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Loewe / Lerner: MY FAIR LADY

Frederick Loewe und Alan J. Lerner:
MY FAIR LADY
Musical nach George Bernard Shaws Theaterstück Pygmalion
Originalsprache: Englisch.

Uraufführung am 15. März 1956 in New York, Mark Hellinger Theatre

Personen der Handlung:
Prof. Henry Higgins
Eliza Doolittle
Alfred P. Doolittle, Elizas Vater
Oberst bzw. Colonel Hugh Pickering
Freddy Eynsford-Hill
Mrs. Pearce, Higgins Hausdame
Mrs. Higgins, Higgins Mutter
Prof. Zoltan Karpathy
Mrs. Eynsford-Hill, Freddies Mutter

Ort und Zeit: London und Umgebung 1912.

Erster Akt.
Professor Higgins, ein Philologe und Phonetiker, außerdem ein angesehenes Mitglied der Londoner High Society, trifft auf dem Blumenmarkt die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle und wundert sich über ihre vulgäre Aussprache (in England Cockney-Dialekt, in der deutschen Fassung Berlin- oder Wien-Dialekt) und hält das für eine Deformierung der Sprache (Kann denn die Kinder keiner lehren? / Why Can’t the English?). Higgins glaubt, dass der Mensch sich nicht über die Herkunft, sondern über seine Sprache definiert und behauptet, dass selbst ein Blumenmädchen wie Eliza ihren Stand verbessern und eine anerkannte Dame sein könnte. Sie würde sogar einen respektablen Blumenladen führen können, wenn sie nur richtiges Englisch spräche.
Eliza ist von dieser Vorstellung begeistert, die Wünsche, die sie äußert, sind jedoch sehr bescheiden: Ein Zimmerchen mit einem Sofa drin, Gasbeleuchtung, Pralinen und nie mehr kalte Beine (Wäre det nich wundascheen? / Wouldn’t It be Loverly?). Sie muss jeden Tag um ihren Lebensunterhalt kämpfen und außerdem ihren Vater Alfred durchfüttern, der sich auf ihre Kosten durchs Leben schlägt. Alfred Doolittle hat es auf eine gewisse Art fertig gebracht, nach seiner Façon zu leben, was er mit zwei Saufkumpanen (Mit ’nem kleenen Stückchen Glück / With a Little Bit of Luck) gehörig feiert. Er weist jede Verantwortung und Moral von sich und lebt in den Tag hinein. Auf diese Weise „gesellschaftlich“ vorbelastet und ohne Schulbildung, scheint es, als hätte Eliza keine Chance, je über den Status eines armen Blumenmädchens hinauszukommen.
Eliza nimmt Higgins Gerede aber für bare Münze und taucht überraschend bei ihm auf, um Sprachunterricht zu nehmen. Die Sache ist Higgins kaum einer Diskussion wert, da schlägt ihm sein Freund Oberst Pickering eine Wette vor: Wenn es ihm gelänge, innerhalb von sechs Monaten aus Eliza eine Dame zu machen, übernähme er die Kosten der Ausbildung. Elizas Abschlussprüfung soll der Diplomatenball im Buckingham-Palast sein. Higgins nimmt die Wette an, Eliza bekommt ein Zimmer in seinem Haus zugewiesen, und es beginnt eine schwere Lehrzeit bei dem eingefleischten Junggesellen. Eliza muss von morgens bis abends sprechen üben, wird von Higgins ruppig und herablassend behandelt, so dass der Unterricht eher einer Dressur gleicht. Darüber kocht Eliza vor Wut und träumt von Rache (Wart’s nur ab! / Just You Wait).
Endlich gelingt Eliza der phonetische Durchbruch: Es grünt so grün / The Rain in Spain. Dies wird euphorisch gefeiert, und die völlig aufgedrehte Eliza findet in der Nacht keinen Schlaf (Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht / I Could Have Danced All Night). Nun muss Eliza noch den Testlauf in der feinen Gesellschaft bestehen. Professor Higgins und Colonel Pickering wählen das Pferderennen in Ascot aus. Eliza erhält strenge Vorgaben für die Konversation; ihr wird erlaubt, über das Wetter und die Gesundheit zu sprechen. Doch auch diese scheinbar unverfänglichen Themen bergen ihre Tücken, so berichtet Eliza der feinen Gesellschaft im besten Englisch, dass ihre Tante „abgemurkst“ worden sei. Wenig später schockiert sie das Publikum, indem sie beim Rennen ihr Pferd mit dem Ausruf: Lauf schneller, oder ich streu‘ dir Pfeffer in den Arsch! anfeuert.
Ihr unkonventionelles Auftreten in Ascot beschert ihr einen Verehrer aus besseren Kreisen: Freddy Eynsford-Hill ist sehr angetan von der hübschen und erfrischenden Eliza. Er beginnt in ihrer Straße zu patrouillieren, in der Hoffnung, dass Eliza einmal das Haus verlässt (In der Straße, mein Schatz, wo du lebst / On the Street Where You Live). Außerdem schreibt er ihr Liebesbriefe und schickt Blumen. Die Angebetete bekommt davon allerdings nicht viel mit. Sie kann zwar jetzt „gereinigtes“ Englisch sprechen, aber ihre Bildung lässt zu wünschen übrig. Higgins findet, dass er viel Arbeit mit Eliza hat…

Zweiter Akt.
Der Diplomatenball im Buckingham Palast ist da und Eliza schafft es, zu brillieren. Sie verzaubert durch ihr außergewöhnliches und anmutiges Wesen. Es wird gerätselt, wer denn die schöne Fremde sei. Der ungarische Phonetiker Prof. Zoltán Kárpáthy, ein ehemaliger Schüler von Higgins, versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Zu Higgins und Pickerings Erbauung lautet seine Diagnose: So sauberes Englisch spricht man nur im Ausland, seiner Meinung nach ist Eliza eine ungarische Prinzessin!
Am selben Abend beglückwünschen sich Higgins und Pickering gegenseitig für die gelungene Arbeit. Sie klopfen sich auf die Schultern (Sie sind’s, der es geschafft hat / You Did It) und feiern ihren Triumph. Eliza fühlt sich übergangen, kommt sich wie dressiert vor, und stellt fest, dass der Ruhm allein an den Professor geht, für den sie die Wette gewann. Sie gibt Higgins zu verstehen, wie sehr sie sich missachtet und erniedrigt fühlt. Auf die Frage, was nun aus ihr werden soll, wirft Higgins ihr Undankbarkeit vor. Er meint, sie sei ein dummes Kind, und ist umso erstaunter, als Eliza am nächsten Tag verschwunden ist.
Zusammen mit Freddy Eynsford-Hill, der vor Higgins Haus Wache hält (Tu’s doch! / Show Me), besucht sie jenes Viertel Londons, in dem sie noch vor einem halben Jahr zu Hause war. Doch dort wird sie nicht mehr erkannt. Für eine Blumenfrau ist sie nun zu fein, aber für eine feine Dame fehlt ihr das Geld. Eliza fasst den Entschluss, selbst Phonetik zu unterrichten und Freddy zu heiraten.
Als sie Professor Higgins mit diesem Entschluss konfrontiert, muss er erkennen, dass er Eliza vermisst (Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht / I’ve Grown Accustomed to Her Face), was Eliza hört, da sie wegen einiger Sachen, die sie noch holen will, sich zufällig im Haus des Professors aufhält. My Fair Lady endet zwar versöhnlich, bleibt jedoch offen: Während für Shaw’s Original es durch den Dichter eine später formulierte Auflösung gibt (Eliza heiratet Freddy tatsächlich), kommentierte Lerner: „Ich weiß nicht, ob Shaw recht hat.“

Anmerkungen:
Die Uraufführung fand am 15. März 1956 mit Julie Andrews als Eliza und Rex Harrison als Prof. Higgins im Mark Hellinger Theatre am New Yorker Broadway statt. Im November 1957 übernahm Edward Mulhare die Rolle des Professor Higgins und ab Februar 1958 spielte Sally Ann Howes die Eliza.
Der Name des Musicals stand bis zu den Proben noch nicht fest. Wie der Dirigent der Uraufführung, Franz Allers, mitteilte, hat der Regisseur Moss Hart ihn aus dem englischen Kinderreim London Bridge is Falling Down ausgewählt. Der Produzent Herman Levin konnte die Fernsehgesellschaft CBS zur Finanzierung gewinnen. Dies erlaubte einen großen Aufwand, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. My Fair Lady lief bis zum 29. September 1962 am Broadway und brachte es dabei auf 2.717 Vorstellungen und umgerechnet über 80 Millionen Mark Einnahmen. Die Tantiemen, welche posthum an George Bernard Shaw flossen, gingen gemäß Testament an die Irische Nationalgalerie, an eine Londoner Theaterschule und an eine Stiftung zur Einführung eines neuen Alphabets. Allein von den ersten zwei Jahren der Aufführung betrugen sie umgerechnet 1,9 Millionen Mark. Columbia Records veröffentlichte eine LP mit Liedern aus der Aufführung, von der sich bereits bis zum Start des Kinofilms über 3,5 Millionen Exemplare verkauften. Frederick Loewe wurde allein von den Tantiemen der Schallplattenaufnahmen Dollar-Millionär.
1976, 1981 und 2018 wurde My Fair Lady am Broadway erneut aufgeführt.

Gerhard Wischniewski hat auf diesen Beitrag reagiert.
Gerhard Wischniewski

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