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Johann Strauß (Sohn) 1825-1899: Uraufführung am 13. März 1897 im Theater an der Wien. Personen der Handlung: Ort und Zeit: Chalons, 1794, letztes Jahr von Robespierres Schreckensherrschaft. Vorwort. Erster Akt. Nr.1 – Introduktion; Frauenchor: Bitte sehr, Herr Offizier. Nr. 2 – Auftrittslied Furieux: Selten hab’ ich inspiziert die Mannschaft. Nr. 3 – Damenchor und Offiziere: Kommt her, kommt her. Nr. 3a – Auftrittslied Captain Robert: Den Säbel an der Seite. Nr. 4 – Auftrittslied Gutsbesitzer Bonhomme In meinem Schloss behaglich saß ich. Nr. 5 – Die Jakobiner, Terzettino Wir sind die Jakobiner. Nr. 6 – Auftrittslied der Comtesse: Ein Lied, ein Lied. Nr. 8 – Finale 1: Tutti: O glaube uns, charmantes Kind. Nr. 8a – Auftrittslied der Ernestine: Als Direktrice ward ich ernannt. Zweiter Akt. Nr. 9 – Duett: Captain Robert und Mathilde: Wo bin ich? Ach, ist es ein Traum? Nr. 9a – Solowalzer Bonhomme: Schöne wilde Jugendzeit. Nr.10 – Zankduett: Ernestine und Mathilde: Sie sind in meinem Garten. Nr.11 – Angelobung: Comtesse, Robert, Alle: Bitte sehr, Herr Offizier. Nr.12 – Duett Jacquelin und Ernestine: Als ich noch war Grisette. Nr.13 – Finale 2: Tutti: Nun denn – ich bin’s – ich leugne nicht. Gavott’, Musett’, und die Bourée, Nr.14 – Entr’acte. Dritter Akt. Nr.15 – Introduktion mit Solowalzer: Comtesse, Chor. Hoch, dreimal hoch des Hauses Herr! Nr.16 – Ernestine: Über Felder, über Hecken, en carrière halbtot gehetzt. Monsieur Bonhomme ist auf den Adel nicht gut zu sprechen. Hat man doch seine Lebensmittel aufgefuttert und sein Weinlager geleert. Er fragt sich, wer wohl real Adliger war, und wer nur so tat, als ob. Oberst Furieux gibt sich die Ehre eines neuen Auftritts. Er ist auf der Suche nach Adligen und findet Susette, die Kammerzofe von der Comtesse Mathilde. Sie führen ein Gespräch, das man mit „liebevoll“ bezeichnen könnte. Als Resümee zieht er den Schluss, dass in Liebe und Ehe ein Beschwerdebuch geführt werden sollte, in dem gegenseitige Beanstandungen eingetragen gehörten. Nr.17 – Duett Susette und Furieux: Sind jung die Gatten noch an Jahren. Nr.18 – Quartett Comtesse, Ernestine, Bonhomme, Robert: Vorwärts, greifet zu! Nr.19 – Finale 3 Tutti: Der Schöpfung Meisterstück ist der Husar. Quelle: Johann Strauß (Sohn) 1825-1899: Uraufführung am 13. März 1897 im Theater an der Wien. Personen der Handlung: Ort und Zeit: Chalons, 1794, letztes Jahr von Robespierres Schreckensherrschaft. Vorwort. Erster Akt. Nr.1 – Introduktion; Frauenchor: Bitte sehr, Herr Offizier. Nr. 2 – Auftrittslied Furieux: Selten hab’ ich inspiziert die Mannschaft. Nr. 3 – Damenchor und Offiziere: Kommt her, kommt her. Nr. 3a – Auftrittslied Captain Robert: Den Säbel an der Seite. Nr. 4 – Auftrittslied Gutsbesitzer Bonhomme In meinem Schloss behaglich saß ich. Nr. 5 – Die Jakobiner, Terzettino Wir sind die Jakobiner. Nr. 6 – Auftrittslied der Comtesse: Ein Lied, ein Lied. Nr. 8 – Finale 1: Tutti: O glaube uns, charmantes Kind. Nr. 8a – Auftrittslied der Ernestine: Als Direktrice ward ich ernannt. Zweiter Akt. Nr. 9 – Duett: Captain Robert und Mathilde: Wo bin ich? Ach, ist es ein Traum? Nr. 9a – Solowalzer Bonhomme: Schöne wilde Jugendzeit. Nr.10 – Zankduett: Ernestine und Mathilde: Sie sind in meinem Garten. Nr.11 – Angelobung: Comtesse, Robert, Alle: Bitte sehr, Herr Offizier. Nr.12 – Duett Jacquelin und Ernestine: Als ich noch war Grisette. Nr.13 – Finale 2: Tutti: Nun denn – ich bin’s – ich leugne nicht. Gavott’, Musett’, und die Bourée, Nr.14 – Entr’acte. Dritter Akt. Nr.15 – Introduktion mit Solowalzer: Comtesse, Chor. Hoch, dreimal hoch des Hauses Herr! Nr.16 – Ernestine: Über Felder, über Hecken, en carrière halbtot gehetzt. Monsieur Bonhomme ist auf den Adel nicht gut zu sprechen. Hat man doch seine Lebensmittel aufgefuttert und sein Weinlager geleert. Er fragt sich, wer wohl real Adliger war, und wer nur so tat, als ob. Oberst Furieux gibt sich die Ehre eines neuen Auftritts. Er ist auf der Suche nach Adligen und findet Susette, die Kammerzofe von der Comtesse Mathilde. Sie führen ein Gespräch, das man mit „liebevoll“ bezeichnen könnte. Als Resümee zieht er den Schluss, dass in Liebe und Ehe ein Beschwerdebuch geführt werden sollte, in dem gegenseitige Beanstandungen eingetragen gehörten. Nr.17 – Duett Susette und Furieux: Sind jung die Gatten noch an Jahren. Nr.18 – Quartett Comtesse, Ernestine, Bonhomme, Robert: Vorwärts, greifet zu! Nr.19 – Finale 3 Tutti: Der Schöpfung Meisterstück ist der Husar. Quelle: Nachwort zur obigen Inhaltsangabe. Die Göttin der Vernunft ist die letzte vollendete Operette von Johann Strauß (Sohn) und beruht auf einem Libretto von Alfred Maria Willner und Bernhard Buchbinder und wurde am 13. März 1897 am Theater an der Wien uraufgeführt. Der Komponist war von dem Sujet, das 1794 während der Französischen Revolution in Chalons spielt und durchaus als ein antichristlicher Stoff bezeichnet werden kann, enttäuscht. Er hat versucht, seine Arbeit einzustellen, wurde aber daraufhin von Willner, einem Advokaten, mit einer Klage wegen Vertragsverletzung bedroht. Deshalb hat er die Komposition vollendet. An der Uraufführung nahm er allerdings wegen einer angeblichen Bronchialinfektion nicht teil; Adolf Müller jun., der später die Operette „Wiener Blut“ auf Strauß-Melodien zusammenstellte, war der Dirigent der Uraufführung. Übrigens war Johannes Brahms in der Premiere, sein letzter öffentlicher Auftritt vor seinem Tode. 1909, zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten, wurde die Musik auf Veranlassung von Strauß’ Witwe einem völlig neuen Libretto von Felix Salten mit dem Titel Reiche Mädchen unterlegt. Auch Willner hat das Libretto der Göttin der Vernunft nochmal umgearbeitet, nämlich für Franz Lehár und der schuf daraus die Erfolgsoperette Der Graf von Luxemburg, während Reiche Mädchen in Vergessenheit geriet. Die Operette spielt 1794 während Robespierres’ Schreckensherrschaft. Im Mittelpunkt steht dessen Plan, das Christentum durch eine Staatsreligion zu ersetzen, die die Göttin der Vernunft verehrt. Nachwort zur obigen Inhaltsangabe. Die Göttin der Vernunft ist die letzte vollendete Operette von Johann Strauß (Sohn) und beruht auf einem Libretto von Alfred Maria Willner und Bernhard Buchbinder und wurde am 13. März 1897 am Theater an der Wien uraufgeführt. Der Komponist war von dem Sujet, das 1794 während der Französischen Revolution in Chalons spielt und durchaus als ein antichristlicher Stoff bezeichnet werden kann, enttäuscht. Er hat versucht, seine Arbeit einzustellen, wurde aber daraufhin von Willner, einem Advokaten, mit einer Klage wegen Vertragsverletzung bedroht. Deshalb hat er die Komposition vollendet. An der Uraufführung nahm er allerdings wegen einer angeblichen Bronchialinfektion nicht teil; Adolf Müller jun., der später die Operette „Wiener Blut“ auf Strauß-Melodien zusammenstellte, war der Dirigent der Uraufführung. Übrigens war Johannes Brahms in der Premiere, sein letzter öffentlicher Auftritt vor seinem Tode. 1909, zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten, wurde die Musik auf Veranlassung von Strauß’ Witwe einem völlig neuen Libretto von Felix Salten mit dem Titel Reiche Mädchen unterlegt. Auch Willner hat das Libretto der Göttin der Vernunft nochmal umgearbeitet, nämlich für Franz Lehár und der schuf daraus die Erfolgsoperette Der Graf von Luxemburg, während Reiche Mädchen in Vergessenheit geriet. Die Operette spielt 1794 während Robespierres’ Schreckensherrschaft. Im Mittelpunkt steht dessen Plan, das Christentum durch eine Staatsreligion zu ersetzen, die die Göttin der Vernunft verehrt.STRAUSS (Sohn), Johann: DIE GÖTTIN DER VERNUNFT
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DIE GÖTTIN DER VERNUNFT
Operette in drei Akten
Libretto von Alfred Maria Willner und Bernhard Buchbinder
Comtesse Mathilde de Nevers (Sopran)
Colonel Furieux, 40 Jahre alt (Tenor)
Captain Robert, 30 Jahre alt (Tenor)
Bonhomme, Gutsbesitzer, 60 Jahre alt (Tenor)
Ernestine, Volkssängerin (Sopran)
Jaquelin, Karikaturist (Tenor)
Susette, Kammermädchen der Comtesse (Sopran)
Sergeant Pandore (Bariton)
Jakobiner:
Chalais (Tenor), Balais (Bariton) Calais (Bariton)
Chor / Statisten: Soldaten, Männer, Frauen, Mädchen
Die Inhaltsbeschreibung wurde hier anhand der Musiknummern vorgenommen, da die Operetten-Aufnahme keine Dialoge enthielt.
Hauptquartier der Armee in der Nähe eines Mädchenpensionats (Zu den tugendhaften Schwestern) gelegen. Auf der Veranda sitzen einige Offiziere, die amüsiert die Geschehnisse im Vordergrunde beobachten.
Die Weiber des Städtchen Chalons (nahe der deutschen Grenze gelegen) wollen Marketenderinnen werden und sind sogar bereit, sich das militärische Reglement in allen Punkten anzueignen. Dem Sergeanten Pandore obliegt es, die Namen der Bewerberinnen in eine Liste zu schreiben, die dann, wie es die Tradition gebietet, der Hauptmann, hier ein gewisser Captain Robert, auswählen muss. Sergeant Pandore lernen wir als einen typischen Kommißkopp kennen, wie es ihn in jeder Armee der Welt gibt. Die nächste Bekanntschaft ist ebenfalls ein Militär, aber militärisch eine höher angesiedelt: Oberst Furieux, ein chronischer Wüterich, in dessen Adern kein Blut fließt, sondern glühende Lava, was, wenn die „richtigen Leute“ bei ihm sind, zu eruptiven Ausbrüchen führen kann.
