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Otto Nicolai (1810–1849) hatte eine geradezu erschütternde Kindheit und Jugend. Was er damals in Königsberg mitmachen musste (und was sein erster Biograf Hermann Mendel 1866 und 1868 bekannt gab) erschüttert noch heute, will der Leser aber nicht wahr haben: die Ehe der Eltern zerrüttet; Scheidung; ein despotischer Vater, dem man heute das Sorgerecht entziehen würde; unregelmäßiger Schulbesuch; ständiges, auch zeitlich ausgedehntes Herumstreunen des jungen Otto; schließlich die endgültige Flucht des 16-Jährigen aus Königsberg. Der spätere Gründungsdirigent der Wiener Philharmoniker und Komponist der Lustigen Weiber von Windsor machte seine Karriere außerhalb Ostpreußens. Der Erstbiograf, aber auch spätere Musikwissenschaftler, haben sich schwer getan mit dieser Jugend. Als Mendel das Manuskript seines Buchs über Nicolai nach 1860 vollendet hatte, bekam er noch vor der Drucklegung Kenntnis von späten Briefen des Sohnes an seinen Vater Carl Ernst Daniel Nicolai (1785-1857), die eine gute Beziehung, ja die Zuneigung des Sohnes zu belegen schienen. Er ließ sein Manuskript unverändert, erwähnte die Briefe aber im Vorwort. Erwin Kroll widmete Nicolai ein kleines Kapitel in seiner Musikstadt Königsberg (1966). Dort machte er sich die mildere Sichtweise des erwachsenen Otto Nicolai auf seinen Vater zu eigen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Der von der Psychologie inzwischen erkannte und ausführlich beschriebene seelische Vorgang der „Identifikation mit dem Aggressor“ könnte auch hier eine Rolle spielen. Die Frage muss offen bleiben, ob Nicolai später tatsächlich an seinem Vater „mit rührender Liebe hing“ (Kroll 202), ob er seine Jugenderlebnisse überkompensierte oder ob er einfach nur Frieden mit seiner verunglückten Jugend machen wollte. Davon abgesehen, sind es drei Punkte, die Nicolai mit seiner Geburtsstadt verbinden. Einerseits hat er – so viel Anerkennung muss sein – vom Vater immerhin Talent und eine gute musikalische Grundausbildung erhalten, ohne die seine späteren Erfolge nicht möglich gewesen wären. Zweitens kam er spät aus wichtigem Anlass in seine Vaterstadt zurück: Zur Feier des 300-jährigen Bestehens der Albertina lud die Stadt Königsberg ihren inzwischen bekannten, ja berühmten, Sohn ein, einen persönlichen Beitrag zu leisten. Nicolai komponierte seine Festouvertüre Ein feste Burg ist unser Gott für Chor, Orgel und Orchester und leitete die Uraufführung im Königsberger Dom am 28. August 1844. Drittens ehrten die Wiener Philharmoniker 2010 ihren Gründer und seine Vaterstadt anlässlich Nicolais 200. Geburtstags mit einem Gastkonzert in Kaliningrad. Sowohl Nicolais Jugend wie auch sein späterer Besuch in Königsberg werden durch Ausschnitte aus den beiden frühen Biografien belegt; das Jubiläumskonzert 2010 wird durch zwei Berichte aus Kaliningrad und einen aus Wien dokumentiert. Carl Otto Ehrenfried Nicolai (*9.Juni 1810 in Königsberg i. Pr.; †11. Mai 1849 in Berlin) war nicht nur Komponist, sondern auch Dirigent und als ein solcher rief er während seines Engagements in Wien die „philharmonischen Konzerte“ ins Leben und gründete auf diese Weise die Wiener Philharmoniker. Bekannt und beliebt wurde er in Deutschland vor allem durch seine Spieloper Die lustigen Weiber von Windsor, die der Librettist Salomon Hermann Mosenthal aus William Shakespeares Komödie The Merry Wives of Windsor extrahierte. Nicolai ist der Sohn von Carl Ernst Daniel Nicolai (1785–1857) und Christiane Wilhelmine Lauber (1782–1854). Nach der frühen Trennung der Eltern kam Otto zunächst zu Pflegeeltern, einer Klavierbauerfamilie; zeitweise lebte er auch bei seinem Onkel Ehrenfried. Der Vater heiratete dann zum zweiten Mal und nahm seinen Sohn in die neue Familie wieder auf, die sich 1826 durch die Geburt von Nicolais Halbschwester Cassandra vergrößert hatte. Seit dem 6. August 1819 besuchte Nicolai das Collegium Fridericianum. Von seinem despotisch veranlagten Vater erhielt er den ersten Musikunterricht. Der Vater bemühte sich mit großer Strenge und auch körperlicher Züchtigung, aus seinem hochtalentierten Sohn ein musikalisches Wunderkind zu machen, um durch ihn selbst zu Ruhm und Geld zu gelangen. Anfang 1826 entfloh Otto Nicolai nach einigen vergeblichen Versuchen erfolgreich seinem Elternhaus und fand zunächst Zuflucht in Stargard bei einem gewissen Herrn August Adler, der ihn wie einen Sohn aufnahm und im Alter von 17 Jahren nach Berlin zum Studium schickte. Als Zwanzigjähriger trat er in die Sing-Akademie zu Berlin ein und wirkte bei der Aufführung von Bachs Matthäus-Passion am 27. März 1831 in der Bass-Partie des Jesus mit. Später ging er noch in die Jüngere und Ältere Liedertafel sowie in den Lieder-Verein Berlin 1829 (von Februar bis Oktober 1830). Diese Mitgliedschaften wirkten sehr prägend auf sein weiteres Leben. Hieraus erwuchsen für ihn wertvolle Bekanntschaften wie u.a. mit Friedrich Schleiermacher, August Hoffmann von Fallersleben, Georg Poelchau und die Familie Mendelssohn. Sein Studium absolvierte Otto Nicolai von 1827 bis 1830 am Königlichen Institut für Kirchenmusik bei Bernhard Klein (Komposition), Emil Fischer (Gesang), Ludwig Berger Klavier. Anschließend bewarb er sich 1833 auf die gerade freigewordene Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschaft in Rom, die ihm auf Empfehlung durch Carl Friedrich Rungenhagen auch zugesprochen wurde. Dort sollte er seine „Entwickelung als Componist im Fache der geistlichen Musik zu vollenden.“ Von der zeitgenössischen italienischen Oper hielt er, wie damals viele gebildeten deutschen Musiker, wenig. Seine Reisebriefe aus Italien dokumentieren jedoch, dass er mehr und mehr zum Konvertiten wurde, als er in Italien erlebte, welch große emotionale Wirkung diese Art von Musik auf das Publikum hatte. Seine Begeisterung drückte er auch in einem programmatischen Artikel aus, den er Robert Schumann zur Veröffentlichung in dessen Neuen Zeitschrift für Musik sandte. In Rom knüpfte er Kontakt zu Fortunato Santini und Giuseppe Baini, bei dem er ab Juni 1835 auch regelmäßigen Unterricht genoss. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit den Werken Palestrinas und anderen altitalienischen Meistern. Bereits zum 1. April 1836 legte er sein Amt an der Gesandtschaftskapelle nieder. In der Folgezeit durchreiste Nicolai Oberitalien, nahm u.a. Kontakt mit Donizetti und Mercadante auf und versuchte sich als Komponist italienischer Opern. 1837 wechselte Otto Nicolai für ein Jahr als Kapellmeister an das Wiener Kärntnertor- Theater und teilte sich dort die Arbeit mit Conradin Kreutzer. Danach zog es ihn jedoch wieder nach Italien (1838) und komponierte dort wieder mehrere Opern. 1840 gelang ihm mit Il templario nach damaligen Begriffen ein Welterfolg, der ihm sogleich zwei weitere Opernaufträge einbrachte. Als er im Herbst 1840 den Auftrag zu Il proscritto für die Mailänder Scala annahm, war er mit der Sängerin Erminia Frezzolini verlobt. Bei der Premiere von Il proscritto war diese bereits mit dem Tenor Antonio Poggi verheiratet. Wohl aus Frustration torpedierte sie die Premiere, indem sie ihren Part nur nach Art einer Generalprobe andeutete. Nicolai war darüber so konsterniert, dass er umgehend das Angebot annahm, nach Ostern 1841 in Wien seinen Templario zu dirigieren. Der Erfolg war überwältigend, so dass ihm die Stelle des 1. Kapellmeisters an der Wiener Hofoper angeboten wurde. Nicolai war zunächst im Zweifel, ob er sich in Wien niederlassen sollte, zumal er für Herbst 1841 schon wieder einen Auftrag für Turin übernommen hatte, entschied sich dann aber doch für die ökonomisch sicherere Stelle in Wien. Mit dem Orchester des Kärntnertor-Theaters begründete er 1842 die Philharmonischen Konzerte und damit zugleich die Wiener Philharmoniker. Auch die Wiener Stelle war mit der Verpflichtung verbunden, Opern zu komponieren. Nicolai suchte zunächst lange nach einem geeigneten Libretto. Schließlich entschloss er sich zu einer Bearbeitung seines Proscritto. Was als einfacher Versuch einer deutschen Übersetzung begann, endete in einer gründlichen Umarbeitung, bei der über weite Strecken die Musik neu komponiert wurde. In dieser Gestalt war die Oper Die Heimkehr des Verbannten in Wien sehr erfolgreich; kein Geringerer als Hector Berlioz, der das Werk dort gehört hatte, zählte Nicolai daraufhin zu den bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit. Das König Friedrich Wilhelm IV. Gewidmete Pater Noster und die Festouvertüre über das Thema des Chorals Ein feste Burg ist unser Gott zur 300-Jahrfeier der Universität Königsberg bahnten allmählich wieder Beziehungen zu Berlin an. Als nach einem Streit mit dem Hofopern-Pächter Carlo Balochino Nicolais Vertrag als Kapellmeister in Wien nicht verlängert wurde, folgte er 1847 dem Ruf in die preußische Hauptstadt, wo er als Dirigent des Königlichen Domchores und Kapellmeister an die Königliche Hofoper berufen wurde. Als Bedingung hatte er ausgehandelt, dass er in diesem Amt mit der Heimkehr des Verbannten debütieren dürfe. Er hat daraufhin das Werk nach Fertigstellung der Lustigen Weiber von Windsor ein weiteres Mal überarbeitet und nannte es nun Der Verbannte. Der Ausbruch der Revolution 1848 verhinderte die Erstaufführung unter seiner Leitung. Und da Nicolai dem König in Potsdam die Lustigen Weiber vorgespielt und vorgesungen hatte, wurde deren Premiere Anfang 1849 vorgezogen. Der Verbannte folgte erst postum im Herbst 1849 im Rahmen einer Galavorstellung zu Ehren des Geburtstages der Königin. Dazu mussten strikte Zeitvorgaben eingehalten werden, die den Kapellmeister Heinrich Dorn zu umfangreiche Strichen zwangen, die das Werk entstellten. Dabei wurden auch Passagen gestrichen, die Nicolai eigens für Berlin neu komponiert hatte und die bis heute auf ihre Uraufführung warten. Nicolai komponierte neben Opern auch zahlreiche Lieder, geistliche und weltliche Chorwerke. Am 11. Mai 1849 nachmittags verstarb Nicolai an einer Hirnblutung. Die Nachricht, dass die Preußische Akademie der Künste ihn zum ordentlichen Mitglied gewählt hatte, hat ihn daher nicht mehr erreicht. Der König selbst besuchte den Trauergottesdienst und ließ den Sarg in seiner Kutsche zum Dorotheenstädtischen Friedhof II in der Liesenstraße, wo er beerdigt wurde (Feld E), überführen. 