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Troubadour-Forum für die Freunde der Oper, des Gesangs und der Klaviermusik

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Wo sind die deutschen Opernsänger?

Diese Frage stellen etwas provozierend die Sängerfreunde nach einem aktuell erlebten Praxisfall.  Endlich soll nach mehrmaligem Corona bedingten verschieben am 15./16. Oktober das traditionelle Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft verbunden mit der Nachfeier des 25-jährigen Jubiläums am 15./16. Oktober 22 stattfinden. Selbstverständlich sind die Planungen bereits weitgehend abgeschlossen. Entsprechend der Zielsetzung der Gesellschaft wurde ein Quartett von jungen Sängern ausgewählt, die alle bereits an Opernhäusern engagiert sind und denen aufgrund ihrer bisherigen Erfolge ausgezeichnete Karriereaussichten prognostiziert werden. Folgende  Sängerbesetzung ist geplant Sopran, Tenor, Bariton Bass. Obwohl die Galakonzerte der Gottlob Frick Gesellschaft immer ausverkauft sind und weit über den Enzkreis hinausstrahlen muss das Programm auf ein kaum Opern erfahrenes Publikum ausgerichtet werden. Das heißt, populäre Werke und so weit möglich in deutscher Sprache und Garnierung mit italienischen „Schmankerln.“ Alles war also in bester Ordnung, bis nun wegen einer Premierenverpflichtung am eigenen Haus  der Bariton absagen musste. 

Also neue Suche nach einem jungen hochbegabten  Bariton. Wobei erschwerend dazu kommt, dass eine Reihe von Musiktheatern auch Corona bedingt noch keine fertige Jahresplanung mit feststehenden Besetzungen haben, also vieles noch offen ist. Rasch wurde eine ganze Reihe junger Baritone angefragt und Aufnahmen angehört. Nun kommt das erstaunliche Ergebnis. Fast alle widmen sich schwerpunktmäßig dem Lied. Das Repertoire liegt schwerpunktmäßig im Bereich der Mozartzeit und früher. Das wundervolle Duett aus Perlenfischer „Der Tempel Brahmas strahlt“, das vom Tenor vorgeschlagen wurde und wir liebend gern gemacht hätten,  hatte keiner der angefragten Baritone im Repertoire. Spieloper Fehlanzeige. Ein Bariton, der uns sehr gut gefiel, war  im Stimmcharakter ein Bassbariton und im Timbre zu nahe am Bass. Also haben wir es aufgegeben und den Bariton aus dem Programm genommen. Jeder der verbleibenden Solisten singt ein Stück mehr und als eines der Duette werden wir nun den heiteren Ohrwurm „Komm mein Söhnchen auf ein Wort“ aus Smetanas „Verkaufter Braut“ aufführen. Selbstverständlich in deutscher Sprache. Den Solisten gefiel diese Änderung. Der künstlerische Leiter Alois Seidlmeier, der grundsätzlich mit den Solisten äußerst partnerschaftlich  umgeht, stimmte  der Programmänderung zu.

Aus diesem Fall ergeben sich die bereits angedeuteten  grundsätzlichen Fragen: Wo sind die Ensembles in denen junge Sänger systematisch aufgebaut werden? Welche Sänger sind noch bereit, die Ochsentour über die Provinz zu machen?  Welche Chancen haben  die jungen deutschen Sänger  gegen die hervorragend ausgebildete internationale Konkurrenz?  Verschwinden die deutschsprachigen Opern – außer Wagner- immer mehr von den Spielplänen? Ist Liedgesang das Ideal des Sängernachwuchses und der Operngesang die Pflichtaufgabe?

Fragen über Fragen werden wir  in einer Diskussion hier in unserem „Troubadour-Forum“ Antworten finden, aus denen sich wenigstens Lösungsansätze ableiten lassen. ?

Die Sängerfreunde grüßen und meinen Nachdenken und Diskutieren lohnt sich. Was sagen unsere Profis zu der Thematik?

 

Dies Sachlage kann ich hier sehr gut schildern. Die Ausbildung an vielen deutschen Hochschulen und Universitäten ist fern der Praxis und auf den Opernbetrieb nicht gut vorbereitend. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade junge Sänger für wenig Geld viel zu schnell verheizt werden, sodass diese, wenn sie bereit wären, große Partien zu übernehmen, stimmlich hoch qualitativ gar nicht mehr fähig sind, diese zu bewältigen. 

Desweitern liegen die Mindestgagen von gelernten und studierten Sänger unter den Gehältern vieler ungelernter Hilfskräfte in vielen Branchen.

Nicht gerade ein Zugpferd, solch ein Dasein zu fristen.

 

Eine weitere, und vor allem, Hauptproblematik ist, dass hauptsächlich deutsche Bühnen überhaupt nicht mehr auf Qualität der Stimmen setzen. Sänger werden wie niedrigste Wesen behandelt. Sie sollen Ihren Job machen, aber ansonsten unbedingt ihren Mund halten. Persönlichkeiten sind heute meist unerwünscht, egal ob an kleinen oder großen Häusern. Weder Respekt noch Menschlichkeit sind mehr üblich, und das denjenigen gegenüber, welche aus einem Opernhaus überhaupt ein solches machen – Oper ohne Sänger existiert nicht!

Führungskräfte sind häufig nur noch von der Politik eingesetze nicht für den Opern Betrieb qualifizierte Amtspersonen.

Zu viele Despoten und riesige Egos, die nur ihre eigene Selbstverwirklichung im Sinn haben.

 

Ich selbst war aufgrund vieler unschöner bis hin zu furchtbaren Erfahrungen, vor allem an großen Häusern, zur Gänze aus dem Opernbetrieb ausgestiegen.

Da aufgrund der Corona-Maßnahmen mein zweiter Beruf ebenfalls ‚verboten‘ wurde, ging ich doch wieder zurück in meinen Erstberuf des Opernsängers. Ich singe tolle Partien wie Danilo, Don Carlos, Cavaradossi, Peter Grimes…

Trotz dieser wunderschönen Partien hat sich die Richtigkeit meiner Entscheidung leider bestätigt, weder Respekt, Kollegialität oder Dankbarkeit wird uns Sängern entgegen gebracht.

Ich hätte eine große Karriere haben können, doch habe ich sämtlichen Agenturen, auch wirklich Großen, welche Interesse zeigten, abgesagt. 

Für mich ist es im Grunde genommen zu schmerzhaft, zusehen zu müssen, wie vor allem der deutsche Opernbetrieb die Musik missachtet, zugrunde richte und mit Menschen umgeht. 

Mein absoluter Traumberuf, für den ich alles gemacht habe, um ihn zu realisieren, ist heute ein Beruf, der heute kaum noch empfehlenswert ist. 

Es tut mir leid, hier ein solch ernüchterndes Bild zu zeichnen, aber leider entspricht viel zu oft und häufig der Realität, mit der vor allem junge Sänger konfrontiert sind.

Nur eine absolute Umstrukturierung des Opernbetriebs kann und wird das heiligste Genre, welches wir meiner Meinung auf Erden besitzen, nämlich die Oper, noch retten.

 

Ich wünsche jedem Sänger, der der Musik ehrlich dient, von Herzen eine strahlende Zukunft fernab solcher Erfahrungen.

Danke Thorsten, für deinen absolut realistischen Bericht, den ich so auch von anderen Kollegen gehört habe, in den Nachbarländern ist es genau so. Ich frage mich manchmal, warum studieren die jungen Leute noch den Beruf des Sängers? Wie sieht ihre Zukunft aus? Bleibt ihr Traumberuf wirklich nur ein Traum?