Der Oberst hat eine Inspektion durchgeführt, und die hat er gerade, nicht unbedingt zu seiner Freude, beendet: er konnte nichts beanstanden! Keine lockeren Knöpfe an den Uniformen, alle Waffen ohne Rost und blank und selbst bei der Verpflegung war alles in Ordnung. Folglich gab es auch keine Notwendigkeit für einen Rapport! Der Kommentar von Herrn Oberst Furieux lautet: Es ist zum Auswachsen! Der nächste, den wir nach dem Willen des Autors kennenlernen müssen, heißt Jacquelin und war in Paris Karikaturist. Von dort musste er fliehen, da er mit seinen politischen Zeichnungen bei gewissen Leuten angeeckt war. Von hier aus, in Chalons, will er mit seiner Geliebten, Ernestine, einer Chansonette, nach Deutschland fliehen. Es ist vertrackt, aber er kommt nicht weier, denn Ernestine hat die Pässe. Während sich die gelangweilten Soldaten auf den angekündigten Auftritt der Primadonna in Chalons freuen, kommt der Herr Oberst mit Drohgebärden gegenüber Jacquelin daher; er droht mit einem Standgerichtsverfahren, wenn Ernestine nicht bis zum Abend mit den Pässen aus Paris kommt.
Die Mädchen des Pensionats lassen in diesem Stück ihre Tugendhaftigkeit mal zurück und besingen freudig das Militärdasein worauf die Herren Offiziere nicht anders können, als einzustimmen und ihr schönes Leben beim Militär hoch zu preisen.
Der Herr Hauptmann stellt sich als ein Husar vor, der das Herz am rechten Fleck hat, vor allem aber viel Glück. Er schreckt vor nichts zurück, lacht jeder Gefahr, legt aber Wert darauf, niemals Treue zu brechen, weil er die auch nie schwören würde. Ein Husar, so resümiert er, ist das Meisterstück der Militär-Evolution.
Der sich hier vorstellt ist ein Einfältiger, denn er liest keine Zeitungen, kümmert sich nicht um Politik, will einfach nur seine Ruhe haben. Doch neulich ist ihm in Paris Unerhörtes widerfahren: eine betrunkene Volksmenge hat einen Karren umringt, auf dem die Chansonette Ernestine als Göttin der Vernunft im Evakostüm zur Kathedrale gefahren wurde. Einer der Betrunkenen rief, dass wohl jeder Patriot jene Göttin Ernestine zur Frau nehmen müsse. Worauf man ihn, Bonhomme, auserwählt habe, eine Scheinehe mit ihr einzugehen. Schließlich konnte er flüchten und nur noch hoffen, dass man ihn auf seinem Gutshof nicht findet.
Drei Robespierristen, vulgo Jakobiner, sind hinter Jacquelin her und stellen sich als echte Revolutionäre vor; ihr Gesang ist zwar lustig anzuhören, enthält aber Bedrohungen der ganz besonderen Art, der Art der französischen Revolution. Nachdem Chalais, Balais und Calais (so heißen sie) weiter gezogen sind, treten Comtesse Mathilde und ihre Zofe Susette auf die Szene. Jetzt kommt auch Sergeant Pandore wieder in Funktion, denn er will die Pässe der beiden sehen, die beide jedoch nicht vorweisen können und deshalb hier festgesetzt werden. Als einige aus der Menge rufen, es seien Adlige, gibt’s Ärger. Aber Bonhomme tritt als Beschwichtiger auf, denn er hat in der Comtesse die Tochter seines früheren Dienstherrn erkannt. Schön, dass sich Mathilde freuen kann, Jacquelin dagegen ist enttäuscht, hatte er doch mit Ernestine und den Pässen gerechnet. Die Konsequenz ist, dass er das „Schwert seiner Hinrichtung“ am nächsten Tag noch über sich schweben lassen muss. Für Verwicklung sorgt nun ausgerechnet Bonhomme, denn der gibt die Comtesse als jene Primadonna Ernestine aus. Oberst Furieux verkündet, dass ein Weib aus Paris kommen würde, das „in Verhaft“ genommen werden müsse. Jacquelin greift ein und präsentiert auch die Comtesse als die Gesuchte. Das ist Furieux suspekt, denn für ihn ist Mathilde zu intelligent und zu anständig. Nein, das kann nicht die Göttin der Vernunft sein! Bonhomme schaltet sich ein und fordert die Comtesse auf, ein richtiges Revolutionslied zu singen, und damit ihre klare Gesinnung unter Beweis zu stellen.
So ganz geheuer ist es der Comtesse nicht bei der Aufforderung, hier einen Gesang vorzutragen, doch trotz aller Nervosität beginnt sie mit dem Lob ihrer Lieder zu Orgelklang in der Schule. Was für Zofe Susette und für Bonhomme nicht überzeugend ist, sie wollen mehr aktuelle Realität. Und Mathilde fällt nichts anderes ein, als über ihr Hündchen Bibi zu singen, was selbstverständlich mit Revolution nichts zu tun hat! Das sehen auch die Offiziere, einschließlich Oberst Furieux, so und geben ihre amüsierten Kommentare ab. Jacquelin meint, er müsse die Gedankenwelt des Herrn Robespierre den Umstehenden erklären und singt, dass eine Dame von Chantant als Göttin präsentiert wurde und zwar in einem Kostüm, das zeitlose Gültigkeit besitze. Womit er diskret die Nacktheit der Göttin (Nr. 7 der Musik) erwähnt hat. Es ist nicht klar, ob die Offizieren diese Andeutungen in Gänze verstanden haben, aber zumindest Furieux ist begeistert und lädt die Comtesse zum Abendessen mit den Offizieren ein.