1851 wurde die vom Berliner Tonkünstler-Verein gestiftete Grabplatte aufgelegt. Um den Erhalt der Grabstätte zu sichern, hatte die Intendantur der Königlichen Schauspiele das Grab 1907 gekauft. Seit Ende 1956 wird es als Ehrengrab der Stadt Berlin gepflegt. Nicolais bis heute bekanntestes Werk in deutschsprachigen Ländern ist Die lustigen Weiber von Windsor geblieben, die zusammen mit den Opern von Albert Lortzing als Paradigma der deutschen Spieloper gelten. Die modernen Erstaufführungen von Il templario und Die Heimkehr des Verbannten (Chemnitz 2008 und 2011) haben jedoch gezeigt, dass Nicolais Können und Bedeutung damit unterschätzt wird. Il templario ist (wie 2016 die Salzburger Festspiele bewiesen haben) eine veritable Belcanto-Oper, die zusammen mit Saverio Mercadantes La vestale und Giovanni Pacinis Saffo zu den drei großen Opernerfolgen der italienischen Opernsaison 1840 gehörte. Diese bildeten den Rahmen, innerhalb dessen sich das Schaffen des jungen Giuseppe Verdi bewegte. Allerdings blieb diese Leistung Nicolais seinen deutschen Zeitgenossen verborgen, da diese in der italienischen Oper nur billigen Kling-sang (Richard Wagner) sahen. Und unter diesem Vorbehalt litt auch die Berliner Premiere des Verbannten, dem bescheinigt wurde, dass es eben unmöglich sei, aus einer italienischen eine deutsche Oper zu machen, nicht wissend, dass darin gerade noch etwa 15% jener Musik erklang, die 1840 in Mailand gespielt wurde. Als Reverenz an ihren Gründer und das 150. Gründungsjubiläum wurde beim Neujahrs-Konzert der Wiener Philharmoniker 1992 die Ouvertüre der Oper Die lustigen Weiber von Windsor aufgeführt. 25 Jahre später stand beim Neujahrs-Konzert 2017 der Mondaufgang aus diesem Werk auf dem Programm. Das sind meine beiden Opernaufnahmen und ich muss gestehen, dass es angesichts der großen Werkkatalogs von Nicolai recht wenig ist. Aber es ist unsterbliche Musik, die auf diesen beiden Aufnahmen zu hören ist, wobei ich von den „Lustigen Weibern“ keine andere Aufnahme als jene mit Frick, Wunderlich, Litz, Ruth-Margret Pütz, Gutstein, Mathis, haben muss. Was Robert Heger damals als Protagonisten zur Verfügung hatte, wird wahrscheinlich nicht zu übertreffen sein (ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen!). Und was Frank Beermann mit „Il templario“ abgeliefert hat, ist beste italienische Belcanto-Kunst (die ich Nicolai nicht zugetraut habe, die mich aber zutiefst überzeugt hat). Da kann ich nachvollziehen, dass er bei den Italienern seinerzeit sozusagen „offene Türen“ eingerannt hat. Und Beermann schafft es, italienisches Flair in die sächsische Provinz (nach Chemnitz) zu bringen. Die Musik Nicolais muss sich jedenfalls nicht verstecken, erinnert mich mit jeder Note an Bellini, Donizetti oder auch den jungen Verdi. Otto Nicolai (1810–1849) hatte eine geradezu erschütternde Kindheit und Jugend. Was er damals in Königsberg mitmachen musste (und was sein erster Biograf Hermann Mendel 1866 und 1868 bekannt gab) erschüttert noch heute, will der Leser aber nicht wahr haben: die Ehe der Eltern zerrüttet; Scheidung; ein despotischer Vater, dem man heute das Sorgerecht entziehen würde; unregelmäßiger Schulbesuch; ständiges, auch zeitlich ausgedehntes Herumstreunen des jungen Otto; schließlich die endgültige Flucht des 16-Jährigen aus Königsberg. Der spätere Gründungsdirigent der Wiener Philharmoniker und Komponist der Lustigen Weiber von Windsor machte seine Karriere außerhalb Ostpreußens. Der Erstbiograf, aber auch spätere Musikwissenschaftler, haben sich schwer getan mit dieser Jugend. Als Mendel das Manuskript seines Buchs über Nicolai nach 1860 vollendet hatte, bekam er noch vor der Drucklegung Kenntnis von späten Briefen des Sohnes an seinen Vater Carl Ernst Daniel Nicolai (1785-1857), die eine gute Beziehung, ja die Zuneigung des Sohnes zu belegen schienen. Er ließ sein Manuskript unverändert, erwähnte die Briefe aber im Vorwort. Erwin Kroll widmete Nicolai ein kleines Kapitel in seiner Musikstadt Königsberg (1966). Dort machte er sich die mildere Sichtweise des erwachsenen Otto Nicolai auf seinen Vater zu eigen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Der von der Psychologie inzwischen erkannte und ausführlich beschriebene seelische Vorgang der „Identifikation mit dem Aggressor“ könnte auch hier eine Rolle spielen. Die Frage muss offen bleiben, ob Nicolai später tatsächlich an seinem Vater „mit rührender Liebe hing“ (Kroll 202), ob er seine Jugenderlebnisse überkompensierte oder ob er einfach nur Frieden mit seiner verunglückten Jugend machen wollte. Davon abgesehen, sind es drei Punkte, die Nicolai mit seiner Geburtsstadt verbinden. Einerseits hat er – so viel Anerkennung muss sein – vom Vater immerhin Talent und eine gute musikalische Grundausbildung erhalten, ohne die seine späteren Erfolge nicht möglich gewesen wären. Zweitens kam er spät aus wichtigem Anlass in seine Vaterstadt zurück: Zur Feier des 300-jährigen Bestehens der Albertina lud die Stadt Königsberg ihren inzwischen bekannten, ja berühmten, Sohn ein, einen persönlichen Beitrag zu leisten. Nicolai komponierte seine Festouvertüre Ein feste Burg ist unser Gott für Chor, Orgel und Orchester und leitete die Uraufführung im Königsberger Dom am 28. August 1844. Drittens ehrten die Wiener Philharmoniker 2010 ihren Gründer und seine Vaterstadt anlässlich Nicolais 200. Geburtstags mit einem Gastkonzert in Kaliningrad. Sowohl Nicolais Jugend wie auch sein späterer Besuch in Königsberg werden durch Ausschnitte aus den beiden frühen Biografien belegt; das Jubiläumskonzert 2010 wird durch zwei Berichte aus Kaliningrad und einen aus Wien dokumentiert. Carl Otto Ehrenfried Nicolai (*9.Juni 1810 in Königsberg i. Pr.; †11. Mai 1849 in Berlin) war nicht nur Komponist, sondern auch Dirigent und als ein solcher rief er während seines Engagements in Wien die „philharmonischen Konzerte“ ins Leben und gründete auf diese Weise die Wiener Philharmoniker. Bekannt und beliebt wurde er in Deutschland vor allem durch seine Spieloper Die lustigen Weiber von Windsor, die der Librettist Salomon Hermann Mosenthal aus William Shakespeares Komödie The Merry Wives of Windsor extrahierte. Nicolai ist der Sohn von Carl Ernst Daniel Nicolai (1785–1857) und Christiane Wilhelmine Lauber (1782–1854). Nach der frühen Trennung der Eltern kam Otto zunächst zu Pflegeeltern, einer Klavierbauerfamilie; zeitweise lebte er auch bei seinem Onkel Ehrenfried. Der Vater heiratete dann zum zweiten Mal und nahm seinen Sohn in die neue Familie wieder auf, die sich 1826 durch die Geburt von Nicolais Halbschwester Cassandra vergrößert hatte. Seit dem 6. August 1819 besuchte Nicolai das Collegium Fridericianum. Von seinem despotisch veranlagten Vater erhielt er den ersten Musikunterricht. Der Vater bemühte sich mit großer Strenge und auch körperlicher Züchtigung, aus seinem hochtalentierten Sohn ein musikalisches Wunderkind zu machen, um durch ihn selbst zu Ruhm und Geld zu gelangen. Anfang 1826 entfloh Otto Nicolai nach einigen vergeblichen Versuchen erfolgreich seinem Elternhaus und fand zunächst Zuflucht in Stargard bei einem gewissen Herrn August Adler, der ihn wie einen Sohn aufnahm und im Alter von 17 Jahren nach Berlin zum Studium schickte. Als Zwanzigjähriger trat er in die Sing-Akademie zu Berlin ein und wirkte bei der Aufführung von Bachs Matthäus-Passion am 27. März 1831 in der Bass-Partie des Jesus mit. Später ging er noch in die Jüngere und Ältere Liedertafel sowie in den Lieder-Verein Berlin 1829 (von Februar bis Oktober 1830). Diese Mitgliedschaften wirkten sehr prägend auf sein weiteres Leben. Hieraus erwuchsen für ihn wertvolle Bekanntschaften wie u.a. mit Friedrich Schleiermacher, August Hoffmann von Fallersleben, Georg Poelchau und die Familie Mendelssohn. Sein Studium absolvierte Otto Nicolai von 1827 bis 1830 am Königlichen Institut für Kirchenmusik bei Bernhard Klein (Komposition), Emil Fischer (Gesang), Ludwig Berger Klavier. Anschließend bewarb er sich 1833 auf die gerade freigewordene Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschaft in Rom, die ihm auf Empfehlung durch Carl Friedrich Rungenhagen auch zugesprochen wurde. Dort sollte er seine „Entwickelung als Componist im Fache der geistlichen Musik zu vollenden.“ Von der zeitgenössischen italienischen Oper hielt er, wie damals viele gebildeten deutschen Musiker, wenig. Seine Reisebriefe aus Italien dokumentieren jedoch, dass er mehr und mehr zum Konvertiten wurde, als er in Italien erlebte, welch große emotionale Wirkung diese Art von Musik auf das Publikum hatte. Seine Begeisterung drückte er auch in einem programmatischen Artikel aus, den er Robert Schumann zur Veröffentlichung in dessen Neuen Zeitschrift für Musik sandte. In Rom knüpfte er Kontakt zu Fortunato Santini und Giuseppe Baini, bei dem er ab Juni 1835 auch regelmäßigen Unterricht genoss. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit den Werken Palestrinas und anderen altitalienischen Meistern. Bereits zum 1. April 1836 legte er sein Amt an der Gesandtschaftskapelle nieder. In der Folgezeit durchreiste Nicolai Oberitalien, nahm u.a. Kontakt mit Donizetti und Mercadante auf und versuchte sich als Komponist italienischer Opern. 1837 wechselte Otto Nicolai für ein Jahr als Kapellmeister an das Wiener Kärntnertor- Theater und teilte sich dort die Arbeit mit Conradin Kreutzer. Danach zog es ihn jedoch wieder nach Italien (1838) und komponierte dort wieder mehrere Opern. 1840 gelang ihm mit Il templario nach damaligen Begriffen ein Welterfolg, der ihm sogleich zwei weitere Opernaufträge einbrachte. Als er im Herbst 1840 den Auftrag zu Il proscritto für die Mailänder Scala annahm, war er mit der Sängerin Erminia Frezzolini verlobt. Bei der Premiere von Il proscritto war diese bereits mit dem Tenor Antonio Poggi verheiratet. Wohl aus Frustration torpedierte sie die Premiere, indem sie ihren Part nur nach Art einer Generalprobe andeutete. Nicolai war darüber so konsterniert, dass er umgehend das Angebot annahm, nach Ostern 1841 in Wien seinen Templario zu dirigieren. Der Erfolg war überwältigend, so dass ihm die Stelle des 1. Kapellmeisters an der Wiener Hofoper angeboten wurde. Nicolai war zunächst im Zweifel, ob er sich in Wien niederlassen sollte, zumal er für Herbst 1841 schon wieder einen Auftrag für Turin übernommen hatte, entschied sich dann aber doch für die ökonomisch sicherere Stelle in Wien. Mit dem Orchester des Kärntnertor-Theaters begründete er 1842 die Philharmonischen Konzerte und damit zugleich die Wiener Philharmoniker. Auch die Wiener Stelle war mit der Verpflichtung verbunden, Opern zu komponieren. Nicolai suchte zunächst lange nach einem geeigneten Libretto. Schließlich entschloss er sich zu einer Bearbeitung seines Proscritto. Was als einfacher Versuch einer deutschen Übersetzung begann, endete in einer gründlichen Umarbeitung, bei der über weite Strecken die Musik neu komponiert wurde. In dieser Gestalt war die Oper Die Heimkehr des Verbannten in Wien sehr erfolgreich; kein Geringerer als Hector Berlioz, der das Werk dort gehört hatte, zählte Nicolai daraufhin zu den bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit. Das König Friedrich Wilhelm IV. Gewidmete Pater Noster und die Festouvertüre über das Thema des Chorals Ein feste Burg ist unser Gott zur 300-Jahrfeier der Universität Königsberg bahnten allmählich wieder Beziehungen zu Berlin an. Als nach einem Streit mit dem Hofopern-Pächter Carlo Balochino Nicolais Vertrag als Kapellmeister in Wien nicht verlängert wurde, folgte er 1847 dem Ruf in die preußische Hauptstadt, wo er als Dirigent des Königlichen Domchores und Kapellmeister an die Königliche Hofoper berufen wurde. Als Bedingung hatte er ausgehandelt, dass er in diesem Amt mit der Heimkehr des Verbannten debütieren dürfe. Er hat daraufhin das Werk nach Fertigstellung der Lustigen Weiber von Windsor ein weiteres Mal überarbeitet und nannte es nun Der Verbannte. Der Ausbruch der Revolution 1848 verhinderte die Erstaufführung unter seiner Leitung. Und da Nicolai dem König in Potsdam die Lustigen Weiber vorgespielt und vorgesungen hatte, wurde deren Premiere Anfang 1849 vorgezogen. Der Verbannte folgte erst postum im Herbst 1849 im Rahmen einer Galavorstellung zu Ehren des Geburtstages der Königin. Dazu mussten strikte Zeitvorgaben eingehalten werden, die den Kapellmeister Heinrich Dorn zu umfangreiche Strichen zwangen, die das Werk entstellten. Dabei wurden auch Passagen gestrichen, die Nicolai eigens für Berlin neu komponiert hatte und die bis heute auf ihre Uraufführung warten. Nicolai komponierte neben Opern auch zahlreiche Lieder, geistliche und weltliche Chorwerke. Am 11. Mai 1849 nachmittags verstarb Nicolai an einer Hirnblutung. Die Nachricht, dass die Preußische Akademie der Künste ihn zum ordentlichen Mitglied gewählt hatte, hat ihn daher nicht mehr erreicht. Der König selbst besuchte den Trauergottesdienst und ließ den Sarg in seiner Kutsche zum Dorotheenstädtischen Friedhof II in der Liesenstraße, wo er beerdigt wurde (Feld E), überführen. 1851 wurde die vom Berliner Tonkünstler-Verein gestiftete Grabplatte aufgelegt. Um den Erhalt der Grabstätte zu sichern, hatte die Intendantur der Königlichen Schauspiele das Grab 1907 gekauft. Seit Ende 1956 wird es als Ehrengrab der Stadt Berlin gepflegt. Nicolais bis heute bekanntestes Werk in deutschsprachigen Ländern ist Die lustigen Weiber von Windsor geblieben, die zusammen mit den Opern von Albert Lortzing als Paradigma der deutschen Spieloper gelten. Die modernen Erstaufführungen von Il templario und Die Heimkehr des Verbannten (Chemnitz 2008 und 2011) haben jedoch gezeigt, dass Nicolais Können und Bedeutung damit unterschätzt wird. Il templario ist (wie 2016 die Salzburger Festspiele bewiesen haben) eine veritable Belcanto-Oper, die zusammen mit Saverio Mercadantes La vestale und Giovanni Pacinis Saffo zu den drei großen Opernerfolgen der italienischen Opernsaison 1840 gehörte. Diese bildeten den Rahmen, innerhalb dessen sich das Schaffen des jungen Giuseppe Verdi bewegte. Allerdings blieb diese Leistung Nicolais seinen deutschen Zeitgenossen verborgen, da diese in der italienischen Oper nur billigen Kling-sang (Richard Wagner) sahen. Und unter diesem Vorbehalt litt auch die Berliner Premiere des Verbannten, dem bescheinigt wurde, dass es eben unmöglich sei, aus einer italienischen eine deutsche Oper zu machen, nicht wissend, dass darin gerade noch etwa 15% jener Musik erklang, die 1840 in Mailand gespielt wurde. Als Reverenz an ihren Gründer und das 150. Gründungsjubiläum wurde beim Neujahrs-Konzert der Wiener Philharmoniker 1992 die Ouvertüre der Oper Die lustigen Weiber von Windsor aufgeführt. 25 Jahre später stand beim Neujahrs-Konzert 2017 der Mondaufgang aus diesem Werk auf dem Programm. Das sind meine beiden Opernaufnahmen und ich muss gestehen, dass es angesichts der großen Werkkatalogs von Nicolai recht wenig ist. Aber es ist unsterbliche Musik, die auf diesen beiden Aufnahmen zu hören ist, wobei ich von den „Lustigen Weibern“ keine andere Aufnahme als jene mit Frick, Wunderlich, Litz, Ruth-Margret Pütz, Gutstein, Mathis, haben muss. Was Robert Heger damals als Protagonisten zur Verfügung hatte, wird wahrscheinlich nicht zu übertreffen sein (ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen!). Und was Frank Beermann mit „Il templario“ abgeliefert hat, ist beste italienische Belcanto-Kunst (die ich Nicolai nicht zugetraut habe, die mich aber zutiefst überzeugt hat). Da kann ich nachvollziehen, dass er bei den Italienern seinerzeit sozusagen „offene Türen“ eingerannt hat. Und Beermann schafft es, italienisches Flair in die sächsische Provinz (nach Chemnitz) zu bringen. Die Musik Nicolais muss sich jedenfalls nicht verstecken, erinnert mich mit jeder Note an Bellini, Donizetti oder auch den jungen Verdi. Otto Nicolai, der eine ähnliche Spanne des Lebens zurückgelegt hat wie Felix Mendelssohn, hat auch beileibe nicht nur Opern komponiert, sondern auch ca . 30 geistliche und weltliche Chorwerke, darunter die Messe in D-dur, wie diese Ausschnitte aus einem Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit mit dem Staats- und Domchor Berlin und der Kammersymphonie Berlin eindrucksvoll unter Beweis stellen. Nur schade, dass es davon keine Gesamtuafnahme gibt: Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Liebe Grüße Willi😀 Otto Nicolai, der eine ähnliche Spanne des Lebens zurückgelegt hat wie Felix Mendelssohn, hat auch beileibe nicht nur Opern komponiert, sondern auch ca . 30 geistliche und weltliche Chorwerke, darunter die Messe in D-dur, wie diese Ausschnitte aus einem Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit mit dem Staats- und Domchor Berlin und der Kammersymphonie Berlin eindrucksvoll unter Beweis stellen. Nur schade, dass es davon keine Gesamtuafnahme gibt: Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Liebe Grüße Willi😀Otto Nicolai – mehr als die „Lustigen Weiber von Windsor“
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Quellen: Wikipedia und eine Seite von Wien.

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