Sind die ausländischen Sänger besser zu „händeln? „

Traurig!

Liebe Grüße

musika

Lieber Thorsten Büttner,

es ist erschreckend, von einem „Betroffenen“ solche Aussagen zu hören. Irgendwie schließt sich ein Kreis. Als passiver Opernbesucher sitze ich in der Regel auf der anderen Seite und bewundere diejenigen, die ich auf der Bühne erleben darf. Allerdings ist mir seit mehreren Jahren auch die Freude an der Oper vergangen, da musikalische Aspekte gegenüber Neudeutungen den Kürzeren ziehen. Schon vor über 10 Jahren habe ich mein Opernabo abgegeben und besuche nur Vorstellungen, wenn ich mich vorher im Internet über „Regiekonzept“ oder Bühnenbilder/Kostüme informieren konnte. War ich früher bis zu 10 monatlich  im Opernhaus, bin ich vor der furchtbaren Coronapause nur noch 3-4 x im Jahr ins Theater gegangen. Mir fehlt das Theater auch, aber ich gebe mein Geld nicht aus, um mich dann zu ärgern. Da lege ich mir lieber DVD´s zu. Das wunderbare Genre Oper wird von Egomanen langsam aber sicher vernichtet, wenn keine grundlegende Neuorganisation erfolgt. Eine wertvolle Hilfe sind für mich die „Mitteilungen an meine Freunde“ von Kammersängerin Marie-Luise Gilles oder auch Schriften von Kammersänger Prof. Bernd Weikl. Leider verhallen auch die Rufe dieser Insider unverhallt.

Herzlichst Sir Morosus

Lieber Thorsten,

wir danken Dir  für diesen offenen Situations- und Erlebnisbericht. Durch unsere über viele Jahre dauernden intensiven Kontakte mit jungen Sängern haben wir die Lage so vermutet. Es ist allerdings noch weit bedrückender, wenn man wie Du diese ganze Misere durchlebt hat und weiter durchleben muss. Offensichtlich sind Sänger, egal ob fest am Opernhaus angestellt oder freischaffend, fast „Freiwild“, das tariflich und  gewerkschaftlich kaum oder nicht geschützt ist. Es soll ja immer noch vorkommen, dass bei einem Intendantenwechsel das ganze Ensemble gekündigt und ausgewechselt werden kann. Wir haben die ganz leise Hoffnung, dass durch die Pandemie die Not der Künstler weithin offenbar geworden ist und dadurch politisch mehr wahrgenommen und beachtet wird.

Wir bemühen uns sehr, dass im  Troubadour-Forum auch Profisänger Mitglied werden und hier zu Wort kommen. Vielleicht erreichen wir das Ziel, eine Größe und  Bedeutung zu bekommen, dass wir beachtet werden und als ein gewisses Sprachrohr für Sängerinteressen fungieren können. Ingrid und ich versuchen schon lange mit unseren extrem geringen Möglichkeiten wenigstens auf das Dilemma und die Notlage hinzuweisen, denn es ist doch geradezu unfassbar, dass ein solcher Ausnahmeberuf wie Opernsänger in dieser Lage ist. Zunächst braucht man ein überdurchschnittliches stimmliches und musikalisches Talent, kommt in einen hoffnungslos überbesetzten Markt, wo bereits das Erreichen eines Studienplatzes ein Glücksfall ist. Die Ausbildung bis zur Bühnenreife dauert überdurchschnittlich lang und Sänger bleiben während ihres ganzen Berufslebens ewig Lernende. Der gesamte Stimmapparat, also gewissermaßen die Berufswerkzeuge, sind äußerst sensibel und ständig gefährdet. Eine feste Position an einem Opernhaus in einem Chor oder sogar als Solist zu bekommen ist fast ein Lottogewinn.  Junge Sänger sind gerade in den ersten Berufsjahren niedrig bezahlt, ein Skandal bei diesen hohen Qualifikationen, die mitgebracht werden müssen. 

Was kann getan werden: Wahrscheinlich nur eines, dass man wo es möglich ist, diese Missstände thematisiert und die Oper durch regelmäßigen Besuch unterstützt. In Freundes- und Förderkreisen aktiv mitmacht und denjenigen, die trotz allem diesen Beruf ergreifen, höchsten Respekt und Hochachtung entgegen bringt. Wir haben im Forum bereits einen Themenbereich „Helden der Oper“, der denjenigen gewidmet ist, die oft jahrzehntelang Stützen des Ensembles sind, aber leider oft im  Schatten der Gaststars stehen. Die Forenleitung hat in Beachtung dieser Situation beschlossen, alle Profisänger, die bei uns Mitglied sind und werden, mit einer goldenen Schrift auszuzeichnen, um unsere Würdigung für Beruf und Person auszudrücken. Alles Kleinigkeiten, aber das bis jetzt zarte Pflänzchen kann wachsen, wenn wir es richtig  pflegen. Packen wir es gemeinsam an.

Herzlichst die Sängerfreunde, die in diesem Zusammenhang sogar ein wenig stolz sind, gerade diesen Namen im Forum gewählt zu haben. 

Dazu ein Bericht der sehr aussagekräftig ist.

Ein Bericht aus der Bezirkszeitung „MeinBezirk.at

Im Herbst 2022 wird Lotte de Beer Direktorin der Volksoper. Nun regt sich Unmut über auslaufende Verträge.

WIEN/ALSERGRUND. Im Herbst 2022 bekommt die Volksoper mit Lotte de Beer eine neue Direktorin – die erste Frau in der Geschichte des Hauses. Im Vorfeld regt sich aber Unmut im Ensemble über Kündigungen und den Umgang der Direktion mit langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Von den 64 Sängerinnen und Sängern, die derzeit das Ensemble der Volksoper bilden, bekommen nur 25 einen Jahresvertrag für die Saison 22/23, die erste unter Lotte de Beer. Weitere 15 bekommen Residenzverträge für einzelne Produktionen, die Verträge von 14 Personen wurden nicht verlängert.

Ungewöhnliches Vorsingen

Einer von ihnen ist Gernot Kranner, seit 2001 Ensemblemitglied der Volksoper. Dass sich eine neue Direktion von einem Teil des Ensembles trennen und andere Personen einbringen möchte, sei nichts Ungewöhnliches, sagt auch er. Aber sie Art, wie die Entscheidung getroffen wurde, ärgert ihn: „Wir wurden zu einem Vorsingen geladen und hatten 15 Minuten Zeit, uns zu präsentieren. Von so etwas habe ich noch nicht gehört.“ Üblicherweise sieht sich eine neue Intendanz die laufenden Produktionen an, was diesmal wegen der Corona-bedingten Schließung des Hauses aber nicht möglich war.

Kranner spricht davon, dass es unter den nicht verlängerten Ensemblemitgliedern Härtefälle gebe, die sich nun, da das Kulturleben nach den Lockdowns langsam wieder auf die Beine kommt, schwertun würden, eine neue Anstellung zu finden: „Ich gehe nicht davon aus, dass man hier in den nächsten Jahren etwas finden wird. Der Markt ist zusammengebrochen.“ Arbeitsrechtlich problematisch sind die Jahresverträge, die nicht nur an der Volksoper, sondern in der gesamten Kulturbranche Standard sind. Sie sind zwar vom Kollektivvertrag gedeckt, aber als „Kettenverträge“ – wenn man immer wieder nur ein Jahr lang angestellt wird – könnten sie EU-Recht widersprechen.

Gegen Kettenverträge

Genau hier will Kranner nun ansetzen und mit Unterstützung der Arbeiterkammer gegen die Kettenverträge und das Auslaufen seines Arbeitsverhältnisses vorgehen. „In unserer Branche ist es schwer, sich für seine Rechte einzusetzen, weil man dann schnell als schwierig angesehen wird und keine Arbeit mehr bekommt. Aber ich kämpfe für Gerechtigkeit“, sagt er.

Die neue Direktorin betont, dass das Vorgehen normal sei: „Jede künstlerische Neuausrichtung, jeder Intendanzwechsel zieht auch Veränderung nach sich“, so Lotte de Beer. Auch die Anzahl der nicht verlängerten Verträge sei ein „üblicher Wert“. Alle Verträge enden frühestens mit Ende August 2022, also in mehr als einem Jahr.

Dass den Personen mit auslaufenden Verträgen noch eine Abschlagszahlung angeboten wurde, sei hingegen einzigartig, so die neue Direktorin: „Für die 14 Sängerinnen und Sänger wurde auf Anregung der Gewerkschaft und zusammen mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung aufgesetzt, die auch über den 31. August hinaus eine Zahlung zusichert – mir ist international kein anderes Haus bekannt, das so vorgegangen ist.“

Betriebsrat sieht faires Vorgehen

Auch der Volksopern-Betriebsrat Josef Luftensteiner bezeichnet diese Zahlungen als Entgegenkommen. „Mir wäre lieber gewesen, wenn alle Verträge verlängert worden wären“, sagt er. „Aber das ist die Freiheit der Kunst.“ Das Vorgehen von de Beer sei sehr fair, da die Entscheidungen mehr als ein Jahr im Voraus gefallen seien. Die Problematik der Kettenverträge kenne er auch: „Ich weiß aber nicht, ob das ein Segen ist, sie zu beeinspruchen.“ Er fürchtet, dass die Künstlerinnen und Künstler bei einem Verbot noch schlechter aussteigen würden, da die Häuser Fixanstellungen eher vermeiden.

Gespräche werden nun auf mehreren Ebenen weitergeführt: Innerhalb der Gewerkschaft möchte sich der Betriebsrat noch mit Rechtsanwälten über die Kettenverträge abstimmen, und die neue Intendanz möchte „in den kommenden Wochen daran arbeiten, gemeinsam mit den Sängern eine Lösung zu finden, die für alle befriedigend ist.“ Gernot Kranner hat sich bereits entschieden, den Rechtsweg zu beschreiten.

 

Auch ich möchte mich bei Thorsten Büttner ganz herzlich für seinen hochinteressanten Bericht und die Schilderung der Gegebenheiten bedanken. 2007 hatte ich mal ein längeres Gespräch zu diesem Thema mit einer Sopranistin von einem größeren Opernhaus in Thüringen. Sie hatte mir schon damals die Zustände in ähnlicher Form so geschildert. Vor allem Meinungen sind nicht gefragt – man hat zu machen und das heißt, man hat lt. Vertrag zu singen. Ansonsten war´s das mit Weiterbeschäftigung, Vertragsverlängerung, bzw. mit der Karriere.

Was Thorsten erzählt hat, ist unglaublich. Da bemühen sich Sängerinnen und Sänger nach Kräften, und da meine ich nicht nur körperrliche, sondern auch seelische Kräfte, bis zur Selbstaufopferung, ihre große Kunst nicht nur dem eigenen Anspruch genügend, sondern vor allem auch dem Publikum Genüge zu tun und ihm unvergessliche Stunden zu schenken. Ich weiß aus eigenem Erleben, wie kräfteraubend, aber auch wie tief erfüllend, Probenarbeit und die Aufführung eines großen Werkes wie z. B. Bachs Weihnachtsoratorium, Händels Messias oder Mozarts Requiem für einen Laienchor wie die beiden Chöre es sind, in denen ich singe. Ich weiß aber auch, wie zuvorkommend wir von allen Verantwortlichen, und wie dankbar wir von den Zuhörern behandelt werden. Das ist gegenseitige Achtung, wie wir sie kennengelernt haben und wie sie leider, wie ich jetzt gehört habe, im profesionellwen Gesangssektor wohl nicht (mehr) gegeben ist. Woher schöpfen die professionellen Kolleginnen und Kollegen eigewntlich noch die tägliche Kraft, die notwendig ist, um Abend für Abend auf der Bühne ihren eigenen Amnspruch zu erfüllen, wenn sie so behandelt werden.

Liebe Grüße und alles Gute dir, lieber Thorsten,

Willi

Auch ich weiß aus internen Quellen, wie heutzutage mit den Sängern umgegangen wird. Sie, die die eigentlichen Gestalter der Oper sind, werden als Fußvolk betrachtet, die auch die abwegigsten Befehle auszuführen haben. Sie müssen alles hinnehmen, was ihnen die Intendanten und Regisseure aufbürden, alle die irren Ideen dieser Leute ausführen, auch wenn diese mit der Oper überhaupt nichts mehr zu tun haben. Die Intendanten, die von der Politik bestimmt werden, fühlen sich immer mehr als die Herrgötter, deren fixen Ideen sich alles unterzuordnen hat, ebenso die Regisseure, die die Sänger in Rollen zwingen, die das Werk völlig entstellen. Und wehe, einer von ihnen muckt auf, dann muss er damit rechnen, gefeuert zu werden. Gibt es bei diesen Bedingungen noch einen Anreiz für junge Leute, den Sängerberuf zu wählen? 

Liebe Grüße
Gerhard

Zum laufenden Thema haben die Sängerfreunde einen einleitenden Text verfasst, an den sich ein von Kammersänger Prof. Dr. Bernd Weikl verfasster Bericht über Erlebnisse in Amerika anschließt, den ich ebenfalls hier veröffentlichen soll:

Text Sängerfreunde:

“Erfreulicher Weise stellt uns unser Mitglied Kammersänger Professor Dr. Bernd Weikl für die zur Zeit im Forum laufende Diskussion “Wo bleiben die deutschen Sänger?“ nachstehenden Beitrag zur Verfügung. Um die Strategie, Absicht und Behandlung deutscher Spitzensänger im Ausland besser beurteilen zu können, einige erläuternde Vorbemerkungen.

Der Bariton Bernd Weikl war zur Zeit der berichteten Vorfälle einer der national und international begehrtesten deutschen Sänger. Er war 25 Jahre lang Solist der Bayreuther Festspiele , sang 20 Jahre lang Wochen oder sogar Monate an der Met New York, 25 Jahre an der Covent Garden Opera in London, 20 Jahre an der Scala di Milano und ca. 350 Abende an der Staatsoper Wien. Gerade in der Partie des Hans Sachs hatte er seine größten Erfolge. Er galt in seiner Zeit als der größte Interpret dieser wohl anspruchsvollsten Rolle für einen Wagner-Bariton. Rund 200 Mal soll er den Schuster-Poeten ideal auf der Bühne verkörpert haben.

Weikls Zitate belegen, wie zum Teil mit deutschen Sängern in USA umgegangen wurde und in welchem Maße amerikanische Sänger protegiert wurden. In der deutschen Opernszene ist diese Haltung richtiger Weise nicht vorhanden. Bei uns werden ausländische Sängerinnen und Sänger gleichberechtigt, fair und partnerschaftlich behandelt. – Kritisch wird bemerkt sogar bevorzugt! 

Texte Bernd Weikl:

Ein erläuterndes Beispiel, was mich persönlich betraf,1993: San Francisco Examiner: „Man fragt sich, ob der österreichische Bariton, Bernd Weikl, der sein San Francisco Debüt in dieser Rolle machte, wirklich von Natur aus dazu bestimmt wurde, den Hans Sachs zu singen. Dort, wo man einen vollen Ton erwartete, hörte man ein unruhiges Instrument ohne jedes Profil. Wo ein lyrisches Legato verlangt war, mit blühenden Höhepunkten, ist Weikls Stimme einfach in sich zusammengebrochen. In die „Jerum, Jerum“ Schusterstelle hat Weikl – nach seiner eigenen Vorstellung – viele falsche Töne hineinkomponiert. Das erhabene himmlische Ensemble im Quintett wurde durch seinen groben Ton stark beeinträchtigt, und den darauffolgenden Monolog schien Weikl mit letzter Kraft herauszupressen. Im Finale war er nervös und angeschlagen, so dass wir fragen müssen: Was also rechtfertigt eine Erhöhung des Eintrittspreises von 100 Dollar?“

Und Von Buchau, San Francisco Sentinel: „Aber nichts war so enttäuschend als Weikls Hans Sachs. Obwohl ihn der Dirigent auf perfekte musikalische Weise, mit wehenden Streichern und der wunderbaren Hornstelle in den Fliedermonolog führte, erhielten wir anstelle eines tiefen langen Seufzers in die Nacht hinein, ein raues, brustiges, ungebundenes, unpoetisches und unsensibles Stück Gesang. Der wunderbare Wahnmonolog im dritten Akt war sogar noch kürzer an Ausdruck und Bedeutung. Weikls Sachs-Versuch schien wie ein weiteres Beispiel von Richard Bonynges Aussage über Sänger, die zwar berufen sind, aber nicht auserwählt. Aber warum gerade hier, an einem der größten internationalen Opernhäuser, hier in San Francisco? Warum muss hier der verdammte Computer die Sängerbesetzung machen?“ Eine weitere Arbeitsgenehmigung für zukünftige Gastspiele wurde deshalb verweigert.

1987 legte mir Pavarotti wegen meiner stimmlichen Möglichkeiten nahe, nur noch das italienische Fach zu singen. Und ich spreche auch Italienisch. Ich erklärte ihm, dass dies auf dem internationalen Parkett nicht möglich sei. Pavarotti glaubte mir nicht und wollte mit mir zusammen in Elisire d’amore eine Welttournee starten. Wir traten in Paris auf und ich wurde jeden Abend ausgebuht. Mein Agent äußerte sich dazu, Zitat: „Alle unsere männlichen deutschen Sänger werden in Paris ausgebuht“. Pavarotti gründete dann „Die 3 Tenöre“.

Und die zuständige administrative Dame an der Metropolitan Opera New York, Miss Inkpen, erklärte dem obigen Theateragenten, dass sich der englische oder amerikanische Kollege viel besser verkaufe, mehr Eintrittskarten umsetze, weil dieser – so wörtlich – immer so gute Kritiken erhalte. Und darauf reagierten nicht nur die Theater positiv, sondern auch das Publikum, die Plattenfirmen und Medien.

Soweit die beiden Texte. Eventuell folgen noch einige Gedanken von Marcel Prawy dazu.

Liebe Grüße

Willi

Man möchte dazu überhaupt nichts sagen……dazu kann man nichts mehr sagen.

Liebe Freunde,

ich darf auch heute wieder einen Beitrag mit Vorwort der Sängerfreunde zu diesem Thema einstellen:

Wir danken unserem Mitglied Herrn Kammersänger Professor Harald Stamm für einen Diskussionsbeitrag zum Thema: „Wo bleiben die deutschen Sänger.“ Das Wort des Weltklassesängers hat besonderes Gewicht. Nicht nur, weil er viele Jahre an den bedeutendsten Bühnen und Festivals des In- und Auslandes erfolgreich wirkte. Er war auch 10 Jahre lang als Professor an der Universität der Künste in Berlin als Gesangspädagoge tätig. Er kennt also sowohl den Sängerberuf  und die Gesangsausbildung ganz intensiv aus eigenem Erleben. Er hat auch über den Weg zum Berufssänger und ins Engagement mit vielen verwertbaren Erkenntnissen für Nachwuchssänger publiziert. Harald Stamm ist heute noch ein gefragter Juror. Nachstehend die Ausführungen des kompetenten Insiders:

“Lieber Hans,

das ist ein für mich sehr trauriges Thema. Seit vielen Jahren gibt es bei den Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen leider mehr ausländische  als deutsche Bewerber. Einer der Gründe ist m.E. die in Deutschland fehlende Chorkultur. Es wird an den Grundschulen und Gymnasien zu wenig gesungen. Es ist viel bequemer, sich mit dem „Knopf im Ohr“ von irgendwelchen Konserven und den entsprechenden Streamings berieseln zu lassen. 
Sehr hungrig auf deutsche Musik-Kultur sind die Asiaten. Man bemerkt dies auch, wenn man z.B. in Japan in ein Musik-Geschäft geht. Das ist besser sortiert als in Deutschland. In Hamburg gab es vor Jahren neben dem Opernhaus einen tollen Laden von Steinway. Leider geschlossen. 
Ähnlich sieht es wohl auch auf dem Instrumentalsektor aus. Es wäre ein dringendes Thema für die Politik.

Herzliche Grüße

Harald“

Einen Satz aus den Ausführungen Harals Stamms (stammbass) kann ich dick unterstreichen, weil ich ihn selbst aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung in einem früheren Beitrag in diesem Thema selbst geschldert habe:

“Es wird an den deutschen Grundschulen und Gymnasien zu wenig gesungen.“

Liebe Grüße

Willi

Danke lieber Willi, auch für das Einstellen des interessanten Beitrags von Harald Stamm.

Ich habe mich ja auch schon zum Thema „Es wird an den deutschen Grundschulen und Gymnasien zu wenig gesungen“ geäußert. Dazu habe ich ein Beispiel aus dem Gymnasium meines Enkels geschrieben, das leider selten. Warum ist das so unterschiedlich, woran liegt das? Wäre mal ein Diskussionspunkt…..

 

 

Das Thema lässt mich auch heute nicht ruhen, und so möchte ich noch eine kleine Geschichte erzählen, wie unser Chorleiter Maximilian, übrigens ein Stimmkollege  Harald Stamms, der zwei Chöre und zwei Choralscholen leitet sowie in den verschiedenen  Pfarrkirchen der Stadt in nennenswertem Umfang das Orgelspiel mitträgt, vor vielen Jahren eine Eigeninitiative startete, um für Chornachwuchs zu sorgen, da er eben dieses Manko auch entdeckt hatte.
Er trat an die Grundschulleitung heran und gründete mit ihrer Zustimmung einen Grundschulkinderchor, aus dem er dann später den Jugendchor St. Johannes gründete, deren Mitglieder dann größtenteils später in den Kirchenchor wechselten.
Leider bildete auch der Jugendchor eine Geschlechteraufteilung, wie sie schon seit vielen Jahren bei den Laienchören mit großem Bedauern festgestellt wird: viel zu wenige Jungen- bzw. Männerstimmen, ein Umstand, den ich schon einmal an anderer Stelle bedauert hatte.
Aber immerhin ist in diesem meinem Stammchor das Durchschnittsalter in den Frauenstimmen signifikant niedriger als in den Männerstimmen. Wir haben zur Zeit in meinem Stammchor 24 Sopranistinnen, 26 Altistinnen, 12 Tenöre und 12 Bässe.

In Weltklassechören wie dem Monteverdichoir oder dem Arnold Schoenberg Chor ist die Stimmverteilung fast ausgeglichen,

Liebe Grüße

Willi

Auch wir sehen die Defizite im Chorbereich, dem wir viele Jahre aktiv angehörten, ähnlich. Eine andere sehr beachtenswerte Entwicklung ist, dass Chöre, die ein moderneres Repertoire pflegen weit weniger Nachwuchssorgen haben. Also sollten die traditionellen Chöre überlegen, ob sie in ihren Reihen nicht kleinere Spezialchöre und Ensembles bilden, wo Sänger ihre speziellen Wünsche verwirklichen können. In unserer Gegend gibt es zwei solcher modernen Chöre. In der Regel sind dort die Veranstaltungen bereits im Vorverkauf ausverkauft. Ich bemängle als Kritiker immer wieder, dass diese Chöre ausschließlich mit Mikrofon singen, was zu Überlautstärke, Aussteuerungproblemen und Verlust der Natürlichkeit der Stimmen führt. Aber es scheint der Zukunftstrend, des so eminent wichtigen Chorsingens zu sein.

Herzlichst die Sängerfeunde

Ich wurde  von Hans gebeten,  den folgender Beitrag von Rüdiger Wohlers mit einem Vorwort von Hans hier einzustellen:

Unser Mitglied und Freund  KS. Rüdiger Wohlers schrieb dankenswerter Weise einen umfangreichen Beitrag zum Thema „Wo bleiben die deutschen Opernsänger?“. Es ist ein von reicher Erfahrung geprägter Bericht. Wohlers schildert die Entwicklung, analysiert Ursachen, zieht Schlussfolgerungen und gibt interessante, anwendbare Tipps für Interessenten des Sängerberufs. Alles in allem sind diese Ausführungen genau der Erlebnisbericht, den wir von unseren Profimitgliedern benötigen, um eine ganzheitliche Betrachtung aus der Sicht des ausführenden Sängers und des konsumierenden Publikums bieten zu können. Danke, lieber Rüdiger, dass Du die Diskussion durch Deine Stellungnahme in diesem Sinn ergänzt und bereicherst.

Ja, wo sind die deutschen «Opernsänger» ??

Das ist ein riesen Thema, wo soll man anfangen ? Vielleicht nach dem 2. Weltkrieg ? Viele Hunderttausende junger Männer sind im Krieg gefallen, oder kamen verwundet an Leib und Seele zurück in z.T. total verwüstete Städte.

Nur mühselig wurden die deutschen Städte wieder aufgebaut. Aber der Marshallplan beschleunigte vieles in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Allmählich wuchs das Bedürfnis wieder Theater und Oper zu spielen, zunächst meist in Notunterkünften, man improvisierte, aber mit der Zeit wuchsen die Ansprüche, man wollte wieder große Oper und fing an die zerstörten Spielstätten aufzubauen, oder gar neu zu bauen. Leider nur wenige Theaterräume erfüllten die Erwartungen an Akustik und Ästhetik. Aber sie wurden und werden bis heute bespielt.

Aber woher die Sänger nehmen ? Die Rettung kam einmal mehr aus Amerika ! Ohne die sehr gut ausgebildeten Sänger, aus den Vereinigten Staaten, die sich auch mutig mit der deutschen Sprache auseinander setzten, wäre Vieles nicht möglich gewesen.

An diesem Mangelzustand an Deutschen Sängern hat sich eigentlich nichts geändert, wie mein lieber Harald Stamm etwas traurig bemerkte, nur kommen die Sänger heute nicht nur aus Amerika,  sondern schon lange aus den asiatischen Räumen, aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, Mittel- und Südamerika und seit   einigen Jahren sogar aus Afrika, mit teilweise wunderbaren Stimmen.Die deutschen Opernhäuser profitieren heute davon, daß die großen Werke in derOriginalsprache gesungen werden  und sich so internationale Sänger leichter engagieren lassen.

Wir leben in einer globalisierten Welt, auch wenn es im Moment Bewegungen gibt, die das Rad zurückdrehen wollen. Die deutschsprachige Kulturlandschaft, ins besonderem die Konzert und die Opernwelt, mit den immer noch sehr vielen Spielstätten, ist nach wie vor ein großer Schatz und Anziehungspunkt für junge Sänger und Instrumentalisten weltweit.

Unsere Gesellschaft ist in stetigem Wandel begriffen und die Künste ebenso !! In der Bildenden Kunst ist man immer in Bewegung und immer in der Auseinandersetzung und Reflexion mit der Gesellschaft. In der musikalischen Welt ist die Auseinandersetzung mit der Moderne ein dorniger Weg, für die Komponisten wie fürs Publikum.

Und die Oper ? Sie ist eigentlich eine rückwärts gewandte Kunstform, in der Renaissance wollte man die griechischen Tragödien wieder beleben und nahm an, daß der in den griechischen Dramen auftretende, die Handlung kommentierende Chor, gesungen wurde.Da das Opernpublikum meist zu den älteren Generationen gehört, möchten diese es immer so haben, wie es war, als sie die Oper lieben gelernt haben. Und die jungen Leute ??? Wenn es einmal sein sollte, daß jüngere Menschen die heiligen Tempel der Opernkunst betreten, ist es sicher so, daß von zehn Jugendlichen vielleicht Einer dabei ist, der eventuell ein zweites, oder drittes Mal die Oper wieder betritt ??? Und vielleicht Einer von tausend, sich vorstellen könnte, einmal da oben zu stehen, «auf den Brettern, die die Welt bedeuten» und vielleicht Einer von  hunderttausend jungen Menschen, den mutigen Schritt wagt und diese gefahrvolle Reise beginnt.

        Es gibt keine Erfolgsgarantie für aufstrebende Künstler, egal ob du dich um die Oper bemühst, noch wenn es dich zur Popmusik zieht. Es gibt momentan ja unzählige Möglichkeiten für Popmusiker, sich einem breiten Publikum in TV Shows zu stellen. Wenn man da mal rein hört, weis man natürlich, wo die jungen Leute ihren Wunsch zu singen, ausleben wollen.
Ich betreute lange einen Oratorien Chor in Zürich als Gesangslehrer, auch da totale Überalterung. Aber es war und ist eine schöne aber auch anstrengende Erfahrung mit Laien Sängern zu arbeiten. Allen gemeinsam ist der Wunsch zu singen, sich im  Gesang zu finden und auch zu verbessern. Es kamen zu mir Leute mit tollem Stimmmaterial, aber mit wenig Musikalität, andere waren sehr musikalisch, aber mit wenig Material im Hals, selten war es, aber es kam und kommt vor, daß da eine Person erscheint die beides hat, Stimme, Musikalität und einen direkten weg zum Gesang. Wenn ich dann fragte, warum die Person nicht Sänger-in werden wollte, kamen fast identische Antworten. Entweder konnten die Personen ihre bürgerlichen Vorurteile gegen Bühnenberufe nicht relativieren, oder der Erwartungsdruck der Familie war zu groß, doch etwas Rechtes zu lernen und zwar einen Brotberuf !! Eine andere Gruppe meint dann auch, daß sie besser sind als die Solisten im Konzert, oder auf der Opernbühne, diese Hybris begegnet einem oft bei Opernchor Sängern.Um noch einmal etwas vertieft in das Thema « Wo sind die deutschen Opernsänger» zu gehen. Es liegt natürlich auch an den immer mehr vernachlässigten Musik Unterricht an den Schulen. Ich hatte das Glück auf eine Rudolf Steiner Schule zu gehen, was meinen späteren  Wunsch, Sänger zu werden, sehr nützlich war. Es wäre vielleicht ein Thema für das Forum und die da involvierten Sänger !

«Wie kam ich zum Gesang» !!?? Auch als Anregung für Gesangsinteressierte.Ich glaube, daß jede Geschichte da interessantes zu bieten hätte.  Natürlich sind Chöre im speziellen und Chorgesang im Allgemeinen ein guter Platz um sich in einem zunächst abgesicherten Raum, sängerische Erfahrungen zu sammeln. Obgleich natürlich auch eine gewisse Gefahr für junge, noch sensible Stimmen besteht, sich im Chorgesang zu verlieren und zu versingen. Aus meiner Erfahrung mit Opernfans, Opernfanatikern, mit Opernliebhabern, habe ich immer, auf Nachfrage meinerseits, den Wunsch herausgehört, daß die meisten liebend gern Opernsänger-in geworden wären, wenn nicht dies oder jenes in ihrem Leben passiert wäre.

Meines Erachtens war es noch nie so leicht, sich als junger Sänger an den Topsängern zu orientieren, von ihnen zu lernen, wie heute !! YouTube sei Dank !! Natürlich auch da eine kleine Warnung, es macht keinen Sinn einen der großen Sänger zu imitieren, es ist viel sinnvoller  und auch zielführender sein Singen, sein Timbre, seine Stimme zu kultivieren. Natürlich macht es immer Sinn, sich Anregungen im Gestalterischen zu holen. Aber wie auch immer, so vielfältig die Menschen sind, so speziell und anders ihre Lebenswege sind, der Wunsch zu singen wird den Menschen immer begleiten und erhalten bleiben, es muss ja nicht immer in dieser, von uns so geliebten, artifiziellen Form der Oper sein.  Noch eins: Man wird nicht als Opernstar geboren. So abgedroschen es klingen mag, es geht nur mit realistischer Einschätzung seiner stimmlichen Möglichkeiten, mit Fleiß, Hingabe, Mut, Gottvertrauen, Offenheit und natürlich mit einer gewissen Begabung sollte man auch gesegnet sein und mit Menschen, die es ehrlich meinen und auch mal ihre Meinung sagen. Ich bin damals die sog. «Ochsentour» gegangen. Mein erstes Engagement war in Darmstadt, ich wurde dort für drei Jahre verpflichtet. Meine Gage im ersten Jahr 1968 waren 800 DM, im dritten Jahr 1300 DM und zu guter Letzt 1800 DM, weil man mich halten wollte, aber ich wurde nach Zürich engagiert, damit war meine Ochsentour beendet. Zwei Jahre später sang ich an allen großen Deutschen Bühnen. Meine Zeit in Darmstadt war ein Ort der sängerischen Selbstfindung und der Ort mich auszuprobieren, eine richtige dreijährige Lehre an einem Opernhaus, welches mich forderte und auch förderte. Noch eine Bemerkung zu den Gagen zu meiner Zeit. Es gab damals nur ca. 300 Sänger, Frauen wie Männer weltweit, die pro Abend mehr als 3000 DM bekamen. Also, wer zum Theater geht, sollte nicht wegen des Geldes gehen, da gibt es bessere Gelegenheiten .

Aber warum wir so wenig deutsche Opernsänger haben, kann man wohl nicht schlüssig beantworten, wohl eine Gemengelage der Versäumnisse in der Kulturpolitik, der politischen Ausrichtung generell !??

Ich glaube Gewerkschaften können im Solo Fach nicht viel ausrichten. Solisten sind halt Solisten und die leben gefährdeter als Orchestermitglieder und Chorsänger !!! Das sollte man wissen, wenn man ein Solist sein, oder werden will.

 Liebe Grüße Rüdiger

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Liebe Grüße

Willi

An anderer Stelle des Forums diskutieren wir die Frage: „Sind Opernsänger die besseren  Operettensänger?“ Wir meinen, Rüdiger Wohlers gibt die Antwort, wenn man diese Aufnahme des Gondelliedes hört. Dennoch sind Verallgemeinerungen schwierig. Wahrscheinlich gehört Wohlers aufgrund seines leichten, mühelosen Singens, seiner Beweglichkeit, seiner ausgezeichneten Artikulation und seiner eleganten Bühnenerscheinung zu jener seltenen Spezies, die Danilo genau so überzeugend singen kann, wie Rodolfo.

Es grüßen herzlich die Sängerfreunde   

Ja, was Rüdiger Wohlers geschrieben hat, kann ich auch bestätigen. Doch meine Erfahrungen aus den letzten Jahren von Schülern, die eine Aufnahmeprüfung an der Hochschule gemacht haben, war nicht die Stimme das Problem, sondern die Theorie. Eine Schülerin hat an drei Prüfungen teilgenommen, wobei ihre Stimme hervorragend abschnitt, aber die Theorie war eben so schlecht, dass sie nicht aufgenommen wurde. Ihre Aussage damals „Jetzt muss ich mich auf die Hinterbeine setzen und endlich mal lernen!“ So bei einigen mir bekannten Schülern.

Alle die sich auf die AP vorbereiten haben schon ihre Stimme so im Vorfeld geschult, dass sie fast perfekt ist, aber niemand denkt da an die Theorie, sie bleibt auf der Strecke.

Sind da die ausländischen Schülern besser geschult?

Es ist nicht nur die Stimme die zählt, doch selten wird in den meisten Schulen Musiktheorie gelehrt, die für eine Aufnahmeprüfung wichtig ist sondern:

Pflichtfachprüfungen
1. Allgemeine Musiklehre (schriftlich, Dauer 60 Minuten)
Gründliche Kenntnisse, insbesondere:
– Notenschrift in den wichtigsten Schlüsseln
– Intervall- und Skalenlehre
– Dreiklängen mit Umkehrungen
– Bezeichnungen für Artikulation, Ausdruck, Dynamik, Tempo, Verzierungen
2. Gehörbildung
a) schriftlicher Prüfungsteil (Dauer: ca. 60 Minuten)
– Erkennen leitereigener Töne in Dur und harmonisch Moll
– Erkennen rhythmischer Abläufe
– Bestimmen vorgespielter Intervalle
– Erkennen von Dreiklängen einschließlich ihrer Umkehrungen, auch in der weiten Lage
des 4-stimmigen Satzes
– Diktat eines einstimmigen Themas in Dur oder Moll
– Diktat eines leichten einstimmigen, tonal nicht gebundenen Themas
(z. B. im Stil von Paul Hindemith oder Francis Poulenc)
– einfache Höranalyse
b) praktischer Prüfungsteil (Dauer: ca. 5 Minuten)
– Nachsingen und freies Ergänzen eines vorgespielten Themenanfangs
– Nachspielen und freies Ergänzen eines vorgespielten Themenanfangs (am Klavier oder eigenem
Instrument)
– Vom-Blatt-Singen (leicht)
3. Klavier (praktisch, Dauer: ca. 10 Minuten)
– ein polyphones Stück nach freier Wahl
– ein weiteres Stück nach freier Wahl

 

Lieber Rüdiger

Ich danke Dir für Deinen ausführlichen und hochinteressanten Bericht, dessen Lesen mir neben Freude, auch Nachdenkenswertes gegeben und vermittelt hat.

LG PavOro

Ich muss auch sagen, nachdem ich etwas tiefer in die Branche hineingeschnuppert habe, dass ich trotz gut trainierter Stimme doch besser bei meinem Beruf geblieben bin. Nach den Folgen von Corona allemal und der kathastrophalen Behandlung der  Kultur im Vergleich mit anderen Branchen.

Vor allem konnte ich eine Ahnung entwickeln, wie umfangreich und komplex die Qualifizierung stattfindet und wundere mich nun nicht mehr, dass Opernsänger/in einer der längsten Studiengänge überhaupt ist. Ich habe mir natürlich das nicht alles vollumfänglich aneignen können, vor allem dauerte der Repertoireaufbau noch um einiges länger als die Stimmentwicklung, auf die ich mich am meisten konzentriert habe. Das zieht sich endlos und ich weiß nicht, ob ich mich da so reingehängt hätte – es floss auch viel Geld hinein und nicht immer an die richtige Stelle – wenn ich gewusst hätte, wie lange es dauerte, bis ich mich fit für öffentliche Soloauftritte gefühlt habe, kam ich doch aus dem Chorgesang heraus.

Der dazugehörige Arbeitsmarkt ist ziemlich kaputt, was schon damit angeht, dass in den Hochschulen wohl nicht immer die richtigen Dozenten/innen lehren und viele Studenten/innen heimlich noch Privatstunden nehmen. Dazu kommt dieser skandalös niedrige Verdienst selbst bei einer Festanstellung. Wer es nicht schafft, sich durch irgendeinen Zufall abzuheben und in die erste Garde vorzudringen, bleibt in diesen mehr als prekären Verhältnissen dafür, sich massiv ausbeuten zu lassen. Es mischen zu viele zweifelhafte Akteure mit, was Entscheidungen intransparent macht, etwas, was nich auf die Palme bringt. Der Spass hat dabei oft bald ein Riesenloch.

Das Arbeitsklima ist im erbarmungslosen Konkurrenzkampf verheerend, das halten viele nachvollziehbarerweise nicht aus und scheitern, oft zu einem Zeitpunkt, wo eine Umorientierung schon sehr schwierig ist.

Im Lauf der Zeit habe ich mich oft geärgert, dass ich da nicht reingekommen bin, was auch damit zu tun hatte, dass ich den Vollzeitjob nie reduzieren konnte und auch damit, dass mein selteneres Stimmfach (dramatischer Alt, irgendwie mit Höhe) viel Zeit zum Aufbau braucht und ich das Alter verpasst habe. Was habe ich mich über die Altersgrenzen für Wettbewerbe aufgeregt und rege mich immer noch über die großzügigere Behandlung der Männer diesbezüglich auf.

Jedoch, ganz entscheidender Vorteil: Die Stimme hatte ihre Zeit und Ruhe für den Aufbau, was wertvoll ist und was traurigerweise die vollberuflich Tätigen nicht haben. Außerdem fand ich nach vielen Irrwegen dann doch die richtig guten Lehrer/innen.

Als ich dann mal über Agenturvorsingen herausfinden wollte, wo ich stehe, kam dann, (obwohl sich die ZAV tatsächlich die komplette Klythämnestra – Partie (24 Minuten kompakt) angehört hat) ein irreversibles ko – Kriterium. Trotz attestierter voller Tragfähigkeit für diese Partien besteht ohne umfassende Vorerfahrung mit  Produktionen keine Vermittlungschance. Das war nicht mehr nachholbar.

Natürlich verständlich, denn ich könnte auch für mich selbst nicht sagen, dass die Situation der ganz großen Bühne nicht doch Nervenflattern auslösen würde. Jeder Beruf braucht Entwicklung der Berufserfahrung.

Extrem interessante Erlebnisse waren das und nachdem ich in Verbindung bin mit einer u. a. in Bayreuth tätigen Solistin, deren Namen ich in Foren nicht nenne, bekomme ich sehr viel Infos über diese leider sehr schwierige Welt hinter der Strahlkraft der Bühne mit, der ich mich, gerade in jungen Jahren, besser nicht ausgesetzt habe.

 

Dass die Theorie bei der AP eine wichtige Rolle spielt, ist gewiss Fakt. Wenn meine Eindrücke aus Gesprächen mit Studierenden an  unseren Konservatorien nicht trügen, wird während des Studiums jedoch eher zu viel Theorie, dafür leider deutlich zu wenig Gesangsausbildung vermittelt., worunter dann die deutschen Talente leiden, welche schließlich die Hochschule mit einem Diplom verlassen, leider oft sängerisch rudimentär ausgebildet. Probanden hingegen z. B. aus Südkorea werden erst dann nach Europa geschickt, wenn sie in jeglicher Hinsicht reif für ein Engagement sind!  Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, hat es sinngemäß auf den Punkt gebracht : Singen zehn Menschen aus Amerika bei uns vor, schicke ich einen wieder weg, von den Deutschen neun……

Lieber Gioachino,

Deine Eindrücke trügen leider nicht. Sie sind die bittere Wahrheit. Bei der Gottlob Frick Gesellschaft fördern wir Nachwuchssänger. Wir hören uns diese vor einem Engagement auf der Bühne, in Wettbewerben und weniger gern in Aufnahmen auf You Tube an.  Besonders bei Wettbewerben sind in der Regel 80 – 90% Ausländer, denen 10 – 20% meist stimmlich weniger reife deutsche Teilnehmer gegenüber stehen. Beim Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft haben wir meist auch eine ganze Reihe älterer Sängerinnen und Sänger als Gäste, die zum großen Teil auch Gesangsunterricht geben. Fast alle klagen, dass für das Singen an den Musikhochschulen zu wenig Zeit eingeplant würde. Manche sind genau deshalb aus dem Hochschuldienst ausgeschieden und unterrichten nur noch privat. Ein prominentes Beispiel war Kurt Moll, der zuletzt nur noch von ihm ausgewählte und geförderte Sängerinnen und Sänger privat unterrichtete. Wir sehen leider außer einer radikalen Unterrichtsreform wenig Möglichkeiten, dieses Ungleichgewicht zu ändern.

Lieber Gioachino, wenn wir bei Deinen bisherigen Beiträgen aufgepasst haben, bist Du Profi-Sänger? Wenn Du magst und Du würdest uns dadurch helfen, bestätige bitte, ob das stimmt. Bei allen Klassik-Foren wird darüber geklagt, dass sich kaum Berufssänger im Forum beteiligen. Wir sind glücklich, dass bei uns bereits eine ganze Reihe von Profis Mitglied geworden sind. Wir brauchen, wenn wir den Nutzern ein ausgewogenes Meinungsbild liefern wollen, dringend die Meinung und Erfahrung von aktiven Sängern, zumindest so weit, dass wir anfragen können, wenn sie sich selbst nicht äußern wollen. Außerdem haben wir den hohen Anspruch in manchen Teilen “Anders als andere zu sein“ und deshalb nicht resignieren, sondern weiter um die Mitgliedschaft von Profisängern und anderen an der Oper tätigen Persönlichkeiten, wie Intendanten, Regisseure, Dirigenten usw. werben werden.

Herzlichst grüßen die Sängerfreunde.  

Liebe Sängerfreunde,

auf meiner Homepage  http://www.gesangstudio-vollmert.de ( falls das Anklicken nicht funktioniert, bitte separat eingeben! )  könnt Ihr Euch informieren: Bekenntnisse eines Quereinsteigers. In meiner „dualen“ Vita blieb mir die Karriere auf der Opernbühne versagt, mal abgesehen von Auftritten bei privaten  Veranstaltern und im Opernstudio einer mittelgroßen Bühne. Aber mein Augen- und Ohrenmerk lag ohnehin bei der Kammermusik, speziell beim Lied. In diesem Genre war ich schließlich professionell unterwegs. Und das durchaus erfolgreich. Heute, im Alter von 83, darf ich zufrieden feststellen, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben, zumal meine Begeisterung für unsere gemeinsame Leidenschaft nicht im banalen und nicht selten brutalen Opernbetrieb verschlissen wurde. Meine Gesangsklasse profitiert davon – und wie!

Ciao. GIOACHINO

uhrand hat auf diesen Beitrag reagiert.
uhrand

Ja, so ist es leider. In den Opernstudios sind auch selten deutsche junge Sänger, das war zu meiner Zeit ganz anders. Ich war damals im Opernstudio nur mit deutschen Sängern, da wurde halt auch nur deutsche Oper gesungen.

Aber auch wenn ein Sänger, eine Sängerin es bis zu Bühne geschafft hat, sie bleiben dort eine Ausnahme und müssen immer hinten anstehen. Die Rollen werden zugeteilt, wenn sie Glück haben, ist die Wunschrolle irgendwann vielleicht mal dabei, ansonsten wird das gesungen was vorgeschrieben wird, ein nein wird nicht akzeptiert.

Warum ist das so? Früher wurde, wie gesagt, alles in deutsch gesungen, da gab es selten Asiaten oder Osteuropäer. Ich darf nicht in die Besetzungslisten der Opernhäuser schauen…..

Gedenkkonzert zum 30.Todestag von Gottlob Frick
Werke von Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Yukari Fukui, Sopran – Liangliang Zhao, Bass – Margret Schaal, Flöte – Erika Budday, Orgel und Piano

Wo sind die deutschen Opernsänger?

Ich möchte dieses Thema nochmal aufgreifen, aufgrund des von den Sängerfreunden angebotene GEDENKKONZERT ZUM 30. TODESTAG VON GOTTLOB FRICK.

Zu Ehren von Gottlob Frick, einem deutschen Opernsänger, in Ölbronn geboren, wird dieses Gedenkkonzert gegeben. Werke von Händel. Haydn, Mozart stehen auf dem Programm, darunter auch aus der Schöpfung von Haydn Arien und Duette.

Die Frage stellt sich mir, warum singen da keine deutschen Sänger, warum eine japanische Sängerin und ein chinesischer Sänger? Gerade in der Schöpfung von Haydn und zu Ehren eines deutschen Opernsängers wäre es doch angebracht, auch deutsche Sänger zu engagieren. Ich erinnere mich gerne an die alljährlichen Künstlertreffen, eine Hochburg der Bässe, die vielleicht zu Ehren von Gottlob Frick auch singen würden. Man könnte sogar ein Benefizkonzert für einen guten Zweck daraus machen.

Es wäre für mich schon ein Grund, dieses Konzert nicht zu besuchen.

musika (nichts für ungut)

Sind da Werke von Händel, Haydn und Mozart die richtige Würdigung für Gottlob Frick?   Was ist der Grund für diese Auswahl?

Erich

Attila hat auf diesen Beitrag reagiert.
Attila

„Sind da Werke von Händel, Haydn und Mozart die richtige Würdigung für Gottlob Frick? Was ist der Grund für diese Auswahl?“

Das frage ich mich auch!

Attila

 

musika hat auf diesen Beitrag reagiert.
musika

Hallo ihr Lieben,

Ich denke da etwas erfreulicher: Nun scheint in vollem Glanze der Himmel hat er zum Beispiel wunderschön gesungen, Mozart sowieso, über Händel könnte man allerdings streiten.

Liebe Grüße
André

Wolfgang Kaercher hat auf diesen Beitrag reagiert.
Wolfgang Kaercher

Gerne soll die Auswahl für das Kirchenkonzert für Gottlob Frick begründet werden. Frick war neben seiner Opernkarriere auch ein bedeutender Interpret im Oratorienbereich. Sein Raphael in  Haydns „Schöpfung“  gilt als legendär, besonders in der Referenzaufnahme unter dem Priester-Dirigenten  Karl Forster auch wegen der  anderen Ausnahmesolisten Elisabeth Grümmer und  Josef Traxel. Ähnliches gilt auch für die „Jahreszeiten“. Eine Besonderheit ist auch das Verdi „Requiem“ mit  Maria Stader, Marga Höffgen, Wunderlich und Gottlob Frick hochgelobt trotz der Aufnahme in deutscher Sprache.  Erich unser Freund aus Wien stellte die Frage nach den Gründen der Auswahl.

Diese wurde vom aktuellen Präsidenten der Gottlob Frick Gesellschaft, Herrn Thomas Kleinheinz, getroffen. Gründe dieser Auswahl waren, dass Gottlob Frick für die Kirche in der er getauft, konfirmiert, getraut wurde und wo dann auch der Beerdigungs-Gottesdienst war, für  eine künstlerische Gestaltung des Taufsteins und für die Kirchenglocken bedeutende Beträge gespendet hat. Bei der damaligen Einweihung, dieser Gegenstände sang er genau diese Werke, die Präsident Kleinheinz mit Sensibilität eruierte und  für die Gedenkveranstaltung auswählte. Ich glaube eine bessere Auswahl für diesen Anlass ist kaum möglich. Die ganze Idee zu dieser Veranstaltung hatte ebenfalls der Präsident.

Selbstverständlich hat das Präsidium der Gottlob Frick Gesellschaft erfreut zugestimmt.

Die beiden Gesangssolisten des Konzerts schlug Präsident Kleinheinz vor, weil der diese beiden aus eigenem Erleben  kennt und von ihren Leistungen auch im deutschen Fach voll überzeugt ist. Außerdem sind es junge Sänger, für deren Förderung sich Herr Kleinheinz in ganz besonderem Maß einsetzt.

Am eigentlichen Todestag dem 18. August werden von der Gemeinde und der Gesellschaft noch  Blumen am Grab niedergelegt.

Am 21. September 24 wird  der Opernclub München, auf Initiative seiner Präsidentin Frau Irene Stenzel, einen Gedenkabend  für Gottlob Frick im Hansa-Haus München veranstalten. Als Mittelpunkt wird der am Gärtner-Platz-Theater mit viel beachtetem Erfolg gestartete junge  Bassist Lukas Lemcke einen Lieder- und Arienabend  Gottlob Frick widmen. Ich selbst werde ein kurzes Künstlergespräch mit dem jungen, hoffnungsvollen Rising Star führen und die Veranstaltung moderieren.

Es wäre wunderschön, wenn auch einige Freunde aus unserem Troubadour-Forum an einer dieser Veranstaltungen teilnehmen könnten.

Herzlichst  grüßt Hans A. Hey, hier im Forum  aktiv als Sängerfreund

Erich Ruthner hat auf diesen Beitrag reagiert.
Erich Ruthner

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