Danke für den Besuch unserer Website. Hier kannst du als Gast in den Hauptthemenbereichen Oper, Operette, Oratorium, Lied und Klavier mitlesen, dich umfangreich informieren und den Meinungsaustausch verfolgen. Den vollen Nutzen des Forums hast du allerdings nur, wenn du angemeldet und registriert bist. Dann kannst du alle Funktionen und Bereiche des Forums uneingeschränkt nutzen. Das heißt, du kannst eigene Beiträge schreiben und einstellen, auf Beiträge anderer Nutzer antworten, eigene Threads eröffnen, mitdiskutieren und dir durch die eigene Mitwirkung ein oft durch intensive Diskussionen erhelltes Meinungsbild schaffen. Das Troubadour-Forum geht über die rein lexikalische Funktion bewusst hinaus. Deshalb haben wir einen Servicebereich aufgebaut, indem du Hilfestellungen bei Anschaffungen, Besuch von Veranstaltungen und Festivals, Aufbau von Bild- und Tonträgerdokumenten und Antwort auf deine Fragen erhalten kannst. Wir verstehen uns jedoch auch als Begegnungsstätte zwischen neuen und erfahrenen Musikfreunden, zwischen Jung und Alt, persönliche Kontakte unter den Nutzern sollen erlaubt und ermöglicht werden. Wir würden uns freuen, wenn du bei uns mitmachst und eventuell auch neue Themen und Ideen einbringst.
Antonio Vivaldi (1678-1741): Uraufführung im Januar oder Februar 1724 im Teatro Capranica in Rom. Personen der Handlung: Ort und Zeit: Konstantinopel um 500 n. Chr. Vorgeschichte. Erster Akt. Nicht nur der Hofstaat, auch das gemeine Volk ist zusammengeströmt, um der Hochzeit der Kaiserin Arianna mit ihrem Vertrauten Anastasio beizuwohnen. Im Hochgefühl dieser Heirat ernennt Arianna ihren Gatten sogar zum Mitkaiser. Und genau das ist nicht Jedermanns Sache, wie noch zu sehen sein wird. Der General Amanzio bringt zunächst einmal Unruhe in die Feierlichkeit mit der Warnung, dass der Tyrann Vitaliano schon am Bosporus erschienen sei, dort Eroberungen gemacht habe und nun die Stadt bedrohe. Vitalianos Hauptmann Polidarte trifft mit einem Friedensangebot seines Herrn bei Hofe ein und stellt die Bedingung, dass Arianna mit Vitaliano die Ehe schließen müsse. Das wäre für Anastasio natürlich eine Katastrophe, weshalb er auch dem Boten die Ablehnung des Friedensangebotes mitteilt. Was selbstverständlich Krieg bedeutet. Anastasio stellt sich vor, dass die leuchtenden und liebenden Augen Ariannas ihm die nötige Zuversicht und Kraft geben werden. Tatsächlich ist die Kaiserin von der Entschlusskraft ihres Gemahls beeindruckt, will ihn aber nicht alleine in den Kampf ziehen lassen, sondern auf jeden Fall dabei sein. Szenenwechsel: Ein Feld mit Obstbäumen. Der Bauer Giustino will berühmt werden, beispielsweise auf einem Schlachtfeld. Zunächst aber überkommt den „Helden“ die Müdigkeit, weshalb er sich auf seinem Pflug niederlässt und sich, statt zu pflügen, lieber seinen Träumen hingibt. Und die kommen: so die Göttin Fortuna mit ihren Genien und mit Schätzen beladen, aus heiterem Himmel. Sie fordert Giustino sogar auf, Pflug und Feld sich selbst zu überlassen, dafür jedoch sein Schicksal anzunehmen. Es wirkt so, als sei Giustino der Traum wie ein Befehl vorgekommen, sofort Taten zu vollbringen. Er springt auf und sieht sich plötzlich der Schwester des Kaisers, Leocasta, gegenüber. Ihr folgt ein wilder Bär, der nicht den Eindruck macht, nur spielen zu wollen. Die förmlich heraus geschriene Bitte um Hilfe ist für Giustino das Zeichen, den Kampf mit dem Bären anzunehmen und den sogar zu gewinnen. Das wiederum ist für Leocasta ein wichtiger Grund, den Retter aus höchster Not an den Königshof zu bitten, damit er dort die notwendige Belohnung erhalten kann. Szenenwechsel in ein Zimmer am Königshof. Kaiserin Arianna ist in einer Besprechung mit General Amanzio vertieft und bittet ihn um seine Unterstützung bei ihren Kriegsplänen. Unerwartet kommt Anastasio dazu und stellt seiner Gemahlin eine neue Hofdame namens Flavia vor. Was der Kaiserin unbekannt ist, wir als Zuschauer aber jetzt wissen müssen, ist, dass Flavia in Wirklichkeit der Bruder von Vitaliano, Andronico, ist und zwar als Frau verkleidet. Wir bekommen zusätzlich mit, dass Arianna sich zwar über die „Neue“ am Hofe freut, aber nicht ganz bei der Sache ist, denn sie schickt Flavia zu Leocasta, bedankt sich jedoch bei ihrem Mann mit einem Liebeslied für die Erweiterung ihrer Gesellschaft. General Amanzio ist mit dem Gespräch, das um Einzelheiten der Kriegsführung ging, fertig und verabschiedet sich, um die bevorstehende Schlacht vorzubereiten. Anastasio will ihm nach einem kurzen Besuch bei seiner Schwester folgen. Er kann sich aber nur schwer von Arianna trennen. Szenenenwechsel: Gemach der Leocasta. Leocasta, die Schwester von Anastasio, empfängt die vermeintliche Flavia mit Freundlichkeit und Andronico, der sie liebt, erwähnt beiläufig ein Leid, das durch ihre Gegenwart wiedergutgemacht werde. Daraufhin bietet ihr Giustino, der inzwischen bei Hofe untergekommen ist, seinen Beistand gegen den Verursacher an – was eifersüchtige Gefühle bei Leocasta und Andronico hervorruft. Die Gefühle sind jedoch schnell vergessen, als Anastasio mit der Nachricht hereinplatzt, dass die Kaiserin von den Feinden gefangen genommen werden konnte. Leocasta ist die erste, die einen Vorschlag zur Lösung des Problems macht: sie schlägt vor, dass Giustino, der von Anastasio gerade zum Ritter ernannt wird, einen Überraschungsangriff auf die Feinde starten soll. Diese Ehre ist für Giustino ein Grund, Leocasta seine Treue bis in den Tod zu schwören. Gerade noch ein mehr oder weniger unzufriedener Bauer, ist er jetzt ein geachteter Feldherr. Flavia deutet Leocasta vorsichtig Liebesleid an, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Trotzdem