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LEONCAVALLO, Ruggiero: I MEDICI

Ruggiero Leoncavallo (1857 – 1919)
I Medici

Historische Aktion in vier Akten
Libretto vom Komponisten
Uraufführung: 1894 am Teatro Dal Verme in Mailand
Originalsprache: Italienisch

Personen der Handlung
Lorenzo de‘ Medici (Bariton)
Giuliano de‘ Medici , sein Bruder (Tenor)
Simonetta Cattanei (Sopran)
Fioretta de’Gori (Sopran)
Simonettas Mutter (Mezzosopran)
Giambattista da Montesecco, Hauptmann der päpstlichen Wache (Bass)
Francesco Pazzi, Bankier, Initiator der Verschwörung (Bass)
Salviati, Erzbischof von Pisa, einer der Organisatoren der Verschwörung (Bariton)
Bernardo Bandini, Hauptfigur in der Verschwörung (Tenor)
Poliziano, Altphilosoph und Dichter (Bariton)
Ritter, Sänger, Musiker, Volk

Ort und Zeit der Handlung: Florenz, 15. Jahrhundert

Erster Akt

Ein Hügel in der Nähe von Florenz
Lorenzo und Giuliano de‘ Medici treten auf, Ihnen folgen einige Ritter in Jagdkleidung, unter ihnen Poliziano und Montesecco. Lorenzo und Giulietto unterhalten sich darüber, dass der Neffe des Papstes seine Herrschaft um die Toscana ausdehnen möchte und sich daher mit den Pazzi
1) zu einer Intrige verbünde. Dann tritt Poliziano an Lorenzo heran und fragt, warum dieser so in düsteren Gedanken sei. Er solle lieber in dieser schönen Umgebung dichten. Lorenzo geht darauf ein und findet schöne Worte über den Frieden im Walde. Als Giuliano zur Jagd aufruft, regt ihn Poliziano dazu an, auch noch etwas zum Besten zu geben. Dieser schwärmt zunächt vom alten Griechenland, dann äußert er seine Gedanken über die Liebe und Lorenzo ergänzt sie mit seinen Ansichten dazu. Dann brechen alle zur Jagd auf und verteilen sich nach verschiedenen Richtungen.
Die schwindsüchtige Simonetta kommt mit ihrer Freundin Fioretta. Sie singt ein etwas melancholisches Lied von einem Mädchen, das ihren Herrn liebt, der aber eines Tages nicht mehr zu ihr zurückkehrt. Auf Fiorettas Frage, wie es ihr ginge, erklärt sie, dass sie heute ihr Leiden nicht spüre. Fioretta schlägt vor, der Jagd vom Hügel aus zuzusehen. Simonetta lehnt ab, sagt ihr aber, dass sie sie nicht brauche und Fioretta verschwidet mit dem Versprechen, in Kürze zurückzukehren
Alleingeblieben schildert Simonetta, wie sie spüre, dass das Leben ihr langsam entweiche. Montesecco kommt hinzu und belästigt die Hilfeschreiende. Es gelingt ihr, sich loszureißen. Montesecco geht verärgert, nicht ohne ein nächstes Mal anzukündigen.
Simonetta atmet auf, verfolgt aber, wie ein Ritter eine Hirschkuh verfolgt, deren Tötung sie durch ihr Schreien verhindert. Dann lehnt sie sich erschöpft an einen Baum. Der Ritter ist Giuliano, der auftritt und sie nach ihrem Wohlbefinden befragt. Sie will gehen, aber er hält sie sanft zurück. Es kommt zu einem längeren Liebesduett. Zwischendurch ist Montesecco wieder erschienen und beobachtet die beiden aus einem Versteck. Dann verschwindet er wieder.
Fioretta kehrt zurück. Simonetta erklärt Giuliano, dass diese ihre Freundin sei. Sie mahnt nun, dass sie nach Hause müssen und die beiden Freundinnen verabschieden sich. Der zurückbleibende Giuliano gesteht, dass er sich verliebt habe.

Zweiter Akt

Der Platz Santa Trinita in Florenz. Einbrechende Nacht.
Francesco Pazzi und Bandini unterhalten sich darüber, dass die Medici, die von König Ludwig schon die Erlaubnis, die Lilie Frankreichs in ihrem Wappen zu tragen, nun auch die Dreifachkrone des Papstes anbringen und Giuliano zum Kardinal machen wollen. Daher planen sie, Lorenzo und Giuliano zu ermorden. Montesecco stößt mit Salvati, einen vom Papst Entsandten hinzu. Pazzi drängt, es sei Zeit zum Handeln.
Man hört Frauengelächter und Bürgerinnnen und Bürger tauchen auf, um Calendimaggio
2) zu feiern. Sie ziehen weiter zum Palast der Medici. Die Verschwörer überlegen, wie sie die Medici-Brüder ohne Begleitung zum Fest locken können und ziehen sich zurück, wo Montesecco ihnen den Plan des Papstes darlegen will
Lorenzo und Poliziano treten mit Gefolge und Musikern auf. Nach einem Vorspiel singt Lorenzo ein Liebeslied. Unterdessen sind zwei Sänger eingetreten und fragen ihn, wen er meint. Aber er kann nur von der ihm unbekannten Schönheit berichten. Auch aus der Menge wird er bewundert.
Giuliano kommt mit Fackelträgern. Und auch die Verschwörer treten wieder auf. Kurz darauf kommen eine Gruppe Mädchen und Jungen wie auch Simonetta mit ihrer Mutter und Fioretta. Pazzi wird beordert, die Brüder einzuladen und wird von Lorenzo begrüßt, der ihm für die freundliche Einladung dankt. Dann fordert Lorenzo alle zu Gesang und Tanz auf und in ihren Liedern den Dichter Poliziano zu ehren. Darauf singt der Chor eine Ballade des Dichters an den Frühling.
Simonetta möchte gerne tanzen, aber ihre Mutter versucht, sie davon abzuhalten. Poliziano, der sich den beiden genähert hat, bittet die Mutter, ihr die Freude zu gewähren. Als Fioretta ihre Krankheit andeutet, bittet er, sie wenigstens singen zu lassen. Da beginnt sie zu singen, wird dabei aber immer lebhafter und fordert die Musiker auf, noch schneller zu spielen, während sie von Lorenzo bewundert wird, der dann von Poliziano von ihrer Schwindsucht erfährt. Dieser hält seinen Bruder, der sich zu ihr begeben will, zurück. Doch Simonetta stürzt sich in den Strudel des allgemeinen Tanzes, stößt aber plötzlich einen Schrei aus und fällt hin. Die Mutter nimmt sie in den Arm und geht mit ihr. Auch Lorenzo fordert die Menge zum Gehen auf.
Als sich alle zerstreut haben, bleiben Giuliano und Fioretta zurück. Giuliano zeigt in seinen Äußerungen, dass er Simonetta liebt, und bittet Fioretta, die gehen will, ihm von Simonetta zu berichten. Als er jedoch ihr Verhalten bemerkt, will er sie trösten,nimmt ihre Hand und versucht hinter ihr Geheimnis zu kommen. Nach einigem Zögern gesteht sie ihm schließlich, dass sie ihn liebt. Giuliano ist überrascht. Sie aber läuft hastig davon.

Dritter Akt

Alte Brücke mit Häusern auf beiden Seiten, darunter die Häuser von Simonetta, Fioretta (einsehbar) und Montesecco. Dunkle Nacht
Fioretta kommt mit Simonettas Mutter aus deren Haus. Sie stellt fest, dass Simonetta nach all den Strapazen jetzt endlich schläft, im Augenblick nichts zu befürchten ist und verspricht in Kürze zurückzukehren. Dann gehen beide in ihre Häuser. Fioretta, deren Haus einsehbar ist, hat ein schlechtes Gewissen. Sie verschweigt der sterbenskranken Simonetta ihre Liebe zu Giuliano und zeigt in einer dramatischen Arie ihren Selbsthass.
Pazzi kommt mit Bandini und Salvati und zeigt ihnen das Haus Monteseccos. Salvati will Bandini schicken, um Montesecco zu benachrichtigen. Als Guiliano über die Brücke kommt, verstecken sie sich in einem Seitengässchen.
Giuliano tritt in Fiorettas Haus, schließt die Tür und fragt nach Simonetta. Die Verschwörer kommen wieder hervor. Da Pazzi keine Gefahr mehr sieht, wenn Giuliano bei seiner Geliebten sei, tritt Bandini in Monteseccos Haus. Bald darauf kommt er wieder heraus und kurz darauf auch Montesecco. Aber auch Simonetta tritt aus ihrer Tür. Die Mutter schläft, aber sie empfindet eine seltsame Unruhe. Da sie Stimmen hört, lauscht sie.
In einem Septett vernehmen wir Folgendes:
1) Pazzi erklärt, dass sie auf dem Festmahl (2.Akt) durch die eingetretenen Umstände nichts ausrichten konnten. Sie wollen also morgen im Gottesdiendst die Medici-Brüder angreifen. Montesecco schreckt zwar davor zurück, aber Salvati redet ihm ein, dass der Papst vergeben werde, weil dadurch Florenz von der Tyrannei befreit werde.
2) Simonetta erschrickt und will zu den Medici eilen, um sie zu warnen.
3) Fioretta erklärt Giuliano, der immer noch Simonetta liebt und bereut, sich mit ihr eingelassen zu haben, dass er sie (Fioretta) geschwängert habe:
Nachdem Montesecco seine Teilnahme mit dem Bemerken, in der Kirche selbst werde er aber das Schwert nicht ziehen, zugesagt hat, verabschieden sich die Verschwörer. Die anderen drei verschwinden. Montesecco , der zu seinem Haus gehen will, bemerkt Simonetta. Er ergreift sie und fragt, ob sie das Gespräch mitgehört habe. Sie gibt es zu und erklärt auch, dass sie die Medicis warnen wolle. Da zerrt er sie an Fiorettas Tür und zwingt sie, hineinzuschauen, wo Giuliano zu Füßen Fiorettas kniet. Er neckt sie damit, ob sie jetzt immer noch die Medicis warnen will. Trotz ihres Erschreckens, bleibt sie bei dem Entschluss. Während Fioretta und Giuliano sich ihre Liebe gestehen, stößt Montesecco Simonetta zu Tür hinein, die zu Boden fällt und im Sterben nur noch die Worte „Morgen…morgen…die Medicis!“ zustande bringt. Giuliano, der hinzu springt, kann nur noch den Tod feststellen.
Montesecco, der sich nun zu seinem Haus begibt, ruft aus: „Es ist also Gott, der die Medicis zum Tode verurteilt hat !“

