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TROJAHN, Manfred: WAS IHR WOLLT

Manfred Trojahn (*1949):
WAS IHR WOLLT
Oper in vier Akten

Libretto von Claus H. Henneberg nach Shakespeares Twelfth Night or Wat You Will.

Uraufführung am 24. Mai 1998 in der Bayerischen Staatsoper, München.

Personen der Handlung:
Orsino, Herzog von Illyrien (Tenor)
Olivia, eine junge Gräfin (Sopran)
Malvolio, ihr Majordomo (Bariton)
Sebastiano, ein junger Edelamm (Bariton)
Viola, seine Schwester (Sopran)
Sir Toby Belch, Olivias Onkel (Bariton)
Sir Andrew Aguecheek, sein Freund (Tenor)
Ein Narr, in Olivias Diensten (Bariton)
Antonio, Freund von Sebastiano (Bass)
Maria, Zofe Olivias (Sopran)
Vier Männer, vier Gerichtsdiener (2 Tenöre, 1 Bariton, 1 Bass)
Chor / Statisterie: Hofgesellschaft, Bediente, Volk.

Ort und Zeit: Ein unbestimmter Ort in Illyrien zu unbestimmter Zeit.

Erster Akt.
Der Beginn des Vierakters ist dramatisch, denn es hat vor der Küste Illyriens ein Schiff so schlimm erwischt, dass man von einem Schiffbruch sprechen kann. Aber auch menschlich gesehen ist es ein Drama, denn die sich täuschend ähnlichen Zwillingsgeschwister Sebastian und Viola haben sich in dem Chaos aus den Augen verloren. Jene Viola wird von den Wellen an den nahen Strand gespült und dort von vier Männern gerettet. Aber Sebastian ist nirgends zu sehen, weshalb Viola annimmt, dass er ertrunken ist. Und das ist der Grund für ihre Klage. Doch die Beruhigungsversuche der vier Männer haben schließlich dafür gesorgt, dass Viola aufgehört hat, zu klagen. Sie erfährt, dass sie in Illyrien gestrandet ist und dass dieses Land von Herzog Orsino regiert wird.

Bei dem Namen wird sie hellhörig und erinnert sich daran, dass dieser Regent mit ihrem Vater gut bekannt war, weshalb sie beschließt, als Mann verkleidet, den Herzog aufzusuchen, um in dessen Dienst zu treten. Die Möglichkeit, dass bei Hofe keine Vakanz besteht, für sie also eine Anstellung unmöglich ist, ist Viola kein Gedanke wert. Sie stellt sich also als Cesario bei Hofe vor, wird sogar vom Herzog empfangen und als hübscher Junge für gut befunden, eine Stelle anzutreten. Orsino hat, was Viola/Cesario wohl kaum vermutet haben dürfte, schon einen Auftrag für „den Neuen“: er wird nämlich als eine Art Rosenkavalier zu der Gräfin Olivia geschickt, die der Herzog schon seit geraumer Zeit liebt, die sein Werben aber stets abblockt. Ihr Argument lautet immer wieder, dass sie um ihren jüngst verstorbenen Bruder trauere.

Im Palais der Olivia hält sich auch ihr Onkel Sir Toby auf, der außerdem noch seinen Freund Henry im „Schlepptau“ hat. Die beiden sind nicht gerade Beispiele für gutes Benehmen, fallen dagegen ständig durch rüpelhaftes Auftreten aus der Rolle. Dazu gehört auch beispielsweise exzessives Trinken, was Olivia großen Verdruss bereitet. Wer ihr dagegen ausnehmend gut gefällt, ist jener Liebesbote, den ihr Herzog Orsino geschickt hat: Cesario.

Zweiter Akt.
Was dieser Akt bringt, ist erstens die Erkenntnis, dass Violas Bruder Sebastiano nicht ertrunken ist, sondern dass er von seinem Freund Antonio aus dem Wasser gerettet wurde. Und zweitens wird bekannt, dass auch Sebastiano erfährt, dass der Freund seines Vaters, eben jener Herzog Orsino, dieses Land regiert. Ist doch klar, dass Sebastiano den Herzog um Hilfe aus seiner Lage bitten will.

Übrigens: Viola/Cesario hatte bei Olivia für Herzog Orsino auch kein Glück, sie musste deren Palais unverrichteter Dinge wieder verlassen. Was den Herzog aber keineswegs daran hinderte, Cesario erneut zur Gräfin zu schicken, der sich abermals eine Abfuhr holte. Was dann aber herauskommt ist möglicherweise der Grund, warum Orsino so hartnäckig beim Liebeswerben bleibt: Olivia hat ihm einen wertvollen Ring zukommen lassen, was der Herzog als Verliebtheit deutet und deshalb ständig „am Ball bleibt“.

Sir Toby hat mit seinem Kumpel Henry, der Zofe Maria und dem Narren von Olivia ein Trinkgelage durchgezogen, dem jedoch der Haushofmeister, Malvolio, mit sehr strengen Worten ein Ende bereitet hat. Das hat den drei Herren und der Dame partout nicht gefallen, weshalb sie sich zu einem Rachefeldzug gegen Malvolio verschworen haben: Ihnen ist nämlich bekannt, dass der Majordomo in die Gräfin verliebt ist, sich aber, wie auch der Herzog Orsino, vergebens um die schöne Olivia bemüht. Das ist doch, sagt sich das Kleeblatt, eine gute Gelegenheit, Malvolio mit einem angeblichen Liebesbrief Olivias zu locken, was tatsächlich verfängt. Der Haushofmeister kann kaum an sich halten, schmeißt sich in Schale und ist des Stelldicheins sicher. Die vier Rächer, Sir Tobi, Henry, Maria und der Narr legen sich auf die Lauer, um zu sehen, wie Olivia ihn herunterputzt. Die Rache ist halt ein Gericht, das wird kalt genossen…

Dritter Akt.
Zu Beginn des dritten Aktes ist kein Gedanke an Rache, aber an Heirat, denn Gräfin Olivia hat doch tatsächlich dem schönen Cesario, verklausuliert zwar, aber eindeutig, eine Art Heiratsantrag gemacht. Wir erinnern natürlich, dass Cesario in Wirklichkeit eine Frau, und zwar die Schwester von Sebastiano, ist. Und: er macht der Gräfin klar, dass er „niemals eine Frau lieben“ werde. Dass die Gedanken von Olivia mit dieser Äußerung des „hübschen Jünglings“ in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt wurden, ist natürlich klar; wir aber wissen, was Cesario/Viola zu der besagten Äußerung veranlasst hat.

Rachegedanken kamen allerdings dem eifersüchtigen Sir Andrew Aguecheek, denn der hat von dem merkwürdigen „Heiratsantrag“ erfahren, weiß aber nicht nicht, dass es Olivia war und Cesario der Antragsempfänger (wahrscheinlich hätte Aguecheek das auch nicht verstanden). In seiner Vorstellung war das Problem für eine Standesperson nur durch ein Duell zu lösen und genau das übermittelt er Cesario auch. Doch der versteht es, dem Sir und seinem Ansinnen auszuweichen und kommt vorerst mit seinem Leben davon.

Aber wir sind in einer Komödie und es fällt nicht schwer, einen weiteren Liebeskandidaten zu benennen, der gerade mit einem Liebesbrief in der Hand mal wieder Gräfin Olivia bestürmt: Malvolio, der Majordomo. Olivia kann sich jedoch nur vorstellen, dass Malvolio nicht „ganz dicht in seinem Oberstübchen“ ist: Und diese entsprechende Äußerung ist mehr oder wenig unkontrolliert gesagt worden, bringt Malvolio derart in Rage, dass er Olivia gegenüber handgreiflich wird und sie umgehend das Personal zu Hilfe ruft. Diese Rufe lassen aber nicht die Bedienten auftreten, sondern alle möglichen anderen, die aus ihren Verstecken kommen und den verliebten Malvolio einsperren.

Cesario ist auch dabei und wird augenblicklich von Sir Toby und Andrew Aguecheek zu einem Duell gefordert, was Sebastianos Freund Antonio, der zufälligerweise vorbeikommt, zu verhindern sucht. Aber da sind vier Gerichtsdiener vor, die ihm schon seit längerem auf den Fersen sind, und Antonio nun als Landesverräter verhaften. Das ist ein Schlag, den Antonio verarbeiten muss; sein Versuch, von Cesario Hilfe zu erhalten, geht nicht in Erfüllung, denn der behauptet, Antonio nicht zu kennen, ihn noch nie gesehen zu haben. Antonio aber glaubte, Cesario sei Sebastiano. Große Verwirrung am Ende des dritten Aktes.

Vierter Akt.
So, wie der dritte Akt sich darbot, beginnt auch der letzte Akt dieser Komödie: die beiden Sirs, Andrew und Toby, wollen immer noch Cesario zu Duell fordern, treffen aber auf Sebastiano, der sie ohne große Mühe in die Flucht schlägt. Das ist für beide eine Kränkung, die man erst einmal verdauen muss. Eine „Verdauungshilfe“ ist beispielsweise ein gutes Glas Wein, das sich auch beide gönnen. Ob es ihnen aber gelingt, den Kummer mit dem Saft der Reben hinunterzuspülen, lassen wir mal dahingestellt. Olivia aber ist von dem „tapferen Cesario“ geradezu begeistert und will ihn partout heiraten. Das Verwirrspiel hat noch eine weitere Stufe genommen, denn Gräfin Olivia hält Sebastiano für den tapferen Cesario. Insofern weiß Sebastiano nicht, wie ihm geschieht, zumal auch er zu denen gehört, die sich in Olivia verliebt haben.

Um die Verwirrung noch weiter zu treiben, kommt nun auch noch ein weiterer Verehrer von Olivia dazu, allerdings ein wohlbekannter: der Herzog von Illyrien nämlich und der hat sich bei Gräfin Olivia anmelden lassen und ist baff, als er erfährt, dass das Objekt seiner Begierde verheiratet ist. Die Folge ist, dass Sebastiano, den auch der Herzog er für jenen Cesario hält, sich eine Standpauke an Vorwürfen anhören muss, was ihm natürlich vollkommen unerklärlich ist. Und die Verwirrung wird noch größer, als jetzt auch noch die beiden Sirs, Andrew und Toby, mit Malvolio auftreten und um Gehör bei Gräfin Olivia bitten. In dem Durcheinander sehen alle plötzlich, dass Sebastiano seine Schwester Viola umarmt und sind wie vom Donner gerührt. Die Blicke, die sie sich zuwerfen, kann man eindeutig klassifizieren: Keiner sieht mehr durch! Es ist die Stunde des Narren: er sagt, das Stück sei nun zu Ende und alle Beteiligten sollten sich mal über ihre Bindungen und Gefühle klar werden…

© Manfred

Gestaltung Agentur kuh vadis