterrichtete die Kinder von Taddeo Barberini und widmete seine berühmte Sammlung von Orgelmessen, Fiori musicali, von 1635 dem Kardinal Antonio Barberini. In seinen letzten Lebensjahren wirkte Frescobaldi, neben anderen Musikern und Sängern, auch als Cembalist in den Passions-Konzerten im Oratorio del Santissimo Crocifisco mit.

Frescobaldi gilt neben dem Niederländer Jan Pieterszoon Sweelinck  als einflussreichster Komponist für Tasteninstrumente in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In seiner über dreißigjährigen kompositorischen Tätigkeit schuf er Werke in einem hochgradig originellen und teilweise sehr subjektiven Stil. Seine Musik ist jedoch (wie auch die von Sweelinck) nach heutigem Kenntnisstand nicht völlig isoliert einzustufen; vielmehr basiert sein Werk sowohl stilistisch als auch formal auf den Werken etwas älterer Komponisten wie vor allem die seines Ferrareser Landsmannes Ercole Pasquini und der neapolitanischen Schule mit Giovanni Maria Trabaci und Ascanio Mayone an der Spitze.

Frescobaldi schrieb auch Ricercari, Canzonen und Capricci für Orgel und Cembalo, die wegen ihrer außerordentlichen kompositorischen Kunstfertigkeit weithin bewundert wurden. Dazu kommen diverse kunstvolle Variationswerke über seinerzeit moderne italienische Tanzbässe wie die Romanesca, den Ruggiero, die Aria La Monicha, Fedele, und die Cento Partite sopra Passacaglia; und außerdem eine Reihe elegant ausgearbeiteter Tänze, wie Gagliarden und Correnten, sowie Balletti, die aus einer Aneinanderreihung verschiedener Tänze bestehen und eine (Vor-)Form der Suite darstellen. Sein Capriccio pastorale in den Aggiunta (Zusatzstücke) von 1637 zum ersten Toccatenbuch (1615) ist das früheste erhaltene Stück dieser Art. In den meisten der genannten Gattungen hatte er einen enormen Einfluss auf die Tastenmusik seiner Zeit und der folgenden Generationen.

Von seinen Schülern war Johann Jakob Froberger der wichtigste und einflussreichste, er studierte von 1637 bis 1641 bei ihm; auch der (spätere) Abt Otto Kübler nahm 1637 bei Frescobaldi Unterricht. Frescobaldis Musik beeinflusste außerdem Michelangelo Rossi, Bernardo Storace, Bernardo Pasquini und Louis Couperin, und besonders viele deutsche Organisten des 17. und frühen 18. Jahrhunderts, wie Johann Caspar Kerll, Johann Pachelbel, Dieterich Buxtehude und sogar noch Johann Sebastian Bach.

Frescobaldis Vokalmusik wird im allgemeinen weniger beachtet als seine Tastenmusik. Er komponierte Solo-Gesänge, Duette, Terzette und Madrigale in verschiedenen Sprachen und für unterschiedlichste Besetzungen. Diese Werke haben manch Interessantes zu bieten, auch wenn sie sicher nicht ganz auf derselben Höhe der Inspiration stehen wie seine Tastenmusik oder wie die Vokalmusik spezialisierterer Zeitgenossen, wie Giulio Caccini, Claudio Monteverdi, Sigismondo d’India, Luigi Rossi oder Domenico Mazzocchi. Die beiden achtstimmigen Messen Missa sopra l’aria della monica und Missa sopra l’aria di Fiorenza beispielsweise sind nur handschriftlich überliefert und mit den Initialen „G.F.“ gekennzeichnet. Auf dieser Grundlage werden sie von einigen Autoren für authentische Werke Frescobaldis gehalten (und wurden auch von Oscar Mischiati und Tagliavini in ihrer Gesamtausgabe publiziert), während andere sie nicht seinem Werk zurechnen.

  Frescobaldis Grabstein in der Basilika San‘ Apostoli.

Gestaltung Agentur kuh vadis