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Verdi, Otello

Liebe alle,

zur Premiere im November hatte ich es einer längeren Auslandsreise wegen nicht geschafft, aber gestern hatte ich nun Gelegenheit, Verdis „Otello“ in einer Neuinszenierung in der Temeswarer Oper zu sehen und zu hören. Dieses Meisterwerk Verdis stand vor nun mehr als 20 Jahren in Moskau sehr regelmäßig auf meinem Opernbesuchsplan, weil es am Stanislawski-Theater, der seinerzeit bedeutendsten Opernbühne der Stadt, mindestens einmal monatlich gegeben wurde – und ich bin fast immer hingegangen. Es gab einen älteren Tenor, der den Otello dort immer sang, eine eindrucksvolle Erscheinung; er machte sängerisch und schaupielerisch vorbildlich die Zerrissenheit dieses Charakters deutlich und ließ das Publikum am Schluß des 4. Aktes oft in Tränen zurück.

Es ist auch jetzt noch schwer, das Bild dieses und anderer Titanen in dieser Rolle (del Monaco, Vickers, Domingo) aus dem Gedächtnis zu verbannen, wenn man einen jungen Sänger in solch einer monumentalen Rolle debütieren sieht. Teodor Ilincai ist 40 Jahre alt und beileibe kein Anfänger; er singt überall dort, wo man sein muß, um auf hohem Niveau im Geschäft zu sein. Er verfügt über blendendes Stimmaterial, und man hört ihm an, wie intensiv er sich mit der Rolle beschäftigt hat. Aber Ilincai stehen (noch) nicht die gestalterischen Möglichkeiten zur Verfügung, Otello nicht nur rasend eifersüchtig, sondern als in vielerlei Hinsicht gebrochenen Charakter differenziert darzustellen. Von daher war es gestern eine mehr als achtbare Leistung, aber wir werden die Entwicklung aufmerksam beobachten: da ist hoffentlich noch mehr drin.

Ähnliches gilt für den Iago des George Proca. Er verfügt über einen klangschönen Bariton, der für Verdi-Partien gut paßt, und er singt nonchalant alle Schurken, die die Opernbühne zu bieten hat. Er gab sich mit dem Iago (auch ein Debüt) große Mühe. Stimmlich steht ihm ohnehin alles zu Gebote, was man in der Rolle braucht. Darstellerisch war er fast ein wenig mehr gefordert als Ilincai, weil das Element der spontan beschlossenen Verstellung dem Iago die Intrige erst ermöglicht – er treibt die Handlung als zentrale Partie voran, nicht Otello. Es ist eindrucksvoll, wie Proca -auch noch ein junger Mann- diesen abgrundtief bösen Charakter gestaltet. Auch hier gilt aber: die Souveränität in der Rollengestaltung wird erst noch kommen. 

Lacrimioara Cristescu singt eine anrührende Desdemona. Die anderen Rollen sind aus dem Haus sehr gut besetzt; stimmlich gefiel mir vor allem der Cassio des Cosmin Ifrim.

Maestro Mihnea Ignat dirigiert souverän und mit einem zuverlässigen Blick für mögliche Untiefen; man merkt, wie intensiv geprobt wurde und wieviel Sicherheit das dem gesamten Ensemble gibt.

Also: es war eine gute Vorstellung. Wir erwarten gerne Wiederholungen und beobachten aufmerksam die weitere stimmliche und darstellerische Beschäftigung der beiden männlichen Protagonisten mit zwei Ausnahmerollen des Opernrepertoires.

Grüße!

Honoria Lucasta

 

 

Erich Ruthner und Attila haben auf diesen Beitrag reagiert.
Erich RuthnerAttila

Liebe alle,

heute nun Otello in einer etwas anderen Besetzung. Vorausgeschickt: es war eine ungleich bessere Vorstellung als die zuletzt besprochene, was vor allen an den beiden Hauptrollen lag.

Marius Vlad Budoiu als Gast in der Rolle des Otello besticht nicht unbedingt durch die Stimme allein. Diese ist gut gebildet, aber nicht (mehr) sehr durchschlagskräftig; Budoiu besticht aber durch sängerische und darstellerische Intelligenz und machte so den Abend zu einem Erlebnis. Gestalterischer Höhepunkt war der 3. Akt. Wie er Desdemona abkanzelt und hier kleinste Einzelheiten -die letztlich belanglos sind- nutzt, um den Fall gegen sie aufzubauen und sich selbst fast etwas wehleidig in die Rolle des Betrogenen zu bringen, war grandios. Danach die kaltlächelnde Finalisierung der Beweisführung durch Iago – Otello windet sich danach in höchster Qual am Boden. Hier paßt auch das Gebrochene, Verletzte des Charakters und der Stimme, das Budoiu meisterhaft darstellt. Sehr, sehr eindrucksvoll, manchmal fast beklemmend. Budoiu singt demnächst in Klausenburg den Tannhäuser. Ich überlege fast, hinzufahren…

Paula Iancic singt mit ihrer Engelsstimme eine anrührende Desdemona – ihr steht das fil di voce so beeindruckend zur Verfügung, daß man sich in einen wahren Rausch hineinhören kann. Es paßt, daß sie von zarter Gestalt ist – Desdemona muß einfach auch vom Äußeren her verletzlich wirken, sonst glaubt man ihr das fast ätherische Wesen nicht. Frau Iancic ist da eine ideale Besetzung. Es ist immer eine Freude, sie zu hören.

George Proca war erneut der Iago. Er hat enorm an der Rollengestaltung gearbeitet. Keine Mätzchen mehr, keine bedrohliche Hampelei – er legt jetzt alle Bosheit in die Stimme, und er wirkt so dunkler, bedrohlicher, abgrundtief böser. Stimmlicher Glanz muß dem Iago nicht zu Gebote stehen; Proca versteht das und arbeitet am Kern der Rolle: das war sehr, sehr gut und gibt Anlaß zu großen Erwartungen für des Sängers Zukunft.

Cosmin Ifrim als Cassio hatte heute einen sehr guten Tag und verlieh der Rolle so etwas wie Statur; sehr gut.

Alle anderen Partien wie in der vorherigen Vorstellung. Mihnea Ignat dirigierte gewohnt souverän, mit schön zu sehendem Engagement und großer Aufmerksamkeit für die Sänger. Ein eindrucksvoller Abend, wenngleich ——-

—– was macht man mit dieser todtraurigen Geschichte? Domingo sagte immer, am liebsten wäre es ihm, das Publikum würde nach dem Tod des Otello einfach still nach Hause gehen. Ich ertappe mich dabei, es mir ebenso zu wünschen. Aber da war ich wohl alleine. Kaum hatte der Maestro den Taktstock aus der Spannung seines Arms entlassen, klatschte die Meute wild los. Stehende Ovationen – sicher angemessen, aber manchmal wäre Stille die respektvollere Option.

Grüße!

Honoria Lucasta

Willi, Gerhard Wischniewski und Attila haben auf diesen Beitrag reagiert.
WilliGerhard WischniewskiAttila

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