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MÉHUL, Étienne-Nicolas: DER VERMEINTLICHE SCHATZ

Étienne-Nicolas Méhul (1763-1817):
DER VERMEINTLICHE SCHATZ oder DIE GEFAHR, AN TÜREN ZU LAUSCHEN
(
Le trésor supposé, ou Le danger d’écouter aux portes)
Oper (Originalbezeichnung: Comédie mêlée de musique) in einem Akt
Libretto von François-Benoît Hoffman
Originalsprache: Französisch.

Die Uraufführung fand am 29. Juli 1802 in der Opéra-Comique in Paris statt.

Personen der Handlung:
Géronte, Luciles Onkel und Vormund (Bariton)

Lucile, Gerontes Nichte und Mündel, liebt Dorval (Sopran)
Dorval, Luciles Liebhaber (Tenor)
Lisette, Luciles Zofe und Vertraute (Sopran)
Crispin, Dorvals Diener (Tenor)

Ort und Zeit: Eine Gemeinde in Frankreich um 1800.

Einziger Akt.
Zimmer eines Hauses.

Was macht ein Liebespaar, wenn ihm von der Familie des Mädchens oder der Frau nur Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden? Die Antwort ist normalerweise immer gleich: das Pärchen muss kreative Ideen entwickeln, um zum angestrebten Ziel zu kommen!

Die Geschichte um die es hier geht, hat genau damit zu tun. Da ist, um die handelnden Personen erst einmal vorzustellen, der männliche Teil des Liebespaares mit dem Namen Dorval – und der ist zwar völlig verarmt, hat aber zumindest ein eigenes Haus (dem aber der fehlende Reichtum des Inhabers anzusehen ist!). Der weibliche Part des Liebespaares trägt den Namen Lucile, ist die Nichte eines reichen Mannes mit dem Namen Géronte, der aber auch Vormund von Lucile ist. Und jener Vormund hat Einwände gegen die Heirat seines Mündels mit dem mittellosen Dorval (was, das Publikum ahnt es, Ursache für Komplikationen sein wird). Wichtig ist auch noch, das Géronte schon seit längerer Zeit seine Augen auf Dorvals Haus und Grundstück geworfen hat, von Dorval aber immer mit Ablehnung des Angebots beschieden wurde. Zu erwähnen sind auch noch Luciles Zofe (und Vertraute) Lisette und Crispin, der Diener von Géronte, die jedoch in Nebenrollen agieren, und nicht Entscheidendes zur Handlung beitragen.

Zurück zur Handlung: Trotz der ungünstigen Voraussetzungen für das Liebespaar auf eine gemeinsame Zukunft, glauben Lucile und Dorval, dass es eine, wenn auch geringe, Hoffnung auf ein gutes Ende, nämlich einer Heirat, besteht. Lucile gibt nämlich bei einer Diskussion, die es mit Vormund Géronte mal wieder gab, an, dass sie eine beträchtliche Erbschaft erwartet, wenn sie volljährig wird. Und Dorval behauptet, angesteckt von Lucile, auch er sei Erbe eines Vermögens, nämlich von seinem Vater, der wohl in Indien ein reicher Mann geworden sei.

Das, was hier als Grundlage über die Pläne eines verliebten Paares bekannt ist, lässt so manchen Zuschauer an der Lösung des Eheproblem des Paares zweifeln, weil die Auflösung nämlich in der Zukunft (Luciles Volljährigkeit) und Dorvals Erbschaft (wenn der Herr Papa es zu Reichtum gebracht hat). Diese Zweifel der Zauschauer haben Lucile und Dorval nicht, sie sind überzeugt, dass alles zu einem guten Ende kommen wird. Aus ihren Gesprächen kristallisiert sich nämlich so etwas wie Rachegedanken am Vormund heraus; sie haben die Idee, dass sie den geldgierigen Géronte in fingiertes Gespräch mithören lassen wollen, in dem von dem Fund einer angeblichen Schatzkiste im Keller von Dorvals Haus die Rede ist. Tatsächlich fällt Géronte auf den Trick herein und bietet Dorval bei einem Gespräch 150.000 Franc für das Haus an und blättert dem verdutzt dreinblickenden Dorval die Scheine auf den Tisch des Hauses. Allen früheren ablehnenden Entscheidungen zum Trotz stimmt Dorval nun zu und Géronte begibt sich mit Dorvals Diener Crispin auf die Schatzsuche in den Keller. Dort finden sie tatsächlich eine alte Kiste, die jedoch zum Entsetzen der beiden bis auf eine Zettel leer ist. Und auf dem Zettel steht der Satz
Arbeit, Sparsamkeit und Genügsamkeit sind mehr Wert als alle Schätze des Universums.

Géronte ist nicht nur bestürzt, sondern fühlt sich auch betrogen. Dorval bleibt jedoch ganz ruhig und macht dem neuen Hausbesitzer das Angebot, den Kauf rückgängig zu machen, wenn er nur endlich der Heirat von Lucile und ihm zustimmt. Géronte kann natürlich nicht anders, als das Angebot annehmen. Der glückliche Dorval teilt mit, dass sein Vater bald als reicher Mann aus Indien zurückkommen wird und er (Dorval) damit eines Tages dieses Vermögen erben wird. Somit endet die Oper mit einem Happy End…

Anmerkungen.
Der Erfolg dieser Oper in Paris war nicht überzeugend; es gab auch nur zehn Wiederholungen im Jahr der Premiere und noch einmal neun in den Folgejahren. Die letzte Aufführung an der Opéra-Comique fand im Juli 1824 ohne besonderen Erfolg statt.

Im Ausland hingegen gab es viele Produktionen und Übersetzungen. Deutschsprachige Aufführungen gab es in Wien und Berlin 1803, München und Hamburg 1807; eine dänische in Kopenhagen 1804, eine spanische in Madrid 1805, eine russische in Moskau und St. Petersburg 1807, eine schwedische in Stockholm und Gothenburg 1805, eine ungarische in Clausenburg 1807, eine polnische in Warschau 1812, zwei italienische und eine niederländische 1813. 1836 kam es sogar in Kalkutta zu einer Aufführung.

1983 brachte das Stadttheater von Neuburg/Donau eine Inszenierung von Horst Vladar mit einem Bühnenbild von Corinna Pape heraus. Die musikalische Leitung hatte Rainer Baum.

Von der Ouvertüre gibt es eine CD-Einspielung aus dem Jahr 2002 mit dem Orchester der Bretagne unter der Leitung von Stefan Sanderling. Auf dieser CD sind neben dieser Ouvertüre auch noch verschiedene andere Opernouvertüren von Méhul zu hören.

© Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis