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MÉHUL, Étienne-Nicolas: LE JEUNE SAGE ET LE VIEUX FOU

Etienne-Nicolas Méhul (1763-1814):
LE JEUNE SAGE ET LE VIEUX FOU

(Der junge Weise und der alte Narr)
Opera comique (Originalbezeichnung: Comédie mêlée de musique) in einem Akt
Libretto von François-Benoit Hoffman
Originalsprache: Französisch.

Uraufführung am 28. März 1793 in der Salle Favart der Opera comique in Paris

Personen der Handlung:
Merval (Bariton)
Cliton, dessen Sohn
Élise, eine Witwe (Sopran)

Rose, deren Nichte (Sopran)
Frontin, Diener (Sprechrolle)

Ort und Zeit: Eine Kleinstadt in Frankreich im 18.Jahrhundert.

 

Einziger Akt.

Die Personen sind zunächst einmal vorzustellen: Da ist ein sechzehnjähriger junger Mann mit dem Namen Cliton. Der ist der Sohn eines sechzigjährigen und schon graumelierten Herrn namens Merval. Hinzuzufügen ist, dass Cliton gerne allen Menschen, mit denen er zu tun hat, sich als gebildet und auch kultiviert präsentiert, was allerdings von seinem Herrn Papa nicht zu sagen ist, denn Merval ist, man muss es so sagen, ein Wüstling und Freigeist. Man muss sich also nicht wundern, dass Cliton, wenn es um seinen Vater geht, gerne die Nase rümpft und mit dessen Benehmen nicht einverstanden ist.

Cliton hat, und das schon seit geraumer Zeit, sich überlegt, wie man den Herrn Papa zu einem besseren Benehmen veranlassen könnte. Die Überlegungen endeten damit, dass eine Frau, und zwar eine resolute, ins Haus gehöre, natürlich inklusive Heirat. Cliton ist sich darüber im Klaren, dass die Suche nach einem resoluten Weibsbild nicht gerade einfach ist, aber er hat, mehr oder weniger zufällig und nach längerem Umschauen eine junge Dame namens Rose gefunden, die Merval zu einem besseren Menschen machen könnte.

Hier kommt eine weitere Person ins Spiel: Weil nicht nur der Herr Papa mit einer Ehefrau versorgt werden muss, sondern Cliton für sich auch eine Ehe gut vorstellen kann, hat er sich Roses Tante, die etwas schrullige und auch prüde Elise ausgesucht.

Also bitte, wir wollen gar nicht erst die verqueren Gedanken aufkommen lassen, dass Clitons Heiratspläne zum Scheitern verurteilt sind, was ja bei näherer Betrachtung schon nahe liegt, denn der enorme Altersunterschied der beiden Heiratskandidaten zu den weiblichen Pendants lässt schon Gedanken an vorzeitiges Scheitern denken. Tatsächlich ist gerade das Thema „Altersunterschied“ für so manche Verwirrung zuständig, die man nicht so gut beschreiben kann, die man einfach sehen muss.

Wenn man als Zuschauer im weiteren Verlauf der Handlung feststellt, dass offensichtlich auch die Frauen, Rose und Elise, an einer ehelichen Verbindung mit den Herren Merval und Cliton gedacht haben, dann darf es nicht Wunder nehmen, dass sich Rose liebend gern mit Cliton verbinden würde, dass aber eine solche mit Merval ihr nur Unglück bringen würde. Insofern wäre auch eine Ehe zwischen Cliton und der – übrigens auch schon etwas graumelierten – Elise zum Scheitern verurteilt.

Der Einakter endet – wie man es als Betrachter wohl auch erwartet hat – mit einer Doppelhochzeit Rose/Cliton einerseits und Elise/Merval andererseits. Und das muss man tatsächlich als ein glückliche Ende bezeichnen…

Anmerkungen.
Nach der Uraufführung am 28. März 1793 folgten Aufführungen in französischer Sprache u. a. in Lüttich 1795, Köln 1796/97 und Brüssel 1799. Am 18. Dezember 1801 zeigte die Opéra-Comique eine überarbeitete Fassung im Theatre Feydeau. 1805 wurde die Oper in einer schwedischen Übersetzung von Carl Gustav Nordforss in Stockholm gespielt und 1812 in russischer Sprache in Sankt Petersburg. Eine Wiederbelebung erfuhr sie 1929 in einer englischen Fassung von H. Graham im Londoner Arts Theatre Club.

Die Oper wurde anfangs vom Publikum gut aufgenommen. Manche Kritiker sahen in der Oper erste Anzeichen von Frühromantik. Eine Aufführung fand am 7. März 2017 in der Bibliotheque nationale de France statt, die aufgezeichnet und als DVD herausgebracht wurde. Die Ouvertüre der Oper ist auf einer weiteren CD aus dem Jahr 2002 zuhören, auf der das Orchester der Bretagne unter der Leitung von Stefan Sanderling ausschließlich Ouvertüren von Méhul spielt.

Orchestre De Bretagne & Stefan Sanderling

Eine DVD, wie in den Anmerkungen erwähnt, ist nicht gefunden worden.

© Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis