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PONCHIELLI, Amilcare: DIE LITAUER (I Lituani)

PONCHIELLI, Amilcare (1834 – 1886)
I LITUANI
(Die Litauer)

Oper in einem Prolog und 3 Akten
Libretto von Antonio Ghislanzoni
Uraufführung: 1874 am Teatro alla Scala in Mauland
Originalsprache: Italienisch

Personen der Handlung
Arnoldo, litauischer Prinz (Bariton)
Aldona, seine Schwester (Sopran
Walter, (alias Corrado Wallenrodt) deren Ehemann (Tenor)
Albano, ein alter Barde (Bass)
Vitoldo, ein Abtrünniger (Bass)
Ein Minnesänger (Sopran)
Kommandanten, Deutschritter, deutsche und litauische Soldaten, Richter, Pagen, Barden, Minnesänger, Äbte, Ordensritter, Volk

Ort und Zeit der Handlung: Litauen (Prolog) und Marienburg (1. – 3. Akt), 14 Jahrhundert

Prolog

Die Zinnen einer Burg und verfallene Mauern. Eine Treppe, die zur Burg hinaufführt. Anbrechende Nacht
Albano, ein alter Barde, bedauert den Krieg und die Zerstörung Litauens durch die Kreuzritter des deutschen Ordens. Aldona kommt mit Frauen und Kindern und fragt, ob der Prinz Arnoldo, der mit ihrem Mann Walter am Morgen zum Schlachtfeld aufgebrochen ist, noch nicht zurück sei. Als Albano verneint, fordert sie zum Abendgebet auf und alle beten um die Befreiung des unterdrückten Volkes.
Der Prinz, Walter und einige Soldaten treten auf. Der Prinz verkündet, dass alles verloren sei, weil sie von von einem Landsmann, Vitoldo, verraten worden seien. Als Aldona nach einem Ausweg fragt, verspricht Arnoldo mit ihr darüber zu sprechen und will sich mit ihr zur Burg begeben. Der Prinz fordert alle auf, für das Vaterland zu beten. Dann begeben sich – außer Walter und dem Barden – alle zur Burg. Walter ist sich schmerzhaft bewußt, dass er Aldona verlassen muss. Dem Barden erzählt er, dass er in einer Stunde aufbrechen und Aldona zurücklassen müsse. Er eröffnet Albano, dass er nach einem geheimen Plan die Deutschritter zugrunde zu richten gedenke. Als Aldona zurückkehrt, geht der Barde.
Aldona versucht, Walter noch aufzuhalten, ist sich aber bewußt dass es wohl vergeblich ist. Er erklärt ihr, dass er nun einen blutigen Weg gehen und sich längere Zeit von ihr trennen muss. Sie hoffen, dass sie sich wiedersehen – in der befreiten Heimat oder im Himmel
Arnoldo kommt aus der Burg und bittet seine Schwester um Tapferkeit. Dann entfernt sich Walter schnell und Aldona fällt weinend in die Arme des Prinzen.

Erster Akt

Zehn Jahre später. Der festlich geschmückte Domplatz in Marienburg.
Viel Volk hat sich zur Begrüßung des neuen Hochmeisters der Deutschordensritter versammelt. Vitoldo kommt mit Herzögen. Abseits steht Albano und beobachtet die Szene. Wir erfahren, dass der neue Hochmeister Corrado Wallenrodt heißt, hinter dem sich – unerkannt – Walter verbirgt. Während Vitoldo, der die Macht gerne an sich gerissen hätte, ihn bei den Herzögen als Wüstling beschimpft, lobt ihn das Volk in höchsten Tönen. Albano hat eine düstere Ahnung.
Von Schergen werden zehn gefesselte Litauer auf den Platz getrieben, die – wie wir vom Volk erfahren – zur Feier des Tages geopfert. werden sollen. Während aus dem Dom Gebete zu hören sind, wollen die Gefangenen stolz in den Tod gehen. Vitoldo versucht heimlich sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, Albano betet, dass Gott den Zorn Corrados (Walters) stärken möge und das Volk hofft auf weitere Heldentaten des neuen Führers.
Aus dem Dom kommen nun der Erzbischof mit Abten und Möchen sowie der Fürst von Deutschland mit Rittern. Zuletzt erscheint Corrado, gekleidet als Hochmeister. mit den Rittern des Ordens. Er gibt sich als demütiger Diener Gottes und will den Kriegmit den Ungläubigen – trotz der gegenteiligen Ansicht des Volkes und vor allem Vitoldos, der die Vernichtung der Litauer wünscht – meiden. Das Volk preist den Willen Gottes, der zu ihm gesprochen habe, und er gibt schließlich auch die gefangenen Litauer frei.
Nachdem sich alle entfernt haben, bleibt nur noch einer der Gefangenen zurück. Es ist der Prinz Arnoldo, der unter ihnen war. Er erinnert sich an die Leiden der letzten Jahre und glaubt, in dem Hochmeister seinen Freund Walter erkannt zu haben, fällt auf die Knie und dankt Gott, dass er den Freund seiner Jugend wiedergefunden hat.
Erschöpft kommt Aldona in Pilgerkleidung. Sie entdeckt Arnoldo auf den Stufen und vermutetet sofort, dass es ihr Bruder ist. Sie spricht ihn an, er erkennt sie zwar nicht sofort, aber als sie ihn nach dem Namen fragt, fallen sich die Geschwister in die Arme. Wir erfahren von ihr, dass er sie in einem Kloster zurückgelassen hat, sie aber nur Dienerin der Nonnen war und nun auf der Suche nach Walter sei. Er kann ihr freudig berichten, dass er diesen hier als Hochmeister gesehen habe. Nun wollen sie sich auf den Weg machen, um ihn zu sehen
Sie hören Stimmen und Minnesänger treten auf, die sich zum Schloss bewegen. Auch Albano ist unter ihnen und als Arnodo ihn anspricht, erkennt er ihn und Aldona wieder. Albano warnt sie zwar, aber um unter der Volksmenge, die die Tore durchschreiter, glauben sie nicht aufzufallen. Albano mahnt, ihm vorsichtig zu folgen und sie versprechen, jedes seiner Zeichen zu befolgen.

Zweiter Akt

Großer Saal iim Schloss Marienburg
Corrado sitzt am Tisch inmitten deutscher Ritter. Vitoldo mit deutschen Fürsten, Troubadouren und Minnesängern halten sich im Vordergrund auf. Andalusische Sklavinnen und Pagen tragen Wein auf.
Corrado gibt einen Trinkspruch aus, den alle wiederholen. Vitoldo und einige Chormitglieder entdecken an ihm jedoch, dass er tdunkle Gedanken hegt. Dann fordert Corrado zum Singen und Tanzen auf. Die andalusischen Sklavinnen führen einen Tanz vor und alle loben ihre Schönheit. Albano mahnt Corrado, sich von seiner neuen Macht nicht blenden zu lassen und erinnert ihn an die Leiden Litauens. Doch dieser bittet, ihm wenigstens eine Stunde der Freude zu gewähren und entfernt sich. Albano hofft, dass er erneut entflammt das Schikcsal des Vaterlandes erfüllen werde und entfernt sich ebenfalls unbemerkt. Corrado Ist von den schlaffen Gesängen und Tänzen gelangweilt. Er fordert ein wildes Lied.
Da erscheinen Arnoldo und Aldona in Bardengewändern mit herabgezogener Kapuze und hinter ihnen Albano. Alle bitten den fremden Barden zu singen. Arnoldo bekennt, dass er aus Litauen stammt und schildert den jetzigen Zustand des Landes. Während die Anwesenden fordern, dass der Fremdling den Saal verlasse, ist Corrado innerlich erschüttert und fragt sich, ob der Fremde sein Geheimnis kenne. Schließlich stürzt er sich mit gezücktem Schwert auf Arnoldo, doch Aldona wirft sich dazwischen, enthüllt ihr Gesicht und bekennt, dass der Fremde ihr Bruder sei. Corrado (Walter) erkennt nun, wen er vor sich hat. Er wirft sein Schwert weg und befiehlt den Soldaten, die diese ebenfalls gezückt hatten, sie wieder einzustecken. Albano mahnt ihn, sich nicht zu verraten Alle sind verwundert, Aldona aber aber ist glücklich, ihren Ehemann wiederzusehen. Corrado aber gesteht Albano, dass er sein liebendes Herz kaum noch zügeln kann. Albano mahnt ihn, seine Liebe zugunsten des Vaterlandes zurückzustellen. Vitoldo indessen erinnert sich, Aldona schon einmal gesehen zu haben und erkennt sie als Tochter des Königs. Alle anderen sind jedoch wütend auf den fremden Barden, der das Fest gestört hat und fordern die fremden Länder eneut so zu zerstören, dass an sie keine Erinnerung mehr bleibt.
Corrado läßt die beiden zum Schein gefangen nehmen und vertraut sie Albano an. Dann wendet er sich an die Anwesenden, das Fest wieder aufzunehmen. Morgen soll dann der Kreuzzug eneut beginnen. Aldona, die sich selig fühlt, ihren Walter noch einmal gesehen zu haben, will nun jedem Martyrium trotzen, Arnoldo ist bereit, für das Vaterland zu sterben. Albano hofft, dass er sein Vaterland noch sehen werde, bevor er sterbe. Vitoldo aber plant, wenn er hier eine Verschwörung entdecken würde, die Schuldigen zu bestrafen. Aldona und Arnoldo gehen mit Albano ab. Corrado kehrt zum Tisch zurück und eine ausgelassene Orgie beginnt.

Dritter Akt

Bei den Ruinen eines Kreuzgangs. Winter
Frauen und Kinder beten für die leidenden Soldaten, die gestützt von ihren Kameraden den Hügel herunterkommen. Sie eilen ihnen zu Hilfe und entfernen sich mit ihnen.
Aldona taucht auf. Sie schildert ihre Verzweiflung, unter der sie seit drei Monaten leidet. Sie sehnt sich nach ihrem Mann, der im Felde steht und den sie nicht zu sehen bekommt. Sie möchte am liebsten sterben.
Da bringt Aldano Corrado (Walter) und geht wieder. Die Liebenden fallen sich in die Arme. Walter verkündet ihr, dass das Schicksal ihres Vaterlandes nun vollendet sei und sie wieder in die Heimat zurückkehren und das alte Leben aufnehmen werden. Doch Aldona widerspricht ihm, sie seien inzwischen älter geworden und schon dem Tod sehr nahe. Das Leben könne nicht mehr so wie früher werden.
Plötzlich hört man Glocken und Stimmen von innen. Walter erschrickt und verkündet Aldona, dass er verraten und nun verloren sei. Um nicht in die Hände seiner Mörder zu fallen, will er nach Marienburg eilen und Arnoldo die Führung seiner Leute übergeben. Sie solle hier bleiben und für ihn beten. Morgen werde er sie sehen, wenn er überhaupt noch zurückkehre. Dann eilt er fort. Sie schleppt sich bis zur Tür der Kapelle.
Vitoldo tritt mit Gefährten auf und sie entblößen ihre Schwerter, um sich an dem Hochmeister zu rächen, der seine litauische Herkunft verschwiegen und sie in den Hinterhalt fremder Völker geführt habe. Und morgen werden wohl den Litauern die Stadttore geöffnet werden. Dann eilen sie hastig fort. Aldona, die ungesehen alles mtgehört hat, eilt ihnen nach, um ihren Walter zu retten oder mit ihm zu sterben.

Szenenwechsel: Saal im Schloß Marienburg
Walter trifft Albano und teilt ihm mit dass ein geheimes Gericht ihn bereits zu Tode verurteilt habe. Schon hört man die Stimmen von innen, die seinen Tod fordern. Um seinen Mördern zu entgehen, bittet er Albano ihm das Gift zu geben. Nachdem ihm Albano einen Kelch gegeben hat, in den er das Gift gemischt hat, trinkt er es mit einem Spruch auf die Freiheit seines Vaterlands. Als Albano um den Rest bittet, weigert ner sich und wirft den Kelch zu Boden. Albano ist unglücklich, dass er weiterleben soll, aber Walter bittet ihn, Aldona den Abschiedsgruß zu bringen und sie um Verzeihung zu bitten. Dann kniet er nieder und bittet Albano um seinen Segen.
Vitoldo und Genossen erscheinen und fordern Walter auf, sich auf seinen Tod vorzubereiten. Er sagt, seine einzige Sünde sei, die Insignien als Hochmeiszter angenommen zu haben und wirft ihnen diese vor die Füße. Von draußen hört man die Litauer „Sieg“ schreien. In diesem Augenblick wirft sich Vitoldo auf Walter . Aber ehe sie zu kämpfen beginnen, stürzt Arnoldo mit litauischen Soldaten herein und trennen sie. Auch Aldona kommt herein und glaubt, ihren Mann nun für sich zu haben. Die Litauer, die jetzt erfahren, wer er in ‚Wirkichkei ist, ehren ihren Retter. Doch dann merkt Walter, dass das Gift zu wirken beginnt und Albano verkündet verzweifelt, dass er sterbe. Er und Aldona stützen ihn und führen ihn ans Fenster, wo er die Morgendämmerung begrüßt. Dann stirbt er.
Willis
1) treten mit Blumenkränzen und Lorbeerzweigen ein und knien ehrfürchtig vor dem Leichnam nieder.

1) Der Sage nach Geister junger Mädchen, die von ihrem Liebhaber verlassen wurden: Vgl. Piuccini „le Villi“ bzw. Adam “ Giselle“

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
Die Handlung resultiert aus einer Versdichtung von Adam Mickiewicz aus dem Jahr 1828. Bei der Uraufführung fand die Oper großen Anklang und wurde in einer überarbeiteten Fassung vielfach in Italien, aber auch in Buenos Aires, Montevideo,Chicago und St. Peterburg aufgeführt.
Der Inhaltsangabe liegt das italienische Libretto zugrunde.
Es gibt Aufnahmen auf CD, z.B.:

Eine Videoaufnahme auf DVD habe ich nicht gefunden.
Auf youtube gibt es eine Gesamtaufnahme und verschiedene Ausschnitte.

Gestaltung Agentur kuh vadis