informativ

diskussionsfreudig

meinungsbildend

kooperativ

Troubadour-Forum für klassische Vokal- und Instrumentalmusik

Hallo und herzlich Willkommen im Troubadour Forum!

Danke für den Besuch unserer Website. Hier kannst du als Gast in den Hauptthemenbereichen Oper, Operette, Oratorium, Lied und Klavier mitlesen, dich umfangreich informieren und den Meinungsaustausch verfolgen. Den vollen Nutzen des Forums hast du allerdings nur, wenn du angemeldet und registriert bist. Dann kannst du alle Funktionen und Bereiche des Forums uneingeschränkt nutzen. Das heißt, du kannst eigene Beiträge schreiben und einstellen, auf Beiträge anderer Nutzer antworten, eigene Threads eröffnen, mitdiskutieren und dir durch die eigene Mitwirkung ein oft durch intensive Diskussionen erhelltes Meinungsbild schaffen. Das Troubadour-Forum geht über die rein lexikalische Funktion bewusst hinaus. Deshalb haben wir einen Servicebereich aufgebaut, indem du Hilfestellungen bei Anschaffungen, Besuch von Veranstaltungen und Festivals, Aufbau von Bild- und Tonträgerdokumenten und Antwort auf deine Fragen erhalten kannst. Wir verstehen uns jedoch auch als Begegnungsstätte zwischen neuen und erfahrenen Musikfreunden, zwischen Jung und Alt, persönliche Kontakte unter den Nutzern sollen erlaubt und ermöglicht werden. Wir würden uns freuen, wenn du bei uns mitmachst und eventuell auch neue Themen und Ideen einbringst.

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Schubert, Franz, Streichquintett C-dur D.956

Schuberts einziges Streichquintett in der Besetzung mit zwei Celli, komponiert im September 1828, wenige Monate vor seinem Tod, war sein kammermusikalischer Schwanengesang. In einer selbst für ihn einmaligen Weise sind hier alle Qualitäten seiner reifen Instrumentalmusik gebündelt: sinfonische Form, entrückte Klangschönheit und dramatische Kontraste. Die Tragik eines Menschen, dessen Lebensträume nicht in Erfüllung gegangen sind, legt sich wie ein Firnis von Trauer über eines der klangschönsten Werke der Romantik.„Freylich ist’s nicht mehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand mit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern jenes fatale Erkennen der miserablen Wirklichkeit, die ich mir durch meine Phantasie (Gott sey’s gedankt) so viel als möglich zu verschönern suche.“ Diese Zeilen an seinen Bruder Ferdinand von 1824 zeigen das gebrochene Weltverständnis des Komponisten, das er in seinen Briefen und Gedichten zum Ausdruck brachte. Die Pole, zwischen denen sie schwanken – die Illusion ersehnten Glücks und das „fatale Erkennen der miserablen Wirklichkeit“ – bestimmen auch das Quintett.

Zu Beginn des ersten Satzes scheint das Zeitgefühl aufgehoben. Es ist durch endlos gedehnte melodische Bögen außer Kraft gesetzt. Melodien, die kein Ende finden können, scheinen die Schönheit des Lebens wieder und wieder besingen zu wollen wie das zweite Thema der beiden Celli. Der Ausdruck ist der einer tiefen, romantischen Sehnsucht. „Tiefer Sehnsucht heilges Bangen / Will in schönre Welten langen. / Möchte füllen dunklen Raum / Mit allmächtgem Liebestraum.“ (aus Schuberts Gedicht Mein Gebet, 1823). Der „dunkle Raum“ kommt im dritten Thema und in der Durchführung zum Ausdruck, wird jedoch immer wieder vom Gesang „schönrer Welten“ unterbrochen. Der Quintettklang ist dabei von beispielloser Originalität: eine Übereinanderschichtung von Legato-Melodien, Staccatofiguren, rhythmischen Impulsen und Sforzati, die in jeder Phase des ausgedehnten Sonatensatzes neue überraschende Schönheiten, aber auch krasseste Härten offenbart. Hinzukommen die Geheimnisse von Schuberts Modulationen, die innerhalb einer einzigen Phrase den gesamten Quintenzirkel abschreiten können, um den Hörer mal in „schönre Welten“, mal in „dunkle Räume“ zu entführen.

Die Gegensätze verschärfen sich im Adagio. Seine Außenteile (E-Dur) bilden eine kaum noch bewegte statische Klangfläche, die von seufzenden Motiven überlagert wird. Im Mittelteil (f-Moll) entlädt sich eruptiv der Schrei der Verzweiflung , der in Schuberts Briefen sein Pendant hat: „Denke dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendste Hoffnungen zu Nichte geworden sind, dem das Glück der Liebe u. Freundschaft nichts biethen als höchstens Schmerz“. Die Stärke der emotionalen Gegensätze führt zu Extremen in Klang und Dynamik, die alles sprengen, was man in der Kammermusik jener Zeit findet. Sie reichen vom zarten Pizzicato über Doppelgriffe und Tremoli bis zu scharf akzentuirten Synkopen, vom dreifachen Piano bis zum Fortissimo-Sforzato.

Im Scherzo wiederholt sich der grundlegende Kontrast in wiederum anderer Form. Sein Hauptteil ist ein furioses, orchestrales Presto mit imitierten Hornklängen, das Trio ein Andante sostenuto ohne jeden Tanzcharakter, eine Art stilles, flehendes Gebet. Es steht, wie man es bei Beethoven oft findet, in der Tonart des Neapolitaners (Des-Dur), beginnt aber in f-Moll.
Eine ähnliche Verschleierung der Grundtonart eröffnet das Finale. Es beginnt in G-Dur als Dominante von c-Moll, moduliert jedoch sofort nach es-Moll und e-Moll und zeigt erst nach 45 Takten, dass es eigentlich in C-Dur steht. Was man bis dahin gehört hat, ist das Rondothema eines riesenhaften Sonatenrondos. Ihm schließen sich noch zwei weitere Themen an, außerdem eine Durchführung, Reprise und Coda in schnellerem Tempo. Die Reprise wird vom zweiten Thema eingeleitet, so dass das Rondothema für die grandiose Coda aufgespart bleibt.Weiteres kann man hier lesen: https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/3963

In einer ersten Aufnahme möchte ich das Melos-Quartett mit Mistislaw Rostropowitsch vorstellen, die dieses gewaltige Werk, das gleichzeitig in einer finalen Anstrengung das Opus summum in Schuberts Kammermusikschaffen darstellt, im Jahre 1977 in Zürich aufgenommen haben:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

I. Satz : 20:33
II. Satz: 16:02
III. Satz:10:58
IV. Satz: 9:52
______________
Gesamt: 57:25 min.

Liebe Grüße

Willi😀

In einer alternativen Aufnahme  habe ich das Emerson String Quartets mit David Finckel am zweiten Cello, die diesen kammermusikalischen Achttausender am 16. Dezember 2018 in den Parlance Chamber Concerts in der West Side Presbyterian Church in Ridgewood, NJ. aufgenommen haben. Wenn man die Spielzeiten miteinander vergleicht, sieht es so aus, als wenn sie die Exposition im Kopfsatz nicht wiederholt hätten:

00:00 Allegro man non troppo
15:12 Adagio 29:33
Scherzo: Presto. Trio. Andante sostenuto
38:18 Finale: Allegretto

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Liebe Grüße

Willi😀

Gestaltung Agentur kuh vadis