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STRAUSS, Richard: SCHLAGOBERS

Richard Strauss (1864-1949):
SCHLAGOBERS

Heiteres Wiener Ballett in zwei Akten
Libretto vom Komponisten
Choreographie von Heinrich Kröller

Uraufführung am 9. Mai 1924 in der Wiener Staatsoper durch das dortige Ballett.

Rollen: Firmlinge, der Firmling, die Mutter, der Pate, ein Galan, ein älterer Pate, Gäste, Kellner (m/w), General Marzipan, Zwetschgenmänner, Lebkuchen, Prinzessin Teeblüte, Prinz Kaffee, die Vision, Prinz Kakao, Don Zuckero, Prinzessin Praliné, Begleitung der Prinzessinnen und der Prinzen, Hofmarschall Nikolo, Baumkuchen, orientalische Magier, u.v.a.

Erster Akt. In einer Wiener Konditorei.
Fiaker fahren vor der Konditorei vor; Firmlinge mit ihren Paten entsteigen den Fiakern und nehmen an den Tischen Platz. Den herbeieilenden Kellnern gibt man (wen wunderts?) Schokoladengetränke mit Schlagsahne (Schlagobers) in Auftrag. Und dann wandelt sich das Bild und wir sehen – als Zuschauer – plötzlich in die Küche der Konditorei. Und dort entsteigen Marzipane aus ihren Behältern; Zwetschgenmänner und Lebkuchen bekriegen sich im Spiel und die Prinzessin Teeblüte zeigt sich demonstrativ mit den Prinzen Kaffee und Kakao. Don Zuckero hält es nicht mehr auf seinem Platz, er strebt nach vorn und sucht offensichtlich die Beachtung aller Anwesenden. Dann gehen alle – mehr oder weniger zügig – ab und machen Platz für eine Sahneschüssel, aus der Schlagobers quillt.

Zweiter Akt: Krankenzimmer.
Einer der Firmlinge hat Bauchschmerzen und die Diagnose des Arztes lautet: zu viel Schlagobers genascht zu haben, das bedeutet, eine bittere Medizin einnehmen zu müssen. Und die verursacht bei dem Kranken Schläfrigkeit, weshalb er auch genau das macht: einschlafen. Im Traum sieht er Prinzessin Praliné mit Begleitung und aus einer großen Vitrine kommen Mademoiselle Marianne Chartreuse, Ladislaw Slivowitz und Boris Wutky, die beide Mademoiselle Chartreuse umwerben, die übrigens Ladislaw Slivowitz den Vorzug gegenüber Boris Wutky gibt.

Verwandlung in einer Vorstadtstraße.

Orientalische Magier treten mit den unterschiedlichsten Gebäckstücken und Kuchen auf und dieser Auftritt wirkt wie ein Protestzug; dem schließen sich Mademoiselle Chartreuse, Ladislaw Slivowitz und Boris Wutky an. Als Ziel der „Demo“ hat man sich die Konditorei ausgesucht und hier ergießen sich Tee, Kakao und Kaffee über die „Aufständischen“. Das ist für den Herrn Bier das Zeichen einzugreifen und die Wirkung führt zu einer entschiedenen Beruhigung. Dann verkünden Trompetensignale die Ankunft der Prinzessin Praliné mit Gefolge, die übrigens Marianne Chartreuse, Ladislaw Slivowitz und Boris Wutky erlaubt, sich ihnen anzuschließen. Und dann ist da noch der Hofmarschall, der Fürst Nikolo, der für eine allgemeine Versöhnung sorgt, indem er jenen orientalischen Magiern einen Orden übergibt. Die Vitrine, die im ersten Bild des zweiten Aktes erwähnt wurde, verwandelt sich in einen großen Kuchenaufsatz, auf dem Prinzessin Praliné sich niederlässt, und die Huldigung der Menge entgegennimmt. Die letzte Veränderung zu dem Bild ergibt sich durch das Hinzutreten der Firmlinge…

Anmerkung:
Das Libretto von Richard Strauss nimmt die Wiener Tradition des Konditoreihandwerks und der Kaffeehauskultur auf. Zunächst hat man, wie zu lesen ist, die orientalischen Magier als eine Anspielung auf jüdische Elemente aufgefasst, was nach der Generalprobe geändert wurde, um antisemitische Stimmungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die Änderungen betrafen die Magier insoweit, als man ihnen Nikolauskostüme mit Bischofsmützen übergab. Musikalisch sind hier Tänze zu hören wie Ländler, Polka, Menuett, Walzer – und alles in einer wirklich üppig orchestrierten Musik.

Quelle:

Josephslegende/Schlagobers

© Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis