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Vom Geiger zum Dirigenten: Sir Neville Marriner

Marriner - The Complete Warner Classics Recordings (lim. 80 CD-Box)

2024 wäre Marriner 100 Jahre alt geworden; Warner hat aus diesem Grund die obige Box herausgegeben und die von HMV/EMI ursprünglich herausgegebenen Musikwerke in der gezeigten Box veröffentlicht.

Ich hatte mir vor 1991 sämtliche Mozart-Sinfonien, die Marriner mit der ASMF eingespielt und damals bei Philips aus Anlass des 200. Todestages von Mozart  herausgebracht hat, gekauft und war, als eigentlich Karl-Böhm-affiner Musikfreund sehr zufrieden damit. Auf der einen Seite Böhm mit den Berliner Philharmonikern, auf der anderen dann Marriner mit dem schlanken Ensemble der Accademy of St. Martin in the Fields, da waren für mich schon Unterschiede zu hören. Das, was Böhm lange Jahre für mein Ohr bot, war durch Marriner plötzlich, nein: nicht obsolet, aber zumindest gleichberechtigt neben dem dirigentischen Altmeister stehend akzeptiert worden. Marriner bot nicht etwa HIP, aber einen wesentlich schlankeren Ton, als Böhm mit den Berliner Philharmonikern.

Marriner war mir also durchaus ein Begriff für exzellente klassische Musikperformance, wenn auch nicht im HIP-Format. Ich habe daher zugegriffen, als jetzt die Warner-Box zum Angebotspreis auf dem Markt erschien. Und gleich die erste CD mit Chorwerken von Marc Antoine Charpentier, dabei auch jenes Te Deum, das man von der Euroviosmusik kennt, hat mich in seiner Klangrede überzeugt. Die nachfolgenden CDs mit Werken von Bach und Händel sind in der gleichen Weise überzuegend interpretiert. Ohne also schon alle CDs gehört zu haben kann ich sagen, dass man ein x-beliebiges Medium aus dieser Box herausholen kann – und man wird keine Enttäuschung erleben. Es ist eine einwandfreie künstlerische Aussage, die Dirigent und ASMF vorlegen. Für puristische HIP-Freunde mag das obsolet sein, ich bin mehr als zufrieden mit diesem Kauf.

Lieber Manfred,

ich freue mich, dass du Neville Marriner so so siehst und empfindest, wie er sich selbst sicherlich auch gesehen haben wird. Vor einigen Monaten habe ich Sir Neville im Sinfonischen Forum vorgestellt, vor allem als Gründer und Chefdirigent der Academy of St. Martin in the Fields und auch in seiner Zeit als Chefdirigent des RSO Stuttgart, wie du sicherlich auch mitbekommen hast.
Hier ist noch zur Sicherheit der Link zu dem Bereich:

https://troubadour-forum.de/foren/thema/sir-neville-marriner-1924-2016-der-sich-ganz-in-den-dienst-der-komponisten-stellte/

Liebe Grüße

Willi😀

Lieber Willi,

ich muss gestehen, Deinen Beitrag nicht gesehen und gelesen zu haben. Ich besitze ja auch die Philips-Gesamtausgabe, habe insofern auch die Sinfonien im Regal, die Marriner mit der ASMF eingespielt hat und die für mich bis heute zu den besten Aufnahmen von Mozarts sinfonischen Kompositionen gehören. Ich stelle allerdings die Aufnahme mit Jaap ter Linden noch ein Stückchen höher, sie kommen halt meinem Hörbedürfnis noch näher. Die Böhm Einspielungen mit den Berliner habe ich noch als nostalgisches Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Die von mir gepostete Teldec-Warner-Box enthält ja auch einige von Mozarts Sinfonien, ob die mit der Philips-Produktion identisch ist, kann ich nicht sagen, denn die Angaben auf den Wallet-Kartons sind zu spärlich und fehlen in dem spärlichen Begleitheft gänzlich. Einige Klavierkonzerte, die Christian Zacharias und Rudolf Buchbinder mit den Stuttgartern und der ASMF gemacht haben, sind für mich gleichrangig neben die Philips-Aufnahmen zu stellen, wobei mir Alfred Bendel als Solist der Philips-Produktion auch wegen seiner Einführung in den Booklets der interessantere Pianist ist.

Die Hornkonzerte Mozarts liegen in zwei Einspielungen vor: Barry Tuckwell ist der eine, David Pyatt der andere Solist. Tuckwell spielt auf einer CD Hornkonzerte von „Punto“, jenen Hornisten, den man aus der Mozart-Biografie als Jan Wenzel Stich kennt, den Mozart gerne „veralbert“ hat – eine Bereicherung der Diskografie.

Lieber Manfred,

schönen Dank für deine Antwort. Ich kenne die Mozart-Aufnahmen Marriners seit ihrem Erscheinen anlässlich des 200. Todestages Mozarts. Die Aufnahmen sind zwar teilweise weit vorher entstanden, aber hier noch einmal besonders herausgegeben worden. So lernte ich auch die Brendel-Aufnahmen kennen und von daher habe ich einige Jahre später begonnen, einmal im Jahr Alfred Brendel im Konzert (meistens in Köln) zu besuchen. In seinem letzten aktiven Jahr hatte ich sogar dreimal das Vergnügen, zuerst in Köln, dann im Sommer in Schleswig-Holstein beim Festival und im Herbst in seinem letzten Konzert in Deutschland in Berlin mit den Philharmonikern unter Simon Rattle. Dort durfte es das 24. Konzert in c-moll KV 491 sein- ein Traum!
Aber zurück zu Marriner. In dem o. a. Forum habe ich die Gesamtaufnahmen der Mozart-Sinfonien und der Mozart-Konzerte aufgeführt, dazu die beiden Boxen mit der Academy und den Überschriften „The Stuttgart Recordings“ und „The London Recordings“:

 

 

Liebe Grüße

Willi😀

Hallo lieber Willi,

die Stuttgarter Aufnahmen besitze ich nun auch – sie sind in der großen Box enthalten. Wenn ich an dieser Stelle noch einmal auf die Philips-200-Jahre-Ausgabe zurückkommen darf: Wer damals diese Produktion abonniert hatte, bekam am Ende, so war es von Philips angekündigt worden, ein Faksimile-Druck von Mozarts „Requiem“-Partitur geschenkt. Ich war damals nicht in der Lage, die Aufnahmen zu abonnieren, musste also auf das Geschenk verzichten, habe mir die meisten Ausgaben der Philips-Produktion separat gekauft.

Nun bietet eBay jene Faksimile-Partitur zum Verkauf an. Ich könnte mir vorstellen, dass einige der Besitzer verstorben sind, und die Erben diese interssante Requiem-Partitur verkauft haben. Der Preis bei eBay spannte sich von ca. 20 € bis zu 240 €. Jetzt habe ich zugeschlagen und mir diese Faksimile-Partitur für ca 80 € gekauft – ein Wahnsinnspreis für diese Mozart-Partitur

Mozart  Requiem KV 626 Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat-nagelneu - Bild 4 von 9

Mozart  Requiem KV 626 Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat-nagelneu - Bild 7 von 9

Es ist interessant mit Hilfe dieser Partitur und einer CD das Werk zu verfolgen. Zugegebenermaßen ist das nicht immer einfach, da die Handschrift manchen unklar erscheinen lässt. Ich habe auch richtigerweise festgestellt, dass Süßmayrs Handschrift der seines Meisters gleich ist, da merkt man kaum einen Unterschied. Außerdem sind verschiedene Tinten eingesetzt worden. Dem Notenteil voraus geht eine ausführliche Information über die Entstehungsgeschichte des Requiems. Jetzt habe ich zwei Partituren in Faksimile von Mozarts Handschrift: das Rondo in a-Moll KV 511 aus der Edition Peters (seit Kriegsende verschollen). Ich bin richtig glücklich über beide tollen Drucke…

 

Lieber Manfred,

herzlichen Glückwunsch für diesen tollen Erwerb, der einem die Verbindung zu dem großen Komponisten sicherlich noch weiter verstärkt.

Liebe Grüße

Willi😀

Gestaltung Agentur kuh vadis