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MÉHUL, Étienne-Nicolas: STRATONICE

Étienne-Nicolas Méhul (1763-1817):
S T R A T O N I C E
Opera comique (Originalbezeichnung: Comédie héroique) in einem Akt
Libretto von François Benoit Hoffman nach einem Drama von Pierre Corneille

Originalsprache: Französisch

Uraufführung am 3. Mai 1792 in der Salle Favart der Opera-Comique in Paris.

Personen der Handlung:
Seleukos, König von Syrien (Tenor)
Prinz Antiochus, sein Sohn (Tenor)

Prinzessin Stratonice, Braut des Königs Sopran)
Erasistrate, Arzt (Bassbariton)
Chor/Statisten: Priester, Höflinge, Wachen, Dienerschaft, Sklaven

Ort und Zeit: Am Hof des Seleukos I. Nikator (358-281 v. Chr.)

Einziger Akt.
Der König Seleukos hat einen Sohn mit dem Namen Antiochus, der, wie man bei Hofe weiß, an einer rätselhaften Krankheit leidet. Seine Gedanken, die er oft wie im Wahn auch mitteilt, gehen dahin, dass er lieber sterben würde, als den Grund für seine Krankheit zu nennen. In einigen seiner Äußerungen ist auch von einem Namen die Rede, den der Prinz jedoch nicht nennt. Hofleute, die den Prinzen mögen haben sich zusammengetan und bitten die Götter, Antiochus von seinen Leiden zu erlösen. Erlösung ist es auch, was der Kranke will, doch diese Erlösung ist der Tod, den der Prinz, ausgesprochen und ebenso unausgesprochen, will.

König Seleukos hat natürlich auch immer wieder versucht, seinen Sohn zu einer Aussage hinsichtlich der merkwürdigen Krankheit zu bringen, aber auch ihm verweigert sich der Prinz. Die Ratlosigkeit bei Hofe ist also breit gestreut.

Nun ergibt es sich, dass sich in der Residenzstadt ein berühmter Arzt niedergelassen hat. Dieser Vorgang wird durch interessierte Personen bei Hofe als Götter-Hilfe interpretiert, die sie chorisch äußern. Der Arzt hört auf den Namen Erasistrate und wird tatsächlich zu dem Prinzen gebeten. Es dauert nicht lange, da hat der Herr Doktor auch eine Vermutung: Erasistrate diagnostiziert bei seinem Patienten schlicht und einfach Liebeskummer. Er hat sogar in Gesprächen herausgefunden, dass Antiochus die Braut seines Vaters, Prinzessin Stratonice, liebt.

Das muss der Doktor selbstverständlich auch der Majestät mitteilen. Ob Seleukos über die gewonnenen Informationen erbaut sein würde, hat beim Arzt und bei Antiochus gewisse Irritationen ausgelöst. Tatsächlich hat sich die Majestät aber nicht nur das Untersuchungs-Ergebnis angehört, sondern, entgegen der Erwartung von Arzt und Patient, völlig ruhig und ohne Streit anzufangen, sich entschlossen, seine Pläne für eine Heirat mit Stratonice aufgegeben. Er unterstützt sogar die Eheschließung von Prinz Antiochus und Prinzessin Stratonice. Das Glück für die jungen Leute geht einher mit einem Dankgesang an den König und dem gegenseitigen Versprechen, des Gehorsams gegenüber der Majestät und der Treue zum Ehepartner.

Anmerkungen.
Stratonice war damals eine überaus beliebte Oper und erhielt zu des Komponisten Lebzeiten über 200 Aufführungen. Méhuls Freund aber auch gleichzeitiger Konkurrent Cherubini gehörte nach eigener Aussage zu den Bewunderern von Stratonice. Er nannte den Einakter „das Beste“ aus der Feder Méhuls und sprach von „genialer Oper“. Méhul hat Vorbilder in Gluck und Salieri gefunden und Haydns Instrumentierungskunst studiert. Die zu seiner Zeit vorherrschende Musik à la Gretry kommt hier weniger zum Tragen, dafür mehr diejenige der Italiener Sacchini und Piccini, die ihre Werke für französische Bühnen geschrieben hatten.

Mehul: Stratonice (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Westdeutscher Rundfunk Köln 1995)    Stratonice

Oben das ursprüngliche Cover der Aufnahme mit William Christie, daneben eine spätere Version

© Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis