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Troubadour-Forum für klassische Vokal- und Instrumentalmusik

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Nur ein Vorläufer Bachs?

Es geht um Dietrich (auch Dieterich) Buxtehude, dänisch: Diderik Buxtehude, (* um 1637 in Helsingborg; † 9. Mai 1707 in Lübeck) war ein dänisch-deutscher Organist und Komponist, aber auch der bedeutendste Vertreter der nordeuropäischen Barockmusik.

Die Vita des berühmten Mannes gibt nicht allzu viel her, außer, dass er um 1637 als Sohn des aus Oldesloe im Herzogtum Holstein stammenden Organisten Johann Buxtehude (1602–1674) und der Oldesloerin Helle Jaspers Daater (Jaspers Tochter), geboren wurde, wahrscheinlich im damals dänischen Helsingborg; dieser Annahme liegt die Vermutung zugrunde, dass Vater Buxtehude seit 1633 als Organist in Helsingborg tätig war. Ab 1641 ist Johann Buxtehude als Organist an der Basilika St. Olai in Helsingør (eine der bis heute größten Kirchen Dänemarks) belegt. Neben der Kirche bewohnte die Familie ein eigenes Organistenhaus. Dieterich hatte noch 3 Geschwister, die älteren Schwestern Cathrina (Karen) und Anna sowie einen jüngeren Bruder, Peter (* 1645). Die Geschwister wuchsen zweisprachig (dänisch und deutsch) auf.

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Musizierende Gesellschaft von Johannes Voorhout, 1674; am Cembalo sitzend Johann Adam Reinken, links daneben vermutlich Buxtehude an der Viola da gamba. Die linke Hand soll angeblich seine Initialen „D“ und „B“ greifen.

In Helsingør absolvierte Dieterich Buxtehude die Lateinschule mit Unterricht in der Lehre des Christentums, den Freien Künsten und der Musik. Die Schule befand sich in einem den Karmelitern gehörenden Kloster aus dem 15. Jahrhundert. Hier unterrichteten der Rektor, ein Konrektor, vier Lehrer und der Kantor der Gemeinde von St. Olai. Allerdings war Johann Buxtehude der Lehrer seines Sohnes im Orgelspiel; das Instrument stammte übrigens aus dem Jahr 1575 und wurde 1625 erweitert. Durch eine Generalüberholung der Orgel 1649-1659 wird Dieterich Buxtehude auch Kenntnisse in der Kunst des Orgelbaues bekommen haben. Von 1654 bis 1657, so wird heute vermutet, hat Buxtehude sein Orgelstudium in Hamburg oder Lübeck fortgesetzt. Wenn es Hamburg war, dann hat er auch den Studenten Johann Adam Reincken kennengelernt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

  Gambist (Ausschnitt aus obigem Bild), möglicherweise Dieterich Buxtehude.

Als Organist trat Dieterich Buxtehude seit 1657 in Erscheinung. Seine erste Stelle war an der St.-Marien-Kirche in Helsingborg. Hier bezog er ein Jahresgehalt von 75 Talern und hatte Anspruch auf eine Dienstwohnung (Freiwohnung). Von 1660 bis 1668 wirkte er an der Deutschen Kirche St. Marien in Helsingør. Dort bezog er schon ein Jahresgehalt von 200 Talern. Da er noch unverheiratet war, zog er in das Haus seiner Eltern an der Olaikirche zurück.

Am 11. April 1668 wurde Buxtehude Nachfolger des Lübecker Organisten Franz Tunder an der Marienkirche Lübeck, der am 5. November 1667 gestorben war und dessen zweite Tochter Anna Margaretha er am 3. August 1668 heiratete – eine Bedingung für das Amt des Marienkirche-Organisten. Zuvor wurde ihm am 23. Juli das Lübecker Bürgerrecht verliehen. Als Werckmeister übernahm er auch Verwaltungsaufgaben und die Rechnungsführung der Marienkirche. Als Jahresgehalt bezog er nun 307 Reichstaler.

Buxtehude führte die von seinem Schwiegervater Tunder begründete Konzertreihe der sogenannten Abendmusiken mit geistlicher Musik fort, eine seit 1673 Abendmusiken bezeichnete Konzertreihe mit geistlicher Musik, die ihn in der Folge als Komponisten und virtuosen Organisten berühmt gemacht hat. Bereits ein Jahr nach Buxtehudes Antritt in Lübeck haben die Verantwortlichen der Marienkirche Seitenemporen anbringen lassen, die es ermöglichten, von dort gemeinsam mit der großen Orgel zu musizieren. Diese Abendmusiken, die bis zur Besetzung Lübecks durch französische Truppen und der nachfolgenden Säkularisation im Jahre 1810 ununterbrochen stattfanden, waren lange Zeit in Deutschland singulär. Sie fanden zwischen dem Trinitatisfest und der Adventszeit, donnerstags oder sonntags abends statt und dauerten etwa eine Stunde. Buxtehude verpflichtete hierzu neben den Lübecker Ratsmusikern auch Künstler aus Städten des Umlandes wie Hamburg und Kiel aber auch aus Mitteldeutschland und dem Ausland. Die Literatur bestand für gewöhnlich aus Chor- und Instrumentalwerken, die Buxtehude neu komponierte und freien Orgelwerken. Die Ratsmitglieder erhielten Ehrenplätze auf der Chorempore oberhalb des Lettners. Aufgrund des großes Andranges wurden zeitweilig sogar Polizeikräfte zur Wahrung der Ordnung und der Ruhe eingesetzt.

