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Cherubinis Medea aus der Metropolitan Opera am 22.10 22 im Kino

Sondra Radvanovsky hatte in einem früheren Interview einmal geäußert, dass es ihr Traum wäre, einmal die „Medea“ von Cherubini zu singen. Diesen Traum hat ihr die MET in ihrer ersten weltweiten Inszenierung der neuen Saison zur Übertragung in die Kinos erfüllt und es war überwältigend. Eine Inszenierung, von der wir noch lange zehren werden. Die Medea war ihr sowohl stimmlich wie auch schaupielerisch wie auf den Leib gschrieben. 
Ihr zur Seite stand Ekaterina Gubanova als Neris, die ebenfalls stimmlich hervorragend war.
Auch die Rollen des Giasone (Jason), der Glauce und des Creonte (Kreon) waren mit Matthew Polenzani, Janai Brugger und Michele Pertusi gut besetzt.
Das Bühnenbild bestand an beiden Seiten aus antiken Mauern und in der Mitte aus zwei großen Schiebewänden, die abwechselnd geöffnet und geschlossen werden konnten. Bei geöffneten Wänden waren dahinter die verschiedenen konventionell ausgestatteten Szenen im Palast zu sehen. Das Ganze war noch verstärkt durch eine schräge Spiegelwand, auf der diese Szenen wie von halber Höhe gesehen betrachtet werden konnten. Durch diese Zwieteilung (vor und hinter den Schiebewänden) konnte auch die Trennung zwischen dem Bereich des Kreon (hinten, hell) und dem der Medea (vorne, dunkel) gut dargestellt werden. Großartig war auch die Lichtregie mit den züngelnde Flammen, als Medea zwischen der Liebe zu ihren Kindern und ihrem Rachebedürfnis (Jasons Kinder zu töten) schwankt. 
Lediglich die prächtigen Kostüme waren für mich zeitlich nicht einzuordnen, in die Zeit der griechischen Mythologie passten sie nach meinem Empfinden nicht, worüber ich mir aber dann keine größeren Gedanken gemacht habe.
Insgesamt war es eine packende und spannende Inszenierung, die ich mir gerne noch ein zweites Mal ansehen würde.
Nachtragen muss ich noch, dass ich Cherubinis „Medea“ bisher nicht kannte, mir aber die Musik auf Anhieb sehr gefallen hat. 

Liebe Grüße
Gerhard

Lieber Gerhard, 

mich würde interessieren, welche Fassung der Medea aufgeführt wurde. Ursprünglich war die Medea eine französische Oper mit gesprochenen Dialogen. Später wurde sie dann ins Italienische übersetzt und mit nachkomponierten Rezitativen versehen. Ich kenne sie nur in dieser Form und könnte mir vorstellen, dass mit gesprochenen Dialogen etwas von ihrer Wucht verloren geht.

Viele Grüße

 

Amina

Liebe Amina,

es war die italienische Fassung mit den Rezitativen. Sie war völlig werkgetreu inszeniert, wie ich auch an Manfreds Inhaltsbeschreibung feststellen konnte, die ich ausgedruckt habe, damit auch Erika sie vor der Vorstellung lesen konnte. Alles in allem kann ich nur noch einmal bestätigen, dass die drei Stunden, die die Vorstellung (mit einer Pause nach dem zweiten Akt) dauerte, wie im Fluge verging. Für mich zeigen die Vorstellungen aus der MET, die ich auswähle, immer wieder, dass es noch Regisseure gibt, die ihr Handwerk verstehen, Spannung bei Einhaltung des Librettos erzeugen können und es nicht nötig haben, die Handlung zu verdrehen, weil sie anders mit dem Werk nicht zurechtkommen.

Liebe Grüße
Gerhard

Lieber Gerhard, 

ich kenne „Medea“ seit c. 50 Jahren, habe so einige gehört, aber nie auf der Bühne gesehen, aber das brauche ich eigentlich auch nicht. Für mich gibt es nur eine Medea: Maria Callas! Auf YT gibt es ja jede Menge Aufnahmen mit ihr, leider natürlich nicht als Video. Ich könnte da sicherlich einige empfehlen.

Sondra Radvanovsky habe ich seinerzeit in der Met-Übertragung als Norma gesehen, auch das war ja eine Paraderolle der Callas. Ich fand SR sängerisch ordentlich, aber nicht überragend, und ihre Darstellung- wie weit dem Regisseur geschuldet, weiß ich nicht- erschien mir als nette Hausfrau und Mutter, aber nicht als charismatische Führerin ihres Volkes. Demzufolge kann ich sie mir nicht unbedingt als archaische Zauberin vorstellen, die Medea ja nun einmal war. Versuchs mal mit der Callas, auch wenn ihre Stimme nicht jedermanns Sache ist. Für mich jedenfalls ist ihre Ausruckkraft in beiden Rollen unerreicht.

Viele Grüße

Amina

Ih möchte auch hier meinen Senf dazu geben: „Medea“ hatte ich vor Jahrzehnten mit der Callas auf LPs. Ein Nachkauf auf CD habe ich nie realisiert, obwohl ich nur beste Erinnerungen an Cherubinis Musik habe und auch mir – gleich amina – die Rolle der Callas wie auf den Leib geschrieben war. Ich meine mich zu erinnern, dass es eine Aufnahme in französischer Sprache war, aber beschwören will ich das auf keinen Fall. Dass die Sängerin ab den sechziger Jahren starke Abnutzungserscheinungen aufwies und ihre Stimme nicht mehr gut anzuhören war, ist allgemein bekannt Meine damalige LP-Aufnahme muss aus den fünfzigern gewesen sein, und da war ihr Stimme ein einziges Wunder und auch ihre Schauspielkunst in dieser Rolle war brandios. Aber ich gebe zu, dass hier sehr viele Fehler in meinen Erinnerungen sein können…

Liebe Amina,

ich habe sie damals auch als Norma gesehen. Nun liegt das ja schon ein Paar Jahre her und diese „Medea war – wie ich es empfand – ein großartige Steigerung. Es war ja auch, wie ich schon am Anfang sagte, eine Wunschrolle von ihr. Schade, dass niemand diese Inszenierung gesehen hat. Es wäre interessant, weitere Meinungen dazu zu lesen. Übrigens gibt es die vollständige Inszenierung bereits unter https://youtu.be/gBBbeY_9v00

Liebe Grüße
Gerhard

Liebe Freunde, 

In diesem Zusammenhang ist vielleicht Folgendes interessant:  für „Medea“ war der Kinosaal (mit 150 Plätzen) nur mit etwa 30 Personen besetzt. Der größte Teil davon waren wohl Abonnenten, die die ganze Saison gebucht haben. Und die Inszenierung wurde nicht nur von mir als großes Erlebnis und gelungener Saisonauftakt geschiledert
Am 5.11. wurde „La Traviata“ gegeben. Dazu teilte die Kinoleitung mit, dass nicht mehr genügend Plätze vorhanden wären. Die Nachfrage war wohl so groß, dass die 150 Plätze nicht ausreichten. In diesen Fällen wird normalerweise ein zweiter Saal daneben freigegeben. der auch meist gut gefüllt ist. 
Ich bin kein Abonnent, sondern suche mir die Inszenierungen aus, die ich sehen möchte und bei denen ich mich vorher über die Inszenierung informieren konnte. Und die buche ich aus Erfahrung rechtzeitig vor. Und ich bin darauf aus, Opern zu sehen, die ich nicht so gut kenne oder schon länger nicht mehr gesehen habe. Da wir die „Traviata“ vor 2 oder 3 Jahren aus der MET gesehen hatten (die Inszenierung war dieselbe), habe ich diese ausgelassen. 
Die Kinoleitung teilte mit, dass sie diesmal den zweiten Saal kurzfristig nicht mehr freigeben könne, weil der anders verplant war. Man hätte aus den Vorbuchungen nicht ersehen können, dass die Nachfrage so groß werden würde.
Ich habe es auch vielfach erlebt, dass ich zu einigen der Opern, die wir gebucht hatten, von Besuchern früherer Aufführungen gefragt wurde, was das denn sei (Ein Beispiel: „Andrea Chenier von Giordano). Auch früher, als ich noch ins Theater ging, waren Opern, die weniger bekannt waren, meist schwächer besucht.
Der Schluss, den ich daraus ziehe: Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Opernhäuser so selten auch mal weniger Bekanntes aufgreifen und inszenieren und dass es von den weitgehend bekannten Werken auch eine Unmasse an Tonaufnahmen und Inszenierungen gibt, während man (z.B. auch bei allgemein bekannten Komponisten) manches Werk, dass wirklich geeignet wäre, aus der Vergessenheit zu holen, nur selten findet oder vergeblich sucht. Wahrscheinlich wagen es viele auch nicht, dies wegen des mangelnden Publikumszuspruchs anzubieten. Wie seht ihr das?
Hier noch ein Erlebnis aus meiner Jugendzeit. Ich war während meiner Ausbildung zu einem Lehrgang in München und hatte eine Reihe Kameraden aus verschieden Teilen Deutschlands dort, die häufiger auch in die Oper gingen. Ich selbst besaß nicht die Mittel dazu, aber einmal wollte ich es denn doch wahrnehmen. Damals wurde im Prinzregententheater „Lucia di Lammermoor“ mit bekannten Sängern der Zeit gegeben. Dieses Werk, das heute jeder Opernfreund kennt, war Ende der der 1950er Jahre- soweit ich mich erinnere – in keinem Opernführer zu finden. Die Kameraden lachten mich aus: „Kennt doch niemand“. Aber dann waren sie doch neidisch, als ich ihnen mein großes Erlebnis schilderte. 
Vielleicht würde manches Werk der Vergangenheit auch wieder um die Welt gehen, wenn Opernhäuser es wagten, es aus der Vergessenheit zu holen. 

Liebe Grüße
Gerhard

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