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MAYR, Johann Simon (Giovanni Simone): LE DUE DUCHESSE

Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr (1763-1845):
LE DUE DUCHESSE ossia LA CACCIA DEI LUPI

(Die zwei Herzoginnen oder die Wolfsjagd)
Opera semiseria in zwei Akten auf ein Libretto von Felice Romani
Originalsprache: Italienisch

Uraufführung am 7. November 1814 im Teatro alla Scala, Mailand.

Personen der Handlung:
Edgar, König von England (Tenor)
Loredano, Graf von Devonshire (Bass)
Malvina, seine Tochter und Braut von (Sopran)
Enrico, Herzog von Athelwold und Freund des Königs (Tenor)
Artur, Höfling (Tenor)
Ruggiero, Höfling(Tenor)
Laura, Nichte von Pietro und Dienstmagd der Herzogin (Sopran)
Betzi, Dienstmagd (Sopran)
Berto, Oberjäger und Schlosswächter (Bariton)
Guglielmo, Knappe von Loredano ( Bass)
Pietro, Meier von Enrico (Bass)
Chöre der Villanelli, der Cacciatori, der Vassalli, der Donzelle
Komparsen

Ort und Zeit: Während der Zeit des Königs Edgar im England des 10. Jahrhunderts.

Erster Akt.
Innenräume des Schlosses Athelwold.

Loredano ist auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter Malvina. Es ist gerade Morgengrauen und Loradano dringt in der Verkleidung eines Troubadours und mit seinem Knappen Guglielmo in das geheimnisvolle Schloss Athelwold ein. Aus irgendeinem Raum oder Saal dringt den beiden Männern heitere Musik ans Ohr und tatsächlich kommen Hochzeitsgäste auf sie zu. Loradano wird aufgefordert, ein Lied vorzutragen (offensichtlich hält man ihn für einen engagierten Sänger) und nach kurzem Überlegen singt Loradano von einer Angebeteten Nisa, die man in einem Turm gefangen hält.

Der Oberjäger Berto tritt auf, mit einem kleinen Tross von der Jagd zurückkehrend. Er will heiraten und zwar die Kammerzofe der Herzogin, Laura, in die er unsterblich verliebt ist. Jedenfalls kann man das aus seinen Äußerungen seinen Leuten gegenüber erfahren. Dann sieht Berto plötzlich die beiden Fremden, die den Wunsch äußern, mit der Herzogin sprechen zu können. Das ist für Berto eine unmögliche Bitte und er weist sie entsprechend zurück, ja, er fordert von den Fremden, sofort den Hof zu verlassen. Das ist für das Dienstmädchen Betzi ein unmögliches Verhalten und deshalb übt sie harte Kritik an Berto. Der tut so, als hätte er nichts gehört und schäkert stattdessen mit seiner geliebten Laura (die übrigens zu gerne irgendwelche Sprichwörter in ihre Gespräche einfließen lässt). Es gibt aber noch ein Hindernis bezüglich der Heirat zwischen Berto und Laura: Herzog Enrico fordert von Berto eine Art Tier-Steuer, nämlich 101 erlegte Wölfe – 100 hat der Herzog schon bekommen, fehlt also noch einer. Bertos Problem ist, dass er überzeugt ist, die Wölfe in des Herzogs Landen seien ausgerottet.

In einer neuen Szene erscheint Malvina in einer sehr gedrückten Stimmungslage; sie äußert ihre Sehnsucht nach ihrem zukünftigen Gatten, dem Herzog Enrico. Es ist Betzi, die in diesem Moment dessen Ankunft mitteilt, was sowohl bei Betzi als auch bei Malvina Jubel auslöst.

Ein Höfling Enricos, Ruggiero mit Namen, tritt mit der Nachricht auf, dass sich der König zur Wolfsjagd angemeldet habe. Unerwartet für Ruggiero ist Enrico über diese Nachricht nicht begeistert. Er gesteht sein persönliches Geheimnis: Malvina war eigentlich als Frau für den König vorgesehen, der kannte sie aber nicht, er dagegen schon, weshalb er sie der Majestät gegenüber als „nicht würdig“ vorgegeben und selbst geheiratet habe. Und dieses Szenario könnte ihm nun vor die Füße fallen, soll heißen, König Edgar würde sich möglicherweise rächen wollen. Malvina ist, wie sich jetzt zeigt, durchaus der Gefahr bewusst, denn sie schlägt vor, ihre Zofe Laura, Verlobte von Berto, solle kurzfristig an ihre Stelle treten, während sie sich im Hause von Pietro, dem Meier (Gutsverwalter, Amtmann, Vogt, Schultheiß) Enricos, verstecken würde.

Eine neue Szene zeigt uns die Zofe Laura beim Einüben ihrer neuen Rolle als Gattin des Herzogs. Das bedeutet, dass Enrico Malvines Vorschlag angenommen hat. Lauras Ehrgeiz besteht darin, ihre Umgebung beeindrucken zu wollen, was ihren Verlobten Berto eifersüchtig macht. Lauras Vermutung geht auf: Berto zeigt sich auf merkwürdige Weise irritiert als Laura ihn in ihrer neuen Rolle von sich weist. Offensichtlich hat man ihn nicht über Malvines Plan informiert.

Die nächste Szene ist dem Jubel über die Ankunft König Edgars gewidmet. Berto aber ist nicht in der Lage, in den Jubel einzustimmen, gibt hingegen – für sich – das Versprechen ab, seine Laura keinem anderen zu überlassen. Der Empfang am Hof Enricos ist wirklich überschwänglich, aber die Situation wird für ihn gefährlich, denn Edgar, will die Herzogin (Malvina) sehen. Enrico versucht mit Ausflüchten die Lage zu entspannen, doch der Höfling Artur intrigiert mit verschiedenen Bemerkungen. Schließlich deutet er dem König gegenüber den vom Herzogspaar angelegten Schwindel an.

Das Finale des ersten Aktes beginnt mit dem Auftritt von Laura als Herzogin Malvina und die führt mit Sprichwörtern die Unterhaltung an, was bei den Umstehenden, besonders bei Enrico und Ruggiero, betretenes Schweigen auslöst. Ganz anders reagieren Edgar und Artur: sie sehen Lauras „Rede“ als ein Spiel an, während Berto plötzlich das Signal zur verabredeten Jagd ausgibt. Das bewirkt bei Laura ein zögerliches Benehmen, aber Berto wird deutlich: eine Jagd ist nicht nur ein Erlegen von Tieren, es geht auch um das weibliche Geschlecht:

Diese sind die Wölfe,
die mir zu denken geben.

In diesem Moment dringt Malvines Vater Loredano in die Gesellschaft ein und schon nimmt die Verwirrung zu, denn Loredano ist verzweifelt, weil eine fremde Frau sich als seine Tochter ausgibt. Diese Aussage macht den König misstrauisch und er sagt (bei sich)

Bald werd’ ich wissen,
wer mich hintergeht.

Und Artur springt Edgar bei mit der Bemerkung, dass er die Lüge aufdecken wird – dann eilen beide zur Jagd und der erste Akt endet mit Tönen, die zwischen Jagdfreude und einer gewissen Hoffnungslosigkeit changieren.

Zweiter Akt.
Im Haus von Enricos Meier Pietro.

Es hat sich herumgesprochen, dass die wahre Herzogin sich bei Pietro verborgen hält. Es wundert also nicht, dass Loredano mit Ruggiero dort aufkreuzt, die von Pietro jedoch barsch abgewiesen werden.

Das ist der Moment, in dem Malvina aus ihrem Zimmer kommt, weil sie die Stimme ihres Vaters gehört hat. Der kommt sofort zur Sache und fordert Aufklärung über alles bisher Geschehene. Malvina versucht, ihm die ganze Situation zu erklären, aber Loredano gerät außer sich und will, je mehr er erfährt, nur noch Rache. In einem Duett ringen beide mit ihren Gefühlen, werden aber von Jagdhörnern, die die Rückkehr der Jagdgesellschaft ankündigen, unterbrochen. Loredano geht ab; er will über alles Gehörte schweigen.