Mathilde gesteht, beiseite gesungen, dass sie zu schüchtern sei, um sich der Menge in der Weise zu zeigen, wie Jacquelin sie besungen hat. Aber Bonhomme, Jacquelin und Susette meinen sagen zu müssen, Zimperlichkeit sei gerade nicht angesagt. Also wählt Mathilde kurzentschlossen den Weg. sich aus dem Kreis der Offiziere einen Kavalier auszusuchen – was dazu führt, dass die Offiziere plötzlich in Reih’ und Glied vor ihr stehen. Einer ist jedoch uninteressiert sitzen geblieben: Hauptmann Robert, und für den entscheidet sich die Comtesse. Das passt dem Oberst Furieux nicht, er befiehlt Captain Robert, die Nachtwache auf dem Wall anzutreten.
Chansonette Ernestine kommt in einer herrschaftlichen Kutsche vorgefahren, bei der das adlige Wappen, wie deutlich zu sehen ist, entfernt wurde. Was auffällt, ist, dass sie ihren Liebsten Jacquelin links liegen lässt, aber von den Offizieren wissen will, wo das Mädchenpensionat ist, denn sie ist, sagt sie, zur neuen Direktorin ernannt worden. Pflichtgemäß weisen ihr die Offiziere den Weg, und sie verkündet auf dem Weg dahin, dass sie alle bisherigen Lernmethoden über den Haufen werfen will: Bücher, Karten und Mappen muss die neue Bürgerin in Robespierres Staat nicht haben; auch von Wissenschaft muss sie nichts verstehen. Wichtig für die moderne Frau ist, wie man Männer „herumkriegt“ um sie zu heiraten, und wie man für den Nachwuchs sorgt. Eine Revolution in der schulischen Erziehung, gewiss. Aber Ernestine hat noch etwas Wichtiges dabei: sie ist berechtigt, für die Volksversammlung einen Delegierten aus Chalons zu benennen und sie hat auch sofort einen gefunden: Bürger Bonhomme, der aber ist über die Wahl wenig begeistert. Das bleibt aber im Moment ohne Konsequenz, denn Ernestine erfährt gerade, dass Comtesse Mathilde die Göttin der Vernunft sei – und das führt zu einem lautstarken Protest und in der Folge zu einem Chaos, das der Bürger Bonhomme aber noch einmal retten kann: das Ende des ersten Aktes ist das Hochleben auf den Husaren, das Meisterstück der Evolution!
Im Park des Mädchenpensionats.
Mathilde erwacht unter einem Rosenbusch in dem Glauben, zu träumen. Sie wähnt sich als Dornröschen und Robert kommt, um sie küssend zu wecken. Weil Mathilde aber wach ist, geht Roberts Anwandlung daneben: sie weist ihn strikt zurück. Was sich jedoch in beider Gesang nicht heraushören lässt, denn sie duettiert mit ihm über Liebe, Glück und Nachtigall. Anders ergeht es Bürger Bonhomme: er hat eine schlaflose Nacht zugebracht, findet es schrecklich, zwischen Politik und einer Weibergeschichte mit Ernestine geraten zu sein und das mit Comtesse Mathilde liegt ihm auch noch auf der Seele.
Erinnerungen eines älter gewordenen Mannes an die schöne Jugendzeit, die nicht mehr wiederkehrt. Schrecklich, vielleicht, aber Ernestine sorgt nun für Rabatz, als sie Monsieur Bonhomme mit der Comtesse sieht, was sie zunächst in Rage versetzt und letztlich zu einem Streit der beiden Damen führt.
Die beiden Damen fühlen sich als Konkurrentinnen und benehmen sich entsprechend. Die Comtesse hat, wie sie angibt, kein Nachtquartier gefunden und diese Grotte als Ruhebett angenommen. Der Streit könnte explodieren, doch eine jede meint, dass die andere das nicht wert sei. Der Streit wurde also abgesagt. Dafür kommt Oberst Furieux zu einem interessanten Auftritt: er sucht zwar die Göttin der Vernunft, findet aber Mathilde und macht ihr amouröse Avancen. Das lässt Captain Robert ihr zur Seite treten, wodurch es zu einem Streit zwischen den beiden Militärs kommt. Und diesen Streit beendet Furieux mit dem Befehl an den Captain, er solle umgehend mit seiner Schwadron „nach Verdun“ ausrücken. Robert sieht seine Felle schwimmen, doch da legt Sergeant Pandore die Liste der Marketender-Bewerberinnen vor – und er wählt die Comtesse Mathilde. Das lässt Oberst Furieux den Kamm anschwellen, doch er muss sich den Traditionen beim Militär beugen. Mathilde gelobt der Kompanie ihre Treue.
Oberst Furieux hat immer noch Wut im Bauch und sucht einen Schuldigen, an dem er sein Mütchen kühlen kann. Der richtige läuft ihm gerade über den Weg: Jacquelin, dem die Not wegen der fehlenden Pässe ins Gesicht geschrieben steht. Als er sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischen will, fällt ihm ein Skizzenbuch aus der Tasche. Furieux reagiert sofort, hebt es auf und erfährt so den Namen des Besitzers: Jacquelin. Der gibt zu, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, dass die Comtesse nicht die Primadonna Ernestine ist. Furieux zieht seine Steckbriefe zu Rate und weiß auf diese Weise, dass er vor der Comtesse Nevers steht. Und die, beschließt er, wird jetzt gefangen genommen, indem man sie in einen Rausch versetzt! Jacquelin ist von schlechtem Gewissen geplagt; er fragt sich, ob Ernestine ihn wohl noch mag?
Im Quartier Latin, wo das „Bodenstübchen“ lag, waren sie zwar arm, aber doch wunschlos glücklich, und jeder Tag war ein Festtag.
Völlig überraschend sieht man Oberst Furieux die Comtesse de Nevers aus der Auberge ziehen; er verlangt von ihr, dass sie allen Aristokraten der Welt den Tod wünschen soll. Aber die Comtesse weigert sich und Furieux sieht sich gezwungen, Madame mit einer ganz bestimmten Entdeckung zu konfrontieren: sie ist die Comtesse, die gemäß Nachricht aus Paris in Verhaft genommen werden soll. Das passt Captain Robert nicht und er zieht seinen Degen, mit welchem er die Verhaftung verhindern will. Oberst Furieux ist nur einen Wimpernschlag überrascht, dann entlarvt er den Captain als Marquis von Larinière, der sich in die Armee „geschlichen“ habe. Das Geschehen haben Bonhomme und Ernestine beobachtet; die Chansonette verpasst Bonhomme mehrere Rippenstöße, die ihm signalisieren sollen, als Deputierter eingreifen zu müssen. Und er befiehlt allen, sofort „das Maul“ zu halten und sich als verhaftet zu betrachten. Die Reaktion ist eine allgemeine Verblüffung, aber das Volk wird laut, erklärt sich für den Höchsten Gerichtshof – worauf der Deputierte Bonhomme einen überraschenden Einfall präsentiert: er präsentiert Ernestine als Göttin der Vernunft. Die springt auf einen Tisch, reißt sich ihr Kleid herunter und zeigt sich in einem „pikanten“ Kostüm, das ihr von der Revolution angepasst wurde. Um von allen als Kind der Revolution anerkannt zu werden, stimmt sie die Carmagnole an.
mit Compliment zuletzt,
das Tour de main und das Pliéz
sind aus der Mode jetzt!
Der Teufel pfeift dem ganzen Chor
zum Tanz die Melodei;
er spielt derzeit ein Liedel vor,
das ist gar keck und neu…
Die Zeit ist groß, die Zeit ist toll,
sie duldet keine Zopf!
Drum Freundchen, tanz die Carmagnole,
sonst geht’s um deinen Kopf!
In der Villa Bonhomme nahe Chalons. Damen und Herren an den Tischen in bequemen Sesseln sitzend, zechend und plaudernd.
Die Comtesse fordert von den Gästen, dass man ohne Sorge leben solle, denn Glück ist nur geborgt. Und was morgen kommt, wissen wir alle nicht, deshalb geht es nach der Devise Heut ist heut.
Huch, Ernestine kommt völlig derangiert, soll heißen: mit zerrissenem Kleid, auf die Szene und gibt kund, dass sie als abgesetzt gilt. Das Mädchenpensionat ist ab sofort ohne eine Direktorin. Und warum, wenn man fragen darf? „Weil “Pepperl Robespierre“ mit seiner ganzen Zunft wackelt! Ernestine wollte das aber nicht hinnehmen, hat sich mit dem Eva-Kostüm auf dem Markt gezeigt (was natürlich alle Männer toll fanden, nur „die Weiber, diese Neider“, nicht). Die Szene endete mit einer allgemeinen Prügelei, die auch ihr Ruf „Vive la patrie“ nicht beenden konnte. Als dann die jungen Gören aus dem Pensionat auch noch zur Carmagnole zu tanzen begannen, gab es Beschwerden der Eltern. Und Ernestine mitten drin mit dem Ruf „Vive la patrie“ – es war einfach nur schrecklich!
Die beiden singen sich in einen Liebesrausch und manches erinnert an Papageno und Papagena: erst einen Papageno, dann eine Papagena. Susette und Furieux machen auch nach 4 Kindern noch nicht Schluss. Und am Ende des gemeinsamen Lebens, wenn die Gedanken zurückgehen in die Jugendzeit, dann fällt die Entscheidung wieder füreinander! Was alle nicht auf dem Schirm hatten, geschieht jetzt: Ernestine überlässt die Pässe, die sie aus Paris mitgebracht hat, dem Captain Robert, der jetzt ein Marquis ist, und seiner Liebsten, der Comtesse Nevers. Jacquelin ist völlig perplex!
Furieux sorgt noch einmal für anständigen Wirbel: Bonhomme und die beiden Aristokraten sollen festgenommen werden. Aber der Herzog von Braunschweig sorgt mit einem Angriff für klare Verhältnisse: er ist der Onkel der Comtesse und weil er die Grenze zu Gunsten des Deutschen Reiches verschoben hat, kann er schalten und walten, wie es ihm gefällt. Und es gefällt ihm, was als Folge seiner Grenzverschiebung geschieht: Marquis Robert ehelicht die Comtesse, Ernestine nimmt sich ihren Jacquelin und Susette den schon etwas ältlichen Bonhomme. Furieux muss bleiben, was er schon immer war: ein Kommißkopp!
Alle sind glücklich und zufrieden, wobei man möglicherweise die französischen Militärs ausnehmen muss, aber die habn ja noch die Armee als Familie…
DIE GÖTTIN DER VERNUNFT
Operette in drei Akten
Libretto von Alfred Maria Willner und Bernhard Buchbinder
Comtesse Mathilde de Nevers (Sopran)
Colonel Furieux, 40 Jahre alt (Tenor)
Captain Robert, 30 Jahre alt (Tenor)
Bonhomme, Gutsbesitzer, 60 Jahre alt (Tenor)
Ernestine, Volkssängerin (Sopran)
Jaquelin, Karikaturist (Tenor)
Susette, Kammermädchen der Comtesse (Sopran)
Sergeant Pandore (Bariton)
Jakobiner:
Chalais (Tenor), Balais (Bariton) Calais (Bariton)
Chor / Statisten: Soldaten, Männer, Frauen, Mädchen
Die Inhaltsbeschreibung wurde hier anhand der Musiknummern vorgenommen, da die Operetten-Aufnahme keine Dialoge enthielt.
Hauptquartier der Armee in der Nähe eines Mädchenpensionats (Zu den tugendhaften Schwestern) gelegen. Auf der Veranda sitzen einige Offiziere, die amüsiert die Geschehnisse im Vordergrunde beobachten.
Die Weiber des Städtchen Chalons (nahe der deutschen Grenze gelegen) wollen Marketenderinnen werden und sind sogar bereit, sich das militärische Reglement in allen Punkten anzueignen. Dem Sergeanten Pandore obliegt es, die Namen der Bewerberinnen in eine Liste zu schreiben, die dann, wie es die Tradition gebietet, der Hauptmann, hier ein gewisser Captain Robert, auswählen muss. Sergeant Pandore lernen wir als einen typischen Kommißkopp kennen, wie es ihn in jeder Armee der Welt gibt. Die nächste Bekanntschaft ist ebenfalls ein Militär, aber militärisch eine höher angesiedelt: Oberst Furieux, ein chronischer Wüterich, in dessen Adern kein Blut fließt, sondern glühende Lava, was, wenn die „richtigen Leute“ bei ihm sind, zu eruptiven Ausbrüchen führen kann.
Der Oberst hat eine Inspektion durchgeführt, und die hat er gerade, nicht unbedingt zu seiner Freude, beendet: er konnte nichts beanstanden! Keine lockeren Knöpfe an den Uniformen, alle Waffen ohne Rost und blank und selbst bei der Verpflegung war alles in Ordnung. Folglich gab es auch keine Notwendigkeit für einen Rapport! Der Kommentar von Herrn Oberst Furieux lautet: Es ist zum Auswachsen! Der nächste, den wir nach dem Willen des Autors kennenlernen müssen, heißt Jacquelin und war in Paris Karikaturist. Von dort musste er fliehen, da er mit seinen politischen Zeichnungen bei gewissen Leuten angeeckt war. Von hier aus, in Chalons, will er mit seiner Geliebten, Ernestine, einer Chansonette, nach Deutschland fliehen. Es ist vertrackt, aber er kommt nicht weier, denn Ernestine hat die Pässe. Während sich die gelangweilten Soldaten auf den angekündigten Auftritt der Primadonna in Chalons freuen, kommt der Herr Oberst mit Drohgebärden gegenüber Jacquelin daher; er droht mit einem Standgerichtsverfahren, wenn Ernestine nicht bis zum Abend mit den Pässen aus Paris kommt.
Die Mädchen des Pensionats lassen in diesem Stück ihre Tugendhaftigkeit mal zurück und besingen freudig das Militärdasein worauf die Herren Offiziere nicht anders können, als einzustimmen und ihr schönes Leben beim Militär hoch zu preisen.
Der Herr Hauptmann stellt sich als ein Husar vor, der das Herz am rechten Fleck hat, vor allem aber viel Glück. Er schreckt vor nichts zurück, lacht jeder Gefahr, legt aber Wert darauf, niemals Treue zu brechen, weil er die auch nie schwören würde. Ein Husar, so resümiert er, ist das Meisterstück der Militär-Evolution.
Der sich hier vorstellt ist ein Einfältiger, denn er liest keine Zeitungen, kümmert sich nicht um Politik, will einfach nur seine Ruhe haben. Doch neulich ist ihm in Paris Unerhörtes widerfahren: eine betrunkene Volksmenge hat einen Karren umringt, auf dem die Chansonette Ernestine als Göttin der Vernunft im Evakostüm zur Kathedrale gefahren wurde. Einer der Betrunkenen rief, dass wohl jeder Patriot jene Göttin Ernestine zur Frau nehmen müsse. Worauf man ihn, Bonhomme, auserwählt habe, eine Scheinehe mit ihr einzugehen. Schließlich konnte er flüchten und nur noch hoffen, dass man ihn auf seinem Gutshof nicht findet.
Drei Robespierristen, vulgo Jakobiner, sind hinter Jacquelin her und stellen sich als echte Revolutionäre vor; ihr Gesang ist zwar lustig anzuhören, enthält aber Bedrohungen der ganz besonderen Art, der Art der französischen Revolution. Nachdem Chalais, Balais und Calais (so heißen sie) weiter gezogen sind, treten Comtesse Mathilde und ihre Zofe Susette auf die Szene. Jetzt kommt auch Sergeant Pandore wieder in Funktion, denn er will die Pässe der beiden sehen, die beide jedoch nicht vorweisen können und deshalb hier festgesetzt werden. Als einige aus der Menge rufen, es seien Adlige, gibt’s Ärger. Aber Bonhomme tritt als Beschwichtiger auf, denn er hat in der Comtesse die Tochter seines früheren Dienstherrn erkannt. Schön, dass sich Mathilde freuen kann, Jacquelin dagegen ist enttäuscht, hatte er doch mit Ernestine und den Pässen gerechnet. Die Konsequenz ist, dass er das „Schwert seiner Hinrichtung“ am nächsten Tag noch über sich schweben lassen muss. Für Verwicklung sorgt nun ausgerechnet Bonhomme, denn der gibt die Comtesse als jene Primadonna Ernestine aus. Oberst Furieux verkündet, dass ein Weib aus Paris kommen würde, das „in Verhaft“ genommen werden müsse. Jacquelin greift ein und präsentiert auch die Comtesse als die Gesuchte. Das ist Furieux suspekt, denn für ihn ist Mathilde zu intelligent und zu anständig. Nein, das kann nicht die Göttin der Vernunft sein! Bonhomme schaltet sich ein und fordert die Comtesse auf, ein richtiges Revolutionslied zu singen, und damit ihre klare Gesinnung unter Beweis zu stellen.
So ganz geheuer ist es der Comtesse nicht bei der Aufforderung, hier einen Gesang vorzutragen, doch trotz aller Nervosität beginnt sie mit dem Lob ihrer Lieder zu Orgelklang in der Schule. Was für Zofe Susette und für Bonhomme nicht überzeugend ist, sie wollen mehr aktuelle Realität. Und Mathilde fällt nichts anderes ein, als über ihr Hündchen Bibi zu singen, was selbstverständlich mit Revolution nichts zu tun hat! Das sehen auch die Offiziere, einschließlich Oberst Furieux, so und geben ihre amüsierten Kommentare ab. Jacquelin meint, er müsse die Gedankenwelt des Herrn Robespierre den Umstehenden erklären und singt, dass eine Dame von Chantant als Göttin präsentiert wurde und zwar in einem Kostüm, das zeitlose Gültigkeit besitze. Womit er diskret die Nacktheit der Göttin (Nr. 7 der Musik) erwähnt hat. Es ist nicht klar, ob die Offizieren diese Andeutungen in Gänze verstanden haben, aber zumindest Furieux ist begeistert und lädt die Comtesse zum Abendessen mit den Offizieren ein.
Mathilde gesteht, beiseite gesungen, dass sie zu schüchtern sei, um sich der Menge in der Weise zu zeigen, wie Jacquelin sie besungen hat. Aber Bonhomme, Jacquelin und Susette meinen sagen zu müssen, Zimperlichkeit sei gerade nicht angesagt. Also wählt Mathilde kurzentschlossen den Weg. sich aus dem Kreis der Offiziere einen Kavalier auszusuchen – was dazu führt, dass die Offiziere plötzlich in Reih’ und Glied vor ihr stehen. Einer ist jedoch uninteressiert sitzen geblieben: Hauptmann Robert, und für den entscheidet sich die Comtesse. Das passt dem Oberst Furieux nicht, er befiehlt Captain Robert, die Nachtwache auf dem Wall anzutreten.
Chansonette Ernestine kommt in einer herrschaftlichen Kutsche vorgefahren, bei der das adlige Wappen, wie deutlich zu sehen ist, entfernt wurde. Was auffällt, ist, dass sie ihren Liebsten Jacquelin links liegen lässt, aber von den Offizieren wissen will, wo das Mädchenpensionat ist, denn sie ist, sagt sie, zur neuen Direktorin ernannt worden. Pflichtgemäß weisen ihr die Offiziere den Weg, und sie verkündet auf dem Weg dahin, dass sie alle bisherigen Lernmethoden über den Haufen werfen will: Bücher, Karten und Mappen muss die neue Bürgerin in Robespierres Staat nicht haben; auch von Wissenschaft muss sie nichts verstehen. Wichtig für die moderne Frau ist, wie man Männer „herumkriegt“ um sie zu heiraten, und wie man für den Nachwuchs sorgt. Eine Revolution in der schulischen Erziehung, gewiss. Aber Ernestine hat noch etwas Wichtiges dabei: sie ist berechtigt, für die Volksversammlung einen Delegierten aus Chalons zu benennen und sie hat auch sofort einen gefunden: Bürger Bonhomme, der aber ist über die Wahl wenig begeistert. Das bleibt aber im Moment ohne Konsequenz, denn Ernestine erfährt gerade, dass Comtesse Mathilde die Göttin der Vernunft sei – und das führt zu einem lautstarken Protest und in der Folge zu einem Chaos, das der Bürger Bonhomme aber noch einmal retten kann: das Ende des ersten Aktes ist das Hochleben auf den Husaren, das Meisterstück der Evolution!
Im Park des Mädchenpensionats.
Mathilde erwacht unter einem Rosenbusch in dem Glauben, zu träumen. Sie wähnt sich als Dornröschen und Robert kommt, um sie küssend zu wecken. Weil Mathilde aber wach ist, geht Roberts Anwandlung daneben: sie weist ihn strikt zurück. Was sich jedoch in beider Gesang nicht heraushören lässt, denn sie duettiert mit ihm über Liebe, Glück und Nachtigall. Anders ergeht es Bürger Bonhomme: er hat eine schlaflose Nacht zugebracht, findet es schrecklich, zwischen Politik und einer Weibergeschichte mit Ernestine geraten zu sein und das mit Comtesse Mathilde liegt ihm auch noch auf der Seele.
Erinnerungen eines älter gewordenen Mannes an die schöne Jugendzeit, die nicht mehr wiederkehrt. Schrecklich, vielleicht, aber Ernestine sorgt nun für Rabatz, als sie Monsieur Bonhomme mit der Comtesse sieht, was sie zunächst in Rage versetzt und letztlich zu einem Streit der beiden Damen führt.
Die beiden Damen fühlen sich als Konkurrentinnen und benehmen sich entsprechend. Die Comtesse hat, wie sie angibt, kein Nachtquartier gefunden und diese Grotte als Ruhebett angenommen. Der Streit könnte explodieren, doch eine jede meint, dass die andere das nicht wert sei. Der Streit wurde also abgesagt. Dafür kommt Oberst Furieux zu einem interessanten Auftritt: er sucht zwar die Göttin der Vernunft, findet aber Mathilde und macht ihr amouröse Avancen. Das lässt Captain Robert ihr zur Seite treten, wodurch es zu einem Streit zwischen den beiden Militärs kommt. Und diesen Streit beendet Furieux mit dem Befehl an den Captain, er solle umgehend mit seiner Schwadron „nach Verdun“ ausrücken. Robert sieht seine Felle schwimmen, doch da legt Sergeant Pandore die Liste der Marketender-Bewerberinnen vor – und er wählt die Comtesse Mathilde. Das lässt Oberst Furieux den Kamm anschwellen, doch er muss sich den Traditionen beim Militär beugen. Mathilde gelobt der Kompanie ihre Treue.
Oberst Furieux hat immer noch Wut im Bauch und sucht einen Schuldigen, an dem er sein Mütchen kühlen kann. Der richtige läuft ihm gerade über den Weg: Jacquelin, dem die Not wegen der fehlenden Pässe ins Gesicht geschrieben steht. Als er sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischen will, fällt ihm ein Skizzenbuch aus der Tasche. Furieux reagiert sofort, hebt es auf und erfährt so den Namen des Besitzers: Jacquelin. Der gibt zu, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, dass die Comtesse nicht die Primadonna Ernestine ist. Furieux zieht seine Steckbriefe zu Rate und weiß auf diese Weise, dass er vor der Comtesse Nevers steht. Und die, beschließt er, wird jetzt gefangen genommen, indem man sie in einen Rausch versetzt! Jacquelin ist von schlechtem Gewissen geplagt; er fragt sich, ob Ernestine ihn wohl noch mag?
Im Quartier Latin, wo das „Bodenstübchen“ lag, waren sie zwar arm, aber doch wunschlos glücklich, und jeder Tag war ein Festtag.
Völlig überraschend sieht man Oberst Furieux die Comtesse de Nevers aus der Auberge ziehen; er verlangt von ihr, dass sie allen Aristokraten der Welt den Tod wünschen soll. Aber die Comtesse weigert sich und Furieux sieht sich gezwungen, Madame mit einer ganz bestimmten Entdeckung zu konfrontieren: sie ist die Comtesse, die gemäß Nachricht aus Paris in Verhaft genommen werden soll. Das passt Captain Robert nicht und er zieht seinen Degen, mit welchem er die Verhaftung verhindern will. Oberst Furieux ist nur einen Wimpernschlag überrascht, dann entlarvt er den Captain als Marquis von Larinière, der sich in die Armee „geschlichen“ habe. Das Geschehen haben Bonhomme und Ernestine beobachtet; die Chansonette verpasst Bonhomme mehrere Rippenstöße, die ihm signalisieren sollen, als Deputierter eingreifen zu müssen. Und er befiehlt allen, sofort „das Maul“ zu halten und sich als verhaftet zu betrachten. Die Reaktion ist eine allgemeine Verblüffung, aber das Volk wird laut, erklärt sich für den Höchsten Gerichtshof – worauf der Deputierte Bonhomme einen überraschenden Einfall präsentiert: er präsentiert Ernestine als Göttin der Vernunft. Die springt auf einen Tisch, reißt sich ihr Kleid herunter und zeigt sich in einem „pikanten“ Kostüm, das ihr von der Revolution angepasst wurde. Um von allen als Kind der Revolution anerkannt zu werden, stimmt sie die Carmagnole an.
mit Compliment zuletzt,
das Tour de main und das Pliéz
sind aus der Mode jetzt!
Der Teufel pfeift dem ganzen Chor
zum Tanz die Melodei;
er spielt derzeit ein Liedel vor,
das ist gar keck und neu…
Die Zeit ist groß, die Zeit ist toll,
sie duldet keine Zopf!
Drum Freundchen, tanz die Carmagnole,
sonst geht’s um deinen Kopf!
In der Villa Bonhomme nahe Chalons. Damen und Herren an den Tischen in bequemen Sesseln sitzend, zechend und plaudernd.
Die Comtesse fordert von den Gästen, dass man ohne Sorge leben solle, denn Glück ist nur geborgt. Und was morgen kommt, wissen wir alle nicht, deshalb geht es nach der Devise Heut ist heut.
Huch, Ernestine kommt völlig derangiert, soll heißen: mit zerrissenem Kleid, auf die Szene und gibt kund, dass sie als abgesetzt gilt. Das Mädchenpensionat ist ab sofort ohne eine Direktorin. Und warum, wenn man fragen darf? „Weil “Pepperl Robespierre“ mit seiner ganzen Zunft wackelt! Ernestine wollte das aber nicht hinnehmen, hat sich mit dem Eva-Kostüm auf dem Markt gezeigt (was natürlich alle Männer toll fanden, nur „die Weiber, diese Neider“, nicht). Die Szene endete mit einer allgemeinen Prügelei, die auch ihr Ruf „Vive la patrie“ nicht beenden konnte. Als dann die jungen Gören aus dem Pensionat auch noch zur Carmagnole zu tanzen begannen, gab es Beschwerden der Eltern. Und Ernestine mitten drin mit dem Ruf „Vive la patrie“ – es war einfach nur schrecklich!
Die beiden singen sich in einen Liebesrausch und manches erinnert an Papageno und Papagena: erst einen Papageno, dann eine Papagena. Susette und Furieux machen auch nach 4 Kindern noch nicht Schluss. Und am Ende des gemeinsamen Lebens, wenn die Gedanken zurückgehen in die Jugendzeit, dann fällt die Entscheidung wieder füreinander! Was alle nicht auf dem Schirm hatten, geschieht jetzt: Ernestine überlässt die Pässe, die sie aus Paris mitgebracht hat, dem Captain Robert, der jetzt ein Marquis ist, und seiner Liebsten, der Comtesse Nevers. Jacquelin ist völlig perplex!
Furieux sorgt noch einmal für anständigen Wirbel: Bonhomme und die beiden Aristokraten sollen festgenommen werden. Aber der Herzog von Braunschweig sorgt mit einem Angriff für klare Verhältnisse: er ist der Onkel der Comtesse und weil er die Grenze zu Gunsten des Deutschen Reiches verschoben hat, kann er schalten und walten, wie es ihm gefällt. Und es gefällt ihm, was als Folge seiner Grenzverschiebung geschieht: Marquis Robert ehelicht die Comtesse, Ernestine nimmt sich ihren Jacquelin und Susette den schon etwas ältlichen Bonhomme. Furieux muss bleiben, was er schon immer war: ein Kommißkopp!
Alle sind glücklich und zufrieden, wobei man möglicherweise die französischen Militärs ausnehmen muss, aber die habn ja noch die Armee als Familie…
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