hat sie wohl verstanden, den sie empfiehlt der Hofdame, ihre Liebe besser „im Stillen“ zu bewahren. Andronico dagegen merkt plötzlich, dass eine Rivalin um Leocasta aufgetaucht ist. Szenenwechsel: Eine Ebene vor Konstantinopel mit dem Feldlager Vitalianos. Vitaliano hat seinen martialischen Auftritt mit einem Kampfesruf an seine Leute. Sein Hauptmann der Leibwache, Polidarte, präsentiert ihm nach dem Aufruf die gefangene Arianna. Vitaliano erneuert gegenüber der Gefangenen sein Angebot zur Heirat und damit das Ende aller Kampfhandlungen, doch Arianna bleibt, geradezu verächtlich, bei ihrer Ablehnung. Das macht Vitaliano wütend und er befiehlt Polidarte, Arianna einem Ungeheuer zum Fraß vorzuwerfen. Sollte er allerdings gehofft haben, dass die Kaiserin aus Angst ihre Meinung zu ändern, dann war Vitaliano auf dem Holzweg, denn Arianna ist entschlossen, Vitaliano niemals nachzugeben, sollte es sie auch das Leben kosten. Sie widmet ihrem geliebten Gatten einen letzten Gruß. Zweiter Akt. Man sieht, nach dem Öffnen des Vorhangs, ein Wrack am Strand liegen; aus dem zerstörten Schiff steigen Anastasio und Giustino. Obwohl der Kampf mit dem Feind nicht gerade positiv für die Oströmer ausging, ist ausgerechnet der ehemalige Bauer und jetzige Feldherr Giustino recht zuversichtlich, Vitaliano schlagen können. Die beiden Havarierten suchen Schutz in einer Hirtenhütte und Anastasio äußert die Befürchtung, dass Arianna „in einer Flut von Tränen versinkt“. Hauptmann Polidarte kommt mit Arianna auf die Szene; er will sie, wie seinen „beiseite“ gesprochenen Worten zu entnehmen ist, einem Meeresungeheuer zum Fraß vorwerfen. Sein Vorhaben begleitet er mit einem Lied, das die dem Tode geweihte Kaiserin geradezu verächtlich macht. Unterdessen binden seine Leute Arianna an einen Felsen. Tatsächlich dauert es nicht lange, da wühlt sich ein furchterregendes Ungeheuer durch die Wellen bis an den Felsen und versucht ihn zu „entern“. Die gefesselte Arianna versucht sich zu befreien, bedenkt aber nicht, dass sie dann in die Tiefe rutschen und dem Ungeheuer direkt ins weit geöffnete Maul gleiten würde. Dass sie außerdem Hilferufe aussendet (die ein Echo übrigens verstärkt) kann man als Zuschauer durchaus nachvollziehen. Dass aber Giustino (und Anastasio) nahe sind, ist schon bemerkenswert. Giustino wird auch sofort aktiv (während Anastasio sich der Klage hingibt) und befreit Arianna, soll heißen, dass er das Meeresungeheuer, wie weiland Siegfried den Drachen, besiegt. Arianna ist also befreit, sie wird von Anastasio aufgefangen und beide zeigen sich erleichtert über den Coup Giustinos. Das Angebot, Giustino als Belohnung jeden, aber auch wirklich jeden Wunsch erfüllen zu wollen, lehnt der Held jedoch bescheiden ab. Die Frage, wie man jetzt von diesem schrecklichen Ort weg kommt, könnten alle stellen, doch als Antwort auf diese ungestellte Frage kann man das plötzliche Erscheinen des Generals Amanzio, dessen Schiff unweit des Wracks angelegt hat, ansehen. Während die Personen, Arianna, Giustino und Anastasio, mit einer gewissen Zufriedenheit das Schiff besteigen, bittet Arianna die Götter um eine ruhige Fahrt. Szenenwechsel: Kriegszelt des Vitaliano. Inzwischen hat sich der Feldherr Vitaliano wieder beruhigt, nachdem er offensichtlich zuvor auf Arianna nicht gut zu sprechen war; der Zorn ist also verraucht. Jetzt ist er bereit, dem Vorschlag Polidartes zu folgen, Arianna an der Felsenküste aufzusuchen. Es gibt aber in der Beurteilung des Vorgangs um Arianna Meinungsverschiedenheiten; Vitaliano ist zwar bereit, sich mit Polidarte an die Felsenküste zu begeben, ob er aber die Gelegenheit, sie zu befreien hat oder nur die Möglichkeit, ihre sterblichen Überreste in Empfang zu nehmen, ist zwischen beiden strittig. Die Klarheit ergibt sich am Strand: sie erkennen das tote Meeresungeheuer und Vitaliano äußert seine Hoffnung, dass die Kaiserin noch lebt und sich – hoffentlich – durch seine Tränen und einer ehrlich gemeinten Entschuldigung besänftigen lässt. Szenenwechsel: Palastgarten. Flavia (zur Erinnerung: es ist Andronico, der Bruder Vitalianos, in Verkleidung) versucht, Leocastas Eifersucht zu vertreiben, mit der Versicherung, dass Giustino wegen seiner Tapferkeit zwar „ihre“ Hochachtung besitze, dass „sie“ ihn aber auf keinen Fall begehre. Das verwirrt die Angesprochene und erzählt „ihr“ von Ariannas Rettung durch Giustino. Die Gerettete kommt hinzu und berichtet, dass Giustino eine Entscheidungsschlacht vorbereiten würde, wozu auch sein Schwur gehöre, ihr den Kopf Vitalianos zu Füßen legen zu wollen. Das Publikum kann sich vorstellen, was diese Information in Flavia/Andronico auslöst, wird aber sofort durch Leocastas Vorschlag abgelenkt, dass man zusammen vor die Götter treten solle und um deren Eingreifen beten müsse.Flavia/ Andronico verlässt unter dem Vorwand, die beiden einen Augenblick allein lassen zu wollen den Palastgarten. Leocasta bekommt eine Arie an dieser Stelle, in der die Kaiserin aufgefordert wird, eine Weile die Schönheit im Garten zu genießen. Arianna kann dennoch nicht anders, als an ihren durch die Schlacht gefährdeten Gatten zu denken. Szenenwechsel: Zimmer im Königspalast. Anastasio lässt sich als Sieger feiern, denn Giustino hat Vitaliano gefangen nehmen können. Der gibt sich allerdings nicht als Besiegter, sondern besteht darauf, dass sein Untergang lediglich dem Schicksal geschuldet war und nicht dem Arm Giustinos. Anastasio bleibt jedoch bei seiner Meinung, gesteht Giustino den alleinigen Ruhm zu – sehr zum Missfallen seines Generals Amanzio, der Giustino keinesfalls für einen Soldaten, sondern für einen einfachen Bauern hält. Giustino lässt sich nicht provozieren und bittet darum, den Gefangenen der Kaiserin vorzuführen. Er selbst will unterdessen die letzten noch übrigen Feinde zurückschlagen. General Amanzio überreicht dem Kaiser einen juwelenbesetzten Gurt, den er dem besiegten Vitaliano abgenommen hat, und warnt ihn davor, Giustino zu sehr zu trauen, da dieser sich zu einem neuen Usurpator entwickeln könnte. Das beunruhigt Anastasio sehr, denn plötzlich meint er eine gewissen Nähe zur Kaiserin, seiner Gemahlin, feststellen zu können. Hat General Amanzio seine „Giftspritze“ mit Erfolg bedient? Beide verlassen das Zimmer und Vitaliano kommt mit Arianna hinein. Vitaliano gibt gegenüber der Kaiserin alle seine Vergehen zu, besteht aber darauf, dass er alles nur aus Liebe zu ihr unternommen habe, weshalb er zuversichtlich sein Schicksal in ihre Hände legen wolle. Arianna hat, wie man sofort merkt, kein Interesse an derartigen Liebesbeweisen ruft die Wachen herein und befiehlt ihnen, Vitaliano in den Kerker zu werfen. Das hat allerdings keine Reue bei dem Gefangenen ausgelöst, denn er betrachtet sein Handeln als von Vernunft getragen, Vernunft für die Länder, die man beherrscht und Vernunft auf der persönlichen Ebene. Anders sieht es bei Anastasio und Arianna aus, die sich nach Vitalianos unerfreulichem Abgang im gleichen Zimmer wiedersehen. Anastasio übergibt Arianna den kostbaren Gurt des Besiegten. Als Arianna ihn auffordert, auch an die Belohnung für Giustino zu denken, reagiert der Mitkaiser mit einem gewissen Mißtrauen, die an einen eifersüchtigen Ehemann erinnert. Aber Anastasio fängt sich schnell wieder und spielt einen Ignoranten; er äußert bestimmend, dass er lieber feiern will und bringt auch vor, künftig „im Sinne Cupidos“ regieren zu wollen. Aus Ariannas Gesicht kann man eindeutig Besorgnis ablesen. Szenenwechsel: Waldesgegend. Flavia/Andronico hat Leocasta in den Wald geführt und gibt sich ihr als Mann zu erkennen, erklärt ihr aber auch seine Verliebtheit. Falls er gehofft hat, sein Liebesgeständnis würde von Leocasta goutiert, dann muss er erkennen, sich getäuscht zu haben. Anstatt jedoch vorsichtig und nachsichtig zu reagieren, droht er, ihre Gunst mit Gewalt zu erzwingen. Sie macht das, was wohl jede Frau getan hätte, sie ruft „Hilfe“ (ohne nachzudenken, wer das hier im Wald wohl hören könnte) und es hört tatsächlich jemand, nämlich Giustino, der mit einigen Soldaten, warum nd weshalb auch immer, im Wald unterwegs ist. Andronico hat natürlich gegen die Überzahl an Gegnern keine Chance und lässt sich willig abführen. Allein auf der Szene kommen sich Leocasta und Giustino näher, ja sie gestehen sich gegenseitig ihre Liebe. Giustino bittet die verbliebenen Begleiter, die zitternde Leocasta in den Palast zu bringen. Für sich selbst äußert er in einer Arie, die den Akt abschließt, auf das Schicksal und seine Tapferkeit vertrauen. Dritter Akt. Das Bild zu Beginn dieses Aktes ist von großem Durcheinander gezeichnet, denn das Brüderpaar Vitaliano und Andronico konnte aus dem Gefängnis, einem Turm, der eigentlich als ausbruchssicher galt, fliehen. Das führte natürlich bei den Bewachern zu Frustrationen. Vitaliano allerdings ist derart in Rage, dass er laut verkündet, sich auf jeden Fall an seinen Feinden rächen zu wollen. Szenenwechsel in ein Zimmer im Palast. Kaiserin Arianna ist begeistert von dem Bericht Giustinos, Leocasta gerettet zu haben. Deshalb schenkt sie ihm den Juwelengurt des Vitaliano. Giustino ist, wie man an seinem Gesichtsausdruck sehen kann, dankbar. Aber er ist sich als schlauer Bauer auch mehr als sicher, dass sein Erfolg, noch dazu, wenn er diesen Gurt tragen würde, jede Menge Neider auf den Plan rufen würde. Das private Gespräch hat jedoch einer jener Neider belauscht: General Amanzio. Im Moment tut sich aber nichts, außer dass Arianna an ihren Geliebten, Anastasio, denken muss, von dem sie nie, nie wieder getrennt sein möchte. Jetzt ist die Szene des Lauschers: Amanzio berichtet dem Kaiser von der Belohnung Giustinos durch seine Gattin und erwähnt dabei auch das Geschenk des Gurtes, der ja wohl nur als ein Zeichen der Liebe sein könne. Das ist für Anastasio wie ein Fausthieb in die Magengegend. Diese Nachricht des Generals ist gleichzeitig ein dicker Grund für Eifersucht. Das Publikum ahnt, dass es zu einem „Theater“ kommen wird und – was soll man sagen? – als Arianna mit Giustino auf die Szene kommen (natürlich gänzlich unvorbereitet auf irgendwelche Probleme) geht Anastasio die beiden zornig an und verlangt Aufklärung. Und es kommt, wie es sich Amanzio gewünscht hat: das, wie wir wissen, völlig unschuldige Duo ist baff über den Zorn und können keine den Kaiser auch befriedigende Antwort geben, worauf Anastasio die Kaiserin in die Verbannung schickt und Giustino – ohne Gerichtsurteil – zum Tode verurteilt. Giustino hat aber noch die Möglichkeit, sich von Leocasta zu verabschieden und sagt, dass sie – Bitte – nicht um ihn trauern möge, denn er gehe ohne Groll in den Tod. Diese Aussage stimmt allerdings nicht mit seinem Gesichtsausdruck überein; der lässt eher an innerliches Leid denken. Und Leocasta? Sie will sich nicht damit abgeben, dass der Mann, den sie liebt, für immer nicht mehr Dasein soll. Und der Mann, der für diese Probleme verantwortlich ist? Der reibt sich – womöglich nicht nur in Gedanken, sondern auch in Wirklichkeit – die Hände. Sicherlich hat er das gut gemacht und eine gute Entscheidung – für sich – getroffen. Sein Ziel ist, die jetzt noch Mächtigen zu stürzen und sich selbst an die Spitze des Reiches zu stellen. Aus seiner Arie erfahren wir, dass er schon tausende Bewaffnete hinter sich versammelt hat, die nur darauf warten, endlich losschlagen zu können. Szenenwechsel: Schroffe Gebirgslandschaft. Giustino ist mit Leocastas Hilfe die Flucht gelungen. Er akzeptiert sein wechselhaftes Schicksal und legt sich schlafen und Vitaliano und Andronico finden ihn in dieser Lage. Allerdings können sie den Schlafenden nicht ins Jenseits bringen, denn ein Blitz erleuchtet plötzlich die Szene und zeigt das Grabmal Vitalianos des Älteren, ihres Vaters. Dessen unheimliche Stimme warnt sie, ihren Plan, Giustino zu töten, in die Tat umzusetzen, denn er ist ihr Bruder und kann ihnen, übrigens als Einziger, nicht nur zu einem befriedigenden Leben, sondern auch zu großer Macht verhelfen. Die eindringlichen Worte von Vater Vitaliano verändert tatsächlich die Denkensweise der Brüder: Als Giustino erwacht, erklären sie ihm die Lage und schließen ihn in die Arme. Giustino schafft es seine neuen Brüder zu überreden, den Aufstand des Verräters Amanzio niederzuschlagen und die Ehre Anastasios wiederherzustellen. Szenenwechsel: Zimmer im Palast. Leocasta hält sich in ihrem Zimmer auf und äußert ihre Besorgnis um ihren Geliebten Giustino. Arianna kommt hinzu und berichtet ihr von einem Aufstand des Generals Amanzio, von dem Leocasta allerdings schon gehört hat. Arianna nimmt das zur Kenntnis und stimmt eine Arie an, deren Inhalt ein Vergleich zwischen ihr und einem furchtsamen Reh ist. An anderem Ort, einem weiteren Palastzimmer, sehen die Zuschauer den General Amanzio, der gerade mit Lorbeer zum Herrscher gekrönt wurde, und der sich auf seine Thronbesteigung arios äußert. In Leocastas Zimmer sind Bewaffnete eingedrungen und fackeln nicht lange, nehmen Anastasio und Arianna in Ketten und führen sie in den Thronsaal, wo der neue Herrscher Amanzio sie ohne große Umstände zum Tode verurteilt. Amanzio verurteilt sie zum Tod. Plötzlich hört man Trompeten- und Paukengeschmetter, was auf einen Kampf vor dem Palast hindeutet. In die Lautstärke dringen dann Jubelrufe, die auch den Namen Giustino enthalten. Kurz danach stürmen eben jener Giustino mit Vitaliano und Andronico in den Thronsaal, die Anastasio überwältigen. Der Mitkaiser muss bei Giustino um Verzeihung bitten, dass er den Lügen von General Amanzio geglaubt hat. Und der gibt „zu Protokoll“ nicht nachtragend zu sein, bittet aber im Gegenzug, dass man Vitaliano und Andronico, die er als seine Brüder benennt, nicht verurteilt. Die Folge ist, dass Anastasio nach nur kurzer Überlegung Giustino zum Kaiser und Mitregenten ernennt und ihm zusätzlich noch die Hand seiner Schwester Leocasta verspricht. So nebenbei muss gesagt werden, dass auch das Kaiserpaar, Anastasio und Arianna sich versöhnt haben, was sie duettierend äußern. Die einzige, die noch im Kreis der Versammelten fehlt, ist Leocasta. Die Schwester Anastasios war zu Beginn des Umsturzversuchs von Amanzio geflohen. Jetzt traut sie sich wieder an die Öffentlichkeit und bittet Polidarte, den Hauptmann von Vitalianos Wachleuten, sie über das Schicksal von Aanastasio, Arianna und Giustino zu informieren. Nach der Information fordert sie ihn auf, Giustino mitzuteilen, dass sie so schnell wie möglich zu ihm kommen werde. Verwandlung: Tempel der Göttin Fama. Die Schlussszene ist ein großes Tableau des gesamten Ensembles, von dem abtrünnigen General Amanzio mal abgesehen, die nicht nur Giustinos Krönung zum Mitkaiser feiern, sondern auch noch seine Heirat mit Leocasta. © Manfred Antonio Vivaldi (1678-1741): Uraufführung im Januar oder Februar 1724 im Teatro Capranica in Rom. Personen der Handlung: Ort und Zeit: Konstantinopel um 500 n. Chr. Vorgeschichte. Erster Akt. Nicht nur der Hofstaat, auch das gemeine Volk ist zusammengeströmt, um der Hochzeit der Kaiserin Arianna mit ihrem Vertrauten Anastasio beizuwohnen. Im Hochgefühl dieser Heirat ernennt Arianna ihren Gatten sogar zum Mitkaiser. Und genau das ist nicht Jedermanns Sache, wie noch zu sehen sein wird. Der General Amanzio bringt zunächst einmal Unruhe in die Feierlichkeit mit der Warnung, dass der Tyrann Vitaliano schon am Bosporus erschienen sei, dort Eroberungen gemacht habe und nun die Stadt bedrohe. Vitalianos Hauptmann Polidarte trifft mit einem Friedensangebot seines Herrn bei Hofe ein und stellt die Bedingung, dass Arianna mit Vitaliano die Ehe schließen müsse. Das wäre für Anastasio natürlich eine Katastrophe, weshalb er auch dem Boten die Ablehnung des Friedensangebotes mitteilt. Was selbstverständlich Krieg bedeutet. Anastasio stellt sich vor, dass die leuchtenden und liebenden Augen Ariannas ihm die nötige Zuversicht und Kraft geben werden. Tatsächlich ist die Kaiserin von der Entschlusskraft ihres Gemahls beeindruckt, will ihn aber nicht alleine in den Kampf ziehen lassen, sondern auf jeden Fall dabei sein. Szenenwechsel: Ein Feld mit Obstbäumen. Der Bauer Giustino will berühmt werden, beispielsweise auf einem Schlachtfeld. Zunächst aber überkommt den „Helden“ die Müdigkeit, weshalb er sich auf seinem Pflug niederlässt und sich, statt zu pflügen, lieber seinen Träumen hingibt. Und die kommen: so die Göttin Fortuna mit ihren Genien und mit Schätzen beladen, aus heiterem Himmel. Sie fordert Giustino sogar auf, Pflug und Feld sich selbst zu überlassen, dafür jedoch sein Schicksal anzunehmen. Es wirkt so, als sei Giustino der Traum wie ein Befehl vorgekommen, sofort Taten zu vollbringen. Er springt auf und sieht sich plötzlich der Schwester des Kaisers, Leocasta, gegenüber. Ihr folgt ein wilder Bär, der nicht den Eindruck macht, nur spielen zu wollen. Die förmlich heraus geschriene Bitte um Hilfe ist für Giustino das Zeichen, den Kampf mit dem Bären anzunehmen und den sogar zu gewinnen. Das wiederum ist für Leocasta ein wichtiger Grund, den Retter aus höchster Not an den Königshof zu bitten, damit er dort die notwendige Belohnung erhalten kann. Szenenwechsel in ein Zimmer am Königshof. Kaiserin Arianna ist in einer Besprechung mit General Amanzio vertieft und bittet ihn um seine Unterstützung bei ihren Kriegsplänen. Unerwartet kommt Anastasio dazu und stellt seiner Gemahlin eine neue Hofdame namens Flavia vor. Was der Kaiserin unbekannt ist, wir als Zuschauer aber jetzt wissen müssen, ist, dass Flavia in Wirklichkeit der Bruder von Vitaliano, Andronico, ist und zwar als Frau verkleidet. Wir bekommen zusätzlich mit, dass Arianna sich zwar über die „Neue“ am Hofe freut, aber nicht ganz bei der Sache ist, denn sie schickt Flavia zu Leocasta, bedankt sich jedoch bei ihrem Mann mit einem Liebeslied für die Erweiterung ihrer Gesellschaft. General Amanzio ist mit dem Gespräch, das um Einzelheiten der Kriegsführung ging, fertig und verabschiedet sich, um die bevorstehende Schlacht vorzubereiten. Anastasio will ihm nach einem kurzen Besuch bei seiner Schwester folgen. Er kann sich aber nur schwer von Arianna trennen. Szenenenwechsel: Gemach der Leocasta. Leocasta, die Schwester von Anastasio, empfängt die vermeintliche Flavia mit Freundlichkeit und Andronico, der sie liebt, erwähnt beiläufig ein Leid, das durch ihre Gegenwart wiedergutgemacht werde. Daraufhin bietet ihr Giustino, der inzwischen bei Hofe untergekommen ist, seinen Beistand gegen den Verursacher an – was eifersüchtige Gefühle bei Leocasta und Andronico hervorruft. Die Gefühle sind jedoch schnell vergessen, als Anastasio mit der Nachricht hereinplatzt, dass die Kaiserin von den Feinden gefangen genommen werden konnte. Leocasta ist die erste, die einen Vorschlag zur Lösung des Problems macht: sie schlägt vor, dass Giustino, der von Anastasio gerade zum Ritter ernannt wird, einen Überraschungsangriff auf die Feinde starten soll. Diese Ehre ist für Giustino ein Grund, Leocasta seine Treue bis in den Tod zu schwören. Gerade noch ein mehr oder weniger unzufriedener Bauer, ist er jetzt ein geachteter Feldherr. Flavia deutet Leocasta vorsichtig Liebesleid an, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Trotzdem hat sie wohl verstanden, den sie empfiehlt der Hofdame, ihre Liebe besser „im Stillen“ zu bewahren. Andronico dagegen merkt plötzlich, dass eine Rivalin um Leocasta aufgetaucht ist. Szenenwechsel: Eine Ebene vor Konstantinopel mit dem Feldlager Vitalianos. Vitaliano hat seinen martialischen Auftritt mit einem Kampfesruf an seine Leute. Sein Hauptmann der Leibwache, Polidarte, präsentiert ihm nach dem Aufruf die gefangene Arianna. Vitaliano erneuert gegenüber der Gefangenen sein Angebot zur Heirat und damit das Ende aller Kampfhandlungen, doch Arianna bleibt, geradezu verächtlich, bei ihrer Ablehnung. Das macht Vitaliano wütend und er befiehlt Polidarte, Arianna einem Ungeheuer zum Fraß vorzuwerfen. Sollte er allerdings gehofft haben, dass die Kaiserin aus Angst ihre Meinung zu ändern, dann war Vitaliano auf dem Holzweg, denn Arianna ist entschlossen, Vitaliano niemals nachzugeben, sollte es sie auch das Leben kosten. Sie widmet ihrem geliebten Gatten einen letzten Gruß. Zweiter Akt. Man sieht, nach dem Öffnen des Vorhangs, ein Wrack am Strand liegen; aus dem zerstörten Schiff steigen Anastasio und Giustino. Obwohl der Kampf mit dem Feind nicht gerade positiv für die Oströmer ausging, ist ausgerechnet der ehemalige Bauer und jetzige Feldherr Giustino recht zuversichtlich, Vitaliano schlagen können. Die beiden Havarierten suchen Schutz in einer Hirtenhütte und Anastasio äußert die Befürchtung, dass Arianna „in einer Flut von Tränen versinkt“. Hauptmann Polidarte kommt mit Arianna auf die Szene; er will sie, wie seinen „beiseite“ gesprochenen Worten zu entnehmen ist, einem Meeresungeheuer zum Fraß vorwerfen. Sein Vorhaben begleitet er mit einem Lied, das die dem Tode geweihte Kaiserin geradezu verächtlich macht. Unterdessen binden seine Leute Arianna an einen Felsen. Tatsächlich dauert es nicht lange, da wühlt sich ein furchterregendes Ungeheuer durch die Wellen bis an den Felsen und versucht ihn zu „entern“. Die gefesselte Arianna versucht sich zu befreien, bedenkt aber nicht, dass sie dann in die Tiefe rutschen und dem Ungeheuer direkt ins weit geöffnete Maul gleiten würde. Dass sie außerdem Hilferufe aussendet (die ein Echo übrigens verstärkt) kann man als Zuschauer durchaus nachvollziehen. Dass aber Giustino (und Anastasio) nahe sind, ist schon bemerkenswert. Giustino wird auch sofort aktiv (während Anastasio sich der Klage hingibt) und befreit Arianna, soll heißen, dass er das Meeresungeheuer, wie weiland Siegfried den Drachen, besiegt. Arianna ist also befreit, sie wird von Anastasio aufgefangen und beide zeigen sich erleichtert über den Coup Giustinos. Das Angebot, Giustino als Belohnung jeden, aber auch wirklich jeden Wunsch erfüllen zu wollen, lehnt der Held jedoch bescheiden ab. Die Frage, wie man jetzt von diesem schrecklichen Ort weg kommt, könnten alle stellen, doch als Antwort auf diese ungestellte Frage kann man das plötzliche Erscheinen des Generals Amanzio, dessen Schiff unweit des Wracks angelegt hat, ansehen. Während die Personen, Arianna, Giustino und Anastasio, mit einer gewissen Zufriedenheit das Schiff besteigen, bittet Arianna die Götter um eine ruhige Fahrt. Szenenwechsel: Kriegszelt des Vitaliano. Inzwischen hat sich der Feldherr Vitaliano wieder beruhigt, nachdem er offensichtlich zuvor auf Arianna nicht gut zu sprechen war; der Zorn ist also verraucht. Jetzt ist er bereit, dem Vorschlag Polidartes zu folgen, Arianna an der Felsenküste aufzusuchen. Es gibt aber in der Beurteilung des Vorgangs um Arianna Meinungsverschiedenheiten; Vitaliano ist zwar bereit, sich mit Polidarte an die Felsenküste zu begeben, ob er aber die Gelegenheit, sie zu befreien hat oder nur die Möglichkeit, ihre sterblichen Überreste in Empfang zu nehmen, ist zwischen beiden strittig. Die Klarheit ergibt sich am Strand: sie erkennen das tote Meeresungeheuer und Vitaliano äußert seine Hoffnung, dass die Kaiserin noch lebt und sich – hoffentlich – durch seine Tränen und einer ehrlich gemeinten Entschuldigung besänftigen lässt. Szenenwechsel: Palastgarten. Flavia (zur Erinnerung: es ist Andronico, der Bruder Vitalianos, in Verkleidung) versucht, Leocastas Eifersucht zu vertreiben, mit der Versicherung, dass Giustino wegen seiner Tapferkeit zwar „ihre“ Hochachtung besitze, dass „sie“ ihn aber auf keinen Fall begehre. Das verwirrt die Angesprochene und erzählt „ihr“ von Ariannas Rettung durch Giustino. Die Gerettete kommt hinzu und berichtet, dass Giustino eine Entscheidungsschlacht vorbereiten würde, wozu auch sein Schwur gehöre, ihr den Kopf Vitalianos zu Füßen legen zu wollen. Das Publikum kann sich vorstellen, was diese Information in Flavia/Andronico auslöst, wird aber sofort durch Leocastas Vorschlag abgelenkt, dass man zusammen vor die Götter treten solle und um deren Eingreifen beten müsse.Flavia/ Andronico verlässt unter dem Vorwand, die beiden einen Augenblick allein lassen zu wollen den Palastgarten. Leocasta bekommt eine Arie an dieser Stelle, in der die Kaiserin aufgefordert wird, eine Weile die Schönheit im Garten zu genießen. Arianna kann dennoch nicht anders, als an ihren durch die Schlacht gefährdeten Gatten zu denken. Szenenwechsel: Zimmer im Königspalast. Anastasio lässt sich als Sieger feiern, denn Giustino hat Vitaliano gefangen nehmen können. Der gibt sich allerdings nicht als Besiegter, sondern besteht darauf, dass sein Untergang lediglich dem Schicksal geschuldet war und nicht dem Arm Giustinos. Anastasio bleibt jedoch bei seiner Meinung, gesteht Giustino den alleinigen Ruhm zu – sehr zum Missfallen seines Generals Amanzio, der Giustino keinesfalls für einen Soldaten, sondern für einen einfachen Bauern hält. Giustino lässt sich nicht provozieren und bittet darum, den Gefangenen der Kaiserin vorzuführen. Er selbst will unterdessen die letzten noch übrigen Feinde zurückschlagen. General Amanzio überreicht dem Kaiser einen juwelenbesetzten Gurt, den er dem besiegten Vitaliano abgenommen hat, und warnt ihn davor, Giustino zu sehr zu trauen, da dieser sich zu einem neuen Usurpator entwickeln könnte. Das beunruhigt Anastasio sehr, denn plötzlich meint er eine gewissen Nähe zur Kaiserin, seiner Gemahlin, feststellen zu können. Hat General Amanzio seine „Giftspritze“ mit Erfolg bedient? Beide verlassen das Zimmer und Vitaliano kommt mit Arianna hinein. Vitaliano gibt gegenüber der Kaiserin alle seine Vergehen zu, besteht aber darauf, dass er alles nur aus Liebe zu ihr unternommen habe, weshalb er zuversichtlich sein Schicksal in ihre Hände legen wolle. Arianna hat, wie man sofort merkt, kein Interesse an derartigen Liebesbeweisen ruft die Wachen herein und befiehlt ihnen, Vitaliano in den Kerker zu werfen. Das hat allerdings keine Reue bei dem Gefangenen ausgelöst, denn er betrachtet sein Handeln als von Vernunft getragen, Vernunft für die Länder, die man beherrscht und Vernunft auf der persönlichen Ebene. Anders sieht es bei Anastasio und Arianna aus, die sich nach Vitalianos unerfreulichem Abgang im gleichen Zimmer wiedersehen. Anastasio übergibt Arianna den kostbaren Gurt des Besiegten. Als Arianna ihn auffordert, auch an die Belohnung für Giustino zu denken, reagiert der Mitkaiser mit einem gewissen Mißtrauen, die an einen eifersüchtigen Ehemann erinnert. Aber Anastasio fängt sich schnell wieder und spielt einen Ignoranten; er äußert bestimmend, dass er lieber feiern will und bringt auch vor, künftig „im Sinne Cupidos“ regieren zu wollen. Aus Ariannas Gesicht kann man eindeutig Besorgnis ablesen. Szenenwechsel: Waldesgegend. Flavia/Andronico hat Leocasta in den Wald geführt und gibt sich ihr als Mann zu erkennen, erklärt ihr aber auch seine Verliebtheit. Falls er gehofft hat, sein Liebesgeständnis würde von Leocasta goutiert, dann muss er erkennen, sich getäuscht zu haben. Anstatt jedoch vorsichtig und nachsichtig zu reagieren, droht er, ihre Gunst mit Gewalt zu erzwingen. Sie macht das, was wohl jede Frau getan hätte, sie ruft „Hilfe“ (ohne nachzudenken, wer das hier im Wald wohl hören könnte) und es hört tatsächlich jemand, nämlich Giustino, der mit einigen Soldaten, warum nd weshalb auch immer, im Wald unterwegs ist. Andronico hat natürlich gegen die Überzahl an Gegnern keine Chance und lässt sich willig abführen. Allein auf der Szene kommen sich Leocasta und Giustino näher, ja sie gestehen sich gegenseitig ihre Liebe. Giustino bittet die verbliebenen Begleiter, die zitternde Leocasta in den Palast zu bringen. Für sich selbst äußert er in einer Arie, die den Akt abschließt, auf das Schicksal und seine Tapferkeit vertrauen. Dritter Akt. Das Bild zu Beginn dieses Aktes ist von großem Durcheinander gezeichnet, denn das Brüderpaar Vitaliano und Andronico konnte aus dem Gefängnis, einem Turm, der eigentlich als ausbruchssicher galt, fliehen. Das führte natürlich bei den Bewachern zu Frustrationen. Vitaliano allerdings ist derart in Rage, dass er laut verkündet, sich auf jeden Fall an seinen Feinden rächen zu wollen. Szenenwechsel in ein Zimmer im Palast. Kaiserin Arianna ist begeistert von dem Bericht Giustinos, Leocasta gerettet zu haben. Deshalb schenkt sie ihm den Juwelengurt des Vitaliano. Giustino ist, wie man an seinem Gesichtsausdruck sehen kann, dankbar. Aber er ist sich als schlauer Bauer auch mehr als sicher, dass sein Erfolg, noch dazu, wenn er diesen Gurt tragen würde, jede Menge Neider auf den Plan rufen würde. Das private Gespräch hat jedoch einer jener Neider belauscht: General Amanzio. Im Moment tut sich aber nichts, außer dass Arianna an ihren Geliebten, Anastasio, denken muss, von dem sie nie, nie wieder getrennt sein möchte. Jetzt ist die Szene des Lauschers: Amanzio berichtet dem Kaiser von der Belohnung Giustinos durch seine Gattin und erwähnt dabei auch das Geschenk des Gurtes, der ja wohl nur als ein Zeichen der Liebe sein könne. Das ist für Anastasio wie ein Fausthieb in die Magengegend. Diese Nachricht des Generals ist gleichzeitig ein dicker Grund für Eifersucht. Das Publikum ahnt, dass es zu einem „Theater“ kommen wird und – was soll man sagen? – als Arianna mit Giustino auf die Szene kommen (natürlich gänzlich unvorbereitet auf irgendwelche Probleme) geht Anastasio die beiden zornig an und verlangt Aufklärung. Und es kommt, wie es sich Amanzio gewünscht hat: das, wie wir wissen, völlig unschuldige Duo ist baff über den Zorn und können keine den Kaiser auch befriedigende Antwort geben, worauf Anastasio die Kaiserin in die Verbannung schickt und Giustino – ohne Gerichtsurteil – zum Tode verurteilt. Giustino hat aber noch die Möglichkeit, sich von Leocasta zu verabschieden und sagt, dass sie – Bitte – nicht um ihn trauern möge, denn er gehe ohne Groll in den Tod. Diese Aussage stimmt allerdings nicht mit seinem Gesichtsausdruck überein; der lässt eher an innerliches Leid denken. Und Leocasta? Sie will sich nicht damit abgeben, dass der Mann, den sie liebt, für immer nicht mehr Dasein soll. Und der Mann, der für diese Probleme verantwortlich ist? Der reibt sich – womöglich nicht nur in Gedanken, sondern auch in Wirklichkeit – die Hände. Sicherlich hat er das gut gemacht und eine gute Entscheidung – für sich – getroffen. Sein Ziel ist, die jetzt noch Mächtigen zu stürzen und sich selbst an die Spitze des Reiches zu stellen. Aus seiner Arie erfahren wir, dass er schon tausende Bewaffnete hinter sich versammelt hat, die nur darauf warten, endlich losschlagen zu können. Szenenwechsel: Schroffe Gebirgslandschaft. Giustino ist mit Leocastas Hilfe die Flucht gelungen. Er akzeptiert sein wechselhaftes Schicksal und legt sich schlafen und Vitaliano und Andronico finden ihn in dieser Lage. Allerdings können sie den Schlafenden nicht ins Jenseits bringen, denn ein Blitz erleuchtet plötzlich die Szene und zeigt das Grabmal Vitalianos des Älteren, ihres Vaters. Dessen unheimliche Stimme warnt sie, ihren Plan, Giustino zu töten, in die Tat umzusetzen, denn er ist ihr Bruder und kann ihnen, übrigens als Einziger, nicht nur zu einem befriedigenden Leben, sondern auch zu großer Macht verhelfen. Die eindringlichen Worte von Vater Vitaliano verändert tatsächlich die Denkensweise der Brüder: Als Giustino erwacht, erklären sie ihm die Lage und schließen ihn in die Arme. Giustino schafft es seine neuen Brüder zu überreden, den Aufstand des Verräters Amanzio niederzuschlagen und die Ehre Anastasios wiederherzustellen. Szenenwechsel: Zimmer im Palast. Leocasta hält sich in ihrem Zimmer auf und äußert ihre Besorgnis um ihren Geliebten Giustino. Arianna kommt hinzu und berichtet ihr von einem Aufstand des Generals Amanzio, von dem Leocasta allerdings schon gehört hat. Arianna nimmt das zur Kenntnis und stimmt eine Arie an, deren Inhalt ein Vergleich zwischen ihr und einem furchtsamen Reh ist. An anderem Ort, einem weiteren Palastzimmer, sehen die Zuschauer den General Amanzio, der gerade mit Lorbeer zum Herrscher gekrönt wurde, und der sich auf seine Thronbesteigung arios äußert. In Leocastas Zimmer sind Bewaffnete eingedrungen und fackeln nicht lange, nehmen Anastasio und Arianna in Ketten und führen sie in den Thronsaal, wo der neue Herrscher Amanzio sie ohne große Umstände zum Tode verurteilt. Amanzio verurteilt sie zum Tod. Plötzlich hört man Trompeten- und Paukengeschmetter, was auf einen Kampf vor dem Palast hindeutet. In die Lautstärke dringen dann Jubelrufe, die auch den Namen Giustino enthalten. Kurz danach stürmen eben jener Giustino mit Vitaliano und Andronico in den Thronsaal, die Anastasio überwältigen. Der Mitkaiser muss bei Giustino um Verzeihung bitten, dass er den Lügen von General Amanzio geglaubt hat. Und der gibt „zu Protokoll“ nicht nachtragend zu sein, bittet aber im Gegenzug, dass man Vitaliano und Andronico, die er als seine Brüder benennt, nicht verurteilt. Die Folge ist, dass Anastasio nach nur kurzer Überlegung Giustino zum Kaiser und Mitregenten ernennt und ihm zusätzlich noch die Hand seiner Schwester Leocasta verspricht. So nebenbei muss gesagt werden, dass auch das Kaiserpaar, Anastasio und Arianna sich versöhnt haben, was sie duettierend äußern. Die einzige, die noch im Kreis der Versammelten fehlt, ist Leocasta. Die Schwester Anastasios war zu Beginn des Umsturzversuchs von Amanzio geflohen. Jetzt traut sie sich wieder an die Öffentlichkeit und bittet Polidarte, den Hauptmann von Vitalianos Wachleuten, sie über das Schicksal von Aanastasio, Arianna und Giustino zu informieren. Nach der Information fordert sie ihn auf, Giustino mitzuteilen, dass sie so schnell wie möglich zu ihm kommen werde. Verwandlung: Tempel der Göttin Fama. Die Schlussszene ist ein großes Tableau des gesamten Ensembles, von dem abtrünnigen General Amanzio mal abgesehen, die nicht nur Giustinos Krönung zum Mitkaiser feiern, sondern auch noch seine Heirat mit Leocasta. © ManfredVIVALDI, Antonio: GIUSTINO
![]()
GIUSTINO
Oper (Original: Dramma per musica) in drei Akten
Libretto von Antonio Maria Lucchino
basierend auf Nicolò Beregans Libretto zu den gleichnamigen Opern von Giovanni Legrenzi
und Tomaso Albinoni.
Originalsprache: Italienisch.
Anastasio (Anastasios I.), Kaiser von Byzanz (Sopran)
Arianna (Ariadne), seine Gemahlin, Kaiserin (Sopran)
Giustino (Justin I.), Bauer, später Kaiser, Bruder Vitalianos und Andronicos (Alt)
Leocasta, Schwester Anastasios (Sopran)
Vitaliano (Vitalian), Tyrann Kleinasiens (Tenor)
Andronico, Bruder Vitalianos, in Leocasta verliebt (Sopran oder Alt)
Amantio/Amanzio, General des byzantinischen Heeres (Sopran)
Polidarte, Hauptmann von Vitalianos Leibwache (Tenor)
Göttin Fortuna auf ihrem Wagen (Sopran)
Stimme des alten Vitaliano (Tenor)
Chor/Statisten: Fürsten, Edelfrauen und Edelmänner, Wachen, Gefolge, Volk, Soldaten, wilder Bär, Meeresungeheuer, Singvögel.
Das Dramma per Musica basiert auf historischen Ereignissen um den byzantinischen Kaiser Anastasios/Anastasio, dessen Nachfolger Justin/Giustino, die Kaiserin Ariadne/Arianna und die Rebellion des Vitalian/Vitaliano, die der Geschichtsschreiber Prokop um 553 in seinem Werk Anekdota beschrieben hatte. Nach dem Tod von Kaiser Zenon im Jahr 491 heiratete dessen Witwe Arianna gegen großen Widerstand ihrer Familie den bereits sechzig Jahre alten Anastasios, der dadurch Kaiser wurde. Der illyrische Bauer Justin wiederum ging um 470 als junger Mann mit zwei Begleitern nach Konstantinopel, trat in die Leibwache Kaiser Leos I. ein und stieg bis zu deren Befehlshaber auf. Er wurde 518 in fortgeschrittenem Alter als Nachfolger Anastasios’ zum Kaiser ausgerufen. Dagegen rebellierte wiederum der thrakische General Vitalian zweimal gegen Anastasios. Das historische Vorbild des Amantio war ein gleichnamiger Palasteunuch, der ebenfalls einen Aufstand anzettelte. Die hier dargestellten Liebesverwicklungen sind dagegen frei erfunden.
Prunksaal für die Krönung Anastasios und dessen Hochzeit mit Kaiserin Arianna.
Offener Wald mit Blick auf das vom Sturm bewegte Meer.
Wald vor der Stadt mit einem Turm.
GIUSTINO
Oper (Original: Dramma per musica) in drei Akten
Libretto von Antonio Maria Lucchino
basierend auf Nicolò Beregans Libretto zu den gleichnamigen Opern von Giovanni Legrenzi
und Tomaso Albinoni.
Originalsprache: Italienisch.
Anastasio (Anastasios I.), Kaiser von Byzanz (Sopran)
Arianna (Ariadne), seine Gemahlin, Kaiserin (Sopran)
Giustino (Justin I.), Bauer, später Kaiser, Bruder Vitalianos und Andronicos (Alt)
Leocasta, Schwester Anastasios (Sopran)
Vitaliano (Vitalian), Tyrann Kleinasiens (Tenor)
Andronico, Bruder Vitalianos, in Leocasta verliebt (Sopran oder Alt)
Amantio/Amanzio, General des byzantinischen Heeres (Sopran)
Polidarte, Hauptmann von Vitalianos Leibwache (Tenor)
Göttin Fortuna auf ihrem Wagen (Sopran)
Stimme des alten Vitaliano (Tenor)
Chor/Statisten: Fürsten, Edelfrauen und Edelmänner, Wachen, Gefolge, Volk, Soldaten, wilder Bär, Meeresungeheuer, Singvögel.
Das Dramma per Musica basiert auf historischen Ereignissen um den byzantinischen Kaiser Anastasios/Anastasio, dessen Nachfolger Justin/Giustino, die Kaiserin Ariadne/Arianna und die Rebellion des Vitalian/Vitaliano, die der Geschichtsschreiber Prokop um 553 in seinem Werk Anekdota beschrieben hatte. Nach dem Tod von Kaiser Zenon im Jahr 491 heiratete dessen Witwe Arianna gegen großen Widerstand ihrer Familie den bereits sechzig Jahre alten Anastasios, der dadurch Kaiser wurde. Der illyrische Bauer Justin wiederum ging um 470 als junger Mann mit zwei Begleitern nach Konstantinopel, trat in die Leibwache Kaiser Leos I. ein und stieg bis zu deren Befehlshaber auf. Er wurde 518 in fortgeschrittenem Alter als Nachfolger Anastasios’ zum Kaiser ausgerufen. Dagegen rebellierte wiederum der thrakische General Vitalian zweimal gegen Anastasios. Das historische Vorbild des Amantio war ein gleichnamiger Palasteunuch, der ebenfalls einen Aufstand anzettelte. Die hier dargestellten Liebesverwicklungen sind dagegen frei erfunden.
Prunksaal für die Krönung Anastasios und dessen Hochzeit mit Kaiserin Arianna.
Offener Wald mit Blick auf das vom Sturm bewegte Meer.
Wald vor der Stadt mit einem Turm.
Kontakt
Telefon: 0178-1069333
Gestaltung Agentur kuh vadis