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Was fünf Haarlocken über Beethovens Leben und Tod verraten

Ein internationales Forschungsteam hat mit DNA-Analysen in Leipzig das Genom Ludwig van Beethovens entschlüsselt. Die Ergebnisse werfen ein ganz neues Licht auf Leben und Sterben des weltberühmten Komponisten.

Es sind fünf Haarsträhnen, die sehr viel über Beethoven verraten. „Unser primäres Ziel war es, Licht auf Beethovens Gesundheitsprobleme zu werfen, zu denen bekanntlich der fortschreitende Hörverlust gehört, der Mitte bis Ende 20 begann und schließlich dazu führte, dass er bis 1818 funktionell taub war“, so Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig über die Motivation zu dieser Studie. Die Ursachen für die Taubheit konnten die Forschenden zwar nicht ergründen, dafür aber vieles andere. Und das wirft ein sehr spannendes Licht auf den Ausnahme-Komponisten, vor allem die Geburt und den Tod.

Fangen wir mit der Geburt an, oder noch besser, dem, was davor geschah. Denn im Gegensatz zu seinem Geburtstag, den wir bis heute nur mit „Dezember 1770″ angeben können (nur die Taufe am 17.12. 1770 ist verbürgt), wissen wir nun, dass einer seiner Vorfahren väterlicherseits ein außereheliches Verhältnis gehabt haben muss. War Beethoven also gar kein Beethoven, sondern ein Meier, Müller, Schulze? Oder ein Schwarz, Kurz, Voss, wie viele Menschen damals auch hießen? Unmöglich erscheint es nicht. Denn das Forscherteam fand heraus: Beethovens Y-Chromosom stimmt nicht mit dem von fünf modernen Verwandten überein, die denselben Nachnamen tragen und auf der Grundlage genealogischer Aufzeichnungen einen gemeinsamen Vorfahren mit Beethovens väterlicher Linie haben.

Der genetische Genealoge Maarten Larmuseau von der KU Leuven erklärt es so: „Durch die Kombination von DNA-Daten und Archivdokumenten konnten wir eine Diskrepanz zwischen Ludwig van Beethovens rechtlicher und biologischer Genealogie feststellen.“ Die Forschenden konnten diesen „Fehltritt“ zeitlich eingrenzen „zwischen der Empfängnis von Hendrik van Beethoven in Kampenhout, Belgien, um 1572 und der Empfängnis von Ludwig van Beethoven, sieben Generationen später, 1770, in Bonn“, so Studien-Hauptautor Tristan Begg, der jetzt an der University of Cambridge, UK, arbeitet.

Begg und William Meredith, ebenfalls Ko-Autorin der Studie, hatten bereits vor zehn Jahren die Idee entwickelt, Beethovens Genom zu untersuchen. Grund dafür war der Komponist selbst, der im 1802 seine Brüder bat, seinen Arzt JA Schmidt zu bitten, sein Leiden – seinen fortschreitenden Hörverlust – nach seinem Tod der Welt zu beschreiben, damit „nach Möglichkeit wenigstens die Welt mit mir versöhnt wird nach meinem Tod“. „Das haben wir als Auftrag verstanden“, so Johannes Krause. In der neuen Studie stützte sich das Team auf die jüngsten Entwicklungen bei der Analyse alter DNA, bei denen auch das Leipziger Max-Planck-Institut weltweit führend ist, nicht zuletzt durch die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms, wofür 2022 auch der Medizin-Nobelpreis an Svante Pääbo verliehen wurde. Diese Verbesserungen haben die Sequenzierung des gesamten Genoms aus kleinen Mengen historischer Haare ermöglicht.