Zwar unterstand die Marienkirche, wie übrigens auch der Lübecker Dom, dem Bischof, doch als Kirche des Stadtrates finanzierten die Ratsmitglieder die Kirchenmusik, die dann auch zu Beginn der Stadtratssitzungen, zu denen sich die Mitglieder zunächst in der Marienkirche versammelten, erklang. Ebenso versammelten sich die Kaufleute und Mitglieder der Börse zunächst in der Marienkirche, wo dann der Organist mit Orgelwerken und Improvisationen konzertierte. Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker war Dieterich Buxtehude ein gefeierter Virtuose weltlicher Kammermusik. Neben dem ersten Kirchenmusiker Buxtehude, den Ratsmusikern und dem Chor der Catharinenschule, verfügte die Marienkirche noch über einen weiteren Kantor, der gleichzeitig Lehrer an der Catharinenschule war und einem weiteren Organisten für das Continuospiel. Am 27. Dezember 1671 wurde Buxtehudes Mutter Helle in Helsingør beerdigt und Vater Johannes, der 1672 zu seinem Sohn nach Lübeck gezogen war, starb im Januar 1674. Ihm zu Ehren komponierte Buxtehude eine Trauermusik (BuxWV 76), die bei der Trauerfeier am 29. Januar in der Marienkirche zur Aufführung kam.

1705 besuchte ein gewisser Johann Sebastian Bach Lübeck, um sein musikalisches Vorbild Buxtehude zu hören, und vermutlich Unterricht bei ihm zu nehmen (spekulativ). Wie die Entdeckung der Weimarer Tabulatur zeigt, war Bach mit Buxtehudes Musik schon etwa seit dem Jahre 1700 vertraut. Der Aufenthalt in Lübeck bedeutete Bach offenbar so viel, dass er den von seinen Vorgesetzten in Arnstadt gewährten Urlaub eigenmächtig von vier Wochen auf vier Monate verlängerte, was ihm in Arnstadt gehörigen Ärger einbrachte. Man muss allerdings auch bedenken, dass Bach den Weg nach Lübeck (und zurück) zu Fuß zurücklegte. In Bachs Nachruf wird auch diese 450 Kilometer lange Reise Bachs erwähnt:

In der Orgelkunst nahm er sich…Buxtehudens…zu Muster. Hier in Arnstadt bewog ihn einstmals ein besonders starker Trieb, den er hatte, so viel von guten Organisten, als ihm möglich war, zu hören, daß er, und zwar zu Fuße, eine Reise nach Lübeck antrat, um den dasigen berühmten Organisten an der Marienkirche Dietrich Buxtehuden, zu behorchen. Er hielt sich daselbst nicht ohne Nutzen, fast ein vierteljahr auf…

Aber nicht nur Bach war an der Musik Buxtehudes interessiert, auch ein gewisser Händel, Georg Friedrich, hatte sich mit seinem guten Bekannten Johann Mattheson von Hamburg aus nach Lübeck begeben, um den berühmten Musiker an der Orgel der Marienkirche zu hören. Ob bei ihnen auch das Interesse bestand, Buxtehudes Nachfolger an der Marien-Kirche zu werden, ist umstritten – zumal noch die Bestimmung einzuhalten war, die älteste Tochter von Buxtehude zu ehelichen. Und daran scheiterte, wenn es denn überhaupt beabsichtigt gewesen sein sollte, Organist an der Marienkirche zu werden, dieser Plan.

Buxtehude scheint, abgesehen von mehreren Besuchen in Hamburg, wenig Reisen unternommen zu haben. Seine Verbindungen erstreckten sich jedoch von Stockholm bis Nürnberg und von Narva (Estland) bis Amsterdam. Buxtehude war eine vielseitige Persönlichkeit, der neben der Komposition (siehe Tabulaturhandschrift) auch die Dichtkunst und das Spiel mit Zahlen (siehe seine Claviersuiten über die Natur oder Eigenschaft der Planeten auf den Intervallen, die Johannes Kepler in Harmonices mundi libri V jedem Planeten zuwies) liebte. Er spielte nicht nur Orgel und Cembalo sondern auch Streichinstrumente (Viola da Gamba) und tat sich als Dirigent hervor. Er beherrschte neben der deutschen, die dänische, schwedische, französische, italienische. lateinische und griechische Sprache.

Buxtehude starb 1707 und wurde am 16. Mai in der Lübecker Marienkirche in der Nähe der Totentanzorgel, einer, neben der Hauptorgel, weiteren Orgel der Marienkirche, beigesetzt. Beim Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 wurde die Grabstätte zerstört. Zu seinem 250. Todestag 1957 brachte man am Ort seiner Grabstelle eine neue Gedenktafel an. Die Marienkirche besaß bereits im 14. Jahrhundert eine Orgel, da 1377 die Amtsbezeichnung Organist bezeugt ist. 1516–1518 entstand mit erheblichem finanziellen Aufwand die erste Große Orgel, die Hauptorgel an der Westwand als Ersatz für die große Orgel aus dem Jahr 1396. Sie hatte 32 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilten. Diese Orgel war höchstwahrscheinlich der erste und einzige gotische Orgelprospekt mit einem Zweiunddreißig-Fuß-Prinzipal (Pfeifenlänge etwa 10 Meter). Der Orgelbauer Jacob Scherer fügte 1560/1561 ein Brustwerk auf einem dritten Manual hinzu. Von 1637 bis 1641 führte der Orgelbauer Friedrich Stellwagen umfangreiche Arbeiten durch. Orgelbauer Otto Diedrich Richborn ergänzte 1704 drei Register.

Älter noch als die Große Orgel war die Totentanzorgel. Sie wurde 1477 an der Ostseite des nördlichen Querschiffes, der wegen des dort angebrachten Totentanz-Bildnisses so genannten Totentanzkapelle, errichtet und diente der musikalischen Ausgestaltung der in dieser Kapelle gefeierten Totenmessen. 1549 und 1558 erweiterte Jacob Scherer die Orgel unter anderem durch ein Rückpositiv. 1621 erhielt die Orgel ein Brustwerk. An dieser Orgel nahm Friedrich Stellwagen von 1653 bis 1655 umfangreiche Reparaturarbeiten vor. Durch ihren fast originalen Erhaltungsgrad erlangte die Orgel im Rahmen der berühmt gewordenen Orgelbewegung um Albert Schweitzer und Hans Henny Jahnn Anfang des 20. Jahrhunderts das Interesse der Fachwelt. Das Unglück geschah am Palmsonntag 1942: bei einem Luftangriff auf Lübeck wurde sie zerstört und verbrannte. Mit ihr wurde auch Buxtehudes Grablege dem Erdboden gleichgemacht. Dass man 1955 die Totentanz-Orgel von der Orgelbaufirma Kemper rekonstruiert hat, kann zwar nicht gering geschätzt werden, doch der Verlust des Originals ist höher einzuschätzen.

Bereits 1932 wurde eine erste Dietrich-Buxtehude-Gesellschaft in Lübeck gegründet, die aber nicht lange Bestand hatte. In ihr fanden sich die führenden Buxtehude-Forscher ihrer Zeit zusammen, um die Werke des Meisters zu erforschen. Die Neugründung der Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft erfolgte am 8. Mai 2004 in Lübeck. Sie ist Teil der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, die Lübecks älteste Bürgerinitiative ist. Durch ein Dekret des Lübeckischen Senats vom 25. November 1795 wurde ihr Rechtsfähigkeit und damit der Status eines rechtsfähigen Vereins alten Lübecker Rechts verliehen. Mit Ton Koopman steht dem Verein ein Präsident vor, der als führende Autorität nicht nur in der Historischen Aufführungspraxis gilt, sondern auch praktizierender Musiker wie auch Forscher ist und durch seine Gesamteinspielung aller Instrumental- und Vokalwerke Buxtehudes hervorgetreten ist.

Jpc bietet die Werke von Buxtehude in der folgenden Opera omnia-Box unter der Leitung von Ton Koopman an – eine wundervolle Ausgabe, die sich für Freunde der Barockmusik lohnt:

Dieterich Buxtehude (1637-1707): Das Gesamtwerk "Opera Omnia" (Ton Koopman), 30 CDs und 1 DVD

Ich habe mir schon vor längerer Zeit diese Box gekauft, damals war sie noch etwas teurer. Das Amsterdam Baroque Ensemble ist sowohl instrumental als auch gesanglich an der HIPraxis geschult und hat in Ton Koopman den richtigen Spiritus rector.

Die einzelnen Bereiche – Musik für Tasteninstrumente, Kantaten, Oratorium – sind bei jpc natürlich auch einzeln erhältlich, wie man an den folgenden Beispielen erkennen kann

Dieterich Buxtehude (1637-1707): Opera Omnia XIX (Vokalwerke 9), CD Dieterich Buxtehude (1637-1707): Opera Omnia VIII (Orgelwerke 3), CD

 

 

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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

Die Ergänzung meiner Komponistenbeschreibung durch „uhrand“ finde ich sehr gut, man bekommt einen Eindruck von Buxtehudes Kompositionsarbeiten und deshalb sei dem Troubadour-Mitglied auch gedankt.

LG Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis