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PONCHIELLI, Amilcare: MARION DELORME

PONCHIELLI, Amilcare (1834 – 1886)
MARION DELORME

Melodramma in 4 Akten
Libretto von Enrico Golisciani
Uraufführung: 1885 am Teatro alla Scala in Mailand
Originalsprache: Italienisch

Personen der Handlung
Marion Delorme, Kurtisane (Sopran)
Didier, ein Offizier, Neffe des Marquis von Nagis (Tenor)
Marquis di Saverny (Bariton)
Laffemas, Präfekt (Bass)
Lelio, ein Schauspieler(Mezzosopran)
Brichanteau, ein Offizier (Tenor)
Hauptmann der Bogenschützen (Bass)
Ein Gefängniswärter (Bass)Erster Akt
Ein Ausrufer (Bass)
Offiziere, Schauspieler, Vasallen des Marquis von Nangis, Volk
Statisten: Marquis von Nagis, ein Ratsherr der Justizkammer, Bogenschützen.

Ort und Zeit der Handlung: Frankreich 1638

Erster Akt

Marions Zimmer mit Terrasse in Blois. Abend
Ein Verehrer der Kurtisane Marion, Marquis de Saverny, hat sie, nachdem sie sich aus Paris zurückgezogen hat, hier aufgefunden. Er berichtet ihr, dass die feine Gesellschaft sie vermisse. Er reicht ihr einen Band mit Gedichten, die jemand auf sie verfasst hat und schildert ihr, wie alle – vor allem er selbst – sich nach ihr verzehren. Sie erklärt, dass sie ihr bisheriges Leben bereue und sich davon lösen möchte. Er aber glaubt ihr nicht und vermutet, dass dahinter noch etwas anderes stecke. Sie versucht, ihn wegen der späten Stunde loszuwerden. Doch er will nicht gehen, ohne zu wissen, wer die Gesllschaft beerben soll. Sie deutet an, dass sie nun eine echte Liebe habe und darauf warte. Den Namen verrät sie nicht und streckt ihm die Hand zum Lebewohl hin. Als er sie zum Abschied küssen will, bittet sie darum, in Ruhe gelassen zu werden. Saverny verabschiedet sich und geht.
Allein, betrachtet Marion ihr bisheriges Leben. Sie sieht die Vergangenheit als trügerische Vision und möchte wahre Liebe erfahren, die sie in dem Offizier Didier zu erleben erhofft. Glücklicherweise ist er nicht – wie sie fürchtet – schon gekommen, als Saverny noch anwesend war und ihr früheres Leben dadurch aufgeflogen wäre.
Als es Mitternacht schlägt, tritt er ein. Didier entschuldigt seine Verspätung mit einem unbestimmten Gefühl, ihren „jungfräulichen Zauber“ zu stören. Er gesteht, dass eine Liebe, wie er sie nie gekannt habe, ihn erfasst habe, als er ihr das erste Mal begregnet sei. Aus seinen Worten entnehmen wir, dass sie sich ihm gegenüber „Maria“ genannt habe. Gemeinsam schwärmen sie sich ihre Liebe vor. Aber als er sie fragt, ob sie seine Gattin werden wolle, sagt sie, dass sie es nicht könne. Er ist zwar erschüttert, aber er sieht es ein. Dann entdeckt er das Buch. liest darauf den Namen „Marion Delorme“ und wundert sich, wie so etwas in ihre Hände gelange. Er wirft es auf den Boden. Sie ist sich bewusst, dass sie ihn immer wird belügen müssen und als er ihre Verlegenheit sieht, entschuldigt er sich. Sie aber schwört, dass sie nichts anderes will, als ihn zu lieben.
Plötzlich hört man Hilfeschreie und vernimmt, dass sechs gegen einen stehen. Didier beobachtet von der Terrasse, dass Räuber einen Ritter verfolgen. Er ergreift sein Schwert und stürzt davon. Erschreckt beobachtet sie, wie er mit ihnen kämpft, sie in die Flucht schlägt, und dann zurückkehrt. Doch auch der Ritter – es ist Saverny – folgt ihm. Didier löscht schnell die Lampe. Saverny tastet sich an Marion heran, und flüstert ihr zu, ob das wohl der „schöne Hirte“ sei, auf den sie gewartet habe. Marion bittet ihn ebenfalls flüsternd, sie nicht zu verraten. Didier seinerseits fragt sich, warum „Maria“ so erstarrte. Er schlägt Saverny vor, gemeinsam mit ihm fortzugehen. Doch dieser stellt sich erst vor und fragt nach dem Namen Didiers. Dann äußert er ironisch, er wolle das Paar nicht länger stören. Doch Didier geht mit ihm und Marion sinkt niedergeschlagen auf einen Stuhl.

Zweiter Akt

Platz in Blois mit einer Taverne und weiteren Häusern
Der Offizier Brichanteau und andere Offiziere singen und trinken. Der Schauspieler Lelio berichtet, dass das Dekret Richelieus, das Duelle unter Todesstrafe stellt, in Paris nichts bewirkt habe. Auf Aufforderung der Offiziere erzählt er eine Geschichte von einem Dichter, der versehentlich einer jungen Dame auf den Fuß tritt und daher von ihrem alten Ehemann zum Duell gefordert und niedergestreckt wird. Daraufhin will der Kardinal auch jeden eifersüchtigen Ehemann an den Galgen bringen.
Weiterhin erzählt er die Geschichte von Dandin
1). Zu diesem sagt eines Tages ein Freund, auf ihn warte eine Jungfrau, die nach ihm schmachte. Dandin geht an den Ort und findet eine alte Frau, die sich ihm anbiedert. Er eilt zu seinem unwürdigen Freund und es kommt zum Duell, bei dem Dandin niedergestreckt wird.
Dann tritt Saverny auf. Er berichtet, dass Marion hier im Ort sei und er zufällig deren Wohnung entdeckt habe. Sie habe einen Liebhaber. Und den sich Wundernden schmückt er die Idylle zu deren Heiterkeit noch weiter aus. Dann wollen alle zugunsten der Liebenden trinken und begeben sich in die Taverne.
Der Präfekt Laffemas tritt auf. Man erfährt von ihm, dass auch er Marion heiß begehrt, aber sie ihn zurückgewiesen habe. Aber da er sich als Arm Richelieus stark fühlt, will er sie zu Boden zwingen. Er betritt das Haus des Probstes.
Didier kommt nachdenkich aus einer Herberge, Er denkt über die Begegnung mit Saverny und dessen Verhalten gegenüber Marie (Marion) nach. Er würde sich mit ihm messen, falls er ihm noch einmal begegnete. Dann kommen Saverny, Lelio, Brichanteau und die Offiziere, noch lachend über die Abenteuer, über die sie gesprochen haben, aus der Taverne. Lelio verabschiedet sich. Didier und Saverny erkennen sich. Didier provoziert ihn bis sie miteinander kämpfen.
Da taucht Marion auf und schreit um Hilfe. Als der Hauptmann der Bogenschützen mit Patrouille und Volk auftaucht, raten einige Offiziere Saverny, sich tot zu stellen und dieser lässt sich fallen. Der Hauptmann lässt Didier festnehmen. Den anderen, der für tot erklärt wird, überlässt er seinem Schicksal. Marion, die Didier retten will, wird vom Hauptmann zurückgewiesen. Didier ruft Marion, ein Lebewohl zu, dann geht er mit den Bogenschützen und dem Volk. Marion läuft ihnen nach und will mit ihm sterben. Die Offiziere vergewissen sich, dass sie allein sind, rufen Saverny wieder ins Leben und fordern ihn auf, schnell zu verschwinden. Den anderen werde Marion retten. Sie sehen jemand kommen und ziehen sich in einen dunkleren Teil des Platzes zurück.
Marion kommt, von der Straße zurückweichend, und ihr folgt in geringem Abstand Laffemas. Sie hat gesehen, wie Didier ins Gefängnis gebracht wurde und fragt sich, wer ihn noch retten könne. Laffemas bietet sich an, doch sie weist ihn erneut zurück und entflieht in die Herberge. Er aber beschließt, dass Didier jetzt sterben müsse und geht. Auch die Übrigen entfernen sich leise.

Dritter Akt

Ein Park beim Schloss der Familien Nangis und Saverny.
Saverny kommt mit Brichanteau, der meint, es wäre eine Torheit gewesen, hierher zu kommen. Aber Saverny, verkleidet als Offizier und mit falschem Bart, glaubt, nicht erkannt zu werden und auf die Feste bei seinem Onkel mit Vorführungen und anmutigen Schauspielerinnen nicht verzichten zu können. Danach kommt Laffemas mit einem Brief Richelieus. Als man fröhliche Stimmen hört, erzählt ihm Brichanteau auf seine Frage, dass im Schloss Komiker und Tänzer empfangen werden. Dann gehen Saverny – unerkannt – und Brichanteau zum Schloss.
Laffemas öffnet den Brief und erfährt erfährt daraus, dass Didier, den er noch für den Mörder Savernys hält, aus dem Gefängnis entflohen ist und sich in der Begleitung Marions befindet. Die beiden Flüchtigen will er fangen. Er eilt schnell davon.
Lelio kommt mit Kommödianten. Sie wollen gemeisam das Drama „Die Launen der Liebe“ proben. Zunächst aber trägt er ihnen ein neues Lied von einem Ehegatten vor, der, wenn er seiner frischvermählten Ehefrau nahe ist, ihr zu Füßen liegt und Mandoline spielt, aber wenn er sich von ihr entfernt, unentwegt nach fremden Mädchen schaut, mit ihnen nach Hause geht und auf ihrem Schoß auf der Mandoline zupft. Dann wandern auch sie zum Schloss.
Marion und Didier erscheinen. Er versucht , sie davon abbringen, seinem künftigen dunklen Leben zu folgen. Doch sie will ihm immer folgen und ihn lieben. Als er bittet, ihn zu verlassen, da es nur Unglück für sie beide bedeute, bricht sie in Tränen aus. Er ist daher schließlich einverstanden, dass sie bei ihm bleibe und beide gestehen sich noch einmal ihre Liebe.
Lelio kommt und sucht Marion, die zur Probe benötigt wird. Wir erfahren auf diese Weise, dass sie sich beide dessen Theatergruppe angeschlossen haben. Lelio nimmt Marion mit und befiehlt Didier, zu bleiben. Didier will es jedoch nicht hinnehmen, dass sie in dieser „Bande“ bleibe.
Savarny kommt und sieht sich suchend um. Als er ihn sieht, spricht er ihn an. Dieser erkennt ihn aber erst, als er seinen Namen nennt. Saverny nennt sich nun seinen Freund, der ihn retten will. Er könne seine Anonymität nicht mehr wahren und solle mit ihm fliehen. Marion Delorme sei bereits erkannt worden. Didier kann mit dem Namen zunächst nichts anfangen und drängt auf Erklärung. Als Saverny ihm nun kundtut, wer seine Geliebte in Wirklichkeit ist, ist er tief erschüttert. Saverny rät ihm, wegzulaufen und schenkt ihm, als er zögert, ein Porträt , das er einst von Marion bekam. Obwohl er ihn tröstet, die Zeit werde Wunden heilen, will Didier bleiben und den Tod auf sich nehmen. So entfernen sich beide in Richtung Burg.
Laffemas tritt erneut auf. Er hat die Burg von Bogenschützen umzingeln lassen und hofft, Didier zu fassen, um sich an Marion für die Zurückweisung zu rächen. Dann spricht er Lelio an, der mit seinen Schauspielern, unter denen auch Marion befindet, und anderen Leuten aus der Burg kommt. Er gibt vor, Richelieu habe ein Stück geschrieben und wolle nun, dass die Truppe es aufführe. Dazu solle jeder seine Künste vorführen. Auch Marion, die sich im Hintergrund gehalten hat, wird nach vorn beordert. Die Schauspielergruppen stellen sich vor. Unterdessen kehrt Didier zurück und Marion nähert sich ihm. Doch er weist sie zurück. Laffemas erklärt, dass er Marion bereits kenne. Da gibt auch Didier sich ihm zu erkennen. Laffemas hält ihn noch immer für den Mörder Savernys. In diesem Moment kommt aber auch dieser und gibt sich zu erkennen. Alle sind überrascht, aber Laffemas freut sich, Richelieu nun zwei Opfer übergeben zu können, und ruft die Bogenschützen herbei.
Marion nähert sich noch einmal Didier, der ihr aber nur Vorwürfe macht, ihn listig getäuscht zu haben. Nun verachte er das Leben und werde sich dem Handlanger Richelieus ergeben. Laffemas, der ihn und Saverny dem Gesetz übergeben will, hofft, dass Marion ihm nun reumütig zu Füßen fallen wird. Didier glaubt, ein Idol aus Schlamm angebetet zu haben. Marion ist innerlich völlig zerrissen. Saverny fühlt sich als Teilnehmer an Didiers „Verbrechen“(Duell) schuldig und will, wenn er sterben muss, mit ihm sterben. Lelio und die Schauspieler sind entsetzt. Dann nimmt Saverny Didier an die Hand und sie begeben sich in die Hände der Bogenschützen. Marion wirft sich tatsächlich Laffemas zu Füßen, der aber nur grimmig lächelt.

Vierter Akt

Alter Innenhof der Festung von Beaugency
Marion kommt. Sie hat beim König eine Begnadigung für Didier erreicht und wartet nun vor verschlossener Tür darauf, dass er entlassen wird. Sie denkt über ihr Leben in Schande nach und hofft nun, dass es besser werde.
Laffemas kommt hinzu. Marion zeigt ihn das Pergament mit der Begnadigung durch den König. Doch dieser hat ein noch neueres Dokument mit der Verurteilung. Er bietet noch einmal an, Didier frei zu machen, wenn sie sich ihm selbst hingebe. Sie weist ihn erneut als verabscheuungswürdig zurück. Er appelliert noch einmal an sie, dass nur sie Didier retten könne und geht.
Allein drückt sie noch einmal ihre ganze Niedergeschlagenheit aus und fällt auf die Knie um Gott um Hilfe zu bitten. Aus der Ferne hört man Laffemas bestätigen, dass Didier in einer Stunde enthauptet werden soll. In ihrer Verzweiflung entschließt sich Marion, das geforderte Opfer zu bringen.
Didier und Saverny kommen, bewacht von vier Bogenschützen. Während sich Didier mit dem Porträt Marions beschäftigt, denkt Saverny über den Sinn des Lebens nach. Ein Gefängniswärter bringt Saverny die Botschaft, dass dessen Onkel bewirkt hat, ihn entfliehen zu lassen. Doch als Saverny auf seine Frage erfährt, dass Didier nicht mit ihm fliehen darf, will er mit ihm sterben. Da der Wärter den Befehl hat, die beiden Gefangenen zu trennen, umarmen sie sich und verabschieden sich voneinander mit dem Gedanken, dass sie gemeinsam zur Hinrichtung schreiten werden. Saverny geht mit dem Wärter.
Didier will das Portrait wegwerfen, doch dann zieht er es wieder an sein Herz und denkt über sein Sterben nach.
Der Gefängniswärter führt Marion herein. Als sie Didier sieht, fällt sie ihm zu Füßen. Sie erklärt ihn, dass er leben werde und sie fliehen wollen. Doch er empfängt sie kalt. Sie erinnert ihn an die Zeit, da sie miteinander glücklich waren und bittet ihn, mit ihr zu fliehen Doch ihrer „Maria“, wie sie sich ihm gegenüber noch nennt, hält er die „Marion“ entgegen. Sie fleht ihn um Gnade an, doch er zeigt, dass er erraten hat, über welchen Weg sie den Zugang zu ihm erlangt hat. Er wirft das Porträt zu Boden, zertritt es, verhöhnt sie und wirft ihr vor, ihn betrogen zu haben.
Da ertönt ein Trommelwirbel. Ein Ratsherr, der Hauptmann mit seinen Bogenschützen, ein Ausrufer und Volk treten auf. Marion registriert, dass die Stunde um ist. Auch Saverny kommt und Didier nennt ihn seinen einzigen Freund. Marion fleht Didier noch einmal um Erbarmen an. Didier kann seine Ergriffenheit nicht mehr zügeln und nimmt sie in die Arme und gesteht ihr seine Liebe. Alle anderen sind von Mitleid ergriffen. Dann verabschiedet sich Didier und begibt sich mit Saverny zu den Bogenschützen. Wachen tragen eine mit Vorhängen geschlossene Sänfte mit dem Wappen Richelieus herein. Marion kniet davor auf der Straße nieder und fleht um Gnade. Doch hinter den Vorhängen ertönt ein „Nein“. Dann wird die Sänfte wieder hinausgetragen. Marion fällt ohnmächtig zu Boden. Als sie wieder zu sich kommt, merkt sie, dass sie allein ist. Man hört wieder einen Trommelwirbel und dann einen Kanonenschuss. Mit dem Ausruf „Ewige Schande über den Kardinal, den König“ bricht sie zusammen.

1) Gestalt aus einer Ballettkomödie von Moliere

© Gerhard Wischniewski

Informationen zum Werk
Das Werk wurde bei seiner Uraufführung 1885 vom Publikum begeistert aufgenommen. Aber die Presse äußerte sich überwiegend negativ. Ponchielli nahm nachträglich noch einige Änderungen vor, mit denen es noch im selben Jahr in Brescia aufgeführt wurde. Nach dem Tod Ponchiellis (12886) wurde sie noch in Venedig, Parma, Rom, SaoPaolo und Rio de Janeiro aufgeführt. Danach verschwand sie lange Zeit von den Spielplänen. Erst 2001 wurde sie in Montpellier wieder aufgenommen.
Die Inhaltsangabe ist ist nach der endgültigen Fassung des Libretto entstanden.
Die Audio-Aufnahme aus Montpellier gibt es auf CD.

Eine Videoaufnahme auf DVD habe ich nicht gefunden.
Auch auf youtube kann man sich die Gesamtaufnahme und einige Ausschnitte anhören

Gestaltung Agentur kuh vadis