Genetische Ursachen für Beethovens Taubheit oder seine Magen-Darm-Probleme konnten dabei aber nicht feststellt werden. Die Forscher fanden allerdings heraus, dass sich frühere Analysen, die darauf hindeuteten, dass Beethoven eine Bleivergiftung hatte, auf einer Probe basierten, die überhaupt nicht von Beethoven stammte; stattdessen kam diese von einer Frau. Was den Tod des Komponisten angeht, so konnten die Forschenden aber eine ziemlich klare Diagnose stellen. „Wir haben eine Reihe signifikanter genetischer Risikofaktoren für Lebererkrankungen entdeckt“, so Johannes Krause vom MPI EVA in Leipzig. „Auch fanden wir Hinweise auf eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus spätestens in den Monaten vor der endgültigen Erkrankung des Komponisten. Diese haben wahrscheinlich zu seinem Tod beigetragen.“

Sein Alkoholkonsum, den Zeitgenossen zwar als mäßig beschrieben, dürfte dabei ein große Rolle gespielt haben. „Unserer Einschätzung nach dürfte es sich immer noch um Alkoholmengen gehandelt haben, von denen man heute weiß, dass sie für die Leber schädlich sind“, so Tristan Begg. „Wenn Beethovens Alkoholkonsum über einen ausreichend langen Zeitraum hoch genug war, stellt die Wechselwirkung mit seinen genetischen Risikofaktoren eine mögliche Erklärung für seine Leberzirrhose dar.“

Sich gegenseitig Haare zuzusenden galt zu Zeiten Beethovens als Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit, romantisch gesehen auch der Liebe. Richtig aufbewahrt können Haare, die nach Tod und Bestattung normalerweise in wenigen Jahren zerfallen, Jahrhunderte überdauern. So besitzt etwa die Leipziger Universitäts-Bibliothek Locken von Clara Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Die fünf untersuchten Haarsträhnen stammen alle aus den letzten sieben Lebensjahren Beethovens. Die genetischen Daten dieser Person würden alle auf eine Herkunft hinweisen, die mit der historisch gut erforschten Herkunft Beethovens übereinstimme, so die Forschenden. Sie legen damit nahe, dass das Erbgut authentisch ist. Die extrahierte DNA ist genetisch am ähnlichsten zu der von Menschen, die im heutigen Nordrhein-Westfalen leben, was mit Beethovens bekannter deutscher Abstammung übereinstimme.

Quelle: mdr wissen

 

Alkoholismus, Veruntreuung, Selbstmordversuche: Lernen Sie Beethovens schillernde Familie kennen

Er mag ein unvergleichliches musikalisches Genie gewesen sein, aber auch Beethoven hatte, wie wir alle, familiäre Probleme. Lernen Sie die bunte Beethoven-Familie kennen.

 

BBC Music Magazine

 

Ludwig van Beethoven, einer der meistverehrten Komponisten der klassischen Musikgeschichte, wurde nicht nur von seinem eigenen Genie, sondern auch von den komplexen und mitunter schwierigen Beziehungen zu seiner Familie geprägt. Seine Familienmitglieder spielten eine bedeutende Rolle in seinem Leben und beeinflussten sowohl seine persönlichen Kämpfe als auch sein musikalisches Erbe.

Von seinem fordernden und oft tyrannischen Vater bis hin zu seinen komplexen Beziehungen zu seinen Geschwistern, einschließlich der Spannungen mit seinem jüngeren Bruder Nikolaus Johann, war Beethovens Familiendynamik ebenso turbulent wie die revolutionäre Musik, die er schuf. Das Verständnis dieser Beziehungen gewährt wertvolle Einblicke in den Menschen hinter der Musik und die Kämpfe, die seine monumentalen Kompositionen prägten. Also, los geht’s…

Lerne die Familie Beethoven kennen

Großvater: Ludwig (Lodewijk) van Beethoven (1712-73)

Ludwig van Beethoven (oft Lodewijk van Beethoven genannt) war Beethovens Großvater väterlicherseits. Geboren in Mechelen, Belgien, zog Lodewijk (siehe Abbildung oben) später nach Bonn, wo er ein bedeutender Musiker und eine wichtige Figur im musikalischen Erbe der Familie Beethoven wurde.

Als Bassist war Lodewijk später Kapellmeister am Hof ​​des Kurfürsten von Köln in Bonn. Sein musikalischer Erfolg und sein Ruf sicherten der Familie Beethoven finanzielle Stabilität und erhöhten ihren gesellschaftlichen Status. Zusätzlich zu seinem Kapellmeistergehalt betrieb er einen Weinhandel.

Fancy-dress ball in Bonn's Residence Theatre (1754). Clemens August, Prince Elector and Archbishop of Cologne as host. Beethoven's grandfather among the musicians and Giacomo Casanova on the balustrade
Kostümball im Bonner Residenztheater, 1754. Beethovens Großvater ist unter den Musikern, Giacomo Casanova steht auf dem Geländer. Foto: Imagno/Getty Images

Lodewijk heiratete María Josefa Poll (siehe unten) und hatte einen Sohn, Johann van Beethoven (1740–1792), der später selbst der Vater des großen Komponisten wurde. Obwohl Lodewijk ein erfolgreicher Musiker war, der der Familie Beethoven Wohlstand und Ansehen verschaffte, war er auch für seine strenge Persönlichkeit und sein schwieriges Verhältnis zu seinem Sohn Johann bekannt (der wiederum, wie wir wissen, ein strenger und dominanter Vater wurde).

Lodewijk starb 1773, nur wenige Jahre vor der Geburt seines Enkels, des späteren Komponisten. Sein Name und sein musikalischer Einfluss lebten jedoch fort, denn Ludwig van Beethoven wurde nach ihm benannt.


Großmutter: Maria Josefa Poll (1714-75)

Interessante Tatsache: Beethoven wurde „der Spanier“ genannt, möglicherweise aufgrund der spanischen Wurzeln seiner alkoholkranken Großmutter väterlicherseits. Dies zeigte sich in Beethovens etwas dunklerem Teint, seiner im Vergleich zum durchschnittlichen germanischen Typus geringen Körpergröße und seinem etwas aufbrausenden Temperament.

Über Beethovens Großmutter mütterlicherseits, María Josefa Poll, ist nicht viel bekannt. Es scheint jedoch, dass sie entweder in Spanien geboren wurde oder von einer spanischen Familie abstammte, die während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) nach Norden zog.

Hat das Weingeschäft ihres Mannes dazu beigetragen, dass María Josefa später zur Alkoholikerin wurde? Wir können es nicht wissen, aber wir wissen, dass sie ihr Leben als diagnostizierte Alkoholikerin und Bewohnerin einer Klinik beendete.

Die Verbindung zu Spanien fasziniert weiterhin. Es gibt Hinweise auf eine Affinität zu allem Spanischen in Beethovens Leben und Werk. So spielt beispielsweise seine einzige Oper, Fidelio, in einem spanischen Gefängnis nahe Sevilla. Auch seinen Neffen Karl (mehr dazu später) meldete er an einer spanischen Schule in Wien an.


Vater: Johann van Beethoven (ca. 1739–1792)

Ludwigs Vater, ein höfischer Tenor und Musiklehrer, war bekannt für seine strenge Disziplin und seinen großen Ehrgeiz. Er neigte außerdem zu Alkoholproblemen.

Johann wurde in Bonn geboren und arbeitete als Tenor am Hof ​​des Kurfürsten von Köln. Er spielte außerdem Geige und Klavier und gab Musikunterricht, unter anderem seinem Sohn Ludwig. Johann erkannte Ludwigs musikalisches Talent früh und versuchte, ihn, inspiriert von Mozarts frühen Erfolgen, zu einem Wunderkind zu formen. Er war jedoch ein strenger und oft tyrannischer Lehrer, der Ludwig zu stundenlangem Üben zwang und ihn manchmal mitten in der Nacht zum Unterricht weckte.

Portrait of Beethoven's father Johann
Beethovens Vater. Er wirkt etwas freudlos, nicht wahr? Bild: Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images

Johann kämpfte auch mit Alkoholismus, der sich nach dem Tod seiner Frau Maria Magdalena im Jahr 1787 noch verschlimmerte. Sein Alkoholkonsum führte schließlich zu seiner Entlassung aus dem Hofdienst, und Ende der 1780er Jahre musste Ludwig die finanzielle Verantwortung für seine Familie übernehmen.

Als sich Johanns Zustand verschlechterte, leitete Ludwig rechtliche Schritte ein, um einen Teil des Gehalts seines Vaters zu sichern und so die finanzielle Stabilität seiner jüngeren Geschwister zu gewährleisten. Johann van Beethoven starb 1792, im selben Jahr, in dem Ludwig nach Wien zog, um bei Joseph Haydn zu studieren und damit seinen Weg zum großen Erfolg zu beginnen.

Trotz ihrer schwierigen Beziehung spielte Johanns strenge musikalische Ausbildung eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Beethovens früher Entwicklung.


Mother: Maria Magdalena Keverich (1746-87)

Beethovens Mutter, Maria Magdalena Keverich, wurde in Ehrenbreitstein bei Koblenz (heute Deutschland) in eine angesehene Familie geboren. Ihr Vater war kein Geringerer als der Chefkoch am Hof ​​des Erzbischofs von Trier.

Maria Magdalena heiratete 1767 nach dem Tod ihres ersten Ehemannes, Johann Leym, Johann van Beethoven. Sie wurde als gütige und sanfte Frau beschrieben, im Gegensatz zu ihrem oft harschen und alkoholkranken Mann. Sie hatte sieben Kinder, von denen jedoch nur drei das Säuglingsalter überlebten.

Maria Magdalena war ihren Kindern, insbesondere Ludwig, der sie später als „meine beste Freundin“ bezeichnete, sehr zugetan. Allerdings litt sie unter gesundheitlichen Problemen und musste die Schwierigkeiten ertragen, mit Johanns Alkoholismus und finanzieller Instabilität zusammenzuleben.
Beethoven's mother Maria Magdalena Keverich
Beethovens Mutter, Maria Magdalena Keverich. Bild: Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images

1787 starb Maria Magdalena Keverich an Tuberkulose – ein schwerer Verlust für den 16-jährigen Beethoven. Er war gerade von einer Reise nach Wien zurückgekehrt, wo er bei Mozart studieren wollte, und eilte nach Hause, als er von ihrer Krankheit erfuhr. Ihr Tod war eine der ersten großen Tragödien in Beethovens Leben und traf ihn tief.

Maria Magdalena Keverich wird oft als fürsorgliche und widerstandsfähige Mutter in Erinnerung behalten, deren Unterstützung und Wärme im Kontrast zur Härte von Beethovens Vater standen.


Weitere Mitglieder der Familie Beethoven

Bruder: Nikolaus Johann van Beethoven (1776-1848)

Nikolaus Johann, das jüngste der drei Beethoven-Kinder, das das Säuglingsalter überlebte, wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Sowohl sein Vater als auch sein älterer Bruder Ludwig verdienten ihren Lebensunterhalt mit Musik. Nikolaus selbst war jedoch nicht musikalisch veranlagt, auch war seine berufliche Laufbahn nicht so sehr auf Musik ausgerichtet. Stattdessen arbeitete er als Buchhalter und Geschäftsmann.

Nikolaus Johann van Beethoven (1776-1848), the brother of Ludwig van Beethoven
Nikolaus Johann van Beethoven (1776–1848), der Bruder des Komponisten. Foto: Imagno/Getty Images

Tatsächlich war Nikolaus‘ Verhältnis zu seinem berühmten Bruder Ludwig oft angespannt. Während Ludwig in der Musikwelt Karriere machte, kämpfte Nikolaus Johann mit finanziellen Schwierigkeiten, was ihre Beziehung belastete. Heute ist er wohl am bekanntesten für seine Rolle als Ludwig van Beethovens Vormund nach dem Tod ihres Vaters. Nikolaus Johann kümmerte sich auch in Ludwigs letzten Lebensjahren um ihn, doch ihre Beziehung war oft von Konflikten und Missverständnissen geprägt.

Nikolaus Johann van Beethoven verbrachte seine letzten Jahre in Bonn, wo er am 15. Juli 1848 starb und seinen berühmteren Bruder um etwa 21 Jahre überlebte.


Neffe: Karl van Beethoven (1806–1854)

Karl van Beethoven war der einzige Sohn von Caspar Anton Carl Beethoven und neben Nikolaus Johann der einzige weitere Geschwister Ludwigs, der das Erwachsenenalter erreichte. Sein Leben war stark von der intensiven und schwierigen Beziehung zwischen seiner Mutter (Johanna van Beethoven, siehe nächster Abschnitt) und seinem berühmten Onkel geprägt.

Ein von Konflikten gezeichnetes Leben

Nach dem Tod von Caspar Anton Carl Beethoven im Jahr 1815 entbrannte ein erbitterter Sorgerechtsstreit zwischen Ludwig van Beethoven und Karls Mutter Johanna. Ludwig, der Johanna aufgrund ihres Rufs und ihrer früheren juristischen Probleme für eine ungeeignete Mutter hielt, kämpfte um das alleinige Sorgerecht für Karl. Der Rechtsstreit zog sich über Jahre hin und verursachte allen Beteiligten großen Stress.

Karl van Beethoven, nephew of German composer Ludwig van Beethoven, in a cadet uniform, drawing
Karl van Beethoven in Kadettenuniform, Zeichnung. Foto: DeAgostini/Getty Images

Trotz Ludwigs Bemühungen, Karl eine erstklassige Ausbildung und ein diszipliniertes Leben zu ermöglichen, litt Karl unter der strengen Kontrolle seines Onkels. Beethoven hatte hohe Erwartungen an ihn, doch Karl fehlte das musikalische Talent und er hatte kein Interesse daran, in die Fußstapfen seines Onkels zu treten.

Der Druck Beethovens wurde für Karl unerträglich. 1826, im Alter von 20 Jahren, unternahm Karl einen Selbstmordversuch, indem er sich in den Kopf schoss. Wie durch ein Wunder überlebte er. Tief betroffen entließ Beethoven Karl schließlich aus seiner Vormundschaft und erlaubte ihm, der österreichischen Armee beizutreten – ein lang gehegter Wunsch Karls.

Karl hatte später eine relativ stabile Militärkarriere, heiratete schließlich Caroline Naske und hatte Kinder. Er distanzierte sich vom Erbe seines berühmten Onkels, führte ein zurückgezogenes Leben und starb 1858. Seine Nachkommen trugen den Familiennamen Beethoven bis ins 20. Jahrhundert weiter.


Schwägerin: Johanna van Beethoven, geb. Reiss (ca. 1784–1868)

Johanna van Beethoven (geb. Reiss) war die Ehefrau von Caspar Anton Carl Beethoven, Ludwigs jüngerem Bruder, und die Mutter von Karl van Beethoven (siehe oben), dem Neffen des Komponisten. Sie ist vor allem für ihren erbitterten Rechtsstreit mit dem Komponisten um das Sorgerecht für ihren Sohn bekannt.

Johanna heiratete 1806 Caspar Anton Carl. Die Ehe war unglücklich, und Johanna scheint sich auch mit dem Rest der Beethoven-Familie nicht gut verstanden zu haben. Besonders angespannt war ihr Verhältnis zu Ludwig, der ihren Charakter und ihren Ruf stark missbilligte.

Beethoven
Beethoven soll seine Schwägerin Johanna sehr abgelehnt haben. Bild: VCG Wilson/Corbis via Getty Images
Als Johanna 1811 wegen Veruntreuung verurteilt und kurzzeitig inhaftiert wurde, festigte sich Ludwigs Überzeugung, dass sie eine ungeeignete Mutter sei. Er war dafür bekannt, sie als die „Königin der Nacht“ zu bezeichnen.

Ein erbitterter Sorgerechtsstreit

Nach Caspars Tod im Jahr 1815 war Ludwig van Beethoven entschlossen, die volle Vormundschaft für seinen Neffen Karl zu übernehmen. Er hielt Johanna für unmoralisch und verantwortungslos und leitete rechtliche Schritte ein, um das Vormundschaftsrecht zu erlangen.
Der Gerichtsprozess war langwierig und äußerst erbittert. Ludwig verlor zunächst, legte jedoch Berufung ein und erhielt schließlich das Sorgerecht für Karl. Karl litt jedoch unter Ludwigs strenger Kontrolle, was 1826 zu seinem Selbstmordversuch führte. Nach diesem Vorfall gewann Johanna wieder etwas Einfluss auf ihren Sohn.

Nachdem Karl in die österreichische Armee eingetreten war, führte Johanna ein ruhigeres Leben. Obwohl sie in Beethovens Briefen oft verunglimpft wurde, legen moderne Erkenntnisse nahe, dass Johanna möglicherweise ungerecht beurteilt wurde. Ihr Leben bleibt ein zentraler Bestandteil der dramatischen Geschichte der Familie Beethoven.

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"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener." Peter Schreier

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