Vierter Akt

In der Kirche Santa Reparata
Der Gottesdienst hat begonnen und Montesecco, der sein Schwert in der Kiche nicht nutzen will, fragt Bandini, wer an seiner Stelle Lorenzo ermorden soll. Dieser hat zwei Priester engagiert, die keine Skrupel hätten und Vertraute ausgewählt, die einen eventuellen Volksaufstand unterdrücken.sollen.
Dann tritt als erster Lorenzo mit Poliziano, Dienern und Edelleuten ein. Die Verschwörer wiegeln das Volk weiter auf, dieses Joch abzuschütteln.
Fioretta kommt in Tränen aufgelöst herein und fleht Gott an, ihr und Giuliano zu vergeben, während Montesecco unruhig fragt, wo dieser bleibt. Endlich wird dieser von Pazzi hereingeführt und setzt sich neben seinen Bruder. Fioretta ist, als sie ihn sieht, sofort wieder in ihn verliebt. Die Verschwörer lästern heimlich über ihn. Nach dem Sanctus stürzen sich Pazzi und Bandini auf Giuliano. Der schreit um Hilfe und auch Fioretta schreit auf. Gleichzeitig versuchen die beiden gedungenen Priester Lorenzo zu verletzen, der sich mit seinem Schwert wehrt und von Poliziano in die Sakristei gedrängt wird. Ein Teil der Menschenmenge und auch die beiden Priester fliehen. Montesecco teilt Pazzi mit, dass Lorenzo in die Sakristei geflohen sei. Fioretta und einige Frauen eilen zu dem tödlich getroffenen Giuliano. Sie versucht, ihn wieder zu beleben. Pazzi ruft das Volk auf, zum Palast zu gehen und „Freiheit“ zu schreien. Pazzi, Bandini, Montesecco und ihre Anhänger verlassen die Kirche. Ein Teil der Menge jubelt.
Lorenzo reißt gewaltsam die Tür der Sakristei auf. Seine Anhänger wollen ihm das Leben retten und scharren sich um ihn. Aber er drängt sie zurück und will zum Volk sprechen. Dabei greift auf seine Vorfahren zurück, die Gutes für die Republik getan haben. Er fragt auch, was er dem Volk angetan habe. Er kann schließlich erreichen,dass aus dem Volk nach Betrafung der Verschwörer gerufen wird. Sie sollen im Tiber versenkt und ihre Häuser verbrannt werden.
Plötzlich schreit Fioretta auf, dass Giuliano sterbe. Lorenzo eilt zu ihm hin und Giuliano kann mit seinen letzten, fast gehauchten Worten den Bruder noch bitten, Fioretta als seine Braut zu betrachten. Dann stirbt er.
Lorenzo hebt Fioretta auf und spricht sie mit „Schwester“ an. Das Volk ruft auf, die Waffen gegen die Verbrecher zu erheben. Lorenzo erkennt, dass er nun Alleinherrscher ist.

1) Alte Adelsfamilie, die durch die Verschwörung gegen Lorenzo de‘ Medici und seinen Bruder Giuliano bekannt geworden ist, wobei aber nur Giuliano getötet wurde.
2) Fest zum Einzug des Frühlings

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
„I Medici“ ist die erste einer geplanten Trilogie „Crepisculum“ (Dämmerung), die ein Gegenstück zu Wagners „Ring des Nibelungen“ werden sollte. Die beiden anderen Teile, die „Savonarola“ und „I Borgia“ heißen sollten, sind aber nie vollendet worden.
Die Oper war von Anfanhg an nicht besonders erfolgreich. In Deutschland wurde sie erst 1993 in der Alten Frankfurter Oper konzertant und 2013 in Erfurt auch szenisch aufgeführt.
Leoncavallo orientiert sich bei der Erstellung des Textes an historischen Quellen und verwendet auch Auszüge aus Sonetten von Lorenzo de`Medici und Poliziano, der in der Oper als Nebenfigur auftaucht. Auf diese Quellen weist er in der Fassung des iralienischen Librettos, nach der diese Inhaltsangabe verfasst wurde, an den entsprechenden Stellen in Fußnoten hin.
Eine Audioaufnahme gibt es auf CD

Audio-Ausschnitte daraus sowie einen kurzen Video-Ausschnitt der Inszenierung aus Erfurt kann man sich auf youtube anhören und ansehen. Eine Video-Gesamtaufnahme habe ich nicht gefunden.

Gestaltung Agentur kuh vadis