Berto und Pietro sehen wir in einer Unterhaltung begriffen. Plötzlich weicht Berto vom Thema ab und beklagt sich über Lauras Launenhaftigkeit und ihr merkwürdiges, plötzliches Verschwinden. Weil Pietro schweigt (er weiß auch bestimmt, warum) ersäuft Berto seine Ungewissheit im Alkohol und beginnt plötzlich, vom Wolf im Schafspelz zu singen. Der reißt allerdings kein Schaf aus der Herde, sondern entführt die Tochter des Schäfers. Es muss ein ziemlich bekanntes Lied sein, denn in den Refrain stimmen alle Umstehenden ein

Fang den Wolf, der Wolf ist hier.

Plötzlich sind Schreie der Jagdgesellschaft zu hören, die verdeutlichen, dass der Wolf entdeckt wurde. Berto will den Wolf fangen.

Artur hat Loredano, dessen Tochter Malvina und die falsche Herzogin Laura in seine Gewalt gebracht. Auf diese Weise erfährt Malvina von den Geschehnissen bei Hofe, als Laura dort ihre Rolle eingenommen hatte. In einem Duett (das sich zum Sextett weitet) ist die Verzweiflung der beiden Frauen zu vernehmen; Enrico und Berto sind sich einig und raten zur Flucht.

Leider ist das zu spät, denn König Edgar und Loredano treten auf, die das Spiel beenden wollen. Enrico sieht sich gezwungen, seine Betrugsabsichten zu gestehen, worauf Edgar ihn mit dem Tode bedroht. Pietro und Berto, die etwas abseits stehen, beraten über die aktuelle Lage; außerdem gesteht Berto, dass er Angst um seine Hochzeit hat.

Es ist die Nacht angebrochen. Ein Chor singt von der Nacht des Kummers. Ruggiero und Malvina bitten König Edgar um Gnade für Enrico werden aber abschlägig beschieden. Als Edgar mit Artur hinzukommen, bietet Edgar Enrico die Verbannung aus dem Königreich als eine Chance des Überlebens an, bleibt aber bei seiner Forderung, Malvina müsse zu ihm kommen. Das lehnt Enrico ab und begründet das mit dem Satz, dass er lieber sterben würde. Auch Malvina gefällt des Königs Anspruch nicht; sie sagt ihm auf den Kopf zu, dass man mit Gewalt ihr Herz nicht erobern kann. Ihr Gesang ist eine einzige Klage, die in der Forderung gipfelt, mit Enrico in den Tod gehen zu wollen. Und diese Klarheit erschüttert den König.

Es ist ausgerechnet der Intrigant Artur, der jetzt für eine Bereinigung der Situation sorgt: er erinnert den König daran, dass er bei der Gräfin Cumberland im Wort steht.

Im zweiten Finale bittet die Bevölkerung den König um Gnade für Enrico, Malvina, Laura und Berto, ebenso für Loredano. Dann kündigt sich Wende an: Ein Bote vom Londoner Hof erscheint und teilt mit, dass der König sich mit einer Comtessa über eine Verbindung abgesprochen habe und diese fordere nun die Heirat ein. Edgar erkennt die Gefahr, dass auch er als ein Betrüger dasteht, was seiner Reputation abträglich wäre. Man sollte meinen, dass alle über den möglichen guten Ausgang des Dramas zufrieden sein würden, aber Artur ergeht sich in wüsten Beschimpfungen, vermag aber an König Edgars Entscheidung nichts mehr zu ändern

Ich vergebe und vergesse alles.

Der Schlusschor vereinigt den Hofstaat und das Volk zu einem Jubelchor über einen gütigen Herrscher und Berto besingt den einhunderteinsten Wolf…

Quelle:

MAYR, J.S.: Due Duchesse (Le) [Oper] (M. Schäfer, T.M. Herbert, Bayerischer Staatsopernchor, Simon Mayr Chor, Concerto de Bassus, Hauk)

© Manfred

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