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Paul Abraham, Ball im Savoy, Premiere am 21. Dezember in Temeswar

Liebe alle,

ich komme eben aus der Premiere von Paul Abrahams „Ball im Savoy“ im Operntheater Temeswar. Ich bin allerdings schon nach dem 2. von drei Akten gegangen, weil es mir einfach zu lange dauerte, angesichts meines morgen anstehenden Flugs nach Deutschland.

Daher nur eine Kurzkritik – zu den beiden Akten, die ich vollständig gesehen habe. 

Vorausgeschickt: ich werde kein großer Freund der Operette, auch nicht hier. Das liegt -ausdrücklich- nicht an der Musik, sondern an der Prosa, die zwischen den Musiknummern dargeboten wird. Da macht es keinen Unterschied, ob man das Werk auf Deutsch oder, wie heute natürlich, auf Rumänisch spielt. Das ist einfach zu quatschig, tut mir leid. (Korrektur am Morgen danach: es ist mir zu langatmig, zu banal… aber vielleicht auch nur in dieser Inszenierung?)

Könnte man nicht die Musiknummern einfach hintereinander spielen, bitte? Das war nämlich alles sehr gut. Mihaela Marcu als Madeleine sang engagiert und mit einem hörbar opernhaften Sopran; sie ist auch schön anzusehen und hatte kleidsame Kostüme erhalten; eine eindrucksvolle Erscheinung.

Bogdan Zahariea sieht Roberto Alagna sehr ähnlich und hat einen ähnlich schönen Tenor – er sang den Aristide nobel und stimmschön. 

Cristina Vlaicu als Daisy sang und tanzte mit großem Engagement; sie wirft sich mit ihrer gesamten ca. 1.55 hohen Statur rückhaltlos in alles, was der Regisseur von ihr verlangt.

Mustafa Bei wurde durch zwei Sänger dargestellt. Cristian Balasescu singt und spielt fulminant. Er ist ein Erzkomödiant und singt, spielt und tanzt so engagiert, daß es einfach Spaß macht, ihm zuzuschauen und zuzuhören. Im 2. Akt ist dann Octavian Vlaicu der Mustafa; die Darstellung ist da um Nuancen gemäßigter. Aus welchem Grund die Partie geteilt wurde, erschließt sich mir leider nicht.

Gabriela Toader sang die Tangolita; stimmlich sehr schön, schauspielerisch wenig spektakulär.

Alle anderen kleinen und Kleinstpartien sind mindestens rollendeckend besetzt; „Ball im Savoy“ verlangt ja ein ganzes Regiment an Mitwirkenden, und da ist alles ziemlich gut dargestellt. Dekor und Kostüme sind aus den 30er Jahren, das paßt also.

Woran ich mich  nicht gewöhnen möchte, ist die Verstärkung der Darstellungen durch Mikrophon. Ich sehe ein, daß es schwer fallen mag, von Opern- und Operettensängern gesprochenen Text ohne Verstärkung akustisch verstehen zu können. Da mag die Verstärkung angezeigt sein. Aber die gesungene Musik sollte doch, wie in Theatern üblich, keiner Verstärkung bedürfen, oder? Diese technische Zutat machte das Ganze zwar präsent, aber doch auch irgendwie unnatürlicher.

Fazit: musikalisch teilweise sehr schön, schauspielerisch nicht wirklich überzeugend. Die nächste Vorstellung wird Ende Januar gegeben. Ich werde versuchen, hinzugehen, und gelobe, in dem Fall auch bis zum Ende zu bleiben. 

Grüße!

Honoria Lucasta

 

Ich darf vielleicht informationshalber ein Youtube-Video anfügen, auf dem (nur Ton) Paul Abraham selbst nach der Premiere am 23. 12. 1932 im Deutschen Schauspielhaus in Berlin umgehend die Höhepunkte im Studio aufnahm. Die Hauptpartien wurden gesungen von Gitti Alpar und Herbert Ernst Groh. Hinzu traten Rosy Barsony und Oskar Denes:

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Liebe Grüße

Willi?

Lieber Willi,

vielen Dank, nur eine kleine Korrektur: „Ball im Savoy“ hatte nicht am 23. Februar 1932, sondern am 23 Dezember 1932 Premiere, was die Sache ja noch einmal ein wenig dramatischer macht: es war tatsächlich die letzte bedeutende Berliner Premiere vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 5 Wochen später. Und der letzte große Erfolg Paul Abrahams. Er ging zurück nach Ungarn, konnte aber irgendwie nicht wirklich an die Triumphe der Berliner Zeit anknüpfen.

Grüße!

Honoria Lucasta

Liebe Honoria,

schönen Dank für deine Aufmerksamkeit. Der Tippfehler ist der nachlassenden Feinmotorik geschuldet. Da hat der linke kleine Finger mal wieder nicht funktioniert. Auch mir war die Nähe zur „Machtergreifung“ durchaus bewusst.

Liebe Grüße

Willi????

Lieber Willi,

davon ging ich auch eigentlich aus ?.

Grüße!

Honoria Lucasta

kurz vor dem Abflug

Ohje liebe Honoria,

das tut mir leid, hoffentlich hast du nicht endgültig die Nase voll von Operetten. Wir hatten Ball im Savoy nie im Spielplan, aber andere Operetten von Abraham. Texte sind natürlich oft Klamauk, die werden in der Oper halt gesungen, auch nicht immer gut anzuhören.  
Ich wünsche Dir einen guten Flug ✈️ nach Deutschland und eine schöne Zeit in der Heimat, ein gesegnetes Fest und ein gesundes, neues Jahr mit viel Musik. 
liebe Grüße 

musika

 

Hier ein Probenfoto aus dem Opernhaus Temeswar Operette Ball im Savoy. Honoria hat darüber berichtet.

http://www.funkforum.net/wp-content/uploads/2022/12/20221220_Bal_im_Savoy.jpg

Liebe alle, 

ich hatte ja vorgehabt, „Ball im Savoy“ noch einmal anzusehen – der Operette also noch einmal eine Chance zu geben, sozusagen. Aber: weder für Geld noch gute Worte ist irgendeine akzeptable Karte für die 2. Vorstellung zu haben: AUSVERKAUFT! Man kann nur noch Hörplätze bekommen; das ist, wie ich finde, bei einer Operette noch unannehmbarer als bei anderen Musiktheaterformen. Also werde ich die Meinung meiner Kollegin Corina Dan (Grüße an Musica!) konsultieren, die eine Karte hat ergattern können.

Sollte dies der Beginn einer lokalen Paul-Abraham-Renaissance sein?

Wäre schön.

Grüße!

Honoria Lucasta

Liebe Honoria Lucasta,

oh wie schade, vielleicht ergibt es sich noch einmal irgendwann diese Operette zu sehen. Frau Dan wird sicher berichten, vielen Dank für die Grüße, die ich gerne zurückgebe.

Abraham, ja, seine Operetten werden leider selten gespielt, ich habe in den 60iger Jahren die Blume von Hawaii und Viktoria und ihr Husar gespielt, Ball im Savoy leider nie. Doch fast immer haben wir aus dieser Operette „la bella Tangolita“ im Programm.

Wie schön, dass in Temeswar die Operette noch so gepflegt wird, da wir werden im Oktober ein schönes Programm zusammenstellen.

Liebe Grüße

musika

 

Liebe alle,

eben komme ich aus einer weiteren Aufführung von „Ball im Savoy“ zurück, wohin ich drei Kolleginnen eingeladen hatte. Die Besetzung war ein wenig anders als in der Premiere; zwar spielte und sang Bogdan Zahariea auch dieses Mal gewohnt sicher den Aristide, aber seine Madeleine war Crina Vezentan, die einen wirklich sehr schönen Sopran hat und der Rolle auch optisch etwas Eleganz verleiht: das tat der Aufführung sehr gut.

Daisy, der Charakter, der mich in dieser Operette am meisten nervt wegen der ungeheuren Albernheit von Text und Dramaturgie, wurde auch hier wieder von Cristina Vlaicu gegeben. Sie spielt und singt mit viel Energie, aber ich finde, weniger wäre da manchmal mehr. Ich bin darüber mit dem Direktor der Oper fast ein wenig aneinander geraten – das Regiekonzept orientiert sich, wie ich heute erfuhr, an der Inszenierung des „Balls“ in der Komischen Oper Berlin, und selbst ohne die gesehen zu haben, verstehe ich jetzt doch manches Detail dieser Temeswarer Produktion besser, ohne es dann wirklich zu mögen – Operette in Berlin ist immer sehr berlinerisch, völlig fixiert auf den örtlichen Geschmack, vor allem, wenn Barrie Kosky inszeniert – aber das ist ein anderes Thema.

Der Star des Abends war ganz klar Cristian Balasescu in der im Prinzip ziemlich albernen Rolle des Mustafa Bei, der so dargestellt wird, wie man sich Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Operette halt einen Türken vorstellte. Ein Klischee jagt das andere, aber die Partie ist doch etwas Besonderes: Mustafa Bei hat fast die meisten Gesangsnummern, auch Duette und Ensembles, er muß ein wenig tanzen und vor allem laufend treffsicher Pointen setzen können. Balasescu kann das meisterhaft, und allein seinetwegen hat sich der (erneute) Besuch gelohnt.

Harald Weisz vom Deutschen Staatstheater Temeswar gab traumhaft sicher und zu Recht umjubelt (war schön zu sehen…) den Celestin Formant, und Gabriella Varvari orgelte mit Kontraalt souverän „La Bella Tangolita“.

Alle anderen Komprimari waren mindestens rollendeckend eingesetzt, inkl. aller Balletttänzer und Schauspieler in fast stummen Rollen. Mihnea Ignat dirigierte gewohnt präzis und mit viel Gefühl für die Sänger.

Man merkte, daß mit zahlreicher werdenden Aufführungen auch eine größere Sicherheit einsetzt – bei allen Sängern, beim Chor, selbst bei den Tänzern. Von daher war das eine viel bessere Aufführung als die Premiere, in der man die Unsicherheit -auch wegen der für Temeswar ungewöhnlichen Art der einigermaßen modernen Inszenierung- mit Händen greifen konnte. Das war heute wesentlich besser, und es tat allen Beteiligten sicht-, hör- und fühlbar wohl. Das Publikum im restlos ausverkauften Haus (und das nach der gestrigen Aufführung des Balls, die auch ausverkauft war) jubelte für hiesige Verhältnisse lang, und meine Kolleginnen und ich gingen beschwingt nach Hause.

Grüße!

Honoria Lucasta

Liebe alle,

dies ist ein Nachschub, der keinen eigenen Faden lohnt…

Eben gerade komme ich aus einer Studentenaufführung (West Universität Temeswar) der „Blume von Hawaii“ von Paul Abraham. Musikalisch war es in Ordnung, vor allem in den beschwingten Nummern wie „My golden Baby“und „My little boy“ . Die bei Abraham übliche Militärmusiknummer -hier: „Wo es Mädels gibt, Kameraden“ – litt unter der nicht vorhandenen Zackigkeit offensichtlich ungedienter Studenten ???? . 

Was alle noch lernen müssen -Solisten, Chor, Musiker im Orchester-  ist TIMING !!!!!!! In solchen Revueoperetten wie denen von Abraham kommt dazu noch TEMPO. Alles muß sitzen, Schlag auf Schlag. Sonst werden die Nichtigkeiten des Librettos (nicht die beste Leistung von Löhner/Beda) bisweilen unerträglich.

Aber: alle haben sich ernsthaft bemüht, manche der jungen Leute haben schöne Stimmen und auch Talent, alle anwesenden Mütter/Schwestern/Tanten/Cousinen waren begeistert, also: es war trotz allem ein netter Abend.

Grüße!

Honoria Lucasta

 

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